Ausgabe 
29.9.1905 Erstes Blatt
 
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Drogerie,

ErfteS Blatt.

Freitag ÄS. September 1905

155. Jahrgang

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das Steckenpferd: es soll gegen die Parteileitung gehen, und die das inszenieren, sind die Kerle Barth, Naumann

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Schul st ratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gietzeu.

Kernsprechanschluß Nr. 51.

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Gerlach. Das war fieckich bequemer und garantierte eigene Ziel sicherer, als über die derzeitige Situa- des Liberalismus, seine Aussichten usw. der wirt-

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Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem KeMschen Landwirt die Siegener Familien- Mtter viermal in der Woche beigelegt.

-totationSdrucl u. Ver­lag der Brü h l'schen Unwers.-Buch-u. Stem- druckeret. R. Lange.

Deutsches Reich«

Berlin, 28. Sept. Der Kaiser beabsichtigt auch in diesem Jahre auf der Rückreise von Rominten dem in

vezug»prei»r monatlich 75 Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bte TageSnummer bis vormütagS 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pfi auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den poltt und allgem. Teil: P. Witiko- für Stadt und Land^ und Gerichtssaal": August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Politische Tagesschau.

Tas Marokko-Abkommen ist perfekt.

Aus Paris melbci W. . vom 28. d. M.:

Dr. v. Rosen und Revoil hatten heute eine letzte Zu- finrmenkunst. Danach unterzeichneten Ministerpräsident R o u v i e r und Botschafter Fürst R a d a l i n das Marokko- Abkommen. An die Unterzeichnung schloß sich eine herzliche Unterredung zwischen dem Ministerpräsidenten und Radolin, in der beide sich zu dem Abschlüsse der Verhandlungen beglück­wünschten.

Und aus Berlin bringt das offiziöse Bureau folgende Meldungen:

Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über den Programm-Entwurf für die Marokko-Konferenz sind ab­geschlossen worden. DaS Programm, über das sich beide Regier­ungen geeinigt haben, umfaßt die Einrichtung der Polizei, Regel­ung der Ueherwachung und Unterdrückung des Waffensch-mnggels, die Finanzrcform, die besonders in der Errichtung einer Staats­bank, Steigerung der Steuercrtrage und Erschließung neuer Ein­nahmequellen bestehen soll, endlich Festsetzung gewisser Grund­linien zur ^Sicherung derwirtschaftlirh en Freiheit. Für das algerisch-marokkanische Grenzgebiet soll die Polizeiorgani- sation wie bisher unmittelbar und ausschließlich zwischen Frank­reich und dem Sultan geregelt werden. Nach dem Uebercinkommen werden ferner beide Regierungen Spanien um seine Zustimmung dazu angehen, daß Algericas als Versammlungsort der Konferenz gewählt wird. Sobald die Vorschläge über das Programm unb den Versammlungsort der Konferenz dem Lultan zugegangen sind, werden die beiden Missionen Fez ver­lassen, um nach Tanger zurückzukehren.

Durch die sinanzielle Lage veranlaßt, hatte sich der Maghzen an einen in Marokko wohnhasien fmrbe-rt Vermittler gewendet, der seinerseits eine Gruppe deutscher Banken in Anspruch nahm, um einen aus der nächsten Anleihe rüc^ablbaren Vorschuß von kurzer Dauer zu erhalten; die marokkanische Regierung bot "als Pfand ihre Liegenschaften in den verschiedenen Städten der Küste. Zwischen der GruppeDeutsche Bank und ein Konsortium von ftanzös. Banken" :md einer Gruppe von Banken anderer beteiligter Länder ist das Abkommen zu dem Zwecke getroffen worden, an diesem Geschäft teilzuneknnen, das sein Wesen bewahren soll als zeitlicher Vorschuß nnt Sonder­pfand und als wieder einziehbar bei einer nächsten Anleihe, oder durch die Mittel der Staatsbank, deren Errichtung zu dem Programm der Konferenz gehört. Das Geschäft läßt die Frage des Vorzugsrechts des ftanzösischen Konsortiums unberührt. Wegen der Anlage einer Mole imHafenvonTanger hatte die marokkanische Regierung in einem unter dem 26. März an die deutsche Gesandtschaft gerichteten Briefe von dem Hause Borgeaud U- Routemann die Aufstellung zweier Pläne, unter denen sie wählen würde, gefordert. Da um dieselbe Zeit eine ftanz. Gesellschaft ermächtigt war, für dieselben Bauten Vorarbei ten zu machen, ist man übereingekonrmen, daß zunächst die Rechts­ansprüche dieser Gesellschaft geprüft werden sollen und daß, wenn die ftanzösische Gesellschaft nickst dieselben Rechtsansprüche wie die deutsche Gesellschaft erweisen kann, die deutsch« die vom Maghzen bestellten Arbeiten ausführen sott.

