Ausgabe 
30.8.1905 Zweites Blatt
 
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Gänse und Hühner aus Rußland, Galizien und Ungarn. Gänse kosten eine Mark mehr als im Vorjahre, junge Hähnchen 30 Ms., Suppenhühner, die früher in jetziger Jahreszeit 1.251.40 Mk. kosteten, sind gegenwärtig mit 2.25 bis 2.50 Mk. zu bezahlen. Weiter sind Kartoffeln und Eier bedeutend im Preise ge­stiegen. (Die Eier kosten bei uns in Gießen bereits 8Vs Pfg. Das ist ein geradezu enormer Preis für die Sommermonate! D. Red.) Alle diese Preissteigerungen drücken gewaltig auf daS Hotel- und Restaurantgewerbe als Großverbraucher, dem es ver­sagt ist, feine Preise für die Speisen im Handumdrehen der Markt­lage anzupassen, und gegen den alle Welt sofort mit aller Kraft mobil macht, wenn er nur Miene zeigt, einen Ausgleich herbeisühren zu wollen. Schon früher bei den billigeren Preisen ist die Küchenabteilung stets das Schmerzenskind in unserem Ge­werbe gewesen, und dieser für viele Geschäfte schon ruinös ge­wordene Zustand droht sich unter den nunmehrigen Zuständen zu einer Kalamität von unabsehbarer Wirkung auszuwachsen. Dies legt uns die gebieterische Pflicht auf, für die Interessen unseres schwer bedrohten Gewerbes entschieden einzutreten. Gleich vielen anderen Beteiligten sowie unparteiischen Autoritäten (Stadt­verwaltungen usw.) sind wir der Anschauung, daß die Kalamität durch eine entsprechende mildere Handhabung der Grenzsperren unter Beibehaltung der notwendigen Vorsichts­maßregeln gegen die Einschleppung von Viehseuchen behoben wer­den könne, und schließen uns demgemäß den darauf bezüglichen, bereits von vielen anderen Stellen zum Ausdruck gebrachten Wünschen in jeder Hinsicht an."

In K a t t o w i tz erklärte der erste Bürgermeister Pohl- mann in der Stadtverordnetensitzung, daß die Milder­ung der Fleischnot vor Januar 1906 kaum zu erwarten sei. Ein Bescheid des Reichskanzlers auf die abermalige Petition der oberschlesischen Magistrate sei noch nicht eingegangen. P. wies auf das vollstän­dige Fiasko der Viehzentrale hin und erklärte, daß die oberschlesischcn Magistrate ihre Pflicht taten, aber es jetzt dahingestellt sein lassen müßten, wie die Krise wirt­schaftlich und politisch weiter überstanden werden könnte.

Ein Bauern Parlament

wird nach den in Rußland angestellten Berechnungen die künftige Reichsduma sein. Es ergiebt sich nämlich, daß von den 412 Abgeordneten der Reichsduma aus dem eigentlichen Rußland 200 bis 215 bäuerliche Abgeordnete sein werden. Bei den Wahlen wird in 12 Gouvernements den bäuerlichen Wählern die absolute Mehrheit gehören, so in Archangelsk,, Wologda, Woronesch, Wjatka, Kasan, KurSk, Olonez, Pensa, Samara, Tambow, Ufa und Stawropol, außerdem zum Teib in Astrachan, Orenburg und dem Dongebiet. In elf anderen haben die bäuerlichen Wähler fast die absolute Mehrheit unb in sechs schließlich werden sie die Wahlen erheblich beeinflusien. Wenn jedoch die Zahl der Abgeordneten Polens, des Kaukasus, Sibiriens, Zentralasiens und vielleicht auch Finnlands, wie verlautet, ein Fünftel der Gesamtzahl der Abgeordneten der 51 Gouvernements ausmachen sollte, würde daS, wie man der .Köln. Ztg.* meldet, die Physiognomie der Reichsduma verändern und die Gruppe der Abgeordneten der Städte und des Grundbesitzes verstärken. Vielleicht werden aber das die Herren PobjedonoSzew und Genoßen gerade nicht wollen und durch entsprechende Gestaltung der WahlkreiS-Gnteilung dafür sorgen, daß die Duma ihren Wünschen entsprechend zusammengesetzt ist.__________________________________________

Keer und Atolle.

