Die Enthüllung des Moltkedenkmals in ^rtin.
Berlin, 26. £ ktober.
Heute mittag 12 Uhr fand auf dem Königsplatz in Gegenwart des K a i s e r p a ar e s und zahlreicher Fürstlichkeiten die Enthüllung pes Moltkc-Tenkmals statt. Ter Hintergrund des Tenkmals tuar mit Tannengrün und Flaggenmasten geschmückt, an denen Fahnen aller deutschen Bundesstaaten wehten. Auch die umliegenden Gebäude hatten Flaggenschmuck angelegt, während gegenüber dem Denkmal ein prächtiges Kaiserzelt errichtet war. Bereits gegen 11 Uhr nahmen die verschiedenen Truppenteile der Garde auf dem Platze und den Nebenstraßen Ausstellung. IN der Nähe des Kaiserzeltes nahmen die kommandierenden Generäle und sonstigen höheren Persönlichkeiten Ausstellung, darunter auch der Reichskanzler in Husaren- uniform sowie die Minister. In einem offenen vierspännigen Wagen mit Spitzenreitern kam die Kaiserin, die eine violette Sammetrobe trug. Etwas nach 12 Uhr nahte unter den Klängen des Präsentiermarsches der Kaiser in offenem Wagen, ihm zur Seite der eben aus Ostasien rurückgekehrte Prinz Friedrich Leopold, der noch Felduniform trug. Ter Kaiser begrüßte die Erschienenen, insbesondere auch die Mitglieder der Familie Moltke, während die Kaiserin dem Prinzen Leopold als Willkommengruß einen großen Strauß Marschall Niel-Rosen überreichte. Alsdann nahm der Festakt seinen Anfang mit einer Rede des Chefs des Generalstaöcs Grafen Schliessen, in der er Moltke als Mann der Tat feierte.
Ter Redner erinnerte an den Tag der Schlacht von Kvnig- yrätz, an dessen Morgen noch ein höherer Offizier fragte, wer General Moltke fei. 48 Stunden später buchstabierten den Namen die Schulkinder in den entlegensten Dörfern. Ein Sieg war erfochten, nicht ein Sieg, wie es deren viele gibt, der nach einiger Zeit einen neuen und wieder einen neuen Sieg verlangt, sondern ein Sieg, der mit einem Schlage Klarheit schafft, der den gordischen Knoten, welchen die Jahrhunderte verwirrt hatten, mit einem Hiebe durchschnitt. Er war nicht Feldherr, er war nur Chef des Generalstabes, er war nicht Befehlshaber, er war nur Ratgaber, und dennoch hat die Nachwelt darüber gestritten, ob er Napoleon erreicht, ob er ihn übertroffen habe, ob er hinter ihm zurückgeblieben sei. Freilich, er kann sich nicht rühmen, 19 Jahre lang eine militärische Promenade durch Europa gemacht zu haben, aber er brachte cs zustande, innerhalb sechs Wochen drei stolze Armeen einzuschließen: seine Siege sind nicht so zahlreich, wie die von 1796 bis 1815, an Glanz aber übertreffen sie alle anderen, denn er siegte nicht, er vernichtete. Redner behandelte dann die Frage, ob Moltke zu vorsichtig gewesen und ob die Ansicht derer richtig ist, die sagen, ja, er hat Glück gehabt. Er erinnerte an die Schlackten von König- grätz, St. Privat, Sedan und die Belagerung von Paris, zu der die Kräfte kaum ansreichten. Jedem anderen würde die Lage als verzweifelt erffirnen sein; nur diesem unerschütterlichen Willen zu siegen, diesem fruchtbaren Geiste, der auch auf die ver- wickeltste Frage die einfachste Antwort und für die größte Schwierigkeit die einfachste Lösung zu finden wußte, diesem wunderbaren Wagemut des 70 j ä h r i g e n Jünglings konnte cs gelingen, daß die feindlichen Armeen zum Teil vernichtet, zum Teil zerstreut wurden, daß die Tore sich öffneten und d'e Bollwerke fielen. In der ganzen Armee hielt es keiner für möglich, daß es Moltke fehlgehen könne. Ein solches Vertrauen konnte nur einem Manne entgegengebrackt werden, der sich nicht durch die Drangsale des Augenblicks bemeiftem ließ, der schon auf der Höhe von Sadowa, als es schlecht zu stehen schien und alles bestürzt und sorgenvoll fragte, imstande war, zu melden: Majestät haben den Feldzug gewonnen. Dieser erhabene Geist hat das feinige getan, um einen Bau zu gründen, der dauerhaft ist, den Stürme n der Zeit z u trotzen und sich immer stolzer erheben wird. In einem möchten wir alle es ihm gleichtun: in der selbstlosen Hingabe an den allerhöchsten Kriegsherrn. Daraus rufen wir: S. M. der Kaiser und König Hurras»!
