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25.11.1905 Zweites Blatt
 
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155. Sirtfirnmm

Zweites Blatt

Nr. L78

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag«.

Die ..«lehener Zamlltendlätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich betqeleqL Ter Reiflich« £an68PUt*' erscheint monatlich einmal.

Samstag 25. November 1905 fKolnHonebmcf unb Utrlrta der Brü blücbe» / UniDcrftiäidDruderet 9L Lange. (Rieben,

Redaktion, Txveditron u.Ti"uderet Schulstr.A» ' IcL Nr. bl. 1eiegr.-Adr.i Anzeiger C-ic^en»

Eeneral-Anzeiger, Amts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Siehcn

folgenden, sondern jenen

licher Ausgaben waren.

Weitgebende Ueberchiftinimung* lieft Miqnel durch den s'siziüsen Trabt triumphierend in alle Welt melden, als die Finanzminister-Konferenz seine Reichssteuer-Borschläge gut- ctkheißen hatte. Im Reichstag wendete sich das Blatt. MiqnelS Pläne wurden grausam zerpflückt und bedeckten die Cßahlftatt.WeitgehendeUehereinltimniung^ herrscht

Ivie Kußener I lürßurdcrtauslltllung von Weik « dentslHcr Malerei.

Der überraschende Erfolg der Pariser Cent4naire, die eine Fülle kaum bekannter oder früh in Vergessenheit ge­littener Kunstwerke den Kennern und Forschern bequem zu­gänglich »nachte, hat die Berliner nicht ruhen lasten. Vom L Januar biS 1. Mai 1906 wird in der König!. National- gculerie eine Ausstellung stattfinden, welche die Entwickelung bar deutschen Kunst, insbesondere der Malerei, von etwa 1775 d/s etwa 1875 darstellen soll. Lokalausstellungen sind überall irm Deutschen Reich entstanden oder im Entstehen, aus denen bw§ Berliner Komitee geeignete Stücke ausruwählen gedenkt, imn sie, falls die Aussteller sich dazu bereit finden, nach Mrlm überzuführen. Aber auch wo solche Wünsche sich nicht reegen oder kein Gehör finden, erfüllen die Lokalausstellungen bem wichtigen Beruf, vieles Interessante aus dem Versteck heraus und in eine wenn auch beschränkte Oeffcntlichkeit zu looden und daß Material zur Kenntnis der bezeichneten Üi-ilnstepoche zu mehren.

Nuch die Gießener Ausstellung, so eng ihre Grenzen Mögen sind, darf sich rühmen, manches Schöne und Wert­volle zur Vervollständigung des Bildes bcizutcagen, das man aUlS Erfolg dec großen Veranstaltung erwarten darf: des

diesmal in der Oestcntlichkeit und in der Prcste darüber, das; die Sleuerprojekte deS SchatzsekretärS Frhn. v. Stengel, mögen sie die Zustimmung der Bundcsratsmehrheit ohne bc- sondere Schwierigkeit gesunden haben, denkbar ungeeignet sind ausgenommen die Automobil- und die Reicbserb- schastssteuer. Rund eine Viertelmilliarde neuer Steuern im Jahr sind keine Kleinigkeit. Man komme nicht mit dem be­rühmten Recheneremvel, da ft ,auf den Novf der Bevölkerung' pinc unwesentliche Mehrausgabe entfalle. In» praktiicheu Leben macht sich die Verteuerung wichtiger Er- nährungs- und Genuftmittel viel fühlbarer geltend, als der Statistiker am grünen Tisch sich träumen lässt. Die Zigarre toll teurer werden, das Glas Bier soll teurer rociben eine Zigarre und ein Glas Bier weniger, oder, nach dem menschenfreundlichen Rat, Tabak und Bier in ge­ringerer Güte: das erhöht nicht die Fröhlichkeit des Herzens und steigert ebensowenig die Freude am Reiche.

Tie Steuer-Ausführungen der ,Rordd. Allg. Zig." scheinen von einem entschiedenen A b st inen z l e r verfasst zu sei,,. Rur ein überzeugter Vorkämpfer unbedingter Enthalt- samkeit kann so leicht und anmutig über dieEntbehrlichkeit" der Genuftmittel schreiben. Ja, leben wir benn in spartanischen Zeiten oder in einer ähnlichen Periode decFlei sch­abt ö tun g?" Gewi ft ist ziemlich das meisteentbehrlich", bis auf Lust, Wasser und Brot. Aber bie ArbeitS- sreudigkeit unb das Maft bec Leistung ber meisten Btenschen wirb sehr beeinflußt von der Erholung, von den bescheidenen Genüssen, die sie sich nach bc-: TageS Mühen unb Sorgen gönnen. Wer biese Genüsse nie zu entbehren brauchte, ober wer kein Verlangen darnach trägt, bec kann eben nur davon sprechen wie dec Blinde von der Farbe.

