r- Der Amtmann: »Ganz recht. Sie brauchen dem Äemp: Las Rad nicht machen zu lasten. Die Strafe ist erlassen. Knisel.
— Unsere 116er rückten beute morgen gegen 4 ZH)r auS, marschierten über Heuchelheim, Rodheim, Bieber, Waldgirmes nach Dorlar, wo die Pioniere eine Brücke über die Lahn geschlagen hatten, die überschritten wurde. Der Marsch führte in die Gegend von Wetzlar, wo sich ein Gefecht entwickelte. In Dutenhofen, wo eine einstündige Ras war, wurde ein Soldat vom Hitzschlag getroffen und später per Droschke durch einen Sanitätssergeanten ins Lazarett hier- hergcbracht. Trotz der großen Hitze war, so schreibt uns ein Berichterstatter, das Regiment stramm auf den Beinen. Kurz por 12 Uhr kehrte daS Regiment wieder hierher zurück.
** Ein Preisrauchen! In der Friedberger L)berh. Ztg. finden wir folgende ganz ernsthafte Lokalnotiz: „R au chklub „Blau e Wolk e". Bei dem am 25. d. Mts. in Bischofsheim veranstalteten Preisrauchen erhielt unter 70 Bewerbern, der hiesige Rauchklub „Blaue Wolke" den ersten Preis." — Würdiger, angesehener Verein, wachse, blühe und gedeihe!
Q Lich, 29. Juni. Zum Eintreffen deS Groß- .Herzogspaares in unserer Stadt und zur EnthüllungS- f ei er des Denkmals für den Fürsten Ludwig beginnt die Stadt bereits Festschmuck anztilegen. Besonders schön wird der vor dem Schlosse gelegene freie Platz auZgeschmückt, auf den daS Fürstendenkmal zu stehen kommt. Mehrere Ehrenpforten werden an den Eingängen der Stadt errichtet. Die Butzbach—Licher Bahn hat zwei Sonderzüge eingelegt. Die Enthüllungsfeier findet nächsten Sonntag um 3^/, Uhr statt.
8. Rinderbügen, 27. Juni. Auf einer Blöße im nahen fürstl. Walde überraschten zwei Büdinger Jäger einen Wilderer in dem Moment, als er einen Reh bock niederknallte. Auf den Anruf der Jäger entfloh er und konnte bis jetzt nicht ermittelt werden.
^.Büdingen, 29. Juni. Für das Rechnungsjahr 4905 find von den Gemeinden unseres Kreises 134000 Mark Kreisumlagen aufzubringen. Die Gemeinden Büdingen, Nidda-Echzell bringen hiervon allein über 30000 Mark auf. — Heute wurde die in Touristenkreisen wohl bekannte Besitzerin des Hotels Stern beerdigt.
S. W. K. Darmstadt, 29. Juni. Als unser Groß- y erzog letzte Woche in Begleitung seiner Gemahlin auS einem hiesigen Geschäfte, wo er sich Zigarren eingekauft hatte, auf die Straße trat, bemerkte er einen armseligen, ver - krüp p e lten Jungen, der Blumen verkaufte. Ein mitleidiger Blick streifte die kleine Gestalt, dann griff der Fürst in die Tasche und reichte dem Blumenverkäufer ein Geldstück, für das er sich ein kleines Sträußchen von dem jKorb nahm, das er der Großherzogin überreichte. Der arme Junge starrte noch auf das blinkende Geldstück, als der freundliche Geber schon längst wieder verschwunden war.
