Ausgabe 
29.6.1905 Erstes Blatt
 
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Ile Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Als au

G-alstraL* t»

Ndressr für Depefchem

-ttr-etger Gietzea.

Fernsprechanschluß Nr. bl.

bestätigt werden, kommen aus der ParensMor. vv*Hu. Als auf Dem PanzerschiffPoLemrin em Mattos sich beim Kommandeur über Mechte Wahrung. be- Naate, zog dieser den Säbel und 5>er schmetterte den Matrosenden Kopf. Daraus wurde dre ganze Besamung aufrührerisch. Der Kapitän und viele Manne-

nach Oberschlesicn. ,,, , , ~

Entsetzliche Nachrichten, die von verschiedenen Setten bestätigt werden, kommen aus der H^enstadt O^d e^ s a.

offrziere wurden getötet. Der Potemkin schwimmt jetzt auf dem schwarzen Meere. Die meuternde Besatzung droht mit der B o m v a rb i e r ie-Vq* Odessas, wenn ihr nicht Straflosigkeit nach Landung zugefichert wird.

Die Petersb. Telegr.-Ag. teilt 'folgendes mit: Der Ministerrat hat in den nächsten Tagen den Entwurf Bulygins über die Zusammenberufung der Volksver­treter durchzuberaten. Alsdann soll unter dem Vorsitz des Kaisers eine Sitzung des Nates stattfinden. Die Mehrzahl der Ratsmitglieder ist der Meinung, daß die Bestimmungen über die Reichsdnma nach der allerhöchsten Genehmigung durch ein Manifest veröffentlicht werden sollen. Im Hin­blick auf die vielen Gesuche um schnellere Einberufung der Volksvertreter ist die Minderheit der Ansicht, daß der Entwurf betreffend die Duma zuerst in den Departements des Reichsrates und dann in einer allgemeinen Versamm­lung des Reichsrates beraten-werden müßte. Da der Reichs- rat jetzt Ferien hat und die Mehrzahl der Mitglieder verreist ist, würde die Einberufung imb die Beratung des von dem Ministerrat besprochenen Entwurfes Bulygins etwa zwei Monate dauern. Aller Wahrscheinlichkeit nach siegt die Meinung der Mehrheit des Ministerrates und wer­den die Bestimmungen über die Reichsduma und die Zu­sammenberufung der Volksvertreter noch im Juni ver- öffentlich t.

Nr. 150

tifAitii te«n* außer Bomttag».

Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem Kttflschen Landwirt die Steten« Kamitten» Mitt« viermal In der Woche beigelegt.

Rotationsdruck tu 6er» Sag der Vrühl'schen

Die Pariser Hmnanitä glaubt rnitteilen zu können, welches die Antwort Ronviers auf die deutsche Note sein! werde und in welcher Weise die Verhandlungen stattfinden wer­den. Ronvier werde dem Sultan von Marokko mitteilen, daß die französische Regierung die Konferenz annehme. In seiner Antwort auf die deutsche Note wird Rouvier die deutsche Re­gierung von seinem Entschluß informieren und hinzufügen, daß er wünsch, das Programm kennen zu lernen, welches die deutsche Regierung beabsichtigte, den Vertretern der Mächte auf der Konferenz zu unterbreiten. Auf das deutsche Programm wird Rouvier mit der llnberbreitung deK französischen antworten. Rouviers Antwort dürste dem Fürsten Radolin gegen Ende der Woche zugestellt werden.

Fürst Radolin hat am Dienstag! nicht nur die Marokko­frage mit Rouvier erörtert, sondern ihm auch eine Note überreicht und mündlich erläutert, daß die neuen Handelsverträge keine Spitze gegen Frankreich enthielten. 9llle liberalen Blätter Frankreichs äußern sich hochbefriedigt über die günstige Wendung der Dinge. Die vorübergehende Verstimmung verhinderte die Negierung nicht, dem deutschen Marineattachee in Paris, Kontrcadmiral Siegel, zuvorkommendst die Er­laubnis zum Besuche des Kriegshafens und Ar­sen a l s v o n B r e st zu erteilen. Gr machte von dieser Erlaubnis Gebrauch und erfreute sich in Brest bei den Marinebehörden bcST liebenswürdigsten Empfanges.

