Heute trafen über tausend' Mitglieder des Deutschen Flotten- vererns, ferner 250 Personen, die deut Stapellaufe des Doppclscbraubendanipfers „Kaiserin Anqusta Viktoria" in Stettin beigewohnt haben, ein. Das Wetter hat sich auf» geklart.
Die zweite englische Torpedoboot szer- ftörerdivisiou unter Admiral Wmdsloe ist heute nachmittag hier eingetroffen. Die Schiffe nahmen im Hafen Kohlen ein und gingen dann aus der Reede bei den übrigen Sschrfsen vor Anker.
Die Berichte über die Aufn ahme der Engländer in Stvinemünde, über die Stimmung des Publikums lauten sehr verschieden. Der eine Korrespondent bemerkt eine vollkommene Harmonie, ja die Anfänge einer Begeisterung. die verwundert fragt, wie jemals von Unfreundlichkeit habe gesprochen werden können; der andere Korrespondent konstatiert, daß die zahlreich erschienene Menge Bet de Absahrrt der englischen Gäste in Schweigen verharrte; die Schilderungen des offiziösen Depeschenbureaus endlich schlagen einen Ton an, worin Höflichkeit mit Zurückhaltung, Wärme mit Kälte gemischt ist. Jedenfalls entbehren die offiziösen Meldungen der „Bewunderung", die sich bei anderen Gelegenheiten auf alle möglichen Einzelheiten erstreckt und an Besuchern, die unserem Herzen näher stehen, nur die vorzüglichsten, verehrungswürdigsten Eigenschaften entdeckt. Es sind, wenn man so sagen darf, auf eine Molltonart abgestimmte Depeschen, ebenso wie die Gastfteund- schast jede Anforderung erfüllt, von vornehment, gutem Geschmack ist, aber doch von Enthusiasmus sich frei hält.
DeS englischen Admirals Wilson für englische Empfindungen überraschend herzliche Rede haben wir bereits gestern im wesentlichen wiedergegeben. Den Wortlaut in oeutscher Uebersetzung herüberzutelegraphieren, hielt das halbamtliche Depeschenbureau. nicht für erforderlich. Wir finden ihn auch nicht in der „Nordd. Allg. Ztg."
Uns wird von einem unserer Berliner Korrespondenten, der nach Swinemünde gereist ist, nntgeteilt, daß es dort zwar viel Interessantes zu sehen gibt, daß das Leben und Treiben groß und geräuschvoll ist, besonders nach der Ankunft der schaulustigen „Berliner", daß die englischen Blaujacken neugierig betrachtet werden, daß abgesehen von den wohlbekannten Mitgliedern der Berliner englischen Kolonie, die Neigung zu Begrüßungen und anderen erfreuten Kundgebungen nicht als lebhaft zu bezeichnen sei. Das großartige Schauspiel fessele, der gewaltige Anblick der Schiffskolosse die Engländer sind den Zuschauern ziemlich gleichgiltig. Einem scharfen Urteil über die englische Besatzung Begegnen wir int „Berl. Tagebl." Der Swiuemünder Berichterstatter des „Tagebl." bemerkt u. a.:
„Soviel steht fest,- wenn unsere Kriegsschiffsvesatzungen sich int Auslande befinden, hinterlassen sie überaU den besten Eindruck: ob dies von unserem englischen Besuch der Fall ist, möge dahingestellt bleiben. Die spazierstockschwingenden, auf der Straße gehenden englischen Marinemannschasten, wie sie jetzt vor unseren Fenstern auf und ab wandeln, haben für unser Auge etwas Fremdes und Befremdendes."
Die englischen Blätter nehmen mit großer Befriedigung von den: guten Empfang des englischen Geschwaders und ganz besonders von der Entsendung des deutschen Geschwaders dorthin Kenntnis. Das fteundschaft- liche Interesse, das das deutsche Publikum an den Gästen nehme im Verein mit der von Kaiser Wilhelm bewiesenen Courtoisie werden allgemein als Beweis dafür angeführt, daß in Deutschland Regierung wie Volk in wohlwollender Stimmung gegen England beseelt sind._________________
Deutsches Rekch.
