Ausgabe 
25.3.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 72

Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Erscheint Egltch mit KluSacchms des Sonntags.

Diefließen et 5<nn Illen blätter* werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt Der ^helstiche CoibwUF «scheint monatlich einmal.

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Samstag 25. März 1905

Rotationsdruck and Verlag der Brühl Ich«» UntoerfiiätBöcudereL R. Lange. Dietzen.

Redaktion. Txveditio» ».Druckerei! Dchulftt.I. leL 91l 61 Detegr.-Ldr. i llln^ctgei Gietzea.

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen.

Kais» Wilhelms Weerfaött.

Es ist wohl kein Zufall, daß gerade fetzt, wo Kaiser Wilhelm den Gestaden des Mittelmeers zustrebt, ein hoch- gestellter Sendbote Englands, der Herzog von Con- naugt, in Madrid und Rom Besuche abstattet. Hier liegt wahrscheinlich eine politische Mission vor, wie sie der Herzog schon wiederholt und, soweit erkennbar, nicht ohne Erfolg ausführte. Er reiste z. B. kurz nach dem Besuch des Prinzen Heinrich von Preußen in den Vereinigten Staaten ebenfalls dorthin, um die gleichsprachigen Vettern über Deutschland nicht Alt-England vergessen zu lassen.. Sein sich anschließender Aufenthalt in Kanada mag zu. dem zollpolitisch unfreundlichen Verhalten der kanadischen Regierung gegen Deutschland beigetragen haben. Wenn man die jetzigen Besuche des .Herzogs von Eonnaught in Madrid-, wo er mit königlichen Ehren empfangen wurde, und Rom unter den politischen Gesichtspunkt faßt, so weist er auf das Mittelmeer. Vermutlich will sich Englandfür alle Fälle" des Einverständnisses mit Spanien uttb Italien in Sachen der Marokkopolitik vergewissern, die ja im Lichte des Besuches Kaiser Wilhelms in Tanger besonderes Interesse erregt. Vielleicht erinnert man sich in Madrid und Rom aber aucy, der Tatsache, daß unter Billigung Englands Spanien in Marokko, und Italien in Tripolis zugunsten Frankreichs zurückgedrängt worden sind.

In Paris möchte man vermeiden, daß der deutsche Ge­sandte in Tanger, Baron Mentzingen, dem Wunsche der deutschen Kolonie entsprechend sofort nach bem Kaiserbesuch vom Sultan empfangen würde. Vielleicht wird nach der Rückkehr des Botschafters Radolin aus Monaco Minister Telcasstz Gelegenheit nehmen, in einer bestimmteren Form als bisher beliebt wurde, zu erklären, daß Frankreich die handelspolitischen Interessen Deutsch­lands keineswegs zu beeinträchtigen beabsichtige. Die französischen Blätter aller Parteien rügen, daß Frankreich sich nicht schon längst bezüglich Nordafrikas mit Deutsch­land direkt verständigt habe, und mahnen dringend, das Versäumte nachzuholen.

Der französische Sozialistenführer Jaurös veröffent­licht in derHumauitö" einen längeren Artikel, welcher sich mit dem Kaiserbesuch in Tanger befaßt. Ju dem Artikel heißt es: Was auch die Milderungsgründe sein mögen, die von den deutschen Zeitungen angegeben werden, um den Besuch erklärlich zu machen, so bleibt er dennoch ein unfreundlicher Akt gegen Frankreich. Durch d en Besuch werde die Stellung Frankreichs gegenüber d m Sultan von Marokko geschwächt und letzterer zu weiterem Widerstand ermutigt. In dieser Hinsicht be» l de der Besuch für Delcasss eine schwere Nie­derlage. Das Blatt fragt, ob Delcasss alles getan habe, w.-s in seinen Kräften stand, um diese Niederlage zu ver­meiden. Der von Delcasss begangene Fehler, daß er ge­glaubt habe, es genüge, Deutschland zu ignorieren, um es kalt zu stellen, werde sich nunmehr rächen.

Die Reise des Kaisers verlief bisher übrigens, wie aus der englischen Hafenstadt Dover gemeldet wird, bei herr- üchem Wetter, leicht bewegter See und frischem Ostwind. Bei den Mahlzeiten spielte die Musikkapelle derHohen- zollern". Während. des kurzen Aufenthalts vor Dover kam der deutsche Vizekonsul E. Marshan au Bord derHam­burg und wurde vom Kaiser empfangen.

