Ausgabe 
30.5.1905 Erstes Blatt
 
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> D-aS Abgeordnetenhaus hat heute in dritter «Lesung die Berggesetznovelle über die Stillegung von Zechen angenommen. Dafür stimmten Konser­vative) Freikonservative, Zentrum und die freisinnige Ver­einigung. Hierauf gelangte der Gesetzentwurf über die Aen- derung der Landesgrenze gegen die freie Hansestadt Bremen in zweiter Lesung zur Annahme. Der Antrag Gamp be­treffend die Mutungssperre wurde von der Tagesordnung «ab gesetzt.

Ausland.

Paris, 29. Mai. Die Polizei überwacht mit großer Strenge alle Spanier. So wurde in Narboue ein Schuh­macher verhaftet, der verdächtig erscheint. In Paris wurde eine Kiste beschlagnahmt, die an die 'Adresse des betreffenden Schuhmachers gerichtet war und eine Bombe enthielt. Die Polizei ist überzeugt, daß es sich hierbei um ein Kom- plottgegendasLebendesKönigsvonSpanien handelte.

Madrid, 29. Mai. Silvela ist heute abend 7 Uhr gestorben. (Silvela war am 15. Dez. 1843 geboren. Er studierte die Rechte, wurde Journalist und trat 1869 in die Cortes, wo er sich den Konservativen anschloß. Nach der Wiederherstellung der Monarchie war er Unterstaatssekretär int Ministerium des Innern, dann Minister des Innern und Minister der Justiz. Im Jahre 1892 gründete er eine neukonservative Partei, die aber nach der Ermordung von Canovas 1897 sich wieder mit den Mtkonservativen zu einer Gesamtpartei vereinigte, die in Silvela ihren Führer an­erkannte. Als nach dem unglücklichen K'riege mit den Ver­einigten Staaten das liberale Ministerium Sagasta gestürzt war, wurde Silvela 1899 an die Spitze der Negierung be­rufen mit der Mfgabe, Spanien aus dem tiefen Fall, den der Krieg enthüllte, wieder aufzurichten. Silvela aber war nicht imstande, seine Versprechungen zu erfüllen. Auch ein zweites und ein drittes Ministerium Silvela hatte keinen Erfolg.)

Tanger, 28. Mai. Der Sultan empfing den Grafen Ta tt en buch sogar am ersten Muludfeiertag, eine Ehre, die noch keinem fremden Gesandten ie bier zuteil wurde.

Keer und Alotte.

*Ein ganzes Regiment strafversetzt!" Unter dieser Spitzmarke macht dasBerl. Tagcbl." auf eine Notiz der soeben erschienenen Rang- und Quartierliste aufmerk­sam. Es heißt da auf Seite 342 beim Magdeburgischen Dragonerregiment Nr. 6 unter Angabe des Stand­ortes:Diedenhosen (vom 1. Juli 1905 a b: Main z)" und 23 Seiten weiter beim Husarenregi- mentKönigHumbertvon Italien (1. Kurhessisches) Nr. 13:M ainz (vom 1. Juli 1905 ab: Dioden- hofe n)." Die beiden Truppenteile werden also miteinander tauschen, und es bedarf keines besonderen Scharfblickes, um zu erkennen, wer bei diesem Tausch den Vorteil hat. Diedcn- hofen gilt in der Armee von jeher als eine derjenigen west­lichen Garnisonen, die keine besondere Anziehungskraft auf die jungen Offiziere aus^uüben vermögen. Dagegen zählt Mainz zu den beliebte st en Garnisonen des Reichs. DasBerl. Tagebl." will wissen, die Ursache des Wechsels sei auf die direkte Initiative des Kaisers zurück­zuführen, und diese Initiative wurde ergriffen, als die näheren Umstände des Selbstmordes des Leutnants Dietz bekannt wurden, der sich, wie erinnerlich, erschoß, weil er die Behandlung durch seinen Obersten nicht mehr glaubte ertragen zu können. Im Anschluß hieran sei eine Hamburger Meldung derFwankf. Ztg." wiedergegeben. Da­nach soll in der ganzen Provinz Schleswig-Holstein ein Garnisonaustausch bevorstehen. Vis jetzt sei bekannt, daß das 31. Infanterieregiment nach Mörchinaen verlegt wird.

