Ausgabe 
29.7.1905 Zweites Blatt
 
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-rr. 176

Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Samstag 29. Juli 1905

«scheint vtzNH tnü tLilno^jme des Tonntag-.

Die .ekfctna fftraiillenblötttr werden dem ttbrgetger viermal wöchenlltch betgelegt. Der dyelftlch- CaiöwtrF erjcheUU monatlich einmal

Glehener Anzeiger

Rotattxmtonid and B erlag bet Brüt*14>« Untocrfltätflbruderet 8L Sangt, Dietz«.

Redaktion. Expedition w. Druckerei; Scdulfir.?.

Id. 9U. 6L Xelegu'SUc. i Ln-eiga Dietz«.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen.

Volitrsche Tagesschau.

Da8 Urteil im DieSseilS-Depescheuprozeß.

Der Prozeß in Lage ist zu Ende gegangen ohne jede Sensation. Der kreißende Berg hat wieder einmal nichts als ein spaßhaftes Mäuschen zur Welt gebracht. Der fürstl. lippesche Kammerherr und Dr. jur. Kekulö v. Stradonitz Hat sich entschieden dagegen verwahrt, in höherem Auftrage gehandelt zu haben, was ihm .diesseits gern geglaubt werden soll, so wird er sich doch kaum vor der Unter­stellung schützen können, in dem Falle der DieSseits-Depesche etwas sensationslüstern verfahren und mit der Wahl des mehrdeutigen Wortes .Diesseits zum allermindesten unvor­sichtig gewesen zu sein.

Eine Staatsgefährlichkeit wird man nach dieser harm­losen Entstehung hinter dieser nun in die äußere Form einer diplomatischen Aktion gekleideten genealogie sportlichen Regung allerdings nicht mehr vermuten dürfen. Damit fällt aber auch gleichzeitig die Unterlage für die Führung des Ent- lastungSbeweiseS des Privatbeklagten zusammen und es blieb zu seinen Gunsten nur die Frage übrig, ob ihm zu gute zu halten gewesen wäre, daß er mit seinem Vorgehen gegen den Privatkläger im guten Glauben gehandelt hat. DaS Schöffen­gericht scheint diese Frage verneint zu haben, wenigstens ist dieser Moment nicht als strafmildernd in der Strafabmessung zum Ausdruck gelangt. Jedenfalls bleibt die Höhe der Strafe befremdlich und .es erscheint fraglich, ob die Be­rufungsinstanz, die der Beklagte beschreiten wird, in dieser Richtung nicht Remedur eintreten lassen wird. Da das Detmolder Gericht sich für befangen erklärte, wird die Wiederholung des DieSseits-Prozesses vor einem preußischen Gerichte, wahrscheinlich in Osnabrück ver­handelt werden.

Die Getreide-Eiufuhrscheine.

Vom 1. März nächsten JahreS ab wird entsprechend der Erhöhung der Getreidezölle auch der Wert der bei der Getreideausfuhr erteilten Einfuhrscheine erhöht werden. Es wird dadurch die Möglichkeit geschaffen, vor dem 1. März Getreide zu dem niedrigeren Zollsätze einzuführen und nach dem 1. März gegen Erlangung der höheren Zollvergütung wieder zur Ausfuhr zu bringen. Dies könnte unter Um­ständen zu einer Schädigung des ZollfiSkuS führen. Es sind daher die beteiligten Kreffe in Erwägungen eingetreten, ob einer solchen spekulativen Ausnützung der Verhältniffe durch den Erlaß geeigneter Bestimmungen entgcgengetreten werden soll. Auch die Handelskammer zu BreSlau hat sich, wie sie in dem neuesten Hefte ihrer Mitteilungen berichtet, mit dieser Frage beschäftigt. Bei ihren Ermittelungen kam sic zu dem Ergebnis, daß eine solche Voreinsuhr von Getreide zum Zwecke demnächstiger Wiederausfuhr und Erlangung der höheren Bonifikation wohl möglich sei, jedoch in ihrem Um­fange von dem Ausfall der Ernte und der Gestaltung der Preisverhältniffe abhängig sei und sich vorläufig noch nicht übersehen lasse, bevor man über die neue Ernte einen Uebcr- blick habe, daß jedoch einer von anderer Seite vorgeschlagenen Beschränkung deS Wertes der Einfuhrscheine auf den alten Zollbctrag für einige Monate nach Inkrafttreten deS neuen Zolltarifes infolge deS auf die Preisbildung hervor- gerufenen einschneidenden EinfluffeS große Bedenken entgegen» stünden.

