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31.1.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 2«

Dienstag, 31. Januar 1905

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Liehen.

-dia^fctvetärg diese Forderung

allVrdi'nas ein solches Neckt, aber da ein geschriebenes Mittel "fordere. . Aber nack bei n der Reiä'Skanzler in der entgegen- HereWlande nicht existiert, so dürfte es ja allerdings schwer l kommendsten Werfe ausgest ira chen hat, daß er diese Indemnität

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Redaktion. Expedition a. Drrutrrei: S<Lulftr.I»

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155. Jahrg

daraus entfernt ist, können wir für die Vorlage eintreten. (Leb­hafter Beisill des Abg. Kopsck /,.)

Mg. Dr. Pansche (nat.-li k y *. ?such für uns ist die Frage der

n, daß wir das Vorgehen der Regic- a S als einen Eingriff in die Rechte

hier im Hause erübrigen öchte.

Präsident Graf Ballerem: Da die Forderung zurückgezogen ist, so werde ich diese Posim heute nicht zur Diskussion stellen.

Referent Prinz Arewrg (Ztr.) berichtet nunmehr i'cker die (in der Zeitung bereits mitgeilten) Verhandlungen der Kornmission. Er bezieht sich u. a. auch bi der PositionMole in Swa'/opmund" auf ein in derNational-^eitung" mitgeteiltes Schreiben eines Swakovmunders.

Abg. Bebel (Soz.): Esst eigenartig genug, daß der Reichs­kanzler beim Reichstag um ademnität einkommt, nachdem er von diesem dazu aufgefordert ist Freilich ist ein starker moralischer Zwang auf ihn ausgeübt. C ist aber sehr bedauerlich,, daß er in den letzten Jahren bereits zurzweiten Male um Indemnität nack- suchen mußte. Das erste M wegen Kiautschou. Damals wäre er sehr wohl in der Lage gevsen, den Reichstag zu einer außer­ordentlichen Session zusamnnzuberufen. Nun ist freilich über einen Sünder, der Buße tut, ehr Freude, als über 99 Gerechte. Der Sünder muß sich aber auävornehmen, nicht mehr zu sündigen. Das ist aber hier nicht der Fo. Wieder ist hier das Budgetrecht des Reichstags in mutwilligerVeise verletzt worden. Denn der Kanzler hätte schon im Frühsir, als sc» lustig drauflos gewirt­schaftet wurde, wißen müssen, er mehr Geld brauchte. Nun hat er das Geld ausgegeben unibequemt sich dazu, um Indemnität zu bitten.

Wir lehnen die Vorlage c, trotz des Jndemnitätsbegehrens. finerfrört war es, daß die Regiemg mit dvesem Nachtragsetat auck 200 000 Mk. zu Vorarbeiten deiBahn Rehoboth-Windhuk forderte Nun, die Regierung hat das ja lbst eingi sefren und die Forderung wieder zurückgezogen. Diesmalfrat nämlich der Reichstag selber in der Kommission sich ausgelelt, nacktem er durch seine Nach­giebigkeit in der .Kiautschou-Sac» dies Betragen selbst verursacht hatte. Hoffentlich kommt so etüs nid&t wieder vor.

