Den Brücken und in den Masten. Die Wellen Ringen m bet furchtbaren Sturmnacht immer höher, der Schnee fiel dichter. Da legte sich, zehn Minuten nach 1 Uhr, das Scknff plötzlich noch weiter über. Schon tauchten feine Masten in die Wellen, aber noch einmal erhob sich der gewaltige Schiffskörper und es ging durch ihn wie ein krampfhaftes Beben, dann sank er in die Tiefe. Drei Boote, die im letzten Augenblick herabgelassen waren, wurden flott und taten ihr äußerstes, Offiziere und Mannschaften zu retten, obwohl sic selbst wiederholt in größter Gefahr schwebten. Da bemerkte man einen Scheinwerser von einem anderen Schiffe: die „Otawa" kam zur Hilfe. Das Schiff hielt SOO Meter von dem Schauplatze des Unglücks, suchte ihn nach allen Richtungen mit seinen Scheinwerfern ab und ließ drei Boote herab, um die Ueberlebenden aufzunehmen. Aber nur 133 Personen, darunter der Kapitän, konnten gerettet werden; über 360 Mann hatten ihren Tod in den Wellen gefunden."____________________________
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 29. Juni 1905.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, Beigeordneter Lurschmann und die Stadtverordneten Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, EmmeliuS, Euler, Gabriel, Dr. Gutfleisch, Haubach, Heichelheim, Helm, Helfnch, Huhn, Jann, Juqhardt, Keller, Kirch, Krumm, Löber, Petri, Schaffstaedt, Schiele, Schwall, Wallenfels und Wimmenauer.
Nach der Auslosung von Schuldverschreibungen des 1890er -und des 1 692er Anlehens hatte tior Eintritt in die Tagesordnung Oberbgm. Mecum einige Mitteilungen zu machen.
Es habe sich in Gießen, wie in anderen Städten, ein Ausschuß zur Besserung der Wohnungsverhältnisse gebildet, um zunächst Erhebungen in dieser wichtigen Frage anzustellen, und dieser Ausschuß wende sich an die Stadtverordneten-Versammlung mit der Bitte um deren Wohlwollen und Förderung der Wohnungßbestrebungen. Die Auskunsterteilung habe freiwillig zu erfolgen, und es sei selbstverständlich, daß sie auch nach bestem Wisien und Gewissen gemacht werden müsse, wenn die dankenswerten Bestrebungen von Erfolg begleitet sein sollen. Dann schlug Oberbgm. Mecum vor, in der nächsten Woche die Arbeiten an der Kläranlage gemeinsam zu besichtigen, die jetzt in ein interesiantes Stadium eingctreten seien. Er schlage dazu -nächsten Donnerstag nachmittag vor, und zwar habe Oberbaurat Schm ick, der au der Besichtigung teilzunehmen wünsche, gebeten, sich so frühzeitig zusammenfinden zu wollen, daß er mit dem Zuge uni 5.50 Uhr wieder zurückreisen könne. Als Zeit wurde darum 1/24 Uhr festgesetzt.
Das Theaterbauprojekt.
Eine weitere Mitteilung betraf das Th eaterbau- ^rojekt. Es habe eine Besichtigung des Theaters in Fürth stattgefunden, woran folgende Herren sich beteiligt hätten: Landgerichtsdirektor Bücking, Prof. Dr. Fromme, die Stadtv. Haubach und Schaffstaedt, sowie die Architekten Fellner und Meyer. Das Theater in Fürth sei in einem angenehmen, leichten Barockstil auSgefi'ihrt und habe außerordentlich gut gefallen. Die innere Einrichtung fet sehr behaglich und zweckmäßig. Auch das neue Nürnberger Theater, daS demnächst eröffnet würde, habe man sich angesehen. Von diesem Bau, der für unsere Verhältnisse wegen seiner Größe nicht maßgebend sein könne, habe man nichts übernehmen können. Aber bei der Besichtigung der beiden Bauten habe die Kommission viel gelernt. Die Firma Fellner & Helmersei danach beauftragt worden, die Gründrisse für unser Theater sowie die Fassade weiter zu bearbeiten und eine Kostenrechnung vorzulegen. Die Firma werde noch vor den Ferien damit zum Schluß kommen; die neuen Grund- tiffe seien schon da, der Durchschnitt und die Fassade würden in den nächsten Tagen im Plane vorliegen. Auf eine Anfrage des Stadtv. Heichelheim über die Kostensumme bemerkte Oberbgm. Mecum, man rechne mit 525000 Mk.
