Ausgabe 
28.7.1905 Erstes Blatt
 
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Kirche und Schule.

Soeben erschien als ein Band der vom Jenenser T^olo- tzle-Professor Weincl herausgegebenen tiefgründigen --Lebens­fragen" eine Schrift vom Gießener ordentl. Professor D. Gust. Krüger:Das Dogma von der Dreieinigkeit und Gvttmensckheit in seiner geschichtlichen Entwicklung dar­gestellt". (VIII. 313 S.) 3 501t. - Das Buch ermöglicht em volles geschichtliches Verständnis der sfrage nach der Gottes- sohnschaft Christi und der Dreinigkeit, die jeüt wieder seit dem von uns mehrfach erwähnten Fall Fischer und der Entsmerdnng des preußischen Oberkirckcnrates überall ein lebhaftes Interesse wachgerusen haben: es bietet zum ersten Mal dem Nichttheologen in leicht verständlicher Sprache die Resultate der dogmengeschicht­lichen Forschung der letzten Jahrzehnte dar, wie sie besonders m Harnacks Schule zur vollsten Reife gekommen ist. Den Ausgangs­punkt bildet das sog. apostolische Bekenntnis, dessen Entstehung und Bedeutung im ganzen wie in den einzelnen Teilen (übernatür­liche Geburt usw.l aus den Vorstellungen und Kämpfen seiner Zeit geschildert wird. Von da wird die Entwicklung bis zum Be­kenntnis von Nicäa (325 > und dann der Kämpf um die Zwci-Na- turenlehre in seinen religiösen, logischen und politischen Motiven deutlich gemacht. So bietet das Buch einen vollständigen u eb er­blick überdie innere Entwicklung der alten Kirche und den Geist des Christentums (auch der Gnosis) auf dem Boden der Antike einschließlich ihres letzten und größten Führers: Augustin. Ein Scklußkapitel zieht aus dem allem die Ergebnisse für unser modernes Christentum auf Grund einer innerlichen, religiösen Kritik des Dogmas vom Evangelium Jesu aus.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 27. Juli.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten -Georgi und Heyligenstaedt und die Stadtverordneten Dr. Ebel, Eichenauer, Euler, Gabriel, Dr. Gutfleisch, Haubach, Helm, Heichelheim, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Leib, Löber, Petri, Schaffstaedt, Schwall, Wallenfels und Wimmenauer.

Eine Mitteilung des Oberbürgermeisters veranlaßte die Bewilligung von Saprol zur Fortsetzung der Schnaken­bekämpfung. Hierbei konstatierte Stadtv. Schaffstaedt, daß wir in diesem Jahre bedeutend weniger Schnaken hätten; im vorigen Jahre sei schon im Ansang Juli die Schnakenplage groß gewesen. (Diese Beobachtung haben auch wir gemacht. Hoffentlich wird der Schnakenkrieg in Gießen unermüdlich fortgesetzt. Der Lohn wird nicht ausbleiben und die lästige Plage wird vielleicht ganz beseitigt werden können. D. Red.)

Die Anlage eines Balkons am Hause Credner- straße 10 wurde genehmigt.

Der Besitzer der früheren Krachenburg hat ein Baugesuch eingereicht. Er verbindet damit wieder seinen alten Versuch, den städtischen Graben für sich zu beanspruchen. Die Baudeputation empfiehlt aber, sich darauf nicht einzu­lassen, und die Versammlung ist ganz derselben Meinung und überläßt es dem Gesuchsteller, die Stadt zu verklagen. Was sein neuestes Baugesuch anlangt, so werden in seinem Plane große Giebel vorgesehen, die über die zulässige Höhe hinaus­gehen. Die Straße ist an der Stelle nur 10 Meter breit, und die Versammlung schlägt das Gesuch ab. Beig. Georgi meinte, es sei auch nicht angängig, daß der Gesuchsteller keinen Grundriß eingereicht habe; man müsie doch genau sehen können, welches Gelände er eigentlich bebauen wolle. Stadtv. Löber war für die Genehmigung der Erker, Oberbgm. Mecum aber wies darauf hin, daß an dem engen Triller­gäßchen unter keinen Umständen ein derartiger Erker zulässig sei; Weber habe an die Stadt das Ansinnen gestellt, das Gäßchen zu verbreitern. Diese denke aber nicht daran, dies im Jnteresie des vorliegenden Baugesuches zu tun. Weber will auch noch neben dem Hause von Bourgeois bauen; der Neubau würde schmal werden und der zugehörige Hof ziem­lich tief. Dort solle ein Hintergebäude errichtet werden. Auch dieses Gesuch wird abgelehnt.

