Ausgabe 
27.4.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 98

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giehen

zu einmal einen

Stadtväter und Submisstone«

Orhchetar tvgllch Ausnahme des Sonntags.

DirOlehener $amiHenblatter* werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der W^elstichs LalldwM" erscheüu monatlich einmal.

Amtliche Nachrichten über Viehseuchen.

Der über das Gehöfte des Schweinehandlers Schnell .zu Vadenrod (Kreis Alsfeld) gehegte Verdacht des Ausbruchs der Schweineseuche hat sich nicht bestätigt. Die über dieses Gehöfte verhängte Sperre wird hiermit auf­gehoben. ___

Deutsches Reich.

Berlin, 26. April. Die kaiserliche Familie trifft am 17. Mai nachmittags von Urville zu den Maifestspielew in Wiesbaden ein und reist am 20. Mai abends un­mittelbar nach der Theatervorstellung wieder ab.

DerReichsanz." veröffentlichte heute die neuen Militärgesetze, die am 15. d§. Mts. in S&ormma vom Kaiser unterzeichnet worden sind.

Die Ratifikationsurkunden über die von Preußen mit Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz und Lübeck abgeschlossenen Lotterie-Verträge find heute im Aus^ wärtigen Amte ausgetauscht worden.

Stuttgart, 26. April. Die Kammer der Ab- geordneten hat bei Beratung des Justizetats einen Antrag Groeber (Zentr.), betr. die Gewährung von Tagegeldern und Reisekosten-Entschädigung an die Geschworenen und Schöffen, um namentlich dem Arbeiterstande die Bei­ziehung zu diesen Funktionen zu ermöglichen, angenommen. Der Justizminister v. Breitling hatte die Ansicht vertreten, daß die Regelung dieser Frage Sache der Reichsgesetz­gebung sei.

Gießen, den 25. April 1905.

Betr.: Die Vertilgung der Blutlaus.

Das Großhmogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Bezugnahme auf die unterm 19. November 1904 erlassene Polizeioerordnung in obigem Betreff und ins- bsondere § 3 desselben sehen wir Ihrem Bericht über den Befund und die Anordnungen der eingesetzten Kommisiionen entgegen.

I. V.: Hechler.

Bekanntmachung.

Betr.: Bläschenausschlag zu Leihgestern.

Bei einem Gemeindebullen sowie einigen Kühen in Leihgestern ist Bläschenausschlag sestgestellt worden.

Gießen, den 27. April 1905.

Großherzoaltt^s Gießen.

I. V: Hechler.

Man schreibt uns:

Heute, wo so viel über die Schattenseiten des Sub- missionswesens geredet und eine Besserung auf diesem Ge­biete eifrig angeftrebt wird, dürfte auch das ThemaStadt- väter und Submissionen" einiges Interesse verdienen. Soll es den Stadtvätern ohne weiteres erlaubt sein, bei der Vergebung städtischer Aufträge im Submissionswege mtt- zukonkurrieren, oder nicht? Das Amt eines Gemeinderats ist und soll ein Ehren amt sein. Jeder, der es übernimmt, muß wissen, welche hohe moralische Verantwortung er sich auferlegt Glaubt er aber, das Amt aus! irgend einem Grunde nicht durchaus einwandftei bekleiden zu können, so soll er im Interesse seinesmoralischen Ich" davon bleiben, denn für die Annahme des Ehrenamtes eines Gememderats.be- steht kein Zwang, sie geschieht aus fterem Wrllen. Bewirbt sich nun ein Gemcinüerat bei der Submr>sron von städtischen Lieferungen, so ist wohl m den meisten Fällen cm zunehmen, daß die Lieferungen ihm übertragen werden Es soll damit durchaus nicht behauptet werden, daß hier unreelle Manipulationen obwalten. Daß aber die bei der Submission entscheidende Behörde m erster Lnne den submittierenden Gemeinderat berücksichtigen tmw, ist menschlich begreiflich, denn dieser steht ihr ja naher, er befindet sich sogar in gewissem Sinne tn «mein Vorgesetzten- Verhältnis zu ihr, uud es^wäre von emer stellten Behö

