" Theateroerein. In der zw eit en V orst ellung, die am Freitag, 17. November, stattfinbet, kommt ein neuc§, nach dem Roman von DickenS bearbeitetes Lustspiel von Schöntban „ft lein Dorritt' zur Aufführung. Als Gäste für diese Vorstellung sind Herr Arthur Bauer und Fräulein Poldi Sangora vom Frankfurter Schauspielhause gewonnen.
** AuS dem Bureau de8 Stadttheaters wird unS geschrieben: Auf die heutige 2. VolkSvorstellung, die Maurice Maeterlincks berühmtes Schauspiel ,Monna Banna' bringt, sei auch an dieser Stelle noch ausdrücklich hingewiesen.
— Technischer Verein. Am SamStag wurde im Vereinslokal Kaiferhof abends von Ingenieur Kaltenbach, Mitglied deS Vereins, ein sehr interessanter Vortrag über „Reiseerlebnisse auf einem deutschenftriegSschiffe im Ausland' geholten Ter Vortragende schilderte die üch gebotenen landschaftlichen Schönheiten auf der Fahrt nach Marokko, Samoa, China und Japan in so fesselnder ausführlicher Weise, das; die ungeteilte Frist von einer Stunde für die Tauer deS VortragS weit überschritten wurde. Die aufgelegten ftunftgegenftönbe gaben den zahlreich erschienenen Mitgliedern mit ihren Damen, sowie den Gästen einen Ein blick in die Kunstfertigkeit der Japaner und Chinesen, so daß dem Vortragenden am Schlüsse seiner Rede reicher Beifall gezollt wurde. Nach dem Vortrag hielt fröhliche Unterhaltung die Anwesenden noch bis Mitternacht beisammen.
** T i e freiwillige Gailsche Feuerwehr feierte am Samstag --benü in Steins Saalbau das Fest ihrer Fahnenweihe. Unter den sehr zahlreichen Fcsb- besuchcrn befand sich als Vertreter des Großh. Kreisamts Kreisamtmann Hechler, als Vertreter der Stadtverwaltung Beig. Curschmaun und zahlreiche Stadtverordnete, der Chef der Wehr Kommerzienrat Gall, sowie viele Vertreter auswärtiger Feuerwehren und hiesiger Wehren. Nach einigen einleitenden Musikvorträgen der Regimentskapelle hieß Hauptmann Linden st rulh die Festgäste willkommen, gab in kurzen, markigen Worte:; ein Bild von der Tätigkeit der Feuerwehrleute, die nicht nur im Frieden, sondern auch in Kriegszeiten ihre gemeinnützige Tätigkeit im Dienst der Nächsten- und Vaterlandsliebe zu entfalten hätten. Gr schloß mit einem dreifachen „Gut Wehr!" auf den Kaiser und Großherzog. Nach zwei exakt vorgetragencn Chören des Bauerschen Gesangvereins erschienen die weißgekleideten Festdamen auf der Bühne und Fräulein Arnold überreichte mit einer schwungvollen Ansprache die neue geschmackvolle Fahne im Auftrag der Spenderinnen. Hauptmann Linden st ruth dankte mit herzlichen Worten für die dem Verein gewordene Auszeichnung, dabei versichernd, daß das Korps allezeit des hohen Berufes und der ernsten Pflichten der Feuerwehr würdig bleiben werde. Hierauf verbreitete sich Kreisfeuerwehrinspektor Loos in längeren interessanten Ausführungen über Tätigkeit und Pflichten der Feuerwehren. Am Schluß seiner mit großem! Beifall aufgenommenen Ansprache überreichte er dem eifrigen Förderer des Gailschen Korps, Kommerzienrat Gail, in Erfüllung eines von diesem geäußerten Wunsches ein Album mit den Reden, die er (Redner) bis jetzt über das Feuerlöschwesen gehalten hat. Fahnennägel überreichten sodann unter entsprechenden Widmungsworten Rechtsanwalt Kaufmann für den Männerturnverein, Wagnermeister Faber für die Gießener freiwillige Feuerwehr, der Hauptmann der freiwilligen Feuerwehr zu Heuchelheim, Kaufmann B e r d u x für den Verein ehemaliger Jäger und Schützen, Herr Todt für den Bauerschen Gesangverein und der Schlachterverein Bruderschaft, während Stadtverordn. Gabriel für den Kriegerverein eine Fahnenschleife überreichte. Hauptmann Linoenstruth feierte die Verdienste des Kommerzienrats Gail um das Korps und überreichte ihm als äußeres Zeichen der immer währenden Dankbarkeit ein großes Gruppenbild sämtlicher Mitglieder, worauf Herr Gail dankte und der Wehr sein ferneres Wohlwollen versprach. — Tas Unterhaltungsprogramm des Abends bestand aus Gesangsvorträgen, Konzert der Regimentskapelle und einem von Wereinsangehörigen recht flott gespielten Theaterstück „Ter Wildschütz". Nach 1 Uhr begann der Festball, während am Sonntag nachmittag ein Ausflug nach dem Windhof die schön verlaufene Feier schloß.
