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28/04/1905 Zweites Blatt
 
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Ne. 99 Zweites Blatt 155* Jahrgang

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Die »Siebener Km-MenblSUer" werden dem |M| |ZeX &|g |z g / i ZA fig |

^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der MW Jr Kray u la 1^. B W, 4V AA W w Sr

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Freitag Ä8. April 1905 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu UnwersitätLdruckerei. 8L Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr.R. Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.r Anzeiger Gießen,

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

Akademische Ireiheit.

Das preußische Kultusministerium streckt immer wieder Pie Hände nach der akademischen Freiheit aus, obwohl sich die zwei Excellenzen des Ministeriums, Herr Dr. Studt und sein Adlatus Althoff bereits die Finger dabei verbrannt haben. Und dabei wird stets betont, es falle dem preußischen Ministerium gar nicht ein, die akademische Freiheit nur im geringsten antastrn zu wollen nur das Recht der freien Meinungsäußerung über alle nichtstuden­tischen Dinge will man den zukünftigen akademischen Stützen des Staates nicht zugestehen, d. h. auf gut deutsch, man verbietet ihnen, auf politischem und volkswirtschaftlichem Gebiet ihren eigenen geistigen Weg zu gehen. Sozialwissen­schaftliche Vereine werden von den preußischen Universitäts­behörden in ähnlicher Wette überwacht wie anarchistische Vereinigungen im bürgerlichen Leben, und Resolutionen, in denen die Auflösung der konfessionellen Stu­dentenverbindungen gefordert werden, gehen über die Zuständigkeit der Studentenausschüsse hinaus. Faßt eine Studentenversammlung auf einer preußischen Hochschule einen derartigen Beschluß, so überschreitet sie den Rahmen der rein studentischen 'Angelegenheiten, für deren Erörterung her Studentenschaft das Recht der freien Meinungsäußerung zugesichert ist, sie begibt sich auf das Gebiet der hohen Politik, und der Studentenausschuß der Hochschule, oer die Ver­sammlung einberufen hat, gerät in Gefahr, aufgelöst zu werden. Zur Erörterung welcher studentischer Angelegen­heiten bleibt denn dann der Studentenschaft die akademische Freiheit gewahrt?

Wir sind auch der Ansicht, daß die deutsche Studenten­schaft, soweit sie das gänzliche Verbot der konfessionellen Studentenverbindungen fordere, über das Ziel hinausschießt, aber das Recht dazu darf ihr nicht bestritten werden. Es handelt sich hier unfehlbar um eine studentische Angelegen­heit, und darf auch diese auf den Hochschulen nicht erörtert werden, dann drückt man die akademische Freiheit auf das Niveau der Nauf- und Sauffreiheit herab, die vernünftige Leute als das Stadium der mißverstandenen akademischen Freiheit ansehen. Oder ift man im preußischen Kultus- ministeriunr der 'Ansicht, daß die Mußestunden des aka- mischen Bürgers durch die Handhabung des Bierkruges und Rappiers besser ausgefüllt werden, als durch die Beschäf­tigung mit ernsten politischen und volkswirtschaftlichen Fragen? Hält man den Bierstudenten, der zur Zeit seines Studiums keinen anderen Gedanken hatte, als nebenbei seine Examina zu machen, um dann durch Protektion und politische Streberei Karriere zu machen, wirklich für das Muster des akademischen Bürgers? Wir hoffen das nicht.

Die eingehend begründete Eingabe des Senats der Universität Göttingen Ml den preußischen Kultusminister ersuchte, jene Verordnung vom 16. März d. I. zurückzu­nehmen, derzufolge die Genehmigung neuer Studenten­ausschüsse sowie der Erlaß von neuen und alle Abänder­ungen von bestehenden ^Ausschußsatzungen der Genehmigung durch den Kultusminister unterliegen sollen. Die Eingabe hat, wie wir gestern mitteilten, die Zustimmung von 15 deut­schen Universitäten gefunden, und die offiziöseN. A. Ztg." hat in zwei kurz aufeinander folgenden 'Artikeln, von denen der eine allgemein mißfiel, der zweite mit Vorsicht aus­genommen wurde, die Allgemeinheit zu beruhigen versucht und schließlich erklärt, daß das preuß. Ministerium der Unter­richtsangelegenheiten in dieser Frage besonderen Wert auf bte Mitwirkung der Universitäten legt; darum die Einberufung der Rektorenkonferenz. Die Studentenschaft also gedenkt sie nicht anzuhören. Das ist bedauerlich; die preußischen Studenten werden nun selbst dafür sorgen müssen, daß sie zu Worte kommen, und das Kultusministe- ,rium wird hoffentlich mehr die Meinungen der Rektoren und Studenten als der ihm nahestehenden und es beern- slussenden reaktionären Elemente, mögen sie nun den Kon­servativen oder dem Zentrum angehören, berücksrchtrgen.

