Vermischtes.
• Woher stammt der AuSdru'ck „Nassauern"? rbie „Straffälligkeit des Nassauerns" zu ahnden, ver- yctngte kürzlich der Kaiser beim Frühstück in einem Garten zu Nastätten (Rheinprovinz) über die kaiserlichen Prinzen, welche die Zwetschenbäume auf den Reifegrad der Früchte untersuchten, lachend eine Buße von je 10 Mark, was den körnigen und vierschrötigen Gartenbesitzer zu der Aeußerung veranlaßte, daß ihm unter diesen Bedingungen alle Zwetschen abgeerntet werden dürften. — Vielleicht interessiert anläßlich dieser Anekdote die Frage nach dem Ursprung des anrüchigen Wortes „Nassauer", das bekanntlich vielfach gebraucht wird, um einen Menschen zu bezeichnen, der sich auf Kosten anderer Genüsse verschafft. Der burschikose Ausdruck soll in Göttingen entstanden sein. Den auf Wunsch ihres Landesherrn die dortige Universität besuchenden Angehörigen des bis 1866 selbständigen Herzogtums Nassau wurden im Bedarfsfälle seitens der herzoglichen Regierung bestimmte Beneftzien, u. a. auch Freitische zuteil. Diesen Freitisch benutzten jedoch bei günstiger Gelegenheit bisweilen auch solche Studenten, die nicht aus Nassau stammten. Diese wurden dann von ihren Studiengenossen scherzweise „Nassauer" genannt, weil sie an dem nassauischen Freitisch „genassauert" hatten. Die ersten „Nassauer" waren also alles andere, nur keine — Nassauer.
* Die Kronprinzessin und die deutsche Industrie. Man erinnert sich des allgemeinen Bedauerns, das seinerzeit heroorgerufen wurde, als fast die ganze Ausstattung und insbesondere das Hochzeitskleid der Kronprinzessin Cecilie nicht in Deutschland, sondern von Pariser Firmen angefertigt wurden. Daher dürfte die Mitteilung interessieren, daß die Kronprinzessin sich in jüngster Zeit mehrfach dahin geäußert hat, diese aus Frankreich stammenden Toiletten entsprächen nicht ihrem persönlichen Ge- schmacke und sie werde sie schon jetzt durch Erzeugnisse der deutschen Industrie ersetzen. In der Tat ist einigen großen Berliner Modegeschäften bereits die Benachrichtigung zugegangen, daß sie zu dem nahenden Winter Auf- träge von der Kronprinzessin erhalten werden.
* Keine Versöhnung des Zaren mit dem Großfürsten Paul. Als der Zar Nikolaus II. nach der Ermordung seines Ohein'.s, des Großfürsten Sergius, dessen Bruder, den wegen seiner unstandesgemäßen Heirat vom Hofe verbannten Großfürsten Paul zu sich berief und ihn wieder in die Charge als Generalleutnant emsetzte, die ihm seinerzeit genommen worden war, schien eine völlige Aussöhnung beider nur eine Frage der Zeit zu sein. Indessen ist das Einvernehmen zwischen dem Großfürsten und seinem kaiserlichen Neffen noch keinen Schritt weiter vorwärts gerückt. Großfürst Paul wird nach wie vor dein russischen Boden fernbleiben müssen. Er hat sich soeben mit seiner Familie wieder für den Wmter in Paris eingerichtet, nachdem er mit ihr längere Zeit in dem benachbarten Chantilly zugebracht hatte. Der am 27. September 1902, also genau vor drei Jahren, in Livorno geschlossenen Heirat des Großfürsten mit Frau von Pistohlkoos sind übrigens zwei Kinder, Wladimir und Irene, entsprossen, die bereits bei der Erhebung ihrer Mutter zum Range einer „Gräfin von Hohenfelsen" durch den bayr.
Prinzregenten ebenfalls unter dem gleichen Namen die graf- liche Würde erhielten. — Die Wiederverleihung seines Ranges im Heere hat für den Großfürsten Paul wenigstens den Vorteil gehabt, daß seine Eigenschaft als Mitglied des Zarenhauses in Paris nicht mehr ignoriert, sondern offiziell respektiert wird. Auch hat der Zar seinem Onkel seitdem wieder einen Adjutanten zugesellt.