Weinende Weinhandler.

Seit langem wurde in den Kreisen der Weinhandler über den zunehmenden Weinhandel der Offi-ier- kasinos geflogt. Der Wettbewerb dieser Anstalten wird schon an sich deshalb empfindlich und drückend wirken, wei' er sich unter günstigen Verhältnissen vollzieht, indem die Militärkasinos mit Mieten, Löhnen, Gehältern, Steuern und anderen Geschäftskosten nicht ooer nur in geringem Umfange zu rechnen haben, vor dem berufsmätzigen Handel dadurm also einen Vorsprung besitzen. Besonders in dem Fall wird dieser Wettbewerb ein Anlaß zur Unzufriedenheit, wenn der Vertrieb der Weine über den Kreis der Angehörigen des Offizierkasinos hinausgehl, also ein förmliches Weingeschaft betrieben wird. Daß dies in der Tat stattfindet, beweist der Umstand, daß -Offizierka'finos in den Listen der gewerbe- steuerpflichtigen Betriebe aufgeführt sind. Erne solche Han- oelsaewerbliche Tätigkeit wird aber als unvereinbar mit der beruflichen wie mit der sozialen Stellung des Osfizier- korps und auch mit den eigentlichen Zwecken kasinos empfunden. Um eine Beseitigung dieses Mißstandes herbeizuführen, wandte sich die Handelskammer zu Trier, wie sie in ihrem soeben erschienenen Jahresbericht für 1904 mitteilt, beschwerdeführend an den Kriegsmimster. Der Kriegsminister erwiderte, daß im Sinne bet 071^006 der Trierschen Handelskammer, deren Vorgehen durch be­sondere Eingaben der Handelskammern von Kobler^ und Bingen noch Unterstützung gefunden hatte, bereits durch Erlaß vom 21. 'Süprtf 1890 an die Generalkommandos ver­fügt und nunmehr Veranlassung genommen worden sei, diesen Erlaß in Erinnerung zu bringen. Der K^gsminifter nahm auch in der Sitzung des Reichstags vom -3. Mar. 1905 Gelegenheit, dem Wg. Nacken (Ztr.) unter Hinweis auf seine obige Verfügung zu erwidern, daß er auf das Un­zulässige des Wettbewerbs der f*^,*"^* sinos mit dem Weinhandel hingewiesen habe. Der Handelskammerbericht gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Weinvertrieb der Offizierkasinos sich in Zukunft m den von ihm vorgeschriebenen Grenzen halten und auf ein, den eigenen Bedürfnissen genügendes Maß sich beschranken wird.

Aer Krieg.

Sachalin-

To kio, 28. Juli. (Amtlich.) Die japanische Sachalin- ttrmee meldet, daß eine unserer Abteilungen am 24. Juli MU 1 !Uhr nachmittags den Feind in der Nähe von Alco-

val zurücktrieb und die Linie von Polowrinka bis Alco- val 2 b e s e tz t e. In jener Gegend ist der Feind ein Ba­taillon Infanterie, einige Freiwillige und 8 Feldgeschütze tark; er floh in der Richtung auf Lonikow zu. Noch vor liefern Treffen war eine andere Abteilung unter dem Schutze von Torpebobootszerstörern nach der Landungsbrücke von Alexandrowsk, die die Russen zu verbrennen such­ten, geschickt worden. Es gelang dieser 'Abteilung, noch die unverbrannte Brücke zu nehmen und verschiedene Angriffe des Feindes abzuschlagen. Ebenso wurde Mugati von uns besetzt. Die Russen 'wurden unter Mitwirkung der oben genannten Schiffe vertrieben. Um 6 Uhr nachmittags besetzte eine unserer Abteilungen Aleova 3, während eine andere auf Alexandrowsk marschierte. Es gelang letz­terer Truppe, die Russen zu schlagen und die Stadt Mexan- irowsk um 7 Uhr 15 Minuten zu besetzen. Der Feind iehauptete sich in einem Werk östlich der Stadt und in den Höhen von Nordosten der Stadt. Bei Tagesanbruch am 25. Juli gingen wir wieder zum Angriff vor und trieben >en Feind bis Novo Michaelovskoy. An demselben Tage fiel Tyne in unsere Hände und zwar war Alexandrowsk unverbrannt. Wir machten 200 Gefangene.

