Ausgabe 
29.9.1905 Erstes Blatt
 
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LrcrnSPortdampfcr, die von Japmr erworben worden sind, und hat die Kvirzessionen zur Errichtung von Docks usw. erhalten.

Paris, 28. Sept. DasEcho de Paris" bericlstct aus Rom: Der französ. Minister siir öffentliche Arbeiten begibt sich nach Neapel, ivo er mit seinem italicnisckren Kollegen eine Unterredung haben wird betreffend den Durchstich d c s Co l bc I a Fan ° chilles (Jura-Past).

Ausstsches und Japanisches.

Witte ist am Donnerstag auf dem Warschauer Bahn­hofe in Petersburg eingetroffen. In der Empfangshalle erwarteten ihn etwa 400 Personen. Dian sah nur vereinzelte Uniformen. Der Empfang trug keinen offiziellen Charakter. AlS Witte auf dem Perron erschien, schwenkten die Anwesen- begeistert die Hüte und brachen in nicht endenwollende Hurrahrufe aus. Vom Vertreter der Stadt wurde Witte mit einer warmen Ansprache begrüßt, auf die dieser etwa Folgen­des antwortete:

Ich bin so gerührt von diesem Empfang, das; ich für die man- aelhaite Antwort um Entschuldigung bitten muß. Ich muß damit beginnen, das; ich durch den Willen des Zaren auSgewählt worden bin. Es kam also besonders auf Pünktlichkeit in der Ausführung des kaiserlichen Auftrages an, den zu erfüllen mein einziges Bestreben war. Ich sand Unterstützung darin im Auslande, besonders im freien Amerika, wo alle Klassen der Bevölkerung aus meiner Seite waren. Die Unterstützung besonders führte zu dem glücklichen Ausgange der Friedensunterhandlungen. Wenn ich daher irgendwelche Verdienste für mich in Anspruch nehmen darf, so ist cs eben die genaue Ausführung des Willens meines Herrscher« und daS tiefste Gefühl, daS mich als Russen mit Ihnen meinen Mitbrüdern während der letzter; zwei Jahre durch furchtbare Leiden unseres Vaterlandes verband. daS gab mir Kraft, meine Mission zu dem gewünschten Abschluß zu bringen.

Die Rede wurde oft von begeisterten Zurufen unter­brochen. AlS sich Witte zum Wagen begab, drängte die Menge ihm nach und wollte ihm die Hand drücken. ES dauerte eine ganze Weile, bis der Wagen unter den HurrahS der Menge abfahren konnte.

Im Gegensatz zu Telegrammen aus Tokio ist nach offiziöser russischer Darstellung die Verzögerung bei dem Abschlüsse des Waffenstillstandes auf dem Kriegsschau­plätze in Korea nicht darauf zurückzuführen, daß den Kom­mandanten der russischen Truppen nicht genügende Voll­machten erteilt worden sind, sondern darauf, daß der Kom­mandant die Bedingungen deS japanischen Befehls- haberS nicht annehmen konnte. Dieser verlangte, daß sich die russischen Truppen über den Tumen zurückzögen und daß den japanischen Truppen gestattet werde, auf dem linken Flügel bi§ Kirin vorzurückcn, um die Verbindung zwischen den Truppen in Korea und den japanischen Arinecn in der Mandschurei herzustellen, so daß das neutrale Gebiet zwischen dem Tumenflusse und Nordkorea liegen würde.

Der Sem stwo- Kongreß in Moskau beschäftigte sich auch mit der Polen frage. Es herrschte zunächst die Ab­sicht, die Frage nicht zu beraten. Die polnischen Delegierten erklärten jedoch, daß sic nach Polen zurückkehren würden, um der Bevölkerung mitzuteilen, daß für sie alles verloren sei. Hierauf wurde die Frage beraten. Auö der Debatte ging hervor, daß die Mehrheit deS Kongresses der Autonomie Polens günstig sei. Die finländischen Delegierten enthielten sich der Beratung und der Debatte, indem sie erklärten, daß ihr Staat unabhängig sei. Sie haben sich an den Verhand­lungen nicht beteiligt.

