Ausgabe 
30.1.1905 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giehen.

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57 Stimmen zu.

Washington, 27. Jan. Die Kommission des Repräsen­tantenhauses beschloß, die Vermehrung der Flotte um zwei Schlachtschiffe vom größten Typ mit einer Wasserverdrängung von je 16 000 Tonnen zu empfehlen, welche die schwerste Panzerung und Geschütze größten Kalibers tragen sollen.

Gn es en, 29. Jan. Hier zirkuliert das Gerücht, daß an das 47. Infanterieregiment der B efe hl ergangen sei, zum A b rüden;

Grenze bereit zu sein. (Vorwärts.^

_________ _ J. Januar wurden beim 8. daher. Infanterie- Regimcmt in Landau noch fünf Tvphusfälle fest gestellt. Zahl der Erkrankten beträgt 39, die Zahl der wegen Typhus­verdachts in Beobachtung befindlichen Soldaten ist von 27 aus 17 zurückgegangen. In Würzburg sind innerhalb von zwei Wochen in dem 9. bayer. Jnf.-Regt. zwei Soldaten an Genick­starre erkrankt. Einer ist gestorben, der andere liegt im Sterben.

Paris, 28. Jan. Der Senat beriet die Vorlage betr. die zweijährige Dienstzeit. Berichterstatter Garrau verlangt dringliche Beratung, und das Haus ftiimnte ihr mit 214 gegen

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Berl in, 28. Jan. Zur zweiten Beratung der Kanal- Vorlage ist im Anschluß an eine von der Kommission an­genommene Resolution der Mitglieder der Nationalliberalen, der Konservativen, der Freikonservativen und der Zentrums- Partei der Antrag gestellt worden: die Negierung möge einen Gesetzentwurf betreffend Kanalisierung der Mosel von. der lothringischen Grenze bis Koblenz und der Saar von Brebach biß Konz, ferner der Lahn von der hessischen Grenze bis zur Munduug so frühzeitig vorlegen, daß der Betrieb auf allen drei Flußkanälen zu gleicher Zeit mit dem auf dem Kanal vom Rhein nach Hannover eröffnet werden kann.

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Gießener StadttyeateQ

Anna von Hesse«,

tragisches Spiel in fünf Aufzügen von The odor (Buchverlag der N. G. Elwert'schen Verlagsbuchhandlung in Marburg).

um ihrer dynastischen Pläne willen unb die zarten Neigungen ihres Sohnes, sie Sohn zu mißhandeln, wenn er es wagt, geberden. So lernen wir sie denn als Weib von liebloser Härte und Kälte,

Willkür, brutaler Herrschsucht und Selbstsucht und obendreitt von sinnlicher Begier kennen, die sich einem weibischen Männ­chen, einem haltlosen Schwächling hingibt eine Neigung, die in ihrer durch keine edleren Züge gehobenen Außenlust unerfreulich wirkt. Wenn die Fürstin schließlich ihrem Sohne weicht, so thut sie das unfreiwillig, und noch mehr eme falsche Vorspiegelung als ein Ausfluß flüchtiger Laune scheint es, wenn sie schließlich angesichts der eigenen Unterlegenheit auf die Erfolge ihres Sohnes stolz zu sein oorgicbt. Ihr ganzes Vorleben, das von nichts anderem als von einem so unzähmbaren als maßlosen Willen zu selbstischer Macht be­seelt war, läßt an die Echtheit mütterlichen Stolzgefühls nicht glauben. Unb wir können es auch nur als eine momentane Laune ansehen, wenn sie am Ende zum Gffte greift. Ihr Cbarc/kter ist unL von vornherein zerfahren, mistet, ihre Handlungsweise unverbunden erschienen, so sehr wir sie audj nur von den wenigen Gedanken der Machtwollust beseffen leben. Zu wahrer Tragik fehlen die inneren Zusammenhang