Berlin, 29. August. Verhandlungen über den An - tauf eines Gutes in Litauen für den Kaiser sollen nach einer Meldung der „Tils. Ztg." im Gange fein. Der Verwalter des Rittergutes Schreitlaugken, Forstmeister Frhr. Speck v. Sternburg, ein Schwiegersohn des verstorbenen Rittergutsbesitzer und Herrenhausmitgliedes v. Dreßler- Schreitlaugken, hat da? angrenzende, 900 Morgen große Gut Walenthal angekanst und steht wegen Weiterveräußenmg mit der kaiserlichen Hofverwaltung in Unterhandlungen.
— Der Kaiser hat gestern den Bildhauer Professor Brütt zum Frühstück im Renen Palais geladen. Nachher besprach der Monarch mit dem Künstler den Plan, im König!. Schloß zu Berlin einige Bronze statu en, welche Markgrafen auß dem Hause derAskanier darstellen sollen, aufzustellen. Mit der künstlerischen Ausführung der Arbeiten, über die sieh der Kaiser die näheren Bestimmungen noch Vorbehalten hat, sollen außer Prof. Brütt noch drei andere namhafte Künstler betraut werden.
Breslau, 29. August. Der Verbandstag der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Beruss- genossenschasten Deutschlands beschloß angesichts der drohenden Verstaatlichung der Kaffen mit allen gegen vier Stimmen den Anschluß ihrer Organisation an die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands.
Ausland.
Paris, 29. Ang. (Agenee Havas.) Der französische Gesandte Graf Taillandier wird morgen oder übermorgen eine letzten Forderungen an den Maghzen wegen Freilassung der verhafteten algerischen Untertanen stellen und ihn gleichzeitig von seiner Absicht unterrichten, daß er Fez verlassen werde, wenn nicht innerhalb deS zur Erledigung seiner Reifevorbereitungen unbedingt nötigen Zeitraumes volle Genugtuung geleistet würde. Taillandier wird sich auf dem sichersten Wege nach Tanger begeben. Erst nachdem die Gesandtschaft dort eingetroffen war, wird die Regierung zu Zwangs maßregeln greifen. Sie wird hierbei die Maßnahmen im Vollbesitz ihrer Handlungsfreiheit treffen und sich die durch zahlreiche gleichartige frühere Zwischenfälle geschaffenen Präzedenzfälle zur Richtschnur nehmen. Hinsichtlich der übrigen Mächte wird sie baS heutzutage übliche Verfahren bcob a eilten.
Ans HtM und Land.
Gießen, 30. August 1905.
** Personalien. S .K. H. der Großherzog haben dem Pfarrverwalter Bernhard zu Ernsthofen, Dekanat Eberstadt, die dortige evangelische Pfarrstelle übertragen.
** Hundesport. Bei der am 27. und 28. d. Mts. in Offenbach a. M. stattgehabten Hundeausstellung, erhielten die nachstehenden Gießener Herren Preise: Wein- händler Aug. Schwan auf seine selbstgezüchteten raub» haarigen Pinscher drei 1., einen 2. und zwei 3. Preise. Weißbindermeister Ioh. Schäfer III. auf glatthaarige Pinscher einen 2. und einen 3. Preis. Ebenfalls auf glatt
haarige Pinscher Gastwirt Wilh. Mayer einen 2. und einen 3. Preis. Fuhrunternehmer Earl Jughard II. erhielt auf deutsche Doggen einen 3. und einen 1. Preis.
Fri e db erg, 29. Aug. Von dem durch die Sammlung der Frauen und Jungfrauen im Kreise Friedberg eingegangener. Betrag hat das Komitee mehrere Ausstattungsgegenstände für Räume des hiesigen Schlosses beschafft. — Frau L. Rot- child Wwe. kaufte das Haus des Milchhändlers Görg in der Köhlergaffe für 19 250 Mk.