* Wegen Vielmännerei, so lesen wir in der „Nordd. Allg. Ztg.", wurde in New-Port eine junge Dame verhaftet, die sich Heliose de Armis nennt; bei ihrer Verhaftung erzählte sie dem Richter und einigen Berichterstattern über ihre abenteuerliche Lebensfahrt eine Geschichte, die an Fabelhaftigkeit alles in den Schatten stellt, was je die Phantasie eines Kolportageromandichters ersonnen haben mag. Zunächst erklärte Heloise, daß sie eine begnadete Jüngerin der Tanzkunst sei, und erhärtete die Wahrheit dieser Behauptung mit einer praktischen Probe ihres Könnens, indem sie im Korridor des Jusliztempels einen Cake-walk losließ, dem aber ein pedantischer Polizist ein schleuniges Ende bereitete. Nachdem die Dame wieder zu Atem gekommen war, sagte sie: „Mein Vater, meine Herren, ist der Graf Wladimir Jean de Armis, ein spanischer Edelmann vom reinsten Wasser. Meine Mutter ist eine ungarische Zigeunerin vornehmen Geschlechts. Mein Großvater war der Marquis Jean Jze de Armis; er wurde im Sudan-Feldzug zum Marschall befördert. Ich selbst bin 1884 in Genua geboren und wurde in einem Kloster zu Kanada erzogen. Ich war ein wenig wild, verstand schon als junges Mädchen herzbrechend schön zu tanzen und widmete mich schließlich ganz der Tanzkunst. Ich habe einen Bruder, der in der italienischen Garde Ofsizier ist. Meine Schwester Virgina ist an den russischen General Sergius Ranünski verheiratet; eine andere Schwester ist die Gattin des Honorable H.M. Millard, eines ehemaligen Mitgliedes des englischen Oberhauses. Und eine dritte Schwester endlich", hier holte Heloise tief und zögernd Atem, „die dritte Schwester ist an einen so hochstehenden Herrn verheiratet, daß ich mich fürchte, seinen Namen zu nennen."
* Erdbeben in Samoa. Auf Savau auf den Samoa-Inseln fand ein großes Erdbeben mit vulkanischen Ausbrüchen statt. Viele Gebäude, darunter diejenigen der englischen Mission wurden zerstört. Der erste Ausbruch erfolgte im Distrikt Matanta, wo drei Vulkane in volle Tätigkeit gerieten. Die Einwohner in einem Umkreise von zehn Meilen verließen ihre Behausungen. Die Stadt Safotu mit 400 Einwohnern und einer großen deutschen Handelsstation ist bedroht. Ein Eing eboreuen-Häuptling siel mit einen Leuten in eine Spalte der Matuatuahänge unb wurde unter den Lavaströmen begraben. Meilenweit ist fruchtbares Land vernichtet. Die Missionare kon- tnticren eine schnell um sich greifende Verwüstung der Insel.
* S)ic Farben der Zigarrenbänder. Warum zeigen die Zigarrenbänder gerade nur die gelbe oder rote Farbe? Die Antwort darauf ist einfach. Gelb und rot sind die Landesfarben Spaniens, und Spanier versandten die ersten Zigarren aus Kuba nach Europa. Die sogen. Espagniola- bänder sehen gelb und rot, die Figarobänder rot und die CabanaS oder Partigas gelb aus. Diese Sitte ahmten die
Bremer, Hamburger und andere Zigarrenfabrikanten nach, und man wird nicht leicht ein Zigarrenbündel finden, daz durch ein anderes als ein rotes oder gelbes Seidenband zu- sammengehalten wird.__________________________
Gerichtssaal.
— Eine Duellaffäre beschäftigte die 6. Berliner Strafkammer. Wegen Herausforderung zum Zweikampf waren der Kandidat der Rechte Robbert und der Studiosus Rohrbusch angeklägt, mährend sich zwei ihrer Freunde wegen Kartelltragens verantworten mußten. Im März d. Js. saßen sämtliche Beteiligten in einem Lokal in Charlottenburg. Aus einem geringfügigen Anlaß fatn es zu einem Wortwechsel, der mit Karten- austausch eiidigte. Robbert ließ seinem Gegner durch seinen Kartellträger eine Forderung auf Säbel überbringen. Trotz des gerinq= fügigen Anlasses genehmigte das Ehrengericht der Verbindung die Säbelsorderung nicht, sondern entschied, daß der Ehrenhandel nur mit der Pistole ausgelragen werden könne. Zeit und Ort des Zweikampfes mar schon festgesetzt, als die Polizei von dem beabsichtigten Pistolenduell Kenntnis erhielt. Zur rechten Zeit erschien ein Kriminalschutzmann, der die Personalien der Beteiligten sesj- stellte. Für diese folgte ein unangenehmes Nachspiel in Form einer Ariklage wegen Herausforderung jum Zweikampf bezw Kartelltragens. Ter Gerichtshof beließ es, da es zu einem Zwei^ kampf noch nicht gekommen war, bei milden Strafen und erkannte gegen, die vier Angeklagten auf Strafen von 3 Tagen bis m 2 Wochen Festungshaft.
WöüMliüie WkrW der Todesfälle in der Stadt ll-ichu
30. Woche. Boni 23. bis 29. Juli 1905.
Einwohnerzahl: angenommen zu 28 000 (inkl. 1600 Mann Militär. Sterblichkeitsziffer: 22,28 nach Abzug von 6 Ortsfremden: 11,14 °/co.
Kinder
Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr 3(2) 3(2) - -
1 1 — —
1 1 — —
Gehirnerweichung 1 1 — —
Lungenentzündung 1 1 — —
Herzfehler 1 (1) 1 (1) — —
Eingeklemmtem Bruch 1 <1) 1(1) — —
Gelbsucht 1 (1) 1 (1) — —
Knochenmark-Entzündung 1 (1) — — 1 (1)
Selbstmord ______1 1_______—________—
Summe 12 f6) 11 (5) — 1 (1)
An m.: Tie m Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Es starben an:
Krebs Schlagfluß
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
September 1905.
Barometer auf 0° reduziert
Temperatur der Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Wetter
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29.
30.
935
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Höchste
Niedrig:
743,9
743,5
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15,3
10,6
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