Kenntnis der „Landesztg." gekommen.
Gefolge
ei. ei zur
In Groß^
Gasthaus zum
sich ein Militär- Auf der
fassung war, Daß ohne Reichsgesetz ein ordentlicher yvchge« Gerichtshof nicht zu erlangen gewesen wäre, erblickte ich darin die Gefährdung von Interessen der Staatsregierung und des Regentenhauses. Ich bin jetzt noch der Ansicht, daß in der fraglichen Depesche das 'Ansinnen oder die Aufforderung des Herrn Kekule v. Stradonitz an den Privat- kläger liegt, im Landtage dahin zu wirken, daß die Reichs- gesetzgebung zur Schaffung eines Gerichtshofes ausgeschattet wird.
dankbar angenommen.
** Der Streik der Feuerwehr. Auheim bei Hanau brannte es jüngst im
Ausstiche Neuigkeiten.
Der Berichterstatter des Standard in Odessa telegraphiert, baß die Veröffentlichung des vom Minister des Innern ausgearbeiteten Reformentwurfes einen Sturm der Entrüstung Hervorrufen wird, da die Hoffnungen des Volkes dadurch vollständig enttäuscht werden. Die Unzufriedenheit werde sogar bis zu einem solchen Grade steigen, daß die liberalen Elemente den Versuch machen würden, die Gründung einer demokratischen Negierung in Moskau durch- ruführen.
Aus Moskau wird gemeldet, daß die Mitglieder der Konferenz der Semstwo und städtischen Verwaltungen nach Hause gereist sind, uni in ihren verschiedenen Gegenden ähnliche Konferenzen in kleinerem Maße zu veranstalten. In der nächsten Zeit wird eine große Zahl demokratischer Konferenzen in allen Teilen Rußlands stattsinden.
Einige landwirtschaftliche Gesellschaften Rußlands haben, wie aus St. Petersburg geschrieben wird, an die russische Regierung das Ersuchen gerichtet, sie möge eine Enquete von Vertretern aller landwirtschaftlichen Gesellschaften Rußlands einberufcn, welche über die Maßregeln beraten soll, welche getroffen werden müssen, um die russische Landwirtschaft vor den Schädigungen zu schützen, welche der Abschluß des neuen dcutsch-russichcnHandelsvertragcs
für die russische Landwirtschaft unbedingt im haben muß.
In der Warschauer Wola-Vorstadt zeigte Manifestantenzug mit einer roten Fahne. Die Patrouillen feuerten und töteten eine Person.
Saturn-Grube in Sosnowicc ereignete sich ein Zusammenstoß zwischen Arbeitern und Militär. Auf beiden Seiten wurden mehrere Personen verletzt. In den Hütten und Kohlenwerken von Dombrowa sind zahlreiche Ausstände ausgebrochen, ebenso in mehreren Lo d z er Fabriken. Ein in Lodz wohnender Mainzer, der dort eine geachtete Stellung einnimmt, wollte vor kurzem mit seiner Familie seine hessische Vaterstadt besuchen, gab dies aber wieder auf, da er für jeden einzelnen Paß die Kleinigkeit von 60 Rubeln bezahlen sollte. Seine nach Mainz gerichteten Postkarten, die sonst nur zwei Tage unterwegs waren, brauchen jetzt die doppelte Zeit, weil alle Briefschaften nach und von Rußland erst von den russischen Zensoren gelesen werden. Derselbe Herr hat seine Angehörigen gebeten, ihn nicht brieflich über politische Vorgänge in Rußland zu befragen, weil ihm dies große Unannehmlichkeiten bereiten könne. Ein anderer Mainzer befindet sich in Kiew in Stellung. Allwöchentlich senden ihm seine Angehörigen ein Paket Mainzer Blätter, die ihm auch ganz regelmäßig zugehen, alle politischen Berichte über Rußland sind aber von dem Zensor herausgeschnitten; selbst aus dem lokalen Teile sind nicht selten einzelne Notizen, die dem Zensor staatsgefährlich erschienen, entfernt, so daß mitunter von den Zeitungen nur noch einige Fetzen übrig bleiben.
In Tiflis werden alle Regierungsgebäude und die Banken noch militärisch bewacht. Der Gouverneur ließ die Kaufleute zu sich rufen und befahl ihnen, ihre Geschäfte zu öffnen. Als diese sich weigerten, wurden ihre Geschäfte durch Polizei gewaltsam geöffnet und die Waren durch Soldaten in Gegenwart der Besitzer, denen der Erlös ausgehändigt wurde, verkauft. Am Nachmittag wurde im 6. Polizeirevier ein Bomb en-Attentat verübt. Die Bombe traf einen Polizeileutnant und einen Portier, die miteinander sprachen. Beide wurden in Stücke gerissen. Während der Nacht wurden viele Personen verhaftet. Unter den Ar- 1 beitem gährt es. Die Polizei hat die strengsten Vorbeugungsmaßregeln getroffen.
