Nr. 127
Zweites Blatt
155. Jahrgang
Mittwoch 31. Mai 1903
Giehener Anzeiger
Ftotoftontomd and Berlog bet fJrü$f*1<bei UntDcrfiiätflöruderet. Ä, Längs, Eretzea,
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Die w6itftenet SamlHenbiatter* werben dem ^Anzeige, dermal wöchentlich beigelegt Der «»hristiche CaeöeUF erjchetni mowuUch einmal.
General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen.
Per Zusammenbruch der russischen Seemacht.
Der Umfang des japanischen Steges
/md der russischen Niederlage ist jetzt zu übersehen, vorbehaltlich von Einzelheiten, die uns über diesen unvergleichlich furchtbaren Kamps in der Tsuschirna-Straße Augenzeugen erst später berichten werden. Es ist eine in der Weltgeschichte einzig dastehende entsetzliche Katastrophe für das Zarenreich Das Geschwader des Admirals Roschdjest- wenski ist völlig vernichtet. Tie Ueberreste sind ganz bedeutungslos und, wenn man den neuesten Bericbten Glauben schenken darf, in der Hand der Japaner. Der Eindruck und die Erregring über den schweren Schlag, der das russische Reich betroffen hat, sind in allen Ländern überwältigend. Die Tragweite dieser jüngsten großen Niederlage der russischen Marine ist noch nicht zu übersehen; sie wird aber bestimmend auf die Fortführung des Krieges sein. In England bezeichnet mau diesen Seesieg Togos, des japanischen Nelson, als den größten seit Trafalgar. Dem im Verhältnis zum Niefenkoloß Rußland winzigen Jnselreich mit seinen energischen Seeleuten gehört nun die Seeherrschaft in den ostasiatischen Gewässern. Strategie und Taktik des japanischen Flottenführers werden vorbildlich für die Seeoffiziere aller Seemächte werden und die Fachleute er- haltep beherzigenswerte Winke für die Beantwortung der Frage: „Welche Schiffe tollen wir in Zukunft bauen?" Auf die Politik zeigt sich bereits der Einfluß dieser furchtbaren Katastrophe: Französische Blätter drängen bereits den Alliierten, Frieden zu schließen, da dieser auch mit dem letzten Trumpf in dem unglücklichen Spiel nichts zu gewinnen vermochte.
Es liegt heute wieder eine Fülle von Depeschenmaterial vor, das uns über die ungeahnt schweren russischen Verluste weitere Aufklärung gibt. Das für die Russen gleichzeitig Fürchterlichste und Beschämendste ist das Folgende:
London, 81. Mai. Ein über Washington eingetroffeneZ amtliches Tokioer Telegramm meldet, daß anher Nebogatow auch, Noschdjestwenski und Folkersahm gefangen seien! Alle russischen Schlachtschiffe seien in den Grund gebohrt, ausgenommen „Orel" und „Nikolaus I.", welche von den Japanern erbeutet seien.
Es ist selbstverständlich, daß die Gegner stets danach streben, gerade die Flaggschiffe kampfun,ähig zu machen, eine Regel, die auch die Japaner bisher schon befolgt haben, wie ihr Verhalten beim Ausfall der Flotte aus Port Arthur vom 10. August zeigt, wo sie ihr Feuer aus das Flaggschiff, Linienschiff „Zessarewitsch", konzentrierten. Die letzte Hoffnung der Russen also, daß bei den Admiralen, die man bisher für entkommen hielt, sich vielleicht doch noch einige als vernichtet bezeichnete Schiffe befänden, ist damit vernichtet.
Allerdings liegen heute wieder folgende, jedoch etwa 24 Stunden vorher ab gegangene Nachrichten über das Schicksal Noschdjestwenskis vor, die jedoch wohl durch die obige Meldung Lügen gestraft werden:
Petersburg, 30. Mai. Aus zuverlässiger Quelle ver- Zaiifet, daß außer dem Kreuzer „Almas" das Hospitalschiff „O r e l" und ein Torpedoboot in Wladiwostok angekommen seien. Das Linienschiff „Knjaes Ssuworow", das FlaWschjff des Lldmiral? Neschdicstwmski ..Osslsaebja" und das Flaggschiff des Admirals Fcelkersahm ,.Borodino", sowie der Hilfskreuzer ,,Ural" und der Transportdampfer „Kamtschatka" seien gesunken. Noschdjestwenski sei verwundet aus einem von dem Leutnant Durnowo befehligten Torpedoboot, gerettet worden und entkommen. Weitere Nachrichten liegen bis jetzt bei dem Marinestab nicht vor.