Am Sonntag erschien Anna von Heffen, die Mutter^ Philipps de§ Großmütigen, auf unserer Bühne, mit ihrem; Sohne und den Getreuen und Ungetreuen ihres Volkes nnb< ihrer Zeit.Dem Andenken Philipps des Großmütigen zrp dessen 400jähriger Geburtstagsfeier am 13. November 1904* widmete Theodor Birt seintragisches Spiel*. Birt ist: ordentlicher Professor der klassischen Philologie an unserer: Nachbaruniversität Marburg und, nach Kürschners Litteratur-^ kalender, Verfasser nicht nur einer Reihe wissenschaftliche^ Werke, sondern auch von Gedichten und mehreren Dramen^ von denen wohl noch keines bisher zur Aufführung gekommen: ist. Dastragische Spiel*, das wir gestern kennen lernten^, dürfte vom Verfasser selber nicht dazu ausersehen worden fein,, die Grenzen Hessens zu überschreiten. Die Lebensgeschichte der hessischen Landgräfin Anna lieferte wohl dem Verfaffer günstigen Stoff zu einemtragischen Spiele" aus Anlaß eines festlichen Tages, entbehrt aber, wie der Verfaffer selber in seinem Untertitel zum Ausdruck bringt, nebst ihrer Zeit und ihrer Umgebung der echten Tragik, der würdigen Han^ hing, die in uns, um mit dem alten Aristoteles zu reden. Mitleid und Furcht auszuläsen vermöchte. Ja, schließlich ist gar nicht einmal das Lebensende Annas tragisch, also, auch das ganzeSpiel* nicht eigentlich tragisch. Die früh verwitwete willensstarke Fürstin kämpft mit männlicher Kraft, unb weiblicher List gegen ihren Abel um die Aufrechterhaltung der fürstlichen Vorrechte. Es gelingt ihr, dasWeiber-^ regiment* trotz der Auflehnung des Adels durchzusetzen, die, sächsische Vormundschaft ihres Sohnes für null und nichtig zu erklären unb für ihren unmünbigen Sohn das Szepter zu. führen. Sie scheut um dieses Zweckes willen vor keinem» selbst nicht vor unlauteren Mitteln zurück. Sie hält Lüge, sogar einen Meineid für geboten, wenn cs sich um ihre Macht handelt, sie scheut sich in ihrer Hartherzigkeit nicht, ihres Sohnes Geliebte, eine rührend holde Mädchengestalt, hinter dem Rücken Philipps einem kleinen Edelmanne zu vermählen.

ohne Rücksicht auf zögert nicht, ihren sich als Herrn zu in BirtsSpiel* von rücksichtslosen

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Berlin, 29. Jan. Nach einer Meldung des Generals Trotha traf die 7. Komp, des Regiments 2 und die Abteilung Meister am 24. Januar auf dem Marsche von Stainprietfontechi nach Lidsvniein in Schürfpeug ein. Anscheinend ohne Kenntnis von der Kompagnie versuchten dort 200 Witbois nach Westen durchzburechen: von Artillerie- und Jnfanteriefeuer empfangen, gingen sie in panikartiger Jlnckit nach Osten auf Nunub zurück.

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OrdenSfest und Kaisers Geburtstag brachten, wird wohl zur Folge haben, daß auch der nächste preuß. Etat eine Erhöhung oer Position für Orden saus gab en bringt. Die Erkrankung des Prinzen Eitel Friedrich hat die offiziellen Kaiser geburtstags feiern in Berlin erheblich beeinträchtigt. Nach dem letzten Krankheitsbericht brachte der Samstag nachmittag größeren Hustenreiz und etwas stärkere Atemnot. Im Bereich der rechten Lunge ist ein Entzündungsherd im Unterlappen mit Beteiligung des Rippenfells aufgetreten. Bemerkenswert ist, daß sowohl bei der o ffiziellen Kaiserfeier in München der Thronfolger Prinz Ludwig sowie bei dem parlamentarischen Kaiser- essen in Berlin der Reichstagspräsident Graf Balle st rem sowohl des südafrikanischen Aufstandes wie des Berg­arbeiterstreiks mit herzlichen Worten der Teilnahme und des Bedauerns gedachten.

In Frankreich wurde die verflossene Woche mit der Bildung des neuen Kabinetts Rouvier zugebracht, das in seiner jetzigen Zusammensetzung unter Ausschluß 'Dupuys unb Poinearös einige Wesensverwandtschaft mit dem Mini­sterium! Combos ?eigt. Die gemäßigt-republikanischen und einzelne nationalistische Matter erklären jedoch, daßl bet. Combismus nunmehr endgiltig verschwunden sei. Jetzt lebten die Franzosen wirklich in einer Republik und nicht mehr unter der .Herrschaft der Freimaurerei.

