BÄ
Lti
1
Ueberziehb«
। ueverz^-''- - I und
1 ' ■.
llirfNl
Zwei Kaiserreden in Dresden.
Erst heute verbreitet der offiziöse Telegraph die Dresdner Kaiserrcden.
Bei der Galatafel zu Ehren des Kaisers im königl. Nefidenzschlosse zu Dresden wurden folgende Trinksprüche ge» halten: Der König von Sachsen toastete:
„(Sure Majestät heiße ich heute in meinem £>auk und in meinem Lande herzlich willkommen als lieben und werten Gaß und tue dies mit um so qroherer Freude, «15 ich daraus den Beweis ersehe, daß Eure Majestät bestrebt sind, die freunb- schaitlichen Beziehungen, welche Sie mit meinen in Molt
ruhenben Vorfahren, meinem aeliebten Vater und Cnfel, verbanden, auch fünttinhm aulrecht zu erhallen. Ich begrüße in Surer Majestät nicht bloß das erhabene überhaupt de? Deut'chen Reiches, nicht blo& den Herrscher des größten deutschen Bundesstaates, sondern, das kann ich wohl ohne Ueberhebung lagen, meinen lieben freund und mir stets wohlwollend g e i i n n t e n (ü 5 n ncr ES ist noch meiner Ansicht die erste Pflicht für uns deutsche Bimdes- 'ürsten daß wir lest zusammenstehen in alter deutscher Treue und Freundschaft. Das ist zugleich das festeste und beste Band für unser geliebtes deutsches Vaterland, das erit zu Grunde gehen kann noch dem Tode des leisten von uns. Mir wird es besonders am Herzen liegen die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Häusern Hohenzol'.erii und Weltin immer enger zu gestalten, so daß üe sur
w 8
'Stnnenb bt.
ihre „an
0 Pf, . S%
7 ;9 k PK
roehii
t>cn 20, Moöer 'inslolal.
lers und des Vorstands.
gtzs'Ailsschusses.
Ter Vorstand.
m eirstner Geikltätte.
! Sahre Geranne lurdi Apel, Mi leura nach;
äffl
eltdert
•hör-
—-^^phon 11g ,
. 1885.
(»rJ6 °bfr 9 ldjagd w ofp eie» ßefannt ten itn ^cmin 5539
Die verspätete V'r "frn'lichun^ dieser mit srlxrrfer Markierung nach dem Anslande hin üb erzielen den Reden läßt darauf schließen, daß der Besuch des Kaisers in Dresden nicht nur der Erfüllung einer bloßen Höflichkeitspflicht galt; er hatte auch einen ernsten politischen Hinter- gründ. Auf die amtliche Redigierung der Trinksprüche ist Die Sorgfalt eines ganzen Tages verwendet worden.
Ausgefallen ist — wie uns aus Dresden geschrieben wird —, daß sowohl der Kaiser, als auch der König ein ungewöhnlich ernstes Aussehen zur Schau trugen.
die Zukunft unzerreißbar dastehen müssen. Emen bedeutsamen Schritt in dieser Richtung erblicke ich darin, daß Eure Majestät die Gnade hatten, die Stelle eines Ehess meines dritten Ulanen- regiments Rr 21 anznnel men, ein Beweis von besonderer G n a d e, für die zu danken in meinem Namen und im Namen meiner Armee mir em liebes Bedürfnis ist. Ferner haben Eure Majestät durch die heute vollzogene Verleihung des hohen Ordens des Schwarzen Adlers an meinen ältesten Sohn bewiesen, daß Sie auch in Zukunft zu meinem Hause freundschaftliche Beziehungen aufrecht erhalten wollen. Mar ich auch nicht imstande, Eurer Majestät einen so festlichen Empfang bieten zu können, wie er mir im Januar in Berlin bereitet wurde, so bitte ich doch das Dargebotene als Zeichen aufrichtigen Dankes und herzlicher Freude über den gnädigen 'Bein ch zu betrachten. Alle Gefühle aber, welche^ mich erfüllen, bitte ich in die Worte zusaminensassen zu dürfen: Se. Majestät der Raiiev und König von Preußen, mein lieber Freund und werter Bundesgenosse, er lebe hoch! hoch! hoch!*
Hierauf erwiderte der Kaiser:
