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30.5.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 126

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außer Bonn tag*.

Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem Reffllthen Landwirt die Gießener Kamillen« Mihti viermal in bei Woche beigelegt.

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Adresse füt T epelctien! Anzeiger Gießen.

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Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Dienstag 36. Mai 1905

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger

Ve»egSprtlAi monall,ch75 iM viertel» jährlich Mk. 8.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monathcf) 65 Pt.; durch die Post Mk. 2. viertel- jährt ausichl. Nestellg. Annahme md MnjeH« ii die T, ^rm-rmet S vo iniltrgS J '(Zit.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Mreis Gießen MW

____ zeigenteil: HanS Beck

Die tteutige Dummer umfaßt 8 Seiten.

Der I^immeuKruch der russischen Seemalvt.

Die Vertreter Japans bei den Vermählungsseierlich- .eiten deS deutschen Kronprinzen, Prinz und Prinzessin Ari- sugawa, sind unter für sie überaus erfreulichen Begleit­umständen am Montag abend in der deutschen Neichshauptstadt eingetroffen. Sie wurden, wie W. T.-B. meldet, am Bahn­hofe voin Kaiser und dem Kronprinzen mit großem Ge­folge feierlich empfangen. Das prinzllche Paar fuhr, geleitet vom Kronprinzen und dem Prinzen Adalbert, zum Hotel Bristol, wo sie Wohnung genommen haben. Eine ungeheure Menschenmenge empfing den Kaiser, die japa­nischen Herrschaften und den Kronprinzen mit andauernden Hochrufen.

Das in Berlin bei allen derartigen Vorgängen nun ein­mal für notwendig befundene übergroße Aufgebot von Polizei­mannschaften wird ja wohl auch gestern abend nicht aus- geblieben sein und da? japanische Prinzenpaar wird wahr­scheinlich so viele Schuhleute zu Pferde und zu Fuß in seinem Leben nie wieder erblicken. Dieser immerhin gewiß sehr im­posante Empfang mit allen tnilitärischen Ehren mußte indeß gerade an diesem Tage, da dort soeben die offiziellen Meld­ungen von der Vernichtung der russischen Flotte eingetroffen waren und die Ueberlegenheit Japans zur See endgiltig entschieden ist, den Eindruck einer Art Siegesfeier Hervorrufen. Auf der'russischen Botschaft in Berlin wollte man gestern vormittag die schlimme Nachricht nicht in ihrem ganzen Umfange gelten lassen; es hieß, es würden erst glaubwürdige Mitteilungen abzuwarten sein. In wenig Stunden folgte aber eine nur zu sehr beglaubigte Meldung der anderen, so daß kein Zweifel, kein Aufrecht­erhalten einer letzten Hoffnung mehr möglich war. Rußland hat mindestens zur See seine letzte Karte aus­gespielt und hat das Spiel verloren. Ware nicht auch an unseren amtlichen Stellen alsbald die Bestätigung von dem Sieg des Admirals Togo eingegangen, dieN. Allg. Ztg." hätte sicherlich einen Vorbehalt an die Depeschen geknüpft. Tas Organ der Negierung äußert sich über die Tragweite des japanischen Erfolges nicht, aber es erspart immerhin dem allzu befreundeten Nußland schon durch die Ueberschrift, die es den Telegrammen gibt, die Kritik, die von den anderen Berliner Blättern ohne Ausnahme geübt wird und die ein­hellig zu dem Schluß gelangt, daß der Vernichtungs­schlag gegen das Geschwader NoschdjestwenSkys geführt worden ist.Eine Seeschlacht" bekennt dieNordd. 9l(Ig. Ztg." einfach eines der größten und folgenschwersten Ereignisse. Folgenschwer, verhängnisvoll werden die Wirk­ungen nicht nur in Bezug aus den Krieg sein. Ganz Nu > land hat, wie ein verzweifelter Spieler, auf diesen letzten Trumpf seine Erwartungen aufgebaut. Das Gebäude der Illusion, noch könne eine Wendung zum Besseren eintreten, ist zusammengebrochen. Petersburger Privatdepeschen schil­dern den furchtbaren Eindruck der allgemeinen Enttäuschung. Die mühsain unterdrückte Unzufriedenheit mit den politischen Zuständen wird nunmehr zweifellos mit elementarer Gewalt aufs neue sich Lust machen, der Ruf nach Fr le­bens schlug, selbst um jeden Preis, wird zu einem Schrei des ganzen Volkes werden, kühner denn je zuvor wird die Revolution ihr Haupt erheben.Tas ist das En de des Seekrieges", schreibt dieK^reuzztg.",das ist der Zusammenbruch der Hoffnungen, die von der Flotte erwartet hatten, waö das Landheer nicht leisten konnte." Aber dieKrenzztg." ist gerecht genug, hinzuzufügen: Trotz des Mißlingens kann man dem russischen Admiral die Anerkennung nicht versagen, daß er seine g.oße Aufgabe mit Umsicht und Entschlossenheit begonnen und ausgeführt hat, soweit seine Kräfte reichten." Mag sein nur ist man in Petersburg bekanntermaßen fast immer anderer Meinung gewesen über die Umsicht der nicht von Erfolg begleiteten Führer. Es werden vermutlich auch dem W- miral Roschdjestwenski vom grünen Tisch des Kriegsrats cms Febler nachgewiesen werden, schon um der erregten Volksstimmung ein Opfer zu bieten. DieRationalztg." siebt ats nächste Folge der Niederlage den Verlust v o n W l a d i w o st o k für wahrscheinlich an. DerLok.-ANz." bemerkt u. a.:Eines ist schon jetzt sicher dast der Kamps in her Korcastrcche die größte Seeschlacht seit den Zeiten mrnmls also seit etwa hundert yahren, gewesen ist/' Für unabseichar hält dieVoss. Ztg." die Folgen dieses wichtigen

