Ausgabe 
30.5.1905 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

äs*

- A wi t «Djpix

äsissjüJ:

Wbdien 21 cLk

däüyiWHHwf

5 ubr beflinntnb

wj<;

1 vor.

fesg

e.5a|,k

ft.»

w

"dicken Eiche" |m

nnc)cr Walde. 03663

^dSfcsi für Plr. Wald. in Todor.

m Himmcliahritaq

!n ni OnÄni.

tfnfirt 12,7 mittags.

MbeniGesan^Me.

Der Vorstand.

Ilrt» . 7o *» drift*

"AÄK..

ÄS***

t eit.^,j>

-A-'K? 0366» ^n»»1,6

ibn^'.x *i27, nikyk o.v»

i Himmelfahrttaff (03662

flitfiimmentiiiift

ir im BcremSlMt

itfuria.

rtffiftWi

& yräcis 6 Uhr, W 03C5B Ttr gorftnvt». mtrdi Mn.

jttnl 1905 |U1*W

'urn^ang

;»*** iyt g.44 oormift^6- W

«bsL»»

Sektion Giessen

D. L Oe. A.-V.

Aonntasi', Den 4.5w

?rv. 126

3n itcs Blatt.

155. Jahrgang

Dienstag 30. Mai lSOF

Grlcherm tVtzttÄ DuSnahm« bet E? ormtays.

DteStefcentt $<rmillenblätter* werben bem ,91nneiflei otermai rodd)en[hd) betqelvqt Der

CanöBtrF erlcheuu awnatltd) einmal

Gießener LMM

Rotationsdruck anb Vertag bet Vrühllch« UnwerstlütLdruckerel UL Langt, Gteb«,

Redaktion. Expedition u. Druckerei: Tcbulstr.?. teu Nr. ÖL Leiegr.-Ltdr.t Va-eig« Vietze»

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.

Volitl'schk (FaqesschM.

Spalier!

R. Berlin, 29. Mat.

Tienicht dabei" find bei den Feierlichkeiten zfrr Stadt Berlin zu Ebren des Kronprinzen können sich trösten mit falt allen Bewohnern der Reichsbanptstadt die werden sich ebenfalls mir an den Zeitungsberichten er­bauen können. Ten Berlinern kommt es nicht darauf an. um einen Schaugenuß, einen kostenlosen, zu halten, sechs, acbt Stunden einen Standpunkt in der Straße festenhalten und nötigenfalls ebenso D'b? zu verteidigen. Aber die Kunst des Frühaufstehens und angeborene oder erlernte Hart­näckigkeit nühen diesmal gar wenig. Spalier und wieder Spalier Unter den Linden, wo sich das Prächtige Schauspiel abspielt, vereint sich mitwirksamen" Polizeilichen Ab - sperrungsmab regeln, um nur einer sehr beschränkten Zahl von miserwählten Bürgern, untermischt und sorglicb be­hütet von geheimen Kriminalbeamten, einen drangvollen und kaum beneidenswerten Aufenthalt auf der Fcststraße zu gestatten Ob diese Bolkesmenge G^l^g'wbeit hat, über das Spalier hinweg etwas zu sehen, must bezweifelt werden, denn jegliche, noch so bescheidene Erhöhung, wie Hcms- schwellen und Bortrepven sind von einer ebensoweitsich­tigen" wie in ihren Forderungen k'"chnen Spekulation zur finanziellen Ausbeutung bestimmt. Vorläufig freilich sind es Luftschlösser, die die Verkäufer von Mätzen sich bauen: « noch ist das Allermeiste zu haben. In Berlin fällt es auch wohlhabenden Leuten nicht ein, hundert Mar? und ine Irr für einen einzigen, etwas bevorzugt g"legenen Plast und für einen Mblick von kurzer Dauer auszugeben. Es wird auf die Fremden gerechnet, zumal auf die reichen Engländer und Awerikaner: doch auch diese Nabobs scheinen abzuwarten, ob nicht eine Baisse auf dem Villetmarkt ein­tritt. Ueberspekulationen nehmen ja in der Regel ein Ende mit Schrecken. Einige Fläne bat schon der Beschluß der Studentenschaft herbeigeführt, sich nicht an der Spalierbildung zu beteiligen, weil bei dem stunden­langen Steden und dem Gedränge die Kleidung empfind­lichen Schaden leiden ^könne. Man sagt sich: Wenn schon Die Studenten nicht darauf brennen, Zeugen des Festzuges und der Feierlichkeiten zu sein, werden dann die anderen, die nicht einmal mit in den ersten Reihen stehen, für ihr Ausharren und mancherlei Beschwerden auf die Kosten kommen?

