her Forderung der UnivcrsitätSbildung gegenüber einen ablehnenden St.mdpunkt cimrehme. Tie Fortbüdungskune für Lehrer haben nach Meinung des Ministers eine ausreichende Dirknna ans frie d-'s Lehrerstandes.
AnSland.
London, 26. Febr. Die Verlobung der Prinzessin Margarete Viktoria, Tochter des Herzogs von Con- naught, mit dem Prinzen Gustav Adolf, dem ältesten Sohne des Kronprinzen von Schweden, wird gemeldet, (Der Vater der am 15. Januar 1882 geborenen Braut ist ein jüngerer Bruder des Königs Eduard, die Braut ist also eine Cousine des Großheczogs Ernst Ludwig. Der Bräutigam, der zukünftige König von Schweden, wurde am 11. November 1882 geboren, ist also 10 Monate jünger als seine Braut. D. Red.)
In Amiens wurde gestern in dem Flur des G e^r i ch t s - gebäudes eine Bombe entdeckt, ebenso vor der Wohnung des belgischen Vizekonsuls in Verdunwunde.
Petersburg, 26. Febr. Die Herzogin Marie von Sachsen-Koburg und Großfürst Paul sind heute nachmittag in Zarskoje Ssclo eingetroffen, wo sie von dem Kaiser und den Großfürsten empfangen wurden. — Der Chef des Generalstabes in Port Arthur, General Reuß, ist hier eingetroffen.__________
parlamentarisches.
Berlin, 25. Febr. Beim Reichtage ist ein in Paris abgeschlossenes internationales Abkommen zur Bekämpfung des Mädchenhandels eingegangen.
— Dem Abgeordnetenhaus sind" die von Preußen mit Mecklenburg und mit Lübeck zur Regelung der Lotterie- Verhältnisse vereinbarten Staatsverträge nebst Schluß- Protokollen und Denkschrift zugegangen.
Kirche und schule.
Berlin, 25. Febr. Der afrikanische Orden der weißen Väter erhielt die Genehmigung, in Deutschland eine Ordens-Provinz zu gründen.
Aii5 £tnbt und Land.
Gießen, den 27. Februar 1905.
* Kunstverein. Die Kollektivausstellung Lange- Dedekam wird noch 8 Tage lang, bis einschließlich 5. März, ausgestellt bleiben.
• • Verbrüht. Am Freitag abend ereignete sich in einem Hause an der Bahnhofstraße ein gräßliches Unglück. Tie Frau des Barbiers M- besuchte mit ihren beiden Kindern eine Bekannte in deren Küche, wo noch andere Kinder anwesend waren. Das Töchterchen der Frau M. machte in einem Augenblick, in dem man seiner nicht achtete, an einem mit heißem Wasser gefüllten Topf sich zu schaffen, stürzte in ihn hinein und verbrühte dermaßen, daß es am Samstag unter heftigen Schmerzen verstarb.
**2'er gestrige Gauturntag des Gaues Hessen fnt Neuen Saalbau hier war von 79 bevollmächtigten Vertretern besucht: die Verhandlungen nahmen sechs Stunden in Anspruch. Nach dem Bericl't des Gauvertreters wurde die Turnsaax im Gau Hessen im abgelaufenen Jahr wacker gepflegt und gefördert. Tie stattgchabten Wetturnen, ein Kreisfest in Koblenz, bei der Gauturnfahrt in Hungen, am Gaufist in Usingen, ans dem Feldberg und Dünsöerg, hnrrbe von Mitgliedern des Gaues zahlreich und mit Erfolg besucht, und erhielten mehrere Hervorragende Auszeichnungen. Daß bet. Gau im verstossenen Iabr bereits vorhandene Turnvereine anfnehmen und einen Mitgli"derzuwacbs von 306 zu verzeichnen hatte, erklärt, daß die Gauleitung in bewährten Händen liegt unb geordnete, daher anziehende Verhältnisse in dem Turngau Hessen, der deutschen Turnerschaft an- aehörend, bestehen! Ter Gau Hessen zählt nun 57 Vereine mit 7012 Mitgliedern, darunter 5912 Erwachsene über 17 Jah^e, 598 Zöglinge von 14 bis 17 Jahre und 137 Frauen und Mädchen. 