RB. Darmstadt, 29. August. Ein raffinierter Wechselfälscher wurde gestern in der hiesigen Fahrrad- Handlung von Lautermann entlarvt und hinter Schloß und Riegel gebracht. Schon häusiger waren bei der Firma Volk in Groß-Gerau Wechsel präsentiert worden, die sich als ge- älscht erwiesen. Vor etwa 8 Tagen nun erschien bei Lautermann ein Herr, der sich als Mitbesitzer der Lackfabrik von KuhfuS tu Co. in Frankfurt vorstellte und der sich über die Groß-Gerauer Firma erkundigte, die Herr Lautermann als gut bezeichnen konnte. Gestern nun kam derselbe Herr aus Frankfurt wieder und kaufte ein Fahrrad, bot als Zahlung einen auf die Groß-Gerauer Firma gezogenen und von dieser anscheinend acceptierten Wechsel über 400 Mark an und bat um Auszahlung des Restbetrages. Diese Art deS Kaufes kam aber Herrn L. verdächtig vor, er bestellte den Käufer auf später wieder, da er nicht so viel Geld im Hause habe, und begab sich auf dem schnellsten Rad nach Groß-Gerau, wo er erfuhr, daß der Wechsel nicht nur gefälscht sei, sondern der Gauner schon wegen der früheren falschen Wechsel von der Staatsanwaltschaft eifrig gesucht werde. Als der „Frankfurter Herr" dann ahnungslos am Nachmittag wieder in der Fahrradhandlung erschien, um den überschüssigen Betrag von ca. 250 Mark in Empfang zu nehmen, wurde er vom Geschäftsinhaber festgehalten und der Polizei übergeben, wo er sich als der Kaufmann Friedrich Trunnert von hier entpuppte.
* kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Beim DünSberg-TUrnen am Sonntag errang, wie wir unserem gestrigen Bericht noch nachtragen wollen, der Turner Karl M ü l l e r vom Turnverein Gießen, der in früheren Jahren bereits 1. Sieger des Dünsbera-Wettnrnens war und diesmal außer Konkurrenz teilgenommen hat, die Punktzahl 41V„ wofür ihm eine Ehrenurkunde ausgehändigt wurde. — Der Kreisrat des Kreises Bingen, Geh. Regierungsrat Spam er, wird im Laufe des Monats Oktober sein goldenes 91 m t § i u b i I ä u ni feiern. Im gleichen Monat des nächsten Jahres sind es 25 Jahre, daß er an der Spitze des Kreises Bingen steht.
Vermachtes.
^Räuber im Harze. Man meldet heute aus Braunschweig: Als der Geh. Oberregierungsrat Dr. v. Martitz aus Berlin, ein betagter Herr, den H e x e n t a n z p l a tz herabging, nachdem er das Harzer Bergtheater besucht hatte, gesellte sich ein junger Mensch zu ihm mit der Frage, ob er wohl auch das Theater besucht habe. Nach wenigen Augenblicken versetzte ihm der Unbekannte einen Faustschlag, riß ihm Uhr nebst Kette ab und verschwand in der Dunkeheit. Bis jetzt fehlt von dem Wegelagerer jede Spur.
* Norden hani, 29. Aug. Heute entgleiste auf der Strecke Blexenhude zwischen den Stationen Rodenkirchen und Kleinensiel etwa vier Kilometer von Kleinensiel ein Schnell zu g. Der Zug lief etwa 20 Meter weiter, ohne daß der Lokomotivführer ihn zum Stehen bringen konnte, und stürzte dann mit dem Tender und den Packwagen den Bahndamm herunter in einen Graben. Auch der nächste Wagen erster und zweiter Klasse kippte zur Seite und blieb über dem Graben liegen. Zwei weitere Personenwagen entgleisten ebenfalls, blieben aber auf dem Bahndamm stehen. Ein Schaffner und mehrere Reisende erlitten unerhebliche Kontusionen. Nach 40 Minuten war ein von hier entsandter Hilfszug vor der Unfallstelle.
Die Sonnenfittsternis.
