Ausgabe 
3.4.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 79

Zweites Blatt

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehrn

Revaktton. Lxpevttton o. Druckerei: Schulstr. R, XeL Nr 61 leugt^6U>t- i An-etger Glrtze»

155. Jahrgang

Montag 3.April19V5

Rotattonflbnid and Verlag bet Vtsthllch« UntoerfUdtfibrudereL St. Lange, «test«.

Ende nehmen. Co wurde von dem Schlosser Dkojeia gegen bett; Volizeiebek von Vorschau, Baron Nolken, kürzlich eine Bombe ge** schlerldert. In Lodz wurde am 1. d. Mts. gegen den Polizei­kommissar Czatalowicz von einem ärmlich gekleideten Manne ein Bomdenattentcrt verübt. Er erlitt schwere Verletzungen an Brust und Kopi. Ein Schutzmann hieb den Attentäter mit dem Säbel nieder. Dies in Verbindung mit den nicht zu Ende gehen­den dlrbeiterunruben, mit täglich wachsenden Bauernrevolten, mit Ausbrüchen der Volkswut in Palta, Riga, Saratow, Meschhed re. ?eigt, wie die innere Lage des Zarenreichs augenblicklich beschaffen ist. Dabei will das Reich stch zu kriegerischen Großtaten rüften. Die Mobilisierung des 7. Korps sst beendet und die der zweiten Gardein°anteriedivision gilt als beschlossene Sache; diese soll wabrscheinich zusammen mit der Gardeartilleriebrigade ins ftelb rücken. Die Arbeiten zur Verstellung des vierten Ge­schwaders dürften im nächsten Monat beendet sein. Dank energischer Matzregeln hofft man in Petersburg, datz die Flotte eine hervorragende Kriegsmacht darstellen wird. Am 6. April reist der Verkehrsminister Fürst Chilkow nach Sibirien, um u. a. festzu- stellen, ob Arbeiten zur Schiffbarmachung der Flliffe möglich sind. Man versichert immer auss neue im ruffischen Ministerium bes Aeußern, daß seitens der ruffischen Regierung keinerlei Friedens- verbandlungeli eingeleitet worden seien. Ebenso seien von Seiten Japans feine Vorschläge gemacht worden. Dem Vertreter einer Berliner Korrespondenz wurde aui der japanischen Gesandtschaft Folgendes erklärt: Japan stehe nach wie vor aus dem Standpunkt, datz, wenn Rußland den Frieden ernsthaft wünsche, der erste Schritt von ihm ausgehen und direkt an Japan gerichtet sein sein müsse. Solange dies nicht geschehe, werde der Krieg eben sortgesetzt werden und nicht eher endigen, als bis Japan einen völligen Sieg errungen hat. Aul die Frage der Entschädigung verniied es der Diplomat, näher emzugehen, tat aber die charakteristische Aetißeriuig, datz eine Zumiltung an Japan, auf eine Kriegsentschädigung überhaupt zu verzichten, doch nicht ernsthaft diskutierbar sei. Inzwischen verbreitet man in Petersburg wahr und wahrhaftig Siegesnachrichten. So soll General Mischtschenko am 29 März die Japaner in die Flucht geschlagen und zahlreiche Gefangene gemacht haben. Die Quittung für diese ruffiiehe Renommage zu geben, werden die Japaner gewiß nicht vergessen.

großes Aufsehen hervor gerufen hat. Der genaue Inhalt der kaiserlichen Ansprache an die Vertreter der dortigen deutschen Kolonie läßt sich w.e folgt Mitteilen:

Der Kaiser führte aus, er freue sich, die Pioniere Deutsch­lands in Marokko kennen zu lernen und ihnen sagen zu können, daß sie ihre Pflicht getan hatten. Sie sollten einig hleihen und in der Pflichterfüllung forfflckren unter dem Schutz des Kaisers. Deutschland Habe große Handels in ^rrss-n in Marokko und Hn Handel nehme einen erfreulichen Aufschwung. Er, der Kaiser, werde es sich angelegen sein lassen, diesen Handel zu fördern was nur unter der Gleichberechtigung aller Mächte und unter der Souveränität des Sultans und der Unabhängigkeit des Landes möglich sei,.