Die Eisenbahnfahrkarten, die OuittungS- fl euer, der Fra cht urkunden st empel belasten vor allem den Mittelstand. Sogar die agrarische Tageszta " bemerkt: Zweifellos wäre e5 bester und angenehmer gewesen, wenn man darauf hätte verzichten können, diese Steuerquellen Vi suchen und zu erschlieften. Auch die konservative .Kreuzztg.", bie sich übrigens mit ber Reichserbschastssteuer nunmehr ab- finden will, schreibt gegen den Stempel auf Quittungen unb Fahrkarten: Wir lönnen nicht behaupten, baft wir für diese Abgaben mit besonderer Begeisterung einzutreten bereit sein würden. TieTageSztg." bringt ihrerseits in Vorschlag, mechanische Musiiwerke, insbesondere Phonographen und Grammophone zu besteuern. Em grotesker Gedanke. Dann müssten doch auch zum Ausgleich die Klaviere besteuert werden, l ie Phonographen nsw. bringen den kleinen Leuten, bie fein Theater unb Konzert besuchen können, etn wenig Musik. Stümperhaft gespielte Klaviere sinb bei weitem unerträglicher. Wenn nach einem Ersatz für Quittungs-, Fahrkarten- unb Frachturkunbenstempel gesucht wirb, so scheint wohl eher er- wägenswert, eine mäftige Steuer auf Zündhölzer einzu- sühren. Mit Zündhölzern wirb eine im .Hinblick aus bie Feuersgefahr bedenkliche Verschwendung getrieben. Eine Preis­erhöhung wird nützlich sein und kann finanziell sehr einträglich sich gestaltest.

TieR. A. Ztg." bezeichnet (oben) die Steuervorlage». als einorganisches Ganzes". Das heißt: eS dürfe nicht beliebig der eine ober ber andere Teil ausgeschieden werden. Ter Reichstag hat nicht nötig, dieser festen Marschroute zu folgen. Er wird sich vermutlich entschieden dagegen ver­wahren. __

taeibung. (?)

Gegenüber den Domäneckunaen ber von berNordd. Mlg. Ztg." berechneten Fehlbeträge bes Reichsetats durch die Presse bemerkt oieNordd. A".lg. Ztg " schließlich:

Zu berücksichtigen wer en die Nach tr a g set a t s; ferner waren bie neuen Bestimmungen über die Nichtein- ftellungen etwaiger Ueberschüsse in bie ordentlichen Ein­nahmen auch auf bie Fahr vor 1901 anzuwenden, sowie bie etwaigen Fehlbetrag nicht etwa erst dem zweit- folgenden, fonbem jenen Jahren zuzurechnen, in benen sie entstanden sind. Berücksichtigt man weiter den Nicht­eingang der vom Reichstage angenommenen Einnahmen, so gelangt man zu den initgevilten Fehlbeträgen, die auf 80 bis 90 Millionen Mark steigen, wenn man erwägt, daß die Ersparungen größtenteils Vertagungen bring*

Pflichttreue, der s.ch ber Landtag den Angelegen­heiten und dem W -hle des Landes gewidmet" habe, sondern nur von des Landtages , angestrengter Tätigkeit". TaS Fiasko, das dar verflossene Landtag in der Steuer- und der Dahtresorrn, aber nicht nur in diesen allein, mackste, dürste zu biefer sehr bem rlmswerten Einschränkung deS landeSfürstlichm Tankes bie Veranlassung gegeben haben 21ber es hat sich auch, wenn auch nicht der Fleiß und der gute W'lle, so doch bi? pol .iV? Ein'icht und btc gesetz­geberische Fähig! it ebenso sehr wie der parlamentarische Takt bei nw"ch-rn Kammermitgliede als nicht ganz zu^ reichend erwiesen.