London, 30. Mai. Das Neutersche Bureau meldet aus Petersburg: Der russische Kreuzer „Almas" ist in Wladiwostok eingetrosfen. Die Admiralität hat keine Nachricht, daß noch andere russische Sckfsfe entkommen sind. Der Kapitän des „Almas" bestätigt die Meldung, daß das Linienschiff „F ü r st Ssuworow" und vier andere Schiffe des baltischen Geschwaders, darunter der „Borodino", gesunken sind. Gerüchtweise hieß es heute, der Kapitän des „Almas" teilte dem Kaiser mit, daß Wmiral Noschdjestwenski an Bord eines Torpedoboots gegangen sei. Kapitän Ziloti von der Admiralität erklärt das Gerücht jedoch für unbegründet und bemerkt ferner, daß über den Zustand des Kreuzers „Almas" keine Meldung vorlieat. ä
Washington, 30. Mat. (Reuter.) Das Mannedeparte- ment erklärt auf eine Anfrage, es habe wede.r privatim noch amtlich die von den Blättern wiebergegebene Mitteilung erhalten, nach der der „Knjaes Ssuworow" gesunken und Roschdjeftwenski umgekommen sein soll.
Petersburg, 30. Mai. (Beterso. Tel.-9lg.) General Linewitsch meldet unter dem 29. Mat: Der Kvmmandant des in Wladiwostok einaetrossenen Kreuzers zweiter Klasse Almas berichtet: Am 27. Mat verwickelte das Geschwader des Admirals Roschd'estwenski in der Tsusckimastraße die mpaniscke Flotte. tn einen Kamps. An diesem Tage gingen die Panz-rschiste Kniacs Suworow, Borodino, und Ossljäba und der Kreuzer Ural Valoren Dos Linienschiff Merander III. wurde schwer beschädigt. Nach dem Beginn der Schlacht wurde Noschdjestwenskiver- wundet und auf ein a n d e re s S ch i f f ge br a ch t. Nack)- dem d'r Krmz°r „Mmas" von dem Geschwader getrennt worden war, begann die Schlacht in der Dunkelheit von neuem Das Eroebnis des Nachtkampses ist noch unbekannt. Der von dem Geschwader abgaschnittene ,Mmos" lies dann in Wladiwostok ein. - Nach ergänzenden Berichten des Kvmmandaw ten des Mmas", die durch dm Hafenkommandanten von Wladiwostok übermittelt Verden stnd, wurde der Kreuzer Almas" abgeschnitten und konnte das Geschwader mcht wieder erreichen. Das Transportschiff „Kamtschatka" ist schwer beschädigt. Auf dem „Almas" wurden em Leutnant und vier Matrosen getötet, sowie zehn Matrosen verwundet, darunter drei schwer. Es liegen keine Berichte vor, wer von den gesunkenen Schiffen gerettet oder mit ihnen umgekommen
Der Kreuzer Gromoboi untergegangen.
Ein Unheil folgt dem anderen. Heute vormittag erhielten wir folgendes Telegramm:
London, 31. Mai. „Daily Expreß" meldet aus Loki o: Der russische Kren zer Grom obo i, mit saft 80V Mann an Bord, stieß, als er Wtadi- wosto? verließ, offenbar in der Hoffnung, sich mit dem Nest der baltischen Flotte vcrei'.igcu zu können, ans eine japanische Mine und ging bei schwerer See mit Man» und ManS unter.
Da häuft sich in geradezu grauenerregender Weise das Mißgeschick Rußlands, und der Fall Wladiwostoks ist nur noch eine Frage einer verhältnismäßig kurzen Reihe von Tagen.
Togos Berichte.
Tokio, 30. Mai. (Amtlich.) Die von Admiral Togo im Hauptquartiere eingelaufenen Berichte lauten folgendermaßen:
Erster Bericht, eingegangen am Morgen des 26. Mai: Sofort nach dem Eintreffen der Nachricht, daß das russische Geschwader in Sicht sei, fuhr unsere vereinigte Flotte ab, um die russische Flotte anzugreifen. Das Wetter ist heute schön, aber es geht schwere See.
Zweiter Bericht, eingetrosfen in der Nacht vom 27. Mai: Das vereinigte japanische Geschwader griff die russische Flotte heute in der Nähe von Okinoschima, südöstlich von Tsuschima gelegen, an und besiegte sie, indem sie mindestens vier Schiffe zum Sinken brachte und den anderen schweren Schaden znfügte. Der unseren Schissen zugefügte Schaden ist unbedeutend. Die japanischen Torpedobootsrerstörer und die Torr>e-dobooLsflotte machten nach Sonnenuntergang einen Angriff.