oder unbrauchbar zurück, so hat er es mit dem ihm vor­gesetzten Gemeinderat verdorben, der es ihm bei passender Gelegenheit einmalgründlich besorgt; drückt er aber beide Augen zu und nimmt die Arbeit an, was dutzendemal ge­schieht, so ist es die Stadt, die den Schaden zu tragen hat. Es sind Fälle bekannt geworden, daß sich Leute lediglich deshalb in das Gemeindekollegium wählen ließen, nm sich die städtischen Lieferungen zu sichern. Und hatten sie ein­mal das Kreuz, so segneten sie sich auch kräftig damit: ihre Berufskollegen, die nicht die Ehre hatten, die kurulischen Sessel zieren zu dürfen, dabei aber nicht weniger Steuern zu zahlen hatten, erhielten entweder gar nichts von den städtischen Lieferungen, zu deren Kosten sie doch auch bei­trugen, oder aber man warf ihnen ab und zu einmal emen Submissionsknochen vor, an dem wenig zu nagen war.

Wenn nun auf der anderen Seite gesagt wird, die Bürger, die sich als Gemeinderat wählen ließen, über­nähmen schwere und große Opfer, so kann darauf nur wiederholt geantwortet werden: Es war ihr fteier Wille! Wenn ferner behauptet wird, ein Verbot, sich an den städti­schen Submissionen zu beteiligen, würde einer Strafe gleicy- kommen, so muß demgegenüber bemerkt werden, daß man mit demselben Recht behaupten könnte, die Wahl zum Ge­meinde- oder Stadtrat gebe dem Gewählten. zugleich ein Privilegium auf städtische Lieferungen, zum mindesten aber auf Bevorzugung. Auch die Befürchtung, ein städtisches Submissionsverbot für die Stadtväter könne dahin führen, daß intelligente und strebsame Leute aus dem Handwerker­stand oder aus dem Geschäftsleben nicht .mehr für das Amt eines Gemeinderats zu finden seien, ist hinfällig.. Wir glauben, daß sich noch genua Liebhaber für die Gemeinbe­rat s-Ehr e n st e l l e n selbst dann finden dürften, wenn letztere an die Mei st bietenden versteigert würden. Lasse man es also einmal ruhig darauf ankommen und verhindere durch ein Submissionsverbot für die Stadtväter deren Mitkonkurrenz bei der Vergebung städtischer Arbeiten! Das Ansehen der Stadtverordneten kann dabei nur gewinnen.

wiedergegeben hat, wie eben nur ein Tiroler Bauer, der er m des Wortes bester Bedeutung war und blieb, es kann. Aus seiner Kenntnis der Landsleute, aus seinem fnchsimngen und guten, nur den Feiertag i,nd das Fröhliche, Nicht das Bittere, den Ernst die mühsame Arbeit, den schweren Werktag des Bauern sehenden Herzen hat er diese Szenen, die seitdem Gemeingut der ganzen Kulturwelt durch ihre ungezählten Reproduktionen wurden, gemalt Sein Sprekbacherbild (1859), vom Ferdinandeum in Inns­bruck erworben, machte seinen Namen bekannt Darm folgte der Tanz auf der Alm" 1872, dasPreispferd' 1873 SeinLetztes Aufgebot" aus 1874 erwarb die kaiserliche Galerie m Wien, während dieHeimkehr des Tiroler Landsturmes" 1890 aus 1876 die Berliner Nationalgalerie erwarb. Wetter nennen wir den Salon-Tiroler" (National-Galerie), während von Histo­rienbildern großen StilesAndreas Hofers letzter Gang" (Galerie Königsberg),Erstürmung des roten Turmes «München" «Nene Pinakothek) Die Sensenschmiede im Tiroler Ausstande 1809" (Dresdener'Galerie) und andere ihn als immer stark am effekt­vollen Aeußeren haftenden Interpreten der (^schichte seines Volkes zeigen. Der Künstler von seinem Landesfur^n geadelt, fungiert seit 1878 als Professor an der Münchener Akademie.