Stv. Kirch dankt für den vorteilhaften Vorschlag der Besichtigung des Theaters in Fürth und knüpft daran die Bemerkung, daß ihn die fortwährenden Zeitungsreibereien unangenehm berührt hätten. Er bitte den Vorsitzenden, Oberbürgermeister Mecum, auf derartige Einsendungen nicht einzugehen. Es stehe zwar jedermann das Recht zu, die Pläne ftu kritisieren, aber durch Zeitungsfehden würde das Unternehmen nicht gefördert. (Wir schließen uns dieser Meinung des Herrn Kirch an und bemerken nur, daß eine Zeitungs- fehde nach dem sachlichen kritischen Artikel der Herren Reg.- Baumeister Frey und Schön durch nichts provoziert war. Den heftigsten Fehdeartikel, der uns vorgelegt wurde, haben wir deshalb überhaupt nicht zum Abdruck gebracht. D. Red.) Was den Bau des Theaters anlange, so wäre es vielleicht möglich zu machen, die Fundamentierung schon jetzt vorzunehmen.
Oberbgm. Mecum erwiderte, daß er grundsätzlich und absichtlich nicht aus Zeitungsartikel sich einlaffe und nur im Sitzungssaal der Stadtverordneten allenfalls auf derartige Dinge zu sprechen komme. Er habe auch Hrn. Meyer gebeten, keine Zeitungsartikel mehr zu veröffentlichen. Indem er auf den heutigen letzten Artikel im Gießener Anzeiger Hinweise, worin die Verfasser mit ihren Namen hervortraten, glaube er die Hoffnung hegen zu können, daß die Zeitungsfehde nunmehr tot sein werde.
Stv. Haubach berichtete noch, daß von Architekt Helmer ein Voranschlag ausgestellt werde, den die Versammlung zu prüfen haben werde. Die Uebernahme habe dann unter der Garantie zu erfolgen, daß die festgesetzte Bausumme nicht überschritten würde. Tie Firma Fellner und Helmer trete dabei nicht als Unternehmer auf, sondern übernehme die Bauleitung zu 5 Prozent der Baukosten.
Oberbgm. Mecum teilt schließlich noch mit, daß er Hoffe, mit der Fundamentierung in Kürze beginnen zu können, dagegen werde es wohl nicht angehen, vor den Ferien die Arbeiten zu vergeben.
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Einen vorteilhaften Schritt hat die Stadt durch den Ankauf des Geländes der Aktienbrauerei getan. Der Kauf war schon vor einiger Zeit abgeschlossen worden; Herr Bichler habe aber, so teilte Oberbgm. Mecum mit.
dte Anregung gegeben, die Sache vorerst noch geheim zu halten. Gestern sei er, der Oberbürgermeister, von dem Versprechen der Verschwiegenheit entbunden worden. Der Stadterweiterungsfond hat 605 000 Mark für ©cKinbc zu zahlen, das zusammen 83304 qm umfaßt. Die Baudeputation war sich, so führte Oberbgm. Mecum aus, klar darüber, daß sie eigentlich mit dem Ankauf ohne vorherige Befragung der Stadtverordnetenversammlung ihre Befugnisse überschritten habe, aber in Anbetracht deö guten Gc- chäftes, das die Stadt mit dem Kauf zweifellos mache, staubte sie, einmal von dem Prinzip abgehen zu können. Eine Verzögerung hätte den Vertrag sonst vereitelt. Es eien 4 verschiedene Schätzungen von der Vaudeputation vorgenommen worden, das Mittel habe aus 690 000 Mark gelautet; die Stadt habe also billig gekauft. Zugleich sei noch ein angrenzendes Grundstück von 4533 qm für 20000 Mark erworben worden. Die Deputation bitte nun, die Stadtverordnetenversammlung wolle zu dem Kauf ihre Zu- 'timmung geben und einen erforderlichen Kredit von 500000 Mark gewähren; 200000 Mark Kredit sind nämlich noch vorhanden. Die Versammlung beschließt demgemäß.
Ein Baugesuch des Balthasar Pitz für die Ecke i)er Liebigstraße und Querstraße wurde abgelehnt, weil man n dem Plan des Gesuckcktellers eine unzulässige Ausnutzung des Vorgartenlandes erblickt.
Ein Baugesuch des Gg. Hammel für die Große Mühl- gasse wurde genehmigt. Man sah dabei, weil es sich nur um eine geringfügige Sache handelt, von der Einhaltung des Fluchtlinienplanes ab.
Der 5. Punkt der Tagesordnung. Neubau von Karl Nicolaus an der Roonstraße (Beschwerde von Wagner und Noll) wurde ausgesetzt, da die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind.