In Oesterreich begann die Äera Gautsch mit Zurück- drängnng der tschechischen Obstruktion, sodaß das Parlament vorläufig arbeitsfähig ist und an die Erledigung der Not­standskredite her antreten kann. Tisza erlebte bei den unter mancherlei Blutvergießen verlaufenen ungarischen Parlamentswahlen ein vollständiges Fiasko. Ter Ministerrat beschloß bereits die Demission des Ge­samtkabinetts nach Abschluß der Wahlen am 5. Fe­bruar dem Monarchen anzubieten. Graf Tisza beabsich- tigt, wie verlautet, den Grafen Julins Andrassy als Nach« folger zu empfehlen.

In Spanien hat Ministerpräsident Azoarraga in­folge des Rücktritts des Marineministers, deffen Flotten­programm der Kammer gar nicht erst vorgelegt wurde, abgewirtschaftet und Villaverde Platz gemacht. Der junge König hat die neue Ministerliste genehmigt. An Stelle von Garcia Mix übernimmt Ugarte das Justizministerium. Gareia Mix übernimmt das Finanzministerium. Das Kriegsministerium wird Märtitegni übertragen an Stelle des Generals Marina, der seinen Abschied nimmt

Chinas Neutralität und Integrität widmet der ameri­kanische Staatssekretär Hay ganz besondere Aufmerkksam- keit Er hat die neutralen Mächte veranlaßt, sich zu ver­pflichten, Chinas Integrität zu achten, und Rußlands Be­schwerden über einen angeblichen Neutralitätsbruch Chinas entgegengenommen, um sie einer internationalen Kom­mission zu unterbreiten.

Mit einem Kartätschenschuß gegen das Win­terpalais des Zaren schloß die vorletzte Woche, mit einer Niedermetzelung von Hunderten friedlicher und un­bewaffneter Arbeiter begann die letzte Woche in Rußland. Die Welt erlebte einen ihrer trübsten Tage. Die Arbeiter nahten sich in friedlicher Prozession, unter Vorantritt eines Priesters H'»mnen singend, dem Platz vor dem Palais, um ihre Bitte dem Zaren vorzutrag-en. Die Wehrlosen, die offenbar in bester Absicht gekommen waren, wurden brutal durch Militär niedergeschossen und zu Tode geritten. Die gesamte gebildete Welt sprach in den Zeitungen aller Länder ihren Abscheu vor dem entsetzlichen Attentat auf das ver­trauende, hilfesuchende Volk aus. Auf diesen militärischen Willkürakt folgte' der Ausbruch einer leidenschaftlichen Arbeiterrevolte im ganzen Lande. Doch war sie so wenig organisiert, daß sie durch die energischen Maßnahmen der Truppen in den meisten Städten rasch eingedämmt wurde. Das Volk befindet sich seitdem in permanenter Gährung, und in mehreren den .Hauptstädten fernen Orten ist der Ar beiter ausstcmd noch hn Wachsen begriffen. In der Pro­klamation Gapons an die Truppen, in dem liberalen Mani­fest, in zahlreichen Beschlüssen angesehener Körperschaften, mehrerer Semstwos, Dumas, sowie der Haltung der Advo­katen zeigt sich, daß der Zorn des Volkes gegen die Macht­haber ungeheuer ist. Der Zar berief den Polizeimeister Trepow zum Diktator boit Petersburg, einen der gesürch- telften Gewaltpolittker. Dieser versucht durch Versprech­ungen die grollende Arbeitermenge zur Ruhe zu bringen. Zahlreiche Verhaftungen füllen die Gefängnisse. Auch Dichter Maxim Gorki sitzt hinter Schloß und Riegel, sowie der sehr beliebte Priester Petrow, der auch als Schriftstellers hochgeschätzt und verehrt wird. DasBerl. Tagebl." ver­öffentlicht einen Auftuf, den es an Männer der Wissen­schaft und des öffentlichen- Lebens, der Literatur und Kunst versandt hat. Derselbe tritt für Gorki ein und soll durch die Unterschriften hervorragender Vertreter deutscher Bild­ung unterstützt werden. Zur Unterfthrist haben sich schon bereit erklärt: Ernst von Mldenbmch, Dr Barth, Professor v. Liszt, Bürgermeister Dr. Reicke und andere mehr. Ter Auftuf ist an die Adresse maßgebender Instanzen in Ruß­land gerichtet. Unter den Opfern des 22. Januar befindet sich mich ein Reichsdeutscher namens Stein, der 36 Jahre alt, unverheiratet war und Kinder hinterläßt. Er begab ich Sonntag nach Wassöl>Ostrvw, um Verwandte zu be­suchen. Bei der Polizei-Brücke des Newski-Prospekts traf ihn eine Kugel ins Herz, sodaß er lautlos znsammeubrach. Tnrjch Vermittlung des deutschen Gerreral-Konsuls wurde der Leichmm: den Angehörigen ausgeliefert. Was die Untersuchuzög der Katastrophe am 19. ds. bei der Wasser- weihe betrifft, so verlcurtet, daß die vierte Batterie, die den Kartätsä-enschuß abgab, aufgelöst ist. Die M<imischaften und Offiziere sind nach dem fernen Weskn entsandt, btc Kaserne ist geschlossen und auf Befelfl des Zaren die fernere Unter­suchung eingestellt worden. Die ganze Märe wird als «tu Unglück dargesteM. Stark verdäckchig ist ein Einjähriger, der allerdings leugnet. Der Feuerwerker des verhängnis­vollen Geschützes gestand seinen grenzenlosen Leichtsinn ent, eine alte Kartätsche ht ton Glauben in das Geschütz gesteckt zu haben, damit eine bessere Wirkung ztt erzielen. Er fei der Meinung gewesen, ein ernster Unfall sei auf die Ent­fernung voit der Börse bis zmn fcTifettigen Ufer unmöglich. Damit soll der Fall offiziell beendet jein.