Der Hessisch-preußische ^ottmevrfraß.

Die amtl.Darmst. Ztg." teilt Nau§ zuverlässiger Quelle" folgendes mit:

Zwischen den Regierungen von Preußen, Hessen und den Thüringisch-Anhaltischen Staaten ist nunmehr eine Ver­ständigung darüber zustande gekommen, daß die Hessisch- Thüringische Staatslotterie nach Ablauf der 7. Lotterie (1. Juni 1906) gegen Zahlung einer Rente seitens der preußischen Negierung eingestellt wird. Aus dem weiteren Inhalt des vereinbarten Staatsvertrages, welcher demnächst den Landständen zugehen wird, können wir schon heute einige, die beim Betrieb der Lotterie Beteiligten näher berührende Bestimmungen mitteilen.

Die Preußische General-Lotterie-Direktion wird für das seit­herige Hessisch-Thüringische Lotteriegebiet die ihr von der Las,des- regienmg bezeichneten bisherigen Kollekten re der Hessisch- Thüringischen Staatslotterie, welche abgesehen von lieber- tretungen landesrechtlicher Lotteriestrafgesetze unbescholten sind, die vorgeschriebene Sicherheit stellen und sich verpflichten, für die nächsten zwei Lotterien wenigstens 100 Lose der Preußischen Klassenlotterie abzusetzen, als P r e u ß i s ch e E i n n e h m e r über- nehmen und als solche so lange belassen, als ihre Gefchästs- führung den für die Preußischen Lotterieeinnehiner maßgebenden Bestiimnungen entspricht und sie mindestens 50 Lose feder Preußischen Klassenlotterie absetzen oder fest übernehmen, Auch diejenigen Kollekteure, welche sich nicht verpflichten, wenigstens 100 Lose abzusetzen, wird die Preußische Generaldirektion bei Uebertragung von Einnehmerstellen in dem Hessisch-Thüringischen Lolteriegebiettunlichst berücksichtigen". Bis aus weiteres wird in D a r m st a d t eine Geschäftsstelle der Preußischen General-Lotterie-Tirektion errichtet werden. Tie Preußische Re­gierung wird die Beamten der Hessisch-Thüringischen Staalslotterie in ihren Dienst nehmen, insoweit sie hierzu geeignet sind und sich zur Deckung des durch die Ausführung dieses Vertrages bedingten Mehrbedaris an Beamten der Preußischen Lotterieverwaltung innerhalb der ersten zwei Jahre nach Inkrafttreten des Vertrages eine Möglichkeit zu ihrer Verwendung ergibt. Die Preußische General-Lotterie-Tirektion wird darauf Bedacht nehmen, diejenigen Geschäfte, wie Druckereien und Papiergeschäfte, welche bisher für die Direktion oder die Kollekteure der Hessisch- Thüringischen Staatslotterie geliefert haben, auch für die Z u - tun ft mit Aufträgen zu bedenken. Zwischen den Kommissaren von Hessen und den Thüringisch-Anhaltischen Staaten ist weiter vereinbart worden, daß ein Betrag von 500 000 Mk. dazu verwendet werde, den bisherigen Kollekteuren der Hessisch- Thüringischen Staatslotterie den Uedergaug in die neuen Verhält- nisie durch Gewährung anaemesiener Beihilfen zu erleichtern.

Aus tzladl >u:d LlUiö.

Gießen, 30. Mai 1905.