Tie Ankunft in Lissabon erfolgt am 27. März. In Tanger trifft dieHamburg" am 31. März vormittags ein und verläßt den Hafen wieder am selben Tage 12 Uhr mittags. Die Ankunft in Gibraltar erfolgt um 2 Uhr nach­mittags. In Pon Mahon trifft das Schiff am 3. April ein. Tie Bonisaciusstraße wird am 4. April passiert. Die An­kunft in Neopel erfolgt am 5. April.

Die Kaiserin und die Prinzen Eitel Friedrich und Oskar sind in Genua am Freitag eingetroffen. Als die Kaiserin an Bord derHohenzollern" angekommen war, wurde die Kaiserin-Standarte gehißt und das italienische Geschwader feuerte Salut. Um 6 Uhr 24 Min. ging die Hohenzollern" in Begleitung des TorpedobootesSleip- tter" unter dem Salut des italienischen Geschwaders in See.

Der Krieg.

Infolge der ft reu gen Zensur des Generals Line- witsch laufen nur spärliche Nachrichten über die Lage der -russischen Arme-e und ihren Rückzug ein. Trotzdem sickert manches durch, was die Lage als sehr kritisch bezeichnet. Tag und Nacht werden die sich zurück ziehenden Russen von japanischen Abteilungen angegriffen. Die Zahl der russischen Nachzügler wird immer größer. Diese fallen alle den Japanern in die Hände. Im Generalstabe zu Petersburg sollen Nachrichten eingetroffen sein, welche die größte Unruhe Hervorrufen. Aus den De­peschen gehe hervor, daß Marschall O y a m a eine große Um- tzehungsbewegung ausführe, um noch den Rest der' russischen Armee zu vernichten.

Aus Juudschuling wird gemeldet: Die Station Tschantafu Men die Rusten geräumt. Die Japaner rücken täglich 'etwa 10 bis 15 Werst vor. Die Gegend ist fast durchweg gebirgig und sehr geeignet für eilte hartnäckige Verteidigung. Trotzdem wird der weitere Rückzug nach Sibirien für das wahrschein­lichste gehalten. Man befürchtet, daß die russische Armee für Wladiwostok auf den Usturi-Landstraßen abgeschnitten itnrb. Die politische Erhebung im Innern Rußlands macht nach einer Meld­ung des Korrespondenten der Nowoje Wremja den denkbar schlech­testen Eindruck auf die Truppen im fernen Osten.

Newyork Herald" berichtet aus Petersburg: General Line- witsch habe Befehl erhalten, den Japanern um jeden Preis am Tsungarifluß Widerstand zu leisten. Der Kriegsrat sei der Ansicht, daß die japanische Armee auf jeden Fall ge­schwächt werden müsse und das Gebiet um Kirin selbst imter Verlust eines Teiles der Armee gehalten werden müsse. Roschdjestwenskv habe beschlossen, das Eintreffen des zweiten Geschwaders nicht abzuwarten, angesichts der Schwierigkeiten, ;W? beiden Flotten an einem und demselben Punkte längere Zeit 'mit Kohlen zu versorgen.

Ueber den Versuch, eine Besprechung zwischen dem japanischen Gesandtm Baron Hayashi in London und den Präsidenten ifeg russischen Ministerkomitees, Witte, während des letzten Zommers herbei zu führ en, erhält Reuters Bureau von Hayashi folgende Darstellung:

Eine Mittelsperson, deren Namen ich nicht nennen will, fragte mich, ob ich irgendwo mit Witte zusammenttesfen wollte, um mit ihm über eine eventuelle Basisfür d e n Frieden zu verhandeln. Ich willigte ein, hörte jedoch über die Ange­

legenheit nichts mehr, bis ich die Meldung eines französischen Blattes sah, die angeblich von Witte selbst herrühren soll. Es ist sehr wohl möglich, daß mich Witte getäuscht worden ist. Die Anregung dazu ist jedoch von SSitte, oder wenigstens von seinem Vertreter oder einer anderen Mittelsperson aus­gegangen.