Tie fianzös. Blätter erörtern das Abkommen in zu­stimmender Weise. DerTemps" sagt:

Die Kaltblütigkeit Rouviers, durch die Festigkeit Revoils unter­stützt, hat an diesem Ergebnis großen Anteil. Fürst Radolin, der niemals an der Möglichkett einer Verständigung gezweifelt hat, und Dr. Rosen, der seit drei Wochen eifrigst tätig war, waren ihrerseits aufrichtig versöhnliche Unter­händler. Derartige Abkommen haben, wenn sie gerecht und billig, auf die iMernativnalen Beziehungen immer eine erfreu­liche Rückwirkung. Man darf sagen, daß diese Rechnung sich auch hier bewahrheiten wird. Frankreich, welches nur einen Alltierten hat und dem ein Alliierter genügt, kann mit allen Mächten freundschaftliche Beziehungen unterhalten, da seine Poli- tif niemals aggressiv ist. Das soeben unterzeichnete Abkommen kann nach seinem inneren Werte des weiteren eine hohe Bedeut­ung besitzen. Man kann in demselben, ohne die Würde und die Interessen irgend jemandes zu verletzen, eine neue Bürg­schaft für den europäischen Frieden erblicken.

Der Zentrums-Schütze.

DerBenjamin" des Reichstages, Abg. Erzberger soll der Zentrumsparlamentarier sein, der in derKöln Volksztg." den vielerörterten mißlungenen Angriff gegen die Kolonialverwaltung richtete. DieNationalztg.*, die nicht ohne Fühlung mit der beschuldigten Verwaltung ist, drückt ihr Erstaunen darüber auS, daß Erzberger sich nicht öffentlich zu seinem Fehltritt bekenne, nachdem die ,Köln. VolkSztg." ihn rückhaltlos preisgegeben habe. Nun, vielleicht meldet sich Erzberger noch. Es wäre nicht das erste Mal, daß dieser etwas hitzige Schützling Grübers sich zu weit vor­wagt. Im Parlament freilich konnten die alten Parteikämpen schneller den Schild über ihn halten. Im übrigen dürfte das Reichstags-Nachspiel zu dem verunglückten Preßkampf für Erzberger nicht sonderlich schlimm ausfallen, da Kolonial­direktor Dr. Stübel zu der Zeit kaum noch im Amte sein wird.

Ausland.

. London; 28. Sept. DerStandard" schreibt: Es ist eine mißverständliche Auffassung, wenn man annimmt, der brttisch-iap. Vertrag sei feindselig gegen Ruß­land, eoenso ist es eine reine Fiktion, ihn antideutsch! zu nennen. Wir vermögen nicht einzusehen, inwiefern irgend ein berechtigtes Interesse Deutschlands betroffen werde. Der Verttag ist k« ine Bedrohung der Pachtverhältnisse . n utschou oder der deutschen Stellung, die Deutschland m Schantung einnimmt. Er läßt den Besitz Deutschland im fernen Osten unberührt und hat keine Beziehungen auf etwaige Bestrebungen der Berliner Regierung in Klein-Asien.

_Daily Expreß" berichtet, daß eine englisch-iav >L>wtffahrts-Aktiengesellschaft mit 100 Millionen bv, gründet werden werd. Der Hauptsitz ist London, die Direktion besindet sich in Lwerpool. Die Gesellschaft verfügt über <Q

Königsberg i. Pr. garnisonierenden Grenadier-Regiment Nr. 3, dessen Ch^f der Monarch ist, einen Besuch abzustatten. Die bisherige Jagdbeute des Kaisers im Romintener Forstrevier besteht aus insgesamt acht Hirschen.