Sternburg, der z. Z. in Homburg zur Kur weilt, nicht auf seinen Posten zurückehren werde, ohne bestimmte Weisungen für die Washingtoner Friedenskonferenz erhalten zu haben. Danach scheint man mit der Möglichkeit zu rechnen, daß von der Konferenz aus in irgend einer wesentlichen Frage an die Machte appelliert wird. Die „Hamb. Nachr." haben darauf aufmerksam gemacht, daß es für Rußland bester sei, mit Ehren im Felde zu unterliegen, als zu kapitulieren, daß aber auch der Nachteil eines verfrühten Abbruchs de§ Krieges nicht Rußland allein, sondern ganz Europa treffen würde, da Rußland im letzten Grunde der Vorkämpfer Europas sei. Sollte Herr v. Witte in der Tat die Washingtoner Verhandlungen aufs „Rassenpolitische" hinausspielen — China erweist ihm den Gefallen, sich in die Konfcrenzangelegenheiten einzumischen —, dann ist nur zu wünschen, daß Deutschland den Vorzug, für die Interessen der weißen Rasse sich zu betätig en, einer anderen Macht überläßt. Etwa England, das ja in Indien die gelbe Gefahr am eigenen Leibe spüren wird, oder dem Präsidenten Roosevelt, auf dessen Anregung hin die Friedenskonferenz zustande gekommen ist.
Miß Alice Roosevelt,
Die Tochler des amerikanischen Präsidenten, ist in Japans Hauptstadt Tokio mit königlichen Ehren empfangen worden. Bei ihrer Ankunft wurde sie von einer ungeheuren Menschenmenge begrüßt. Die Straßen waren dekoriert und beflaggt. Am Abend fand eine Illumination statt. Am Mittwoch diniert Miß Roosevelt bei dem Kaiser. Amerikanische Zeitungen machen sich lustig über die „Prinzessin Alice".
Ans Stadt und Land.
Gießen, 27. Juli 1905.
” Der Jahresbericht des Allgemeinen Ver» eins für Armen- und Krankenpflege in Gießen liegt der Stadtauflage der heutigen Nr. unseres Blattes bei.
** Klinik für innere Tierkrankheiten. Um den Tierbesitzern Kenntnis von der Teilung der Tierkliniken in eine chirurgische und eine medizinische zu geben, bemerken wir, daß von jetzt ab die Klinik für innere Tierkrankheiten (Direktor Prof. Dr. ©meiner) sich in den erweiterten Räumen des alten Tierspitals, Frankfurter Straße 85, befindet (Fernsprecher wie bisher Nr. 142, Veterinäranstalt). ES sei noch bemerkt, daß die Untersuchung und Ausnahme kranker Tiere Tag und Nacht erfolgt.
•* Wie vollzieht sich die Tilgung einer Schuld nach dem Amortisations-System? Die Hess. Landes-Hypothekenbank in Darmstadt hat bei L. C. Wittich-Darmstadt eine Tabelle herausgegeben, die über die oben genannte Frage genaue und an der Hand einer chema- tischen Darstellung klare Auskunft gibt.
** Gestohlenes Fahrrad. In einer hiesigen Werk», stätte wurde gestern ein Fahrrad in Reparatur gegeben, an welchem eine nicht dazu gehörige Fabrikmarke angebracht war. Die Kriminalpolizei besah sich das Rad näher und konstatierte, daß es ein Rad war, das im vorigen Herbst hier gestohlen worden ist. Der Dieb, welcher daS Rad unkenntlich gemacht und weiter verkauft hatte, wurde dann auch festgestellt. Er wird sich demnächst vor Gericht zu verantworten haben.
•* Von Hudde. Aus Darmstadt ging uns heute von einem dortigen Berichterstatter eine Notiz über die Hudde- Angelegenheit zu, die nach unseren Informationen im Wesentlichen erfunden ist. Andere Blätter werden wahrscheinlich die Notiz abdrucken. Dieser Darmstädter Herr will u. a. wissen, „die nötigen Vorarbeiten zur Entscheidung" seien in Darmstadt bereits beendet, Hudde habe Selbstmordgedanken geäußert u. s. f. Diese Angaben sind, wie gesagt, einfach erfunden.