6 Vereine turnen in Schultnrnhallen, 14 Vereine haben ihre eigene Turnhalle, 58 Turner traten zmn Militär ein. Tie Er- leoigung der Tagesordnung ergab, daß die satzungsgemän aus der Gcmleitung ausscheidenden Turner E i d m a n n, Carl Wenzel und A. H ä u s c r fast einHimmig wiedergewählt wurden. Tie Anträge das Wetturnen bei Gaufesten wieder wie in früheren Jahren, an einem Tag zu erledigen imb daß künftighin nur in einer Stufe geturnt werde, wurde zurückgezogen bis zum nächsten Gauturntag pro 1906. Die vom Gauausschuß beantragten Aenderungen in der Einteilung der Bezirke wurde genehmigt. Darnach treten die Vereine Homberg a. d. O. vom 1. in den 4. Bezirk, Grünberg und Laubach vom 2. in den 4. Dez. und Langgöns vom 5. in den 2. Bezirk. T'er Antrag der Vereine Lauterbach und Schotten, alljährlich im ersten Sonntag im Juli gelegentlich des Hauptausflugs des Vogelsberger Höhenklubs aus den Hohenrodskops, ein Wetturnen abzuhalten, wurde zurück- yezogen. Tie Abhaltung des diesjährigen Gauturnfestes m Alsfeld wurde auf 'den 2. und 3. Juli festgesetzt. Tie Gau- rurnsahrt in diesem Jahr wurde dem Turnverein Niederwöllstadt und das Gauturnfest 1906 dem Turnverein Schotten einstimmig übertragen. Tie SchrtMitnng der Gauturnzeitung wurde dem Schriftführer Carl Wenzel übertragen. Mit einem dreimaligem „Gut Heil" <1*1 das fernere BlLH n, Wachsen und Gedeihen des Gau Hessen schloß der Gauvertreter die streng sachlich aehattene Verhandlung des GauturntagS. H.
* * Thealer-und Saalbaufrage. Die am Donnerstag im Leib'schen Saale stattgehabte Bürgervereins-Versammlung hat, wie man uns mitteilt, durch die eingehenden Verhandlungen einen „Stammtisch" junger Leute veranlaßt, dem Projekt 100 Mk. zuzmveffen. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß man ein guter „Stammtischler", aber auch ein Kunstintereffent sein kann. Hoffentlich reizt dies alle „Stammtische" an, diesem Beispiele zu folgen, denn viele Wenige geben em Viel.
Kindervorstellung im Siadttheater. Die gestrige Vorführung der lustigen Bubenstreiche von Max und Moritz bedeutete für die zahllosen Kinder, die den Theatersaal bis zum letzten Platz füllten, ein großes Ereignis, von dem die Kleinen noch lange sprechen werden. Aber auch die Erwachsenen, die mitgekommen waren, hatten viel Spaß teils durch den prächtigen Humor der Buschverse, teils durch das ungebundene Treiben auf der Bühne, im Saal und auf der Galerie. Jeder neue Streich der beiden Taugenichtse wurde mit lautem Jubel begrüßt und, nachdem der Vorhang sich gesenkt hatte, mit so lebhafter Anteilnahme erörtert, daß man glauben konnte, men befände sich in einer Geflügelaussteklung. Unsere Darsteller hatten sich mit sehr anerkennenswertem Eifer der dankbaren Sache angenommen, so vielen versammelten Kindern Freude zu bereiten. Frl. Ruf ging so völlig in dem unternehmungslustigen Rangen Max auf, daß man seine Freude daran hatte. Sie bewies, daß'sie neben ihren ernsteren Künstlerbestrebungen auch eine herzgewinnende Schalkhaftigkeit in sich trägt. Verblüffend war auch das Maß ißrer Klettertünste, mit denen sie ihrem
Mitgänger Moritz in mancherlei örtlichen Schwierigkeiten voranturnte. Dieser Moritz des Frl. Neri war auch nicht von Pappe — namentlich die fuchshaarige Maske war sehr glücklich gewählt — und die stürmischen Freudentänze, die die beiden nichtsnutzigen Buben nach dem jedesmaligen Gelingen ihrer losen Streiche aufführten, waren überzeugend und ungekünstelt. Auch die übrigen Mitwirkenden taten ihre Schuldigkeit: Herr de Giorgi als Onkel Fritz und Maikäferfänger, Herr Lüttjohann als in Maske und Geste vorzüglicher Schneider Böck, der namentlich durch die ungewöhnliche Gelenkigkeit, mit der er sich auf seinen Schneidertisch zu schwingen wußte, höchstes Ergötzen hervorrief, Herr Lippert als Lehrer Lämpel, Herr Conradi als Bäcker, Herr Linz en als Müller u. s. f. Die Direktion Steingötter hat sich durch diese Aufführung den Dank vieler Kinder verdient.
