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Amts- und Anzeigeblatt für Len Kreis Sietzen
5)ie heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.
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155. Jahrgang
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Kekanrilmachung.
?luif Grund des § 42 der Verordnung vom 13. Januar 1090", die Anlegung des Grundbuches und die Ausführung d» r <Lnundbuchordnung betreffend, Kat das Großkerzogliche Minium der Justiz bestimmt, daß das Grundbuch und ■mgruinbbud) für die Gemarkung Alten-Bus eck vom ID, Januar 1906 an als angelegt anzusehen ist.
Tue Vorschriften darüber, was seitens der Beteiligten ncibiS zu dem gegebenen Zeitpunkt zu geschehen hat, können aio( bei Amtsstube deS Grotzh. Ortsgerichtsvorstehers zu Allen- Aiuscll und aus dem Anschlag an der dortigen Ortstafel er- f* werden.
8>ieße n, den 14. Dezember 1905.
GroscherzoglicKes Amtsgericht.
Darmstadt berufen. Unseres Wiffens ist eS seit Einführung der Slädteordnung in Heffen das erstemal, daß ein Berufsbürgermeister Sitz und Stimme in der Ersten Kammer erhält. Die Berufung MornewegS, der von 1900—1902 als Vertreter Darmstadts in der Zweiten Kammer sah, ist deshalb von großer und prinzipieller Bedeutung. Es ist durchaus zu begrüßen, daß den städtischen Selbstvermaltungskörpern durch diese Berufurg wenigstens in bescheidenstem Maße das gewährt wurde, was ihnen von dem Landesherrn und der Regierung in größerem Maße in ber leider noch immer nicht zustande gekommenen WahlrechiSvorlaqe berests zugestanden war. Die Vorlage sah bekanntlich die Berufung dreier städtischer Bürgermeister in die Erste Kammer vor, was ja immerhin nur eine sehr bescheidene Vertretung der städtischen Jntereffen gegenüber den „geborenen* und ernannten Mitgliedern des hessischen Herrenhauses gewesen wäre. Ist cS doch selbst in Preußen ein gesetzliches Vorrecht der Krone, die Bürgermeister jeder über 20 000 Einwohner zählenden Stadt m3 Herrenhaus zu berufen. Aber auch diese bescheidene Vertretung nur dreier Städte in der Ersten Kammer wurde den hessischen Städten von der Mehrheit der Zweiten Kammer, die dabei sonderbarer Weise die Unterstützung der Sozialdemokraten fand, nicht zug»i:anden, Die jetzige Ernennung kann als ein Beweis da- :ür angesthen werden, daß die hessische Regierung an .grein Stoudpuulte festhält, die Mitarbeit von Vertretern der k o in m u n a l e n Selb st Verwaltung in der
"l^te, (oroit jj wrjtfyebene le id Kakao mntet (Sütc llj Hoffe ■9 12.
Montag 18. Dezember 1905
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^olilischx Tagesschau.
Ja die Erste Hessische Kammer der Oberbürgermeister Morneweg von
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« litt I H < täglich tiirt Sonntag».
Lkr') ebener Anzeiger Itnetit' im Wechsel mit d. «rtelstlchen Landwirt b «i «tzener Familien» t Üt'v viermal tn der Ü.wtit beigelegt.
P'tod unSbrucf tu 93er- Ic^ki Brü h l'schen 11 iiei« -i.-Buch-u. Llein- b tro'cti. R. Lange. Met! ton, Lrvedrno» j t Trucferei:
Ut El ft r ob e 7.
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ui.Exped.^Sbl illtMe für Teoeichen:
Steiger «teßeu.
pie franzöfllche Kummer und Marokko
Paris, 16. Dez.