Obwohl nun auch die erneuerte zweite Kammer wie­derum ans dem indirekten Wahlsystem hervor gegangen ist, so dürfen wir doch hoffen daß auch sie mehr als che erste Kummer in den großen, alw Bevlllerungslrerse in Stadt und L'nd in glmcker Weis' bcri 'nrdiben s'e'etzgobunasfragen auf der 5?ehe ihrer verf-ssm?gl-mäßigen Stellung sein ward. Daß sie der al^"n ähnlich fein wird luic em Er benf anderen, ist feststehend. .

Agrarisch wird im übrig n weitere drei >.^0^5. ^vwps sein, und es macht für die 'Beurteilung der politischen Be­deutung der Wahlen nickst sonderlich viel aus, ob hier oder dort ein rechts stehender nalionalliberaler Herr durch einen Danernbündler ober 'An s.mit ersetzt wurde. Ter Kammerpräsident .'aas, der s- nell zur nationalliberalen Partei gehört, aber trotz mancher echt liberaler 2lins'.chten in Wirklich? il d'- Seele bes A^rariertnms in .dessen ist unb zu den Hoch'chntzzöllnern sans phrase gehört, wird weitere sechs Jack ' - von Eiistluß f die G.setzgebrmg sein. Mancher ist der Ansickst, daß es für die Gesamtheit ber hessi- sichen Bevölkerung besser wäre, wenn dieser Mann sich auf die Förderung 'des lanbwirlsckMlichen Genossenschafts­wesens, um das er sich außerordentliche Verdienste erworben hat, beschränken w. de. Wenn nicht die Regierung vielfach unter den größten Unannehmlichkeiten der agrarischen Mehrheit entschlossenen Widerstand leistete, so würde die Bevorzugung des platten Landes sicher noch krasser in die Ersck-cinüng treten. Tie Recierung zeigt unausgesetzt, daß sie zu zeitgemäßen Reformen auf allen Ck6ictcn des polr- tifrfjen und sozialen Lebens ernstlich geneigt ist. Tas hessi- iclh? Landvolk hat jetzt dafür zu sorgen gehabt, daß diese Neigung nicht durch eine unzulängliche Zusammensetzung der zweiten Kammer in ihrer Betätigung gehemmt w^de. Von den wenigen neuen Mannern der zweiten hessischen Kammer wollen wir im Interesse des gesamten Staates (Ästes erhoffen. Vor allem wollen wir hoffen, daß es bet ernste Mille beider Kammern wie auch der Regierung In ber nächsten Session sein wird, das alte morsche Wahlsystem zu zerbrechen, einen Anachi cnismus, der eines so regsamen Staates wie des hessischen einfach unwürdig ist.

Aeichsstnanzsragen.

Während wir in unterem heutigen 3 Blatte zu den ,-Steuern gegen den Verkehr" unsere Stimme erheben müssen, führt die offiziöseNordd. Mlg. Zbg" in einem inerten Artikel, betiteltTie Reichsfinanzfrage", folgendes avis:

Um Vorkehrungen zu treffen zum Schutze für btc gefährdete e'inzel staatliche Finanzwirt- schäft, ist unabweisbar für gewöhnliche Zeiten ein Höch ft* maß für aufzuschiebende ungedeckte Matri- ku larbeiträge gesetzlich festz^.ilegen. Tie diese Grenze überschreitenden Beträge des Reichsetats seien dem zweit- fv lgenden Rechnungsjahr.r Last zu schreiben. Als Höchst­maß der von den Bund -istaalen aufzubringenden unge­deckten Matrikularbeitröa-' ist ein Betraa von 4 0 P f g. auf brn Kopf der Bevölkerung in Aussicht genommen. (5ine solck)e Maßregel bildet ein notwendiges Korrelat zu b?m Verzicht der Bundesstaaten auf eigenen weiteren Aus­bau des noch entwicklungsi - higen Erbschaftsfteuerwesens zu minsten des Reiches, ungeachtet deslen, daß die verbündeten R. gierungen nach wie vor bereit sind, in besonderen Fällens wie in Kriegsfällen, auf eine Begrenzung brr zu leistenden Matrikistrrbeiträge zu verzichten. In den Ichten Tagen sei in der Presse die Vermutung geäußert körben, daß die völlige Befreiung der Einzelstaaten von umgedeckten Mattikularbsttr.''gen geplant sei. Diese Ver­mutung sei imzutteffend. Bei einer Bevölkerung von 60 sg. illionen würde der von oen Ei.izelstaaten mifzubriuaende B.'ttaa immer noch auf 24 M illi o n e n zu veranschlagen sein, ber vom Reichstage in den letzten Jahren als eben und) erträgliche Belastung der Einzelstaaten anerkannt wor- brn fei. Nach den von den verbündeten Reaierunoen ge- plönteu Vorschlägen würde das Interesse der Einzelstaaten, amf eine sparsame Wirtschaft des Reiches cinxu» kürfen, nicht nur bie vorgesehene event. Heranziehung der E nzelstaaten zur Deckung des Reichsbedarfs rege ^erhalten blriben, sondern auch durch eine alsbewe gliche Steuer oi dachte Reich serbschaitsabgabe neuen Antrieb er* h- lten. Von den zur Verttlgung des Reiches zu stellenden Erlrägnissen aus dieser Steuer soll nur der Teil an das M'ich abgeführt werden, der notwendig sei, um den ordentlichen Ausgabenb.dark zu decken, soweit er durch biee sonsttgen eigenen Einnahmen des Reiches keinen Ans- glieich findet. Je weniger nr die Erbschaftssteuer für das Reich in Anspruch genommen würde, desto größer Ware brr zu gunlen der Einzestraateu verbleibende Anteil.