** Personalien. S. K. ö. der Großherzog haben öen Bauinspektor für besondere Bauausführungen August Becker zu Gießen zum Bauinspektor des .Hochbauamts Gießen, den etatsmäßigen Bauinspektor Landman n zu Darmstadt zum Bauinspeltor für besondere Bauausführungen, den Bauassessor Bauinspektor Klump zu Dieburg zum Bau- mspektor des Hochbauamts Dieburg, den Negierungsbau- meister Beck aus Homberg a. d. Ohm zum Bauassesjor,

sämtlich mit Wirkung vom 16. Juni 1905 an ernannt. Auf Grund Allerhöchster Ermächtigung vom 27. Mai d. Js. wurde der Bauinspektor des Hochbauamts Gießen August Becker in der Stelle de§ Vorstandes der Baubehörde für die Universitätsneubauten zu Gießen belassen und der Bauinspektor für besondere Bauausführungen Land­in ann zu Darmstadt zum Vorstand der Baubehörde für die Erweiterungsbauten an der Technischen Hochschule zu Darm­stadt endgiltig bestellt. Der Major a. D. Karl Freiherr von Starck wurde zum Kammerherrn ernannt, der durch die Tekanatssynode des Dekanats Grünberg für den Rest der im Jahre 1908 ablaufenden Wahlperiode vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Georgi zu Ermenrod zum Stellvertreter des Dekans de§ Dekanats Grünberg wurde die Bestätigung erteilt. Uebertragen wurde imtcrm 24. Mai d. Js. dem Schullehrer Müller zu Lautern eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Lorsch, der Schulamtsaspirantin B u n d aus Mainz eine Lehrerinnenstelle der Gemeindeschule zu Ober-Mörlen.

** Aus dem Militär-Wochenblatt. Möslein, Unterarzt beim 4. Großh. Hess. Jnf.-Rgt. (Prinz Karl) Rr. 118, zum 1. Großh. Hess. Drag.-Rgt. (Garde-Drag.- Rgt.) Rr. 23 versetzt und mit Wahrnehmung der offenen Assist.-Arststclle beauftragt.

** Sitzung des P r o v i n zi a lau ss ch u s s e s. Da der Provinzialausschnß am Samstag eine längere nicht­öffentliche Sitzung abhielt, kam in der darauf folgenden Sitzung nur die Verlegung der Haltestelle in Ranstadt, hier Enteignung von Gelände, zur Ver­handlung. Für die neue Haltestelle in Ranstadt bedarf die Eisenbahnverwaltung u. a. auch eines Teils der Parzelle Flur 4 Nr. 143 der Gemarkung Ranstadt, deren Eigen­tümer mit dem gebotenen Preis von 60 Psg. pro Quadrat­meter sich nicht einverstanden erklärten. Die Lokalkommis­sion kam bei ihrer Schätzung des beanspruchten Geländes zu dem Ergebnis, daß der'Betrag von 1,50 Mk. pro Quadrat­meter zuzüglich einer Entschädigung für Obstbäume znzu- biUigen sei. Da auch dieser Preis "den Grundeigentümern noch zu gering schien, gelangten die Akten zur Vorlage vor den Provinzialausschuß. Dieser schloß sich nach vorher- gegangencr Besichtigung bezüglich des Preises für den Grund und Boden dem Gutachten der Lokalkommission an.

** Unsere Redakti on hat neben dem Verlag und der Expedition ein eigenes Telephon erhalten, das die Nr. 112 führt. Bei Mitteilungen, die nach 1 Uhr mittags der Redaktion gemacht werden sollen, bitten wir Nr. 51, den Verlag des Gieß. Anz., anzurnfen. Bei dieser Gelegen­heit weisen wir darauf hin, daß noch immer nicht zur Ge­nüge bekann ist, daß Redaktion und Expedition der Zeitung gänzlich getrennte Geschäftszweige sind. Die Expedition nimmt nur bezahlte Jnseratenaufträge entgegen, während die Redaktion den Text- und Nachrichtenteil bearbeitet.