Wach der WaroLKo-Krisis.

In deutschen Berichten aus Paris wurde wiederholt betont, daß die Behandlung der Marokkostage durch Rouvier die Zu­stimmung der ganzen Nation stnde. Das kann ebensogut Fürst Bülow sagen, daß er während dieser Krisis die Oeffentlichkeit hinter sich hatte. Es herrschte Genugtuung über die entschiedene Sprache, die Deutschland gegen die französische Ueberhebung stihrte, über die zähe Festigkeit, mit der der eingenommene Standpunkt behauptet wurde.

Die Deutschen waren im Msland ohne Selbsttäuschung gesprochen in den Ruf gelangt, ungefähr mit allen einver­standen zu sein und Gott dafür zu danken, wenn sie der Nachbar, dem jedes Gute gefallen durfte, in Ruhe ließ. Ein im Ausland lebender Deutscher machte die Bemerkung:Es werden zu­viel Süßigkeiten aus Deutschland exportiert". Tatsächlich hatte manche Artigkeit der deutschen Politik den Ein­druck erweckt, entweder wir wollten, wie man zu sagen pflegt, um gut Wetter bitten, oder wir beabsichtigten unter der Maske allgemeinen Wohlwollens desto sicherer und überraschender ge­wisse Aneignungs- und,,Machten witerungspläne durchzusähren. Die eine Vermutung war so falsch wie cie andere. Aber sie hatten unleugbar Wurzel geschlagen. Unterschätzung und Mißtrauen sind nur zu oft zu beobachten gewesen bei Franzosen, Engländern und nicht zuletzt bei den Amerikanern. Nicht Nur die Presse dieser Völker machte sich zum Vertteter solcher Auffassungen ein ganzer Schwarm ruhmsüchtiger Politiker und eitler Militärs mühte sich, das Mißtrauen zu bestärken, und gefiel sich in Re­nommieren, wie leicht mit Deutschlandfertig zu werden" sei.

Nun hat es sich endlich einmal gezeigt, daß wir doch auch noch ein anderes Instrument spielen können, als die Friedens­schalmei. Das festzustellen, mit der wünschenswertesten Deut­lichkeit, war unbedingt erforderlich. Was ist uns Marokko? So konnte mau im Publikum hären, als die ersten Auseinander­setzungen erfolgten zwisä>n den Preßorganen der deutschen und der französischen Regierung, derNordd. Allg. Ztg." und dem Temps". Lohnt es, um Marokko mit Frankreich in Streit zu geraten? Die so stagten, waren erstaunt, daß die Leitung unserer auswärtigen Politik so großen Wert lege auf die Wahrung der deutschen Wirtschaftsinteressen in Marokko. ?Der die Oeffent- lichkeit erkannte, in ihrem intelligenten Teil, ziemlich bäld, daß es sich wohl um erheblich mehr handeln müsse, als um Marokko. So ist es. Man darf wohl sagen, daß durch das Austollen der Marokkostage von deutscher Seite eine neue, und für Deutsch­land entschieden vorteilhafte, internationale Situation geschaffen worden ist. Es kam nicht allein darauf an, in schärfster Form eine Deutschland zuaemutete Demütigung zurückzuweisen: das französisch-englische Marokko-Mkommen einfach als vollendete Tat­sache hinzunebmen. Es war auch die durchaus geeignete Gelegen­heit, einen festen Griff in das Wespennest zu tun, das sich Eng­länder und Franzosen auf Betreiben des famosen Herrn Delcassß gebaut hatten. Es ist immer von großem Wert, wenn man den Gegner dazu zwingen kann, seine Plane ein wenig zu offen­baren. Das geschah in biefem Falle mit einem itodB besonders überraschenden Effekt.Frankreich kann auf England zählen', war seit der Verbrüderung von London aus versichert worden. England hat jede Untersetzung von französischer S^te zu erwarten", tönte es von Paris zurück. Mit diesen schönen Worten berauschten sich die neuen Freunde so lange, bis sie selbst daran glaubten. Aber auch andere Völker fingen an, daran zu glauben, und das war bedenklicher. In Italien begann man sich die Frage vorzulegen, ob es nicht am Ende besser sei, sich Frankreich und England zu nähern, imb dafür von demgründlich po­lierten" Deutschland etwas abzurücken. Daß, solche^..Erwägungen da und dort stattgefunden haben, dafür ist ein klassischer Beweis die geradezu bittere Dotenklage, welche em anerkannt offiziöses Blatt wie dieTribuna" um den Sturz des Ministers Deleasse anstimmte. Nirn, was ergab sich mit aller Deutlichkeit, als die Stunde der Gefahr" für Frankreich kam, und Paris vor dem Krieg zitterte? Es ergab sich, daß die Freunde anderAemse zwar alles Mögliche getan hatten, Frankreich, gegen. Deutschland scharf zu machen- daß fte aber ihrerseits höflichst dankten für die Ehre, mit den französischen 'Fahnen die Banner Albions ru vereinigen. In diesem Augenblick war En glands Streit­machtunabkömmlich", des ostasiatischen Krieges wegen und aus hundert anderen Gründen, wohlfeil wie Brombeeren Als das Rouvier sonnenklar erkannt hatte, da tat er das Klugi.te, was er hm konnte: er trat den Rückzug an und verbat sich ziemlich grob durch denÄdmvs" dasMftürmen weiterer Schwierigkeiten" von englischer Seite. Und von R o ut aus Wirb jetzt feierlich versichert, die italienische Regierung, fei m uder Weise bemüht, die MeiuuUgs^-Verschiedbnbeiten m Frankreich beseitigen zu helfen, indem es' sich 'hnrzu als Mitglied- des Dreibundes wie auch 'int Hinblick auf ferne freundschaftlichen Beziehungen zu Frankreich befugt glaube. ,