Ni nisterpräsident Rouvier hielt heute eine sehr be- d>-titim isvvlle Marokkorede in der Kammer. (Bgl. Politische TAsltikr schau). Er begann mit der Verlesung von Erklär- n iijen über die Verhandlungen zwischen Deutschland und ^iurlTü-id) über die Maroktokoiiscrenz und fuhr dann fort: ®t tyito'e am 29. September mit dem Botschafter Fürsten ^Wolin ein neues Protokoll unterzeichnet, ivclches den mmentwurf feststellte. Tas Gelbbuch gestatte, die Wwlilik Frankreichs, seine Mäßigung und die Recht- nr ii'i iß fe i t seines Vorgehens zu würdigen. Frankreich irri'ie eine marokkanische Politik haben. Tie Zukunft Ma- nv'soL werde in entscheidender Weise die Geschicke der dl i no^daftikanischen Besitzungen beeinflussen. Tie Berech- tilhyiig unserer Klagen über die marokkanischen Verhältnisse irmtbe :vvn den Mächten anerkannt. Sie erkannten an, daß tniii ein Recht hätten, mit ihnen in Marokko aufzutreten unh zwar nicht mehr nur Bi scbwerde fiihrend, sondern b hteiiT d. Ta trat Deutschland mit feiner Intervention
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itieD. Oelf * jj »s<;
siehener Ameig« r
General-Anzeiger
0 aii I eutschland hielt es nicht für ausreichend, von un- fifenn Abkommen in Kenntnis gefetzt zu werden, es meinte, seM 3mteressen forderten, bap es in direkter Weise u lti 91 n t gefragt würde, und legte Nachdruck auf bi'” Sin bcnifung einer Konferenz. Ich hielt eine Konferenz fiht! ennebmbor unter der Bedingung, daß die nötigen chmften gegeben wären, daß die Würde Frankreichs rfEwfirtt bliebe. Es ist klar, daß die von uns dem Sultan i(6;inc(i'ttcn Vorschläge keineswegs darauf ausgingen, in kto'IIn ein Regime analog dem in Tunis einzuführen. 8E5j buben uns niemals auf das angebliche europäische SHtiibait berufen. Ter Gesandte TaiNandier hat mit voll- iammfiTtcr Korrektheit seine Aufgabe erfüllt, die weder diSouveränitätsrechte des Sultans, noch d'ii'Lige der Mächte, wie dies aus den Verträgen Jbcmckröjcßt, berührt. Wir werden den vorgezeich- n n» |en Grenzen treu bleiben. Tie der Konferenz ««schilt.' Frage ist einfach: Jede Macht bat Suchte in Ma- tcH diese Rechte sind nicht bestritten, jeder Macht genügen IbDEtbi ' Vertragsrechte. Es war niemals davon die Rede, ed« Antrag zu tun. Tie Interessen der Mächte müssen eWli. rt werden, aber wir haben die Pflicht, der firm- nta, die besondere Art unserer Rechte und die Wichtigkeit eirftur eigenen Interessen zu zeigen. Tas Protokoll vom WM stellt fest, daß das Regime an der algerischen Grenze to: ai-Sschließlichen Zuständigkeit Frankreichs und Ma, fchj verbleibt. Unser Recht an Marokko besteht dann, tciiy Frankreich in Nordafrika eine musel- ■ ir.ar.i ji d) eMacht ist und daß wir unsere Autorität gegen- ülil i» Millionen Eingeborenen aufrecht erhalten muisen, |iäk:iurd) die Gemeinsamleit der Rasse den in einem Nau.) .’c lociiitc um sich greifenden Aufreizungen zugünglid) sind. A!i s-nd daher berechtigt, zu verlangen, daß in Maroklo Hm Nacht besteht, welcher man gehorcht und welche ihr Ackl hen nicht dazu geöraudien wird, unj iuntere tow ?u- frohen und zu beunruhigen. Unser Recht berührt kein Pwid: eines anderen und bietet allen zivilisierten Machten CNNhr für ihr Recht. Wir werden auf der Konferenz noch bA'|:iiders unsere Handels- und F i n o n z i n t e r- c iiifttn zur Sprache bringen, die den ersten Rang unter rehuiuropäildicn Interessen eiunehmen. Indes zergen unsere Mtirnen mit England, Spanien und Deutsch- Ichn daß wir gleiche B e h a n d l u n g a u f dem w r r d- jsclcitlichen Arbeitsgebiet wünschen. Taher kann Litt m. den mn meisten interessierten Mächten Lugegebenk des Alti^ - utflü m unserem Abkommen nut ^mtschland 'chrNtl ch , <1|Mk nHkrqelcntc Anerkennung unserer besonderen Lage me- . M mrer 'schädigen. Tie Wiederherstellung und Reform der iM L'--.' mGlkunischen Regierung erscheinen uns unmer als die (L G^vib-edingungen des in Marokko für erforderlich erklär»