Der Leutnant a. d. Ball in Germersheim in der Pfalz, welcher als Wahlmann bei der letzten Landtagswahl seine Stimme für den sozialdemokratischen Kandi­daten Körner abgegeben hatte, war deshalb vor einigen Tagen vor den Offiziersehrenrat beim Bezirkskommando Landau geladen. Ball ist seinerzeit mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform pensioniert. Zur Vorstellung in Landau begab er sich in Frack und Zylinder. Ueber daS Resultat der Verhandlung ist bisher Näheres nicht bekannt geworden. Wahrscheinlich wird ihm nun die Uniform aberkannt werden.

Bremen, 29. Aug. Ein beim Stettiner Vulkan neu­bestellter Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd wird, wie BoesmannS Telegraphen-Bureau meldet,Kron- prinzessin Cecilie* benannt werden.________

Kirche und Schule.

Nom, 29. Aug. Der Papst empfing heute eine Gruppt deutscher Pilger unter Führung des Gymnasialprofessors Miller-Stuttgart.

Aus StsLI KauL.

Gießen, 30. August.

** Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 23 enthält: 1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen Tat (Großh. Bürgermeister Lind zu Geiß-Nidda). 2. Bekanntmachung, die Baugewerbe- und Gewerbeschule zu Bingen betreffend. Es wird darin zur Kenntnis gebracht, daß die Reifezeugniffe der Großh. Hesi. Baugewerkschule in Bingen für die 'Annahme von mittleren technischen Beamten des preußischen Staatsdienstes den Reisezeugnisien der preußischen staatlichen Vaugewerkschulen ohne Tiefbauabteilung gleichgestellt worden sind. 3. Uebersicht der für das Rechnungsjahr 1905 ge­nehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürf­nisse in der Gemeinde Vilbel. 4. Vorlesungsverzeichnis der Landesuniversität. 5. Ordensverleihungen. 6. Er­mächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. 7. Namensoeränderung. 8. Dienstnachrichten. 9. Dienst­enthebungen. 10. Ruhestandsoersetzungen. 11. Nachweis der Befähigung zur Uebernahme eines Kirchenamts.

Klein-Linden, 29. August. In den wohlver­dienten Ruhestand traten die beiden Bahnbeamten Bremser Heinrich Knapp und Bremser Philipp Reu sch­ling, die über 30 Jahre im Dienste der preußischen Staats­bahnen standen. Aus Anlaß ihrer Pensionierung wurde beiden vom Kaiser das .Allgemeine Ehrenzeichen für treue Dienste* und die Denkmünze für 25jährige treue Arbeit im

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Meldungen «nt. M Ann Anzeiger erdük teS &räulcin, UJ. 'm Vlätjen unb sucht pass. Stellung M, Mn M2V OT ikw,. ndmn.

ffkr. 803 Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Mittwoch 30 August 1905

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener Zamilienblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Hessische Landwirt erscheint monatlich einmal.

Siebener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Drühlfchen Universitatsdruckerei. R. Lunge, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulftr.7.

Tel. Nr. 5L Tetegr.-Mr.: Anzeiger Gießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.

Kekamttmachlmg.

Der Großh. Kreisarzt Herr Medizinakrat Dr. Haber­korn ist vom 1.23. September l. Js. beurlaubt und wird während dieser Zeit durch den Großh. Kreisassistenzarzt Herrn Dr. Bötticher in Gießen vertreten.

Gießen, den 29. August 1905.

Großherzo glich es Kreisamt Gießen.

I. B.: Dr. Kranzbühler._____________

Sekanntmachlmg.

Betr.: Die Stelle eines Polizeikommissars für die Ge­markung Arnsburg.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Großh. Forstasseffor Thum in Arnsburg zum Polizei­kommissar der Gemarkung Arnsburg bestellt und als solcher verpflichtet worden ist.

Gießen, den 29. August 1905.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

______________I. B.: Dr. Krqnzbühler._________________

Kekanntmachung.

Betr.: Gesuch der Gewerkschaft Gießener Braunsteinberg­werke vorm. Fernic zu Gießen um Genehmigung zur Aufstellung eines Dampfkeffels.