Das Wetter ist heute morgen zur Beobachtung der bald nach Mittag eintretenden Sonnenfinsternis außerordentlich ungünstig. Allerdings ist das Wetterglas ein wenig gemegen, sodaß wir noch nicht ganz die Hoffnung auf einige Sichtbarkeit der ungewöhnlichen Hinimelsvorgänge aufgeben trotz des leichten und scheinbar anhaltenden Regens.
Auch in den wissenschaftlichen Beobachtungsstatten, in der spanischen Stadt Burgos und in Algier ist nach drahtlichen Meldungen das Wetter bisher wenig hoffnungsvoll. In Burgos war am Dienstag der Himmel bewölkt und die Atmosphäre stark bewegt, am Mend aber wurde es gestern klarer. Die staatliche Fovschungskommisfion aus Potsdam unter den Gelehrten Prof. Dr. Säbel in a und Nippold wird die begonnenen Versuche über die Aeuderung der drei erdmagnetischen Größen sowie der Lustelektri- zität, Ionisation und Radioaktivität auch nach der Finsternis längere Zeit fortsetzen. Dieses Gebiet ist fast ganz neu und bisher nur durch eine nordamerikanische und ftanzösische Kommission bearbeitet. Die deutsche Forschungs - Kommission, die mit geringerer Ausrüstung seitens der Berliner Sternwarte und durch Martins und den Camegiefond dotiert ist, installierte eine ungeheuere photographische Camera zur Aufnahme des Sonnenbildes. Die der Expedition zugeteilten Damen wollen die Kvrona zeichnen. Prof. Peerson-Berlin ist von der spanischen Regierung eingeladen worden, als Vertreter an dem internationalen wissenschaftlichen Aufstieg teilzunehmen. Burgos ist überfüllt. Die Preise für Hotelzimmer und Wagen sind ungeheuerlich. Die Unterkunft ist trotz der Bemühungen der Ortsbehörden elend. — Die Festlichkeiten begannen in Burgos schon am Dienstag mit einem Empfang auf dem Rachans und der Grundsteinlegung des Cidmonuments sowie einem Stiergefecht, dem der König beiwohnte. Im Theater war Gala-Vorstellung. — Kommissionen zur Beobachtung der Sonuensinstemis entsandten Bordeaux, Montpellier, Meudon in Belgien und London. Außerdem sind Privatgelehrte eingetrosfen. Auf der spanischen Station sind allein über sechzig Beobachter.
In Algier sind von wissenschaftlichen Millionen gleichfalls große Vorbereitungen getroffen worden. Die Füllung des Ballons ‘.Gatcntour" wurde gestern ausgeführt. Die Astronomen hoffen eine Höhe von 4000 Meter erreichen zu können.
Erz - Kuxe.
F e r n i e. Angebot 4150, Nachfrage 4100. Ausbeuten und Zu- l'iißen 1903: 225: 1904: 300.
Ärbeilerkewcgung.
Dochu m , 29. Aug. Die VertrauenSmänneroersaminlung der Arbeiterorganisation des B a u g e w e r b e s na hm mit knavver Majorität den von der Einigungskommission in Essen aufgestellten Tarif an. < . , .
Essen a. d. Ruhr, 29. Slug. Infolge der durch den Streik im Baugewerbe entstandenen Absatzschwierigkeiren im Zigeleige- werbe haben die meisten Z i e g e le i e n im Dortmunder und Kol- ner Reuier ihren Betrieb eingestellt.
Original-
Zer Friede.