.Gestatten Eure Majestät, daß ich aufrichtigen und dankbaren Herzens für die schönen und zu Herzen gehenden patriotischen Worte, die Sie soeben gesprochen hoben, meinen innigsten und herzlichsten Dolik ausspreche. Ich kann wohl sagen, daß ich in tiefer Bewegung das, was wir soeben vernommen hoben, in mein Herz ausgenommen habe. Kommen diese Worte doch von einer Stelle, an der schon mehrfach Sachfenherrfcber gesprochen hoben. 91 n der
selben Stelle versicherte mich Eurer Tlojeftät hochseliger Oheim, a l 8 väterlicher Freund und Berater mir bei- z u stehen, als ich als verwaister Neffe vor ihm erschien noch dem Verluste meines Vaters. Von Derselben Stelle aus hot Eurer Majestät erlauchter Vater Worte von zu Herzen gehender Wärme und innigster Neichstreue gesprochen. Beide haben ihr Versprechen gehalten. Em innig verehrter und geliebter, väterlicher Freund ist von nur geschieden in meinem verstorbenen Cheun Albert, und em treues deutsches Herz Hot oiügehört zu schlagen, als Eurer 'Slajeftät Vater die Augen schloß. Und nunmehr Hoben Eure Majestät dieselbe Bahn zu beschreiten gelobt, die Ihre Vorgänger beschritten haben. Der Empfang, den Eurer Majestät Hauptstadt mir honte entgegengetragen hat, die freundlichen Gesichter der jubelnden Bevölkerung hoben von neuem mir, wie so o't schon, die loyale, patriotische und anhängliche Gesinnung der Dresdener gezeigt, ivie dieser Residenz Bevölkerung mit ihrem geliebten Konigs- hauie verwachsen ist und seinem Beispiele nachahmt, den großen deutschen Gedanken zu pflegen. Zu der Uniform, die ich schon lange zu tragen die Ehre habe, zu dem von mir geliebten Regi- mente meiner Grenadiere, haben Eure Majestät die G ü t e gehabt, eine zweite binznzusiigen, und ich ergreife hier nochmals die Gelegenheit, um meiner hohen Freude Ausdruck zu geben für die erneute Ehre, die Eure Majestät mir erwiesen haben, mich für würdig z u halten, Chef dieses schonen, wenn auch jungen Regiments zu sein. Ich erblicke darin, wie Eure Majestät schon ermähnten, ein neues, inniges Band, welches zwischen uns beiden gefnüpft wird. Eure Majestät möge überzeugt sein,
daß bei Ihrer Gesinnung, die Sie ausgesprochen Haben, Sie in mir stets einen treuen, Hilfsbereiten, arbeitsamen Freund sinden werden. Wenn des Deutschen Reiches Fürsten von solchen Gedanken beseelt sind, wie sie S. M. der König von Sachsen Hier ausgesprochen Hat, dann ist cs leicht, Hemmnissen in der Welt entgegenzutreten. Denn von dem Vertrauen unserer Fürsten getragen, unterstützt von der willigen Mitarbeit unseres Volkes, kann man der Zukunft mit Ruhe entgegensehen. Eure Majestät haben unlängst die G n a d e gehabt, mit warmen, anerkennenden Worten der Arbeit des vergangenen oder vielmehr des ablaufenden Jahres zu gedenken und in anerkennendster Weise über die Tätigkeit der obersten Reicl^beamten sich zu äußern. Ich bitte meinen herzlichsten Dank Dafür entgegenzunehmen. Solche Worte tun wohl nach so schwerer Arbeit, wie sie dieser Sommer, gebracht hat. Wenn so das Deutsche Reich sich entwickelt, wie ich es vorhin skizzierte, dann können wir ruhig mit aufgeschlagenem Visier und freiem deutschem Mannesmut, wie er verliehen wird durch ein ruhiges und gutes-^e- wissen, einem jeden ins Auge blicken, dem es belieben sollte, uns auf unserer Bahn entgegen- zu treten und uns bei der berechtigten Betätigung unferer Interessen zu stören. Daß Eurer Majestät gnädige Hilfe mir dabei stets zur Seite stehen werde, desien bin ich heute gewiß, und ich bitte darum, daS Glas erheben zu dürfen zu einem Segenswunsch für Eurer Majestät königliches Haus! Gott segne und schütze Eure Mojestät und die Mitglieder Ihres Hauses in Ewigkeit! Se. M vestät der König und sein gesamtes Haus Hurra! hurra! hurra !"