Die Rede machte einen gewa^igen Eindruck und rief ungeheure Befriedigung Hervor bei den fremden Kolonien. Auch bei den Eingeborenen gab es, sobald die Kaiserworte bekannt wurden, großen Jubel. Sie sprechen nur von dem energischen Kaiser, den sie als Beschützer der Unabhängigkeit Marokkos preisen. Unter den wegen einer kleinen Aenderung im Programm des Kaiserbesuchs entstandenen Gerüchten ist eins besonders hervor- zuheben, wonach dem Kaiser Mitteilung davon gemacht worden sein soll, daß man ein politisches Komplott entdeckt habe. Darauf seien die für die Landung des Kaisers getroffenen außer­ordentlichen Vorsichtsmaßregeln zurückzuführen. Tatsache ist, daß alle Gerüchte falsch sind und lediglich starker Oststurm die Land­ung auf der offenen Reede verhinderte. Auf der deutschen Ge­sandtschaft soll sich der Kaiser nach dem Verlesen eines Schreibens des Sultans aus einige wenige unverbindliche Worte beschränkt haben. Heber Paris wird folgender Zwischenfall, der sich in Tanger ereignete, gemeldet: Eine junge Frau in Trauer- kleidung mit einem Blumenstrauß in d^en französi­schen Farben und einem langen schwarzen Seidenband^daran drängte sich vor und warf mit weitausholender Geste den Strauß in der Richtung d"s Kaisers. Der Strauß fiel dem vor den Kaiserwagen gespannten Schimmel auf den Kopf. Das Pferd bäumte sich auf und zeigte Lust durchzugehen, konnte jedoch schnell gebändigt werden.

Im französischen Senat erwiderte D e l c a s s 6 auf eine In­terpellation des ehemaligen Kolonialministers Dercais über die Marokko-Frage, die marokkanische Politik Frankreichs verfolge genau den durch das franco-englische Abkommen vorgezeichneten Weg. Die wachsende Anarchie in Marokko wäre für alle Mächte und insbesondere für Frankreich unerträglich gewesen, da zu dem wirtschaftlichen Schaden für Frankreich auch noch der poli­tische hmzukomme. Eine wirtschaftliche Ungleichheit wolle Frank­reich in Marokko nicht einführen. Sodann bemerkte der Mi­nister, daß England der französischen Aktion seine Unterstützung zugesichert habe und betonte weiter die Mission des Gesandten Tallandier. Die Regierung des Sultans von Marokko habe selbst die französische Regierung ersucht, die Reformvorschläge bekannt zu geben. Die Sprache Frankreichs sei in Fez ebenso klar wie loyal gewesen. Der Maghzcm fühle sowohl das Wohlwollen wie die Macht Frankreichs. Diese Rede wurde selbst in Paris nicht sehr günstig aufgenommen. Rur derFigaro" lobte sie, die andern Blätter enthielten sich entweder jeden Kommentars oder sie frühen die Rede nichtssagend und bedeutungslos. Die spanische Presse bezeichnet die Rede als äußerst anmaßend und vermutet, daß Über sie eine vorherige Verständigung mit England statt- gefunden habe. Sie hofft, daß die Klugheit die Oberhand ge­winnen unb behalten wird, aber sie hält die Lage für ver­schlechtert.

Von Tanger begab sich K a i s e r W i l h e l m nach G i br a l - tat. Rach einem Festmahl bei dem englischen Gouverneur Feld- marschall White fand in desien Palast großer Empfang statt. Der Gouverneur hielt eine eindrucksvolle Rede auf den eng­lischen König unb den deutschen Kaiser. Der Kaiser blieb bei dem Feste bis 1 Uhr morgens. Am Samstag machte der Kaiser dem Kontreadmiral Prinzen Ludwig von Battenberg, dem Kommandeur des zweiten englischen Kreuzergeschwaders, einen Besuch auf dem FlaggschiffDrake". Zur Frühstückstafel an Bord derHamburg" beim Kaiser waren geladen: Gouver­neur White mit Gemahlin und Töchtern, Kontreadmiral Pnnz Ludwig von Battenberg und andere Offiziere der englischen Ma­rine. Die Weiterfahrt derHamburg" nach dem auf der spani­schen Insel Menorca gelegenen Hafen Port Mahon erfolgte abends 6 Uhr. Dort wurde er von dem Generalkapitän der Balearen in Vertretung des jungen spanischen Königs empfangen.