TieNordd. Mlg. Ztg" führt fort: Was nun die E in heitlichkcit der Vorlagen anlangt, so soll selbstverständlich nicht die unveränderte Annahme der Ent­würfe verlangt, vielmehr ioll jeder Verbesserun gS- Vorschlag angenommen werden. Wohl aber sind bitt Steuervorlagen hinsichtlich der Verteilung ber Be­in, stu n g als organisches Ganzes gedacht, woraus nicht beliebig der eine oder ber andere Teil ausaeschieden werden dürfte. Jede neue Steuer muß selbstverständlich diese oder jene Bevölkerungskreise stärker ober schwächer rtirffcn. Es kommt aui bie Ausfindigmochuung der Steuern am, die die notwendigen Lebensbedürfnisse möglichst ftf»orten und deshalb ohne wirkliche Beschwerde getragen it' rbcn. Ties trifft bei den Verlagen nach wohlbegründeter lleberzeugung ber Regierungc: zu. Eine Vorhe» sage der Südd. Tabakztg." von ein r vernichtenden Wirkung btc r Rohtabaks zoll er Höhung ist eine lieber-

Die heisijÄ'N ^Landtaasw n.

Gießen, 24. November 1905.

Am Freitag fanden in unserem Großherzogtum die Landtagswahlen statt, die die aus 50 Mitgliedern bestehende zweite Kammer zur Hälfte erneuerten. Sie mußten auch diesmal noch nach dem alten indirekten Wahls"stem vor- genommen werden, und es war daher vorauszusehen, daß in den meisten Orten bie Teilnahme der Bevölkerung an dem Ausgange recht gering fein würde. Nur in einzelnen we­nigen Kreisen, wie in Gießen-Land, wo die Sozial­demokratie mit fliegenden Fahnen besonders hofmungssroh in den «nrnpf gezogen war, um schließlich doch ganz jämmer­lich zu unterliegen, entrollten sich lebhaftere Wahlbilder.

Tie Thronrede, die der Groß Herzog bei dem feierlichen Schlußakte des letzten Loud'aas am 25. Oktober trr[fi<i strack) diesmal in ihrem Eingänge bekanntlich nicht, aller G'wos-nf- -tz.....i Tro'-, von d-r bin gebenden

Bildes einer Kunst, bie unter ungünstigsten äußeren Bec- hältniffen, unter RevolutionSstürmen unb KriegSnöten be- ginnend, bie zögernde und viel gestörte politische Entwicklung des deutschen Volkes begleitet bis zu dem stolzen Ziel, an dem sie oon einer anderen, siegesgewisseren und zukunftsscoheren Kunst abgelöst wird.

Es sind in unserer Ausstellung alle Gattungen vertreten, in denen die Staffeleimalerei sich betätigt, ganz besonders zahlreich, wie zu erwarten, Landschaft und Bildnis. Aber oani fehlt auch die Historienmalerei nicht. Von den, Allgäuer Jos. Ant. Fischer (1814-1859), bem Schüler des Münchener Nazareners Schranbolph, ber besonders burd) feine Entwürfe für bie Glasbilber ber Mariahckikirche und be§ Kölner Toms bekannt geworden ist, sehen wir eine sehr feineHeimsuchung", von Albrecht Adam (1796 1862 ein Schlachtbild, von Monten (17991843) eine Revue Napoleons, zierliche, bem Genre nahestehende Bildchen, bie gegen bie Schlachtenpanoramen unserer Zeit freilich gewaltig abstechen. ,

