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29.8.1905 Zweites Blatt
 
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Nardanlage 13. f ^Laüsmädch^ch, olinhoistrage 391.

iRv. 202 Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Dienstag 29 August 1905

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener Zamilienblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hejpschr Landwirt' erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühlfch« Universtlätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.?.

Tel. Str. 6L Telegr^-Adr.: Anzeiger Gieße».

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Land und stattete mit dem

nach Potsdam. Ern Besuch SwinemündeS oder der englischen Flotte ist also in diesem Programm nicht vorgesehen.

etwas längeren Namen erhalten. Es werden auch »nervöse Krankheiten* dort behandelt, darum heißt die Klinik, wie heute amtlich bekannt gemacht wird, fortan »Klinik für psychische und nervöse Krankheiten".

* Besitzwechsel. H. W. Rinn verkaufte das erst kürzlich erworbene Anwesen Ostanlage 15 an Schreiner- meister Bender in Gießen für 50 OOO Mk.

" Ueberreichung der Meisterbriefe. Am Sonntag», dem 10. September d. I., vormittags */,ll Uhr, wird im oberen Saale des Eafö Ebel die feierliche Ueberreichung der Meisterbriefe an diejenigen PrüfungSkandidaten stattfind«, die in diesem Jahre die gesetzliche Prüfung bestanden haben.

** Alles wird teurer, nun auch noch das Schuh­werk. Dies kündigen Zirkulare des Verbandes thüringischer und sächsischer Lederfabrikanten Mitteldeutschlands an. ES heißt darin u. a.: Die Preise für Schlachtvieh haben einen enorm hohen Stand erreicht, und e§ ist ganz zweifellos, daß die Häutepreise infolge des zu erwartenden schwachen Ange­bots ebenfalls stark anziehen werden. Um nicht weiter ver­lustbringend zu arbeiten, muß daher die Lederbranche die Preise um drei resp. fünf Mark pro Zentner sofort erhöhen.

Säuglingssterblichkeit. In den Städten Mainz, Darmstadt, Offenbach und Worms starben in den sechs Wochen vom 2. Juli bis 12. August d. I. 347 Kinder im 1. Lebensjahre, d. h. 58 durchschnittlich in der Woche, gegen nur 21 während der ersten Hälfte des Jahres 1905. Die heiße Sommerzeit fordert also in den größeren Städten deS Großherzogtums zwei- bis dreimal soviel Opfer an ver­storbenen Säuglingen als die übrigen Jahreszeiten. Von den genannten 347 verstorbenen Säuglingen erlagen 238 = 68 Proz. dem Magen- und Darmkatarrh einschließlich Brechdurchfall.

Bahnprojekt SchottenUlrichstein. In einer in Schotten am 25. August d. I. stattgehabten Besprechung der Bürgermeister der an und in der Nähe der projektierten Bahnlinie gelegenen Orte wurde der Beschluß gefaßt, die Linie vermessen zu lassen. Die Gemeinden haben die erfordere lichen Kosten bewilligt. (Sch. KrSbi.)

** Ein aus dem Gemeinderat gewiesener Bürgermeister. Die Bewohner Sonnenbergs, der hübschen burggekrönten Gemeinde bei Wiesbaden, sind ihren Bürgermeistern selten gewogen. Auch der neue, der aber schon einige Jahre im Amt ist, hat nicht mehr ©Kkt wie die meisten seiner Vorgänger. Gr trat kürzlich einen Er­holungsurlaub an, und flugs berief man eine Gemeinds- vertreter-Sitzung hinter verschlossenen Türen ein. Das paßte aber dem Bürgermeister nicht, und er begab sich in die Sitzung. Dort wurde ihm aber in entschiedener Wesse gesagt, daß er beurlaubt sei und in der Sitzung nichts zu tun Habs womit er sich notgedrungen bescheiden mußte.