** Der hessische Zentral-Berein für Errichtung billiger Wohnung en (Ernst-Ludwig-Verein) hatte, wie unS au§ Darmstadt berichtet wird, gestern dort seine diesjährige Generalversammlung im städtischen Saalbau unter Vorsitz des Frhrn. Heyl zu Herrnsheim. Dieser eröffnete die Sitzung mit Begrüßungsworten und hieß die Vertreter des Finanzministeriums willkommen, sowie die Provinzialdirektoren Frhr. v. Graney und Geheimrat Dr. Breid ert. Der Verein zähle zurzeit bereits 35 Bauvereine, 12 Gemeinden betrieben selbständig die Förderung der Bautätigkeit. Int Jahre 1904 wurden 15 neue Bauvereine gegründet ünd 250 Kleinwohnungen im Werte von rund 1 Million Mark erbaut. Sehr notwendig zur weiteren Förderung sei die Gewährung von Darlehen an die Gemeinden, und für diesen Zweck sollte die Landeskreditkasse mehr Mittel zur Verfügung stellen. Bezüglich der weiteren Wohnungsfürsorge habe er, der Redner, schon in der ersten Kammer entsprechende Anträge gestellt. Landeswohnungsinspektor G r e tz- schel erstattete darauf den Jahresbericht, der sich besonders Über die rege Anteilnahme der Gemeinden und deren Unterstützung durch die Kreisbehörden re. ausspricht. Die preisgekrönten Entwürfe zum Wettausschreiben des Vereins wiesen sehr erfreuliche Erfolge auf. Nach dem Dank des Vorsitzenden an Herrn Gretzschel brachte Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert in Anregung, besonders in Oberhessen mehr die Kreisverbande an den Bestrebungen zu betätigen; diese seien ebenfalls berechtigt, zwecks Erbauung billiger Wohnungen von der Landeskreditkasse Mittel aufzunehmen. Nach dem von Herrn Wolfs kehl erstatteten Rechenschaftsbericht hielt Bürgermeister und Abg. Dr. Frenay - Bensheim einen Vortrag über die Ausführung des Wohmmgsfürsorge- gesetzes im Zusammenwirken von Gemeinden und gemeinnützigen Bauvereinen. Ueber Gesundheitspflege und Wohnungswesen referierte Sanitätsrat Dr. Pullmann in einstündigem Vortrage. Bei der Vorstandsmahl werden die ausscheidenden Mitglieder Frhr. v. Heyl, Oberbürgermeister Morneweg und Justizrat Dr. Gutfleisch- Gießen wiedergewählt. Zum Schluß spricht Geh. Oberbaurat Hoffmann über die praktische Ausgestaltung der Tagung. Man dürfe nicht soviel in Architektur arbeiten und mehr die Wirklichkeit reden lassen. Er ist bereit, wöchentlich eine unentgeltliche Vorlesung hierüber zu halten. Der'Vorsitzende dankte allen Rednern und schließt dann die Versammlung um y22 Uhr.
R. B. Darmstadt, 29. Jtmi. Tie heutige Sitzung unserer Stadtverordneten wurde zur größeren Hälfte purch teilweise recht animierte sozialpolitische De- ba 11en ausgefüllt. Den ersten Anlaß dazu bot ein sozialdemokratischer Antrag, dahingehend, daß für alle städt. Arbeiter Arbeiterausschüsse gebildet werden sollen, welche in allen Fragen der Entlassung von Arbeitern, die länger als ein Jahr bei der Stadt beschäftigt sind, sowie fn den sonstigen Fragen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse auf jeden Fall gehört werden müssen, in anderen Dingen aus Wunsch der Stadt gefragt werden können. Stadtv. Cramer begründete diesen Antrag. Oberbürgermeister ßNorneweg dagegen bekämpfte ihn in scharfen Worten. Die Stadt habe gar keine