telegraphischen Berichte stber die Seeschlacht, eon denen wir die erste bereits gestern nachmittag durch Ertrablatt verbreiteten, laiiten:

~ Tokio 29 Mai, 4 Uhr morgen?. Da? Bureau Reuter melde, offiziell: Di- Flotte No s chd s estwen s ki s ifl Brüh,enteil« vernichtet. Zwols Kriegsschiffe find gesunken ober genommen. Zwei Transportschiffe und zwei Torpedojäger sind gesunken.

Tokio, 29. Mai, 3 Uhr nachm. Admiral Rebogadow und 3000 russische Seeleute befinden sich in jopanischer Ge­fangenschaft. Noschdje fi wen?k i ist anscheinend mit- kommen. Tie Schlacht begann am Samstag vormittag. T.e Verfolgung dauert »och an. ~ .

Tokio, 29. Mai, 2 /. Uhr nachm. (Reuter.) Inder Schlacht mit der japanischen Flotte sind folgende russi­schen Schiffe gesunken: die PanzerschiffeBoro­dino und _!?kmn-ra,or Alexander III.", die Panzerkreuzer

Admiral Nachimow",Dmitrij Donstoi" undWladimir Mononach", das PanzerschiffAdmiral Uschakow", die ge­schützten KreuzerSwetlana" undShemtschug", die TransportschiffeKamtschatka" undJrtessim" (Irtisch?). Die PanzerschiffeDrei" undNikolaus II." und die geschützten PanzerschiffeAdmiral Ssenjawin" und ^General- Admiral Apraxin" sind von den Japanern genommen worden. Im ganzen sind 10 Schiffe gesunken und vier Schiffe genommen worden.

Washington, 29. Mai. (W. B.) Nach einer De­pesche des amerikanischen Gesandten in Tokio meldete Admiral Togo, daß olle großen japanishen Schiffe, die am Kampfe in der Tjuschimastraße beteiligt waren, unbeschädigt geblieben sind.

Petersburg. 29. Mai. (PetcrSb. Tcl.-Ag.'» Aus Shang­hai von heute 8V2 Uhr abends wird gemeldet,'dort sei btc Nach­richt eingegangeu, daß 7 javaniscde Schiffe, biaüon zwei Panzer, und 4 russische Schiffe in den Grund gebohrt seien. Hier herrscht die lleberzeu^nng vor die Javaner warten die offiziellen Depeschen des Admirals Noschdsesimenskv ans Wladiwoßol eh und I; oft en so lange mit der Dcl'c-nntmachiing ihrer Verluste zurück. (

Washington, 29. Mai. Ein bei dem Mannedepnrtement eingegang-'n-s Telegramm meldet, daß die russische Flotte am 27. Mai morgens 6 IIFr zwis^'eu dm Goto-Ins'ln und Hit ei hart in der Straße von Korea gesichtet wurde. Sie fuhr in doppelter Kolonne, ShmiStchua, au irr S' iße. dann Borodino, Drei, Suwarow, ?llerand"r ITT . Osffab'a. Siffoj Welikii Nawarin und Nikolai I. nach Steuerbord, Uachinww, Ischakow, Ssenjawtn, Aprarin und die end^rm Kreuzer nacb Backbord.