Aus einer anderen Quelle erhält das genannte Bureau eine Mitteilung, ans der hervorgeht, daß die erste Anreg­ung zu ber Zusammenkunft von gewissen Pariser Finan­ziers gegeben wurde. Die Angelegenheit sei sodann gewissen Persönlichkeiten in England milgeteilt worden, die Havashi ge­fragt hätten, ob er gewillt sei, mit Witte in privater Eigenschaft zilsammenzukommen. Nachdem Hayashi seine, Negierung davon in Kenntnis gesetzt hatte, erklärte er sich 'hierzu bereit. Der russische Finanzagent in London Rutkowski, teilte dies Wüte mit, der, nachdem er dem Kaiser Bericht erstattet und auf An- nahme des Vorschlags gedrungen hatte, es für sich selbst für unmöglich hielt, mit Hayashi zusammenzukommen. teilte dem Reuter-Bureau mit, daß die erste Andeutung, die Witte in dieser Angelegenheit erhielt, ein Brief war, den er an Wüte gerichtet hatte, als dieser sich im Juli 1904 in Berlin aufhielt.

Tie neue japanische Anleihe,

die nun schon sett zwei Wochen schwebt, ist nun zustande gekommen, ohne aber baß die deutsche Bankwelt offn-iell beteiligt ist. Tie von dem durch die Deutsch-Asicttische Bank geführten Konsortium gestellten Bedingungen ließen sich nicht erfüllen. Die neue Anleihe ist 4V2proz. und wird 30 Millionen Lstrl. umfassen. Garantiert ist sie durch das Tabakmonopol und aufgelegt wird sie kommende Woche zu 90 Proz. in Newyork, London, beim Schweizerischen Bankverein und der Amsterdamschen Bank, eventuell auch in Brüssel. Weitere Einzelheiten bleiben abzuwarten.

An der Frankfurter Börse hat der endgiltige Abschluß der Anleihe der Börse einige Anregung gegeben, obgleich Deutschland nicht beteiligt ist und an der Börse die Meinung vertreten wurde, daß eine solche nachträglich auch nicht mehr zu erwarten sei. Die Wirkung des Ab­schlusses äußerte sich besonders auf dem Fondsmarkt, der im Abschluß in London und Paris feste Haltung zeigte.

Die Gründe, die für die Nichtbeteiligung der deutschen Banken in Berliner Blättern angegeben werden, lassen durchblicken, daß die gebotenen Sicherheiten unsere Banken nicht voll befriedigt hätten, und daß der Wunsch nicht aenügende Berücksichtigung fand, Deutsch­land einen entsprechenden Teil der Kriegsbestell- ungen zuzuwenden. Uns will es scheinen, daß andere Gründe mehr in die Wagschale gefallen sind: Das bett, deutsche Bankenkonsortium glaubte nicht in dem Maße seine Rechnung bei der Mitübernahme zu finden, wie das Kon­sortium in London und Newyork. Eine andere interessante Mitteilung macht dieNat.-Ztg." Das Blatt erklärt guten Grund zu der Annahme zu haben, daß das Ausscheiden der deutschen Mitwirkung hauptsächlich aus politischen Er­wägungen erfolgt sei. Graf Bülow sagte aber doch im Reichs­tage, er habe nichts einzuwenden gegen eine japanische Anleihe. Danach wären die Banken noch besorgter gewesen um den Eindruck auf Rußland, als die Regierung? Ein seltsamer Fall.

Ausland in Sturm und Drang.

Der ruff. Minister deS Innern empfing am 24. d. M. Abgeordnete der städtischen Verwaltung von Moskau. Die Verwaltung verlangt die Zulassung zu der durch Reskript eingesetzten Spezialkonferenz, freie Besprechung der Arbeiten dieser Konferenz in der Presse, und die Oeffentlichkeit der Sitzungen. Der Minister erklärt, er finde es unmöglich, die Vertreter der Städte und Semstwos zu ent­behren, und er werde sie einladen, an den Versammlungen der Konferenz teilzunchmen. Der Minister könne noch nicht sagen, in welcher Form und Zahl die Vertreter gewählt werden, denn die Frage sei noch nicht geklärt. Die zur Zeit stattfindenden Vorarbeiten, an denen Persönlich­keiten der hohen Verwaltung und Gelehrte teilnehmen, werden zwei Monate dauern. Was die Oeffentlichkeit der Arbeiten der Konferenz betrifft, so erklärte der Minister, er wäre im Prinzip für Oeffentlichkeit, aber er könne nicht die Form ge­nau bestimmen und wiffe nicht, ob man die Presse zu den Versammlungen zulassen oder ob man nach dem Beispiel des Ministerkomitees Auszüge aus den Protokollen veröffentlichen werde. Der Minister hält es für unmöglich, dem Publikum Zutritt zu den Sitzungen zu gewähren, da es an Platz fehlt. Schließlich sagt der Minister, daß imRegierungsboten" demnächst eine amtliche Bekanntmachung über die Arbeiten der Konferenz erscheinen werde, um die Gesellschaft darüber zu unterrichten.