Der Mörder des HroWrsten Sergius.

Aus Moskau wird bericht:":

Am 5./18. Avril, am Tage der anberaumten Gerichts-Ver­handlung in Sachen der Ermordung des Großfürsten Sergrus, war der Korridor vor dem ovalen Saale des Moskauer Krers- gerichtes vom Publikum überfüllt. Dicht an die Wand gelehnt standen zwei Frauen. Ihre Haltung war ruhig: von Zeck zu Zeit machte die Jüngere der Aelteren einige Mitteilungen, wor­über dann beide lächelten. Sie sind sich auffallend ähnlich, bewe nicht groß, bleich, mit grauen Augen imt> dunklen Haaren. Dre gleichgeformten Nasen sprechen für die nahe Verwandtschaft. Die eine ist die Mutter Koljaews, die andere die ^^wEer des Mörders. Die Mutter trägt einen einfachen grauen Wollrock und Kattunjacke, die Schwester ist im Hut, schwarzen Wvllrock und dunkelroter Plüschbluse.Ihnen ist der Eintritt in den Saal gestattet" mit diesen Worten ivendete sich einer der Verteidiger des Mörders an die Mutier. Man läßt sie in den Saal treten, die Tür schließt sich wieder. Das Publikum umgibt }nt Nu die Schwester Koljaews und überhäuft sie mit Fragen, sie ant­wortet bereitwillig und erzählt, daß sie nach Moskau kamen, um den angeklagten Sohn und Bruder Iwan Koljaew noch ein­mal zu sehen und zu sprechen. Sie trennten sich vor zwei Jahren, und da alle wußten, daß Iwan Student der Lemberger Universität war. wähnten sie ihn auch in letzter Zeck tit Lemberg. Daß er der Mörder des Großfürsten sei, erftihren tmr erst vor zehn Tagen, als bei uns in Warschau, wo die ganze Familie be­ständig domiziliert, plötzlich die Polizei rur Hmisdurchfuchrmg erschien. Bei uns zu Hause konnte selbstverständlich nichts Ver­dächtiges gefunden werden, da niemand von uns irgend emer poli­tischen Partei angehört. Auch über den Charakter der Begehungen Koljaews zu politischen Fragen waren wir durchaus nicht mfor- miert, da er sich nie darüber aussprach. Die letzten ^ahre war er wenig zu Hause; anfangs studierte er an der Moskauer Uni­versität, später in Petersburg, schließlich ging er ins Ausland unb trat in die Lemberger Universität ein. ^n der Eigenschaft eines Studenten war es ihm möglich, Mitarbeiter dn: Organe List-k" undCourier" zu werden. Unfa Voter war Kleinbürger des Wladimirschen Gouvernements, uoersiedelte jedoch nach Warschau, wo er als Polizeirevieraufseher angestellt w-urde. Später verließ er den Drenp und wurde Kassier emer Fabrik. Er starb vor sieben Jahren und hinterließ eine Witwe mit acht Kindern. Iwan Koljaew lernte fleißig, die anderen Kinder da- g'gen gar nicht. Der eine wurde Handwerker, nn hwecker Ltrat die Militärlausbahn und dient als Gemeiner m der Garde. Sie selbst erzählte sie sei die altere Schwest^, beendigte den Gymnalialkurs, befleidete spater die Stelle ihres