Kolonialpost.

Nach einer Meldung des Grafen Götzen aus Dar- es-Salaam liegen Nachrichten über eine weitere Ausbreitung des Aufstandes nicht vor. Das Bezirksamt Lindi meldet ein Abflauen der Bewegung. In den Matumbi-Bergen dauert der Kleinkrieg noch an, dagegen liefern im Bezirke Mohoro unterworfene Aufständige zahlreiche Gewehre ab. Langenburg erscheint nicht unmittelbar gefährdet, da Leutnant Klmghardt von dort mit 50 Mann auf Songea marschiert ist. Die Marinedctachemcnt besetzen Liwale, das Hinterland von Lindi, die Matumbi-Berge, Mohoro und Morogoro.

Der Basutastamm in der Kap-Kolonie ist un­ruhig geworden. Eine fliegende Kolonne ist von Pretoria zur Grenze abgegangen.

Die ßhotera.

DerRcichSanz." meldet: Die Zahl der Erkrankungen 'tinb Todesfälle an Cholera hat in den letzten beiden Wochen erheblich abgenommen. Während in der Woche vom 3. bis 9. September 56 Neuerkrankungen und 23 Todes­fälle festgestellt wurden, betrug in der Woche vom 10. bis 16. September ihre Zahl nur 38 (16), vom 17. bis 23. September nur 21 (6).

Dagegen wird privatim folgendes gemeldeS:

In Berlin wurden unter Cholera-Verdacht 2 Ar­beiter nach der Isolierbaracke deS Moabiter Krankenhauses gebracht. Wie aus Steinfurth am Finowkanal ge­meldet wird, ist bei dem Ziegelciarbeiter Becker Cholera als Todesursache fcstgestellt worden. Seine Frau und 3 Söhne, die ebenfalls erkrankt waren, wurden zu Beobachtungszwecken isoliert.

In Warschau ist neuerdings wieder ein Cholcrafall, (n Kischinerv sind 8 Cholerafällc mit tätlichem AuSgange zur Anzeige gelangt. Der rumänische Grenzort Stefanesti wurde sofort abgesperrt und die Vorsichtsmaßregeln an der russischen Grenze verschärft.______________________________________

Ans Stadt and KauS.

Gießen, 29. September 1905.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben Hie Hofstallbeiknechte Karl Fiedler und Johannes Traut^- mann zu Hofkuffchern ernannt. Der Industrielle Kempff in Hamburg wurde zum Konsul bei der Freien und Hanse­stadt Hamburg ernannt. Der erste evangelische Pfarrer und Dekan Bohn zu Alzey ivurde auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt. Der seitherige erste Lehrer an der landwirtschaftlichen Winterschule zu Langen, Oekonomicrat Weitzel wurde in gleicher Eigenschaft an die in Lich zu errichtende landwirtschaftliche Winterschule versetzt. Dem Kommunalforstwart Streckfuß zu Hoch-Weisel wurde auL Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand der Charakter als Förster verliehen. Der Oberlehrer und Leiter der höheren Bürgerschule Dr. B e r n i u s zu Grünberg ivurde zum Ober-- lehrer an der Real- und Landwirtschaftsschule zu Groß- Umstadt ernannt. In den Ruhestand wurden versetzt: am

21. Sept. d. I. der Lehrer an dem Gymnasium Fridericianum zu Laubach, Bergheimer, auf sein Nachsnchen, mit Wirkung vom 16. Oktober 1905, bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit; der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Stein-Bockenheim, Ritter, auf sein Nachsuchen, unter An­erkennung seiner langjährigen treuen Dienste. Dem Schul­lehrer Braunewell zu Erbes-Büdesheim wurde eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Wieseck übertragen.