ic-a.Ic-rfc5 Tie marokkanische Frage drangt sich unserer auf, wenn wir nickst das alte kostspielige Werk FshE-ichs in Nordwestafrika gefährden wollen. Tas Er- g'M der ftanzösisch-deutschen Unterhandlungen ist, baß u3Ti;r e R e ch t e , wenn nicht alle an e r f a u n t, | o d i ■: aille Vorbehalten sind. Es ist h^^orLuheben, dodjk ä T-utschl->nd und Frankreich gelungen iffl üt zwei ersten Etappen in der Regelung Schwierigkeit zu überschreiten, dre -'n » llllljiinblick ihre Bcziehung-n zu trüben d L It t:e n. Warten wir mit Ruhe dav Eraebnrs der «mi teiU ab. Tic äußere Postttk .Frankreichs ist lercht zu keiwfnchncn: Treu der unberührt gcbstebenen ANmnz nr'L»r kostbar geblecbenen Freund sch ° teu dii^irrci von Hintergedanken sind, atp. i mteitiqe vertrauensvolle t>cilicßu ngen M li< »halten, hat Frankreich seiner selbst sicher - unr ver-
ehen werden. Es wäre fein interessant, zu wissen, ob man in London von dieser Rede des Ministerpräsidenten nicht am Ende Ichon Kenntnisgehabt bat, eh e sie gehalten wurde Sicher ist, daß sie von einer zarten Rücksichtnahme auf englische Empfindungen getragen wird. Neues sagt sie nach der Veröffentlichung des Gelb- buches nickst, es müßte denn eine Neuigkeit fein, daß man in Frankreich noch immer übe: die deutsche „Einmischung" nicht ganz beruhigt ist.
Ta trifft es sich merkwürdig, daß fast zu der gleichen Zeit der deutsche Kaiser : n Braunschweig ganz besonders seine Friedensabsichten betont. (Bgl. den Artikel „Ter Kaiser in Braunschweig".) Ferner: in der gleichen Nummer, in der die amtliche „Nor d d. A llg. Ztg" die Rede des ftanzös. Ministerpräsidenten veröffentlicht, tritt das Organ des Ncickstkanflers der Auflassung ent- gegen, daß der deutsche Reichskanzler die Marokkogeschichte nur widerwillig und gezwungen burd) das energische Eingreifen des deut- d) en Kaisers, nämlich durch dieMarokkofabrt mit* gemacht habe. Es wird ganz besonders betont, daß der Kanzler den Standpunkt des Kaisers von vornherein vertrat.
Wir weisen diese I rüell'ing her ,,Rb -Wests. Ztg ", fo schreibt wörtlich die „Nordd. Allg. Ztg.", wie die hu AnMuß daran ermähnte „Klage der Franzosen", daß „Bülow sich bis zuni Eingreifen des Kaisers sozusagen Watte in die Ohren stopfte", als w a h r h e i t s w i d r i g e Ge s ch i cht s kl i 11 ev- u n g zurück. Trnn Reick>s7'nzler ist, loenn er auch ein Eingreifen in die Marokloftage aus den nach feiner Kenntnis der Tinge geeigneten Zeitpunkt verschob, die Wahrnehmung der deutschen Reckste und Interessen im Sck>crifisck)en Reich niemals zu „gefährlich" erschienen. Tie Landung deS Kaisers in Tanger war keine plötzliche Schwankung unserer Politik, sie wurde nach reiflicher lieber» legung ins Werk gesetzt, als ein durch die Umstände gerechtfertigtes Mittel. um den internationalen Charakter der Macvüo- frnge zu bekunden.
Welchen Zweck hat diese Hebung? Wir meinen, daS liegt stemlich klar auf der tzand. Man ist in Berlin nicht geneigt, sich die Schuld an der schwierigen Lage ohne weitens in die Schuhe stecken zu lassen, wie das sowohl das ftanzösische Gelbbuch, wie auch der ftanzösisck)« Ministerpräsident getan haben, wenn auch in aller ftanzösiscl)en Höflick>?eit. Man macht aus Worten keine L»of- und Staats."ktion. aber man tut auch nicht, als hätte man das alles überhört, was gesagt worden ist Wenn man in Frankreich sich immer toietn-r von dem Dorwurf der Hinterhältigkeit der TcleassL'sckien Politik reinigen will, so hat man in Berlin solange nichts einzuwenden, als nicht klipp und llar auf französischer Seite behauptet wird, Tcutschland wäre das Karnickel gewesen, das angefangen hat.