Vaters in der Fabrik und heiratete schließlich auch einen Polizei- revierauffeher. Der Bruder war gegen diese Heirat uiid die gegenseckigen Beziehungen der Schwäger blieben auch späterhin rein konventionelle. Die Mutter Koljaews ist eine geborene Piotrowska, Polin, und angeblich von adeliger Herkunft. Sie ist 48, die Schwester 30 Jahre alt, aber beide sehr lugendlich im Aussehen. Iwan sieht ihnen sehr ähnlich; er zählt 27 Jahre, man kann ihn aber flir bedeutend jünger halten Nach der polizeilichen Hausdurchsuchung so erzählt die Schwester wurden die jüngere Schwester und mein Mann, der Polizei­beamte, nach Moskau berufen behufs Agnoszierung. Kofiaew, der sich 'bis dahin weigerte, seinen Namen zu nennen, begrüßte seine Schwester mitGuten Tag. Sascha!" Auf seine telegra­phische Aufforderung trafen dann die Mutter und die altere Schwester aus Warschau hier ein. Das erste Wiedersehen fand im Gefängnisse Butürki statt und dauerte eine volle Stunde; die Unterhaltung wurde in Gegenwart eines Offiziers geführt. Koljaew bat Mutter und Schwester, nicht zu weinen; er selbst zeigte ruhige Haltung und mutige Stimmung. Kvljaew beschwor die Mutter, nicht um eine Begnadigung nachzusuchen. Mit der Behandlung im Gefängni.se erklärte er sich zuftieden. Am Tage der ersten Begegnung war Iwan in Arrestantenkleidern, da seine eigenen als corpus delicti zu figurieren haben. Es wurde uns aber gestattet, ihm andere, eigene Garderobe zu bringen, was auch geschah, so daß er vor Gericht in eigenen Kleidern er­scheinen wird". Wie bereits telegraphisch gemeldet, wurde Kol­jaew zum Tode durch den Strang verurteilt. Tie Vollziehung der Strafe soll in 14 Tagen stattfinden. Neuerdings wird be­richtet, daß gegen das Urteil die Kassationsklage erhoben wurde.

Ieutsch-Südwestafrika.

Berlin, 27. April. (Amtlich.) Nach einer Meldung des Generals Trotha aus Gibeon ist Major v. Estorfs am 18. April in Gochas eingetroffen und steht jetzt mit im ganzen 6V2 Kompagnien, 16 Geschützen und 4 Maschinen­gewehren am 'Auob. Man vermutet, daß Hottentotten unter Hendrik Witboi zwischen dem Elefantenfluß und dem großen Nossob südlich des 25. Breitengrades stehen. Eine Unter­nehmung dorthin wird wegen Wassermangels und des schwierigen Dünengeländes für aussichtslos gehalten. Hauptmann Manger ist mit der 1. und 2. Kompagnie des Feldregiments 2 nach Gibeon herangezogen worden. Aus den Karasbergen liegen neue Nachrichten nicht vor. Die Kom­pagnie des Hauptmanns Ar r e st hat die am 7. April südlich von Nurudas angenommenen Pferde in einem Patrouil- len-Gefecht bei Klipdam, südlich von Hasuur, zurück­erobert; der Feind verlor dabei 12 Tote; diesseits ein Reiter gefallen. In Nordbethanien wird die Abteilung des Hauptmanns Zwehl, 2 Kompagnien, 2 Geschütze und 2 Maschinenkanonen, den nach dem Roten Berg südlich von Grootfontein gezogenen Bethanierhäuptling Cornelius Fre- derik angreifen. Die unter dem Großmann Andreas ver­einigten Hereros ziehen von den Komasbergen nach Süden zu und halten sich teils in der Gegend von Hoornkrans auf, teils streben sie dem Naukluftgebirge zu; 2iF Kom­pagnien sowie eine Bastardabteilung nahmen die Verfolg­ung auf. Im Norden des Schutzgebietes stürmten in der Nacht vom 18. zum 19. 'April die vereinigten Offiziers­patrouillen des Leutnants Vendermcr eine Herero- werft am Onguendjeberg, 30 Kilometer nordwestlich von O t j i h a n g w c und nahmen dem Feinde das am 13. April beim Ueberfall der Farm Ondekeremba erbeutete Vieh wieder ab. Es fielen 12 .Hereros, 8 wurden gefangen genommen, diesseits keine Verluste.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. 'April. Der Kaiser wird diesmal an der Segelregatta der Unterelbe teilnehmen. Er trifft in Hamburg am 17. Juni ein, wohnt dem Rennen am 18. bei, fährt mit der ,^ohenzMern" nach- Cuxhaven und wird am 19. bei Helgoland die Ankunft der Segelyachten erwarten, die an der Regatta Dover-Helgoland teilnehmen. Atn 20. beteiligt sich der Kaiser mit demMeteor an dem Unterelbe-Regatten des Norddeutschen Regattavereins.

Mbg. v. Buddenbrock (kons.), Vertreter des Wahl­kreises 3, Liegnitz, ist vorige Nacht gestorben.