Tie Feststraße soll sehr schön werden, versprechen die Berichte, die an jedem Tag eine Menge von Einzelheiten bringen über die vorbereiteten Wunder. Ganz Berlin war am gestrigen Sonntag auf den Beinen, um wenigstens einen Vorgeschmack der Herrlichkeit zu bekommen. Ganz Berlin starrte eine Unmenge von militärisch genau gerich­teten hohen weißen Stangen an, die auf der Spitze ein von unten gesehen winzig kleines Bukett aus künstlichen Blumen tragen. Es sieht aus, als wären Kletterstangen errichtet mit dem Bukett als Preis für den glücklichen Gewinner. Doch, das ist daserste Stadium" der Aus­schmückung; wenn alles fertig ist, mag das Ganze sich glänzend und farbig ausnehmen. Die Linden mit ihrem frischen Grün tun das Beste und wenigstens hat man diesmal auf den geschmacklosen Einfall verzichtet, das monumentale Brandenburger Tor mit Goldbronze auszu­malen. Wenn dies große Schausviel vorüber ist, dann wird es am bequemsten und genußreichsten zu sehen sein: durch den Kinematographen. Die Technik triumphiert auch in diesem Falle über alle Schwierigkeiten.

Eine Ackerbaukonferenz.

Rom, 28. Mai. Heute vormittag fand auf dem Kapitol die feierliche Eröffnung der Konferenz für das Internatio­nale Ackerbau-Institut in Gegenwart des Königs und der Königin statt. Der Feier wohnten ferner bei: Mimster- präsident Fortis, der Minister des A-eußeren T i t t o n i, .so­wie die übrigen Minister und zahlreiche hohe Beamte, sämtliche Delegierte der fremden Regierungen, sowie, der italienischen und der auswärtigen landwirtschaftlichen Vereinigungen, der. Smdaco und zahlreiche Gäste. Ackerbauminister Nava hielt eine Rede, in welcher er zunächst die erlauchten Vertreter der zivilmerten Nationen begrüßte, die zu diesem Parlamente das der Forderung des Ackerbaues diene, eingeladen seien. Alle Nationen hatten mit Genugtuung die Initiative des Königs begrüßt. Italien rufe die landwirtschaftlichen Traditionen wach, die im Lande durch alle Zeiten bestanden hätten. Der König habe bie Gründung eines internationalen Ackerbauinstttuts gefördert..

Der Redner schloß, indem er darauf hmwies, daß die Zeit der Verubiauna und der Arbeit nicht mehr fern sei, indem von den bestellen Feldern in die durch Fabriken und Arbeitsstätten lärmenden Städte die Stimmen dringen, welche!bre unb

die Solidarität der Menschen Preisen, ber .^truiLr

aerefret hatte, ergriff der Votichafter der ^ur-cei Reschid Bey a j Doyen des diplomatischen Korps das Wort und brachte dem Könige und der Königin eine Huldigung txrr, föhne den Dank der fremden Abordnungen. Die Ideen, die den Beratungen d-eser Konferenz zu Grunde lägen, seien edel und.fruchtbringend und her universalste Ausdruck menschlicher» Tätigkeit. Er hob wdann hervor mit welcheni Eifer sämtliche Länder dem Rufe des Königs Kot Uen und schloß mit Dankesworten an die Regierung, Teilnahme an der Einberufung zu, dieser Konferenz,

-wie mtt Ä" die Stabt, füv di- Wife . Schli-Ui» begrüßte der Bürgermeister dre Dcle.