Lüttich, 26. April. Die Internation al e Au s stell- u n a bietet ein Bild vollkommener U n f e r t i g k e i t. Die Archi­tektur der großen Hallen und der Pavillons der einzelnen Länder ist zwar vollendet, aber das Innere der letzteren ist . nahezu überall noch leer und in den Hallen herrscht größtes Durcheinander. Einigermaßen komplett ist nur die Kunst-Ausstellung, wo

Bekanntmachung.

Betr.: Gesuch der Gailischen Dampfziegelei und Tonwaren, fabrik zu Gießen um Genehmigung zur Anlage eines Dampfkesiels für den Erdkauterweg.

Die Gallische Dampfziegelei und Tonwarenfabrik zu Gießen beabsichtigt, bei ihrem Tonwerk in der Gemarkung Gießen eine Dampsteffelanlage zu errichten.

Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, Erscheinen dieses im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Bureau des Großh. Polizeiamts Gießen zur Einsicht der Jnterefienten offen. Etwaige Ein­wendungen sind binnen dieser Frist bei Meidung des Aus- fchluffeS bei Großherzoglichem Polizeiamt Gießen vorzu- bringen.

Gießen, den 16. Aprll 1905.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Wagner.

'roe unklug, einen ihr überstellten Gemeinderat, von dem man nicht weiß, wann man ihn wieder braucht, $u ignorieren. Es sind O lchon Falle bekannt geworden, wo Gememderate ihre V^rtrauensstell- ung entweder direkt oder indirekt mißbrauchten, mdem sie sich selbst oder durch Kollegen oder durch Untergebene Ern- blick in die eingereichten Angebote verschassten und dar­nach ihre Kalkulationen einrichteten, auf Grund deren chnen dann die Lieferungen ^geschlagen wurden Fallen diese nachher nicht so aüs, wie es die vorgeschriebenen Bedmg- unaen verlangen, so gerät der abnehmende Beamte tn etne Nwbe SUnation. IJeist er die Arbeit als mmenugend

Kleines Ieuilleton.

Deireaq-rs 70. Geburtstag Franz Defregger äm des Vaters

M*® nach zurück. E^zoger t>«

NMKKHäNrzWLK Sittttt Volksleben, speziell die Andreas Hoftrsche Epoche dar­stellend, ihn ganz als Pilotyschen Schülp. ^n. Aber bald kam d!)ch ein Abweichen von dieser Richtung zum Ausdruck ,Ran bezeichnet noch heute zuwetten 2^fregger als den Apvsttt

Tirolers, dessen Feste und Freuden er allerdmgs umiueri]C9

Deutschland sehr mittelmäßig, Belgien glänzend vertreten ist und Frankreich stark enttäuscht. Bei den Abtellungsausstelb> ungen ist Deutschland am weitesten fortgeschritten. Dre Ausstell­ung des rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats präsenttert sich ausgezeichnet, eberchv Krupp und in der M-fichinenhalle bei Belgien! die riesigen Dynamos von Cockerill. Die Deutschen hätten in letzterer alles exakt fertigstetten können, doch ist der Fußboden schlecht. Frankreich ist noch sehr im Rückstand, und da seure Beteiligung sehr stark ist, wird der Eindruck des Unfertigen noch verwehrt. Die kleinen Ausstellungen von Schweden und Rußlands ebenso die Sonderausstellung der Stadt Paris sind fertig: auch die eleganten Baulichkeiten der Lebenstnittelausstettung in bet' großen Halle bieten schon einen hübschen Anblick. Am Nachmittag noch wurde ein Teil der Anlagen bepflanzt, doch dürfte vor beut Besuch des Königs am 11. Mai die Ausstellung kaum einiger­maßen komplett sein, mt welchem Tage sowohl der deutsche Kaiser als die Königin von Holland dem König Begrüßungs­schreiben überbringen lassen werden. Heute abend wird damit begonnen, die Stadt für die morgige Eröffnung durch den Prüfen Albert zu schmucken.