Veranlassung, nach bötn Antrag her Herren Cramer und Stephan hier eine solche Organisation zu wünschen, die das politische Parteigetriebe in die vreife der städtischen Arbeiter hineintragen würde; das könne sie im Interesse des Friedens in der Arbeiterschaft nicht zugeben. Eine solche politische Organisation würde bon auswärtigen Agitatoren geleitet und gegen die In ter- Zsen der Stadt gerichtet sein. Gegen eine freie Organisation der Arbeiterschaft habe er durchaus nichts einzuwenden,»
aber man lebe gegenwärtig immer noch in einem1 monarchischen Staat und nicht in einem sozialistischen. Die Stadt habe gar keine Veranlassung, hier durch solche Mittel die sozialdemokratische Agitation groß zu ziehen. Ueber einen zweiten Antrag der Sozialdemokraten, der dahingeht, in Zukunft städtische Arbeiten nur noch an Unternehmer zu vergeben, die sich verpflichten, die mit den Arbeitnehmern geschlossenen Verträge über Lohnsätze, Arbeitszeit usw. auch einzuhalten und die Versicherungsvorschriften zu erfüllen, referierte Stadtv. Jüstizrat SchmeelI. Die Versammlung nahm den Antrag mit einem' Zusatz des Ausschusses an. Auf Antrag des Stadtv. Dr. Kolb beschloß man ferner, zur Verminderung der großen Säuglingssterblichkeit in den Sommermonaten mit einer hiesigen Molkereifirma einen Vertrag abzuschließen, nach welchem sich diese verpflichtet, in den verschiedensten Stadtteilen sterilisierte Vollmilch von hygienisch einwandfreier Beschaffenheit für Minderbemittelte zum Preise von 10 Pfg. für 200 Gramm abzugeben. Die Stadt zahlt für jede dieser 200 Gramm- flascheu noch 2 Pfg. drauf, sodaß der Stadt für die drei Monate Juli. August, September eine Ausgabe von zirka 1650 Mk. entstehen wird. — Zum Schluß der Sitzung gab Stadtv. Jacobi noch nähere Auskunft über seine Audienz beim preußischen Eisenbahnminister.
** kleine Mitteilungen ans Heske n und den 91 a d) b a r ft a a t e n. Bei Nied kenterte ein Ruderboot. Von den 5 Insassen konnten sich ein Herr und zwei Damen retten, eine dritte D a m e sowie der Kaplan Meurer aus Griesheim ertranken. — In Wiesbaden starb der wirkt. Geh. Oberregierungsrat, Regierungspräsident a. D. von Tepper-Laski. — In das Uhrengeschäft von Gordecke u. Sohn Nachf. Frankfurt a. M. große Eschenheimerstratze 17, wurde in der 91acht vom 28. auf 29. d. M. eingebro ch e n. Die Spitzbuben räumten den ganzen Erker aus. Für ca. 1500 Mk. silberne Uhren und Ketten halte der Ladeninhaber zu seinem Glück in den Kassenschrank eingeschlossen. — Im Wald zwischen Sprendlingen und Offenbad) wurde in einem Gehege ein mensd)lid)es Skelett auf- gefunden. Fn der Räbe lagen ein Paar Zugsiiesel und Kleiderselten.
vermischte».
• D ie Hitze. Hannes: „Na, däi Hitz ewe is goar se oargP —Philipp: „Host rcacht, an dere könnten die oarme Leit im Winter e poar Doag lang dran hawwe!"
* Wie die Hitze in Berlin Fleischnot verursacht. Nach statistischen Feststellungen gelangen in Berlin täglich im Durchschnitt 288 Zentner Konfiskation und Kadaver- leisck) zur Beschlagnahme. Im Hochsommer betragen die zu vernichtenden Massen an manchen Tagen über 300 Zentner. So sind an einem der heißen Tage der vorigen Woche 14 Pferde am Hitzschlage krepiert.