W Äoitfmtti M

5 FlSmVre. sich zr>r Äuk°be aemack haben, zum wirtlchaftlicken und sozialen -Fortschritt beiEntraacn Ans Vorschlag dts türk!tchen Bot,Gatters Reschid Bei. des Dänen des diplomatiichen Korps, genehmig- d,e Versammlung einen Antrag, nach dem d^m Komge ihre L l g una ausgesprochen wird, und bestätigte dann Ttttom als desin - tiven Präsidenten. Auf Vorschlag Tittonis wurden di BM- schaftei-, die an bet frpnfmnä. teifneton, 8« ^närt? gewählt. Tittoni übernahm endgcktig den Voyltz imd erNarte, er rechne auf die Mithilfe der Versammlung, in der Manner von so bedeutender Autorität säßen, zur*

sammlung ziir Beratung vorgelegten Aufgaben, ^d ^mentlich die Verbesserung der wirt s d) a i tl i ch en Int ereilen der Völker beträfen. ES sei zu hoffen, M M dessen Grundstein heute gelegt werde, bereiitft (gebaut sein werde. Hierauf wurde in die Beratung eingetreten.

Die allgemeine Lage in DeutsÄ-Sndwcstafrika wird in der neuesten Nummer dereümoefteter. Ztg." als böchst unbefriedigend bezeichnet. Der Zustand ist, wie fortgesetzte Uebersätle und Piebdiebstätzle von kleineren oder größeren Banden in den verschiedenen Gegenden zeigen, un­sicher. Die kürzlich mitgeteilte Proklamation des Generals v. Trotha an die ausständigen Hottentotten trägt das Datum des 22. April 1905 und ist in Gibson erlassen. An ihrer Authenticitüt besteht kein Zweifel.

Ter Kaiser ließ dem Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz für seine Tätigkeit zum Besten des südwestasrikanischen Expeditionskorps 10 000 Mark über­weisen.

Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Sergeant Hermann Paasch am 21. Mai auf Patrouille bei Leistord gefallen: Weiter Adolf Bode ist an einer auf Patrouillenritt bei Kowes nm 17. Mai erhaltenen Verwundung am 21. Mai im Lazarett Gochas gestorben, Nachträglich wird gemeldet: im Gefecht bei Lowes am 17. Mai verwundet: Reiter Augustin Stresau.

jlirdie urb Lckmle.

E i n F r i e d h o f § st r e i t. Wieder ist ein Friedhofs- ftreit in der Rh ein Provinz zu verzeichnen, hervorgegangen aus dem Versuch eines Regierungspräsidenten, den simul­tanen Eharakter der Kirchhöfe zu beseitigen. Aus der Kreis­stadt Simmern im .Hunsrück bringt dieEhron. der christl. Welt" folgende Nachricht: In der letzten S"a,dtv"rordneten- versammlung wurde Kenntnis .genommen von der landes- Polizeilichcn Verfügung des .Herrn Regierungspräsidenten vom 4. d. M., wonach die Stadt aufgefordert wird, binnen zwei Monaten die konfessionelle Teilung des neuen städtischen V e g r ä b n i s p l a tz e s vorzunehmen, insbeson­dere die Art und C äße der anzulegen den getrennten Felder zu beschließen. Die Versammlung beschloß bei zwei Stimm­enthaltungen mit acht Stimmen, einschließlich des Bürger­meisters drei Stadträte fehlten die Beschwerde gegen diese Verfügung und begründete sie damit, daß, nach­dem durch die Kabinettsordre vom 27. August 1820 das Gebot der konfessionellen Teilung, welches Artikel 15 des Dekrets vom 23. Prairial 12 enthielt, aufgehoben ist, keine Verwaltungs- oder Polizeibehörde das Recht haben kann, das Gebot in irgend einer Form wieder herzustellen. Wenn Artikel 16 des Dekrets die Begräbnisplätze der Autorität der Polizei und der Aufsicht der Gemeindeverwaltungen unterordne, dann handle die Stadtverwaltung nach Sluf- hebung des Artikels 15 gerade im Sinne dieser Bestimmung, wenn sie ein durchgehendes Reihenbegröbnis ohne Rück­sicht auf die Konfessionen anordne. Die Zuständigkeit der Stadtverordnetenversammlung, einen solchen Beschluß zu fassen, könne nicht bestritten werden. Auf Antrag des ersten Beigeordneten und Stadtrats Kasch wurde für den Fall, daß die Beschwerde in der Oberpräsidialinstanz abgewiesen wer­den solle, die sofortige Klage bei dem Oberverwaltungs- gericht beschlossen.