** Zur Vorbereitung der Feier des 300- jährigen Bestehens der Landesuniversität hat sich hier ein Komitee gebildet, das sich u. a. auch mit Ver­besserungen des Stipendienwesens beschäftigt. Schon jetzt werden Beiträge erbeten zur Gründung eines größeren Stipendienfonds. In dieser Angelegenheit wurde, wie wir derAlsf. Oberst. Ztg." entnehmen, am 24. Mai von der Konferenz der Geistlichen des Dekanats Alsfeld beschlossen, eine Anregung zur allgemeinen und gemein­samen Beteiligung der gesamten hessischen Geist­lichkeit zu geben, etwa in der Weise, daß in allen Deka­naten gesammelt wird, daß jeder Geistliche drei Jahre lang einen jährlichen Beitrag von 10 Mk. leisten möge, daß eine Kommission zur Ausführung dieses Planes eingesetzt wird. Man rechnet, daß man bei solch einer allgemeinen Beteilig­ung bis 1907, die Summe von 12 000 Mk. zusammenbringen wird, deren Zinsen zur Unterstützung von Theologie- Studierenden verwendet werden sollen, weil diese viel­fach aus den weniger bemittelten Kreisen stammend, der Stipendien am meisten bedürfen.

** Der Gießener Schneiderstreik scheint neuer­dings doch fortdauern zu wollen. Am Donnerstag hatte, so erfahren wir, der hiesige Vertreter der Arbeitnehmer bei dem Vorsitzenden der Arbeitgeber die Einwilligung der Ge­hilfen zur' Festlegung des ihnen vor Beginn des Streiks zugebilligten Tarifs erklärt, dabei allerdings die Bitte aus­gesprochen, man möge auf die Sbnfertignng von Hosen it n b Westen eine kleine Tariferhöhung bewilligen, damit in der Öffentlichkeit nicht der Anschein erweckt werde, als sei die 'Arbeit bedingungslos wieder ausgenommen worden. Es würde darauf auf die Möglichkeit verwiesen, daß die Arbeitgeber nach Wiederaufnahme der Arbeit sich zu diesen gewünschten Tariferhöhungen bereit finden wür­den. Daraufhin sagte der Führer der Gehilfen zu, daß eine Festlegung des zugebilligten Tarifs beim Gewerbegericht stattfinden werde und am nächsten Tage, also Freitag, die Arbeit wieder ausgenommen werden solle. Die Streikposten wurden sofort abberufen. Die Arbeitgeber erwarteten da­nach stündlich die Ausführung der Mmachung, allein ver­gebens. Am Samstag vormittag erschien der Führer der Gehilfenschaft wiederum und gab schriftlich davon Kenntnis, daß die hiesigen Gehilfen den Münchener Zentralverband der Arbeitgeber auffordcrten, seinen hiesigen Lokalverband anzuweisen, mit den Gießener Arbeitnehmern vor dem Ge- wcrbegericht wegen Lohnerhöhung zu verhandeln. Der Vor­sitzende des hiesigen Arbeitgeberverbandes gab das betr. Schriftstück unter Hinweis auf die am Donnerstag gepfloge­nen 'Abmachungen zurück und verwies die Arbeitnehmer selbst an die Münchener Zentrale. Heut" erhalten wir nun folgendes Telegramm aus Braunschweig: Der Schneidergehilsenverband kündigte telegraphisch dem Mün­chener Zentralvorstand des Arbeitgeberverbandes für den 30. Mai den Ausbruch eines Gehilfen st reiks in 60 Städten an, falls der Gießener Streik nicht beigelegt werde. Der hiesige Arbeitgeberverband wurde, so teilt man uns mit, von der Münchener Zentrale nach Kenntnisnahme dieser Braunschweiger Meldung ersucht, ihre Gehilfen nochmals auf­zufordern, bie Arbeit am Montag auszunehmen. Dies ist nun nicht geschehen, vielmehr wurden aufS neue die Streik­posten ausgestellt. Es ist nun anzunehmen, daß vom Münchener Arbeitgeberverband die leidige Streiksache endlich aus der Welt geschafft wird.

Kerichtsiaal.