Newpork, 29. Mai.Newvork Sun" meldet aus Tokio: Dos Marineministerium veröffentlichte bestimmte Angaben dar­über, daß die Baltische Flotte am Freitag bet Formosa einen amerikanischen Dampfer in den Grund gebohrt Hobe. Aus Woshinown meldet dasselbe Blatt, daß ein ernstlicher russisch-amerikanischer Zwischenfall drohe. Prä­sident Roosevelt habe eine Untersuchung angeordnet und den Bot­schafter v. Lengerk'-Mev^r angem'esen b-rn W russischen Admi- ralitttt Nachricht einz-n ziehen, und wenn sie sich bestätigen sollte, werde zweifellos Scho^nerso^ verlangt werden.

Washington, 29. Mai. (W. B.) Der amerikanische Ge­sandte in Tokio telegrapluert' Laut e'nem i m mltgete'lten Be­richt an die japanische Regierung stellt es sich heraus,daß das am 20. Mai von der r u s s i s ch e u F l o t t e auf der Höhe von Formosa zum Sinken gebrachte Schiff, von bcm man annohm, es wäre ein amerfkan's^e^ gnoesen, ein englisches war.

Privatmeldnngen.

Neben diesen ofsiz^e '.-u Bt'elouno n liegen stlbstverstöndlieh auch zahlreiche Privatmeldungeu vor. Eine in Paris eingegangene Petersbi'rger Privotmeld"ng befaßt, d^r B^'-odino und einige andere Schiffe seien zielbewu-t geopfert worden, um mit d--m Gros der auf 26 Schilfe g-cscb-'ü-ten Hauptmacht Knrs nach N^roen zu nehmen. Die Meldung verdient ober tomig Glauben. Wahr­scheinlicher ist vielm'hr, daß btc russische Marschordnung ^Panze'. in einer Linie, Kreuzer und die übrigen Schiffe in eirwr zweiten Liniel durch einen bei NebelwetBr geglückt"n Anarifs der japanischen Torpedoboote und Torpedoboots--Zersiörer ver­nichtet und die entstandene Verwirrung möglichst ausgenuvt wurde. Die Fiknkentelegraphie hat den Japanern wie^-'r gründlich gedient, da seit Freitag alle Bewegungen der russischen Flotte von der Insel Quelport aus angezeigt wurden. In Nagasaki wußte man übrigens schon Freitaa. daß Togo dm von russischer Seite miSgesprengten Gerüchten, als würde cs sich in der Korea­straße nur um ein unbedeutendes Engagement handeln, nicht traute, sondern nordöstlich von Tsuschima seine Hauptmacht ver­einigte. Die Minenleaung war seit acht Tagen vollendet. Davon konnten die Russen Kennt,ns haben. Angenommen wird, daß sie gekaufte Piloten auS Nagasaki an Bord hatten und mit deren .Hjlse unter dem Schutz des Nebels an Tsuschima vorbeizukommen hofften

Nach den offiziellen Meldungen soll R o sch d j e stw en s ki entkommen sein. Ein in London zirlüll'-rendes, indes durch-aus unglaubwürdiges Gorücht besagt, er habe sstb mst seinem Admiral- schiff in die Lust gesprengt. Das PariserJournal" meldet aus Washington, es s.i RoschdjestwenSki gelunaen, bte Meerengf von Korea zu passieren, indem er die w'rtlosesten Ge­fechtseinheiten opferte. Mit dem übrigen Teil der Flotte sei er nach Norden entkommen. Ein römisches Tele­gramm aus Wladiwostok berieltet, da? die 6'eschwoder der Admi­rale Kamimura und Uriga bei Wladiwostok erschimen seien, um dem Oleschwodm Rosstdjestwenslls den Weg zu verlegen. Eine zweite Schlacht stehe bevor.

Die offiziellen Meldungeit über den Zustand der javani­schen Flotte widersprechen, einander. Es heißt sowohl, baF sie im wesentlichen unbeschädigt fei", als daß 7 Schiffe in den Grund gebohrt seien. Die erste.Meldung stimmt b^z-eichnender- weise von japanischer, die zweite von russischer Seite. Der LondonerDailh Erpreß" meldet aus Tschifu, der japanische KreuzerNishin" sei außer Gefecht gesetzt.

Nach Privat-Depescher. aus Tokio, Tschifu und Shanghai haben die Japaner die nicht versenkten oder wegg-enommenen russischen Schisse zerstreut und sind in ihrer Ver­folgung narb Wladiwostok z,u begriffen.