Kiel, 27. April. Prinzessin Heinrich.ist heute nachmittag von Petersburg kommend hier wieder ein­getroffen.

M ü n ch e n, 27. "April. Der geisteskranke KönigOtto hat heute seinen 5 7. Geburtstag, der in üblicher Weise bei Hof, in den Kirchen, beim Militär und durch dienstfteie Zeit in den amtlichen Bureaus begangen wird. Otto II. ist nun 19 Jahre lang formell König, seit Mitte der 70er Jahre ist er der Oeffentlichkeit entrückt. Sein Gesundheits­zustand ist unverändert. Das körperliche Befinden ist trotz der Störungen in der Nahrungsaufnahme und Verdauurrg sehr gut.

Ter bayerische Landwirtschaftsrat hat bezüg­lich der in Rom in Aussicht genommenen. Einrichtung eines internationalen landwirtschaftlichen In­stituts zmn Schutze der Landwirtschaft beschlossen, daß er sich __ j^enn auch ein Ausgleich der verschiedenen landwirt­schaftlichen Interessen der einzelnen Länder wohl nicht so bald zu erhoffen sei doch an dem geplanten Unternehmen beteiligen und das Direktorialmitglied Frhrn. v. Zetto zu der am 28. Mai in Rom stattfindenden Vorbesprechung delegieren soll. Der Landwirtschaftsrat sprach sich für Herabsetzung der ZuLkersteuer von 14 Mk. auf mindestens 10 Mk. per Doppelzentner im Interesse der deutschen Landwirtschaft aus.

Her und Alotte.

Das Armeeverordnungsblatt veröffentlicht eine kaiserliche Kabinettsordre, nach der die Offiziere des Regi­ments Garde du Corps für den verstorbenen Generaladju­tanten Grafen Lehndorff eine dreitägige Trauer an­legen soll und eine Abordnung des Regimentes an der Beisetzung teilnimmt. _

Dresden, 27. April. Wie dasDr. I." meldet, fristete der König zur Anerkennung verdienstlicher Leistungen bei den Mannschaften vom Feldwebel abwärts und diesen gleich- stehenden Zivilpersonen im Kriege und Frieden eineFr i e d- rich-August-Medaille". Die Medaille wird in Silber und Bronze ausgegeben und trägt auf der Vorder­seite den Namenszug des Königs und auf der Rückseite den NamenFriedrich-^Mgust-Medaille".

Aus Stadl und Saud.

Gießen, 28. April 1905.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Dr. Julius Friedrich zum Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 8. Mai 1905, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lich Bertold Rausch zum Oberamts­richter bei diesem Gericht ernannt. In den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter in der Hess.-Preuß. Eisenbahn­gemeinschaft Klug zu Zell. Uebertragen wurden dem Schullehrer Döll zu Weckesheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rumpenheim, dem Schullehrer Kolb zu Dietzenbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bieber, dem Schulamtsaspiranten Jäger aus Holzheim eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Berstadt, dem Schullehrer K ar'b zu Mainflingen die Lehrerstelle an der Gemeindeschnle zu Dorndicl, dem Schulamtsaspiranten Wegel aus Schlitz die II. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Grüningen, dem Schullehrer an der Musterschule zu Friedberg Rein- Heimer eine Lehrerstelle an der dortigen höheren Burger- (Mädchen-)Schule, der Lehrerin an der erweiterten Volks­schule für Mädchen zu Friedberg Auguste Frank eine Lehrerinnenstelle an der dortigen höheren Bürger- (Mädchen-)Schule. Am 1. April d. Js. wurden die Schreibgehilfen Schmidt zu Friedberg zum Steuerkommiffa- riatsgehilfen bei dem Steuerkommiffariat Büdingen, Block zu Offenbach zum Steuerkommiffariatsgehilfen bei dem Steuerkommiffariat Höchst, Mohr zu Bingen zum Steuer­kommissariatsgehilfen bei dem Steuerkommiffariat Bingen, Birner zu Älzep zum Steuerkommiffariatsgehilfen bei dem Steuerkommiffariat Alzey, R a u zu Groß-Gerau zum Steuer­kommissariatsgehilfen bei dem Steuerkommiffariat Groß-Gerau ernannt. Jakob Schmahl zu Mainz, Valenün Straßer zu Friedberg, Philipp Breitwieser zu Mainz und Michael Keller zu Friedberg wurden zu Kulturtechnikern ernannt. Dem Forstwart der Gemeindeforstwartei Steinberg, W 0 l f zu Heppenheim a. d. B., wurde aus Anlaß seiner mit Wirkung vom 1. Mai 1905 erfolgenden Versetzung in den Ruhestand der Charakter alsFörster" verliehen.