Tokio, 28. Juli. Admiral Kataoka berichtet: Am 24. Juli wurde ein Geichwader nach der Eastries- Bucht gesandt. Es fand den Leuchtturm von Kresta Camp verlassen. Tas Geschwader dampfte hierauf weiter und er­reichte eine Basaltinsel, von der man in der Richtung des Postamts von Alexandrowsk die Geschütze wahrnahm, welche zu feuern Begannen, aber unmittelbar zum Schweigen gebracht wurden. Tie Stadt brannte. Ein magazin­ähnliches Gebäude explodierte. Der Admiral meldete ferner über die Lage auf Sachalin, daß sich die Russen nach dem 30 Meilen südöstlich von Alexandrowsk liegenden Luikow hinter eine Hügelkette zurückzogen, welche die Gegend von Alexandrowsk von der offenen Ebene trennt. Hier sind die Ruisen vollständig isoliert, da eine Landstraße nicht vorhanden ist und iie unmöglich lange Stand halten können. Daher erwartet man, daß sie sich bald ergeben. Tiefer Sieg würde die Japaner zu unumschränkten Herren der Insel machen.

T o k i o, 28. Juli. .Hier herrscht großeFreudeüber den Erfolg der Expedition nach Sachalin, und ebenso über die Landung der Truppen, sowie über die Weg­nahme des Leuchtturms in der Castries-Bucht, umsomehr, als damit die japanischen Truppen tzum ersten Male in das eigene Gebiet des Feindes ein­treten.

Zu den Friedensverhandlungen.

New York, 28. Juli. (Reuter-Bureau.) Der Sekretär des japanischen Friedensbevollmächtigten, Ministers Ko- nurra, erklärt, bei dem gestrigen Empfange Komuras durch den Präsidenten Roosevelt seien keine irgendwie für die Friedensverhandlungen bedeutungsvollen Fragen berührt worden. Roosevelt habe keineswegs das Ersuchen geäußert, zunächst den Waffenstillstand zu vereinbaren.

China wird der Friedenskonferenz. eine Forder­ung von einer Milliarde Dollars für in der Man - bfdMirei eingerichtete Schäden vvrlegeu.

Russische Neuigkeiten.

Em von einem evangelischenGeistlichen der Provinz Posen erlassener Aufruf wirbt um Gaben für die in Ruß­land ansässigen zwei Millionen Glaubensgenossen, bie durch die revolutionäre Bewegung in Not geraten sind. Es heißt darin, nicht nur auf augenblickliche UMerstützung, sondern auch darauf solle Bedacht genommen werden, den Bedrängten die R ü cf» kehr nach Deutschland zu ermöglichen. Die Zustände in Rußland können freilich nicht zum weiteren Meiden dort ver­locken, gleichwohl war es der größeren Oeffentlichkeit bisher nicht bekannt, daß zahlreiche in Rußland lebende Deutsche den Wunsch hegen, in die alte Heimat überhusiedeln. Was speziell die deutschen Kolonisten in den südrussischen Aufstandsgebieten betrifft, so baden diese, derObess. Ztg." zufolge der Land- schaftsvcrwaltung in einer ausführlichen Denkschrift ihre For­derungen unterbreitet, die sich sowohl hinsichtlich der allgemein volitischen, als der Finanz-, Steuer- und Agrarreform mit denen des russischen Volkes durchaus decken. Danach muß man Wohl annehmen, daß den deutschen Kolonisten in Südrußland weniger von den Revolutionären, als von den russischen Behörden und der zügellosen Solda­teska Gefahr droht. Haben doch auch bisher der d eutsch e und der russische Bauer friedlich nebeneinander gelebt Das deutsche Hilfskomitee in der Provinz Posen, namens dessen der erwähnte evangelische Geistliche den Aufruf erläßt, mag indessen über Einzelheiten genauer unterrichtet fein, und es ist 'im Interesse der Germanisierung der deutschen Ostmark nur zu wünschen, daß tüchtige deutsche Landleute über die Grenze kommen und mit Unterstützung der Annedlungs- kommission sich dort ansässig machen. Im übrigen ist Ru ßland ersatzpflichtig für den den Deufichen durch bte Unruhen entstandenen Schaven. ,