Zum Gemeinde umlagen-Gesetz. Aus Darm­stadt wird uns geschrieben: Zu dem Entwurf eines Ge- meindeumlagen-GesetzeS hat der Verein der Detaillisten in Darmstadt an die Erste Kammer eine Vorstellung gerichtet, in welcher gegen den von der Zweiten Kammer zu § 11 beschlossenen Zusatz, der zu dem Wert deS Anlage- und Betriebskapitals einen Zuschlagbis zum Doppelten des ge­werblichen Vermögens^ vorsieht, protestiert wird. Nach ein­gehender Beratung der Materie und reiflicher Erwägung aller in Betracht kommenden Faktoren komme man zu dem Schluß, daß eine Besteuerung des gewerblichen Vermögens in vollem Umfange nur dann zu ermöglichen ist, wenn neben der Normal-Anlage- und Ertragsbesteuerung erforderlichenfalls auch die Höhe deS Umsatzes ohne Beschränkung in Betracht gezogen wird. Daher bittet der Verein dringend, der von der Zweiten Kammer beschlossenen Fassung deS Artikels 11 des Gesetzentwurfs nicht zuzustimmen, vielmehr die obigen Vor­schläge in den Bereich der nächstliegenden Erwägungen zu ziehen und deren Annahme durch die Landstände anzubahnen.

Dienstjubiläum. Am Sonntag, dem 1. Oktober, sind eS 2 5 Jahre, daß Herr Louis Noloff als Oktroi- Erheber am Walltor eingetreten ist.

** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Für die Eröffnungsvorstellung, die ShakespearesKauf­mann von Venedig" bringt, sind die Proben in vollem Gange. Shakespeares Werk eignet sich besonders zu einer ersten Vorstellung, da so ziemlich das gesamte Personal in ihm Gelegenheit hat, sich in größeren Aufgaben einzuführen. Wie schon erwähnt, ist eine vollständig neue Ausstattung an Dekorationen und Kostümen beschafft worden.

*' DaS Kommandeurkreuz des japanischen Ordens der aufgehenden Sonne" ist dem Gießener Regimentskommandeur Oberst v. Lin den au verliehen wor­den und der Kaiser hat Herrn v. Lindenau die Erlaubnis erteilt, den ihm vom Mikado verliehenen Orden anzulegen. Diese Ordensverleihung hat eine interessante Geschichte. Oberst v. Lindenau, der bekanntlich bis vor kurzer Zeit AbteilungS- chef int Großen Generalstabe war, hatte nach dem Kriege in Südafrika eine Schrift veröffentlicht, die die Lehren aus dem Burenkriege beleuchtete. Die Schrift wurde zwar von dem kürzlich verstorbenen, Generalletttnant v. Boguslawski befehdet, aber der Kriegsminister Brodrick bezeichnete das Werk im englischen Parlantent als das einzige, dessen Studium von Nutzen sei, weil eS die Lehren des Krieges richtig erfaßt habe. Die japanische Heeresleitung war eben­falls auf die Lindenausche Schrift aufmerksam getvorden, er­kannte ihren Wert und ließ sie sofort ins Japanische übertragen, um sie dem japanischen Heere zttgänglich zu machen. Nunmehr, nach Beendigung des rtissisch-japanischen Krieges, hat der Mikado sich verattlaßt gesehen, deit Ver- asser auSzuzeichnen, um ihm seinen Dank auszudrücken für den Nutzen, den die Schrift den japanischen Heeren während deS Krieges gebracht hat.

" Die Obsternte in der Gemarkung Gießen beträgt: Aepfel 85 Doppelzentner, Birnen 160 Doppel­zentner, Pflaumen (Zwetschen) 255 Doppelzentner. In der Gemarkung Schiffenberg: Aepfel 5 Doppelzentner, Birnen 3 Doppelzentner, Pflaumen (Zwetschen) 1 Doppelzentner.