Wir hoffen, daß man in Paris sowohl die Worte des Käisers in BraunsckMeig, wie auch die neueste offiziöse Auslastung entsprechend zu würdigen weist Silber wir dürfen uns auch keiner Läus(i:ung darüber hingeben, daß, abgesehen von einem kleinen Wortstreit alles bereits in Ordnung, und alle Fnhrlichkeit überstanden sei. Tie französische Politik scheint, gestützt auf den guten Willen der Freunde jenseits des Kanals, ganz darauf zugkffchnitten, daß sie in Algeciras mit Forderungen hervortritt, die den ursprünglichen Absicht en durchaus ähnlich sehen. Wenn das der Fall ist, dann gehenwirweiter kritischen Zeiten entgegen, und cs ist nicht ausgeschlossen, daß das Marokkodrama in Algeeinrs nicht seinen letzten ?l?t findet- Wir wollen nicht schwarz sehen, und vor allem wäre es eine politische Tnmmheit ersten RtMges, wenn man sich um Worte stritte, und darüber sich in die Haare geriete, wer den ersten Konflikt herausbeschworen bat Als man in Frankreich Telcasse fallen ließ, hatte man ja den Schuldigen bereits genannt, und das frmn uns vorerst genügen. Tritt aber der verbindliche Herr Rouvier in die Fußstapfen befl groben Hausknechts, der einst Fwankreic^ ausw Politik lenkte, dann allerdings läßt sich der Aaisgang der Konferenz nur schwer voraussehen- Unser Verhältnis zu England soll sich .u der letzten Zeit ctnxiS gebessert haben. Wir wissen nicht, wie das neue Kabinett sich zu ums stellt aber es ist sehr wah». scheinlich, daß der Ausgang der Konferenz von London bestimmt wird. Und darum ist die Parole: auf der 5) u t sein!
indiri genroatt genartigerKonc mmcl größte I und Lchorm
: Wäsche.
jährlich Pit 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pt; durch diePost Ml.2.— viertel- jährt ausfchi. Bestellg. Annahme von Suzeigeti für die Tagee-mnniner bis vormittags 10 Uhr. Zeilenoreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg.
Derantworiltch Kit den voliu und allgem. Teil: P. Will ko: füt .Stadt und taub' und .Gerichtsfaal'; Ernst y e ß; für den Anzeigenteil: banfl Beck.
künden cs laut — nur die Wahrung seiner Rechte, seiner Interessen und seiner Freiheit im Auge.
Die Rede Rouviers wurde mit tiefem Schweigen angehört und mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Hus- berd beantragt die Bertagung der Debatte über die auswärtige Politik. JaurtzS bcsimpft diesen Antrag, indem er agt: Es wäre eine große Gefahr, wenn wir den Eindruck Hervorrufen würden, daß wir bloß die besonderen Rechte Frankreichs berücksichtigen und alle Bürgschasten internationaler Art im Dunkeln lassen wollten. (Lärm.) Wenn die Kammer glaubt, daß das lange Stillschweigen, welches in der jüngsten Vergangenheit uns so viel Unheil verursacht hat, sich noch verlängern soll, dann würde ich, von derselben patriotischen Sorge beseelt, schweigen. Aber toenn die Kammer durch ein beklagenswertes Mißverständnis im Auslande die Meinung entstehen lassen sollte, daß die nationale Seite der Marokkofraac vernachlässigt werden wird, dann wird sie vor dem Auslanoe und vor der Geschichte die Vcrantwortung dafür tragen. (Beifall aus der äußersten Linken. Lärm rechts und im Zentrum.
Ribot erklärt: Wir beschwören keine Gefah ruber die Zukunft herauf, aber es hängt von uns ab, treu zu bleiben. Wir haben vor niemandem Furcht, aber wir find der Ansicht, daß wir eine Erörterung nur dann in Angriff nehmen sollen, wenn wir sie für die Interessen Frankreichs für nützlich haften. Ich möchte in diesem Augenblick kein Wort sagen, welches Polemiken wieder ermeden könnte, die nur zu lange gedauert haben, und die dazu beitragen könnten, zwischen zwei Ländern einen Zustand der Ungewißheit, des U n b e h a g e n s und selbst der Spannung zu verlängern. rjegung.) Eine einzige Frage liegt heute vor: Stimmen ivir der Regierung bei oder nicht? Wenn wir ihr zustimmen, dann müssen wir ihr die erforderliche Autorität geben, daß sie nach Algeciras geyt, um die Interessen Frankreichs mit der ganzen Kraft Frankreichs selbst zu verteidigen. (Lauter Beifall.) Wir müssen uns eng um die Regierung scharen! Wenn es einige Wolken gibt, dann hängt es von Deutschland und seiner Regierung ab, diese zu zerstreuen, aber es hängt von uns ab, dieses Werk zu erleichtern, indem wir n a ch a u ß e n den starken Eindruck Hervorrufen, daß wir uns s c l b st sicher sind, daß wir von [einen inneren Streitigkeiten zerrissen sind uub daß wir alle mit der Regierung, der Verteidigerin der Sicherheit und der Ehre Frankreichs, einig sind.