Nun zur Sache selbst. DeiJnhockt der Denkschrift über den Herero-Ausstand legt die Ursache bloß, die den Aufstand frervor- gerufen haben, frervorrusen mußtr. Sie beweist, wie reckt ich da­mals fratte, als ich die Schuld urerer Verwaltung zuscfrob. Bei dieser Behandlung der Eingeboreng war die Empörung unvermeid­lich. Ich muß anerkennen, daß di Denkschrift sich mit großer Ob­jektivität darüber ausläßt. Welos Volk könnte sich eine solche Bedrückung gefallen lassen? Durädir gewissenlosen Manipulatio­nen der weißen Händler ist der Vhb-fftcmd der Herero innerhalb ganz kurzer Zeit auf die Hälfte getackt worden: alles übrüge hat man weggenommen. Man hat sich vn ben Kapitänen das Land der Eingeborenenabtreten" lassen. Hften diese denn ein Rocht da­zu? Und ist es wahr, daß der Otwi-Gesellschaft große Strecken Landes geschenkt werden sollen? Ma fröre nur, wie die Missionen darüber denken! Sie betonen fortighrend, wie verderblich die Grund- und Boden-Politik der Kolomlverwaltung ist. Die Missio- nare sind die ernten, die Verständis und offenen Blick für die dortigen Verhältnisse haben. Aber ire Ratschläge sind mißachtet worden. Ist es da ein Wunder, dnß>er Aufstand losbrach? Man hat in den Eingeborenen allerhand Bmrfnisse großgezogen, damit die Händler ihre Waren zu enormen weisen loswerden. Wie hat der betrügerische Handel dort gewirtsckötet! Der Gouverneur Leut­wein ein sehr svmpathiscker Mann in dessen Verurteilung ick nickt einstimmen kann wollte diesen Praktiken entgegentreten, er erließ ein Verordnung, die sie omschrän'n sollte. Er mußte sie aber, Wohl aus Grund von allerhand Einflühn, sehr bald zurückzieheii. Die Händler haben durch unerhörte Seftilation die Grund- und Bodenpreise Derart in die Höhe getrieben,mß ein Hektar in der Nähe von Swakopmund 40 000 Mk. kostete. Hört! Härt!), also Preise, wie in deutschen Großstädten. Wo blcben da unsere Kolonial- enthusiasten! Diese Idealisten werden e> nicht verhindern können daß auck die Kosonialpoittik nichts weiter tird. als ein Spekulations­objekt des Kapitalismus. Ein besonders düsteres Kapitel unserer

Aehnlick^s getan?

Was die Vorlage selbst bet:fo würde es uns unmöglich

gewesen sein, dafür zu stimmen, we nn die Forderung von 200 000 Mark darin geblieben märe. (Al Ag. Kopsch: Sehr richtig!) Nun, da aber nach der Erklärung Dr la .......

Kolonialdirektor Dr. Stuebel: Zunäck't konstatiere ich nut nugtiiung, daß der ?lbg. Bebel die Denkschrift als eine obzektive Darstellung der Verhältnisse des Schutzgebietes anerkennt Jeden­falls haben wir darin eine exakte Entwicklung der Verhaltmise des Schutzgebietes geben wollen, die cs jebernuum erlaubt, ]xn fewu ein Urteil über die Ursachen des Aufstandes zu bilden. Es wird ia in der Denkschrift ohne weiteres zugegeben, daß Fehler begangen worden sind, auck auf politischem Gebiete. Es ist aber ebenzo zweifellos, daß diese Fehler in guteni Glauben begangen worden sind ^ in der Bevölkerung eines jungen Schutzgebietes auck Ausschreitungen nnb Verbrechen Vorkommen, das kann lanirtit irunberncfrmen. Aber mit der Strenge des Gesetzes ist dem überall begegnet worden. Die Verwaltung hat auch auf allen Gebieten eine Verbesserung der Zustände des Schutzgebietes erstrebt. Jedenfalls erweist die" Denkschrift, daß eine individuelle Schuld weder auf Seiten einzelner Beamter, noch auf Seiten des weißen Ansiedler- standes im allgemeinen vorliegt. Das Zurückgehen in den Vieh­beständen, das eingetreten ist, ist zum großen Teil auf die Rinderpest zurückzuführen Jedenfalls ist es irrig, wenn man annimmt, daß Erwerbungen an Vieh von feiten der weißen Ansiedler illegitim gewesen seien Es trifft nickt zu. daß es unmöglick gewesen Ware, voii den Viehbeständen der Herero Teile abzuzweigen ohne diese zu schädigen Irrig ist auck. die Annahme, daß der Otavi-Mmen- Gesi'llsckaft viel Land überwiesen sei Sie hat lediglich das Land bekommen, das sie zum Balmbau, ahe zur Alc'Sstreck^ brauch^ <Xfw mehr zu geben, ist absichtlich vermieden worden. Ebenso sind ihr auck keinerlei Versprechungen für den Fall der Fertigstellung der m1 qS morbei Dost bie Kapitän- der ®nflebotenen c,n