Die Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerk vormals Fernie zu Gießen beabsichtigt auf ihrem Hauptbetrieb der Gemarkung Gießen einen Dampfkessel zu errichten.

Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, oom Erscheinen dieses im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet auf dem Bureau des Großh. Polizeiamts Gießen zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meidung des Ausschluffes bei Großh. Polizeiamt Gießen vorzubringen.

Gießen, den 7. August 1905.

Großherzoglich § Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Fink.

Iie Wahlbewegung in Sachsen.

Aus Leipzig wird geschrieben:

Mit dem Näherrücken der Landtagsersatzwahllen (14. bis 16. September) kommt die Wahlbewegung in Sachsen in schärferen Gang. Was ihr diesmal weit über die buuoes- staatlichen Grenzen hinaus Interesse verleiht, ist das feit langen Jahren nicht erlebte Schauspiel eines Kampfes zwischen der konservativen und der nationallibe- ralen Partei auf der ganzen Linie. Das ordnungspartei­liche, antisozialdemokratische Karten ist gegen den Wunsch der Konservativen nicht erneuert worden, da die Na­tionalliberalen der lleberzeugung sind, daß es nur zur Stärkung deragrarisch-konservativen" Zweitdrittelmehrheit gedient, ihrer eigenen Parier aberjede Bewegungsfreiheitgeraubt habe. Die Nationalliberalen wollen auf eigenen Füßen stehen, sie haben diesmal überaN, wo es irgend opportun erschien, eigene Kandidaten aufgestellt und als Ziel ihrer Wahlagitation die Z er tr ü mmerun g der konservativer! Allmacht verkündet. Ob es ihnen, namentlich in Hinblick aus die das Breite Bürgertum be­herrschende Furcht vor der Sozialdemokratie, gelingen wird, eine wesentliche Aenderung in der Zusammensetzung der zweiten Kammer herbeizuführen, wird vielfach bezweifelt.

Andererseits aber wird darauf hingewiesen, daß es bei der diesmaligen Eindrittelerneuerung der Mandate nicht mehr bloß der hauptsächlich in Dresden in,Betracht kommende linke Flügel der Partei ist, der mobil macht, sondern daß der Vorstoß durch das ganze Land hin erfolgt. Außerdem weist man darauf hin, daß der Bund der Jn- dustriellen bekannt gegeben hat, er werde vorwiegend die Kandidaten der Nationalliberalen unterstützen.

Nach dem Vorgänge von Leipzig, wo die fr e i f i n n i g e Volkspartei den gemeinsamen Kandidaten der Natro- nalliberalen und der freisinnigen Vereinigung nicht unter­stützen will, dürfte es auch anderwärts zu keinem Zu­sammenschluß der liberalen Elemente kommen. Der durch den Abg. Günther int Landtag vertretene Frei­sinn ist also in den wenigen in Betracht kommenden Be­zirken aus sich selbst angewiesen, darf aber laut Beschluß des sozialdemokratischen Parteitags auf Sukkurs von dieser Seite rechnen. Es kann ihm also immerhin das eine ober das andere Mandat zufallen. DieRe formet sind gleich­falls bestrebt, selbständig mehrere Kandidaten aufzustellen, zeigen sieh aber auch geneiat, die Konservativen zu unter­stützen, wie sie auch von ihnen Hilfeleistung erwarten. Die Sozialdemokratie wird sich wieder an den Wahlen beteiligen, aber kaum, um Mandate zu erlangen, was ihr bei dem gegenwärtigen Wahlrechtssystem nur ganz ver­einzelt möglich wäre, sondern in der Hauptsache aus agi­tatorischen Gründen.