Hierauf gab der Kaiser den Befehl zur Enthüllung, und unter präsentiertem Gewehr der Truppen fiel die Hülle. In Begleitung des Schöpfers des Tenkmals, Professors Uphues, besichtigte der Kaiser eingehend das Tenkmal unb legte zu dessen Füßen einen prächtigen Lorbeerkranz nieder, welchem Beispiele zahlreich' Abordnunacu des Generalstabes von Preußen, Badern, Sachsen und Württemberg, des Ad- miralstabcs und verschiedener Regiment- r und Krieger- Vereine folgten. In längerem Gespräch verpeilte der Kaiser noch mit den Mitgliedern der Familie Moltke und zeichnete auch sonst noch einige Personen durch Anreden aus. Ein Parademarsch sämtlicher Truppen und Kciegervereinc vor dem Kaiser beendigte die Feier.
Heute nachmittag 6 11 nr fand im Weißen Saale des Schlosses Tafel statt. Ter Kaiser brachte folgenden Trinkspruch aus:
„Tern heutigen Tage seien zwei Gläser bestimmt — das eine der Vergangenheit und der Erinnerung! In aufrichtigem Danke gegen die Vorsehung, die in großer Zeii dem großen Kaiser seine Paladine beberrscl t hat, wollen wir vor allen Dingen das erste Glas ein stilles sein lassen, welches dem Andenken gewidmet ist des Kaisers Wilhelms Majestät größten Generals!"
Ter Kaiser fuhr dann sogleich fort:
„Das zweite Glas, das gilt der Zukunft und der Gegenwart! Wie es in der Welt steht mit uns, haben die Herren gesehen. Darum das P u l v e r t r o ck e u , das Sck wert geschliffen, das Ziel erkannt, die Kräfte gespannt uni) die Schwarzseher gebannt! Mein Glcs gilt unserem Volk in Waffen! DaS deutsche Heer und fein Generalstab Hurra? hurra! hurra!"
Ten Abschluß der Erinnerungsfeier bildete die Aufführung von K l e i st s „Prinz Friedrich von H o nt b u r g" im Schauspielhause. Das Haus bot ein durchaus militärisches Bild. Tamcn fehlten. der Pause versammelte der Kaiser die Hofgesellschaft uno die Generalität im Großen Konzertsaal imn sich.