• • Ein eigenartiger EisendahnUnfall. Der Vorstand der König!. Eisenbahn-Betriebs-Inspektion zu Marburg teilt uns folgendes mit:
Am 23. d. M. brach an der Lokomotive des Personenzugs Nr. 781 während der Fahrt zwischen beit Stationen Schlierbach und Zimmersrode der Deckel des linken Injektors ab. Durch die infolgedessen dem Kessel entströmenden Dampf- und heißen W a s s e r m e n g e n wurden Lokomotivführer und Heizer s ch w e r verbrüht. Um dem ausströmenden Dampfe zu entaehen, mußten sie sich seitwärts an der Maschine festhalteu. Den Regulator zu schließen und die Bremsen anmziehen, gelang ihnen erst am Bahnhof Borken, sodaß der Zug mit großer Geschwindigkeit die Stationen Zimmersrode und Borken durchfuhr und erst tm nördlichen Teil des Bahn- Hofs Borken zum Stehen kam. Durch eine von Trepfa herbei- gerufene Hilfslokomotive wurde der Zug zur Station Borken zu- rückgebracht und konnte mit 90 Minuten Verspätung seine Fahrt fortsetzen. Die verletzten Beamten wurden, nachdem ihnen ein Notverband angelegt war, mit Zug 772 nach Marburg befördert. Tie Lokomotive war eine der neuen, erst im Juli v. Js. in Dienst gestellten, vierzylinderigen, 2/5 gekuppelten Schnellzug-Lokomotiven.
* * Petitionen. Ter Gendarm i. P. Georg Schneider zu Gießen richtete an die zweite Kammer eine Vorstellung, in der er folgendes erzählt:
Infolge Tienstuntauglichkeit wurde er 1893 mit einer jährlichen Pension von 840 Mk. pensioniert. 1886 wurde er auf einem Patrouillenritt von einem Öitzschlag betroffen, fiel vom Pferde mit der prüfte auf einen Grenzstein, wo er bewußtlos liegen blieb, bis ihn Leute fanden und nach Hause brachten. Ter stellvertretende Kreisarzt konstatierte eine sehr starke Geschwulst, sowie einen Pferdetritt aus die Hüfte. Noch einigen Wochen hatte sich sein Zustand aber so weit gebessert, daß er einen Dienst in beschränktem Maße wieder aufnehmcn konnte. Dieser Unfall bildete den Anfang seines Siechtums und führte seine frühzeitige Pensionierung herbei. Er begann zu hinken, das mit Schmerzen verbunden war und mit jedem Jahre schlimmer wurde. Schließlich wurde er im Hüftgelenk so steif, daß er nicht mehr zu Pferde steigen konnte. Seine dem Ministerium vorgetragene Bitte, 20 Prozent Tienstbeschädigungszulage seines früheren Gehaltes, zu gewähren, wurde abschlägig beschießen. 1903 wurde er von einer schweren Rippenfell- und Lungenentzündung befallen, von der er bis heute noch nicht geheilt ist. Seit dieser Zeit ist er ohne Nebeneinkommen und auf seine Pension angewiesen, die bei den bescheidensten Ansprüchen kaum zum Leben ausreicht. Er bittet jetzt die Kammer, sein Gesuch um Erhöhung seiner Pension zu genehmigen. Ter Direktor der Gewerbe-Akademie Schmidt zu Friedberg wendet sich in einer Vorstellung gegen den Gesetzentwurf betreffend die Beaufsichtigung technischer Privatunter- richtsanstalten.
