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Den, öiiebenet Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Lietzener FamUien- llätler viermal in der Woche beigclcgt.
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Reöaftion e-^Ää 112 «erlag u.(?-rreö.e=^51 Adresse für Deoeschen:
Anzeiger Gießen.
155, Jahrgang
ErsteS Blatt.
Samstag 28. Oktober 1905
vezngSvretS, monatlich 751U., viertel* jährlich Mk. 8.20, durch Abhole- u. Zweigstellen tnonalhcb 65 'UL; durch diePosl Alk. 2.— vienel* .ährt. audirf)L Bestellg. Annahme von Anzeigen ür d»e lageSnuinmet iS nomutiaqS 10 iihr. ^eile^vtetfi: lokal 12 BL, uS'nänS 20 Big.
eri tivor111cb für Oe., ooln. und aQgeiit Teil: P. W111ko. für „Stabt und Vanb^ und .föencbtelaar. Ernst Hetz, für den An* xcmemeil: Hans Beck.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Kirr- .■ zsswuwi
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yerrtige Mummer rnnfaßt 18 Setten.
Tie Zustände in Nnfzland.
Ter Staatssekretär des deutschen Reichspostamtes macht bekannt:
Ttn'olge Nnterbrechnng des Verkehrs auf den russischen Eisenbahnlinien kann die Post nach Rutz- lau d bis auf weiteres nicht mehr ans den gewöhnlichen Wegen abgesandt werden. Es wird versucht werden, fie, soweit angängig, auf anderen Wegen, insbesondere auf dem Seewege zu befördern. Pakete jeder Art und Wertbriefe nach Rutzlaud und im Durchgang durch Rußland können von den deutschen Postanstalten bis auf weiteres nicht angenommen werden.
Soweit also ist es in Rußland gekommen, daß zurzeit nahezu jeglicher Verkehr in ihm und mit ihm a b g e- schnitten ist. Diese kaum je dagewcsene Verkehrsunter* bindung durch einen Ricsenstreil l)at selbstverständlich auch die Börsen der Welt beeinflußt. Sogar die „Nordd. Tilg. Z t g." bezeichnet diese Zustände als „revolutionär"', ein Wort, das sonst von dem offiziösen Blatt mit Bezug auf das Zarenreich noch nicht angewendet ward. Toch sei gleich hinzugeriigt, daß der Börsenbericht der „Norddeutschen" das ominöse Wort enthält. Im politischen Teil spricht die „Norddeutsche" noch immer kühlen Tones von den „Vorgängen" in Rußland. Es ist wirklich eine Ironie des Zufalls, daß der Negicrungsrat Martin, der Verfasser des BucheS, das so scharfe Kritik an den russischen Finanzen übt und geradezu den Staatsbankerott voranssagt, soeben in aller Form eine schriftliche Rüge vom Staatssekretär des Innern aus 1110(3 dieser Schrift erhalten hat. Schade, daß das Buch nicht jetzt erst zur Veröffentlichung gelangte. Wir bezweifeln rech sehr, ob heute eine hoch* offiziöse Kundgebung von haltlosen Voraussetzungen und phantastischen Schlüssen sprechen würde. Sogar der Spekulation, die mit einem Optimismus sondergleichen immer wieder an die baldige Herstellung geordneter Zustände in Rußland glaubte, sind die Augen aufgegangen. Es wird immer schlimmer, statt besser. Und was das Bedenklichste ist, der großen Gefahr gegenüber wird in der Umgebung dcs Zaren die lächerliche Fehde zwischen den verschiedenen Nichtungen, die Einfluß gewinnen wollen, mit allen kleinlichen Mitteln der Intriguc fortgesetzt! Ein kraftvoller kaiserlicher Ukas mit entschlossener Zusage konstitutioneller Freiheiten würde vielleicht die Flut zum Stillstand bringen. Statt dessen lieft man in einer Petersburger Tepesche von honte: „Ein kaiserlicher Erlaß ergänzt da§ Gesetz über öffentliche Versammlungen" . . . Was fotl die in ihren Tiefen aufgewühlte Bevölkerung mit solchen armseligen „Zuge ständnisj en" anfangcn? Ganze Maßregeln hat nur der Generalgouverneur Trepow in Bereitschaft, z. B. mit der VInlündigung, daß unverzüglich auf die demonstrierende Dollsmenge scharf gefeuert werden würde. Lllles andere ist Halbheit. Daß 6ic russ. Regierung nur durch Gewalt sich zum Herrn der Situation machen kann, ist, wie wir befürchten, ein Wahn, der sich furchtbar rächen dürfte. Wie Hohn erscheinen unter diesen Umständen die letzten Meldungen über die neue russische Anleihe. Tie „Voss, i ■ ' i :uv" eh*' twll'ge
Klärung erfahren hat, kann doch unmöglich neues ausländisches Kapital nach Rußland wandern."