Wir glauben, ein anderes Mal wird man m Frankreich wie in England es sich sorgfältiger überlegen, vb inan versuchen kann Deutschland au die Wand zu drucken. Mit gutiger ^n i- Uat.ive Englands hat Frankreich glücklich zwei Nie­derlagen zu verzeichnen: nach der Faschoda-Demütiaung durch England die Vereitelung der hochsliegenden Marokwplane. Imb das ist der Humor von der Sache.

Gießen, 29. Juni 1905.

* Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den vom Fürsten zu Erbach-Schönberg und vom Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg auf die evangel. Pfarrstelle zu Rimhorn, Dekanat Reinheim, präsentierten Pfarrverwalter Zill es zn Offenbach für diese Stelle bestätigt. Der Ober­lehrer am Schullehrerseminar zu Friedberg, H en sing, wurde zum Kreisschulinspektor bei der Kreisschulkommission Darm­stadt und der Oberlehrer am Seminar für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt Dr. Bach zum Kreisschulinspektor bei der Kreisschulkommission Offenbach ernannt. Der GerichtS- akzessist Heß in Darmstadt wurde zum RegienlngSaffeffor ernannt.

Die hessische Zweite Kammer tritt am 5. Jun vormittags 10 Uhr wieder zusammen.

* Der fünfte wissenschaftliche Fortbildung S* kursuS für VolSschullehrer an der Landes-Uni­versität fand gestern seinen Abschluß. Die Vorlesunaen fanden in der großen Aula des Universitätsgebäudes statt und waren von Lehrern und Lehrerinnen aus Heffen und der preußischen Umgegend sehr gut besucht. Prof. Dr. Gross laS über das ThemaSchiller als Philosoph", Professor Dr. Hansen überVegetation der Erde" und Professor Dr. Sauer überDie Kunst der Griechen". Die Vorlesungen von Professor Dr. Sauer waren mit Lichtbildervorführungen verbunden. An der heutigen Schlußfeier im Hotel Groß­herzog nahmen auch die drei Herren Dozenten teil. Lehrer

EEes Matt. 158. Jahrgang Donnerstag 2S. Juni 1805

MeßenerAnzeigerM

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen WU

. .. qelgenteil: Hans Deck,

Ausland.

Amsterdam, 28. Juni. Das Ministerium Küpper ist gestürzt. Bei den heutigen 40 Stichwahlen wuchs en die Liberalen sich zu einer Kammermehrheit von 52 Stimmen gegen 48 der vereinigten Calvinisten und Katho­liken aus. Die Partei der Kuyperianischen Antirevoluttonäre sank von 24 auf 15 Stimmen, Es zeigte sich, daß die Sozialisten überall für die Liberalen eintraten. Umgekehrt stützten die Liberalen auch die Sozialisten.