Ein B a n g e s u ch des A. Scheppelmann für die Roonstraße wurde nach längerer Debatte abgelehnt. Die Baudeputation hatte das Gesuch befürwortet. Scheppelmann will auf einem seinerzeit von der Stadt erworbenen Gelände ein Hintergebäude errichten, was im Widerspruch mit den Bedingungen des Kaufvertrages steht. Stadtverordneter Krumm meinte, man möge nicht gestatten, daß dort jedes Plätzchen, zum Bauen ausgenutzt werde; wo bleibe sonst der geplante villenartige Charakter der Straße? Die übertriebene Ausschlachtung des Terrains müsse eingeschränkt werden. Stadtv. Dr. Gut fleisch stimmt Krumm voll- tündig zu. Es sei grundsätzlich richtig, von den Bestimmungen nicht abzugehen, ob die Abweichung nun groß oder Teilt sei. Herr Krumm habe ganz recht: Wenn män dem Teufel den Finger gibt, will er die ganze Hand. Er sei dafür, das Gesuch abzulehnen. Stadtv. Haubach führt aus, das beantragte Vorgehen sei nur zu befürworten, allein devor man nicht ein anderes Ortsbaustatut habe, 'Thtne man sich schwer gegen Terrainausschlachtungen Helsen. Obcrbgm. Mecum bemerkt hierzu, daß er seit längerer Zeit schon Notizen sammele über Mängel des Ortsbau- tatuts und daß er hoffe, es werde bald eine Aenderung des Statuts vorgenommen werden können. Stadtv. Dr. Gut fleisch schließt sich den Ausführungen an und betont, man müsse endlich den Verstümmelungen und Verdauungen in der Stadt foalt gebieten. Je früher man das Ortsbaustatut ändere, desto besser sei es. Auch Stadtv. Emmelius tritt für dies? Forderung ein und gibt zu erwägen, ob man nicht ähnlich wie in bdr Schweiz die Bestimmung ein führen könne, wonach jeder Bauunternehmer durch vier aufgesteckte Stangen die Höhe seines geplanten Hauses zu kennzeichnen hätte unter gleichzeitiger ähnlicher Bezeichnung des Dachwinkels. Stadtv. Dr. Ebel führt aus, man möge bei künftigen Strastenanlagen durch zweckmäßige Gestaltung des Ortsbaustatuts der übermäßigen Ausnutzung von 'Hintergelände für Bauzwecke geeignete Schranken setzen. Oberbgm. Mecum entgegnet, er beabsichtige im Ortsbaustatut eine Abstufung in der zulässigen Höhe der Hintergebäude je nach der Entfernung von ^dep
Das Gesuch des A. Scheppelmann wurde, wie erwähnt, abgelehnt. " ' * W
Ein Gesuch von K. Weller um Verkauf von Gelände an der Roonstraße wurde aus ähnlichen Gründen wie bei dem vorhergehenden Gesuch abgelehnt.
Zwischen dem Terrain des H. Schaum berg er und )em des E. Roth in der Marburgerstraße liegt ein städt. Graben, den die Stadt dem Schaumberger gegen Ueber- lassung von Gelände, das an die Straße fällt, zuweisen will. Es wird ein Vertrag beantragt, wonach 113 Qm. für 904 Mk. an Schaumberger verbaust werden sollen, während dieser ungefähr doppelt so viel zum Preise von 8 Mk. pro Quadratmeter an die Stadt abtreten soll. E. Roth hatte früher auch auf den Graben reflektiert, erhebt nunmehr Einspruch gegen den geplanten Vertrag und schlägt in einem Bries an Stadtv. Gabriel vor, man möge ihm wenigstens die Hälfte des Gebiets zum gleichen Preis wie Schaumberger ablassen. Tie Versammlung geht aber darauf nicht ein, sondern genehmigt den Vertrag mit Schauin- berger.
Der Erwerb von Straßenland an der Großen Mühlgasse und der Wcstanlage von H. Winn und Geschw. Körner wird genehmigt. Der Quadratmeter kostet 14.60 Mk. Bei Winn handelt e§ sich um 648 Qm., bei Geschw. Körner um 14 Qm.
Ein Gesuch deS Ad. Schmidt hier um pachtweise Ueb erlassung eines Grundstückes links von der Marburgerstraße zwecks Sandgewinnung wird genehmigt. Der Gesuchsteller pachtet auf 3 Jahre zu einem jährlichen Pachtpreise von 150 Mk.
Darauf wurden einige Abkommen wegen Arbeitsvergebungen für die Kanalisation genehmigt.