Ein Baugesuch des W. Kilbinger und in Ver­bindung damit des H. Winn wird genehmigt. Beide wollen auf dem früher Busch'schen Gebiet bauen, links Winn und rechts Kilbinger, und eine gemeinsame Einfahrt, die oben überbaut werden soll, anlegen. Auf der Kilbinger'schen Front soll ein großes Schaufenster eingerichtet, und hüben wie drüben soll ein Erker angebracht werden. Die Versammlung ist damit einverstanden, wenn die Einfahrt 4 Meter breit und überbaut wird. Der Erker wird gleichfalls genehmigt, allein er darf eine Auslage von höchstens 60 Ctm. haben. Die Straßenbreite beträgt dort 10.60 Meter. DaS Gesuch der Anlage einer Privatstraße zwischen Seltersweg und Süd­anlage wurde zurückgezogen.

Außerhalb der Tagesordnung wird auch ein Bau- gesuch des Schreinermeisters Müller für die Steinstraße genehmigt.

Zum Straßenbau der Veterinär an st alt ent­lang wird der Zuschlag der Kanalarbeiten an die Firma Jäger & Rumpf erteilt, nachdem festgestellt worden war, daß das billigere Angebot von H. Winn zu spät ein­gereicht worden war. Jäger & Rumpf verlangen 4349 Mk., Winn nur 3549 Mk.

Die schon in der vorigen Sitzung beschlossene Be­festigung der Bürgersteige in der Bismarck­straße wurde wegen der vorzunehmenden Hausanschlüsse bis nächstes Jahr hinausgeschoben. Bei dieser Gelegenheit mach Stadv. Dr. Ebel auf das unschöne Hintergebäude des Weiß­bindermeisters Wagner aufmerksam und meint, man könne diesen vielleicht veranlassen, die unschöne Wand mit Epheu oder etwas ähnlichem zu bekleiden. Oberbgm. Mecum be­merkt, daß er in dieser Richtung sehen wolle, was sich machen ließe.

Die frühere Krofdorfer Kreis st raße wird auf Antrag des Kreisamts als Feldweg in städtische Unter­haltung genommen, aber daran, auf des Stadtv. Jann Anregung, die Bedingung geknüpft, daß die Straße zurzeit ordnungsmäßig hergestellt sei.

An der Li cherstraße soll ein Bauplatz, der seither an Bildhauer Schinall verpachtet war, zuin Preise von 10 Mk. pro Quadratmeter versteigert werden. Es sind im ganzen 585 Quadratmeter.

Joh. Gg. Pfaff hat an der Ecke Goethestraße einen Bauplatz erworben, der aber durch den Klingelbach durch­schnitten wird. Er hat darum nachgcsucht, die Stadt möge ihm dieses Gelände aus dem Klingelbach, 40 Quadratmeter, verkaufen. Die Versammlung stimmt zu, und der Preis wird auf 1000 Mk. festgesetzt.

DaS Gelände für die Irrenanstalt ist bekanntlich vor längerer Zeit abgegrenzt worden, und zwar war die Be- timmung dabei getroffen worden, daß die Gebäude mindestens 20 Meter von der Straße durch einen Waldstreifen getrennt ein sollen. Es ist indessen eine andere Anordnung in der Stellung der Gebäude nötig geworden, wozu das Hoch- >auamt einen neuen Plan vorgelegt hat. Von der oben er­wähnten Bestimmung soll nun abgesehen werden, und zwar ür Häuser, die keine Geisteskranken beherbergen.

An der Kirchstraße soll ein Stück Gelände des rüheren Stadtbachs, 6063 Quadratmeter, für eine ährliche Pacht von 10 Mk. verpachtet werden.

Punkt 13 der Tagesordnung, Provision für Ver­mietung der Hirschapotheke, wurde in die nicht­öffentliche Sitzung verlegt.

Die Beschaffung von Räumen für die Bür­germeisterei ist seit langer Zeit nötig und geplant. Nach )em Vorschlag des Oberbürgermeisters soll die Lösung der Baufrage noch hinausgeschoben, einstweilen aber für das Tiefbauamt Platz im Neatzschen Grundstück, und für das Standesamt im alten Nathans Platz geschaffen werden; dort sollen auch die Trauungen stattfinden. Als Stellvertreter des Standesbeamten wird Stadtv. Leib gewählt. Das Großh. Polizeiamt hat im Hinblick auf diesen Punkt der Tages­ordnung in einem Schreiben gleichfalls seine alten und be­rechtigten Wünsche wegen neuer Räumlichkeiten vorgebracht. Man will diese Wünsche im Auge behalten und ihnen viel­leicht im Laufe des Winters näher treten.