Stockholm, 28. Juni. In der Ersten Kammer wurde ein Antrag Unger eingebracht, der Reichstag solle sich bereit erklären, nachdem das Storthing den Beschluß vom 7. Juni außer Kraft gesetzt und nachdem der König ein neues Ministerium in Norwegen gebildet haben werde, aus Verhandlungen einzugehen und, wenn diese Ver­handlungen zu einem befriedigenden Ergebnis geführt haben oder eventuelle Streitigkeiten durch ein internationales Schiedsgericht entschieden worden sind, die Reichsakte aus- zuheben und so in bte Auflösung der Union einzu- willigen und Norwegen als souveränen Staat anzuerkennen.

Brüssel, 28. Juni. Der Stockholmer Korrespondent desEtoile beige" berichtet, daß Prinz Karl bereit ge­wesen sei, dte Krone von Norwegen anzunehmen unter der Bedingtlng der Zustimmung des schwedischen Parla­ments. Nachdem der Prinz jedoch die Ueberzeugung ge­wonnen hatte, daß die Zitstimmung nicht erfolgen werde, gab er sein Vorhaben auf und machte selbst seinen persön­lichen Freunden davon Mitteilung.

New-Pork, 28. Juni. Präsident Roosevelt wohnte der Feierlichkeit anläßlich des Studienabschlusses an der Har­vard-Universität in Cambridge (Maffachuset) bei tmb; sandte aus diesem Anlaß nachstehendes Telegramm axx den deutschen Kaiser:

Ich habe soeben die Harvard-Universität und daS Deutschr Museu'n besucht, besten Grüfidunq wir in so weitem Maße Ihrem Interesse verdanken. Ich benutze die Gelegenheit, Ihnen und durchs Sie dem deutschen Volke zu danken für viele Beweise freundlicher! Zuneigung, welche in den letzten Jahren das deutsche und das! amerikanische Volk stetig einander näher gebracht haben. Die wachsen de Freundschaft zwischen beidenNationen! bedeutet viel für die zukünftige Wohlfahrt der Menschheit imb ich wünsche Ihnen persönlich für Ihre Bemühungen fitm fihre Förde- rung zu danken.w

Keer und Motte.

Kiel, 28. Juni. Der Kaiser ernannte Admiral v. Köster. Chef der aktiven Schlachtflotte und General-Inspekteur der Marine, zum 6) r o ß a d m i r a l.

Ker Sonderausschuß der ZweiteuHs. KamMsr für die Wahlrechtsvorfage

trat am Mittwoch, wie und heute aus Darmstvdt berichtet wird, zu einer längeren Beratung über den von der Ersten Kannner abgeänderten Gesetzentwurf zusammen. An der Be­ratung beteiligten sich auch mehrere Vertreter der Regierung mit dem Staatsminister Dr. Rothe an der Spitze. Heber den Inhal; der Erörterungen ist den Ausschußmitgliedern strengstes Stillschweigen auferlegt worden. Doch glaubt unser Darmstädter Redakteur als verbürgt mitteilen zu können, daß der Initiativantrag der 21 Mitglieder der Ersten Kammer rundweg abgelehnt worden ist, und daß sich u. a. auch die animierte Debatte in sehr eingehender Weise mit .dem vom Freiherrn v. Heyl in der Ersten Kammer motivierten Vorschlag auf Einführung des Proportional­wahlsystems beschäftigte. Bekanntlich hat auch das Zentrum schon bei den früheren Beratungen der Vorlage seine Neigung auf Einführung dieses Proportiogalwahlsystems in Verbindung mit dem direkten Landtagswahlrecht zu er­kennen gegeben. Nach den letzten allgemeinen Besprechungen über die Vorlage wurde die weitere Debatte auf nächsten Dienstag vertagt. Darnach wird sich die Weiterführung der Plenarsitzungen der Zweiten Kammer noch nicht, wie der Präsident beabsichtigte, schon am 2. Juli bewerkstelligen lasten.