Die sächsischen Konservativen scheinen sich ihrer eigenen Parteifirma zu schämen. Diesen Eindruck erweckt der Wahlaufruf für den konservativen Verlabsbuchhändler Joh. Friedr. Dürr, wohnhaft in Gaschwitz bei Leipzig, der im Wahlkreise Leipzig-Land kandidiert. Nicht mit einem Worte wird in diesem Aufrufe der konservativen Gesinnung des Kandidaten ober ber konservativen Partei gebacht, nur an dieMittelstanbsleute" wirb appelliert, bie gegen bas Großkapital und gegen bas Proletariat aufgerufen werben. Wahrscheinlich glaubt man auf biefe Weise bessere Geschäfte zu machen als durch offenes Heraushängen des konserva­tiven Parteischilbes. Bemerkenswert ist aus bem erwähnten Wahlaufrufe noch die Tatsache, daß barin die Einführung einesVierklassenwahlsystems empfohlen wirb, unb zwar derart, baß nach Neuemteilung ber Wahlkreise mit je vier Abgeorbneten, jebe ber vier Wählerklassen ihren Vertreter für sich zu wählen hat. Wohl möglich, baß bie Konservativen im neuen Landtage einer berartigenW ahl- re f o r m" bas Wort reden werden!

Zu wählen ist in 29 Kreisen, von denen bisher 22 konservativ, 6 nationalliberal und einer reformerisch ver­

treten waren. Von den 82 Abgeordneten ber zweiten Kam­mer gehören gegenwärtig 57 zur konservativen, 22 zur nationalliberalen, 2 zu den Reformern und 1 zum Freisinn. Für die Einberufung des Landtags, den bie Wahlrechts- unb bie Gemeinbesteuerreform beschäftigen wirb, ist ber 24. Oktober in Aussicht genommen.

Volitilche Tagesschau.

Aus dem Reichshaushalt.

DerReichsanz." teilt über bie Ergebnisse bes Reichs- haushaltS für 1904 folgendes mit: Nach dem Finalabschluß der Reichshauptkasse beziffert sich ber Gesamtmehr- b eb ar f gegenüber bem Etat aus ninb 18 3 7 3 000 M k. Für bie Verwaltung unb Verzinsung ber Reichsschulb ergab sich eine Mehrausgabe von 73 29 000 M k. Beim Reichsinvalibenfonbs entstauben infolge ber verstärkten Fürsorge für Kriegsinvaliben 10 499 000 Mk. Mehrausgaben, wovon 7 643 000 Mk. auf bas bayerische Kontingent entfallen: 10 053 000 Mk. hiervon mußten zu­nächst aus ordentlichen Reichsmitteln gebeckt werben, da aus Mitteln bes Reichsinvalibenfonds nur 316 000 Mk. ver­fügbar waren, wozu eine Ersparnis von 130000 Mk. für einzelne Ausgabezwecke trat Die Ausgaben ber Marine­verwaltung überschritten ben Etatsansatz um 1240 000 Mk. Demgegenüber steht beim Reichs he er eine Gesamtersparnis an 2 984 000 Mk. unb beim all­gemeinen Pensionsfonds eine Gesamtminberaus- gabe von 1 716000 Mk.

Von den dem Reiche zustehenden Steuern brachten, wie derReichsanz." ferner mitteilt, Mehrerträge: die Zuckersteuer 12 989 000 Mk., die Sulzsteuer 1207 000 Mk., die Brausteuer 1289 000 Mk. Gegen den Voranschlag blieben zurück die Zölle um 21006000 Mk. und bie Tabaksteuer um 903 000 Mk. Von ben Betriebs­verwaltungen lieferten mehr ab gegenüber bem Etat die Reichspost- unb Telegraphenverwaltung 1455 000 Mk., bie Reichseisenbahnen 848 000 Mk. Die Einnahmen aus dem Bankwesen siub um 5986000 Mk., bie verschiedenen Verwaltungseinnahmen unter Einrechnung ber bereits er­wähnten Mehreinnahme ber Militärverwaltung unb ber Mindereinnahmen der Marineverwaltung, sowie einer aus Münzgewinnen entstandenen Mehreinnahme beim Reichsschatzamt von 3 327 000 Mk. um insgesamt 4 332 000 Mark über ben Etatsansatz hinausgegangen. Im ganzen sind an ordentlichen Einnahmen, soweit sie bem Reiche ver­bleiben, 9 814 000 Mk. gegen ben Etat mehr aufgekommen. Da ber über ben Etat hinausgehenbe Vebarf, wie oben erwähnt, insgesamt 18 373 000 Mk. beträgt, so ergibt sich für das Rechnungsjahr 1904 ein Fehlbetrag von vo n 8559 000 Mk. Wäre, so schließt berReichsanz.", für bie Zwecke bes Reichsinvalibenfonds ber Vorschuß von 10 053 000 Mk. nicht zu leisten gewesen, so würbe ber Reichs- Haushalt für 1904 statt mit jenem Fehlbeträge mit einem Ueberfchusse von runb 1494 000 Mk. ab geschloffen haben.