Der Skandal im „Vorwärts"
beschäftigt fast alle Zeitungen. Sogar die „Nordd. Allg. Ztg." hält den grimmen Streit zwischen dem soziald.mcotratiscken Por- teivorstand und b?n „Vornärts"-Redaktei:rcii für chciratteristisck und interessant genug, um den ganzen Inhalt b?r „Aufklärung" der „Vorwärts"-Nedakteure abzndmckcn. Darüber sind d-e Blätter aller Ricktungen einig: Schlimmer, rücksichtsloser, mißachtender wurde nock nie einem Mitglied der Presse mitgespielt, als es hier durch Männer geschehen ist, die das Banner der Freiheit und Brüderlichkeit tragen. Kein in den . finstersten Zeiten spielender Prozeß, kein Fehmgericht kennte mit ungerechteren oder selbstherrlicheren Mitteln frorgefam, als das m;t allen möglichen Geheimnissen, mit Schweigegeboten usw. ausgestattete Verfahren des Parteivorstandes gegen die mißliebig gewordenen Redakteure revisionistischer Richtung. Welcher Hohn ;. B., daß die Redakteure zwar zu einer Sitzung^der Preßkommifnon ein- gelabcn wurden, aber in derselben Sitzung die A u ff p r b c r -• ung empfingen, sick zu entfernen! Und welch s in der Tat „beispiellose Versabren", wie c3 die , Vorwärts"-Redakteure nennen, die von den scharfen Maßregeln Bedrohten — der Gesamtredaktion sollte gekündigt werden — nickt einmal an tu bereu, ihnen nicht bie mindeste Gelegenheit uir Stellungnahme Und Rechtfertigung zu geben! Was man anfänglich geneigt war, für einen schlecktm Witz zu batten: die Berufung des schrecklicken endlosen „Redners" 9lbg. Stadthagen in die „V o r w ä r t s"-R e d a k t i o n , ebenso der voll unb ganz revolutionären Genossin Rosa Luxemburg, eS
war ein jedenfalls von langer Hand vorbereiteter, vermutlich bereits auf dem Parteitag von Jena abgekarteter Plan der Volkstribunen, die das Heft in der Hand haben. Nun versteht man die bis zum Schluß kühl überlegene Haltung der Mehring und Kau tskv in dem langen Vreßgezänk mit dem "vorwärts"! Diese Gegnar der „ethisch-ästhetischen" Tonart des „2>or» wärts" waren offenbar eines starken Rückhalts gewiß, nämlick keines Geringeren, als des 9lbg. Bebel. Der alte Bebel hat sich schön „gemausert". Ob es daher kommt, daß er mit den Jahren eigensinniger geworden ist und durch leben Widerspruch in Hämisch gebracht wirb, ober ob die Kollmann'scbe Erbschaft etwas wie Kavitalisten-Selbstbewußtsein in ihm erweckt har — genug, er tritt mehr denn je als „Diktator" auf. Herr v. 93 oII m c r hat ein prophetisches Wort gesprochen, als er auf bem Dresdener Parteitag auf Bebel diese Bezeichnung münzte. Bei alled°m sind die „Vorwärts"-Redakteure entschieden die klügeren, taktisch gewandteren gewesen. Ter Parteivorltand wollte das heimliche Gericht fomcaucnt bis zu Ende durckführen, vollzogene Tatsachen schaffen und dann eine „offene" Erklärung obgeben. Das heißt bann, wenn bie vor die Tür gesetzten „Vorwärts"-Radarte-we nickt mehr in der Lage waren, in dem Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei den Hergang der Dinge zu schildern. Diese Wsickt ist geschickt durchkreuzt, indem die Redakteure sckwn jetzt die Handlungsweise des Parteivorstandes in helle Beleuchtung rücken.
Wer hätte d-'s geduckt: Sozialdemokratenslüchten gegen Sozialdemokraten in die Oeffentlichkeit! Alles, was von GJcgnem der Sozialdemokratie bisher vorqebracht wurde, wird tief in den Schatten gestellt durch 'dies Ereignis. Dagegen sind die Liebenswürdigkeiten garnichts, mit denen man sich auf dem Dr-shemr „Jungbrunnentag" gegenseitig traktierte. Hier bat sich das Tor des „Z u kn n f t § ft a a_t 3" einmal ganz erschlossen, unb wem es nun noch nickt klar ist. daß die s chl i m mfte Reaktion keine strammere Disziplin, keinen ärgeren Kadavergehorsam einführen könnte, dem ist nickt zu helfen. Davon wird im Reichstag noch ausführlich gesprochen werden.
Ausslsche Sorgen und Kkfayren.
Man meldet heute privatim aus Petersburg, der Zar fei im Begriff, nach Dänemark abzureisen, wo er zwei Monate 9(iifentbalt nehmen wolle, um sich von den Aufregungen der letzten Zeit zu erholen. Voraussichtlich werde der Zar mit seiner Familie bis Weihnachten in Dänemark verweilen. Wahrend seiner Abwesenheit soll Witte mit weitgehenden Vollmachten betraut werden unb bieselben Befugnisse erhalten, wie ein Regent. (??)