Der Kronprinz ist heute in Homburg v. d. H. eingetroffen und von seiner Gemahlin empfangen worden. Morgen (Freitag) wird >er sich nach dem Dambachhaus bei Thale im Harz begeben, von wo er in den ersten Tagen des Oktober nach Homburg zurückkehren wird, um dann mit der Kronprinzessin auf einige Tage zum Besuch beim Herzog Karl Theodor in Bayern nach Kreuth zu reisen. Von dort wird die Rückkehr des kronprinzlichen Paares nach Potsdam erfolgen.

Trotz der wachsenden Mehreinnahmen auS der Branntwein-, Zucker- und Stempelsteuer wird der Voranschlag des Etats für 1906, wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, mit einem starken Defizit be­ziehungsweise mit einer starken Vermehrung der un­gedeckten Matrikularbeiträge abschließen.

Essen, 28. Sept. Bei der heute im Stadt- und Land» kreise stattgehabten Reichstags st ichwahl wurden ins­gesamt 80105 Stimmen abgegeben. Von diesen entfielen auf Arbeitersekretär Lo'hann Giesberts (Ztr.) 4 2 04 7, auf Redakteur Wilhelm Esewehr (Soz.) 38085 Stimmen. (Bei der Hauptwalfi am 19. September erhielt Giesberts 35 500 und Gewehr 28 726 Stimmen, während 17 886 auf Niemeyer (nt'L), 2194 auf den christlich-sozialen Kandidaten und 1689 auf den Polen fielen. Die Mehrheit der für Niemeyer abgegebenen Stimmen entschied sich dem­nach bei der Stichwahl für den Kandidaten der Sozial­demokratie.)

Bielefeld, 28. Sept. Die Vorstandsmttglieder und Obermeister des Westfält'f'ch-lippischen Be»irkS- verban d es im deutschen Fleischerverb and Huben einstimmig eine Resolution angenommen, welche in der außergewöhnlichen Fleisch Verteuerung eine Ge> fährdung der Volksernährung sowie eine schwere Schädigung des Fleischergewerbes erblickt. Eine Besserung wird deshalb nur von einer verstärkten Schlachtvieheinfuhr aus dem Auslande erhofft. Zum Schlüsse werden die Ver- tretungen der westfälischen Städte ersucht, in einer Immediateingabe an den Kaiser ober in einer Eingabe an den Bundesrat für die Oeffnung der Grenzen einzutreten.

Gotha, 28. Sept. In der heutigen Sitzung des gothaischen Landtages kam, wie das offiziöse W. T.-B. meldet, eine Interpellation über die Fleischnot zur Be­sprechung., Minister Richter erklärte, daß eine Fleischnot nicht existiere, sondern nur eine Fleischteuerung,. die aus die vorjährige Futternot zurückzuführen sei. Er sei bereit, etwaige beim Bundesrat unternommene Schritte zur Behebung der Teuerung zu unterstützen, doch sprächen große Bedenken gegen die Oeffnung der Grenzen für ausländisches Vieh,

München, 28. Sept. Heute mittag wurde durch den Prinzregenten der Landtag eröffnet. der Thron­rede heißt es: Die unverkennbare Besserung der wirt- fchaftlichen Verhältnisse machte es möglich, trotz des Rückganges einiger Einnahmequellen und abermals ge­steigerter Anforderungen eine Erhöhung der direk­ten Steuern zu vermeiden. Da jedoch beträchtliche Erübrigungen aus den früheren Jahren nicht mehr zur Verfügung sind, mußte zur Deckung der einmaligen 'Aus­gaben die 'Aufnahme eines An le he ns in Aussicht ge­nommen werden. Die Thronrede kündigt sodann eine Ver­besserung der Einkommensverhältnisse zahlreicher Kategorien von Beamten, sowie der im Staatsdienst beschäftigten 'A r b e i t e r an. Ferner sind Denkschriften über eine Reform der Steuergesetzgebung, über die Errichtung einer Zentralstelle für Handel und Gewerbe, sowie die wiederholte Einbringung eines Wassergesetzes angekündigt. Weiter werden die Denkschrift über die Erwerbung der Pfalz. Eisenbahnen und andere Entwürfe auf dem Gebiete der Verkehrsverwaltung angekündigt. lieber die Schäden, die durch elementare Ereignifie einige Bezirke in der Pfalz mit umfassenden Wein- und Tabakbau erlitten haben, wür­den umfangreiche Erhebungen angestellt.