Der Kaiser hielt ferner beim Frühstück in derKaserne des Zweiten Grenadier-Regiments folgende Ansprache:
„Mein lieber Herr Oberst! Ich spreche Ihnen hierdurch meinen innigsten, aufrichtigsten Dank für die Gesinnungen an5, die Sie mir im Namen des Regiments zum Ausdruck gebracht l>aben. Ich spreche auch Dank dem König aus, der mir die Freude bereitet hat, einige Stunden bei meinen Grenadieren verweilen zu können, welche schon meinen Großvater »um Ehef hatten und welche in der großen Zeit unter meinem Vater und Großvater unverwelkliche Lorbeeren errungen hoben. Es freut mich um so mehr, heute Generale aus jener großen Zeit begrüßen zu können, in welcher W Deutsche Reich zusammenaeschmiedet Stnitbc. Wie tapfer das Regiment in früheren Zeiten gefochten h^t, zeigt die Geschichte der stolzen sächsischen Grenadiere, b?rrn alte Uniformen mir soeben in so sinniger Weise vorgeführt wvrden sind. Wir leben in einer Zeit, in der jeder wehrbiste junge Deutsche bereit sein muß, für dos Vaterlond einzutreten. Ich bin überzeugt, daß -dt meiner Grenadiere dieser Pflicht bewußt ist, und daß das R-^iment, eingedenk seiner ruhmreichen Vergangenheit, svrt- strebmr wird, mit der Treue und Pflichterfüllung, die der Soldat in s-iner Brust trogen soll, und die heute ihren Ausdruck finde in d:m Rufe: „Der König von Sachsen Hurra! Hurra! Hurra!"
>d'
.pi-M *
Stummer.
Aufs tiefste zu beklagen ist die Uneüiig-teit zwischen unseren beiden Kammern. Als im Jahre 1902 die Wahlrechtsreform in der zweiten Kammer scheiterte, da erhoben sich viele, auch parlamentarische Stimmen, die von einer „unwürdigen Komödie" der Wahlrechtsreformberatung sprachen, die den „Spott und Hohn im ganzen Lande" beklagten. Diesmal ist von einer „ehrlichen Entrüstung" über die erste Kammer wieberholi in der zweiten Kammer die Rede gewesen, und es erheben sich Stimmen im Volke, daß die erste Kammer wne ein überreifes Saatfeld der Totensichel verfallen sei. Wir halten es indes für zwecklos, über eine verfassungsmäßig bestehende altehrwürdige Institution nach Art der russischen Revolutionäre herzufallen. Sie ist einmal da und sie ohne viel Federlesens aus dem Wege zu räumen ist nicht nur ein Ting der Unmöglichkeit, sondern wäre auch als verfassungswidrig zu verwerfen. •
Tie nächsten Wahlen zur zweiten Kammer aber werden ohne Zweiser wieder unter dem Zeichen der Wahlreform stehen, und alle Parteien werden Gelegenheit haben, aufs neue den Ernst ihres Wahlreformeifers zu erproben. Sie haben nichts weiter nötig, als ihren Kämvi gegen jeden Nesormgegncr zu richten. Tie „Wormser
Ztg", die auf dem rechten Flügel der nationalliberalen Partei gänzlich vereinsamt sinnt und trachtet, wird es auch diesmal nicht fertig bringen, mehr als 2 oder 3 Nationalliberale aus ihrem mittelalterlichen Feudalstandpunkt zu erhalten. Tie einzige Gefahr auch für die nächste Landtagstagung ist und bleibt ihr reaktionärer Hintermann. Tie zugkräftige Wahlparole aber ist klipp und klar. Man wird es auf eine neue Kraftprobe ankommen lassen müssen, ob unser ^roßherzogtum Hiessen nach Württemberg und Baden der nächste deutsche Staat sein wird, der das indirekte Wahlrecht durch das direkte ersetzt.
lieber da? Festhalten an der Steuerreform besteht zwischen der Regierung und der zweiten Kammer lieber» einstimmung, wie die Erklärung des Staatsministers Dr. Rothe in der DienStagS-Sitzung beweist, als die Volks« kammer mit Herrn von Heyl wieder einmal abrechnete. Diesen Dienstag wird man in WormS sobald nicht vergeßen. War es doch kein Geringerer, als der greise Abgeordnete für Pfeddersheim, der Nationalliberale Möllinger, der seinem .Parteifreund* den Mantel .sozialpolitischer Erwägungen* von den Schultern riß, der gegen unwahre Behauptungen seines .Parteifreundes* aufzutreten sich gezwungen sah. Und der Vertreter Gießens, der Freisinnige Dr. Gut- l ei sch, der schon so oft bei wichtiger Veranlassung der Sprecher des Hauses war, weil er bei allen Parteien das höchste Ansehen genießt, entkleidete die Steuer- Politik HeyiS all ihres blendenden Aufputzes. Selten noch ist ein Politiker derart mitgenommen worden, in seinen .Grundsätzen* wie in seiner KampfeSweise, als Freiherr o. Heul in der letzten Tagung der Zweiten Kammer. Diese Genugtuung für das Volköhaus mar auch eine solche für die Regierung. Und bei aller weisen, traditionellen Zurückhaltung der Thronrede beim Landtagsabschied von jeder Kritik ist auch aus den Stellen über die Finanzlage eine erneute deutliche Anerkennung der Gnauth'scheu Finanzpolitik seitens der Krone zu vernehmen.