Soweit die heutigen Darmstädter Mitteilungen. Da­nach bestsht heute leider weniger denn je eine Aussicht auf eine Einigung der Stimmungen in der Ersten und der Zweiten Kammer. Die edlen Herren Ersten werden von ihren rigorosen Forderungen wohl nicht loslassen, und die kaum weniger edlen Herren der Zweiten werden, wie wir befürchten, wohl auch im Plenum zu keinem anderen Beschluß kommen als ihr Ausschuß, obwohl vielleicht schon ein kleines Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der Ersten Kammer genügen würde, nm das große Wahlreformwerk endlich zum Gesetz zu machen. Damit aber wäre die ganze Wahlrechts­reform mitsamt der ungeheuren legislativen Vorarbeit der Regierung auf eine ganz ungewisse Zukunft hinausgeschoben. Die Negierung hat nach wie vor die beste Absicht, an der Spitze der deutschen Bundesstaaten zu marschieren im Aus­bau einer fortgeschrittenen Gesetzgebung und freiesten Ge­staltung der gesamten sozialen Verhältnisse der Bevölkerung des Landes; die berufene Volksvertretung indessen legt immer aufs neue der Regierung Hemmschuhe auf ihrem rast­losen Fortgänge an und hindert sie nach Kräften, dem Volke zu geben, was ihm zukommt.

Für den Herbst stehen die Neuwahlen bevor. Da sehe denn jeder jetzt schon zu, daß er das Seine dazu bei­trage, der Regierung eine Majorität zu sichern zur tatkräftigen Unterstützung aller ihrer wahrhaft volksfreund­lichen Absichten, auf daß ein neuer Landtag endlich den rechten Weg finde zur dauernd fördernden Zusammenarbeit mit der Regierung, sowie mit der Ersten Kammer.

Aas Schreckensregiment in Mußkand.

Die SHreckens'szenen von Lod^ scheinen sich in Warschau wiederholen zu sollen. Die Siimmung ist aufs äußerste gespannt. Die Revolutionäre verteilen in Mengen Proklamationen an das Volk. Die Bürger verlassen flucht­artig die Stadt. Am Dienstag abend veranstalteten der jüdische Brmd und die polnische Sozialistenpartei eine große Demonstration. Eine große Menge zog unter Gesang revoür- tionärer Lieder mit roten Fahnen durch die Straßen. Ko­saken und reitende Gendarmen schritten mit blanker Waffe ein. Gegen die Gendarmen wurde eine Bombe geworfen, wodurch' ein Gendarm in Stücke gerissen und mehrere anbere schwer verletzt wurden. Die Gendarmerie feuerte darauf und verwundete etwaöOPerfonen. 20 Demonstranten wurden verhaftet und unter starker mili­tärischer Eskorte nach her Citadelle ab'gefiihrt. Die Kämpfe spielten sich gleichzeitig an mehreren Stellen der Stadt ab. JU den Fabrikvierteln rotten sich die feiernden Älrbeiter zusammen und zwingen ihre Kollegen allentlMben zur Arbeitseinstellung. Bei einem Zusammenstoß auf der Alexanderstraße zwischen Streikenden und Nichtstreikenden wurden zwei Arbeiter getötet, vier schwer ver­wundet. Ein Polizeiagent, der demonstrierende Ar­beiter auseinandertreiben wollte, wurde durch Dolchstrche ermordet. Auch außerdem wrrrden im Laufe des Tages aus viele Polizeibeamte Attentate verübt.

Vor der Markthalle in Warschau tötete em Unbe­kannter einen Polizeiwachtmeister durch einen Revolverfchutz.

Am 28. Juni wurde in sämtlichen Gruben und Fabrrken des Dombrowaer Bezirks (Polen) die Arbeit ern- 0 ^Auch^'auf allen Werken und Gtrilben des S o s n o w i c e r Reviers sind die Arbeiter in den Generalstrelk eilige* treten. Auf allen Werken wurden von den Arbeitern rote Fahnen gehißt. Die Bewegung hat dieslnal rein revolutw- näten Charakter. Große DemonstrattoEmz.üge smd m Wor- bercihmg. Beamte und Meister flüchten m großer Zahl