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bie Kapitäne «iWein* cm

» Abg. v. Staudt, (kons.): In der Jndemnitätsftac hat der Reichstag wirklich reckt viel erzielt. Alle Mitglieder all-r Parteien haben auch gezeigt, daß ihnen daran liegt, die Würde de p NeichstagS ernstlich zu wahren. Dies so weit. ,

Bedauern muß ick, daß es dem Dbg. Arendt Vorbehalten bneo, des heldenmütigen Verhaltens unserer Armee in Afrika/zu gedenken. Das hätte sckon Herr Bebel tun sollen: gerade er h-' e alle Ver­anlassung gehabt, nachdem er vor einem Jahr aus An/lckzeiner bös­artigen Literatur unser Offizierkorps so abfällig freu mt hat, jetz. zu erklären, daß er sich darin geirrt.

In einem Punkte kann ick Herrn Bebel zustn^imen: es hat offenbar in unterer Kolonialverwaltung nicht dir ' nötige Aufmerk­samkeit geherrscht: wie war es denn möglich, daß pa: Aufstand der Verwaltung so unerwartet kam? Und wie kom Ke man Hendrik Witboi ein solches Vertrmken schenken, ja. ihn no ch gar dekorieren? Daß das nur nicht wiederkommtl Ick möchte^sckien, daß in Zu­kunft nur solche Beamte nach den Kolonien gescr <bt werden, die es verstehen, sich in das Seelenleben und die Wünsch p her Eingeborenen hineinzuversetzen. Auch das Eisenbahnwesen Mte man mcht so gleichgültig behandeln. Man soll möglichst s Lnall und möglichst viele Eisenbahnen bauen! Hätten wir gehör Eisenbahnen, dort gehabt, so hätte der Aufstand nun und nimmc Amrehr diese Dimen­sionen annehmen können. In vielen Fällen^ frat die Regierung gewiß nickt gewagt, das zu fordern, sie , für nötig

hielt. Das eine steht fest: die Kolonialvoliti ch gehört ;etzt zu den wichtigsten Aufgaben, die dem Deutschen Reich e obliegen. .

Abg. Dr. Spalm (Zentr., so gut wie u^iverstandlich) sckemt über die Christianisierimg Südwestaftikas, z' sprechen. Man müße die Schwärzen vor sittlichen Gefahren schütz .

?lbg. Dr. Miitter-Sagan, fteis. Vpt. : Sehr rncktigl Wer wie soll das geschehen? Ich würde es .einen schweren Fehler der bürgerlichen Parteien halten, wollten/si,: die Bekämpfung der Mißstände in den Kolonien der Sozmldem atie überlasien. (Wg. Kopsch: Sehr riditigl) Man soll die /Aiassckreitungen nicht be­schönigen! Do Gewaltmenschen sind, da gc/ht es ohne Ausschreitungen nicht ab. (Wg. Kopsck: Sehr rickti 1) Wie steht eS mit der Friktion zwischen Ihnen, Herr Kolonial Mr,cktor, und dem Leutnant von Stempel? Der größte Fehler un re.r Kolonialpolitik ist der Mangel eines bestimmten Programms h (Wg. Kopsch:^ Sehr richtig Was nun? Mcm hat gefap k man will jetzt den Herero alle Waffen abnehmen. Dann wer Iben sich aber alle übrigen Stämme empören. (Dbg. Kopsck I: Sehr richtig!) Mit den Reservaten ist es auck nickt getan. Sfe an muß auch besondere Be­stimmungen über die Selbstverwalt y ng in einzelnen Bezirken treffen. ' (Abg. Kopsck: Sehr richt' (!) Wer die Denkschrift auf­merksam liest, tvird zu ganz anderen^ Ergebnisien kommen, als der Abg. Arendt, der da meinte, es gebe daraus hervor, daß Südwest­afrika keineswegs fo steril fei. (? g. Kopsck: Sehr richtig!)