Aus Odessa wird gemeldet: Em Warnbrtef einer Gruppe von Bürgern an alle fremden Konsuln kündigt einen großen von langer Hand vorbereiteten Au f st and g c gen di e I u d en an, bei denen Arbeiter und Soldaten gemeinsame Sache machen würden und der mit Vorwissen der Lokal-Behörden ins Werk gesetzt wird. Die Bürger fürchten, die Sache werde ungeheure Dimensionen annehmen. r ,

Auf einem in Poltawa abgehaltenen, von allen politischen Parteien der Ukraine besuchten Kvngreß wurde folgendes Pro­gramm aufgestellt: Vollständige Autonomie der Ukraine mit einem autonomen Landtag in Kiew, Einführung der ruthenischen Sprache in Schule und Amt und Unterstützung aller konstitutio­nellen Bestrebungen. a . . . , .

In einem Orte bei Kisch inew kam es zu antisemiti- schen Unruhen, bei denen drei Juden und zwei Christen getötet wurden. Viele Personen sind verletzt.

Außer bei dem Vorsitzenden des letzten Semstwv-Kon­gresses ist auch bei dem Sekretär eine Haussuchung vor- Kmmen worden, bei der u a. eme Liste dn Mitglieder des ireffes und das Protokoll deS Kongrestes beschlagnahmt wurde.

Kriegsgericht in Berditschcw verurteilte den Gendarmerie- Unt^eroffizier Leleko, der einer geheimen regierungsfeind­lichen Partei angehörte unb vor einiger Zeit den O b e r st l e u t - nant Markowski sowie den Unteroffizier Zukanow aus politischen Gründen ermordet hatte, zu lebensläng­licher Verbannung und Zwangsarbeit in den Bergwerken S^Ueber blutige Unruhen inNischniNowgorod veröffent- licht der offizielle Regierungsbote nähere.Details. Die repolu- tionären Arbeiter, welche seit einiger Zeit streikten, beschloßen ctltat großen Demonstrationszug durch die «Straßen der Stadt.

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Eine Gruppe von Arbeitern, die gegen den Streik war, da er sie brotlos machte, bot dem einschreitenden Polizeimeister an, sein Vorgehen gegen die Demonstranten zu unterstützen. Der Pvli- zeimeister rief telephonisch eine Sowie Kvsakcu herbei und löste nach ihrem Eintreffen die Versammlung aus Am nächsten Tag wiederholten sich die Temonstrationen auf derselben Stelle. Die Arbeitswilligen schossen auf ihre streikenden Kollegen und ver-, mundeten mehrere von ihnen schwer. Das Signal zu einer all» gemeinen Schlacht war gegeben. Tie Polizei war machtlos. Der Gouverneur requirierte eiligst Militär. Bei dem nun folgenden! Kampfe gab es 10 T o t e, 28 Schwer- und 46 Leichtverwundete.

Der aus dem Kriege und den inneren Unruhen resultierende Mangel an Soldaten verhindert den geregelten Abtrans­port der nach Sibirien verbannten Verbrecher. Man bringt diese Sträflinge daher einstweilen in den (Mänqniffcn unter. Ihre Zahl soll bis jetzt fr" Ab' von 100 000 Köpfen erreicht haben.

Deutscher Reich.

Berlin, 28. Juli. Der Kaiser ist heute abend 7 Uhr von Kabinen über Marienburg in Lang fuhr bei Danzig eingetroffen. Rach einem einstündigen Besuch deS Kasinos der Leibhusarenbrigade wurde auf der Rückfahrt die Kaiserwerft besichtigt. Die .Hohenzollern geht morgen früh mit dem Kaiser wieder in See.

Kaiser Wilhelm wird am 31. Juli in Kopen­hagen erwartet.

Der Frage der Volkstrachten bringt der Kaiser, wie bekannt, großes Jntereffe entgegen. Er hat jetzt zum Zweck der Hebung des Sinnes für die alten historischen Trachten au5 seinem Dispositionsfonds einen größeren Betrag zur Verfügung gestellt.

Nachdem im Etat für das laufende Rechnungsjahr zum ersten Male eine Forderung zur versuchsweisen An­schaffung von Unterseebooten erschienen war, soll in dem demnächstigen Etat abermals eine Forderung zu gleichen Zwecken erscheinen, da sich die Versuche auf mehrere Jahre erstrecken muffen.