Ebenso tote der Hochschulstreit in Hannover, der sich immer mehr zur Seeschlange austoächst, will auch der Fall Fischer nicht zur Ruhe kommen. Von orthodoxer Seite wird der Ausschluß des Berliner Pastors Fischer aus der Kirche verlangt. Man muß abwarten, ob der Evangelische Oberkirchen- rat den Versuchen, die Ke^ergerichte wieder aufleben zu lassen, standhalten wird. Der Berliner Bergarbeiterkongreß hat in mehrtägigen Debatten zu den berggesetzlichen Reform­fragen Stellung genommen. Eine sachliche Einwirkung auf die Gestaltung der Novellen wird der Kongreß schwerlich ausüben.

Die Annäherungsversuche zwischen den Deutschen und Tschechen in Prag haben zu einem praktischen Ergebnis noch nicht geführt. In einer Besprechung mit dem Ministerpräsiden­ten v. Gautsch erklärte der Führer der Deutschböhmen Dr. Ep­pinger, daß die Deutschen ihre Obstruktion im böhmischen Landtage aufgeben würden, wenn keine ihnen nachteilige Verhandlungs­gegenstände auf die Tagesordnung gelangten, Regierungsvorlaen zum Schutze gegen nationale Majorisierung eingebracht würden und Deutsche im Landesdienst Berücksichtigung fänden. Gautsch erklärte, er sei zu allen Maßnahmen bereit, die zur Herstellung normaler Verhältniffe führen könnten. Die Vorlage der ver­langten Gesetzentwürfe unterliege keiner Beanstandung und könnte zur Einsetzung einer besonderen Kommission fuhren, die sich dann auch mit anderen, die nationale Verständigung betreffenden Fragen befassen könnte.

In Ungarn hat sich bte Situation wieder verschlechtert. Der größte Teil der koalierten Opposition ist mit den von der Krone gemachten Zugeständniffen nicht einverstanden. Eine am 1. d. M. abgehaltene Sitzung des leitenden Allsschusses bet ver­einigten Opposition brachte keine wesentliche Veränderung der Lage hervor. Der Ausschuß beschloß, am 4. April die Einberusimg des Reichstages anzuregen. Falls bis zu diesem Zeitpunkte kein Ministerium ernannt ist, soll das Abgeordnetenhaus an den König eine Adresse richten. Kriegsminister Pitreich hatte eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten v. Gautsch, den er über die Grund­lage:, der militärischen Verständigung in Ungarn informirte und dessen Zustimmung er einholte. Der österreichische Botschafter in Berlin, Graf Szögynyi, bat in Budapest nichts ausgerichtet und ist nach Berlin zurückgereist. .

In Kreta proklamierte die Nationalversammlung d,e An- neximi der Insel durch Griechenland. Die vier Ueberwachungs- meichte beabsichtigen, mit Waffengewalt gegen eine Erhebung ein- zuschreiten. Prinz Georg bemüht sich einstweilen noch, den Frei­heitsdrang der Kretenser zu zügeln.

Mit' Japan beabsichtigt England, Preffemekdungen zu­folge, ein neues Schutz- und Trutz bündnis abzusebließen, dessen Bedeutung darin bestehen soll, datz beide Mächte sich gegen­seitig ihre asiatischen Besitzungen garantieren, Japan habe durch sein Landheer alle Angriffe auf den englischen Besitz in Indien ab- zuwehren, während England durch seine Flotte die japanischen Inseln vor Angriffen zu schützen trachten soll.

In Rußland wollen die Bombenattentate kein

Volltische Wochenschau.