Kcer unb 2l otte.

Berlin, 29. Mai. Das Armeeverordnungsblatt ver­öffentlicht eine allerhöchste 5labinetsordre, nach der die Eskadrons Jäger zu Pferde Nr. 1 und 17 vom 1. Oktober ab wie die Jäger-Regimenter zu Pferde, be­waffnet und nach den für Kavallerie bestehenden Vorschriften ausgebildet und verwendet werden.

gJu ö deutscher We»kcytsr>ere!ne.

R. B. Darmstadt, 29. Mai.

Der Bund der deutschen Verkehrsvereine ist heute vor- inittag im Kaiscrsaal hier zur Abhaltung seiner Jahresver- fammlung zusammengetreten. Es sind zahlreiche Vertreter der Verkehrs- nnb verwandten Vereine aus allen Teilen des Reiches herbeigckommen, darunter auch Damen. Als Ver­treter der Großh. Regierung wohnte Geheimrat Braun, als Vertreter des.Owoßh. Kabinetts Dr. Wehner, als Vertreter der Stadt Oberbürgerineister Morneweg, Bürgermeister Dr. Glassing, die Beigeordneten Eckert und Kahlert, sowie verschiedene Stadtverordnete, ferner die beiden Land­tagsabgeordneten der Stadt, Regiernngsrat Dr. Kratz, Ver­treter der Handelskammer und zahlreicher gemeinnütziger Ver­eine, und die Vorstände der Betriebs- und Verkehrsinspektion Darmstadt bei. Von auswärts sandten Delegierte: Bad- Nauheim, Braunschweig, Coblenz, Düsseldorf, Elberfeld, Flensburg, Frankfurt o. M., Gießen, Göttingen, Guben, Hamburg, Hannover, Kassel, Leipzig, Mainz, München, Münden i. H., Stuttgart, Verkehrsausschuß der Bergstraße, Straßburg i. E., Weimar und Worms, ferner Innsbruck. Der geschäftsführende Ausschuß, Direktor Winkler-Leipzig, Vorsitzender, Rechtsanwalt Lebrecht-Leipzig, Schriftführer, Schatzmeister Mühlberg-Leipzig, Notar A l wer s-Braun­schweig und Ehlers-Hamburg, wurden bereits am Samstag vormittag vom Großherzog in Audienz empfangen. Am Sonntag nachmittag war der Gefamtoorstand zur Beratung beisammen.

Tie heutige Hauptversammlung wurde im Kaisersaal mit einer herzlichen Begrüßung der Mitglieder und Ehren­gäste vom Vorsitzende eröffnet. Dann hieß Oberbürger­meister M o r n.e w e g namens der Stadt die cmswärtigen Delegierten willkommen, ebenso wurden sie von den Ver­tretern zahlreicher anderer Korporationen begrüßt. Nach Erstattung des Jahresberichtes durch Rechtsanwalt Leb­recht hielt der bekannte Vorkämpfer für die Eifenbahn­reform, Prof. Engel-Berlin, einen längeren Vortrag über Verbesserungen im Eisenbahnwesen (Tarifreform). Es sei wahrscheinlich, daß sich in nächster Zeit über unsere Köpfe hinweg eine Reihe wichtiger Verkehrsfragen entscheiden würden. Man habe den Verband der Verkehrsvereine nicht einmal gefragt bei der Einführung der jüngsten Reformen, und leider habe auch die zur Vertretuna der öffentlicken Interessen berufene Presse nichts getan, das Interesse oes Publikums energisch zu wahren. Ta sei es notwendig, daß die hier versammelten Verkehrsvereine laut ihre Stimme