** Milchkrieg in Frankfurt. Im Saale der Har­monie in Sachsenhausen fand am Sonntag nachmittag eine Versammlung der Landwirte statt, die wie die ,K. P." berichtet, einen sehr stürmischen Verlauf nahm. Bekanntlich hatte die von den beiden Parteien gewühlte Kommission in der letzten Woche sich dahin geeinigt, daß man mit dem Milchaufschlag noch einige Wochen warten und die Ange­legenheit auf friedlichem Wege erledigen wolle. Dies« Be­schluß wurde den Landwirten in der stack besuchten Ver­sammlung mitgeteilt. Es kam zu scharfen Protesten, die sich auch gegen die eigene Kommission richteten. Man behauptete, es handle sich bei dem Beschluß nur um eine Verschleppung. Der KommissionSbeschluß wurde schließlich urngestoße» und beschlossen, den Preisaufschlag auf alle Fälle am 4. September eintreten zu lassen. Am Mittwoch ist noch­mals eine Kommissionssitzung. Aber man befürcht^, daß der Milchkrieg für Frankfurt unvermeidlich sein wird.

§ Großen-Linden, 28 Aug. Die Untersuchung des Wassers eines hiesigen Gemeindebrunnens durch das chemische Untersuchuirgsamt für die Provinz Ober Hessen am 26. September 1903 hatte folgendes Resultat:rbigfr

Ans Stadt und Land.

Gießen, 29. August 1905.

S. K. H. der Großherzog ein Freund des Buddhismus? Verschiedene Zeitungen haben sich in diesen Tagen höchst unsinniger Weise über die Buddhasigur im Schloßpark zu WolfSgarten erregt, die sich der Großherzog seinerzeit von Professor Habich Herstellen ließ. Der Groß­herzog hat, um eine ständige Erinnerung an seine Reise nach Indien zu haben, die Buddhafigur für seinen Park schaffen lassen. Heute wird uns aus Darmstadt mitgeteilt, daß eine zweite Buddhafigur als Gegenstück zu der ersten bei Prof. Habich in Arbeit sei. Es werden also in Zukunft zwei Buddhafiguren im Schloßpark zu Wolfsgarten stehen. ES ist maßlos töricht, unfern Großherzog deswegen zum Buddhisten stempeln zu wollen, wie dies einige Zeitungen unbegreiflicherweise getan haben. Man sollte es nicht für möglich halten, daß die Ausschmückung eines Parkes mit plastischen Werken so einfältige Bemerkungen veranlassen konnte. Nur blödeste Verständnislosigkeit oder ab­sichtlich hirnverbrennende Sensationslust niedrigster Art vermag künstlerisches Anschauungsbedürfnis derartig zu verkennen. Ist Kaiser Wilhelm etwa ein Anbeter deS hl. Hubertus, der einst ein Bischof von Lüttich war, well er eine Hubertus gruppe in den Berliner Tiergarten stellen ließ, und ist jeder, der etwa eine Diana- oder Aphrodite­oder Apollo-Statue auf seinem Grund und Boden errichtet, ein hellenischer Heide und Anhänger der Götterwelt deS Olymp? . t ,

** Bom Manöver. Mtt bent gestnaen Tage haben die eigentlichen Manöver begonnen, nachbem fettber bte einzelnen Regimenter und Bngaden chre Schieß- und Exer» Sierübunoen abaehalten haben. Dre 49. Jnfanterrebrrgade hielt feit9 bem 16. August auf dem Gelände zwischen Igstadt, Nordenstadt unb Erbenheim bei Wiesbaden rhr Vmgade- ererneren und Scharfichießen. Nach dem Nuyetag am Sonn- tag ftab bie toi üfesimenter bet 49. S8r?gab= »ach bem

Gestern abend stattete der diesige englische Vizekonsul Rose 0cm Admiral Sir A. Wilson an Bord seines Flaggschiffes einen Besuch ab. Heute früh kamen fünf englische Torpedoboots-Zer­störer in den hiesigen Hafen. Das 1. und 2. deutsche Ge­schwader finb heute früh 8 Uhr hier cingctroffen. Groß- Lldmiral v. Koester stattete alsbald dem Admiral ^ir A. Wil­son an Bord seines Flaggschiffes einen Besuch ab, den her englische Admiral an Bord des deutschen FlaggschiffesKaiser Wilhelm II." sofort erwiderte. Heute vormittag 10 Uhr begab sich Admiral Sir A. Wilson in Begleitung des Flaggleutnants an ' /'shen Konsul Barnel-Stettin unb dem englischen Vizekonsul Rose-Swinemündc dem Landrat von Boctttcher, dem Bürgermeister v. Grätzel unb dem Kommandanten der Festung, Oberst Hoeser, Besuche ab. Admiral Wils o n ging 31/2 Uhr früh wieder Anker auf, verließ die Swinemünder Reede, um in Sicht der Küste zu manövrieren unb kehrte um 8 Uhr auf feinen Ankerplatz zurück. Die aktive deutsche Schlachp- flotte wird bte Reede voraussichtlich morgen wieder verlass n.