Nach einer Meldung aus Tientsin sollen die Verluste der Japaner bedeutend gewesen sein, doch glaubt man, daß das Hauptziel, die S P e r r u n g d e s W e g e s n a ch N o r d e n für die Russen. d"rch die japanische Flotte e r r e i ch t werden ist.

Der fr-rnzösische Admiral Vienaimö wurde befragt, ob er die russische Niederlage für entscheidend halte. Er ant­wortete: Keineswegs! Man werde abznwarten haben, ob das Gros der russischen Schiffe einen solchen Vorsprung gewinnen könne, daß eine Verfolgung ill"sorisch erscheint. Vorläufig ist Bienaimb geneigt, dies anzunehmen.

Die Russen sind also wieder einmal gründlich geschlafen worden. Wenn au cf] vielleicht nicht dem kommnndiermden Mmtral Roschdjestwenski selber, so mußte doch seinm Seeleuten nach so vielen und so schweren Niedeptagen der russischen Waffen die Siegeszuversicht felsten, die den Erfolg in erster Linie gewähr­leistet. Und es fehlte den Russen doch jedenfalls auch der intelligente Patriotismus, den wir so ost an den Japanern bewundern konnten, die Einsicht von der Notwendigkeit der Selbst­aufopferung für das bedrohte Vaterland. Es war,auch nicht glaub­haft, daß,' was Ausbildung betrifft, die russische Marine in einigen Monaten hie «Mähnwiif» von Jahren hätte nnrfiMen

können. So überrascht nicht eigentlich die russische Niederlage mH sich sondern höchstens d-ren geradezu vernichtende Schwere. Ad­miral Nebogatow mtb 2-000 russische Seeleute gerieten in japa­nische Gefangenschaft. Von 11 Panzern haben die Russen 7, von 11 Kreuzern 5 verloren. Und es fragt sich noch, wieviel von dem Rest der Baltischen Flotte nach dem Durchbruch oder auf dem Umweg durch die Tsimarustrafte den rettenden Hasen Wladi­wostok erreichen wird. ?lber selbst angenommen, sie alle er­reichten dies Ziel imb der jedenfalls doch wohl entkommene Roschdiestwens^' vereinigte ve dort mit den beidenMladiwosto^- KrernernRosssta' undGrowoboi" wieder unter seinem Kom­mando, er würde den Javanern nur dann in Zuffmst^ gesälrrlich werden können, wenn, auch diese in der Seeschlacht ähnlich schwer gelitterr hätten, wie die Russen. Das aber ist nach den bisherigen Meldunaen durchaus nicht anzunehm"n. Unter ener­gischer Führrrng könnte dr Flottenrest von Wladiwostok aus! noch einige Zeit die Schiffahrt im Japanischen Meer, beun­ruhigen, aber er verniag nicht die Seeverbindungen der japani­schen Armee dauernd zu stören und er wird schließlich In Wladr-- wostok das Sebicksal des früheren Pazifischen Geschwaders in Port Arthur teilen.

Aus beut Grande des Meeres oder zerschossen und blut» n cf ran ft in feindlichen Häsen liegen bis auf wenige die stolzen Schiffe des Baltischen Geschwaders. Man kann sich der Tragik dieses Schicksals nicht entziehen. Die Kämpfe , der russischen Landarmee scheinen mm ganz aussichtslos. Linewitsch wird nicht die Fehler Knropatkins wieder g"t m^ch"n, wie auch Rosch- diestwensk' die Fehler oer Stork, Wittbösft, Uchitomski nicht U'ieder ausgllichen konnte. In der Seeschlacht am Eingang des Javanischen Meeres nre»te sich das Andreaskreuz vor dem Banner mit der ausgehenden Sonne.

Aus der Mandschurei.

Petersburg, 29. Mai. Dem Korrespondenten des Ruß zufolge konzentriren sich die Javaner in der Nähe von T s cd i i u. Bier Armeen sollen sich südlich von der Stadt befinden, während eine fünfte durch Ehungusen verstärkt vor der russischen Front sich befindet. lJetzt, nach dem glänzenden Ausgang der Seeschlacht werden die Javaner jedenfalls glich wieder die Dsseilsive in der Mandfchllrei anfiiehmen. Auch dem russischen Landbeere steht vielleicht fchon bald der völlige Untergang bevor.)

Wie cs mit dem tnerhn russischen Geschwader steht?