Offiziös wird mitgeteilt: Der Ministerrat entschied in seiner Sitzung am Mittwoch die Frage der Einrichtung eines Ministerkabinetts enbqiltig in bejahendem Sinne. Der Premierminister wird den Titel „Präsident* führen unb baS Recht haben, Kandidaten für bie Ministerposten in Vorschlag zu bringen, ausgenommen für den Posten bes Ministers des Aeußeren, bes Kriegsministers, des Marineministers unb beS Hofministers. — Nach privaten Meldungen wurde die Ernennung Witte's zum Ministerpräsidenten beschlossen. — Ferner wurde nach offiziöser Meldung im Ministerrat der für das Etatsjahr 1906 anSgeworfcne Kredit zur Bessert!ng der wirtschaftlichen Lage der Eisenbahnbeamten bestätigt. Doch das ist nur ein winziges Tröpflein auf heißem FelS. Die revolutionäre Bewegung nimmt ihren bedrohlichen Fortgang. Am Donnerstag abend war bie Uni» oerfität zu Petersburg der Schauvlotz einer großen Volksversammlung. Etwa 20000 Menschen waren versammelt, Angehörige aller Stande unb Erwerbsklassen. Im Hofe sprachen bie Führer der Aktionspartei. Die bisherigen teilweisen Ausstände hätten sich zu einem gewaltigen Ausstande des russischen Volkes entwickelt. Dieser GeneralauS stand aller sei die Revolution. Man habe von Seiten der Negierung bie Waffen gegen das Volk angewendet. Nichts könne mehr helfen, die Lage zu klären, als die Anwendung der Waffengewalt auf Seiten be§ Volkes.
Es verlautet aus zuverlässiger Cuetle, auf bem fiulän- dischen Bahnhöfe in Petersburg seien zwei Waggons mit Bomben einqetroffcn. Als bie Polizei ankam, um auf die Waggons Beschlag zu legen, waren sie inzwischen bereits entleert worden.
Aus bem ganzen Lande kommen zahlreiche Meldungen von der Zerstörung von Bahngleisen dtirch Arbeiter. Die Postsachen werden mit Fuhrwerken unter militärischer Bedeckung befördert. Ter Telegraphenverkehr mit vielen Städten ist unterbrochen.
In der neuen Admiralität sind die Arbeiter bei im Bau begriffenen Kriegsschiffen sowie die Arbeiter in den Marinewerkstätten, ferner die Beamten der Generalbirektion der Staatsbahn und im E ise n b a hn m i n i st er i u m in den AuSstand getreten, ebenso die Beamten der Semstwo- verwaltung der Petersburger Gouvernements. Tie Leitung der sozial-revolutionären Partei hat den Verkarlf von Feuerwaffen an bie Ausslanbigen organisiert. Zu jebcin Gewehr werden 25 Patronen abgegeben.
Durch einen vom Großfürsten Wladimir geqengezeichneten kaiserlichen Erlaß sind bie Truppen der Garnison Petersburg unter ben Befehl des Generals Trepow gestellt worden.
Bei ben BriauSkec Werken, wo bie Arbeiter aus eisernen Trägern unb Maschinenteilen Barrikaden errichtet hatten, ka,n es zii einem Zilsammenstoß, wobei es Tote unb Verwundete gab.
In Warschaii überfielen bewaffnete Banden Zeitungs- Drnckereien, vernichteten Platten und verhinderten ben Drnck. Tie Lebensmittelpreise steigen in den großen polnischen Städten rapid. ES droht Kohlenmangel. Die Lage ist gespannt. Heute beginnt der GeneralauSstand in allen Fabriken Warschaus. Ter Prosesior der Geologie Amalicki, ein Führer der Anti-Reformer, wurde auf offener Straße durch Hiebe auf ben Kopf getötet.
Wie bem „Standard* gemeldet wird, soll eine Nachricht auS Sewastopol cinqetroffen fein, nach der das Panzerschiff „Panteleimon*, früher „Potemkin" durch Brandstifter vernichtet wurde.