Taunus in der Richtung Limburg abgerückt, ihnen folgen die Regimenter 117 und 118, 50. Jnfanteriebristade. Zwi­schen beiden Brigaden spielen sich von heute an im Taunus die Brigademanöver ab, die sich als Divisionsmanöver nach Homburg weiter erstrecken, in der dortigen Gegend wird am 7. Sept, das ganze 18. Armeekorps versammelt sein. Die 42. Jnfanterrebrigade (80er und 81er) hatte ihre Brigadeübungen um Heiligenstock bei Vilbel, wo gestern die Besichtigung flattfanb. Morgen beginnt die 42. Brigade im Verein mit der 41. ihr Manöver, das bis zum 3. Sept, dauert. Die Uebungen zwischen der 21. und 25. hessischen Division finden vom 46. Sept, statt. Die Kavallerie- Division B, bestehend aus den beiden hessischen Dragoner­regimentern Nr. 23 und 24, den 21. badischen Dragonern Bruchsal) und dem bayerischen Ulanenregiment Kaiser Wilhelm II. (Bamberg), hat ihre Uebungen auf der Senne beendet und befindet sich zurzeit auf dem Wege nach Süden. Die Regimenter werden vom 2.4. Scpt. in den Kreisen Wetzlar, Biedenkopf und Gießen ein treffen und am 6. Sept, in der Umgegend von Homburg, Vilbel, Friedberg ein quar­tiert. Der Stab der Kavalleriedivision B liegt am 2. und 3. Sept, in Londorf, am 4. Sept, in Gießen, der Stab der 25. Brigade am 4. Sept, in Gießen, der Stab der 28. Kavalleriebrigade am 4. Sept, in Staufenberg, am 5. Sept, in Hungen. Mit dieser Division ist eine Maschinengewehr- abteitung bereinigt, die beim diesjährigen Kaisermanöver zum erstenmale in Tätigkeit tritt. Die Orte des Kreises Gießen erhalten vom 25. Sept, starke Einquartier­ung, die Orte des Kreises Friedberg vom 47. Sept. Am stärksten sind die Einquartierungen in der südlichen Wetterau, so erhält z. B. Vilbel vom 6.10. Sept, nahe­zu 2000 Mann. Vom 10. Sept, an beziehen die meisten Truppen nur noch Biwaks, bezw. Notquartiere. Arn 15. Fept. find die Kaisermanöver beendet, und die Truppen kehren per Bahn in die Garnisonen zurück.

* Die psychiatrische Klinik hat einen anderen,

das beste ausgenommen. Daß Hauptinteresse wendete sich spater allgemein dem Kurhaufe zu, wo ein Bankett zu Ehren der englischen Gäste stattfand.

An dem heuttgen, von der Stadt Swinemünde zu Ehren 6er engl. Offiziere gegebenen Diner im Kurbause nahmen 72 Personen teil, darunter der Admiral Wilson und Vize­admiral Moore, von deutscher Seite Großadmiral v. Koster. Das Essen wurde mit einem dreifachen Hipp Hipp, Hurrah 1 auf den deutschen Kaiser eröffnet, daS Admiral Wilson» auS- brachte. Die Musik spielte die Nationalhymne. Der Bürger­meister trank auf das Wohl des Königs Eduard. Die Musi spielte die englische Nationalhymne. Stadtoerordneten- vnrsteher Schiemann begrüßte in längerer englischem Rede die Gäste und schloß mit einem dreifachen Hoch au das englische Volk und die englische Marine. Admiral Wilson trank dann (in welcher Sprache? D. Red.) auf daS deutsche Volk und die Stadt Swinemünde. Er führte au§, der Besuch der englischen Flotte in einem deutschen Hafen lege ein schönes Zeugnis dafür ab, daß zwischen England und Deutschland das beste Einvernehmen bestände. Das Essen nahm einen iehr angeregten Verlauf. *

DieDaily NewS* konstatieren mit Genugtuung die vorzüglich/Stimmung des deutschen Volkes und des deutschen Kaisers gegenüber der englischen Flotte. Eifersüchteleien und Unannehmlichkeiten feien nicht zu befürchten. Der Besuch werde dazu beitragen, den von Journalisten beider Lander geschaffenen Argwohn zu zerstreuen. In England fei bte ,Teutophobie" ün Schwinden.