** Reservisten-Transport. Gestern nachmittag trafen mit Sonderzug 500 Reservisten von dem in Straß­burg liegenden 143. Inf.-Regt, am Bahnhof ein. Der Zug blieb etwa P/a Stunde hier liegen. Es war den Leuten gestattet worden, den Bahnhof zu verlassen und sich unsere Stadt anzusehen, von welcher Erlaubnis atisgiebig Gebratich gemacht tvurde.

X Lollar, 28. Sept. Hettte fand hier Bürger- ttteisterwahl statt. Es standen sich Beigeordneter Heinrich Schmidt und Wagnermeister Karl Schwalm als Kandidaten gegenüber. Ersterer erhielt 129 und letzterer 110 Stimmen. Somit ist Herr Beigeordneter Schmidt gewählt. Weitere vier Stimmen waren zersplittert.

(') Reiskirchen, 27. Sept. Bei der diesjährigen Obstversteigerung wurden sehr hohe Preise erzielt. Der Zentner Aepfel kostete 15 bis 20 Mk. Für Birnen und Zwetschen tvurden mitunter sehr niedrige Preise bezahlt.

X. Bellersheim, 28. Sept. In der Nacht atif Montag wurde hier eine gemeine Tat vollbracht. Das schöne Grabdenkmal des vor etwa 8 Jahren verstorbenen Bürgermeisters Bopp, der lange Jahre in gerechtester Weise lind zur größten Zufriedenheit der Behörden sein Atut ver­waltet hat, wtirde um gerissen, sodaß cs in drei Stücken zu Boden liegt. Wahrscheinlich liegt ein Racheakt gegen den Verstorbenen und seine Angehörigen vor. Hoffentlich wird der schändliche Täter entdeckt.

T Alsfeld, 28. Sept. Der hiesige Stadtvorstand ;atte bekanntlich in seiner Sitzung vont 6. September bc» chlossen, das Generalkommando des 18. Armeekorps auf das ich zur Anlage eines Truppenübungsplatzes vor­züglich eignende Hochplateau des Vogelsberges aufuterksam zu machen. Jetzt ist der Bürgermeisterei vom KriegSministerium ein Schreiben zugegangen, daß zu einem derartigen Uebungs- platz ein Gelände von 5625 Hektar Größe erforderlich sei. Da das Hochplateau diesen Umfang nicht besitzt, ist eS mit dem Plane tvieder nichts. Vielleicht kommt man doch noch einmal auf die Gegend bei Wc rm er ts h a u f en und RüddingSHausen zwischen dem Ohm- und Lumdatale zurück.

sd. Darmstadt, 29. Sept. (Eig. Drahtbericht des Gieß. Anz.) Das Großhcrzogliche Paar hat ich am Mittwoch nachutittag im Automobil nach deut Viernheimer Jagdgebiet begeben, nahm im sogenannten Jägerhüuschen Wohnung und kehrt heute wieder hierher ; «rück.

sd. Darmstadt, 28. Sept. Die vereinigten Krieg er- ücreine Darmstadts führen hier von heute ab allabendlich ein SchauspielBarbarossas Erwachen", das sich aus 34 lebenden Bildern zttsammensetzt, auf. Es ist ein

historisches Festspiel aus der Zeit der Befreiungskriege un> des deutsch-französischen Krieges, unter besonderer Berück, sichtigung der Ruhmestaten der hessischen (25.) Division, Der Erlös aus den Vorstellungen kommt den Kämpfern in Südwestafrika und den Wohltätigkeits- und Sterbekassen der sechs beteiligten Kriegervereine zugute. Zahlreiche Damen und Herren haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt.