” Der Männer-Tnrn verein hält am SamStag, 18. November, im Neuen Saalbau aus Anlaß beS 20jährigen Bestehens beS Vereins einen Festkommers ab.
** Eine betrübenbe ftunbe kommt auS Münster i. W. Der frühere außerorbentliche Professor ber inneren Medizin an ber LanbeSuniversität Sticker, ber jetzt in ber westfälischen UnioersitätSstabt bie Stelle beS Direktors beS stäbtischen Krankenhauses innehat, ist von einem Schlag- anfall betroffen worden, ber glücklicherweise nicht schlimmer Natur sein soll.
• • Die Untersuchung gegen ben ® enbarmerie * wachtmeister Heß aus Wörrstadt, ber bei ber Flucht bes Melchior Thomas in Nieber-Saulheim einen scharfen Schuß abfeuerte, würbe ein ge ft eilt, ba sich n. b. M. Z. herausstellte, baß Heß ben Schuß in bie Lust gefeuert hatte.
* * Kohlensäurebäbe r. Der Vorstanb unseres Volks- babeS hat, nachbem schon langer bie Verabreichung von Sool- bäbem eingerichtet ist, sich veranlaßt gesehen, auch Kohlen- fäurebaber einzurichten.
* In Audienz empfangen wurden am 28. Oktober von Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog u. a. Obsrförster Mettenh eimer von Lauterbach und Amtsrichter Dölp von Ulrichstein.
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(Frfted Blatt.
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
155. Jahrgang
Utr. 255
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien- Hätter uiermal in der Woche betgclegt.
RolauonSdruck u. Verlag der Brüh l'fchen Univers.-Buch-u. Steinbruderei. R. Lange. Redaktion, ErvedUion und Druckerei:
Schal st raße 7.
Redaktton 112
Verlag u.Exoed.s^öl Adrcsie kür Deoefchen:
Anzeiger Gießen.
Montag 30. Oktober 1005
Ä Bezugspreis,
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Genera!-Anzeiger 17 "ä
v oe.. poüL und atigern.
Teil: P. Witt ko: für „Stadt und Land' und ,Gertchtsfaal': Ernst Heß, für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Die heutig.' stummer umfaßt 8 Seiten.
Iie Zuftänve in Rußland.
Der deutsche .ReichSanz.' macht bekannt:
Jnkolge der Unterbrechung des Verkehrs atü den russischen Eisenbahnltnieit kann- die Post nach R tt ß l a n d bis auf weiteres nicht mehr attf den gewöhnlichen Wegen ab- gesandt werden. Es wird v ersticht werden, sie, soweit eS angängig ist, auf anderen Wegen, insbesondere auf dem Seewege zu befördern.
AuS Petersburg wird heute folgendes offiziös gemeldet:
Für da? Ausland wird die einfache Korrespondenz vorläufig über H e l f i n g s o r s, Aabo und Stockholm befördert.
In Ansehung der innerrttssifchen Verhältnisse, die nicht ohne a n g ü n ft i g e Wirkung auf das Verhalten der europäischen Geldmärkte gegenüber den russischen Werten bleiben könnten, erklärte der F i n a n z m i n i st e r aus eigener Initiative ben hier-eingetrost'enen Bankiers ohne jedwede Mttteilung seitens der letzteren, daß er Vorschläge, w e i t e r e U n t e r h a n d l u n g e n über die geplanten Kreditoperationen bis zur Aenbcrung der erwähnten Verhältnisse und zürn Eintreten eines günstigeren Verhaltens der ausländischen Geldmärkte den russischen Werten gegenüber hinauszuschieben.