London, 30. Ang. „Morning Post" meldet ans Portsmouth Japans heutiges Verhalten war die Antwort ans den Hinweis aus die gelbe Gefahr. Nuß! and errang unstreitig
einen großen diplomatischen Sieg. Indem es tal- sächlich die Annahme seiner eigenen Bedingungen erzwang, sicherte es sich den Frieden, ohne dafür zahlen zu muffen. Nur der moralische Sieg bleibt auf feiten Japans. Man wird nicht unrecht tun, wenn man sagt, daß, wenn Japan bereit ist, 6 0 Millionen Pfund Sterling und die südliche Hälfte von Sachalin an Stelle einer Entschädigung für alle anderen finanziellen Forderungen an zu- nehmen, dieses Ucbereiukommen durch den Präsidenten Roosevelt vorgeschlagen worden ist, der glaubte, daß Rußland dies annehme. Ob Japans persönliches Verhalten von den Ruffen als ein Zeichen seiner Schwäche ausgelegt wird oder ob Rußland tatsächlich nach einem Borwand suchte, um den Krieg fortzusehen, ist unbekannt. In- besten lehnte Rußland kategorisch die Zahlung auch nur eines Schillings mehr ab, als Japan rechtmäßig auf Grund der Bc- timmungen der Haager Konferenz für den Unterhalt der Kriegsgefangenen zu fordern berechtigt war. So hartnäckig war Rußland, daß sogar der Vorschlag, einem Schiedsgericht die Entscheidung über die Höhe der für die nördliche Hälfte von Sachalin zu bezahlende Summe zu überlasten, von ihm kurzer Hand ab gelehnt wurde. In diesem Augenblick wandte sich Präsident Roosevelt an Japan. Welchen Einfluß der
Präsident in Tokio geltend machte, ist unbekannt. Man weiß nicht, in welcher Ausdehnung es fein Verdienst ist, zu diesen weitgehenden Versprechungen bewogen zu haben. Man kann je» doch zuversichtlich behaupten, daß auf sein Verlangen die gestrige Sitzung anb.'raumt wurde, die wahrscheinlich die letzte gewesen wäre, wenn sie auf heute verschoben worden wäre.
Portsmouth, 30. Aug. (Reuter.) Seitens der japanischen Bevollmächtigten gab Sato heute die Erklärung ab: Von Anfang an sind es Einwendungen über die Frage die endgiltige Bestimmung Sachalins und die Kriegsentschädigung betreffend gewesen, über die eine absolute Meinungsverschiedenheit herrschte. Nickt nur eine, sondern beide Parteien stellten häufig den günstigen Llbschluß der Konferenz in Frage. Der Kaiser'von Japan legte entschieden den Forderungen der Menschlichkeit und der Zivilisation gegenüber den Geilt vollkommener Versöhnlichkeit an den Tag und ermächtigte im Interesse des Friedens seine Delegierten, die Frage der Entschädigung für die Ausgaben fallen zu lassen und in die Teilung Sachalins und die Bedingungen zu willigen, die für beide Teile gleich annehmbar sind. Auf diese Weise hat es der Kaiser ermöglicht, daß dieses bedeutsame Werk einen glücklichen Mschluß gefunden hat. — Witte hat dem Präsidenten in einem Telegramm zum Ausdruck gebracht, daß die Geschichte ihm den Frieden von Portsmouth z u s ch r e i b e n werde, und wie aufrichtig seitens Rußlands die Initiative des Präsidenten geschäht werde. Baron Komura hat zunächst von den Bevollmächtigten den Präsidenten von dem Ausgang der Konferenz in Kenntnis gesetzt, hat sich aber auf die einfache Tatsache des Uebereinkommens beschränkt. Präsident Roosevelt sandte darauf an beide Dank- und Glückwunschschreiben.
Portsmouth, 30. Aug. (Reuter.) Man erwartet, daß der Friedensvertrag Ende dieser Woche abgeschlossen sein wird. Witte bemerkte, daß dieser Vertrag in den Protokoll-Sitzungen tatsächlich bereits aufgesetzt ser und daß cs nur erforderlich sei, den Wortlaut zu ändern. Eine neue Klausel wird hinzugefiigt, die einen Handelsvertrag zwischen Japan und Rußland vorsieht, wobei jede der beider: Nationen den Vorteil der Mcistbegünstig- sten genießt, da diese Klausel das Prinzip der offenen Tür in sich schließt. In gut unterrichteten Newyorker Bankkreisen ist man der Ansicht, daß dem Friedcnsschluß bald die Aufnahme einer Anleihe durch Rußland und etwas später durch Japan folgen wird, deren Höhe in vollem Maße von den dlurch beide Länder gebotenen Sicherheiten abhängig sein wird. Es ist bekannt, daß Rußland alle Vorbereitungen trifft, um einen Teil der Anleihe hier unterzubringen; es ist auch wohl verständlich, wenn Japan die Aufnahme von mehr Geld beabsichtigt, da es seine einheimischen Schuldverschreibungen bezahlen muß.