Ter russische Spezialberichierstatter des Londoner Daily Telegraph, Dr. Tillon, der seit zwei Jahrzehnten in Rußland lebt, übermittelt seinem Blatte folgendes Urteil über die Lage:
Kein Mensch zweifelt noch, daß die Revolution tatsächlich ausgebeochen fei. Jeder begreist in der Tat, daß die Scbreekens- herrichnft iin^Oange ift. Tie russische Regierung ift blind und o b n m ä cb t i g. Tas russische Volk ift auch blind, aber auch verrückt, blutdürstig und grausam.
Deutsch-Afrikanisches.
In Wikpudn (Ostafrika) hat Bezirksamimann Böder gute Erfolge gehabt. Indem er einen der aufftänbigen Jumbos hat erhängen lassen, haben zahlreiche andere von ihnen unter Ablieferung der Waffen ihre Unterwerfung an- geboten. Böder erwartet, daß bie Ordnung von Wikpudu erhalten wird.
Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Reiter Maer» tens auf einer Diehwache gefallen, Gefreiter Kammbolz leicht verwundet, Unteroffizier Fritz Winzer ist an einer ifn Gefecht bei Nuhib erhaltenen Verwundung gestorben. Reiter Burghardt ist an Typhus gestorben.
Hendrik Witboi, der am 8. Oktober vor Major Estorst von AubeS nach Südosten geflüchtet mar, hielt sich zunächst in der Gegend von Gorachas nördlich von KoeS auf. AuS Wassermangel wollte er sich von dort nach AminuiS zwischen Koes, Garbis begeben, dies war aber schon von Teilen der Abteilung Lengerke besetzt, die in halbstündigem Gefecht ben Angriff von 70 Hottentotten abwiesen. Hendrik Witboi ging in die Sanddünen östlich von Aminilis ziirück. Lengerke setzt mit zwei Kompagnien unb einer Batterie bie Verfolgung fort, hat alle Wasserstellen zwischen Koes und Hasnur besetzt. Zu seiner Unterstützung rückte Estorff mit zwei Kompagnien, einem Geschütz von Gochas zunächst nach Koes, ließ außerdem bie Wasserstellen Fahlgras, DaberaS, Usis GoamuS, Persip, KoweS und Aubes besetzen. Die Nachrichten über lleberfädc bei Ieriisalem-Schuitbrift sind dahin aufgeklärt, baß M o r e n g a und Morris am 7. Oktober Jerusalem durch Verrat eines eingeborenen Polizisten einnahmen. Hierbei fielen Leutnant Sur mann unb drei Reiter; ein Reiter wurde verwundet unb starb später. Der 8 Mann starke Nest der Besatzung ist bei Schuitdrift auf englisches Gebiet übergetreten. — Morenga ist aus der Gegend von Jerusalem mit 200 Kriegern, 300 Weibern unb Kindern westwärts gezogen. Oberstleutnant van Semmern verfolgt ihn in zwei Kolonnen über Eendorn unb Velloordrist. Cornelius ist vor ben aus KeetmcmShoop nachgesandten Truppen an Besondermaib unb Chamasis vorbei in nordwestlicher Richtung abgezogen. Die Führung gegen ihn hat Major Meister übernommen, der bie Gegend von Hornkranz erreicht hat. Ihm stehen im ganzen 3 Kompagnien unb l1/, Batterien zur Verfügung. In erfolgreichen Gefechten bet Deutschen am nördlichen Auob, in den Seeis-Bergen, nördlich von Kowas, sowie in der Gegend von Kub Hoacha- nas unb Bethanien fielen in den letzten Tagen 28 Hottentotten; 13 Männer unb 63 Weiber unb Kinder wurden gefangen. Infolge der Gefechte, bie in ben Zaris» und Achab-Bergen im September stattfanden, sind jetzt 107 Hereros beS Andreas auf bas englische Walfischbay-Gebiet übergetreten; herunter befanden sich 45 Männer mit 28 Gewehren, bie bie englische Polizei abgenommen hat.
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Aie Eröffnung des jachs. Landtags.
Dresden, 26. Oktober.