Mainz, 27. Sept. 'Vn der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenvers a m m l u n g berichtete Stadt­verordneter M. M. Mayer über die Festsetzung des Ge­halts des neuen Oberbürgermeisters. Nachdem der Finanzausschuß durch Umfragen in den benachbarten Städte festgestellt hatte, daß die Bürgermeistergehälter in den letzten Jähren sämtlich erhöht worden sind, wurde beschlossen, das Gehalt des Oberbürgermeisters auf 12000 Mk. und die Nepräsentationskosten auf 3000 Mk. festzusetzen. Die Ver­sammlung beschloß weiter, eine Kommission zur Besichtigung auswärtiger Kranken an stacken zu ernennen; es wurden hierfür 10 000 Mk. bewilligt. Man will hierdurch Unter­lagen für die Erbauung einer neuen Krankenanstalt ge° winnetk. Für den Ausbau der Gleisanlagen für das In­dustriegebiet werden 50 000 Mk. und für die Erbauung von Gebäuden im Betriebsbahnhöfe der Straßenbahn 13500 Mark bewilligt. (Frkf. Ztg.) DerKöln. Volksztg." schreibt man von hier folgendes: Zum erstenmal seit langer Zeit waren dieser Tage wieder auswärtige Viehhändler einer aus Hamburg und einer aus Köln mit je einer Sendung Schweinen auf dem hiesigen.Viehmarkte eingetroffen. Ein Teil dieser Schweine wurde von Metzgern geteuft, während der andere Teil sofort von hiesigen Schweinehändlern er­standen wurde, um nicht etwa durch die vermehrte Zufuhr Herabaehen der Schweinepreise zu veranlassen. Diese Tat­sache beweist, daß die Händler immerhin einen Teil der Schuld tragen, wenn auf dem hiesigen Markte so hohe Preise für Schweine bezahlt werden müssen.

Frankfurt, 28. Sept. Der Magistrat von Frankfurt hatte beabsichtigt, stellvertretend den Vorsitz des Kauf. mannS» und Gew crbegerichtS einem Rechtsanwalt im Nebenamt zu übertragen. Die Stadtverordneten lehnten jedoch die Vorlage ab und ersuchten den Magistrat, die Stelle mit einem richterlichen Beamten im Hauptamt zu be­setzen. Auch ein städt. WohnungSnachweiS für kleine Wohn­ungen stieß auf lebhaften Widerspruch. Eine 26jährige Frau, die schon längere Zeit von ihrem Manne getrennt lebte, versuchte sich gestern abend in der Wohnung ihres Mannes mit Sublimat zu vergiften. Sie hatte ein Gramm Sublimat in einem Viertelliter Wasser gelöst und etwa die Hälfte getrunken. Ihr Mann hörte zufällig, daß seine Frau in der Wohnung sei und versuchte einzudringen, doch war die Tür von innen verschlossen. Nach langem Klopfen öffnete die Frau. Sie war bereits vom Gift so ge­schwächt, daß sie sofort umsank. Per Mann fand die rote Flüssigkeit und rief sofort die Rettungswache, die eine Magen» Ausspülung vornahm und die Lebensmüde nach dem Kranken­hause brachte.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bei der kürzlich in Fauerbach v. d. H. abgehaltencu Bürgermci st erwähl erhielt Beigeordneter Phi > lipps 49 und G. Möckel 57 Stimmen. Da eine absolute Stimmen­mehrheit nicht erzielt wurde, findet Stichwahl zwischen den Beiden statt. Das 25jähr. Arbeitsjubiläum feierte am Mittwoch die Werkftihrerin in der mechanischen Strickerei des Bürgermeisters Kromm in Schotten. InSödel feiert heute daS Ehepaar PH. Hch. Bender goldene Doch zeit. In Frankfurt a. M. wurde der Leiter des Zentralarbeitsnach­weises für Transport and Verkehr Erich Larisch von der Straf­kammer wegen Hehlerei zu drei Mvnaten Gefängnis verurteilt. In Fulda wurden bei einer Verhandlung über eine Jagd- straffachc im Gerichtssaal wegen- Meineidsverdachts zwei an gesehcneZeugeir,- der Bürgermeister Herr und der Kvufinann Hahncr aus dem Dorfe Elters verhaftet.