In her BudgetkommiffioN des Reichstages erfuhr im Laufe der Woche der Stengelsche Entwurf des Reichshaus- haltsgesetzes eine bedeutende U^^staltung. Die Kommission beseitigte die Zuschußanleihe ron 51 Millionen, indem sie zugleich an der Regierungsvorlage wesentliche Korrekturen vernahm unb die dauernden Militärforderungen von 46 Millionen auf den or­dentlichen Etat übertrug. Sie erhöhte dagegen die M a t r i - kularbeiträge um 53 Millionen, so daß deren Ge- famthöhe 266 Millionen beträgt. Der Reichstag schloß sich in der zweiten Lesung diesen Vorschlägen an, durch welche der Betrag an ungedeckten Matrikularbeiträgen im Verein mxt den noch gestundeten früheren 17 Millionen und den von der Regierung freiwillig zu den Mattikularbeittäaen aus dem Anleihebedarf versetzten Millionen auf insgesamt 80 ME. erhöht wird. Der Reichstag stundete aber den gesamten Be­trag von 80 Millionen, der daher von den Einzel­staaten vorläufig nicht eingezahlt zu werden braucht. Damit wird die Finanzlage der Etnzel- staaten nicht so gefährdet, wie es ursprünglich er­schien. Auch in der dritten Lesung blieb der Reichstag bei feiner Beschlußfassung. Der Reicksetat balemziert demnach in Einnahme unb Ausgabe mit 2180 Millionen (statt 2241 Millionen der Re­gierungsvorlage). Die Volksvertretung hat 61 Millionen ge­strichen und den gesamten Anleihebedarf von 293 Millionen auf 191 Millionen herabgesetzt.

Der Reichstag bewilligte in dritter Lesung die beiden Armee­gesetze über die Erhöhung der Friedenspraisenz und die Einführ­ung der zweijährigen Dienstzeit.

In der Samstagssitzung des Bundesrats wurde den Gesetzentwürfen betreffend die Friedensprasenzstärke, betr. die Aenderung der Wehrpflicht, bett, die Feststellung des Neickshans- haltsetats für das Rechnungsjahr 1905 und bett, die Feststellung des Haushaltsetats für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1905 die Zustimmung erteilt.

Graf Bülow gab im Reichstage zur Marokkofrage wich­tige programmatische Erklärungen ab. Einen breiten Raum be- anipruchte im Reichstage die Erörterung des Falles Dietz- Mainz und des Falles Stärck-Verlin. Leutnant Dietz soll durch die fortdauernden Schikanen seines Obersten in den Tod getrieben worden sein. Dre vom Kriegsminister in Aussicht gestellte gerichtliche Untersuchung wird die Angelegenheit wohl völlig aufnfiren. Bis dahin ist es nötig, - mit dem Urteil zurück- zuhalten. Redakteur Stärck, em früherer Mitarbeiter desGieß. Anz." und jetziger Vertreter der Lipp. Landesztg in Berlin, wurde zum zweiten Male wegen einer Sache in Zeuaniszwangshaft ge­setzt und zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Darm liegt zweifel­los eine Verkennung der gesetzlichen Vorschriften. Der Minister suchte die Zwangshaft in diesem Falle mit einer angeblichen Verletzung des Telegrammgeheimnffses zu rechtferttgen. Immer­hin handelt es sich bei diesem Verdacht doch nur um eine Ver­mutung, die erst bewiesen werden sollte, die aber sogleich, damit erledigt erscheint, daß Stärck eidlich erklärte, er habe die De­pesche von keinem Postbeamten erhalten. Sehr schön nehmen sich die Operationen mit dieser modernen geistigen Folter gerade nicht aus.

In der Ersten hessischen Kammer schnitt der Frhr. v. D e h l die von den vereinigten Bauembündlern unb Sozial­demokraten oft mit heilloser Einfalt erörterte Amtsblatt- frage an. Er trat mit Entschiedenheit für das Recht der felbst- ständigen Erörterung politischer Fragen durch die Amtsblätter etn. Die Antwort, die der Staatsminifter Dr. Rothe gab, hat den Mund der fvnst stets so überaus vorlauten sozialistischen Presse Heffens merkwürdig still gemacht. In keinem der drei uns zugänglichen sozialdemokratischen Blättern haben wir bte sehr bemerkenswerten Ausführungen des Staatsministers darüber auch nur mit einer Silbe erwähnt gefunden. Exz. Rothe erklärte, die Großh. Hess. Regierung stehe auf dem Stcmdpunkte, daß sie sich nur für den amtlichen Teil der Amtsblätter verantwortlich halte, deren übriger Inhalt vollständig frei fei; die Regierung habe gar nichts damit zu tun und sei nicht in der Lage, Zeinen lÄnsluß darauf auszuüben. Diese unzweideutige Erklärung paßt den Arm in Arm wandelnden Herren Sozialdemokraten unb Bauembündlern so wenig in ihren Kram, daß sie sich hüten, ihren Lesent davon überhaupt Mitteilung zu machen. Sie werden vielmehr fvrtfahren, ihrer Gefolgschaft weis zu machen, daß die Amtsblätter nach wie vor ganz in der Regierung Banden lägen und darum mit Stumpf und Stiel auszurotten seien. Es macht jenen Herrn auch weiter keine Sorget:, in keulenbewaffnetem Maulheldentum dieses oder jenes Amtsblatt heute alsRepti^ zu bezeichnen, ein Wort, das bei ihnen ganz besonders beliebt tft, und morgen gegen den Liberalismus desselben Blattes zu Felde zu ziehen. Auch mit der Frage der Errichttmg von Arbeits­kammern beschäftigte sich bte erste Kammer. Auf Anfrage des Frhm. Heyl zu Hermsheim, wie sich die Regierung M der Errichtung von Arbeitskammem stelle unb ob sie darin allein vorzugehen gedenke, erwiderte der Staatsministtr Rothe, daß die Regierung den Wert der Arbeitskammern keineswegs unter­schätze, daß sie aber auf ihrem früheren Standpunkt beharre, daß nur das Reich 'kompetent sei, die Frage der Errichtung von Arbeitskammern zu regeln. Die erste Kummer nahm sodann das Finanzgesetz an, und vertagte sich auf unbestimmte Zeit. .