Ter Verkauf von Sand aus der Kläranlage in der von der Deputation vorgeschlagenen Weise wurde gleichfalls genehmigt.
Ebenso war zu dem Hauptvoranschlag des Großh. Realgymnasiums und der Realschule für 1906 nichts zu erinnern. Der städt. Zuschuß beträgt 9000 Mk. mehr als im Jahr vorher, was aus der Vermehrung der Schülerzahl sich begründet. Im Einschluß an die Annahme bc§ Voranschlags und die Bewilligung einer Summe für Portoauslagen dieser Schule erhebt sich eine kurze Debatte über die Behandlung der auswärtigen Schüler. Stadtv. Kirch meint, es entspreche der Gerechtigkeit, die auswärtigen Schüler mit höheren Schulgeldsätzen heranzuziehen als die einheimischen. Stadtv. Krumm ist anderer Meinung. Die auswärtigen Schüler brächten doch der Stadt und ihren Bewohnern mancherlei Einnahmen, und außerdem müsse man sich hüten, Gegenmaßregeln bei den benachbarten größeren
Staaten herauSzufordern. Oberbgm. Mecum bemerkt, dall in der höheren Mädchenschule, um der Ueberfüllung vorzu* beugen, erhöhtes Schulgeld für die auswärtigen Schülerinnen bestände; bei den staatlichen Schulen stehe es gar nicht in der Macht der Stadt, in der Frage etwas zu tun.
Für die Reinigung rc. der durch Unterbringung einet Vorschulklasse des Gymnasiums im israelitischen Gemeindehause benutzten Räume werden 80 Mk. bewilligt, außerdem erhält der Diener jährlich 120 Mk. aus der Stadtkasse.
Der Errichtung einer landwirtschaftlichen Winter» schule in der Stadt Gießen würde auch die Stadtverordnetenversammlung, die dazu die Schulräume einschließlich Heizung rc. zu stellen sich bereit erklärt hat, zustimmen, aber da von der Stadt größere Leistungen verlangt werden, weitere Zugeständnisse jedoch nicht gemacht werden können, beschließt man auf den Antrag des Stadtv. Krumm, „den kleineren Städten auch etwas zukommen zu taffen* und gibt es auf, die Schule in der Stadt Gießen errichten zu lassen.
Der neu gegründete Westerwaldklub hat die Stadt Gießen gebeten, gleichwie andere Städte als Mitglied beizutreten. Oberbgm. Mecum berichtet, er habe zugestimmt und einen Jahresbeitrag von 10 Mk. vorgeschlagen, aber die Finanzkommission habe dies abgelehnt und wolle dem Verein nicht beitreten. Stv. Krumm führt aus, daß die Stadt doch ein Interesse an dem Verein habe; der Verkehr über unsere Stadt und unsere Gegend würde wachsen und der Stadt Einnahmen verschaffen, die größer wären als der kleine Mitgliedbeitrag. Erschlage auch vor, dem Vogelsberger Höhenklub beizutreten und ihm denselben Beitrag von 10 Mk. zu bewilligen. Auch Oberbgm. Mecum und Stv. Dr. Gut- fleisch sind für den Beitritt zu beiden Vereinen. Stv. Haubach ist gegen diesen Antrag. Er hält es nicht für die Aufgabe der Stadt, derartigen Vereinen beizutreten; dies sei Sache einzelner Personen, etwa der Hotelbesitzer, die ein Hauptinteresse an der Sache hätten. Stv. Emmeliuö führt namens der Finanzkommiffion aus, daß sie von demselben Standpunkt ausgegangen sei. Außerdem habe die Kommission mit Rücksicht darauf, daß die Stadt noch nicht Mitglied des Vogelsberger Höhenklubs sei, den Beitritt zum Wcsterwaldklub nicht beantragen wollen. Die Stadivv. Schm all und Kirch sind gegen den Beitritt. Herr Kirch bemerkt, er sei in der betr. Kommissionssitzung nicht anwesend gewesen, fei aber der gleichen Ansicht wie die anderen Mitglieder der Finanzkommiffion. Wo solle man beim Zutritt zu derartigen Vereinen anfangen und aufhören? Er sei prinzipiell gegen den Beitritt. Stadtv. Dr. Gut fleisch befürwortet nochmals das Gesuch des Vereins. Man brauche irgend welche Konsequenzen nicht zu fürchten, denn man könne ja jederzeit sich für ober wider einen Beitritt zu einem Verein entscheiden. Man möge bedenken, daß man für den kleinen Beitrag die oft wichtigen Mitteilungen solcher Verkehrsvereine erhalten und wahrscheinlich auch hin und wieder mit zu Beratungen herangezogen würde, die Nutzen bringen könnten. Er persönlich sei Mitglied in ca. 80 Vereinen und könne unter diese Ziffer gar nicht herabgehen. Die Stadt möge den beiden Vereinen als Mitglied beitreten. Die Majorität war denn auch für die Bewilligung.