** Im botanischen Garten steht eben im Teich beim neuen Gewächshaus ein Exemplar der victoria regia in prächtiger Blüte. Es lohnt sich, diese seltene Blüte der Wasserpflanze zu besichtigen.
** Zur Erweiterung der Epileptischen-An» st alt in Nieder-Ramstadt gingen ein: bei Pfarrer D. Schlosser von F. 45 Mk. 20. Weitere Gaben werden
„Goldenen Stern". Der Bürgermeister, der sich für gewöhnlich, so erzählt wenigstens die „Han. Ztg.", nicht viel aus der Freiwilligen Feuerwehr macht, zeigte sich bei diesem Brande als geschulter Feuerwehrmann und wollte die Anordnungen des durch und durch erfahrenen Hauptmanns verschiedentlich korrigieren, was sich dieser verbat. Die Antwort hierauf war nicht sehr freundschaftlich; u. a. wurde der im Dienst stehende Hauptmann mit Namen aus dem zoologischen Gebiet belegt. Die Solidarität der Mitglieder der Feuerwehr führte nun zu einer Versammlung im Gasthaus zum „Deutschen Haus", in der der beleidigte Feuerwehradjutant sein Amt niederlegte. Eine einstimmig zur Annahme gelangte Resolution hatte ungefähr folgenden Wortlaut: „Das gesamte Korps der Freiwilligen Feuerwehr sieht sich in Anbetracht der Beleidigung eines ihrer leitenden Führer beim letzten Brande von feiten einer maßgebenden Persönlichkeit in hiesiger Gemeindeverwaltung in ihrer Feuerwehrehre schwer gekränkt. Wenn binnen acht Tagen dem Korps keine genügende Genugtuung zugegangen ist, wird dasselbe seine Funktionen als Feuerwehr niederlegen. Ferner bittet dasselbe bei etwa ausbrechenden Bränden für die Absperrung des Brandplatzes Sorge zu tragen."
-s- Wieseck, 26. Juli. Beim Spielen steckte sich eh. dreijähriger Junge einen Stein in die Nase. Der unvorsichtige Knabe wurde sofort in die Klinik gebracht, wo ihm der Fremdkörper durch eine Operation entfernt werden mußte.
Gried el, 25. Jüli. Der hiesige Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, denjenigen Perfonen, welche die Täter der hier in letzter Zeit ausgebrocheneü Brande so namhaft machen, daß diese zur Bestrafung! herangezogen werden können, eine Belohnung von 300 Mark aus der Gemeindekasse zuteil werden zu lassen.- (B. Ztg.)
sd. Darmstadt, 26. Juli. Zum Fall Chelius können wir aus zuverlässiger Quelle mitteilen, daß die Voruntersuchung noch nicht abgeschloffen ist und daß Chelius sich im Untersuchungsgefängnis mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt. Bisher ist ein Gesuch um Freilassung, eventuell gegen Kaution, nicht eingereicht worden. Die Aufnahme von CheliuS in die psychiatrische Klinik zu Gießen oder das Landeshospital Hofheim zur Beobachtung seines Geistes. zustandeS dürfte in Kürze erfolgen. Zunächst sollen aber di« hiesigen Aerzte durch ihre Beobachtungen die nötigen Grund, lagen dazu liefern.
Darmstadt, 26. Juli. Die „N. H. Vbl." schreiben. Einen neuen Beweis dafür, welch gefährliches Gesindel unsere Wälder unsicher macht, gibt folgender, überaus traurige Vor> fall vom Sonntag. Ein Bessunger Schreinergeselle und seine 22jährige Braut, ein Mädchen aus sehr achtbarer Darmstädter Familie, die einige Zeit im „Hopfengarten" verweilt hatten, waren int Begriffe nach Hause zu gehen und benutzten den schräg nach dem Bessunger Bahnhof führenden Weg. Das Mädchen mußte um 7 Uhr zu Hause sein; es war also noch helltchter Tag. Und da passiert es, daß drei Strolche über das Paar herfallen, den Mann zu Boden schlagen und das bedauernswerte Mädchen von sämtlichen drei Hallunken vergewaltigt wird! Man denke nur: nm Neben Uhr nachmittags und ein Büchsenschuß weit von bei Stadt weg! Das Erbärmlichste bei der Sacke ist aber,
das Verlangen, auch die Entscheidung des Reichstages ein- zuhvlen, da es befürchtete, der Bundesrat könnte dem Lippe- chen Thronfolgestreit nicht derart unparteiisch gegenüber- tehen, wie es vvn dem Standpunkte des Hauses Biesterfeld aus zu verlangen sei.