Stadtv. Schm all ist der Ansicht, daß man endlich ein­mal die Gesamtlösung dieser seit langer Zeit brennenden Frage in Angriff nehmen solle. Oberbgm. Mecum stellt darauf in Aussicht, daß er in Kürze auf seine alten Vor­schläge zurückkommen wolle. Einstweilen werden die nach­gesuchten 1500 Mk. Kredit bewilligt.

Punkt 15 der Tagesordnung, Genehmigung von Rechnungen, fällt aus.

Für die Stadtknabenschule werden zur Aus- wechslung von Treppenstufen 105 Mk. bewilligt.

Ebenso sollen für den Neubau der höheren Mäd­chenschule Proben für die Granit stufen beider Trep­pen eingefordert werden. Die Anfertigung der Dachkon­struktion der Turnhalle der Mädchenschule (Eisenkonstruk­tion) wird einer Mannheimer Firma übertragen. Die Mo­delle für Vildhauerarbeiten am Eingang des Schulgebäudes, die dem Bildhauer Herm. Je ß aus Frankfurt zur Anfertigung in Auftrag hegeben werden, erfordern 900 Mk. Auf Vor­schlag des Beig. Georgi, der für Sparsamkeit eintritt unb zuerst die Kosten wissen will, wird diese Sache ver­tagt. Stadtv. Schmält hatte sich auch für den Antrag der Vertagung ausgesprochen. Auf eine Bemerkung des Stadtv. Huhn äußerte Oberbgm. Mecum,'er hoffe, die Arbeiten 'einem Gießener Bildhauer übertragen zu können.

Zur Beschaffung einer F e l d s ch nr i e d e für die Kläranlagen wird ein Kredit von 70 Mk. bewilligt, zur Beschaffung eines Schlauchauszugs für den Wagenschuppen ein solcher von 200 Mk.

Für die Beschaffung von 8 Paar Stiefel­hölzern für städt. Arbeiter, die bei nassem Wetter ihre Stiefel vor dem Einschrumpfen bewahren sollen, wird ein Kredit von 70 Mk. bewilligt.

Zum Betrieb d er St einllrüche muffen die nötigen Werkzeuge usw. angeschafft werden. Auf Vorschlag; der Baudeputation werden Oberbgm. Mecum, Beig. Hey­ligenstaedt und Stadtv. Schiele ermächtigt, dies zu besorgen.

Für eine Kab elverkegung im Wieseckerweg werden 1720 Mk. vorgesehen. Schlossermeister Kraft will nämlich in seinem Hause elektrische Kraft haben; er ga­rantiert für die Abnahme einer bestimmten Menge Stroms auf mehrere Jahre.

Stadtv. Schm all verliest als Vorsitzender zur Prüf­ung der Rechnung für 190 3/04 ein Protokoll, worin nichts wesentliches beanstandet wird.

Das Theater.

Der letzte Punkt der Tagesordnung war der wichtigste. Der Plan des Theaterbaues wurde nämlich von den Stadtverordneten bestimmt und gleichzeitig wurde auch ein Beschluß darüber gefaßt, welche Lage der Bau und seine Fassade erhalten soll. Alle Vorarbeiten, mit Ausnahme des Fundamentierungsplanes, der gleichfalls jetzt eingefordert werden soll, sind nun beendet. Bald werden an Schülers Garten die sichtbaren Arbeiten beginnen.

Oberbgm. Mecum zeigte zunächst mit den nötigen Er­läuterungen den ausgearbeiteten, immer wieder umgemodelten Grund riß plan, der nun den gewünschten Anforderungen zu genügen scheint und ohne Debatte angenommen wurde. Er enthält das alles früher im einzelnen festgesetzte Zubehör, dieselbe Größe des Zuschauerraumes und der Bühne.