Awr selbst wenn dem so wäre, w k würde das nützen bei dieser Verwaltung? In welchem Lande ist man denn so verfallen, wie bei uns? Haben die Engländer, ,'büe Holländer, die Franzosen je

Kolonialpolitik ist das der Mißhandlungn! Denken Sie nur an die grausame Ermordung des Eingeborena Cain durck den Prinzen Arenberg. Und dabei erfahren wir ja fau nichts. Denn dem, der solche Mißhandlungen zu unserer Kenntnt gelangen läßt, wird die Existenz bald so ziemlich unmöglich gerächt: Der Unteroffizier Kossal hat einen jungen Neger auf die gausamste Weise zu Tode gequält. 0;r hat den Neger in Wasser gestckt, das Wasser ist in der Nacht zu Eis gefroren und der Schwarze darin erfroren. (Hört,

hört!) Und der Mann, der diese Scheußlichkeit beging, soll heute j noch im Dienst fein! (Hört, hört!) Der Dfftriktschef Lenwant ' Stempel ist nicht im geringsten gegen ihn eingesckritten, hat seinen Zorn vielmehr an dem Pflanzer Groenevelt ausgelassen, der diese Sache in die Oeffentlichkeit gebracht hatte. Er hat sicher auch die Richter beeinflußt, die dann Groenevelt mehrfach verurteilt haben. Groenevelt, gegen den in der ersten Instanz auf mehrere Jahre Zuchthaus erkannt wurde, ist schließlich in der Appellinstanz zu zwe: Monaten Gefängisis verurteilt worden. Er ist aber sozial unb ökonomisch zu Grunde gerichtet worden. Es ist über ihn der Bolstott verhängt worden. Auf seine Bitte erläßt der Monialbircitor Stuebel die Weisung, den Bopkott sofort aufzuheben. Ter Boykott wird aber zum zweiten Mal über ihn verhängt.. Auf seine zweite Bitte um Einschreiten und um Schadenersatz erhält er acht Monate später die Antwort: der Bopkott soll aufgehoben werden, Schaden­ersatz könne aber nicht geleistet werden. Die Sacke ging aber weiter. Sechs Erlasse haben in den vierzehn Monaten in dieser Sache er­gehen müssen, um Groenevelt Ruhe zu schassen. Und was geschieht mit dem Distriktschef von Stempel, der einfach die Befehle des Ko­lonialdirektors mißachtete, seinem Vorgesetzten auf der Nase gerum- tanzte? Er bekommtanderweitige Verwendung"! Wenn so etwas möglich ist, darf man sich da wundern, daß in unseren Kolonien alles dunter und drüber geht? Wenn in dieser Weise, gegen die eigenen Landsleute vorgegangen wird, wie solleii dann die Enigeborenen au die Gerechtigkeit der Weißen glauben und wo sollen sie sich wr Rech, holen? (Sehr wahr!) Da schreibt ein Farmer in der ,-Allg Univ.-Ztg.", daß Eingeborene oft wie tolle Hunde ntedergeickwsien werden. In der gemeinsten, niederträchtigsten, barbarischsten Weise werden die Führer niedergemacht, und dann werden die Mörder von den Gerichten ftcigesprocken. (Hört, hort.) Und dazu kommen die geradezu scheußlichen Zustände in den ^efMNgnissen, die der Kolonialdirektor ja selbst zugegeben frat. Im Gefängnis zu Refrobotfr soll es fürchterlich mrssefren! Das Reckt zum Aiisstano, das Reckt zur Revolution hat jedes Volk, dessen Menschenrecht nut Füßen getreten wird! Der Herero-Aufstand ist die direkte Folg? unserer Art der Kolonialpolitik. Die Greneltaten der Herero will ick nicht leugnen, aber diese wurden erst verübt, nachdem von unserer , Seite die allerbarbarischsten Taten gegen sie verübt worden sind. Wir tragen die Schuld an dem Aufftand, wir, die Zivilisatoren, die dort vorbildlich wirken sollten.