Die Diesseitsdepesche.
Am 9. Oktober erhielt der Vizepräsident des Lippeschen Landtages, der bekannte Starke-Fabrikant Leberecht Hoffmann (Salzuflen) folgendes Telegramm aus Be rIin:
„Als besondere Gefahr wird diesseits angesehen, wenn Ersuchen an brn Bundesrat beschlossen wird. Höchstes Gericht durch Reicksgesetz mit bet Entscheidung zu betrauen. Dieser Weg mürbe bedeuten, daß Reichstag mitzureden hat. Reichstag könwe dann beschließen, ganzer Streit sei bereits durch Schiedsgericht endgiltig erledigt, und dieses Reichsgesetz daher unnötig. Außerdem läge in diesem Beschluß eine Nichtachtung gegen den Bundesrat, da dieser sich für zuständig erklärt hat, also auch ohne Reichsgesetz und ohne Reichstag ein höchstes Gericht gewählt toerben könne. K."
Obwohl, wie der Empfänger Hoffmann versichert, die Depesche außer ihm niemand gelesen hatte, erschien sie rennoch sofort im Wortlaut in der in Detmold erscheinenden „Lipp. Landesztg." mit dem Bemerken, daß der Fürstlich Schaumburg-Lippesche Kammerherr Dr. Stephan Kekule v. Stradonitz in Groß-Lichterfelde bei Berlin Absender der Depesche fei'
Der Lippesche Hyronsolgestreit vor Kericht.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
L
H. F. Lage, 26. Juli
Der Lippesche Thronfolgestreit begann heute das hiesige fürstl. Schöffengericht zu beschäftigen. Aus Anlaß des Todes des alten Grasieaenten von LiPPe-Biesterfeld tauchte bekanntlich der alte Thronfolgestreit im Lippeschen Lande von neuem auf. Das Lippesche Staatsministerium richtete an den Bundesrat folgenden Antrag:
„Der Bundesrat wolle dahinwi'cken, daß im Wege der Reichsgesetzgebung ein unparteiischer ordentlicher Gerichtshof, sei es : das Reichsgericht, sii cs das Kammergericht, sei cs der bayerffche Oberste Gerichtshof oder ein anderes höchstes , Geruht, bestellt werde, durch welchen die von der schaumburgisch-lippewten Staatsnegierung erhobenen Ansprüche wie solche in dem Proteste vom 12. November 1898 und dem Anträge vom 20. Januar 1898 dar- gelegt sind, zur richterlichen, alle Beteiligten bindenden Entscheidung zu bringen sind."
Nach einiger Zeit stellte das Lippesche Staatsurmisterium
Zeugniszwangsverfahren.
Dies gab der Detmolder Staatsanwaltschaft Veran- lasiung, gegen den damaligen verantwortlichen Redakteur der „Lip. Landesztg", Max Stärke, das Zeugnis- Zwangsverfahren einzuleiten, um zu ermitteln, wodurch die „Landesztg." zur Kenntnis der Depesche gekommen
Die Staatsanwaltschaft war der Ansicht, die Depesche durch Vertrauensbruch eines Postbeamten
Anschuldigung des Hochverrats.
Die „Lipp. Landesztg." erhob aus Anlaß der Depesche gegen Hoffmann den Vorwurf, daß er mit dem schlimmsten Gegner der Staatsregierung seines Landes konspiriere, von diesem Instruktionen für das Verhalten im Thronstreit entgegengenommen habe, sodaß sein Verhalten geradezu an Hochverrat grenze".
Hieran schloß sich eine längere Preßfehde. Die „Lipp. Landesztg." beschuldigte den Vizepräsidenten der „antt- lippeschen Gesinnung". „Er habe sich als Sprachrohr, als Helfershelfer des famosen Artillerieleutnants gebrauchen lassen." „Herr Hoffmann gleiche dem Spitzbuben, der bei seiner Ergreifung schreie: „Haltet den Dieb"." „Was hätte man wohl im Königreich Preußen mit einem ^Abgeordneten angefangen, der dem Königshause den Eid der Treue geleistet und mit einem auswärtigen Advokaten Pläne zum Schaden dieses Königshauses geschmiedet, von diesem Instruktionen empfangen und danach gehandelt hätte. Nun, der König von Preußen hätte es diesem Abgeordneten eingetränkt, er hätte wohl Mittel und Wege gefunden, ihn unschädlich zu m'achen." Jü einem anderen 'Artikel der ,^Lipp. Landesztg." heißt es: „Was Herr Hoffmann von einer Würde sagt, klingt doch sehr eigentümlich! Er hätte an seine Würde denken sollen, als er sich mit dem bezahlten Verfechter der Schaumburgischen Ansprüche einließ und sich als dessen Vermittler und Sprachrohr gebrauchen ließ."