Portsmouth, 29. Aug. Heber beit Verlauf der Na'ch- mittagssitzuiig der Friedenskonferenz wurde von Sato, nachdem er in das Hotel zurückgekehrt war, folgender amtlicher Bericht veröffentlicht: „In der Nachmittagssitzung der Friedenskonferenz wurden die Einzelheiten des Friedensvertrages beraten. Es wurde beschlossen, Prof. v. Martens und den rechtsverständigen Beirat des japanischen Ministeriums des Aeußeren Dennisson mit der Ausarbeitung der einzelnen Artikel zu betrauen mit der Weisung, diese Arbeit möglichst bald zu beendigen.
Portsmouth, 29. Aug. Das Abkommen bezüglich Sachalins verpflichtet Rußland wie Japan, diese Insel nicht für strategische Zwecke zu befestigen; es verpflichtet ferner Japan, die Laperonseslraße zwischen Sachalin und Hokkaido nicht zu befestigen. — Als die Friedensnachricht bekannt wurde, wurden die Glocken geläutet.
Pvrtsmouth, 30. Aug. Für den Unterhalt der russischen Gefangenen verlangt Japan eine Entschädigung von 100 Millionen Dollar.
Tokio, 29. Aug. Der japanische Minifterrat hat sich entschlossen, eine außerordentliche parlamentarische Session einzubenifen, um dem Landtage den Friedensvertrag zu unterbreiten. Die Session dürfte höchstens 8 Tage dauern.
London, 30. Aug. „Daily Mail" bestätigt, daß die Erneuerung des All i anzv er tr a g es zwischen England und Japan eine umfassendere und bedeutendere Basis besitzt als der frühere Vertrag. Die Unterzeichnung desselben habe bereits stattgefunden.
London, 30. Aug. In hiesigen gut unterrichteten Streifen ist man der Ansicht, daß Japan durch einen Geheimvertrag mit Rußland sich weitere Konzessionen gesichert hat. (??)
Petersburg, 30. Aug. Die Nachricht, daß die Friedenskonferenz zu einem günstigen Ende geführt habe, kam um so unerwarteter, als man hier wußte, daß Rußland über die einmal gemachten Konzessionen nicht hinausgehen werde. Wittes Geschicklichkeit und Beharrlichkeit wird hier allgemein rühmend anerkannt. Die 9lbfenbung der ersten russischen Gefangenen erfolgt in der nächsten Woche. Roschdjestwensky wird unter den ersten fein.
Berlin, 30. Aug. Die Morgenblätter geben ihrer Befriedigung über den nunmehr gesicherten Frieden Ausdruck und heben insbesondere die Verdienste Roosevelts hervor. Auch der Bemühungen Kaiser Wilhelms und der Haltung der deutschen Regierung während des Krieges wird lobend gedacht. Einstimmig vertritt die Presse die Ansicht, daß die Japaner, wenn sie auch noch im letzten Moment besonders hinsichtlich der Kriegsentschädigung nachgegeben haben, doch reich an militärischen Erfolgen und mit einem bedeutenden Zuwachs an Macht und Ansehen aus diesem Kriege hervorgehen, der sie zum Ausschlag gebenden Faktor int fernen Osten gemacht hat. Rußland dagegen scheidet vom Kampfplatz mit der Versicherung, daß es nicht überwunden sei und die Japaner russischen Boden nicht berührt haben. Die Welt werde aber nicht über den wahren Charakter dieses Friedens getäuscht, der das Verzicht Rußlands auf seine mit enormem Aufwand betriebene ostasiatische Politik bedeutet.