Ter Vertagungsantrag wird darauf mit 486 gegen 49 Stimmen angenommen. Ti? Minorität bestand aus 12 Sozialistisch-Radikalen und 37 Sozialisten. 35 Deputierte, darunter T e l c a s s s, enthielten sich der Abstimmung
In den Wandelgängen der fiammer verlautet, daß die Kammer, indem sie nach der Erklärung Rouviers den Schluß der Verhandlung über den Gegenstand beschloß, ohiv Zweifel den Zweck im Auge hatte, daß man draußen verstehe, daß sie die Politik der Regierung ohne Vorbehaltgutheiße.
Tie überwiegende Mehrheil der Pariser Blätter bespricht mit rückhaltloser Zustimmung die Erklärung Rouviers. Ter „Figaro" sagt, Rouvier l)äbe Recht gehabt, die Versicherungen zu wiederholen, daß die Unabhängigkeit Marokkos und die Rechte der anderen Mächte von Frankreich nicht bedroht werden. Man könne Frankreich nur Dank wissen für die glänzenden und ihm manchmal lmrtfallenden Beweise, welche es für seine frieb I. Absichten (gegeben Hecke, unb man wirb ihm nicht bie unannehmbare Beleibigung antun, von ihm eine Abbankung ju verlangen. — Ter „Petit Parisien" schreibt: Der von Rouvier ausgesprochene Wunsck), mit allen Staaten nicht bloß korrekte, sonbern ve rtrauensvolleBezieh- ungen zu unterhalten, sollte von allen Regierungen beachtet werben. Frankreich habe durch den Mund seines Premierministers erklärt, baß es feinen Gegner sehe unb baß cd feinen sehen wolle. — Jaurös schreibt in feiner ,5?umanit6: Die Kammer hat die Regierung geschwächt; denn sie hat derselben nicht ermöglicht, im Laufe der Debatte die zu weitgehenden und allzu ausschließlichen Punfte der Erklärung Rouviers richtig zu stellen. Wenn man die Erklärung Rouviers hörte, konnte man glauben, daß er nur mehr an die besonderen Interessen Frankreichs erinnerte und den durch das vorläufige llebereinfommcr. zwischen Frankreich und Deutschland vorgesehenen internationalen Bürgschaften nicht m-ehr Rechnung trug. Ich bin überzeugt, daß dieser Eindruck ein falscher ist. Rouvier hat den,Wunsch, daß die Konferenz zum Ziele führe. Wie könnte dieselbe jedoch zum Ziel führen, wenn der Gesichtspunkt eines ausschließlich nationalen Interesses vorherrschen sollte? Da die Kammer jede Debatte abgelehnt bat, so lprflc ick, daß die französische Regierung es virstcycn wird, auf einem anderen Wege jede Zweideutigkeit zu zerstören. — Mehrere Blätter wollen wissen, daß der Gesandte St. Rens Taillandier das .Kommandeurkreuz der Ehrenlegion erhalten softe.
Ter „Matin" nennt den Vorschlag der Madrider Regierung, die marokkanische Konferenz in Madrid abzuhalten, einen verblüflenden Theatercoup.
Ter französische Ministerpräsident hat vor seinen Getreuen ganz merkwürdig bestimmt gesprochen. Wer die Rede mit einiger Anfinerlscnnkeit lieft, der wird finden, daß Rouvier einen bedeutsamen Nachdruck auf die fionftaiierung legt, daß Frankreich von seui-n 3-orberungcit auch nicht ein Iota preiszugeben gewillt i|L Und der Hinweis darauf, das; die D e z i c b u n g c n ru England durch die Aenderungen innerlmlb der britischen Regierung ab- ) olut unbeeinflußt ged leben find, dürfen nicht über-