Dritter Bericht, eingelaufen am Morgen des 29. Mai: Die Hauptmacht des "vereinigten japanischen Geschwaders setzte die Verfolgung des Feindes seitdem 27. Mai fort und griff am 28/ Mai in der Nähe der Liancourtriffe, nördlich von Okinoschima, eine Gruppe von Schiffen an, die aus den Schlachtschiffen „Nikolai I." und „Drei", sowie den Panzerschiffen „Sseniawin" und „Apraxin" und dem Kreuzer „Jsumrud" bestand. Der „Jsumru" entkam, während die vier übrigen! Schiffe sich ergaben. Die japanischen Schiffe wurden nicht beschädigt. Nach Berichten von Gefangenen sind die in der Schlacht vom 27. Mai gesunkenen Schiffe die Schlachtschiffe „Borodino" und „Alexander III.", der Kreuzer „Ssem- tschug" und drei andere Schiffe. Kontreadmiral Nebogatow und ungefähr 2 000 andereRussen lvurden gefangen genommen. Nachfolgende Verluste erlitt der Feind außer den oben erwähnten noch seit dem Beginne der Schlacht, wie von den Kommandanten, die nicht unter Togos direktem Befehl stehen, und von den besonderen Beobachtungsstationen berichtet wird: „Admiral , Nachimow", „Dmitri Tonskoi", „Swjetlana", „Admiral Uschakow", „Kamschatka", „Jrutschusch" und drei Torpedobootszerstörer wurden zum Sinken gebracht; der Panzerkreuzer „Wladimir Monomach" sank, nachdem er genommen worden war; ein Spezialschiff, dessen Name unbekannt ist, und ein Torpedobootszerstörer wurden genommen. Die bisher bestimmt bekannt gewordenen Verluste der Russen sind folgende: 2 Schlachtschiffe, 1 Küstenverteidigungsschiff, 5 Kreuzer, 2 Spezialdienstschiffe und 3 Torpedobootszerstörer gesunken): 2 Schlachtschiffe, 2 Küstenverteidigungssch-iffe, 1 Spezialschiff und 1 Torpedo- ^ootszerstörer genommen. Bisher ist nicht klargestellt, ob 3 Schiffe, die nach Angaben von Gefangenen gesunken sein sollen, in der erwähnten Aufzählung enthalten sind oder nicht. Außer den 2000 Gefangenen, welche die Hauptmacht des vereinigten Geschwaders gemacht hat, sind noch mehr als 1000 Mann gefangen genommen worden. Der Kampf zurSeeistnochimGange, sodaß es einige Zeit dauern wird, bis die endgiltigen Resultate bekannt werden.
Weitere japanische Meldungen.
London, 30. Mai. Die japanische Gesandtschaft veröffentlicht folgende Depesche ans Tokio vom 30. Mai: Die vier erbeuteten russischen Kriegsschiffe wurden heute wohlbehalten nach unseren Kriegshäfen gebracht, nämlich der „Orel" nach Maizuru, „Imperator Nikolaus I.", „General-Admiral Apraxin" und „Admiral Ssenjawin" nach Sasebo.
Tokio, 30. Mai. Ein Kreuzer mit 200 Offizieren und Mannschaften an Bord suchte Zuflucht in Hamaoa, in der japanischen Provinz Pwami. Hunderte schwer verwundeter Russen kamen in der Gegend von Yamaguchi in Booten und angehängt an Wrackstücke an Land.
London, 30. Mai. Aus Tokio wird von heute früh gemeldet: Die Stimmung hier ist unbeschreiblich. Wohl wurde ein Sieg über Noschdjestwenski erhofft, aber man fürchtete, daß er große Opfer kosten würde. Die Leichtigkeit des Sieges kommt daher völlig unerwartet. Bisher sind 2223 russische Gefangene in Sasebo eingebracht worden. — Die letzten Meldungen berichten, daß die Mannschaften der gesunkenen russischen Schiffe sämtlich den Tod in den Wellen fanden^ Im ganzen gingen 4 7 00 russische O fsiziere und Matrosen mit den Kriegsschiffen unter.
Rnsusche Schildernngen.