* Konfessionelle Bäder. Aus Würzburg ivirb der ,Frkf. 5tg/ geschrieben: In der Frauenabteilung de§ städtischen Freibades erregt feit einigen Tagen eine merkwürdige Bekanntmachung staunendes Kopfsck)ütteln. Dieser 'christliche Beweis behördlicher Weisheit lautet nämlich: „Am Montag, Mittwoch und Freitag für protestantische Mädchen/
* Kleine Tageschronik. In der Nähe der Ahrensburg bei Hamburg wurden drei Torfarbeiter, die vor dem Gewitter in eine Schutzhütte geflüchtet waren, durch einen Blitz- 'trahl getötet. — Zwei Zollwächter in A n j o u t a v (Frankreich) versuchten ihren Vorgesetzten zu ermorden. Sie beschuldigten ihn, er habe, während sie im Dienste waren, ihre Frauen vergewaltigt — In Reims (Frankreichs sind infolge Genusses von Kuchen mit Schlagsahne 8 Personen unter Vergiftungs-Erscheinungen erkrankt. Ein 10 jähriger Knabe ist gestorben. Mehrere Soldaten des 132. Jnf.-Regts. sind ebenfalls erkrankt, ebenso der Konditor und seine Frau. Die Ware wurde beschlagnahmt. Die Untersuchung ergab jedoch, daß sie in vollstöndch sauberem Zustande war. — Zn Barzelona erkrankte ein Gerichtsarzt und einige Tage später ein Dienstmädchen unter pe st verdächtigen Erscheinungen. Tie Behörden trafen Vorsichtsmaßregeln. Tas Dienstmädchen ist gestorben, der Zustand des Ar'les ist hoffnunaslry
^Inivfrntäfö-'Itadiridjten.
— Der Professor für Mathematik an der technischen Hoch- schi'le in Aachen, Dr. Lothar Hess ter hat einen Ruf als ordentlicher Professor an die Kiele'- Universität angenommen als Nachfolger von Prof. Dr. P. Stöckel, der an die Hannoversche technische Hochschule übersiedelte. Heffter erhielt 1888 die venia legend' für Mathematik in Gießen. 1891 wurde er an der hessischen Landesuniversität Extraordinarius, 1897 gina er in gleicher Eigenschaft nach Bonn, 1904 folgte er einem Rufe als etatsmäßm-'r R'-of^ssor narb Aachen
Kiel, 27. Juni. Der Kaiser wandelte die gegen den Leutnant z. S. L i s d) wegen tätlicher Beleidigung Untergebener und Verleitung zum M e i u e i d e er- kannte IQmonatliche Z n ch t h a u s st r a f e in Gefängnis.
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der
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
In der Stadtkirche.
™ 2. Sonntag nach Trinitatis, ben 2. Juli:
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. C
Zugleich Christenlehre sür die Neukonfirmierten nus Markusgememde.
Vormittags 9«/, Uhr: Prof. D. E ck.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser.
In der IohanneSkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler.
gememde^^ ^^stenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukas-
Vormittags 9V2 Uhr: Psarrasfistent Sattler
Vornnttags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gememde. _________Pfarrassistent S a ttl er.
Israelitische Religionsgemeinde.
Gottesdienst in der Synagoge (Südankage).
Samstag den l. Juli!905:
Vorabend: 7.45 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Brediat
Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgaug 9.35 Uhr *
Gießener landwirtschastlicher^Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstaa den 1. Juli 1905: Zeitweise wolkig, stellenweise Gewitterigem anhaltend warm.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
Sport.
— Dei? Kaiser und der Nennsport. Der Renn- Verein zu Fr an ksur t a. M. hat sich entschlossen, am 9. Sept., gelegentlich der bei Frankfurt a. M. stattsindenden Käisermamöver einen Extrarenntag auszuschreiben. Der Kaiser hat auf eine Anfrage hin sein Erscheinen bestimmt zugesagt.
wird allen Nervösen abgespannten, leicht erregbaren, geistig und körperlich geschwächten Natllren anstatt Tee oder Kaffee empfohlen. Man lese die interessanten Berichte der Professoren, Aerzte und Medizin. Zeitungen.
Bioson fertig zum Gebrauch, schmeckt angenehm und ist in seiner Zllsammensetzuug ohne sede Konkllrrenz und in Apotheken, Drogerien llsw. das V, Kilo zu Mk. 3.— erhältlich. bT/4
Hriqlnak-Dralümerdunflen.