Dem hiesigen Gemerndekollegium, wo heute zwei Reichsräte zu wählen waren, blieben die Mit­glieder der Zentrumspartei fern, weil beide Stellen nicht öffentlich zur Bewerbung ausgeschrieben worden waren, sondern von der liberalen Mehrheit direkt zwei Liberale gewählt werden sollten. Da infolgedessen die zur Vornahme der Wahl erforderliche Mitgliederzahl nicht vorhanden war, blieb die Wahl ergebnrslos. Die liberale Majorität - des Kollegiums- nahm einen 'Antrag an, nach dem gegen unentschuldigt fehlende Mitglieder 20 Mark Geldstrafe, int Wiederholungsfälle eine höhere Geldstrafe, bei drittmaligem Fernbleiben Verlust des Mandats auszusprechen ist.

bestehende oder in Verwirklichung zu setzende) dieser Orga­nisationen nicht berührt würden! Das war ein weiterer Hauptgrund, fich mit der beschlossenen Fassung zuftieden- zugeben. In Schleswig-Holstein, wie in Bayern bestehen Abmachungen mit den Nationalsozialen, und in Baden ge­hörte diese Gruppe gleichfalls zum liberalen Block. Praktisch hat also jener Scch keine Bedeutung. Er stellt aber allen Landesorganisationen die 'Aufgabe, nun ihrerseits auf der Bahn der Verständigung aller entschieden libe­ralen Gruppen weiterzuschrerten. Denn eine wirkliche Einig­ung der Liberalen zur Entfaltung neuer Werbe- und Stoß­kraft kann nur aus den Landesorganisationen, aus den Wahlkreisen heraus erfolgen. Das bestätigt auch wieder der Wiesbadener Tag der freisinnigen Volkspartei.

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** General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Aie veutige Kummer umfaßt 8 Seiten. ? ---

Zur Einigung der geraten.

Von ein em hessischen Teilnehmer am Wies­baden e r P arteitagderfreis. Volkspartei wird uns geschrreben:

Zweifellos bildete für den Parteitag in Wiesbaden der Äntraa des südwestdeutschen Verbandes über die Einig­ung der Liberalen den wichtigsten Punkt der so um- sangreichen Tagesordnung. Leider kann die nach fast vier- ftünbiger Debatte angenommene Kompromißresolution nicht als eme Lösung der Aufgabe angesehen werden, die in dem erwähnten Antrag gesteckt war. Immerhin bedeutet sie einen Schritt vorwärts auf der Bahn zu einer Verstän­digung unter den entschieden liberalen Gruppen und darum haben sich auch diejenigen darein gefügt, die in die liberale Koalition gleichfalls die Nationalsozialen aufge­nommen wissen wocken. Es ist durchaus müßig und un­gerecht, von Schwäche ober gar Verleugnung von Grund- sätzen auf Seiten ber unb e b in g ten 'Anhänger des Einig- ungsgedankens zu reben. Die Kompromißresolutton ist nur aus bem Milieu heraus zu verstehen, bas ber Wies- babener Tag barbor. Vielleicht zeichnen bas bie solgenben Zeilen besser, als es aus den Berichten ber Reben zu er­kennen ist.