Thorn, 29. Mai. Unter großem Andranae des Publikums begann heute früh vor der Strafkammer der Prozeß gegen den früheren Oberleutnant Helmut Wessel aus Minden, dcr des Bezuges, der Urknudmfäischuug, sowie der Unterschlag­ung von 1020 Frcs. beschuldig: ist. Man hat es bei Wessel be­kanntlich mit einem dcr intercssantesten und gefährlichsten Men- tenrer und Spione der Gegenwart zu tun. Bei seiner Fest­nahme ist die deutsche Regierung in einer von dem üblichen

Verfahren so sehr abweichenden Form vorgegangen, daß der Fall in den an Wessels Auslieferung beteiligten Ländern, Frankreich, Italien und Belgien zeitweise eine förmliche Pro­testbewegung gegen Deutschland hervorgerufen bat. Außerdem hat die Affaire noch die bemerkenswerte Tatsache gezeitigt, daß dem heutigen Prozeß eine mehr alS zweijährige Nnter- su ch u n gs b a st des Angeklagten voraufgegangen ist, die diesem zu der Beschuldigung Veranlassung gab, die deutsche Regierung wolle ihn als einen Mitwisser über die Beteiligung des deutschen Generalstabes an der Drepfus-Affaire für möglichst lange Zeit mundtot machen. m 8 Uhr abends verkündete Land­gerichtsrat Scharnier folgendes ,U r t e i l: Der Angeklagte und sein Verteidiger haben es so hingeffellt. als wäre die Anllage nur eine Lappalie, daer Staatsregierung daran liege, den Angeklagten fest in ihre Hände zu b'kommen. Dieser Umstand scheidet für das Gericht g-'u; aus. Der Angeklagte ist lediglich vorgeführt unter der Beschuldigung ^r Urkundenfälschung und des Betruges. Da!- Gericht könne nur di>'se Straftaten in Betracht ziehen und e$ i? für das Gericht vollständig gleichgiltig, ob der Angellagte danel n noch ein Landesverräter iff oder nicht. Was die Unterschlagun j anbetrifsi, so hat der Sta-tsanwalt die An­klage selbst fallen laffcn. nachdem er ausgesiihrt hatte, daß dem Angellagten ein subjektives Verschulden nicht nachzuweisen sei. Dagegen bleiben eine schwere und zwei einfache Urkundenfälsch­ungen übrig. Das Gerich. nimmt als erwiesen an, daß der An­geklagte in vi r Fällen der ihm zur Last gelegten Fälschungen schuldig sei. Der Mgeklagte wird deshalb zu 1 Jahr Ge­fängnis verurteilt, wovon 9 Monate durch die Untersuch­ungshaft als verbüß' abgerechnet werden, fo daß der An­geklagte nur noch 3 Monate zu verbüßen hat. Trotzdem erllärte der Angellagte, Revision anmclden zu wollen und wurde dann in die Un^erOf^vtrniSTTAft ^«rr

XlvivrrHtüts-Tiatßrtifitfn.

Göttingen, 29. Mai. Die akademischen Behörden Der» sagten vorerst der Korvoration der Finkenschalt die G e n e h m i g i! n q. Erst soll der Nachweis geliefert werden, daß ein allgei,wines Bedürfnis zur Bildung einer Korporation vorliegt.

(-) Dem o. Professor der Physik und Direktor des physikalischen stlnstitilts an der Technischen Hochschule in Dresden Tr. Wilhelm H a l l w a ch s ist der Titel und Rang alsGeheimer Hosrat" ver­liehen worden. H. ist ein geborener Darmstädter (1859).

AröUtcröewcgung.

Bremen, 29. Mai. 350 SchneiderFesellen streiken, weil sie wegen der Aussperrung in Gießen kerne Arbeit überneh­men wollen.

Hamburg, 29. Mai. Neben den Zimmerern sind auch die Mauerer in eine L o h n b e w e gu n g eingetreten, sie fordern ''ine Erhöhung des Stundenlohns um fünf Pfennig. Bei Ab­lehnung dieser Forderung soll der Streik erklärt werden.

Lübeck, 29. Mai. Hier legten in sämtlichen Schneider­werkstätten die organisierten Gesellen auf Anordnung des' Zentralvor^andes -,u M'"'77ch"n Arbeit nieder.

KirlÜtilke ^aArilüten. Katholische Gemeinde.

Mittwoch den 31. Mai: Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.

Donnerstag den 1. Juni, Ehristi Himmelfahrt: Vormittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. Vor- mitags um 7 Uhr:' Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. Vormittags um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe. Militärgottesdienst mit Predigt. Vormittags um 9Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 21/, Uhr: Fest-Andach t.