Bremen, 29. Juni. Der „V u l k a n" in Vegesack entließ die Arbeiter mit Ausnahme derjenigen, die dem aus Meistern, Vorarbeitern und einigen nickst sozialdemokratischen Arbeitern zusammengesetzten Arbeiterbund angehören, da die Differenzen der Kesselschmiede bei Seebeck und Tecklenborg in Geestemünde noch nicht beigelegt sind.
Elmshorn, 30. Juni. Gestern abend versuchte die Rentiersfrau Jmm in Bresenbeck s i ch und ihren schwachsinnigen Sohn mit Karbol zu vergiften. Als der Versuch mißlang, erhängte sich die Frau. Der Sohn liegt hoffnungslos darnieder.
Kattowitz, 30. Juni. Die Maurer des Stadt- und Landkreises beschlossen für Montag den allgemeinen A u s st a n d.
Stockholm, 30. Juni. Auf dem Exerzierfelde in Trossnae, dem Uebungsvlatz des Wermländischen Regiments, wurde ein Herr verhaftet, der sich "verdächtig machte, norwegischer Offizier zu sein und Spionage zu treiben. Er wurde von einem schwedischen Offizier über die Grenze zurück- gebracht. ' F; ' i • 1 H \
Petersburg, 30. Juni. Nach hier eingetroffenen Meldungen soll in Odessa Admiral Krüger eingetroffen sein und bereits zwei meuternde Schiffe in den Grund gebohrt haben. Wie es heißt, wird die Regierung, falls sich die Meuterei ausbreiten sollte, die Großmächte ersuchen, ihre in Konstantinopel liegenden Stationsschiffe nach Odessa zu dirigieren. Was die Gerüchte anbetrifft, daß die Matrosen der Ostseehäfen ebenfalls meuterten, so reduziert sich dies auf die Vorfälle in Libau In Kronstadt ist alles ruhig.
Lodz, 30. Juni. Bisher wurden 243 Juden und 80 Christen, die sich "an Geheimorganisationen beteiligten, festgenommen, gestern allein 200, die die Monopolläden vernichteten und Barrikaden erbauten.
Sosnow iee, 30. Juni. Gegenwärtig befinden sich Tausende von Arbeitern aus Dombrowa und Zagoree auf dem Wege nach Sosnowiee, von wo ihnen Militär entgegengeht. Die Arbeiter tragen rote Fahnen. Zusammenstöße werden befürchtet.
O de ssa , 30. Juni. Die Meuterei auf dem Panzerschiff „P o t c m f i n/z soll systematisch vorbereitet gewesen sein und zwar auf sozialistischer Basis, indem sich die Matrosen solidarisch mit der streikenden Arbeiterschaft Odessas erklärten. In militärischen Kreisen herrscht eine furchtbare Aufregung. Man befürchtet, das Ereignis könnte Ünberechen- bare Konsequenzen nach sich ziehen auch für die Landtruppen, die augenblicklich einberufen sind. Unter den Reservisten herrscht t)teF Unzufriedenheit. Der hier angerichtete Schaden wird bisher auf 50 Millionen berechnet.
S h a n g h a i, 30. Juni. Japan ernannte den Generalkonsul Dtagiri in Shanghai zum Bevollmächtigten für die Friedenskonferenz.
Shanghai, 29. Juni. Der deutsche Kreuzer „Seeadler wurde nach Ponape, der Hauptstadt der östlichen Karolinen, beordert, wo ein Orkan furchtbare Verwüstungen an- gerichtet hat.
Tokio, 29. Juni. Nach hier eingetroffenen Meldungen hat sich die 6. und 7. japanische Armee unter den Kommandanten Generalen Takahira und Akiama bei Mingata auf halbem Wege zwischen Kirin und Wladiwostok vereinigt, um ge» meiusam die B elagerung Wladiwostoks aufzunehmen.