Venedig, 26. April. In Gegenwart des. Herzogs von Genua als Vertreter des Königs, des Ministers des Auswärttgen Tittoni als Vertreters der Regierung, des Unterstaatssekretärs des öffentlichen Unterrichts Rosse, zahlreicher Senatoren und Deputierten sowie einer großen Anzahl Geladener wurde heute vormittag die 6. Internationale Kun st-Ausstellung hiey eröffnet.

Valitische Tagesschau.

Zur Neuorganisation des Reichsmariueamts.

R. Berlin, 26. April.

Dre wichtigste und interessanteste Aendernng in der neuen Organisation des Reichsmariueamts ist die Erwei­terung der Konstruktionsabteilung zum Kon- struktionsdepartement. Wichtig deschalb, weil der Gesechtswert der Marine wesentlich von der Konstruktion der Schifte ab hängt, die mit der technischen Vervollkömm- nung immer komplizierter wird. INteresiant deshalb, weil an der Spitze des Konstruktionsdepartements nicht ein Tech­niker von Fach, sondern ein Seeoffizier, der Kontreadmiral v Eickstedt, steht, der auch sckwn die Konstruktionsabteil­ung leitete. Scheinbar bleibt also der wichtigste technische Posten in der Marine durch einen Mchtfachmanu besetzt, denn als Seeoffizier von Beruf kann Herr v. Eickstedt die Kenntnis des Schiffbaues höchstens theoretisch sich angeeignet haben. Es wird also wohl kaum an einer Wiederholung des dem Staatssekretär v. Tirpitz bereits ftüher gemachten Vor­wurfs fehlen, daß sein Bestreben darauf gerichtet fet, die höheren Stellen in der Marineverwalttmg und besonders die der technisch durchgebildeten Vortragenden Räte mit Seeoffizieren zu besetzen. Läc^e wirklich und erst recht bei der soeben erfolgten Reuorganrsation des Reichsmarineamts eine einseitige Bevorzugung des mili­tärischen vor dem technischen Element vor, dann wäre das einer gesunden Entwickelung der Marine, für die die Technik mindestens soviel bedeutet wie die Seemannschaft, gewiß nicht förderlich. Die Bevorzugung der Offiziere vor den Ingenieuren ist aber nur scheinbar. Daß Staatssekretär v. Tirpitz nicht daran denkt, das technische Element zurück­zusetzen, läßt sich schon erkennen an der regelmäßigen M- kommandierung von im Frontdienst tätigen Marine-Jn- genieuren zum Marineamt nach Berlin zwecks Informierung über Schiffsneubauten. Die in den technischen Abteilungen der Zentralverwaltung sich bsfindenden Seeoffiziere arbeiten also zusammen mit den Berufsingenieuren, im Schiffsbau- wie im Maschinenbaufach. Bekanntlich müssen in der See- ofsizier-Berufsprüfung Kenntnisse cmf allen mit dem Ma­rinewesen zusammenhängenden Gebieten nachgewiesen wer­den Umgekehrt spielt das militärische Element in alle diese Spezialgebiete hinein, ist es schlechterdings unlöslich mit ihnen verbunden. Schon um den komplizierten Ma­rineetat auftustellen, bedarf es bedeutender finanztechnischer Kenntnisse. Seit Jahr und Tag aber wird diese Arbeit durch einen Seeoffizier, den Kapitän z. S. Capelle, in so mustergiltiger Weise geleistet, daß die Etatskenner im Reichs­tag nicht ein einziges Mal Anlaß zu Einwendungen hatten. Nun ergibt sich aber aus den Einzelheiten der sation des Reichsmarineamts, daß das Konstruktionsdeparte-