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Politische Wochenschau.

Die innere Politik der vergangenen Woche stand unter dem Zeichen des General st reiksderBergarbeiter. Im Reichstage gab die Interpellation Auer Anlaß zu einer ausgedehnten Debatte, in deren Verlaus Minister Möller die ablehnende Haltung des Vergbauvereins gegenüber den Dermittelungsversuchen der Regierung als einen schweren x polittschen Fehler 'bezeichnete. Der Abg. Freiherr von Heyl zu Herrnsheim! redete fn markanter Weise einer gesunden und kräftigen Staatspolittk gegenüber dem Syn- - dikat das Wort; ldiurch seine, die Sittiation klarenden Dar­legungen, ebenso wie durch die Redenjder Zentrrcmsabgeord­neten unb Konservativen wurde festgestellt, daß eine weit- umfaffenbe Einmütigkeit in beiden Parlamenten hinsichtlich der Auffassung besteht, die das Reich und der Staat gegen­über dem Syndikat gesetzgeberisch zur Geltung zu bringen haben. Am weitesten ging das Zentrum, das den Antrag stellte, eine parlamentarische Untersuchungskommission zur Prüfung der Mißstände im Ruhrrevier einzusetzen, und vor dieses parlamentarische Forum Unternehmer unb Arbeiter norzulaben. Dieser Antrag bedeutet ein parlamentarisches $>bum. Seltsamerweise begrüßte der Bergbauverein in seiner Donnerstagssitzung diesen Vorschlag mit Freuden. Ater die preußische Staatsregierung, in der Msicht, ihre Befugnisse nicht an einen parlamentarischen Körper über­gehen zu lassen, griff nun selbst ein und kündigte eine Erweiterung ber Bestimmungen des Berg­gesetzes an, in denen die wesentlichen Forderungen der Arbeiter bewilligt werden. Inzwischen hat der Ausstand fit) trotzdem immer weiter vermehrt. Das liberale deutschje BLrgertnm sowie die Christlich-Sozialen unter Stöcker treten immer entschiedener zugleich! mit den Katholiken auf feiten der Bergarbeiter. Kardinal Kotpp spendete 3000 Mk.,< Didols Mosse 10 000 ML IN München hat der junaliberale Verein die Errichtung von Scmnmelstellen für die notz- leidenden Arbeiter errichtet. Katholische Großindustrielle in M.-Gladbach begannen mit namhaften Spenden für die ittsikenden Bergarbeiter. So sind denn beim alten Verband betr Bergarbeiter bis jetzt 350 000 Mk. ein gegangen. Der preufj. Landtagsabg. Pastor v. Bodelschwingh erließ einen Auftuf, um im Interesse beider Teile auf die Bei- Jegpmg des Streikes hinzuwirken; er glaubt, daß es ver- ,söhnlich wirken würde, wenn seitens aller Parteien des Wgeorbnetenhauses für die notleidenden Familien im Eo hl en gebiete eine Sammlung ftattfänbe. Auch die meisten Arbeitgeber würden sich im Interesse der Versöhnung der Ia.mmlung anschließen. Trotzalledem bleibt der Bergbau­liche Verein hart. Bergmeister Engel, das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Bergbaulichen Vereins, erklärte neuer* dings, daß ein Ende des Streiks seiner Meinung nach nur vori einerRückkehr der Vernunft bei den Arbeitern" zu ertoarten fei. Ob erber ghauptmann v. Velsen kehrte bereits wieder unverrichteter Sache nach Berlin zurück. Er hat I fiüi die größte Mühe zum Ausgleich gegeben, aber alles ist umsonst gewesen. Es besteht zurzeit keine Aussicht mehr auf eine gütliche Beilegung des großen wirt­schaftlichen Konflikts. Die Siebener ko mmission erklärte i ab ermals, daß sie nur auf Grund schriftlicher Zugeständnisse int stände wäre, sich bei den Massen Gehör zu verschaffen. Von der Regierung ist nun wohl fein weiterer direkter Ver- iuch zur Beilegung des p.egentoärtigcn Streiks zu erwarten, bevor nicht beide Parteien zu Verhandlungen geneigt sind. Veide Teile Vertreten immer noch Lmerschütterlich den Stand­punkt des Machtkampfes. In der Amtswohnung des Reichskanzlers Grafen Bülow fand am Samstag eine Sitz- iircg. des Staatsministeriums statt, an tvelcher auch der jkllliser teilnahm. Wie dieNordd. Allg. Ztg." mitteilt, künden die Einzelheiten der Novelle zum Berggesetz in eingehender Beratung erörtert.