erbeben und ihre Wünsche und Forderungen z,u den wich^- tigsten Verkehrs fragen feststellen. Der Redner geht dann auf die Entwicklung unseres Eisenbahn- und Tarifwesens näher ein. Die eiaentlichen früheren Fuhrunternehmer seien jetzt zu unseren Vorgeleßten g"wordm. Das Publikum be- beftimmte früher den Fubrmann selber, jetzt müsse es sich! beliebige Vorscbr's en machen lassen. Die öffentlichen Bcr- kelwsanstalten seien Polizeianstalten, wenn nicht gar Straf­anstalten. Das stimme ja mit dem Wesen des Pottzeistaates überein; man m^'isse zugebcn, daß dieser auf den anderen Gebieten des öffentlichen Lebens Ordnung und Klarheit geschaffen habe, mir int Eisenbahnwesen nicht, da herrsche vollständige Unordnung, sogar Vergewaltigung, ein völliges Durcheinander. Tie jetzigen Zustände seien unhaltbar, es finde sich kein Mensch mehr zurecht. Der Redner gibt eine nähere Schilderung der Mißstände und bespricht dann die neuen Vorfchläae der Eiscnbatmverwaltungen. Jetzt betrage der Taris 6, 415 und 2 Pfennig pro Kilometer, nach dem neuen Vorschlag solle der Satz für die erste Klasse 7Pfg. betragen. Dagegen sei nichts einzuwenden, aber man müsse dann darauf dringen, daß die Schnellzüge keine erhöhten Fahrpreise haben, und durch billige Preise auch der ärmeren Bevölkerung mehr zugänglich gemacht werden, wie das in anderen Ländern längst oer Fall sei. Der Normaltarif sei nur da, um nicht eingehalten zu werden, die Ausnahme gelte jeüt als das Normale. Der Redner plädiert dann für Abschaffung aller Rückfahrkarten und der Rnndreise- billcls. ferner für 'Abschaffung der Schnellzugszuschlcige und 0 aller Zuschläge überhaupt. Man solle ferner unbedingt die Beibehaltung des Freigepäckes und die Ausdehnung der Er­leichterungen hierfür verlangen.

In der Diskussion beantragt Landtagsabg. Molthan ilte Annahme einer Resolution, welche lautet:

Tie Generalversammlung des Bundes deutscher Verkehrsvereim nimmt mit Bedauern davon Kenntnis, daß die gevlante Tarif- reform für den Personenverkehr weniger eine Vereinfachung, als eine Verteuerung bedeuten würde. Sie p r o t e st i e r t entschieden gegen jede Verteuerung der Tarife, insbesondere gegen die fernere Erbebmig der Schnellzugszuschläge und den Wegfall der Sonutagsbillets, Bäderbillets re., ebenso gegen die Aushebung des Freigepäcks, wenn nicht hierfür Erleichterungen auf anderen Ge­bieten geschaffen werden. Was das Publikum verlangt, ist eine Vereinfachung und Verbilligung, aber keine Verteuerung des Ver­kehrs. Pei den günstigen finanziellen Erträgnissen der preußisch- bejsischen Ctaatsbahnen erscheinen Ertwbungen der Fahrpreise um io weniger gerechtfertigt, als bei dem Eisenbahnbetrieb in erster Linie nicht fiskalische, sondern wirtschaftliche nnb VcrkeyrZinteressen in ben Vordergrund treten sollen.