Hören wir, was heute von Meldungen über die allgemeine Gärung im Lande vorliegt:
Petersburg, 27. Okt. Ter Zar ist entschlossen, in Peterhos zu bleiben. Dagegen halt man es für vnhri- scheinlich. d^ß die Kaiserin, welck>e durch die gegenwärtigen Ereignisse fefcr beunruhigt ist, mit dem Thronfolger für einige Wochen am dänischen Hofe Aufenthalt nehmen wird. — Ter Ausschuß der Studenten der hiesigen Universität hot einen Aufruf an alle Studierenden erlaßen, in dem sie au fgesordert werden, ihre Kraft Tag und Nacht der Revolution zu weihen, sich völlig in den Dienst der Revolution zu stellen und die Tore der Universität für alle politisckx'n Versammlungen weit zu öffnen. Gleichzeitig wird in dem Aufrufe zu einer großen Volksversammlung in der Univers'tät für heute abend eingetaben. General Trepow will noch beute die Universität militärisch besetzen lassen. Während des Vormittages waren die Straßen mensclien- leer. während sie cm Nachmittag von großen Menschenmassen angcküllt waren. Ueb^rall ritten starke Kavallerieabteilungen und ebenso marschierten bis zu ?ivei Kompagnien starke Infanterie- abteilnnam durch die Straßen. In Zarskoje Sselo sind die Leibküressiere mit den zugehörigen Maschinengewehrabteiliingen eiitgctroffen. freute wurde hier eine von mehreren Tausend Menschen besuchte Versammlung durch Kosaken auseinandergetrieben, wobei viele Personen verwundet wurden. Tie Zeitungen stellten ihr Erscheinen ein. Die Geschäfte sind mit wenigen Ausnahmen geschlossen. Vielfach sind die Fenster mit Brettern vernagelt. Die Schulen sind geschlossen. Die Preise der Lebensrnittel sind aufs doppelte gestiegen. Nach monatelanger Ferienpause trat der Neichswat heute nacht zu einer Sitzung zusammen. Wenn die Regierung nicht nachgibt, schnnt die Katastrophe unvermeidlich. Die Leiter der Vrivat- banken konferierten wegen der Schließung ihrer Bureaus.
Moskau, 27. Okt. freute stellten das Wasserwerk, die Straßenbahn und die Gasanstalt den Betrieb ein. „Zum Schutze der friedlichen Einwohner" sind in der ganzen Stadt Truppen ausgestellt, welche sich bei der kleinsten Vvlksansammlung und bei dcn geringsten Anzeichen einer verbrecherischen Absicht mit scharfen Patronen schießen dürfen.
Nowotscherkask, 27. Okt. Eine hier abgehaltene Volksversammlung wurde durch die Polizei aufgelöst, wobei viele Personen verwundet wurden.
Reval, 27. Okt. Ausständige haben unter frurrarufen die Waffenläden gestürmt und sich in den Besitz von Revolvern und Gewehren gesetzt.
Riga, 27. Okt. Gestern drangen 6 beiwffnete Männer in bie frib'-ucr Filiale der Moskauer internationalen frandelsbank ein und raubten 35 000 Rubel. 5 Räuber wurden fest- gehüten und bei ihnen 20 000 Rubel gefunden, der sechste entkim mit 15 000 Rubel. Tie Telegraphisten und Ver- Uhräbea mten auf den beiden hiesigen Bahnhöfen sind in
den Streik getreten. Infolgedessen wurden die Bureaus der Riga-Oreler Dahn geschlossen. In den russischi-baltifchcn Waagon- Fabrikcn sanden Demonstrationen statt. Anläßlich einer Haussuchung in Ronneberg wurden van den Revolutionären ein Kvsaken-Ofsizier getötet, der Gehilfe des Kreischess und Baron von Strvk schwer verletzt. Die Täter enthnicn.