Weitere Artikel handeln von dem Kommerzienratstitel, den Hoffmann abgelebnt hatte.
Auch in diesen Artikeln erblickt Hoffmann Beleidigungen.
Strafanttag.
Hoffmann hat deshalb gegen den verantwortlichen Redakteur der „Lipp. Landesztg,", Emil Neumann, Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Er will den Nachweis führen, daß er mit Dr. OTitle v. Stradonitz niemals konferiert und die cm ihn gesandte Depesche weder erwartet, noch veranlaßt habe. (£Benfo will er durch Zeugen beweisen, daß er sich weder eines Eidbruchs schuldig gemacht, noch sich in irgend einer Weise unwürdig, oder inkorrekt benommen habe, oder antilippescher Gesinnung sei.
Neumann, der sich Mittwoch wegen Beleidigung, auf Grund der §§ 185, 186 und 200 des Strafgesetzbuches, zu verantworten hat, behauptet, Hoffmann habe vor Empfang der Depesche mit Dr. Kekule v. Stradonitz konferiert. Es sei Hoffmann auch bekannt gewesen, in wessen Auftrag Dr. Kettle v. Stradonitz handle.
Den Vorsitz des Schöffengerichts führt der älteste lippesche Richter, Amtsgerichtsrat Geh. Jüsttzrat Nieländer.
Nechtsbeistand des Privatklägers Hoffmann ist Rechtsanwalt Dr. Klasing (Detmold), Verteidiger des Neumann Jüsttzrat Dr. Wallach (Essen a. Ruhr).
Der Zuhörerraum war bei. Beginn der Sitzung, obwohl er durch Ausheben mehrerer Türen vergrößert worden war, über füllt.
Es wurden die inkriminierten Artikel verlesen und die von Hoffmann gegen die Staatsregierung geschriebene Broschüre vom 20. Ottober, die zahlreiche Beleidigungen enthält. Der Vertreter Hoffmanns griff bei dieser Gelegenheit den Staatsminister Gevekot scharf an, dem er bei der Kommerzienratsaffäre Mangel an politischem Takt vorwarf, weswegen er vom Vorsitzenden gerügt wurde.
In der Nachmittagssitzung wurde der Kammerherr Dr. Kekulö v. Stradonitz vernommen. Mit Bezug aus den Ausdruck „diesseits" erklärte er, daß das Telegramm seine eigene persönliche Auffassung wiedergebe. Mit der Reichsregierung oder mit dem Berliner Hofe habe er nichts zu tun. Iw Kreuzverhör gibt der Zeuge zu, daß er neben der K-Depesche noch ein zweites Telegramm an Hoffmann abgesandt habe. In dem letzteren ist Hoffmann aufgefordert worden, die Regierung zu interpellieren, ob sie in Berlin ein Preßbureau unterhalte. Beide Depeschen habe er als In formationen für Hoffmann aufgefaßt. (Große Bewegung.) Weiter gibt der Zeuge zu, daß er auch jetzt noch dem Rechtsvertteter des Hauses Schaumburg-Lippe in Leipzig beim Schiedsgericht Informationen erteile, wie er denn überhaupt sich selbst als Rechtsvertteter des Fürsten von Bückeburg bezeichnet.
Der lippesche Staatsminister Gevekot schickte bei seiner kommissarischen Vernehmung, die verlesen wurde, voraus, daß er in dem Falle der Thronfolge und Regentschaft die Interessen des Regentenhauses und die der Staatsregierung als identisch betrachte, lieber die Depesche und seine Auffassung über ihren Charakter und Inhalt äußerte er sich, wie folgt: Ich habe die Depesche des Dr. Kettlö v. Stradonitz meinerseits persönlich als gegen die Interessen der Staatsregierung und des Regenten Hauses gerichtet be- ttachtet. Kenntnis erlangt von der Depesche habe ich durch , den Grafregenten. Als die Depesche mir dem Wortlaut nach , bekannt wurde, habe ich die Tendenz derselben als dahingehend aufgefaßt, es solle der Reichstag als mitwirkender . Faktor ausgeschaltet werden. Weil ich damals der Auf-