Dann kam man zur Besprechung der Außenarchi- tektur. Die Kommission hat den Stadtverordneten nur zwei Pläne vorgelegt: einen Renaissancebau und einen in ziemlich modernen Formen. Es handelte sich in erster Linie um die Fassade. Die Renaissancefassade würde nach der Aussage des Architekten Meyer 4050 000 Mark mehr erfordern, als das andere Projekt, einschließlich der Mehrverwendung der Sandsteine auch an der Seiten­ansicht. Von der Kommission zur Vorberatung waren bei der Abstimmung 11 Herren zugegen; davon stimmten 7 Mitglieder für oen Bau in modernen Formen, 4 für den Renaissanceplan. Diese 4 Herren würden im Falle des Wegfalls des Renaissanceprojekts gleichfalls für die eine Variante des modernen Baues stimmen. Es waren nämlich in diesem Stil mehrere Pläne entworfen worden, von denen aber nach der Ansicht der Kommission nur einer in Betracht kommen und vorgelegt werden konnte.

Stadtv. Haubach tritt für das moderne Projekt ein, indem er es für schöner erklärt und außerdem den Preis­unterschied anführt. Für die Fundamentierung werde man ohnehin viel Geld aufwenden müssen; die Mehrausgabe von 4050 000 Mk., die der Renaissancebau erfordern würde, müsse dafür entscheidend sein, daß man sich für das andere Projekt entschließe. Die Fundamentierung deS Neubaues der höheren Mädchenschule habe, nur bis zur Kellersohle, ca. 50 000 Mk. erfordert.

Beig. Heyligenstaedt ist anderer Meinung. Der Bau sei doch für lange Zeit bestimmt, und da müsse man doch wählen, waS am vorteilhaftesten aussehe. Ec halte das Renaissancegebäude für schöner. Der Preisunterschied

dürfe nicht so sehr inS Gewicht fallen; er werde wohl auch gar nicht so groß sein, als angegeben wurde.

Stadtv. Schaffstaedt ist für den modernen Plan und meint, die Renaissancefaffade sei unvollkommen und nicht reich genug ausgestaltet.

Die Majorität entschloß sich schließlich für das moderne Projekt.

Danach war noch über die Lage des Baues Beschluß zu fasten. Oberbgm. M e c u m zeigte drei Lagepläne, die nach der Meinung der Kommission in Betracht kämen: einen Plan, der die Front nach dem Neuenweg richtet (er fand in der Kommission wenig Anklang), einen mit der Front nach der Südanlage, und einen mit der Front nach der Johanneskirche. Auch die Diskussion in der Stadt­verordnetenversammlung drehte sich nur darum, welcher von den beiden letzten Plänen zu wählen sei.

Beig. Heyligenstaedt tritt warm für dieFastade nach der Südanlage ein und begründet dies ausführlich. Aus praktischen, wirtschaftlichen, wie aus künstlerischen Gesichts­punkten müsse man zu dieser Auffassung kommen. Unser» Südanlage werde durch diese Bauart nicht so viel leiden wie sonst, denn bei der anderen Stellung würde die Auffahrt zum Portal, von der Südanlage her und von der Jvhannes- straße her, die Anlage in zwei Teile zerschneiden, und die Entleerung des Theaters würde nicht so bequem vor sich gehen können, als bei der von ihm empfohlenen Bauart. Dazu komme, daß die Zufahrt zu den Kulissen- und Möbel- räumen, die in der Rückfassade liegen, von der Johannes- straße auf das beqeumste bewerkstelligt werden könnten. Was die vorteilhafteste Schauwirkung anlange, so sei er der An­sicht, daß die Fassade nach der Südanlage am besten zur Geltung komme. Ob mein vom Selterstor her oder der Ostanlage komme, immer werde man schräg auf die Fastade blicken, und auch unmittelbar davor sei Platz genug, das Gebäude zu betrachten. Wenn man den anderen Lageplan wähle, würde man zweifellos mehr Bäume und Sträucher entfernen müssen als so.

Stadtv. Georgi ist der gleichen Meinung, ebenso spricht sich Oberbgm. Mecum in gleicher Weise aus. Dieser be­tont, daß die Fassade 45 Meter vom Bürgermeisterei­gebäude entfernt sein würde, daß man also die Wirkung vollständig vor sich haben werde. Die Höhe der Fassade beträgt 18% Meter. Stadtverordneter Kirch ist für die Stellung nach der Johanniskirche; von dort her werde die Fassade am besten wirken. Dieser Meinung seien auch alle Künstler und Architekten gewesen, die bisher hier darüber gefragt worden seien. Auch Stadtv. Schaffstaedt spricht sich dahin aus, daß die Front nach der Kirche am vorteil­haftesten sich mache. Stadtv. Hanbach kommt gleichfalls zu dieser Auffassung. Stadtv. Gabriel ist ein überzeugter Anhänger des Projekts mit der Fassade nach der Südanlage. Auch Stadtv. Petri bemerkt, daß er sich nur der vorzüg­lichen Begründung des Kollegen Heyligenstaedt ansckließen könne. Dr. Ebel dagegen meinte, die Längsachse des Baues müsse aus künstlerischem Grundsatz nach der Längsachse der Anlage sich richten, im anderen Falle würde der Bau zwischen die zwei Straßen gequetscht.