Handel und Verkehr. Dolkswlrlschafk.

E r z - K u x e.

F e r n i e. Angebot 3150, Nachfrage 3075. Ausbeuten und 3u- bnßen, 1903: 225: 1904: 300.

Telephonisches* Kursbericht.

Frankfurt a. M., 29. Mai. Offizielle Schluasknrse.

3Vao/o Reiohtianleihe . . 101.55 3% do. . . . 90.50 3V,% Konsole . . . . 101.40 <o/n do......90.45

3*/g% Rossen .... 100.10 3st, % Oberhesson . . . 99.00 4% Oesterr. Goldronte . . 10185 4'/z?o Oesterr. Silberrento . 101.30 4% Ungar. Goldrento . , 99.75

4°/n Italien. Rente , . ..

4 % Portugieser I » . , 67.10

3°/ Portugiesen. III . . 67.10 1 % Unif. Türken . . . 88.40

Türkenlose......138.40

8"/g Mexikaner 4Va% Chinesen . Electric. Schuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . DiSkonto-Komm andil Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsgea Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gottbardbahn « . Lanrahütte . . Bochum . .

4% Grioch. MonopoL-AnL. Uarponer . . . 4/,°/0 äussere Argentiner. Staetschatzscheine

Tendenz: ruhig-.

. . 6660 . . 96.10 . . 135 30 . . 123.20 . . 208 90 . . 186.50 . . 140.25 . . 153 50 . . 168 80 . . 142.60 . . 15 40 . . 188.00 . . 265.00 . . 240.90 . . 211 40 . 100.55

Grilllnat-Draylmerdunqen.

R.-B. Darmstadt. 29. Mai. DaS Festmahl bet Bundesversammlung der deutschen Verkehrsvereine im Kaisersaal nahm einen animierten Verlauf. Der Vor­sitzende, Direktor Winkler-Leipzig, brachte beim Essen einen kräftigen Toast auf den Schirmherrn von Verkehr unb Kunst, den Kaiser, aus, während Rechtsanwalt Almes-Braun­schweig in herzlichen Worten den Großherzog feierte. Die Festversammlung beschloß auch die Absendung eines Tele- grannns an den Großherzog, in welchem sie dem Protektor und Förderer in der schönen Residenzstadt ihre Verehrung und Ergebenheit zum Ausdruck bringen. Später toastete Trier-Darmstadt auf die auswärtigen Gäste, Rechtsanwalt Lebrecht-Leipzig auf den Darmstädter Verkehrsverein unb seinen so rührigen Vorstanb unb Oberstleutnant Gab auf bis Damen. Am Nachmittag würbe ein gemeinsamer Spazier­gang nach Schloß Kranichstein unternommen unb bann im Oberwalbhcms Station gemacht, woselbst bie Stabt einen Festtnmk krebenzen ließ. Hier wünschte Beigeorb. Eckert namens ber Stabt ben beutschen Verkehrsvereinen kräftiges weit res Blühen unb Gebeihen unb Direktor Winkler brachte namens bes Bunbes ber Stabt Darmstabt ein brei- maliges Hoch aus. Bei weiteren Toasten, Konzert unb GesangSvorträgen nahin baS Beisammensein in ber herrlichen Walbstätte einen höchst befriebiqcnben Verlauf.

Dort in unb, 30. Mai. Eine Versammlung beS rheinisch-westfälischen ArbeitgeberbunbeS be­schloß einstimmig, ihren sämtlichen Bauarbeitern heute die Kündigung zu überweisen, weil die Sperre über die Dortmunder Bauten nicht aufgehoben ist. 25 000 Arbeiter werden von ber Künbignng betroffen.

Lobz, 30. Mai. Hier streiken 30000 Arbeiter.

Petersburg, 30. Mai. In Nachitschewan ist seit vier Tagen ein furchtbares Blutbab im Gange. Tartaren machen bort bie Armenier massenweise nieber. Auf einem Bazar wurden alle Armenier ermordet. Läden werden geplündert und Wohnungen angezündet. Die Moha- medaner berauben die armenische Kirche; über hunbert Arinenier würben in brei Tagen getötet.