Heute wurde der sächsische Landtag eröffnet. Der König verlas die Thronrede. Ter König weist mit Befriedigung auf die zahlreichen Beweise der Anhänglichkeit an das Königshaus und feine Person, die bei ben Besuchen in verschiedenen Landesteilen ihm entgegengebracht mürben, hin, sowie daß bie Besuche im Lande vielfach Anlaß gegeben hätten zu Stiftungen für Hilfsbedürftige. Er stellt fest, daß unter der weit schau enden Führung des Kaisers dem deutschen Volke die Segnungen be§ Fried ens erhalten geblieben seien unb baß int Schutze bc5 Friedens der Niedergang des wirtschaftlichen Lebens im Weichen unb die Verhältnisse des Landes im 91 u f ft e i g e n begriffen seien. Der König hofft, daß nach den mühevollen Verhandlungen das zu stände gekommene Werk deS Zolltarif es und der Handelsverträge für bie gesamte Volkswirtschaft Sachsens unb auch für die Industrie trotz mancher Befürchtungen sich den beteiligten Kreisen nutz- bringend erweisen wird. Der Staatshaushaltsetat 1906/07 lasse eine fortschreitende Besserung der Finanzlage erkennen. Das finanzielle Verhältnis zum Reich hat sich noch drückender gestaltet, unb so lange nicht bie unerläßlich gebotene organische Reform der Reichsfinanzen endlich durchgeführt wirb, können bie Bemühungen, ein wirkliches Gleichgewicht im Staatshaushalt herzustellen unb ben wichtigsten Aufgaben des Staatslebens voll gerecht zu werben, nicht abgeschlossen werben. Der König stellt bie Einbringung gesetzgeberischer Vorlagen, dar- unter baS Wassergesetz, in Aussicht.
Deutsches Reich).
Beilin, 26. Okt. Ter Kaiser hat dem Fürsten Leo- volb zur Lippe ans Anlaß seines Regierungsantrittes heute ein in herzlichen Worten g h ltcncs langes Gl ü ckwun sch- Telegramm gesandt. Auch der Kaiser von Oesterreich unb die Höfe von Dresden unb München übermittelten Glückwünsche. Eine allgemeine Amnestie steht bevor. Fürst Leopold hat der Bevölkerung in einem heute erschienenen Erlas; von der gestern erfolgten Regierungsubern^hme Kenntnis gegeben.
— Fürst B ü l o w wird wahrscheinlich seine Gemahlin, die sich nach Italien begeben hat, im nächsten Monat von dort abholen unb bem italienischen Minister des Auswärtigen, Tit- toni, einen Gegenbesuch abstatten. Ob auch ein Zusammentreffen zwisck;en dem Reichskanzler und dem sranzösisck)en Ministerpräsidenten R o u v i e r beabsichtigt ist, steht heute noch nicht fest. (Post.)
— Wie verlautet, wird die hiesige japanischeGesanbt- schaft demnächst in den Rang einer Botschaft erhoben werden. Temgeinäß wird auch die deutsche Legation in Tokio zur Botschaft erhoben werden. (Nach englischem Vorbilbe. D. R.l
Köln, 26. Okt. Heute tagte hier unter dem Vorsitz des pursten K'rl zu Löwenstein die 6-eneralversammlung ber beut» fajen 9(ntibuelttffa, in ber mstgcteilt würbe, daß eine 23er» schakfung der Strafen wegen Beleidigung unb wegen Ehebruchs sonne die Errichtung eines Schiedsgerichts erstrebt werde. Es >'brach u. a. auch Pastor v. Bodclsckwingh.
Munsteri. W., 26. £kt. In der heutigen Generalvcrsannn- lung dcs Wests Bauernvereins, der der Landwirtschasts-
V- Vodbielski beiwohnte, wurde diesem ein Ti'vlcnn als E y r e n m i t g l i e d bes Vereins überreicht. In seiner Tauk- rebe rgte der Minister, er freue sich zu sehen, daß die Art, wie er Die Zntereffen der preußischen Landwirtschaft vertrete, hier Befall und Billigung finde. Der Minister fuhr fort:
„■jm ocrjrge nicht, auch wenn bie schmählichsten Angriffe gegen mich gerichtet werben. Als Privatperson könnte ick viel- lcicht dem ausweichen, als Minister ober habe ich meine Person -uruazustcllen und meine Pflicht zu tun für alle die tausende Land-.,