Die .Freistatt, das Organ der National- sozialen in München, schreibt:

Für lange Zeit ist Bayern einer Zentrumsherrfchast sicher. Sie kann nur gebrochen werden durch ein Bündnis von Liberalismus und Sozialdemokratie. Tie jüngste Ge­schichte bayerischer Politik hat gezeigt, daß da? Zustandekommen eines solchen Bündnisses mehr von den Liberalen als von dem Sozialdemokraten abhängt."

Die sozialdemokratischeMünchener Post will aber von einem solchen Bündnis absolut nichts wissen.

Karlsruhe, 28. Juli. Dem Vernehmen nach sollen, die Wahlen zur zweiten Kammer des Landtags am 19. Oktober, die zur ersten Kammer am 28. November ftattfinben.

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Heer und Ilotte.

London, 28. Juli. (Unterhaus.) Bei der Be­ratung über die Ausgabe von 5 835 000 Pfund Sterling für Marinebauten gab der Zivillord der Admiralität, Lee, Auskunft über den Fortschritt der verschiedenen Arbeiten. Er teilte mit, die Admiralität habe beschloffen, die Arbeiten in, Rosyth energisch zu fördern, den weiteren Ausbau der Werft im Chatham aber nicht fortzusehen. Die Admiralität ist der Ansicht, daß die vorgeschlagenen Erweiterungsbauten wenigstens für den Augenblick nicht nötig seien. Der Ent­schluß der Admiralität sei das Resultat einer Aenderung der Umstände. Die neue Politik der Regierung, unbrauch­bare Schiffe aus der Flotte ganz zu entfernen, sei die Ur­sache, daß jetzt mehr Dockanlagen zur Verfügung ständen. Umfangreichere Dockanlagen würden aber an der Ostküste, entweder in Rosyth oder in Chatham, nicht aber an beiden Orten gebraucht, und nach Ansicht der Admiralität­sei es ratsam, die Erweiterungsbauten lieber in Rosyth als in Chatham vorzunehmen. Rosyth biete größere strategische und wirtschaftliche Vorteile als Chatham. Die Admiralität glaubt, daß sie jedem einleuchten, namentlich hinsichtlich der Zugänglichkeit. Die Admiralität richtet ihre Bemühungen darauf, daß Rosyth alles erhalte, was als das beste für mo­derne Anlagen anerkannt sei, und daß man sich die Erfahrungen anderer Mächte zunutze mache. Diese Ergebniffe der Bemüh­ungen seien sehr ausführliche Pläne für eine Flottenbasis. Die Admiralität-beabsichtigt jedoch vorder­hand nicht, eine Flottenbasis in so großem Umfange zu schaffen, sondern nur eine für die nächste Zukunft notwendige. Sollte die Admiralität später den Wunsch haben, die Anlagen auSzudehnen, so ist sie dazu in der Lage. Die augenblicklich in Aussicht genommenen Anlagen enthalten ein umfangreiches Bassin und ein großes Trockendock zur Ausführung von Reparaturen. Nach weiterer Erörterung wurde die Marine­bauten - Vorlage mit 203 gegen 129 Stimmen ange­nommen.

London, 28. Juli. Das englische geschwader trifft am 28. August vor Swinemünde ein, geht am 30. August von dort fort und soll vom 1. bis 4. September vor Neufahrwasser liegen.

Kirche unb Schute.

Der (Kur-)Hessische Pfarrerverein hatte vor einiger Zeit an das preußische Abgeordnetenhaus, den Kultus­minister usw. eine Petition gerichtet, in der nichts Geringeres akS die volle Unterordnung der Schule und der Lehrer unter das Kirchenregiment gefordert wird. Nach Bekanntwerden des Inhalts hatte der HauptauSschuß des Hessischen (kurheff.) VolksschullehreroereinS schleunigst einen energischen Protest gegen diese Forderungen erhoben. Neuerdings befassen sich auch die einzelnen Bezirksvereine deS Hessischen Volksschullehrervereins mit dieser Petition. Die Einzelvereine, so weit sie bis jetzt zu der Sache Stellung genommen haben, erheben entschieden Protest gegen die For­derungen jener Feinde der freien Schule und des freien Lehrerstandes und bekennen sich einmütig zu der in diese