Der Kaiser und die Kaiserin treffen heute in Stettin ein, begeben sich auf die Werft deSVulkan* zum Stapel­lauf des SchnelldampfersKaiserin Auguste Viktoria*, dann folgt ein Frühstück und um 3 Uhr 40 Min. die Rückreise

Msec-Hage.

Die Ostsee hat jetzt ihregroßen* Tage. Ja, sie fesselt die Aufmerksamkeit der politischen und kommerziellen Welt in höherem Grade, als es den sonst bevorzugten Nordscehäfen beschieden gewesen ist. Der Rede deS Kaisers beim heutigen Stapellauf beS größten deutschen Han- delSdampfers harren deshalb politische wie kommerzielle Kreise mit der gespanntesten Erwartung. Erstere, weil die Anwesenheit deS englischen Kanalgeschwaders bedeutsame Worte über die deutsch-englischen Beziehungen auSlösen dürfte, letztere im Hinblick auf die morgen, am Mittwoch, statt­findende, über das Nordsee-Filialprojekt desStettiner Vulkan" entscheidende Generalversammlung dieser Werft.

Heber die Ankunft deS englischen Geschwaders in den Gewässern von Swinemünde meldet die »Voss. Ztg." folgendes:

Swinemünde-Bab, 27. Aug. Der Admiral Wilson scheint Ueberraschungen zu lieben. Bei dickem Wetter unter strö­mendem Regen tauchten kurtz vor 5 Uhr aus dem Nebelschleier die massigen Rumpfe von Panzerschiffen auf, dichte Rauchwolken ausstoßend, die gerade nicht auf Waleskohle erster Qualität schließen ließen. Das Manöver des Admirals, um auf den Ankerplatz zu gelangen, war nicht hervorragend, denn das Geschwader änderte zweimal Kurs, bevor es etwa zwei Seemeilen entfernt gegenüber den Etablissements von Swinemünde-Bad Anker warf. Torpedoboote liefen lothend vor­aus. Die Abstände der einzelnen Schiffe in ihrer Doppeldwars- linic, in welcher Formation der Admiral zu Anker ging, waren durchaus nicht mit der Genauigkeit inne gehalten, wie es bei unseren Mkermanövern den Kvmmandanten zur Pflicht gemacht ist, das unsickstige Wetter kann einem trainierten Geschwader nicht zur Entschuldigung dienen. Das^Geschwader lief auch am Nachmittage nicht in seiner vollen Stärke ein; mir eine Division Torpedoboote war bei ihm. Ob einer Manöver- orbre des Admirals gemäß ein Teil der Boote in See geblieben war, oder ob die Boote das Geschwader bei dem dicken Wetter während bet Nacht aus Sicht verloren hatten, muß dahingestellt bleiben. Das Geschwader warf um 5 Uhr 15 Min. Anker und das FlaggschiffExmouth" feuerte den üblichen Salut. Unsere MTlerifren der Forts scheinen das Geschwader erst für den nächsten Tag emxrrtet zu hoben und durch die Ankunft am Somttage überrumpelt worden zu sein, denn die Erwiderung des Saluts des Flaggschiffs lief- auf sich 'warten. Am Sonntag mittag hatte eines unserer Torpedoboote die Swinemünder Reede passiert und war geraden Weges in die Swine eingelaufen. Auf der Reede zeigte kein Kriegsschiff oder Boot unsere Flagge.

Nachstehend die Meldungen des W. T. B. aus Swine­münde vom 28. d. M.:

Nolilische Taqesschall.

Ein bittrer Tadel.