Zu einer Privatkonferenz über die Arbeiterfrage trafen in Moskau Vertreter der B ö rsen - K o m it e es von Petersburg, Riga, Lodz, Warschau, Kiew, Baku usw. ein. In der ersten Sitzung wurde festgestellt, daß es viel leichter gewesen ist, die Arbeit in denjenigen Be­trieben wieder aufzunehmen, die den Arbeitern keine Zugeständnisse gemacht hatten, als in den­jenigen, wo dies geschehen war.

Aus Petersburg ist der Befehl eingetroffen, daß an­läßlich der bevorstehenden Mobilmachung sämtliche Bahnlinien entlang der Strecke militärisch bewacht werden müssen, damit die Militärzüge ohne Störung ver­kehren können. Aus Warschau wird gemeldet, daß eine Bande von polnischen Aufständigen den Versuch gemacht bade, in der Nähe von Wlodawa an der Weichsel bahn einen Eisenbahnzug in die Luft zu sprengen. Der Zug enthielt Artillerie-Material sowie Munition. Truppen wurden herbeigerufen, um die Aufständigen zu vertreiben. Es ent­spann sich ein blutiger Kampf, wobei es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gab.

Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwestafrika schreibt dieNordb. Allg. Ztg.":

In einer Besprechung des neuen Nachttagsetats für bas süd- westafrikanische Schutzgebiet auf 1904 ist im Vorwärts vom 21. b.

die Behauptung ausgestellt, baß der Preis eines Pferdes sich mif 6850 Mark stelle. Dabei wivd einfach anyntounnen, daß bre ganze im Nachttagsetat für Beschaffung von Reit- nnh Zugtieren einaestellte Summe zum Ankauf und Transport von nur 1000 Pserbm dienen solle. Nun sind an sich nicht 6 850 000 Mark, wie der Vorwärts behauptet, sondern 6 150 000 Mark für Beschaffung von Reit- und Zugtteren in den Nachttag eingestellt. Aus der (51101^^9 des E*ats ergibt sich ferner, baß diese Summe nicht nur fiir 1000 Ersatzpferbe, die voraus­sichtlich im Rechnunas-ahre 1905 erlebt werben müssen, sondern mich für bie stattlichen Reit- rnb Zugti're bestimmt ist, welche für bie fett 12. November v. I. entsandten Verstärkungen der Schuvttnppe notwendig wurden.

Di-se Verstärkungen erforderten bie Beschaffung von rund 7000 Reit- und Zugtieren In Deuffeblaiid wurden 3000 Pferd« gekauft. Kaufpreis und Transportkosten * stellen sich auf rund 1050 Mark pro Pferd. Das ergibt für 3000 Pferde bie Gesamt­summe von 3 150 000 Mark. Die übrigen 4000 Tiere müssen in Südafrika beschafft werden. Da der Anschaffungspreis nach beit bisherigen Erfabrunaen einschließlich Transport sich pro Tier auf rund 600 Mark stellt, so ergibt sich bie weitere Summe voni 2 400 000 Mark. Die Gesamtkosten für 7000 Reit- und Zug­tiere, die für bie Verstärkungen der Schußtruppe im Rechnungs- fahr 1904 noch anz-ufordern waren, stellen sich also auf 5 550 000 Mark.

Dazu treten 600 000 Mark für den Ankauf von 1000 Pferden» bie zum Ersatz für Abgänge im Rechnungsjahr 1905 bienen sollen. Diese Pferde wurden schon jetzt angekauft, weil erfahr­ungsgemäß der Kaufpreis sich int Frühjahr niedriger stellt als im Sommer, und es tm militärischen Jntereffe notwendig schien, die Pferde wenigstens einige Zeit an der Sammelstelle iit Münster zum Zureiten und Einfahren zusammenzuhalten. Wie in der Erläuterung zum Nachtragsetat für 1904 gleichfalls aus­drücklich erwähnt ist, frrtb bie Transportkosten für diese Pferde, bie sich auf je 450 Mark pro Pferd belaufen werden, im Etat für 1905 an gefordert.