Tas eigentliche Genrebild ist durch cm Paar Lussel- borfer: Bendemann (1811 1889 , Reifer (das Billot .loux 1834, Henri) Ritter (18161883) durch bie Münchener oder Münchener Kunst ncchestchenben Meister Gisb 5lü gg en(18111858),(Sn l)über (1811 1867), «rehng

Im einzelnen ist noch folaendes zu bemerken: Die Abgig. Schlenger, Nipper, Schill, Euler und Cramer hatten eine Wiederwahl ab^^lehnt, die übrigen 20 Volks­vertreter waren zur Beibehaltung ihrer Sitze bereit unb sind auch bis auf zwei wioderaewählt worden. Einiger­maßen kritisch sah es nur in drei Wahlkreisen aus. In: Wörrstadt standen sich ber frühere freisinnige ALL Bürgermeister Christ und ber bisher an seiner Stelle stehende Bauernbündler Wols negenüber und jede Partei behauptete die Mehrl;eit der Wahlmänner zu haben; der Letz­teren Meldung stellte sich heute indes als unwahr heraus, unb so haben die Freisinnigen einen recht beachtlichen Zu­wachs in der Person eines erprobten Kämpen erhalten. Im Wahlkreise Pfungftadc-Eberstadt standen 21' bürgerliche 22 sozialdemokrat'schon Wahlmännern gegen­über, also eine Stimme war ausschlaggebend. Jvt Wahlkreise Seligen st adt wollten augeblich die 8 sozial- demottatischen Wablm''.nner mit den 16 nationalliberalen ans Rache" gemeinsame Sache nrachen, um die 20 Zen- ttumswahlmänner für Horn n'ederzustimmen, was ihnen indes leider nicht gelungen ist.

Als ganz neue Männer treten nur die Herren Auber und Best (na.t.-lib.), Breidenbach- Friedberg (Bauernbundtz der Zentti'.msmann Uebel (HeMnheim) nnd die beiden Sozialdemokraten Rechtsanwalt Fulda ^Langen-Jsenburg) und Zigarre., r bei er Raab (Eberstadt Pfunastodt, in die -weite Kammer ein.

Beklagenswert ist es. bau es den vereinten MistrenK- imgen der bürgerlichen Pc-rieien nicht.gelungen ist, auch dem schneidigen, erprobten Parlamentarier Tr. Becker einen Sitz zu überweisen; er iri. gewiß ber richtige Mann ge­wesen, der Volksvertretung über manche Schwierigkeit hmq wegzuhelsen.

lleb?cblickt man das jei. vorliegende GosomtrefultaL b?r Wahl, so rr.--i rrc-- s-^r. -'m Grunde genommen <18191876) unb den be'annten 5o(ba:enmaler L. v. Ragel, durch ben aus Böhmen stammenden, unter Walbmüller aus­gebildeten Fr. Friebländec (geb. 1835) und unseren Landsmann K. Engel (aS Lonbon, 18171870) vettceten, bie fast alle ben Durchschnitt dieser Kunstproduklion über­ragen; besonders überrascht Enhuber, der als farbenblind galt, durch sein überaus fein abgestimmtes Kolorit, Engel durch die liebevolle, fast Spitzwegsche Versenkung in die Stimmung be8 Junggesellen Haushaltes, während das Krelingsche Bild noch das besondere Intereste hat, daß der Prior die Zuge deS Architekten Gärtner, der Ritter, der bei ihm zu Gast ist, bie deS Malers Schwarzmann trägt.

Genre unb Landschaft in inniger Verbindung zeigt unS der Frankfurter Sch ü (; (17181791) (die Figuren sind wohl von anderer Hand, vielleicht von £>irt?), ber zum Münchener gewordene Pfälzer Heinrich rkel (18021869), Tb. Hellwig (Mitte des Jahrhunderts , der Schäferszenen im Stile Walteau's dorzu- ftellen pflegte, und der Hamburger Hermann Kanffmann (18(181889 , ber Vater bes Münchener Genremalers Hugo stauffmann, besten ganz köstliches Winterbild mit der durch den Schnee sich burcharbeitenben Postkutsche eines der feinsten Znicke ber Ausstellung ist und im Kontrast zu der ängstlich minutiösen Behandlung des Bürkelschen GebirgsbildeS be­sonders lehrreich wird. Tierstücke, bie hier sich postend an»