London, 31 Mai. „Daily Expreh" meldet an8 Tokio: Japanische Fischerboote br^cht'N eine Anzahl Nüssen an Bord, die sie von booten und Schisfstrummern ansgenommen (jetten. Die Russen erklären, daß die grZßere Schutzweite der jap« Nischen Kelch ntze es dcn Japanern ermöglichte, außer Gefahr zn bleiben, w'öbrend sie die Russen mit einem mörderischen Feuer srberschüt. teten. Zufül^kdefsen verlor die ganze Flotte sehr schnell den Mut und geriet in Panik, welche durch den Torpedoangriff noch aelieigert wnrde.
Shanghai, 31 Mai. Der russische Transport- dampfer Korea ist in Begleitung eines S leprdampfer? morgens in Wusuug an gekommen. Die Porea iä durch große Schußlöcher an der Seite schwer beschädigt- Alle Boote wmden weggeschosicn. Ter Vapitän berichtet, er sei bei der r n s s i s ch e n F l o t t e gewesen, als da- Feuer begann. Sein Schiff Wirde von mehreren Ge! 'iLhen geiroffen, als er mit voller Geschwindigkeit davongedamsst sei.
Petersburg, 30 Mai. Eme Depesche aus Wladiwostok ist an die Admiralität gelangt und wird geheim gestalt n. Man sagt jedoch, sie enthalte die trostlosesten Nachrichten. Wie ein O iwährSmann versichert, entyielt.'n die Metd- unaen Beweise dafür, daß die O s f i z i e r e zu messt kaum vorbereitet zum Seedien,i und unfähig gewesen seien, ihre Schiffe und ihr eipencs. sowie das Leben ihrer Mannschaften zu verteidigen. Die Signale des Admirals wurden falsch ver
standen und ansgeführt und die Matrosen, unfähig zum Dienst, warfen sich ents-tzt ins Wasser. — Infolge der letzten Njederlaae herrscht hier eine ungeheure Erbitterung, die sich in der heftigsten Wei.se Luft macht. — Wie von bestunternchteter Seite mitgeteilt wird, hat die Verbrüderung der Propagandisten der Tat das Todesurteil gegen den Großfürsten Aleris Alerandrowitsch bereits unterzeichnet. In später Nachtstunde habe eine Versammlung' stattgefunden, in der beschlossen worden sein soll, d c Strafe sofort an dem Großfürsten zu voNziesten. Es sind mehrere Verhafttingen vorgenommen worden, den Pol-'zeiagenten xx: es jedoch bisher nickt geglückt, der Führer der Propagandisten habhaft zu werden. Die Polizei arbeitete bre ganze Nacht hindurch mit fieberhafter Anstrengung. Die umfassendsten ~'x'- 0'^d getroffen worden.
Waffenstillstand oder Friede?
Paris, 30. Mai. Nach längerer Unterredung zwischen Nelidow TePassL sollen angeblich Waffenstillstands-Verhandlungen zwischen Rußland und Japan durch Vermittelung Englands und Frankreichs r^mifteHwr bevor stehen.
Petersburg, 31. Mai. Unter Vorsth de? Zaren wird heute ein in Zarkksjefels stattfindender Kriegßrat die Frage der ?Fortfetzung de8 Kriegs beraten.
Der „Neuen Fr. Pr." zufolge ist man in Wiener diplo»- matischen Kreisen der Ansicht, daß die große Niederlage btt Regierungskreise in Petersburg zu der Errenntnts führen wird, daß eine Fortsührmrg^ des Krieges nur zwecklose Opfer erfordert und daß^die gegenwärtige Lage es rätlich erscheinen läßt, Frieden zu schließen. Wenn auch vorläufig keine Anzeichen dafür vorhanden sind, daß diese Erkenntnis sich an den maßgebenden Stellen durchgerungen habe, so unterliege es keinem Zweifel, daß die großen Schichten der Bevölkcnmg Rußlands zumal in den großen städtischen Zentren immer stärker sich mit dem Gedanken der Notwendigkeit, dem entsetzlichen Kampf ein Ende zu machen, vertraut gemackt haben und daß dieser Druck der öffentlichen Meinung baldigst zum belangen würde.
Ein japanisches Unglück.
To ki o , 30. Mai. Im japanischen Mi litär-Arse» n a l zu Koisbikawa fand eine Explosion sttttt, wobei 100 Menschen teils getötet, teils verwundet wurden.
Neues ans Port Arthur und der Mandschurei.