Warschau, 27. Okt. frier ist der General-Ausstand -rklärt worden. Morgen wird alles geschlossen. Für die Stadl ist der dritte Grad des Kriegszustandes erklärt worden. Noch n dyt Uhr abends soll sich niemand mehr auf der Straße zeigen, freute überfielen Streikende den Bahnhof der Warschau-Wiener Bahn, den sie in Flammen setzten. Tie Feuerwehr weigerte sich, den Brand zu löschen. Erst das herbü- geholte Militär vermochte sie zur Aufnahme der Löscharbeiten zu zwingen. In der Stadt herrscht große Panik. F-ortwährend finden Zusammenstöße mit dem Militär statt. Die Telegraphen- leitungon sind sämtlich 'zerstört. In der letzten Nacht brach in dcr hiesigen Telegraphenstation Feuer ans. Es gelang des Feuers frerr zu werden, doch war der Depeschenverkehr zehn Stunden lang unterbrochen. Alle Fabriken stehen still. Für die Schließung aller Gcschastslokale ist eine lebhafte Agitation im Gange.
Lodz, 27. Okt. Der Generalausstand aller Arb'iter bat auch hier heute begonnen. Ferner wurde der (Meneralffrri! in Pabianiee proklamiert. Dabei Tarn es zu eiiwm Zusammenstoß. D'-s Militär gab Feuer und tötete oder verwundete viele Personen. 2 Tote und 14 tödlich Verletzte blieben aus dem Platz. — Die Straßenbahn steht hier still. Infolge der Einstellung d's Eisenbahnver'clws ist Lodz von der Außenwelt a b g e s cb n i 11 e n. Seit zwei Tagen ist keine Post oingotrossen. Nahrungsmittel, Petroleum und Kohlen steigen im Preise.
Bromberg, 27. Okt. Nach einer Bekanntmachung der Eisenbbn-Direktion ist der gesamte Personen- und Güterverkehr bis Mexandronw und Wilna eingestellt. Aus der Weichselkkihn ist der Güterverkehr bis Sosnowiee ein- gestellt worden.
Die getrennten Aotbländer.
Stockholm, 27. Okt. Der König hat an den Präsidenten des Storthing folgendes Schreiben gerichtet, worin es heißt:
„Nachdem ich Norwegen als vollständig non jScfavciwm getrennten Staat anerkannt habe, benachrichtige tu- Sie, daß ich beschlossen trabe, auf die Krone Norwegens zu verzichten, die mir tro^ meines guten Willens im Laufe der Jahre i'otiele bittere Sorgen bereitet hat. Ich wünsche aber dem Lande und dem Dol.e nur (ty-ted. In Anbetracht der Wendung, welche die Dezieb'.ingen dr beiden Laub r zu eiuanb c genommen haben, kann ich nicht glauben, daß es für das Glück Schwedens und Norwegens nützlich wäre, wenn ein Prinz meines Hauses eine Mahl zum Könige Norwegens an- uähme. In beiden Ländern würbe es sicherlich nicht ausbleiben, daß Mißtrauen sich erhöbe, das sich ebenso gegen ibn, ro i e gegen m i ch wenden würde. Dieses Misttrauen könnte nur zu leicht ein Hindernis roerben, für die Besserung der gegenseitigen Beziehungen der zukünftig leider getrennten beiden Völker. Ich kann also das Anerbieten des Storthings nicht annehmen."
Der König hat im heutigen Staatsrate beschlossen, von jetzt ab folgenden Titel zu führen: »Wir Oskar, König der Schweden, Goten und Wenden von GotteS Gnaden." — Ferner erklärte der König, daß er nach der nunmehr erfolgten Auftöfung der Union mit Norwegen von heute ab anstatt deS bisherigen Wahlspruches .Dem Wohle der Brudervölker^ folgenden Wahlspruch annehmc: .Dem Wohle Schwedens".
Christiania, 24. Okt. DaS Storthing trat heute zu einer Sitzung zusammen. Der Präüdent verlas mit be* wegter Stimme die Antwort des Königs.Oskar, die von der Versammlung stehend angehört wurde. Sodann ersuchte der Minister deS Aeußern, Loevland, die Beratung des Gesetzentwurfes der Negierung über die zukünftige Staatsform und den Vorschlag der 10 Storthingsmit- glieder über die Volksabstimmung auf morgen zu vertagen.
Deutsch-Afrikanisches.
In S ü d w e ft a s r i k a wurde ein Angriff der Witboi-frotten- totten abgeschlagen durch Major Lengerke. Tie Verfolgung wird fortgesetzt.