Stadtv. Lob er klagt vor Schluß der öffentlichen Sitzung noch darüber, daß matt die Nordanlage, nachdem sie neu hergestellt und gewalzt war, wieder auf gerissen habe, um Haus anschlüsse herzustellen. Diese habe man doch vorher vornehmen lassen uno die doppelten Kosten sich ersparen können. Es entsteht über diese S>ache eine Aussprache. Oberbgm. Mecum erklärt auf Aeußer- ungen des Stadtv. Löber, dieselbe Sache sei auch in anderen Straßen vorgekommen, daß er ein- für allemal an- geordnet habe, bevor die Straßen neu hergestellt würden, eine Umfrage zu veranstalten, ob vorher Anschlüsse zu machen seien. In einzelnen Fällen habe er direkt solche Umfragen veranlaßt. Es komme aber vor, daß bei den Walzungen Gaszuleitungen usw. beschädigt würden, wogegen sich nichts machen lasse. Stadtv. Krumnt meint, die städt. Ressorts würden nicht genug Hand in Hand arbeiten, welchen Vorwurf Oberbgm. Mecum zuÄckweist, indent er bemerkt, daß Verständigungen stets erfolgten. Stadtv. Haubach stellt fest, daß Stadtv. Wallenfels bei der Herstellung der Straße nicht nach seinem Hausanschluß gefragt worden sei. Derartiges Wiederaufreißen der Straßen errege mit Recht großes Aufsehen und müsse vermieden werden. Oberbgm. Mecum entgegnet, dann handle es sich in diesem erwähnten Fall um ein Versehen vom Ties- bauamt. Stadtv. Sch affst ädt ist auch dafür, daß man durch Zwang oder Güte die Leute veranlaßt, die Anschlüsse vor der Pflasterung der Straßen herzustellen. Stadtv. Kirch weist darauf hin, in einem passierbaren Zustand müsse man die Straßen jedenfalls erhalten. Die Kosten würden ja auch zum großen Teil von den Unternehmer- firmen gezahlt. Schließlich spricht Stadtv. Em m elius die Bitte aus, Oberbgm. Mecum wöge das' Tiefbauamt veranlassen, die gegebenen Anregungen nach Möglichkeit zu beachten.
Damit war die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erschöpft.
AröeiterVewkgung.
Budapest, 30. Juni. In den Komitaten Baranya, Tolna, Somogy und Veßprem, jenseits der Donau nimmt derSchnitte r- streik große Ausdehnung an. Zehntausende haben den Streik proklamiert. Der Ackerbauminister sandte etwa 1500 Aushilfs- arbeiter, zumeist Slowaken und Rumänen, die aber nur unter militärischer Bewachung arbeiten können. Bisher kam es an drei Orten zu blutigen Z nf a m m e n ft ö p e n, wobei die Gendarmerie die Waffen gebrauchte und etwa 25 Personen tötete und viele verletzte. 900 Arbeiter wurden wegen Vertragsbruchs vom Stuhlrichter zu Geld- und Freiheitsstrafen verurteilt. In einzelnen Gemeinden sehen die Arbeiterfamilien einer Hungersnot entgegen. Die Pachter wollen nicht nachgeben. Mehrere Regimenter Infanterie und Kavallerie wurden reguiriert.
—————— ......... ■■■■■* ____——il'J1 ij,
Spietplan
des Großherzoglichen Knrtheatcrs Bad-Nauheim.
Direktion Hermann S t e i n g o e t t e r.
Sonntag den 2. Juli: „Der Kilometerfreffer/ Schwant von Kurt Kraatz. Dazu: Balleteinlagen von Fräulein Emma Dathe und Fräulein Lucie Dertz vom Erfurter Stadttheater. Dienstag den 4. Juli: „Charlens Tante". Schwank von Kurt Kraatz. Mittwoch den 5. Juli: „Tie Logenbrüder/ Schwank vocr E. Laufs und Kurt Kraatz. Dazu: Balleteinlagen von Frl. Dathe und Frl. Dertz vom Erlurter Stadttheater.' Freitag den 7. Juli: „Der Vogelhändler." Operette in 3 Akter, von Zeller. Briefchristel . . . Fräulein Else Jüngling vom Hostheat«r in Darmstadt.
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