- ch. Aus dem Bieb ertal, 25. Febr. Die in diesen Tagen vorgenommenen Bohrverfuche nach Trink mass er haben rasch zu einem erfreulichen Ergebnis geführt. Im oberen Biebertal, unmittelbar bei der Obermühle, wurde ein ganz vorzügliches Trinkwasser gefunden, und dabei ist der Sprudel so mächtig, daß er mehrere Ortschaften hinreichend mit Wasser versehen kann.
(X) Dorlar, 26. Febr. Die hiesige Gemeindevertretung hat die bisher zu den Gemeindeländereien gehörige Lahn- insel, genannt „Neumühle-Garten", mit einem Flächeninhalt von 2,65 A. zum Preise von 3000 Mk. an die Besitzer der Neumühle, Gebrüder Marx von hier, käuflich abgetreten. Der hierdurch erzielte Kauferlös wird der Gemeinde zur Deckung der Kosten für den Grunderwerb der im vorigen Herbste hier geschaffenen Güterverladestelle sehr zu statten kommen.
A. Nidda, 26. Febr. Am 24. d. Mts. ist auf der Staatsstraße Nidda-Naustadt an einem 14jährigen Jungen ein überaus frecher Raubanfall verübt worden. Zu dem Jungen, der in der hiesigen Apotheke etwas geholt hatte, gesellte sich, als er den sogenannten Hainwald passierte, ein Mensch, der ihn ausfrug, woher er komme und was er geholt habe. Auf die Antwort, daß er in der Apotheke gewesen sei, packte der Strolch den Jungen und nahm ihn: das Geld, das er auf seine Zahlung in der -Apotheke herausbekommen hatte, mit Gewalt ab. Da sich inzwischen zum Glück des Jungen ein Wagen näherte, ließ der Strolch von dem Jungen ab und schlug sich in den Wald. Trotz sofort eingeleiteter rührigster Nachforschungen ist es bis jetzt nicht gelungen, des frechen Räubers habhaft zu werden. Ein gestern von der hiesigen Gendarmerie eingeliefcrter Unbekannter scheint den Naubanfall nicht begangen zu haben, wenigstens hat ihn der Jtmge auf eine Gegenüberstellung hin nicht als den Täter erkennen können.
§ Friedberg, 25. Febr. So viel verlautbar wird, hat die gestrige Sektion der Kindesleiche, über deren Fund wir bereits berichtet haben, zu einem Ergebnis über die Todesart nicht geführt. Es scheint nun als sicher angenommen zu werden, daß das Kind nach der Geburt gelebt hat und auch lebensfähig gewesen ist. Wie das Kind um das Leben gekommen ist, könnte also nur durch das event. Geständnis der Kindesmutter, die man bis jetzt nicht hat ermitteln können, festgestellt werden. Ob man überhaupt der Kindesmnttcr habhaft werben wird, erscheint zweifelhaft, da bis jetzt noch keinerlei Spur entdeckt zu fein scheint.
R. B. Darmstadt, 27. Febr. (Eigener Drahtbericht.) Einen Selbstmord infolge von Familien- zwistigkeiten verübte heute früh um 7 Uhr eine ältere Frau, die Gattin des bei der Eisenbahn angestellten Schlossers Steiger in der Scbwanenstraße. Sie stürzte sich aus einem Fenster ihrer im 4. Stockwerk gelegenen Wohnung herab und war sofort tot.
kck. Darmstadt, 26. Febr. Eine unan genehm c Ueberraschung wiederfuhr hier gestern einem jungen Mann, der sieh feit Sonntag heimlich aus seiner Heimat Kassel, wo fein Vater ein gut gehendes Geschäft betreibt, entfernt hatte. Seine Barmittel brachten ihn aber nur bis Darmstadt, wo er nun festsaß; er telegraphierte nun von da an seinen Vater um Geld, und in der frohen Erwartung, solches bald zu erhalten, begab er sich in ein Restaurant, wo
er sichs gutschmecken ließ, ftlach Verlauf einiger Stunden kam auch Hilfe, freilich in anderer Gestalt, als er erwartete, denn fein — Vater öffnete die Tür und nahm den Aus» reifer wieder mit nach Hause, wo der Empfang nicht allzM freundlich ausgefallen sein dürfte.— Der „Direktor" einer in einem hiesigen Restaurant konzertierenden Damen- kapelle, welcher zu Anfang dieses Monats mit dem größten Teil der Gage durchgegangen war und die Mitglieder fast mittellos zurückließ, wurde in Köln, üoit wo er einen Teil des Geldes wieder zurückschickte, verhaftet.