Bekanntmachung.
Bei der am 29. Juni 1905 vorgenommenen planmäßigen Verlosung wurden auf 1. Oktober 1905 folgende Schuldverschreibungen der Stadt Gießen zur Rückzahlung bestimmt:
a) vom 1890 er Auleheu:
Lit. A Nr. 41, 70, 87 und 111........zu 2000 Mk.
„ B „ 71,90,154, 218,268 unb 286.....zu 1900 ,
„ C „ 9, 102, 135, 261, 292, 310, 384, 430 und 446 zu 500 ,
„ T) „ 72, 94 und 104...... . . zu 300 ,
„ E „ 24, 74, 108 .......... . zu 200 ,
b) vom 1892 er Anlehen:
Lit. F No. 26, 29 und 42 . . ....... zu 2000 Mk.
„ G „ 79 und 95........... 1000
„ H „ 24, 104 und 106......... 500 „
„ I „ 30 .............. „ 300 „
„ K „ 18 .............. „ 200 „
Es wird dies mit dein Bemerken zur öffentlichen Kenntnis
gebracht, daß die Einlösung dieser Schuldverschreibungen und zwar vom 1890 er Anlehen
bei der Stadtkasse Gießen und bei der Dresdener Bank Frankfurt a.M.
vom 1892 er Anlehen
bei der Stadtkasse Gießen und bei den Bankhäusern A. Heichelheim- Gießen, Ephraim Meyer & Sohn-Hannover, Meyer & Plaut-Kassel und Gebrüder Neustadt-Frankfurt a. M. erfolgen kann und daß die Verzinsung mit Ende September 1905 aufhört.
Gießen, den 29. Juni 1905. B80/,
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Mecum.
PoLizei-Berordnung betreffend Einführnng der Trichinenschau.
Auf Antrag und nad) Anhörung der Stadtverordneten-Ver- amnckung und mit Genehmigung Gr. Ministeriums des Innern vom 21. Juni 1905 wird bestimmt:
§ 1.
Das Fleisch der im städtischen Schlachthof geschlachteten Schweine, sowie alles in die Stadt Gießen eingeiührte frische Fleisch von Schweinen und Wlldsck)weinely sofern es nicht von Privaten z,;r Verwendung im eigenen Haushalt eingeführt wird, unterliegt einer amtlichen Trichinen- und Finnenschau, die im städtischen Schlachthof während der Schlad)tzeiten für Schweine stattfindet.
§ 2.
Für die Trichinenschau sind die für die Untersuchung des in das Zollinland eingeführten Fleisches auf Trick)inen vom Bundesrat erlassenen Vorschriften maßgebend. Sie wird ausgeübt durch geprüfte Trichinenschauer, die in der erforderlichen Anzahl von der Stadt bestellt und besoldet werden.
~ § »-
Für die Untersuck)ung ist eine Gebühr an die Stadtkaffe zu entrid)ten. Sie beträgt für ein ganzes Schwein 40 Pfg., für ein halbes Schwein 20 Pfg., für jedes einzelne Fleischstück 15 Pfg. und wird zusammen mit der Schlachtgebühr bezw. der Verbrauchsabgabe erhoben.
§ 4.
Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungelt dieser Polizei- Verordnung werden, soweit tticht nad) anderen Strafbestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist, gemäß § 27 Ziffer 4 des Reichsgesetzes die Schlachtvieh- und Fletsd)beschatt betreffend vom 3, Juni 1900 mit einer Geldstrafe bis zu einhmtdertfünszig Mark oder mit Haft bestraft.
§ 5.
Diese Polizeiverordnung tritt am 1. Juli 1905 in Kraft.
Gießen, am 30. Juni 1905. B®%
Großherzig 1 e - ite'jevmciftcrci Gießen.
A.V.: Curschmann.