Ein rllssiscber Mariileofsizier, der erst kürzlich den Befehl erhalten hatte, sich zirr f)lwahrt mit dem vierten baltischen Geschwader bereit zu halten, erzählte dem Petersburger Korresvondenten der Frkt. Ztg.", man habe ihm am 25. d. M.^im Marinestab gesagt, daß das vierteGesch wader einstiveilen überhaupt nicht i it See geben werde, dlls Grlrnd gibt man die Entd e ck u n g von großen Unterschlagungen es werden 28 Millionen genannt an.

Deutsche Schiffe in der Schlacht.

Hamburg, 29. Mai. Bei dem dritten russischen Geschlvader, das von Admiral Togo besiegt worden ist, befanden sich die DampferAngnlta Viktoria",Fürst Bismark" undEokumbia", die ehemals der Flotte der Hamburg-Ainerika-Linie angehört haben, Da diese Dampfer nicht vercbartert, sondern an Rnßlalld oerfanft worden waren, so würde ein etwaiger Berlrist der Schiffe die Hgnlburg-Amerika-Linie nicht tangieren Auf den Schissen befanden sich keine delitsche Mannschaften als Besqtzltng.

Pust and in Hturm und Drang»

In Warschau durckjziehen Kosaken- und andere Ka» valleriepatrouillen die Straßen. Der Gouverneur erklärte, er werde die Ordnung in der Stadt aufrecht erhalten und wenn die Truppen bis zum Winter hinein in der Stadt zubringen müßten. In Lod z sind neue Kundgebungen er­folgt, bei denen zwei Juden erschossen wurden.

Die sibirische Stadt Tscheljabinsk befindet sich seit drei Tagen im Kriegs-ustande. Die Häuser der Bürger werden demoliert und niedergebrannt, die Einwohner schon­ungslos niedergemetzelt. Es verlautet, daß die An­führer dieser revolutionären Bewegung mit den Regierungs­beamten im Einverständnis handelten. Die Polizei ver­bietet den Bürgern jedwede Selbstverteidigung, verhält sich aber vollständig passiv. Eine Eskadron Kosaken, die schließ­lich aufgeboten wurden, um das Los der friedlichen Ein­wohner ztt schützen, ist zur Gegenpartei übergegangen. Mart erwartet stündlich ernste Zusammenstöße.

Teutirficd Reicki.

Berlin, 29. Mai. 5)eute abend sand beim Kaiser im Schloß Tafel statt, an der teilnahmen die heute ein* getroffenen japanischen, griechischen und montenegrinischen Fürstlichkeiten, der Kronprinz, die Prinzen Eitel Friedrich und üPnßiift Wilhelm, der Reichskanzler mit Gemahlin, Staatssekretär Frhr. v. Richthofen, der japanische Gesandte mit Gemahlin, der griechische Gesandte, der italienische Bot­schafter und andere.

Tie Hofansage für die Festlichkeiten anläßlich der Hochzeit des Kronprinzen ist heute ergangen. Der Einzug der Herzogin Geeilte erfolgt am 3. Juni nachmittags 5 Uhr. Unmittelbar nach der Ankunft im königl. Schlosse erfolgt die Vollziehung der Ehepakten. Am 4. Juni vor­mittags Kirchgang des Brautpaares im Tom, abends 8 Uhr Galatafel im Schlosse, gegen 9Vs Uhr Fackelzug der Ber­liner Studentenschaft. Am 5. Juni vormittags 11 Uhr Em­pfang der Deputationen aus dem Lande, abends 8 Uhr Festvorstellung im Opernhause. Am 6. Juni nachmittags 4Vs Uhr Vollziehung des standesamtlichen Aktes durch beul Hausminister, um 5 Uhr kirchliche Vermählung in der Schloßkapelle. Nach der Zercmonientafel gegen 8 Uhr Fackeltanz im weißen Saale.

Ter Reichstag wird voraussichtlich morgen, Dienstag, nach kurzer Sitzung seine weiteren Berat­ungen abbrecheu. Ob Vertagung bis zum Herbst oder Schluß der Session eintreten wird, steht noch nicht fest. Ter Kaiser ist anscheinend um Genehmiguug der Vertagung ersucht worden.

Wie dieTägl. Rundsch." hört, steht es feft, daß der Reichstag vertagt und nicht geschlossen wird. Ferner steht fest, daß die Budgetkommission vor Wieder- Zusammentritt des Reichstages wahrscheinlich Mitte Sep­tember zusammentrcteu wird, um M Militärpensiousgesetz sertigzustellen.