Wetzlar, 24. Febr. Tie Wahlagitation hat wieder begonnen; ein ch r i st l i ch - s o z,i a l e v Redner —< Behrens — hält in diesen Tagen in einer großen Anzahl Orten Versammlungen. Tie Christlich-Sozialen, die sichs am letzten Wahlkampfe nicht beteiligten, hatten bei ber. vorletzten Wahl über 3000 Stimmen erhalten. Aus ihrem letzten Parteitag beanspruchen sie den Wahlkreis für sich. Ta weder die Konservativen noch Nationalliberalen oder Antisemiten zurnckzutreten Wwillt sind, wirb , bei dem nächsten Wahlgang die Stimmenzersplitterung viel größer und das Resultat eine Stichwahl zwischen Zentrum und Sozialdemokraten sein.
^'Kleine Mitteilungen ans Hessen, und den N a ch b a r ft a t c n. In einem der vornehmsten Hotels in B i n g e n am Nheinufer erschoß sich ein junges hochelegantes Paar, das dort abgestiegen war und sich als Mann und Frau eingezeicknet hatten. Die beiden sollen aus Ludwigshafen stammen. — Im Laden von Westbeimer u. Co. in L im b ur g schoß ein Handlungsreisender aus Eiferslicht nach dem ihn bedienenden 19- jährigen Kommis Julius Wolf uild verletzte ihn schwer. Tie Kllget hat einen Lungenflügel beschädigt. Der eifersüchtige Schütze wurde ins Lndgerichtsgesängniß gebracht. — Der Kriegerverein Oppenrod feiert, wie zu unserer Notitz vom Samstag berich- ligond bemerkt sei, am 25.3mtt d. I. seine Fahnenweihe, verbunden mit dem Bezirsfest des Hassiabezirks Gießen.
• Berlin, 25. Febr. Eine Beraubung der Stationskasse der Hochbahnhaltestelle Zoologischer Garten hat ein Mann beabsichtigt, der sich in letzter Nacht gegen halb 2 Uhr, als die Fahrkartenausgeberin Fräulein Essenberg mit der Geldzählung beschäftigt war, Eintritt in den Schalterraum zu verschaffen wußte. Da der Mann eine bahnbeamtenähnliche Uniform trug und Fräulein E. ihn für den Bahnsteigwächter hielt, schöpfte sie keinerlei Verdacht, als der Fremde sich unter dem Vorwande, er habe Zahnschmerzen, etwas Watte ausbat. Entgegen einer ausdrücklichen Dienstvorschrift ließ Fräulein E. den Mann ein und reichte ihm die gewünschte Watte. Der Fremde machte sich nun an der Wasserleitung zu schaffen, während Fräulein E., ehe sie zum Zahltisch zurückkehrte, noch nach dem Ofen sah. In gebückter Stellung erhielt die Dame dann plötzlich von hinten mittels eines Beiles zwei heftige Schläge aus den Hinterkopf, die ober durch das Haargeflecht bedeutend abgeschwächt wurden. Fräulein E. stürzte zwar zu Boden und auf ihr Hilfegeschrei ergriff dec Mann unter Zurücklassung von Beil und Dienstmütze die Flucht und entkam.
• Zur Diebstahls-Affäre tm österreichisch* ungarischen Generalkonsulat in Berlin meldet das „N. Wiener Jour.": Die Affäre nimmt immer größere Dimensionen an. Wie eZ heißt, handelt es sich nicht nur um den Verlust von Geld, sondern es sollen auch sehr wichtige amtliche Schriftstücke entwendet worden sein. Weiter ist man, offenbar auf hochstehende Einflüsse hin, bemüht, die Person des mit dem Vorkommnis in Zusammenhang stehenden Vizekonsuls Dr. Deitl aus der Affäre aus- zuschalten.