Zollkrieg in Aussicht?

tt Berlin, 29. Aug.

Der Beginn bes Herbstes stellt bie Regierung vor eine schwierige Aufgabe: bie Neuregelun gder Handels­beziehungen zu ben Vereinigten Staaten. Die Künbigung des bestehenben Meistbegünstigungsvertrages, mit bem Deutschland ein so schlechtes Geschäft machte, muß spätestens am 1. Dezember b. I. zum 1. März 1906 erfolgt fein, unb zwar muß sie unter allen Umftänben bewirft werben, weil ber Union in biefem Abkommen bie Sätze bes alten deutschen Vertragstarifs ein geräumt finb, ber am 1. März 1906 mit bem Inkrafttreten bes neuen Zolltarifs erlischt. Die Haltung bes amerikanischen Senats in biefer Hanbelsvertragsfrage ist allerbings nicht berart, baß sie viel Hoffnung gibt auf bas Zustanbekommen eines Gegen- feitigkeitsvertrages. Der Senat ist offenbar entschlossen, jebe Abänberung bes Dingleh-Tarifes abzulehnen, selbst auf bie Gefahr hin, sich mit bem Präsibenten Roosevelt zu über­werfen unb einen Zollkrieg zu entfesseln. Deutschlanb hat keine Veranlassung, unter den bisher gebrachten schweren Opfern ben Zollfrieben mit ber Union weiter zu erhalten, denn es steht bei einem Zollkrieg für seine eigenen Inter­essen weniger auf bem Spiele, als für bie amerikanischen. Deshalb ist zu wünschen, baß bet bem Beginn ber Hanbels- vertragsverhanblungen bie Anwesenheit bes Botschafters Frhrn. Speck v. Sternburg in Deutschlanb bürste bamit zusammenhängen mit bem gehörigen Nachbruck auf bie Zollwaffe ber höheren Sätze bes neuen beutschen General­tarifs hingewiesen wird. Das dürfte bei ben Amerikanern nicht einbruckslos bleiben unb ihnen noch am ehesten bie Augen öffnen für bie Vorzüge eines Gegenseitigkeitsver­trages, ber sich auf gleichwertigen Zugestänbntfsen aufbaut.

Zur Fleischteneruug.

Der Auffichtsrat bes Internationalen Vereins ber Ga st Hofbesitzer hat als Vertreter einer bebeutenben Gruppe von beutschen Verbrauchern lanbwirtschaftlicher Er­zeugnisse deren Anschauungen unb Wünsche in ber Frage der Fleifchteuerung in einer Eingabe bem Lanb- wirtschaf tsminister zur Berücksichtigung unterbreitet Darin heißt es:

Die Meinungen darüber, ob eine Fleischnot bestehe, find 'zurzeit noch bei Probuzenten unb Verbrauck>em verschieden. Was jedoch niemand bestreiten kann, das ist das Vorhandensein einer großen Fleifchteuerung, welche in die Lebensbedingungen der Be­völkerung, mit Ausnahme eines Teiles der Landwirte, tief ein» schneidet. Ms vor kurzem die englische Kommission Deutschland bereiste, um die Wohlfahrtscimichtungen in dessen Städten zu studieren, äußerte sie in Köln ihr großesErstaunen über das Verhältnis der hiesigen Fleischpreise zuden englischen England habe dank der ungehinderten Einfuhr von Vieh und Fleisch weit niedrigere Preise als Deutschland. Als Folge der Fleischteuerung ist eine ganz erhebliche Preiserhöhung für Geflügel zu verzeichnen, weil die Nachftage m jüngfter Zeit bedeutend ge­wachsen ist, die Produktion aber nicht zugenommen hat, sondern im Gegenteil zurückgegangen ist, und bas Angebot auch unter dem Banne der hohen Schweinepreise steht, insofern es die Landleute vorriehen, ihr Geflügel zu essen und die Schweine zu verkaufen, anstatt umgekehrt Am Markt ftnb fast nur noch