Wir haben den Krieg in der barbarischsten Weffe gefufrrt. Selbst Frauen und Kinder wurden niedergeknavt. Die heidiiffckn'. Japaner hätten uns als Beispiel dienen können. Fragen mochte ich, ob cs richtig ist, daß nach Südwestafrika zum Teil militärisch ganz schlecht ausgebildete Leute geschickt sind? In der Abteilung Mase- napp sollen nickt weniger als 80 junge Leute sein, die erst em ein­ziges Mal auf dem Sckeibenstcmde Schießübungen gehabt hatten. (Lachen rechts.) Wenn nicht das ganze System geändert wird, werden wir es fortbauemt) mit Aufständen, in den Kolonien zu tun haben. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Dr. Arendt (Rpt.): Ich bedauere es, daß der Vorredner kein Wort des Lobes für unsere Truppen fand, die m Sudwestafrila vor dem Feinde stehen und mit großer Vaterlandsliebe und Hin­gebung den deutschen Jnteresien dienen. Daß die Regierung nickt von vornherein um Indemnität nackgesuclst hat, halte auch ich uiau für richtig: die Regierung hätte durch diese Unterlassung Nicht erst die in der Kommissioii entstandenen Schwierigkeiten Hervorrufen sollen. Sehr zu wünschen wäre es, wenn die Berichterstattung ubei die Vorgänge in Südwestafrika genauer wurde: letzt ist sie sehr mangelhaft. Herr Bebel frat uns wieder viele unverbürgte Emze - freiten mitgeteilt. Es wäre doch gut, wenn Herr Bebel einmal die Ferien dazu benutzte, um die Verhältnisie m den Kolonien an Ort und Stelle zu studieren. (Zuruf von,den Sozialdemokraten Waren Sie denn dort?) Das nicht, aber ich aebe mich auch nicht zum Mundstück aller möglichen Klagen her, ohne Rücksicht darauf & f« begründet sind oder nicht. Wenn Herr Bebel nach Afrika gmge.es wäre sehr vorteilhaft für ihn und für uns, er wurde dann entweder als kolonialer Paulus zurnckkehren und wir brauckter, dann nicht mehr seine zahlreichen Anklagen zu Horen, od^r er tourbe bo$ ew ganz anderes Beweismaterial mitbringen, als er es freute frat ggoher weiß denn Herr Bebel, daß alle die Nachrichten, die er hier vorbringt. auck wirklich auf Tatsachen beruhen? Aber freckich, e- ist eine Schwäche des Herrn Bebel, daß er immer nur die in den deutschen Augen sieht und nicht die Balken m denen bei Herero. Es ist ein Irrtum, daß die Scheußlich^iten, welche die Herero begingen, nur eine Folge ihrer schlechten Behandlung durch die Deutschen gewesen seien. Die .Herero haben solche Greileltateri begangen, noch ehe ein einziger Deutscher tn Sudwestaf^ka war. Gerade die großen Opfer an Gut und Blut, die das Reich letzt in Südwestafrika gebracht bat. müssen diese Kolonie auf immer mit dem Reiche verbinden und es muß dafür gesorgt werden daß imch Niederwerftmg des Aufstandes wieder eine

weaung Platz greift. Dazu wird eine Reform an Haupt und Glie­dern für unsere Kolonialpolitik notig sein. Ich bm durchaus für das Programm, das der Reichskanzler aufgestellt hat, und ich wurde mich freuen, wenn es baldige Verwirklichung fände. (Beifall

Parlamentarische Berhandlungen.