.'Ter Abschluß des Handelsvertrages mit : Oesterreich-Ungarn ist am Mittwoch abend erfolgt, und am © a m § t a(g abend ist in Berlin ein offiziöser Aus­zug aus den neuen Verträgen veröffentlicht worden. Mesev Auszug beschränkt sich auf die Bestimmungen der fremben Länder, der deutsche Vertragstarif ist bar in noch nicht ent­halten ; seine VeröfMtlick)ung soll erst heute, Montag, ge- sthehen. Nach Mitteilungen der neuestenFrks. Ztg." sind die neuen Verträge in vielen Stücken ungünstiger als b i e a lt en , ja das (genormte Blatt meint sogar, daß sie eine Gefahr für Unfere 3'nbustr ie darstellen. Der Ver­mag . mit Oesterreich-Ungarn, der mit Rußland, der mit togien, mit Rumänien, mit der Schweiz sie alle mit­einander verschlechtern die Position unserer Lusfuhrindustrie in sehr vielen Stücken. Die deutsche Industrie muß die Kosten für die landwirtschafts- sreundlichen Verträge tragen. So viel sich bis jetzt über­sehen läßt, sind die Verträge in vielen Einzelheiten schlim­mer, als erwartet wurde. Eine schwere Enttäuschung für bie deutsche Industrie und für ihre zahlreiche Arbeiterschaft l!rheblick)e Verschlechterungen bringt insbesondere der Ver­trag mit Oesterreich-Ungarn und der mit Rumänien. Bei Rußland sind im Verhältnis zu dem gegenmärtigett Taris einige wertvolle Konzessionen erlangt, denen aber wieder Ausfuhr er s ch wer u ngen gegenüberstehen. Auch, der Vertrag miit der Schweiz bietet höchst unangenehme Neberraschungen. T-cmgegenüber sind einige in den iallgemeinen Besttmmu.ngen erhielten Fortschritte zwar, erfreulich, sie wiegen aber die Lcwi fv ers chle chternngen nicht auf. Der deutsch- schweizerische Handelsvertrag wird am 1. Fe­bruar in Berlin und- Bern unterzeichnet werden.

Ein seltsamer Vorgang spielte sich auf dem Fest des B er e ins!d eu t s ch er S t u beu t en in Berlin ab. Der .tt.onprinz unb Prinz Ettel Friedrich waren als Gäste er- |dienen. IU ihrer Gegenwart wurden antisemitische Reden f(e galten, durch die brr An schein erweckt wurde, als sym- pmthisiere der Kronprinz mit den Antisemiten. Aufsehen erregten ferner die Konflikte an den Hochschulen im Hannover und Braunschweig; in Hannover JoHl ein Vertreter des preußt Kultusministeriums den Aus»° jp7ruch getan haben, ,/lkademischie Freiheit kennen wir ^tzcht!"

Der enorrne Ordeusregen, den das Krönungs- und

25 Zweites Matr. 155, Jahrgang Montag 30. Jannar 1905

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