Menn auch bie Befürwortung bes sübwestbeutschen Antrages burch Helff, Geiger, Müller-Meiningen unb Funck das möglichste leistete, so besaßen bie Gegner bes Antrages, ober nennen wir sie richtiger bie Anhänger ber Zimmer- sttaße ber Sitz der Parteileitung ist in Berlin bekannt­lich in der genannten Straße einen unschätzbaren Trumpf in der Hand. Sie kämpften mit einer Fiktion: sie erblickten in den Antrag eine Spitze gegen die Partei­leitung! Und angesichts der Zusammensetzung des Partei­tages nutzten sie das Huch aus. Die bloße Nennung der "Namen Barth, Naumann, Gerlach hatte schon eine Wirkung, "wie sie vielleicht nicht einmal in einer Zentrumsversamm- lung zu beobachten ist. Die als Redner auftretenben Herren sWlafz (ber Barth ein politisches Chamäleon nannte) unb Alberti-Wiesbaben (ber von Naumann runb unb nett be­hauptete, baß er keine liberalen Grunbsätze habe), von Weill- Karlsruhe ganz zu geschweigen, sie cckle waren noch bie reinsten Waisenknaben gegen bie Zwischenrufer, bie bei Nennung eines der Namen der drei erwähnten Politiker die wildesten, häßlichsten Worte ausstteßen. Es herrschte -eine Stimmung, in der sich der aufmerksame Beobachter lagen mußte, daß hier etwas brechen würde, wenn die Minderheit nicht zum Nachgeben bereit war. Verstand man rin der lächerlichen Verwirrung, welche die bloße Nennung Der drei Namen anrichtete,, doch nicht einmal mehr den billigen Spott, als Mücker-Meiningen int Tone der frei« finnigen Zeitung von Germch redete. Man vermochte also nicht mehr bie beutlichen Gänsefüßchen herauszuhören, unb ein namhafter Rebner meinte bann allen Ernstes, baß eigentlich Gerlach noch nie jo schlecht gemacht worben sei.

liche Kern des sübwestbeutschen Antrages zu bebattieren. Den Vogel schoß dabei unstreitig! Herr Cessel, Landtags- abgeorbneter für Berlin, ab, unb es barf nicht gezweifelt werben, baß er sehr stolz auf seine Rebe war. Herr Cessel las bem Parteitage Stellen aus bem Katechismus ber ehe­maligen Nationalsozialen vor! Wenn ber Rebner sich mit dieser Leistung in einem Berliner Bezirksverein probuziert hätte, so wäre bas Sache der Berliner gewesen, aber vor einen Parteitag, bem Kollegium der Partetmänner, die ständig mitten im politischen Leben stehen, . mit solchen Mätzchen hinzutreten, die vielleicht in der nächsten Woche in bent Organ der Parteileitung zum 1001. Male zu lesen ind, das war ein Streich gegen den Parteitag. Und darum ei nochmals wiederholt, es war nicht etwa ein Rebell, )er diesen Streich gegen die Reputation des Parteitags ührte, sondern ein Parteiorthodoxer und zwar ein wasch­echter.

Sollten angesichts dieser Lage die unbedingten !An- fjänger der Einigungsidee nicht retten, was zu retten war, oder sich auf einmal in der Rocke der Unentwegten ge­fallen? Das letztere hätte nicht im Interesse des Gesamt­liberalismus gelegen. So gelangte die Kompromißresolutton zur Annahme.

Freilich ist sie eine Halbheit; sie hat eine Lücke. Die Naticnalsozialen als solche existteren gar nicht mehr; sie sind in der fteisinnigen Vereinigung aufgegangen und mit dieser muß jetzt die Parteileitung eine Verständigung an- streben. Diese Verständigung wird logischerweise die ganze fieisinnige Vereinigung umfassen; eine nattonalsoziale Gruppe als solche gibt es darin ja gar nicht. Der betreffende Satz der Resolutton, der die Nationalsozialen von der Ver­ständigung ausschließt, ist also praktisch irrelevant. Er bedeutet bestenfacks eine Unhöftichkeit gegenüber den­jenigen 'Anhängern der fretf. Bereinigung, die sich ftüher nationalsozial nannten. Daß bie letzteren hierüber ver­schnupft fein unb nun ben alten Haber von vorn anfangen jverden, barf wohl als ausgeMossen gelten. Sie haben sich hoffentlich an solche Scynteicheleien gewöhnt, bereit eine jener Satz des Wiesbadener Beschlusses als unbedingt von gewisser Seite geforderte Sühne darfteckt. Und sie wußten ja auch selbst sehr gut mit dergleichen Schmeicheleien mmzugehen.

Uebrigens ist bei 'ALfafsimg der Kompromißresolution own Vertretern einzelner Landesorganisationen ausbrücklich b-etynt worben, baß bamit spezielle 'Abmachungen (bereits

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