** Empfang. Se. Königl. Hoh. der Großherzog empfingen am 26. April u. a. den Kammerrat v. Löw von Lich.

** Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. ? vom 22. d. Mts. hat folgenden Inhalt: 1. Oeffentliche An­erkennung einer edlen Tat. 2. Bekanntmachung, die Ge­nehmigung van Schenkungen betreffend (darunter die Schenkung des Kommerzienrats S. Heichelheim zu Gießen an die Universitätsbibliothek im Wert von 10 000 Mk.) 3. Bekanntmachung, die Ausführung des § 129 Absatz 4 der Gewerbeordnung betreffend. 4. Uebersicht der von Groß­herzoglichem Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1905 genehmigten Umlagen der Kommunalbedurfniffe in den Ge­meinden des Kreises Darmstadt. 5. Uebersicht der für das Rechnungsjahr 1905 von GroßherzogUchem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Konununal- bedürfniffe in den Gemeinden des Kreffes Dieburg. 6. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Rechnungsjahr 1905 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfniffe der israelitffchen Religionsgemeinden des Kreises Gießen.

i. Bad Nauheim, 27. April. Obgleich der offizielle Beginn der diesjährigen Badesaison erst kommenden Montag stattsindet, treffen doch schon jetzt mit allen Zügen zahlreiche Gäste ein, um an unseren heilkräftigen Quellen Linderung und Heilung zu suchen. Bis zum 27. April sind insgesamt 856 Kurgäste (1904 845) angekommen, wovon noch 651 an­wesend sind. Bäder wurden bis zu genanntem Tag 10 749 (1904 10 349) abgegeben. Die Abgabe der Bäder findet vom 1. Mai an in den Badehäusern 2, 3, 4, 6 und 7 von 7 Uhr vormittags ab statt; auch ist von diesem Tage an das Inhalatorium geöffnet und der Betrieb des Gradier- wertes am Badehaus 4 wieder ausgenommen. Das erste Konzert der Kurkapelle findet am gleichen Tage statt.

Bad Nauheim, 26. April. Die vom Staat an* gekaufte Wasserleitung wird jetzt in Betrieb gesetzt. Am Fuße des Johannisbergs ist das große Reservoir fertiggestellt: weiter oben wird noch ein weiteres für den höchstgelegenev Stadtteil erbaut. Das neue staatliche Wafferwerk, deffen Quellgebiet bei Lauter, unweit Grünberg, liegt, wird im Laufe dieses Jahres vollendet. Die Bohrungen sind erfolg­reich beendet, und demnächst wird mit der Quellfaffung und Rohrlegung entlang der Straßen begonnen. Ein weiteresi Quellgebiet ist bei Inheiden-Hungen angekauft.

W. B ad-N auheirn, 27. April. Auf Anregung bet. freiwilligen Feuerwehr trat, wie wir bereits rnitteilten^ in diesen Tagen in der Gastwirtsch-aft zu den drei Hasenj hier ein Komitee zusammen, das eine Besprechung hielp über eine am 15. Mai d. I. eventuell zu veranstättende^ Feier gelegentlich des 50j ährigen Jub i läums d es! Friedrich-Wilhelm-Sprudel's". Das Komitee setzt sich im wesentlichen zusammen aus den Vorsitzenden' und Dirigenten der biesigen Mannergesangvereine und dem Vertretern der fteiwilligen Feuerwehr. Es wurde zunächst bestimmt, daß am Vorabend des Jubiläumstages ein Fackel­zug durch die Stadt nach dem Sprudel sta'ttsinden solle, wobei die vereinigten Männergesangvereine zwei Maffen- chöre vorzutragen gedenken. Ms Chöre wurden bestimmt Tie Himmel rühmen" von Beethoven undSchäfers Sonn­tagslied" von Kreutzer. Zmn Dirigenten des Gesamtchors wurde einstimmig Lehrer Wilh. Bechth 0 ls he im e r, Dirigent des GesangvereinsFrohsinn", besttmmt. Das definitive Programm für dieje Feier konnte noch nicht fest­gesetzt werden,. da der Vorsitzende des Komitees, Stadtver­ordneter Heinrich Fritz, er Hörte, daß doch auch die Stadt und das Bad Nculheim ein großes Interesse au dieser Zeiep