Keer und Alotle.

Das Kaisermanöver, an dem da? 8. und 18. Armeekorps teilnehmen, bauert vom 8. bis 15. Sep­tember. Die Kaiserparade über das 18. Korps findet am 8. September bei Homburg v. d. H. statt, die deS 8. Korvs am 11. September bei Koblenz.

Ausland.

London, 24. Mär-. Die hohe Bedeittnng' der Rede des deutschen Kaisers wird hier vollauf gewürdigt. Auch die Blätter besprechen sie im allgemeinen außev- ordentlich sympathisch und anerkennend. Sie heben hervor^ daß bei der über jeden Zweifel erhabenen Aufrichtigkeit des Kaisers in allen seinen Aeußerungen die von ihm ausgesprochene Versicherung über die si-iedliche Weltpolltik Deutschlands von der allergrößten Wichttgkeit sei und her sonders von England mit Freuden begrüßt würde.

Aus Stadt an- Saud.

Gießen, 25. März 1905.

- Vom Zarenhofe. Die Prinzessin Heinrich von Preußen wird nach der zu Ostern stattfindenden Konfir­mation ihre4 ältesten Sohnes, des Prinzen Waldemar, der am 20. b. M. sein 16. Lebensjahr vollenbete, sich zu einem mehrwöchigem Aiifenthalte nach Zarskoje Selo zu ihrer Schwester, der Kaiserin von Rußlanb, begeben. Die Kaiserin Alexandra hat ihre Schwester Elisabeth, die Witwe des gemordeten Großfürsten SergiuS, zu sich ge­nommen und beider älteste Schwester, die Prinzessin Ludwig von Battenberg, die alsbald nach der Mos­kauer Katastrophe von England herbeigeeilt war, ist erst jetzt tuteber borthin zurückgekehrt. Da sich bie Nachricht zu be­wahrheiten scheint, baß bie Zarin mit ihren Kinbern im Frühjahr über Berlin nach Darm stabt reisen wirb, io ist es wohl nicht unwahrscheinlich, daß bie Prinzessin Heinrich bis zu biesem Zeitpunkte bei ihr bleiben unb sie bann nach Deutschland begleiten wird. Im Mai erwartet man in Zarskoje Selo übrigens auch den Besuch deS Groß­fürsten Paul, besten bet Obhut seiner Schwägerin, ber Groß­fürstin Elisabeth, anvertraute Kinber erster Ehe, die 14jährige Großfürstin Marija und der 13jährige Großfürst Dimitrij, sich bereits dort befinden. Die Gemahlin des Großfürsten Paul, die Gräfin von Hohenfelsen, wird auch diesmal den russischen Boden nicht betreten, sondern in Paris zurück- bleibcn.

** Promenadenkonzert findet morgen, Sonntag, in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouver­türeNorma" von Bellini. 2. Maritana, Walzer von Dellinger. 3. Einzug der Gäste auf der Wartburg, Tann- Häuser, von Wagner. 4. Armee-Marsch Nr. 9.

** Vorkehrungen beim Abbruch rc. von Ge­bäuden. Auch an dieser Stelle verweisen wir auf eine heutige Bekanntmachung deS Großh. Polizeiamtes, welche an bie gesetzliche Bestimmung erinnert, daß bei Abbruchs- oder. Verputzarbeiten besondere Maßnahmen zu treffen sind, die ba§ Publikum vor Gefahren und Belästigung schützen.

"" Eine freie Vereinigung deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmacher wurde hier in Gießen von einem Teil hiesiger Angehöriger dieses Gewerbes ins. Leben gerufen. Der Verein schloß sich dem Verband an, besten Sitz in Mannheim ist.

* * Besitz wechsel. Das Haus Weserstraße 8, der Witwe Bellof gehörig, ging heute für den Preis von 30 000 Mk. an den Kolonialwaren- und Bierhändler Heinrich Drechsler über.

* * Besi tzwechsel. Der dem BauunternehmerH. Winn gehörige Ballplatz in Löders Hof ging hellte für 9500 Mk. in Besitz des Sattlermeisters C. Spies, Neustadt 8, über. Dieser beabsichtigt seine Geschäftsräume zu vergrößern.

* * Verhaftet wurde em wegen Betrugs steckbrieflich verfolgter Händler von auswärts.

* Zimmer bra nd. In einem Hause der Wallthor- straße entstand ein Zimmerbrand, der aber alsbald, ohnt