Die zweite hessische Kammer hatte bekanntlich die Errichtung zweier neuer Oberlandesgerichtsrats­stellen abgelehnt, well sie nur in der Bildung eines dritten Senats eine Abhilfe erblickte. Diesem Beschlüsse ist die erste Kam­mer nicht beigetreten, hat vielmehr der Regierungsforderung zu­gestimmt. Die zweite Kammer trat am Freitag in ihrer Mehrheit dem Beschluffe des anderen Hauses bei, nachdem der Justizminister zugesagt hatte, daß binnen Jahresfrist ein Gutachten der Mit­glieder des Oberlandesgerichts über die Wirkung der neuen Maß­nahme eingeholt werde. Das Hans nahm sodann einen banern- bündlerischen Antrag ttotz des Widerspruches der Regierung an, wonach die Umwandlung der Realschulen in Gr.-Umstadt und Alsfeld in' Oberrealschulen verlangt wird. Die zweite Kammer nahm ferner den Gesetzentwurf bett, das Beer­digungswesen nach dem Antrag des Ausschusses au, wonach für jede Gemeinde durch Ortsstatut eine Begräbnis- unb Friedhof- vrdnung zu erlassen ist, welche die religiösen Anschauungen der Konfessionsgemeinde und religiöser Verbände zu berücksichtigen hat. Die Frage der Entschädigung seitens der.bürgerlichen Ge­meinde an eine Kirchen gemeinde, der durch dreses Gesetz eine Deerdigungsbefugnis entzogen wird, frll im Verwaltungswege entschieden toerben. Auf eine Anfrage des Abg. M olthan be­züglich des Schicksals der W a h lr e ch ts-R e f o r m v o r l a g e erklärte Staatsminister Dr. Rothe, daß der Gesetzgebungs-Aus- schuß der ersten Kammer sich eingehend mit der Vorlage be- Bäftfrt habe. Der Zeitpunkt der Verhandlungen im Plenum

noch nicht festgestellt, doch glaube er, daß bte erste Kammer Vorlage in Bälde behandeln werde. _ ,.

Die Auslandsreise führte den deutschen Kaiser zu­nächst an den Hof von Lisfrbon. Bei dem offiziellen ^Hofmahl wurden in freundschaftlichen Worten gehaltene Triurspruche aus- geb-rocht. Beim Besuch der Geographischen Gesellschaft w,es der Kaiser auf die Rachbarschaft der deutschen und portugteflschen Ko­lonien m Afrika hin und gab der Hoffnung auf ein gutes Ein­vernehmen für die Zukunft Ausdruck. Am Frettag trat er die Fahrt nach Tanger an, die in Deutschland und im Auslände

ViMslcke Tagesschau.

Zum Kampfe gegen das Duell.