Das „framb. Fverndenbl." veröffentlicht den Wortlaut der Eingabe, die die Kameruner fräuptlinge wegen der Verwaltungs-Methode des Gouverneurs Puttkamer an den Reichskanzler und den Reick-stag gerichtet frben. Das umfangreiche Schriftstück, das> «am 19. Juni aus Bonaku auf Duala-Land abgesandt wurde, zählt 24 Fälle auf, die den Eingeborenen Anlaß zu Klagen gaben.
Zu den Unruhen in Deutsch-Ostafrika wird in einer Zusckrrift an die „Frkf. Ztg." erklärt, daß die Missionare am Kilimandscharo bereits vor vielen Monaten eine vertrauliche Eingabe an das auswärtige Amt gerichtet haben, worin sie auf die Gefalw eines blutigen Aufstandes infolge verschiedener Maßnahmen bingennefen haben. Dieser Bericht sei aber nicht beachtet worden.
-2ltts!and.
Paris, 27. Okt. Tic Trin ksprü che des deutschen Kaisers erregten hier unliebsames Aufsehen. Tie gesamte Presse gibt sie wieder und die meisten Blätter knüpfen b'Taii Kommentare, ans denen hervorgeht, daß die Trinksprüche als Beweis für die immer behauptete kriegerische Neigung in Deutschland zu gelten hätten. (Welcher Unsinn! D. RetO
Lissabon, 27. Okt. Loubet ist heute hier einge- lroffen und am Bahnhofe von dem König, dem Kronprinzen re. empfangen worden. — Im Schloß von Belem wurde Loubet von der Königin empfangen. Nach dem Frühstück stattete Loubet dem Herzog von Oporto einen Besuch ab und begab sich dann in die geographische Gesellschaft.
New-Orleans, 27. Okt. Der .Dampfer .Magnolia", auf dem sich Roosevelt befand, stieß in der letzten Nacht nut einem Obstdampfer zusammen. Die .Niagnolia"
lief schwer beschädigt auf den Strand. Der Präsident blieb unverletzt und setzte die Fahrt den Mississippi abwärts auf einem anderen Dampfer fort.
«Lallt-rvirlschtrstticher Verein für den K«eis KicßtN.
][ Gießen, 27. Oktober.
Ter lanbro. Verein für den Kreis Gießen h-ielt gestern nachmittag im Easö Ebel eine gut besuchte Hauptversammlung ab. Provinzialdircktor Gehcimerat Tr. B r e i d e r t stellte den Leiter der neu errichteten landwirtschaftlichen Winterschnie zu Li/', Herrn L^ndwirtschafts* lehrer Oekonomicrat Weitzel, vor und bat, daS neue Institut zu t-nterstützen. Tie Anstalt wird bereits am 7. Nov. eröffnet. Nach den bis jetzt eingelaufenen Meldungen scheint der Besuch gut zu werden, lieber den Stand der neu- begründeten fr a u s h a l t i> n a s s ch u l e referierte Negierungsrat Tr. Wagner. Tie Schule ist nach dem Vorbild des Kreises Wetzlar eingerichtet und soll eine fogenonnte Wanderschule sein, die nacheinander in den Orten des Kreises jährlich etwa drei Kurse abh'ilt. In d"m Kursus, der sieben Wochen bauert, werben Mädchen und Frauen in allen häuslichen Arbeiten, wie Koch-'n, Nähen. Bügeln usw. unterrichtet. Es ist gelungen, m der Person des t^räulcinä Mutschler ans Ladenburg eine erfahrene Lehrerin zu erhalten, die bereits in nieimet Weise im .Kreise Simmern tätig gewesen ist. Zu dem ersten Kursus hat sich Großen- Linden gemeldet, 2.1 Frauen und Mädchen nehmen daran teil. Ein zweiter Kursus ist berei.s gesichert. — Prof. Tr. Gisevius hielt einen Vortrag über „Gemüsebau in Oberhessen" und erntete für jeute hochinteressanten und lehrreichen Ausführungen reichen Beifall. Ter Redner fiifyrte etwa folgendes aus: Ter Gemüsebau habe eine besondere Bedeutung im landw. Betrieb als Feldgärtnerci. Ter Gießener Gemüsemarkt werde größtenteils von auswärts, besonders von Sachsenhausen, beschickt. Tie Hauptabnehmer des Gemüsebaues s i?n die Iwuiävieor-e:m .'il.ein'and und Westfalen. Tie