Schwurgericht.

th. Gieße n, 29. Sept.

Gestern verhandelte das Schwurgericht gegen den Taglöhnek Adam He iding er, gebürtig aus Brückenau, zuletzt beschäftigt in Grünberg, wegen N o t z u ch t v e r s u ch s. Die Anklage wurde vom Gerichtsassessor Dr."H e tz e l vertreten. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt Kaufmann. Der Angeklagte, welcher wegen des gleichen Verbrechens zur Zeit 1 */, Jähr Zuchthaus verbüßt, ist bereits wegen Sittnchkeilsvergehen drei mal und auch sonst vor­bestraft. Die Oeffentlichkeit war bei der Verhandlung ausgeschlossen. Nachdem die Geschworenen die Schuldfrage bejaht und das Vor- liegen mildernder Umstände verneint hatten, erkannte der Gerichts- Hof auf eine Zusatzstrafe von e i n e m I a h r e Z n ch t h a u S, Io daß der Angeklagte im Ganzen 21/? Jahre zu verbüßen hat.

Vermischtes.

lieber die Verwüstungen, die zu allem süd­italienischen Unheil nun noch der Wirbelsturm in der Provinz Caserta angerichtet hat, melden Neapeler Blätter folgende Einzelheiten: Bäume wurden entwurzelt, von Land­häusern die Dächer fortgeweht, durch die enorme Menge von Regen Felder und Wiesen in Seen verwandelt; der Ort Grazzanise ist schrecklich mitgenommen: die Mauern der Häuser erhielten Nisse. Großer Schaden ist in Pignataro und Brezza angerichtet worden; ein Bauernhaus wurde in der Mitte auseinander gerissen. Eine Person wurde getötet, viele verletzt. Der Einsturz deS VesuvkegelS wird be- ürchtet. Der Direktor des Vesuv-Observatoriurns meldet, daß infolge der Durchlöcherung des Kegels namentlich auf her Neapel zugewandten Seite große Gefahr für den baldigen Einsturz des gesamten Kegels besteht.

* Kleine Tageschronik. Eine eigenartige Kinder- krankhcit grlaffiert in Ayl bei Saarburg. Es ist ein Scharlachfieber in Verbindung mit einem Halsleiden. Zumeist liegen 6 bis 11 jährige Kinder darnieder. Acht von ihnen sind binnen weniger Tage gestorben. Die Frau des Arbeiters Marschall inMurvwana-Goslin (Posen) ermordete ihre beiden/i und 2 Jahre alten Kinder- indem sie ihnen Brcnn - piritns einflößte. Die Frau ist dem Trünke ergeben, ihr Mann verbüßt eine Gefängnisstrafe. Infolge Nebels stießen zwei Güterzüge bei der Station W i n g e r (Elsaß) zusammen. 17 Wagen inb demoliert, ein Lokomotivführer wurde getötet.

Kunst und Wissenschaft.

Andreas Achenbach. Fast über zivei Drittel des 19. Jahrundcrts dehnt sich das Schaffensgebict des Mannes, den viele den Bahnbrecher eines gesunden malerischen Realis­mus in Deutschland neunen, dem es zum mindesten beschiedcn war, auf dem Gebiete der Landschaftsmalerei gewissermaßen als Befreier von dem verschwommenen Wesen der Romantik zu wirken. Andreas Achenbach begeht heute feinen 90. Geburts­tag. Er wurde am 29. September 1815 in Kassel geboren. Als Zwölfjähriger kam er mit seinem Vater nach Düsseldorf und wurde unter Schadow Zögling der dortigen, dann der Mün­chener Akademie. 1839 machte er eine Reise nach Norwegen« die.

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