RachdruÄrhvL Vereinbarung nicht gestattet.

Deutscher Ueichstag.

1<). Sitzung vom 30. Januar.

1 Uhr. Dtz Haus ist mäßig besetzt.

Am Bmidetatstisch: Stuebel, Frhr. v. Stengel u. a.

Auf der Taesorbiiung steht zunächst die zweite Beratung des zweiten N a ch t ti g § c t a t § für 1904 für Südwe. st a f r i t a. Es sind dies zwe Gesetze, Nachtrag zum H a u p t e t a t für 1904 unb Nachtrag zur Etat für bie Schutzgebiete für 1904, doch ist bgs zweite nm eine Spezialisierung des ersteren.

Gefordert wrben von der Regierung 76 655 330 Mk. Die Kommission hat jioch nur 74 155 330 Mk. bewilligt, hat also 2 500 000 Mk. gesstchen, und zwar 2 Millionen Mark bei dem Titel Zur Hilfeleistung ms Anlaß von Verlusteii infolge der Eiugebore- nen-Aufstänbe fürben gesamten Bereich des Schutzgebietes" und 300 000 Mk. bei tr betriebsfähigen Wiederherstellung der Hasen- ünlagen in Swakopiund. Gmiz gestrichen ist der DitclZu Vor­arbeiten für den Ba einer Eisenbahn von Windhuk nach Rehobolh" (200 000).

Neu eingefügt vurde in dem Etatsgesetz der § 3a, in dem Indemnität ft die bisher geleisteten Ausgaben gefordert wird.

Reichsschatzsekrew Frhr. v. Stengel: In der ursprüitglicher- Vorlage war eine ^demnitätserteilung nicht vorgesehen, unb, es wurden dagegen in bi Bubgetkmnmission Bedenken laut. ?As diese Bedenken zur Kcnntis des Reichskanzlers gebracht waren, Hal dieser nicht gezögert, -e Zustimmung des Buiidesrats zu emer ent# sprechenden VervollstÄiigung des Gesetzentwurfs einzuhcilen, unb durch mich wurde ban in der Kommission um Erteilung der In­demnität förmlich nackesucht. Sie finden den Wortlaut der Er­klärung in der Anlag zu dem Gesetzentwurf abgefcnictt. Der Reichskanzler steht nunehr nicht an, jetzt auch das Plenum um Erteilung der Jndemniit für die geschehenen Ausgaben zu ersuchen. Des weiteren habe ich uf Grund eines Bundesratsbeschlusses das Einverständnis der verbideten Regierungen damit zu erklären, daß die unter Kapitel 2, Tel 4 des Nachtragsetats für die Schutz­gebiete eingestellten Forirungen von 200 000 Mk. zu Vorarbeiten für den Bau einer Eisenchn von Windhuk nach, Rehoboth aus beyr gegenwärtigen Vorlage rsscheiden und daß diese Forderung in :iner besonderen, eingefrer zu begründenden Vorlage dem Reichstag seinerzeit aufs neue zügeln wird. Die Forderung dieser 200 '000 Mark ist also seitens des undesrats zurückgezogen, und ich m ächte daher glauben, daß heutcsich eine eingehendere Diskussion auch