Tie deutsche Anti-Duell-Liba veröffentlicht Aru> träge über Aen derungen des Strafgesetzbuchs, der Gerichtsverfassung und der Strafprozieß- ordnun g zum Zwecke der Bekämpfung des D-uellwesens. In den Anttägen wird u. a. eine wesentliche Erhöhung der Geld st rasen und Kumulation von Geld- und Frei- heitssttasen bei Beleidigungen und Verleumdungen gefordert. Es wird weiter verlangt, daß bei einer Bestrafung wegen Verleumdung die bürgerlichen Ehrenrechte ab­erkannt werden können. Der Regierung wird weiter zur Erwägung anheimgegeben, ob nicht eine Strafbestimmung dahin zu treffen sei, daß ein Mann wegen Beleidigung eines Ehemannes mit ©träfe bedroht werde, der mit dessen Ehefrau einen gegen die geschuldete Treue utrd Ächtung verstoßenden Umgang Pflegt, falls er das Bewußtsein hatte, damit dem Ehemann eine schwere Kränkung zuzufügen. Der Ehebruch soll an dem schuldigen Ehegatten mit Ge­fängnis bis zu drei Jahren besttaft werden: auch soll auf Aberkennung der bürgerlichen Ehren­rechte erkannt werden können. Die (Strafe für eine Töt­ung im Zweikampfe soll in Gefängnishaft nicht unter zwei Jahren bestehen, falls die Kämpfenden mit der Mög­lichkeit einer Tötung gerechnet haben. Ist die Tötung durch! vorsätzliche Uebertretung der Regeln des Zweikampfes be­wirkt worden, so soll der Uebertretet wegen Mordes oder Totschlags zu bestrafen sein. Auch im übrigen sollen die Zweikampfstrafen sowie die ©trafen, die auf Herausforder­ung gesetzt sind, erheblich verschärft werden. Schließlich wird vorgeschlagen, bei den Landgerichten Kammern für Ehrensachen zu bilden, die zum Teil aus Mitgliedern des Landgerichts gebildet werden sollen. Für diese staat­lichen Ehrengerichte werden im einzelnen Bestimmungen vorgeschlagen, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Außerdem sollen frei gebildete Ehrenschiedsgerichte berechtigt sein, den Ehrenstteit unttr Ausschluß des Rechts­wegs zu entscheiden, falls der Tatbestand einer strafbaren Handlung nicht vorliegt. Die Verhandlungen vor dem- Ehrengerichte sollen geheim sein, soweit nicht beide Be­teiligte die Oefsentlichkeit verlangen.

Die Änttäge enthalten zweifellos einen richtigen Kern, der die Beachtung und Berücksichtigung der maßgebenden ©teilen verdient.

Pie Errichtung einer Kas-Ientrale in Lauöach.

(Oviginal-Artikel desGießener Anzeiger".)

§ Laub ach, 2. ApriL.

Auf Einladung der Süddeutschen Gasgesellschaft tagte gestern int Schützenhof eine Vertreterversammlung der Bürgermeister, Beigeordneten be§to. Gemeinderäte der Städte Hungen, Grünberg, Ulrichstein und Laubach^, sowie der Orte Ruppertsburg, Wetterseld, Freienseen, Queckborn, Ettingshausen^ Münster, Fleitsungen, Merlau, Boben!- hausen, Groß-Eichen, Klein-Eichen, Larden­bach, Villingen, Lauter, Ruddingshain, Nie- der-Ohmen. Von 30 eingeladenen Gemeinden hatte« 21 ihre Vertreter gesandt. Als Vertreter bet Großh. Pro- vinzialdirektion wohnte Kreisamtmann Dr. Kranzi bühler-Gießen, als Vertteter des Kreisamts Schottrni Kreisamtmanu Pfeiffer den Verhandlungen bei. Diq Gräfliche Familie war vertreten durch Kammerdirsktor Birnbaum. Der Vorsitzende, Bürgermeister Jochem- Laubach eröffnete gegen 4 Uhr die Versammlung mit einer kurzen Begrüßung und erläutert den Zweck der Verhand­lungen. Die Bürgermeister L e h r - Ruppertsbirrg unb Kromm - Schotten beantragen, daß Ktgenieur Heil heute nochmals das Projekt näher erklären möge, da bei derj vorigen Versammlung mehrere Ortsvertreter nicht anwesend waren. Ingenieur Heil gibt einen Ueberblick über da§ Projekt. Die Efrsgesellschast baut die Zentrale auf ihre Kosten, legt die Leitungen nach und in den Orten mit dem Hausanschluß bis wr Gasuhr kostenlos, ferner liefert sie frei für die Straßenbeleuchtung Laternen, Zsimdelaber rc. I Ein neuer Paragraph in dem Vertrag sieht für die gtößeryl

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