Die Anwälte mit ihren Gehilfen wollten vereint mit den Arbeitermasien die Schließung des Bezirksgerichts erzwingen und in den Gerichtssälen Volksversammlungen abhalten. Die Anwälte durchzogen die Räume des Gerichts und zwangen die Beamten, sich zu entfernen, und den Dienst ein- jufteUen. Als nunmehr die Volksmassen in das Gericht zur Abhaltung von Versammlungen einbiingen wollten, wurden sie von Militär und Polizei auseinanbergetrieben.
AuS ber Unzahl ber sonstigen Nachrichten auS Rußland heben wir folgendes hervor:
Der Londoner „Standard" meldet aus Petersburg: Auf der Börse wird die Sage als sehr ernst bctradjtet. Auf Grund guter Informationen verlautet, ein Mitglied der Umgebung des Zaren habe Befehl gegeben, die feifert Jacht unter Dampf zu halten, desgleichen mehrere Kriegsschiffe, um für alle Fälle bereit zu fein, den Zaren und die kaiserliche, Familie nach Deutschland zu bringen. (Natürlich ist dieser Meldung kein Glauben zu schenken.)
Der Pariser Vertreter des „Mvrning Leader" telegraphiert fernem Blatte, er habe folgende Information aus verläßlichster russischer Quelle: Der Zar habe sich entschlossen, der mächti- gen Volksbewegung nachzugeben und eine Verfassung n a ch vemMuster des e n g I i s ch e n R e g i e r u n g s s v ft e m s ein- xnführen. Die Großfürsten dagegen treten dieser Absicht entgegen und begünstigten noch immer den Gedanken einer Militär-Diktatur. Witte sagte dem Zaren, er würde Rußland sofort verlassen, falls der Zar der Militärpartei gestatte, -wieder die Oberhand zu gewinnen. — Die revolutionäre P a rtei hat eine treffliche Organisation, die vollständig be-- fä big t und bereit ist, die Regierung zu übernehmen, sobald die jetzige Regierung g e st ü r z t ist. Die revolutionäre Partei hat auch bereits Gerichtshöfe eingesetzt, bie über hochstehende Persönlichkeiten, Generale, Staatsbeamte imb Polizeioffiziere, welche in die Gefangenschaft der Umstürzler geraten, urteilen werden. Es ist kein Geheimnis, daß diese Richter hauptsächlich Todesurteile fällen werden.
Die Studenten der Medizinischen Akademie zu Petersburg beschlossen in einer Resolution dem Zaren ihren Ab- scheu auszusprechen. Ein Regiment Husaren besetzte die Medizinische Akademie. Graf Witte ist fortwährend beim Zaren und hat oft stundenlange Unterredungen. Der Telephonbetrieb ist teilweise von Soldaten wieder hergestelll worden, jedoch können nur die staatlichen Verwaltungen die Linien benutzen. Der Telephonverkehr zwischen Petersburg und Moskau ist auf einer Linie in Betrieb, jedoch kann nur der General- gtniüerneirr die Leitung benutzen. Mehrere Regimenter in verschiedenen Städten weigern sich Polizeidienste zu leisten.
Unter den ersten Gesuchen, gemäß dem neuen Gesetz eine Versammlung abhalten zu dürfen, befand sich, wie aus Petersburg berichtet wird^ eins vom kaiserlichen Ballettkorps. Die jüngsten Streikrekruten stellen die höheren Schulen. Ein Komitee von Knaben und Mädchen verfaßte eine Aufstellung ihrer Lüisichten und überreichte sie dem Redakteur des „Ruß".