fallen, daS genauer festzustellen. Ich komme jetzt zu dem Fall Grccneveld-Kossak. Die Mißhandlung des Eingeborenen durch den Abgeordneten Kosiak (große Heiterkeit) durch den Unteroffizier Kossak ist ja allerdings eine außerordentlich beklagenswerte Tat­sache. Aber in der Art, wie sie hier geschildert wurde, hat sie sich dock nicht abgespielt. Jedenfalls ist diese Mißhandlung nicht bet Nackt erfolgt (große Heiterkeit), außerdem ist das Wasser, das über den Eingeborenen gegoßen wurde, nicht gefroren. Hätte der Händler Groneveld die Anzeige von dieser Mißhandlung den dor­tigen Behörden gemacht, so würde eine Untersuchung des Falles ohne weiteres eingetreten sein. Die Meldung ist aber erst über Berlin zur Kenntnis der Behörden des Schutzgebietes gekommen, und darauf sofort eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. Es ist festgcstellt worden auf Grund ärztlichen Zeugnisses, daß fern ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Tode , des Eingeborenen und der Mißhandlung vorliegt und infolgedessen ist Kossak mit einer

geringen Strafe weggekommen. rp .

Wir haben aber die Anweisung gegeben, den Kossak sofort feines Dienstes zu entlassen. Tas ist geschehen, er ist nach Deutschland z^- . rückgekehrt und steht in feiner Beziehung mehr zu dem Militär. . Bezüglich des Groeneveld sind Beschwerden laut geworden, daß fein Handel von den Behörden boykottiert worden sei, dagegen ist von Berlin aus Remedur geschaffen worden. Der Groeneveld hatte die Geschmacklosigkeit besessen, Mitglied einer Eingeborenengemeinde zu werden, er ist aber später von dieser Gemeinde, weil er Deren. Frieden störte, wieder ausgeschlossen worden. (Heiterkeit.) -~senr t Friktionen zwischen dem Groeneveld und der Verwaltung vorgekom » men sind, so sind sie ausschließlich auf militärische Dinge guruagu /# führen, unb wenn bie Strafe, die er deswegen erhielt, auch 'jn erster Instanz hart ausfiel, so ist doch zu einer abfälligen Stntil D Urteils nach Einsicht der Akten kein Anlaß gegeben. Die Gefan s- nisie unb auch die Wohnungen der Weißen lassen allerdings in d<«n Schutzgebiet noch manches zu wünschen übrig, das hängt aber nnt der ganzen Entwicklung des Landes zusammen, und der borhegetföe Etat sucht ja auch nach beiden Richtungen eine Besserung gu fdwtf* fen. Der Brief des Samuel Maherero, worin von Mißhandlui^re.u von Leuten in den Gefängnissen erzählt wird, enthält, wie die Untersuchung ergeben hat, ganz unzutreffende Angaben. W ton braucht auf den Brief nichts zu geben, da Maherero em Trunkes'oolv und ein sittlich durchaus verkommener Mensch ist. Die Stimvmng unter den Herero, daß ein weiterer Widerstand nutzlos sei, macht entschieden Fortschfttte. Es liegt auch gar kein Grund II der Annahme vor, daß wir in dem Schutzgebiete dem Kriege eine »Feoßere Ausdehnung geben wollen, als/unbedingt nötig ist. Wir vc» folgen in dem Schutzgebiete UjirtfchafHiebe Ziele, wir wollen insbesondere allen Nutzen aus den reichen Erzlagern ziehen und durch «Besiede­lung mit deutschen Ansiedlern das Land einer wirtschaftli m Zu­kunft entgegenfüfrren. Zum Schluß teile ich noch die Zeilen der ermordeten Ansiedler mit. Es sind 43 Farmer und ber eu Ange­stellte, 37 Händler und Angestellte, 10 Regierungs,Angestellte, 7 Buren, 13 Angehörige der Schntztruppe und 5 Frauen.

Jndcmnitätscrteiluug wesentli erleichtert worden dadurch, daß

die Forderung von 200 000 M zu Vorarbeiten für die Bahn von

RefrobothWindhuk aussckeid fct. Wir haben in der Kommission keinen Zweifel darüber gelassc £ rung an sich mißbilligen und |

des Reichstages betrachtet hab tzn , haß der Reichstag nicht zusammcn- bcrufen wurde, als die Ausdi ch, lUng des Aufstandes weitere größere

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