Meinung, daß der Gemüsebau in erster Linie von Klima und Boden abhängig sei, sei nicht zutreffend, man müsse nur verstehen, rechtzeitig zu pflanzen. Daß das Klima nicht ausschlaggebend ist, sehe man an Erfurt und Quedlinburg, die bcheutend weiter nördlich liegen als Gießen. Tie Rentablfttät des Gemüsebaues stehe außer Zweifel. Wo 0'^emüsebau getrieben werde, da seien auch die Feldpreise sehr gestieom und das Einkommen der Landwirte habe sich sehr erhöht. Gerade die llmgegcni von Gießen mit den hohen Bodenprcisen sei genötigt, ihr Gelände intensiv zu bewirtlchaften und zum Gemüsebau sei Gießen ein großes Absatzgebiet. Auch mit Rücksicht darauf, daß kleine Parzellen für Llckerbau schwer zu bearbeiten sind, empfehle sich die Feldgärtnerei. Im Felde sei der Gemüsebau vor Schädlingen, wie Schmetterlingen und Raupen, viel sicherer aV im Garten. Ter Redner stellte bezüglich Organisation und Einrichtung des Gemüsebaues folgende Forderungen auf: 1. Es muh für einen guten Mittelböden, Lehm und Sand, der sich ja in unserer Gegend vorsindet, gesorgt werden. 2. Starke und kräf.ige Tüngung muß stattfinden, zu empfehlen sind Ovuckje, schwefelsaurer Ammoniak, Ehilesalpeter und andere stickstofsreiche Dünger, sowie Kompost- und Gründüngung. 5. Tie Bearbeitung des Bodens, sowie Ausrottung des Unkrauts muß gründlich geschehen. 4. Mit Rücksicht auf den Absatz ist die Lieferung von Frühgemüse erforderlich und dies erfordert ein Antrciben und Ankeimen der Saat. Kartoffeln können im Zimmer ober Stalle zum Antreiben gebracht werden, Bohnen und Salat verlangen die Anpflanzung tn Frühbeeten. Eine Früdgrube könne man mit geringen Mitteln anlcaen. 5. Tie Pflanzen müssen umgepflanzt und pickicrt weroen, dadurch werven Wurzelbildung und Wachstz.im gefördert. 6. Tie Behandlung muß so sein, daß es die Hausfrau gern kauft, das Gemüse muß zart und weich sein und dies erreicht man durch Bleichen. 7. Um Wintcrgemiise liefern zu können, muß das Gemüse mit Wurzeln im K.ller oder in Gruben aufbewahrt werden. 8. Um den Gemüsebau recht rentabel zu machen, muß Vor-, fraupt- und Nachsrucht gezogen werden. Redner wendet sich bann zur Auswadl bet richtigen Sorten, bie je nach Bodenbeschaffenheit ausgewählt werden müssen. Tas Feld muß in drei Teile geteilt werden in Anbetracht der Pflanzen, die starke, mittlere und nur geringe Düngung verlangen. Nach Aberntung der Beete müsse sofort Nachfrucht gepflanzt werden. Unffangreiche Versuche über Gemüsebau seien dem landwirtsckjastlichen Institut in Anbetracht der Mittel nicht möglich. — Geheimerat Dr. Breid er t sprach Tank ans und forderte die Landwirte zur Verwirklichung des Gehörten auf. — Bürgermeister Leun- Großen-Liuden wünscht die Anstellung einer zweiten Lehrerin zur Haushaltungsschule, worauf 'Regierungsrat Tr. Wagner erwidert, daß man dies erst dann für an gezeigt erachte, wenn das neue Institut sich einmal richtig entfaltet habe.
eAliä gtaüt lillO fll»ö.
Gießen, 28. Oktober 1905.
" Ordensverleihungen. S K. L). der Großberzog haben dem Güterbodenarbetter in der Hefsisch-Preußiichen Eisenbahngemeinschaft, Heinrich Georg Neidlinger zu Wormß, aus Anlaß seines Ilcbertcitts in den Ruhestand daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift,Für treue Arbeit^ verliehen.
•• Lehrerpersonalien. Bestätigt wurde der von dem Fürsten unt) ©raren zu Erbach-Lchönlrerg auf die Lehrer- 'teile an der Gemeindeichnle zu Lautern, im Kreise Bensheim, präsentierte Cchulamtsaspirant Friedrich Wilhelm