Der Regierung wird jetzt von einer Seite der Text ge­lesen, von der sie es am wenigsten erwarten durste, nämlich vom halboffiziösenBerl. Lokalanz«. Das Blatt des Herrn Scherl, des Vertrauensmannes einiger preußischer Minister, bricht den Stab über die bisherige Kolonialpolitik der Regierung. Es verlangt im Interesse der Steuerzahler, daß den Ursachen der kolonialen Mißerfolge mit größter Genauigkeit und ohne jede Rücksicht auf den G r u n d gegangen wird. Von einer dahinzielenden außerordentlichen Untersuchung höre man aber nichts. Nur ein vollständiger Bruch mit demAssessoriSmus" und eine Kolonial­reform unter Hinzuziehung von Praktikern könne eine Gesundung der Kolonialpolitik herbeiführen. Es ist kenn­zeichnend für die koloniale Verstimmung, die überall platz- greift, daß selbst so ergebene Blätter wie der .Lokalanz." aufsässig werden.

Deutsch-Afrika.

Berlin, 28. Aug. Für die Dauer der Unruhen in D eutsck-Ost a fr i ka ist bei dem allgemeinen Marine-De­partement des Reichsmarineamtes ein Zenttal-Nachioeisebureau eingerichtet worden, an das alle Anfragen usw. über tn Ostastcka befindliche Angehörige der Marine zu richten sind

Ein Telegramm aus Windhuk meldet: In dem Gefechte südwestlich vom Gaobis ist gefallen: Retter Otto Hesse. Verwundet wurden: Major Oskar Präger, geboren zu Doianowo, früher Füs.-Reg. Nr. 40, leicht, 'Lttreif- schuß an der linken Hohlhand: H a u P t m a nn Ma x t m tl ta n d. Zwehl, geboren zu Jork i. H., früher Jnf.-Regt. Nr. 71, leicht, Schuß durch den kleinen und den Ringfinger der rechten Hand: die Retter Eduard Horn und August Lippemerer, Gesielter Otto Brunner, Retter Bernhard Minne. Der Reiter Wilhelm Steinke ist an Tvvhus gestorben. Gefieiter Paul Sckwnherr durch Unvorsichtigkeit erschossen: Retter Alfons Friedrich durch Sttrz vom Maultier infolge Schädelbruchs und innerer Verbliittrng gestorben. Der im Dünengelände bet Hasuur fett dem 15. ds. vermißte Gefreite Heinrich Schul ist lebend auf- gefintben worden.

Kolonialpost.

Ein Stü ck Kannibalent um wird aus englisch Nigerien berichtet. Kapitän Macdonald war mit einem Kom­mando beauftragt, die vollständige Entwaffnung der Neger­dörfer in Nord-Jbibio vorztmehmen. Ende März war dies mit Erfolg durchgeführt, aber nicht ohne den entschiedensten Widerstand seitens deS Feindes. Im Rapport des Kapitäns ist erwähnt, daß man beim Nachsuchen einen vermißten weißen Privatmann in einem Marktdorf gekocht und halb­aufgefressen gefunden habe. Im vorigen Jahre hatten die Bewohner von Amebu zwei Frauen auf dem Wege nach Obiaraku entführt, ermordet und zerstückelt. Einige von ihren Führern sollen als Menschenopfer verwandt worden sein. Erst durch einen Kampf bei Atua wurde der Widerstand völlig gebrochen und die sechs für das Menschenopfer ver­antwortlichen Häuptlinge auSgeliefert. Dabei stellte sich heraus, daß dies ^Bittopfer" gewesen waren, Zim den Kriegs­zustand zwischen den Stämmen zu beseitigen. Die Art der Opferung war speziell grausam und brutal: Die Opfer wurden mit dem Genick nach unten auf den Marktplätzen halb eingegraben, ihre Flinten mit ihnen, und ihre Geister angewiesen, niemals mehr Krieg anzufangen. Ueber die Köpfe waren Töpfe gestülpt, und so überließ man sie ihrem Schicksal.

Der Zuzug von Fremden dauerte den ganzen Tag an. Im Laufe deS Nachmittags brachten unausgesetzt Ver­gnügungsdampfer daS Publikum zu den englsschen Kriegs- schiffen, wo ihnen überall bereitwilligst Zutritt gewährt wurde. Sluch beim Passieren der deutschen Schlachtflotte, die natürlich ebenfalls das allgemeine Interesse erregte, er­folgten Sympathiekundgebungen. Gegen 3 Uhr wurde den Besatzungen der englischen Schiffe Landurlaub gewährt, worauf in zahlreichen Booten und Barkassen die Mannschaften, zumeist am Bollwerk, an Land gingen, wo sie bis zum Abend verweilten. Sie wurden überall von der Bevölkerung au