Tokio, 30. Mai. Das hiesige Amtsblatt verösfentliD die vollständige Liste über dieberPort Arthurgemachten Gefangenen sowie das erbeutete Kriegsmaterial. Daraus sind folgende Zahlen hervorzuheben: 41 641 Gefangene, darunter 12 Generale und 5 Admirale und 1439 andere Offiziere, wovon 529 verwundet oder krank waren: 40185 Unteroffiziere, Soldaten und Matrosen, von denen 15 174 krank oder verwundet waren. Erbeutet worden 528 Geschütze und 206 634 Geschossen, 66 000 Kiloaramrn Weizenmehl, 60 000 Kilogramm (Surfte, 11000 Kilogramm Mais und Futter für 1500 erbeutete Pferde.
Petersburg, 30. Mai. (Deter^b. Tel.-Aa.) General Line-, witsch meldet dem Kaiser unter dem 29. Mai: Die japanische Abteilung, welche am 25. Mai Saimiancklan besetzte, verlreß am 26. dieses Dorf. Sie marschierte nach Süden auf Aichilipou. Auf dem linken Flügel veriuckte die feindlick- Borbut. unsere Vor-, posten zurück:ntreiben. wurde aber ^nrückgescklagen.
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Deutsches Reich.
Berlin, 30. Mai. Der Kaiser hat dem Prinzen Arisugawa von Japan den Schwarzen Adler
orden und der Prinzessin Arisugawa die Note-Kreuz- Medaille 1. Klasse verliehen.
— Der „Reichsanz." veröffentlicht die Verleihung deS Charakters als Geh. Kommerzienrat dem Kommerzienrat Louis Ja en ecke in Hannover, dem Verleger deS linkS^ nationallib. „Hannov. Courier".
Hannover, 31. Mai. Bei der ReichStagSwähl in Hameln-Springe erhielt HauSmann (natl.) 8189, Nehren (Bündler) 3739, Lenthe (Welfe) 4964 und Brey (So3.) 8712 Stimmen. Verschiedene Orte fehlen noch. Stichwahl zwischen Hausmann und Brey.
Schwerin, 30. Mai. Samstag den 3. Juni morgend werden der Großherzog und die Großherzogin, die Großherzogin-Mutter, Herzogin Cecilie, sowie Prinz und Prinzessin Christian von Dänemark im Sonderzuge die Reise nach Berlin antreten. In Wittenberge werden die Großherzogin-Mutter und Herzogin Cecilie den Sonderzug verlassen, der die Fahrt mit den übrigen Herrschaften allein fortsetzt. Die Großherzogin-Mutter und Herzogin Cecilie besteigen in Wittenberge den preußischen Sonderzug und begeben sich mit dem Gefolge und dem dort enmetroffenen Hofstaate der künftigen Kronprinzessin nach Schloß^rllevue. Dort verbleiben sie bis zur Stunde deS Einzuges.
AnAiand.
Christi an ia, 30. Mai. ,91 ff en Posten" schreibt: 93 e* rcits früher wurde durch den geheimen Ausschuß in Stockholm dcm Könige zu erkennen gegeben, daß die Aus« Übung seines Recktes, man kann wohl hinzusügen, seiner ver-, fassungSmäßigen Pflicht, einem einstimmig verlangten, rein norwkgifchen Gesetz die königliche Bestätigung zu geben, in Schweden eine Krise nach sich ziehen werde, unter deren Druck der König zwischen beiden Ländern zu wählen haben würde. Daß ist ein schwedisches Veto, wclckeS versteckt, aber deshalb nicht weniger kräftig gegen die Ausübung des SelbltbestiininungsrechteS Norwegen- eingelegt würde; Norwegens König würde gezwungen werden, sieh zum Dolmetscher und Werkzeug für dieses Veto zu machen. So ist König Oskar gegenwärtig ein Gefangener int Stockholmer Schlosse, so feftgebunben durch schwedische Befehle und Drohungen, daß eß ihm nicht möglich sein würde, sich hierher zu begeben, wo alles ihn zur Ausübung seines hohen verfassungsmäßigen Auftrages gerufen hat. DaS ist ein Bild von schmerzlichem, fast tragischem Charakter.
Lodz, 30. Akai. Hier wurde gestern abend der Obersch utzinann Hotoduhin durch acht Revolverschüffe getötet.
Ter preutzisch-hessifch-tbüringifche Lottcricvertrag.
SW K. Darmstadt, 30. Mai.
Die ofstziösen Mitteilungen über den Inhalt deS preußisch-hessisch-thüringischen Lotterievertrags sind hier mit recht gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Die von den vielen hundert Jntcrcffentcn in den letzten Wochen vor