Stadtv. O stertag -Karlsruhe wendet sich gegen ver­schiedene ^lussührunaen des Referenten und verteidigt beson­ders bie bnbifcf)cn Kilometerhefte, bie bequem unb billig seien nnb bem Publikum viel Belästigung ersparten. Es wäre sehr zu wünschen, baß biese Einrichtung für baS ganze Reich durchgcführt würbe. Er sei auch füt bie Einschränkung ber ersten unb weitere Vervollkommnung der dritten Klasse.

Rechtsanwalt Lebrecht-Leipzig erklärt, eS handle sich bei ber Tarifrefomi vor allem um eine eminent beutsche Sache unb er begrüße barnm jeben Schritt zu einer weiteren Gemeinschaft.

Herr Lacher-Karlsruhe spricht gegen bie Einführung bet 4. Klasse, Herr Artelt^Potsbam wendet sich gegen bie Kilomcterhefte unb verteidigt bie 4. Wagenklasse, die eine soziale Notwendigkeit in Deutschland sei.

Nach einem Schlußwort des Referenten wirb bie bean­tragte Resolution einem Ausschuß überwiesen.

Darauf referiert Direktor Zeise-Leipzig über einew Antrag Ratze bürg, betr. Kinderfahrkarten, der dahin geht, daß Kinder bis zum schulpflichtigen! Alter freie Fahrt erhalten und Kinder bis zum Alter von 14 Jahren in allen Wagenklassen die halben Fahrpreise zahlen. Der Redner empfiehlt warm die Annahme dieses Antrags. Die Versammlung beschließt, die geeignete Er­ledigung dieser Frage dem Vorstand zu überlassen. Ueber einen Antrag Düsseldorf, betr. Feriensonderzüge, referiert Dir. Schumacher-Düsseldorf. Dieser Antrag lautet: Die Jahresversammlung erkennt die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit der umfangreicheren Einlegung von billigen Fericnsonderzügen nach landschaftlich schönen Gebieten un­seres Vaterlandes an. Er beauftragt den Vorstand, in diesem Sinne bei dem Eisenbahnminister vorstellig $u werden und die vom rheinischen Verkehrsverein gestellten 'Anträge zu unterstützen. Dieser Antrag fand allgemeine Zustimmung. Nach einigen weiteren Erörterungen schloß die erste Sitzung gegen 1 Uhr. Darauf fand ein Festessen im Kaisersaal und am Zlbend eine von der Stadt gegebene Festlichkeit im Ober­waldhaus statt.

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, 30. Mai 1905.

LU. Dem Assistenten an ber chirurgischen Klinik ber Lanbesaniversität, Dr. August Brüning, würbe die venia legendi für das Fach der Chirurgie erteilt. Seine Habilitationsschrift handelt über: »Beitrag zur Frage der Choledochotomie an der Hand von 100 ope­rierten Fällen".

** Personalien. S. K. H. ber Großherzog haben beim Kommerzienrat Henkell, Chef der Firma Henkell u. Eie. zu Mainz, den Cbarakter als Geheimer Kommerzien­rat erteilt. Der Architekt S ch r ö d e r zu Offenbach wurde zum Hauptlehrer bei den Technischen Lehranstalten zu Offenbach, der K'reisamtsgehilfe bei dem Kreisamt Lauter­bach Hach zum Kreisamtsbureauvorsteher bei dem Kreis­amt Schotten und Heinrich W o l f aus Kirtorf zum zweiten Bureaugebilfen bei der LandesirrenanstaltPhilippshofpi- toi" bei Goddelau ernannt.

** P a k e t e i n s a m m l n n g durch die P o st. Es isk, so schreibt uns die Oberpostdirektion in Darmstadt, noch nicht genügend bekannt, daß die Post, wie jeder Spediteur, auf Bestellung abzusendende Pakete aus den Wohnungen abholen läßt.. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten,Paket abzuholen (Namen und Wohriung') unfrankiert in den nächster;