Die Abstimmung ergibt, daß acht Stadtverordnete für die Front nach der Kirche sind und 15 für die Front nach der Südanlage.

Damit war die Beratung über da? Stadtheater-Projekt zu Ende. Oberbgm. Mecum führte noch aus, daß er Herrn Helmer gebeten habe, in Kürze den Fundamentirungs- p lan einzureichen. Dann werde den Stadtverordneten wieder Vorlage gemacht werden. Die Fundamentirung soll durch Pfeiler und Bögen vorgenommen werden. Das Material wird sich aus der Ausschreibung ergeben.

Spielplätze im Philosophenwald.

Außerhalb der Tagesordnung wurde noch ein Gesuch der Frau Leib im Philosophenwald erledigt, die ein weiteres Stück städtischen Geländes im Philosophenwald zur Anlage von Spielplätzen gegen ein Gelände im Eichgartenweg eintauschen, resp. durch Kauf erwerben wollte. Die Ver­sammlung war aber der Meinung, daß die Stadt ihren Besitz im Philosophenwald nicht aus der Hand geben solle. Das seitherige Pachtverhältnis mit Frau Leib soll auch etwas anders gestaltet werden. Sie hat seither für die Benutzung von Gelände im Philosophenwald keine Pacht bezahlt; es wird nun mit ihr ein Vertrag auf sechs Jahre geschloffen, wonach sie jährlich 400 Mk. bezahlen muß. Der Vertrag soll dann als erloschen gelten, wenn Frau Leib ihren Besitz veräußert oder verpachtet, weil die Stadt dann dem neuen Besitzer gegenüber gewisse Handhaben sich vorbehalten will.

Zum Schluß der öffentlichen Sitzung kam der Neubau der Frau Rothenberger noch einmal zur Sprache. Oberbgm. Mecum bedauert, daß eine jetzt eingegangene Einwendung des Herrn CarlH wegen des Lumpenlagers zu spät komme. Er hätte früher seine Klagen wegen der üblen Gerüche rc. vorbringen müssen. Eine längere Debatte schließt mit der Erklärung des Stadtv. Dr. Gutfleisch, daß die Sache ja nun erledigt sei, daß es zur Aufhebung des Beschlusses in der vor. Sitzung der Ein­willigung aller Stadtverordneten bedürfe und daß er seine Zustimmung nicht gebe. Daher könne heute über diese Sache kein Beschluß gefaßt werden.

Damit war die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erschöpft.

Kursbericht.

Frankfurt a. M., 27. Juli Offizielle Schlusskurse.

3*/i% Reichsanleihe . . 101.25 3% do. ... 90.20 37,% Konsole .... 101.35 3% do......90.30

872% Hessen .... 100.55 3h, % Oberhesson . . . 99.55 4% Ocstorr. Goldrente. . 101.60 4Vß% Oesterr. Silberrento . 101.25 4% Ungar. Goldrento . . 97.60 4% Italien. Rente , . .. 4% Portugieser I . . . 67.40 3°/ Portugiesen. III . . 66.95 1% Unif. Türken . . . 88.90 Türkenlose......134.80

4% Griech. Monopol.-Anl. 54.20 47i% hussere Argentiner .

Tendenz:

3% Mexikaner .... 69.10 4*/e% Chinesen .... 96.85 Electric. Schuckort . . . 135 50

Nordd. Lloyd . . . , 125.70

Kreditaktien . . . , . 207 90

Diskonto-Konnnnndit. . . 190.40

Darmstädter Bank . . . 145.00

Dresdener Bank .... 159 30 Berliner Handelsges . . 171 25 Oesterr. Staatsbahn . . . 144 80 Lombarden.....18.25

Gotthardbahn .....

Laurahütte..... 263.20

Bochum ..... 255.80

II arpener...... 223 20

Staatschatzscheine . . . 100.65

fest. Schluss ruhig.