In Moskau hält der Petersb. Tel.-Ag. zufolge die große Erregung der Bevölkerung an. Kommis erzwangen die Schließung aller Laden mit Ausnahme kleinerer Kolonialwarengeschäfte. An mehreren Stellen kam es zu Zusarnmenstößen mit der Polizei, besonders am Jwerskajator, bei denen viele Personen verwundet wurden. Die Universität ist verbarrikadiert und wird von bewaffneten Studenten beschützt. Der Telephonverkehr in der Stadt hat aufgehört. Die Mitglieder mehrerer Theater beteiligen sich an dem politischen Ausstand. Am Sonntag fand eine große Versammlung statt, an der der Gemeinderat sowie Vertreter der Semstwos, des Wels, der wissenschaftlichen Gesellschaften, der Preffe, ber Vereine und Verbände aller Parteien, auch ber revolutionären, sich beteiligten. Die Redner traten in leidenschaftlichen Reden für den Kampf mit Waffengewalt und Einsetzung eines Wohlfahrtsausschusses ein.
In Odessa errichteten Tauseyde von Arbeitern unter der Leitung von Studenten an vielen Straßenecken Barrikaden, indem sie Straßenbahnwagen, Bänke und Schilder aufeinander türmten. Die Kosaken feuerten darauf und töteten einen Studenten, drei Arbeiter und ein Mädchen; 18 Personen wurden verwundet unb in die Apotheken gebracht. Die Truppen versprachen in die Luft zu schießen. Die Universität wird von Truppen bewacht, niemand wird eingelassen. Die Läden und Restaurants werden durch "Arbeiten massen zum Schließen gezwungen. Die Straßenbahn verkehrt nicht. Die Llpotheken sind in Rettungswachen umgewandelt, auch sonst ist durch die Aerzte die Hilfeleistung organisiert. Alle Plätze sind von Kvsaken, Gendarmerie und Polizei besetzt. In Reval fanden mehrfach Zusammenstöße mit der Polizei und den Truppen statt. Die Zahl der Getöteten wird auf acht, die der Verwundeten auf 40 angegeben. Mit Gewehren und Revolvern bewaffnete Hausen verhinderten die Feuerwehr, das ip Brand gesteckte Stadttheater zu löschen. Wie aus Charkow gemeldet wird, hätten die Revolutionäre den General- gvuverneur der Provinz gefangen genommen und die T-odesstrafe über ihn verhängt, die sie auch zu vollziehen beabsichtigten.
3n Riga wurde ein Oberst auf offener Straße er
schossen. In Kiew fand bei der Universität ein Zu- fammenftoft zwischen Militär und einer großen Volksmenge statt. Heber 1000 Personen wurden verwundet. Der Führer ber radikalen Partei, ?ldvokat fRätner, wurde verhaftet. In Poltawa soll es gleichfalls zu großem Blutvergießen g'kenn" n sein
Volllische Tagesschau.
Die Tabaksteuer.
Zu der im Zusammenhang mit ber Reichsfinanzreform geplanten Tabaksteuer bemerkt sehr optimistisch die „Na t.- Lib. K orr esp.":
„Wie wir hören, zielt bte Erhöhung der Tabaksteuer keineswegs darauf ab, der Mehrzahl ber Raucher unb namentlich ber minder steuerfähigen ihren Verbrauch zu verteuern. Auch liegt es nicht in der Absicht, bie Tabak- industrie irgendwie einer Beunruhigung oder gar einer erhöhten Belastung auszusehen. Nachdem bie Tabakfabrikatsteuer zweimal von den verbündeten Negierungen in Vorschlag gebracht worden ist, ohne daß sich im Reichstag irgend welche Aussichten eröffneten, es werde sich auf einem derartigen Wege erreichen lassen, Mehrerträge aus dem Tabak zu erzielen, die irgendwie in Betracht kommen könnten, munte cs als a u s g e s ch l o s s e n gelten, diesen Weg noch einmal zu betreten. Tie Tabakindustrie richtete sich in weiten Gebieten, namentlich Nord- deutschlands, hierauf ein, unb es müßte als schwerer Mißgriff gelten, jetzt die Zuversicht eines ber wichtigsten Industriezweige zu täuschen. Ties würde sich um so schwerer rächen, als im Zusammenhang "mit der Entwicklung ber Tabakindustrie zahlreiche kleine Betriebe der Fabrikation und des Verkaufs entstanden sind, von denen zahlreiche mittlere und kleinere Existenzen ihren Lebensunterhalt in einer gewissen Selbständigkeit finden, die sozial- und steuerpolitisch von größtem Wert ist. Beim Tabak ergab sich mit aller Klarheit: Nicht der Massenverbrauch und die Massenfabrikation durfte gefaßt werden, sondern lediglich ber Verbrauch und die Herstellung von Luxusartikeln. In logischer Verfolgung dieses Gedankens wurde in den Vorschlägen, bie jetzt im Bundesrat ihrer letzten vorläufigen Beratung unterzogen werden, die Wertdifferenz fruktifiziert, die in dem Rohmaterial des Fabrikations- und Verbrauchsartikels zutage tritt. Der Unterschied in dem Wert des Rohtabaks zu Luxuszigarren und Luxuszigaretten und demjenigen zu Fabrikaten des Turchschnitts- und Massenverbrauchs ist beträchtlich. Er beläuft sich für den Doppelzentner bis auf 1400 Mk. Ob im einzelnen in den Vorschlägen, um die es sich handelt, die Linie eingehalten worden ist, auf der die Mehrheitsparteien den verbündeten Regierungen werden folgen können, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wird die nationalliberale Partei nur solchen Anträgen zu stimmen können, denen zufolge weder einer Mehrbelastung der Tabak-Industrie, noch eine solche des Durchschnitts- und Massenverbrauchs herbeigeführt wird."