ment in vier Unterabteilungen gegliedert ist, in denen den fachmännisch durchgebildeten Ingenieuren und VerwaltungS- beamten der weiteste Spielraum zur Betätigung gegeben ist. Die Gebiete des Schiffsbaues, des Schifssmaschinenbaues, der militärisch-seemännischen Bauangelegenheiten und deA Finanzdezernats sind abgesondert und werden durch Fach­männer bearbeitet. Die Oberleitung des Ganzen ift int Interesie der Einheitlichkeit der Gesamtorganisation deS Marinewesens in die Hände eines Seeoffiziers, eben des Kontreadmirals v. Eickstedt, gelegt. Dagegen wird sich tm Ernst ebensowenig etwas einwenden laffen, wie gegen bw Uebertragung der Leitung des Reichsmarrneamts an einen! Seeoffizier. Man darf also das Vertrauen haben, daß die maßaebenden Kreise der Marineverwaltung sich am wenigsten der 'Erkenntnis verschließen, wie verhängnrsvoll eine Zu­rücksetzung des technischen Elementes für die Wehrfähuzkett: der Marine sein würde.

Eine neue Handelsflotte.

Es ist kürzlich auf die Bedeutung Belgiens ccks Welthandelsstaat hingewiesen worden. Obwohl das kleine Land kaum sieben Millionen Einwohner zählt, steht es hier an fünfter Stelle. Das macht den Wutts'ch der Belgier nach einer eigenen Handelsmarine erflärlich, wird doch gegenwärtig der gewalttae Seehandel des Landes unter fremder Flagge bewerkstelligt. Versuche, eine große natio­nale Schiffahrtsgesellschaft ins Leben zu rufen, sind schon wiederholt unternommen worden. Es fehlle aber vor allem an der erforderlichen Kapitals-Assoziation. Hierin ist mm jetzt Wandel geschaffen. König Leopold, die Regierung, Belgiens Bank- und Jttdustriewelt und der ebenso rerche wie unternehmunaslustige Graf von Flandern haben sich zusammengetan und ein Kapital von mehreren Hundes Millionen gezeichnet, mit dem die Schiffahrtsgesellschaft ausgestattet werden soll, um zunächst den Bau von Ozean­dampfern in Angriff nehmen zu können. Sitz der Gesell­schaft und Ausgangspunkt der von ihr einzurichtenden regefr mäßigen Ueberseefahrten wird Antwerpen sein. Die dies­jährige große Industrieausstellung in Lüttrch rst zweifellos auch im Interesse der Mbeit für dre belgrst^ Handelsmarine veranstaltet. *

Gegen den Schnellzugs-Zuschlag, der dem Vernehmen nach bei der geplanten Versvnentarif-R^ form konserviert und verallgemeinert werden soll, wendet sich Dr. Eduard Engel mit folgenden Ausführungen:

Die Enenbahnwissenschaft hat längst sestgestellt, daß toe Selbstkosten der Verwaltung für Schnellzüge durchaus mch< höher sind als für Personenzüge. Es ist noch nicht lange her, seit in einer Abhandlung ein Berliner Ingenieur den über­zeugenden Nachweis geführt hat, daß die Selbstkosten der Vev- walttrng für Schnellzüge geringer sind als für Personenzüge. Die Verwaltung braucht die Schnellzüge unbedingt, um übev- haupt einen Durchgangsverkehr ordnungsmäßig zu bewältlgeu. Von den Hauptkulturländern ist Deutschland das emzige, w dem der Grundsatz überhaupt noch auftecht erhalten wird, daß Schnellzüge eigentlich einen Zuschlag rechtferttgen. Weder rn England noch in Frankreich gibt es besondere Zuschläge fitt Schnellzüge. Aber in Deutschland selbst ist ia schon fett mehr als einem Menschenalter der Schnellzugsz-uschlag zum größten Teil aögeschafft! 'Die preußische Eisenbahnverwaltung erhebt schon jetzt einen Einheitspreis für Personen- und Schnell­zuge in mehr als 70 Prozent aller Fahrten, denn die Rückfahr­preise beruhen auf dem Tarif für Personenzüge und die Rück­fahrkarten berechtigen für Schnellzüge ohne besonderen Zu­schlag."

Zweites Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag Ä7. April 1805

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