ES steht trotzdem nicht zu hoffen, daß man in Worms daS Spiel verloren giebt. Ter unersättliche Drang nach Macht gestattet feinen Verzicht. Um so nachdrücklicher tritt an die Erste Kammer aber die Mahnung heran, es nicht zum offenen Konflikt kommen zu laffen, und sich lieber frei zu machen von dem unheylvollen Einfluß, sie und das ganze Land in die gegenwärtige heikle Situation getrieben bat. Diese Mahnung wird um so dringender, als sich ein Konflikt doch zu einer Existenzfrage für die erste Kammer anSwachsen kann und die Regierung dann, bei aller Wahrung verfassungsmäßig verbriefter Rechte, gegenüber dem Volks Unwillen über zähe Hernmschuh-Polilil ihre bisherige Konzilianz möglicher Weise anfgiebt.
In den letzttägigen Kgminerdebotten wurde bereits darauf hingewiesen, daß aus der jetzigen, einzig von dem Widerstand der ersten Kammer geschaffenen Lage nur die Sozialdemokratie den Nutzen ziehen werde. Von den Bänken der Sozialdemokratie wurde das lächelnd quittiert. So ist Herr v. Heyl zum Schrittmacher der Sozialdemokratie geworden.
*
TerWahlaufrufderSozialdemokratenfür die am 15. November ftattfiudenden Neuwahlen zum Landtag ist soeben erschienen. Er stützt unter dem Zeichen des Verlangens auf Abschaffung der ersten Kammer und der Forderung eines gleichen tau» telen freien Wahlrechts.
Tie kommende Landtagsmahl, so heißt es weiter darin, müsse : eine machtvolle Protestkundgebung fein gegen die Anmaßung der , ersten Kammer, gegen die schwächliche Haltung der Regierung und gegen die Preisgabe d?s Ideals der Volkssouveränität und . der vollen politischen Gleichberechtigung. Die bürgerlichen Parteien, io heißt es, scheuten vor dem prinzipiellen fittrnff gegen die erste Kammer zurück. Nationalliberale, Zentrumsmänner und : Bauernbund!er hätten sich als Anhänger des Zweikammersystems ' bekannt. Von nationallibevaler und ultramontaner Seite sei sogar i die Geneigtheit ausgesprochen worden, den Wünschen der ersten , Kammer auf Erweiterung ihres Dudgetreclsts teilweise entgegen» ■ zulommen. Das alte liberale Ideal der absoluten gesetzgeberischen Souveränität des Volkes werde von den bürgerlichen Par- , teien preisgegeben und nur von der Sozialdemokratie hochge- , halten.
Lcmbtagspcriode. Dem 31. Landtage, der im Juli 1902 geschlossen wurde, hatte der Großherzog obendrein noch für seine „Pflichttreue" gedankt! Von dieser ist Heuer nicht die Rede! Sogleich folgt dem auch das „Bedauern" darüber, daß verschiedene wichtige Gesetzentwürfe nicht zur Verabschiedung gelangten". Tann kommt die ganz sachliche Aufzählung dessen, was , nicht erzielt, und dessen, was erreicht wurde, als da sind die Schaffung des Fonds zum Ausgleich der schwankenden Einnahmen aus Eisenbahn- und Lotteriegemeinschaft, tote zur Deckung der leider unberechenbar gewordenen Matrikularbeiträge; die Bewilligung von Staatszuschüssen für den Neubau von Nebenbahnen und der Uebernahme einer staatlichen Zinsgewäh-r für die auf Verbesserung des Realkredils und auf Entschuldung des Grundbesitzes hinwirkenden Landeshypothekenbank: die Ausgestaltung der staatlichen Anlagen in Bad-Nauheim, die Ergänzung und Erweiterung der Hochschulen, die verflossene Zandwirtschaftsausstcllung zu Mainz und die im nächsten Jahre bevorstehende Darmstädter Landesausstellung für freie und angewandte Kunst: die Einstellung der hessisch- thüringischen Landeslotterie und Zulassung der preußischen Staatslotterie; Hagel- und Schlatviehversichcherung, Schlachtvieh- und Fleischbeschau und schließlich Einrichtung
einer Landwirtschaftskammer.