Aus Atiwl und Land.
Gießen, 30. Oktober 1905.
" Personalien. Wie uns auS Darmstadt drahtlich gemeldet wird, ernannte der Großherzog den Direktor der Augustinerschule zu Friedberg Dr. Richard Loeb eil zum Direktor deS GymnasillmS zu WormS und den Direktor beS Gymnasiums Fridericanum zu Laubach Dr. Hermann Balser zum Direktor der Augustinerschule zu Friedberg.
** Oberkonsistorialpräsident i. P. Goldmann ft In Darmstadt verschied am Samstag abend Wirklicher Geheimerat Dr. Gold mann im 85. Lebensjahr. Mit ihm ist wiederum ein Mann aus dem Leben geschieden, der in den verschiedensten Beamtenstellungen rn Hessen tätig war und unserem Heimatlande höchst ersprießliche Dienste geleistet hat. Dr. Karl Ludwig Theodor Goldmann ist ein Sohn der Stadt Gießen und wurde am 2. Juli 1821 geboren. Nach erfolgreichem Besuch des Gymnasiums widmete er sich dem juristischen Studium, das er 1842 vollendete. Hierarif wurde er bis 1847 als Akzessist bei verschiedenen Berwaltungs- und Gerichtsbehörden verwendet. Ein weiteres Jlahr war er Mitglied der fürstlich Jsenburgischen Rentkammer in Büdingen, worauf er in den Staatsdienst zurücktrat und zunächst Regierungssekretär in Biedenkopf, einer der Kreisstädte des damals noch hessischen Hinterlandes, wurde. Vier Jähre verblieb Goldmann in dieser Stellung, um dann nach Darmstadt als Kreisassessor berufen zu werden. Bereits 1854 kehrte er nach ber Provinz Oberhessen zurück, zunächst als Kreisrat des Kreises Lauterbach, welche Stellung er 1858 mit ber des Kreisrats in Dieburg vertauschte. Am 4. Mai 1866 kehrte Goldmann als Pro'vinzialdirektor der Provinz Oberhessen in seine Vaterstadt Gießen zurück, war dann vom 22. September 1870 ab Provinzialdirektor ber Provinz Starkenburg unb vom 16. Juni 1874 bis 20. Juni 1877 Provinzialbirektor von Rhein Hessen. An biefem Tage würbe er zum Präsidenten des Oberkonsistoriums ernannt. Nach 22jähriger Tätigkeit an dieser obersten Behörde der evangelischen Landeskirche trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Schon vorher hatte das Vertrauen des Großherzogs den pflichttreuen Beamten als lebenslängliches Mitglied in bie 1. Kammer ber Landstande berufen, in der er bis kurz vor seinem Tode eifrig tätig war und auch als Sekretär und Ausschußmitglied fleißig arbeitete. Erst zu Beginn der letzten Landtagssitzungen am 19. Okt. d. I. entjagte er ber ihm lieb gewordenen parlamentarischen Tätigkeit. Goldmann war durch seine hervorragenden Eigenschaften als ALensch unb Beamter in allen Kreisen hochgeschätzt und fein Name wird in der Geschichte des hessischen Staates ehrenvoll fortleben.