• Ein Mädchen mit einem Zyklopenauge. Nach amerikanischen Blättern wurde in Ulm ein Mädchen geboren, das nur ein Auge, und zwar in der Mitte der Stirn, hatte. Das Auge war horizontal und vertikal geschlitzt und in der Höhle sah man deutlich zwei Augäpfel übereinander, nur durch eine dünne Haut getrennt. An der Stelle, wo sich sonst die Augen befinden, war nichts zu sehen. Die eigentliche Nase war kaum ausgebildet, dagegen befand sich oberhalb des einen AugeS ein Ansatz einer neuen Nase, allerdings ohne Knorpel und Nasenbein. Das Kind, das von ganz normalen Eltern abstammte, starb nach drei Wochen. Der behandelnde Llrzt (in den amerikanischen Zeitungen wird sogar sein Name Dr. Brand genannt) hat die Abnormität in Spiritus gesetzt und wird in medizinischen Blättern eine Abhandlung über den seltenen Fall schreiben. Soweit die amerikanischen Zeitungen.
* Kleine Tageschronik. In d-en Auswanderer- hallen zu H a m b u r g brach unter den Auswanderern eine Revolte aus. Hierbei wurden vier Angestellte durch Messerstiche schwer verletzt. — In Hot Springs in Arkansas brach eine verheerende Feuersbrunst aus. 100 Geschäftshäuser! und 200 Wohnhäuser brannten nieder, darunter mehrere Hotels, in denen Gäste verbrannten. 25 M enschen sollen um geko m- men fein. Ter.Schaden wird auf IV2 Millionen Tvllar geschätzt. — Ein Offizier der Garnison Verdun (Frankreich) ist flüchtig geworden, nachdem er die Regimentskasse um ca. 20 000 Francs erleichtert hatte. — In Antwerpen verhaftete die Polizei den Reserveosfizier vom 137. preußischen Infanterien regiment Ackermann. A steht im Alter von 30 Jahren und ist beschuldigt, Geldunterschlagnnaen und Fälschungen begangen zu haben: es soll sich angeblich um 16 000 Fr. handeln. befand sich seit einiger Zeit in Antwerpen, wo er ein flottes Leben führte und gute Beziehungen zu dem Chef der Sicherheitspolizei unterhielt.
Mniversijäts-Machrichten.
--Prof. Adolf Bast ianfi. In Port ofSpain (Trinidad), ist der Professor Bastian, Tirektor des Berliner Museums für Völkerkunde, der sich auf einer Forschungsreise befand, nach kurzer Krankheit im Alter von fast 80 Jahren im Hospital verstorben. Tie Leiche wurde in Gegenwart von Mitgliedern der deutschen Kolonie unter Assistenz des Pfarrers der Herrnhutergemeinde bestattet. Bastian nmrbe 1526 in Bremen geboren. Er begann als Schiffsarzt seine Laufbahn als Weltreisender, besuchte fünfzehn Jahre fang fast alle Länder der Erde vnd machte auch nach feiner Rückkehr in die Heimat immer neue z. T. mehrjährige Reifen in die entferntesten Erdstriche. Von der unabsehbaren Reihe seiner größeren und kleineren Veröffentlichungen seien genannt: „D>er Mensch in der Geschichte, Begründung einer psychologischen Weltanschauung^ (3 Bändr), „Tie Völker des östlichen Asien" (6 Bände). „Beiträge zur vergleichenden Psvchvlo- lfie", „Etlmologische Forschungen" (2 Bände), „Tie Kulturländer des alten Amerika" (3 Bände), „T'er Buddhismus", „Judonesien" (o Bände), „Ethnologisches Vrlderbncl)", „Ideale Welten" (3 B.), „Kontroversen in der Ethnologie" (4 Bände), „Lose Blätter aus Indien" u. a.
— Charlotten bürg, 26. Febr. An denr scküvaczen Brett der Technischen H 0 chs ch ul e ist ein Anschlag erschienen, nachdem die Behörde sämtliche an die Sttidwlen gerichtete Verbote