Ter heftige Konflikt zwischen der ersten und zweiten Kammer wird in der Thronrede mit keinem Wort auch nur gestreift. Ter Großherzoa und seine Regierung halten sich damit eng an die Verfassung. Sie lassen den Willen und die Rechte jeder der beiden Stummem unverkürzt. Persönlich dürfte ja der Großherzoa nicht unterlassen haben, dem vielgewaltigen Frhrn. v. Hehl bei der $) o fc rafei deutlich seine Meinung zu sagen. Indes vermissen wir in der diesjährigen Thronrede den im Jahre 1902 nicht unterlassenen Ausdruck der Hoffnung darauf, daß die wichtigsten bet diesma. nicht zum Abschluß gelangten Gesetzentwürfe, also die beit, die Land stände und die Gemeinde umlagen, durch den künftigen Landtag verabschiedet werden mögen. Warum ist dieser Hinweis unterblieben? Ist bas etwa ein Zeichen ber Resignation? Tas wollen wir nicht hoffen, sonbem vielmehr annchmen, daß, da die Erfahmng lehrt, tocldjer Wert solchem Hinweis beizumessen ist, jeder Ausbstck für zwecklos erkannt worden ist, desto eifriger aber die Regierung am Werke sein wird, das in Zukunft zu erreichen, was sie nach bestem Wissen ais erstrebenswert erkannt hat. Tie erdrückende Mehrheit des Volkes hat sie auf ihrer Seite.
Tcm künstigenLandtay,zu dessen Wahlen, soweit diese für die 2. Kammer stattzufinden haben, sich das Volk rüstet, bleibt also ein gut Teil Arbeit äu tun übrig, die zu leisten Aufgabe des üerflofjenen Landtags war. Obendrein bleibt die Tatsache bestehen, daß die Kammern ihre Tätigkeit beendet haben unter dem Eindrncke schärfster, ja, wie es scheint, kaum überbrückbarer Differenzen mit einander und auch, was die erste Kammer anbetrisft, Mit ber Regierung in wichtigsten Dingen. Tas hessische Volk sieht seine Vertretungen auseinander gehen mit bem Gefühl, baß leider im wesentlichen wieder nur halbe Arbeit geleistet worden ist. Obwohl bie zweite Kummer nahezu insgesamt diesmal mit ber Regierung in bem Wunsch zu- famtnenging, baß wir bie birefte Volksvertreter wähl erhalten, ist wieder nichts daraus geworben. Die Sozial- bemolraten beuteten bem neuen Lanbtaa einen Weg an zur endlichen Erledigung ber Wahlrechtsvvrlage, unb bie zweite Kammer hat den bar auf abzielenben Antrag auch angenommen. Vielleicht führt dieser Weg wirklich zum längst ersehnten Ziele. An unserem Volke liegt es, cm seiner Rührigkeit unb bem Pflichtbewußtsein , jebes Einzelnen gegenüber sich selber unb ber Allgemeinheit, demnächst eine Zusammensetzung ber 2. Kammer h erb eizu führen, bie ben großen reformatorischen Plänen unserer ein- und weitsichtigen Regierung ebenso verständnisvoll gcgenübersteht wie die verflossene zweite
stelle
cheu Vereins für " *
ine),
'ne (61)«*1' B% -«W As'.-»--'"""
Ferke
■Anlagen, empfiehlt twürien für g®. eni Gutachten, B> (5632
Ter hessische Landtag ist am 25. d. M. mit freun d- kichen und anerkennenden Worten S. K. H. des Großherzogs geschlossen worden. Die Thronrede, mit der unser Lanoesl-err im Residenzschlosse den 32. Landtag verabschiedete, spricht ben „Herren Stäuben" Tank aus für gestrengte Tätigke'.t" währenb ber abgelaufenen pertobe. Tem 31. Lanbtage, ber im Juli 1902
4>ie yeutige Nummer umfaßt 10 Keilen, Die verflossene hessische cLandtagssrssion.
Gießen, 27. Oktober 1905.
Wt. 253 Erstes Blatt. 155. Jahrgang Freitag 27. Ottober 1905
«GietzenerAnzeigerK
WM W General-Anzeiger « 9 W-L
WM Amts- und Anzeigeblatt für den Areir Gießen MM
Anzeiger Gießen. _________________________ .\UL\ ,, , *


