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Donnerstag Ä8. September 190
155. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. «28
General-Anzeiger, Amts- und AnZeigeblatt für den Kreis Gietzen.
Erscheint «glich mit thrtnafrne deS «onntagS.
Die „Gletzener ZamiNenblatter^ werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^sstjch« toitotrt“ erscheint monatlich einmal.
Parteitage.
Bau parlamentaris cher Seite wird geschrieben:
Tie Parteien benutzten die Herbstzeit zur 'Abhaltung von Heerschauen, durch welche sie die Oeffentlichkeit für sich interessieren wollen. So tagten die CH-riftlich-So- rialen in Essen a. R, die Deutsche Volkspartei in Frankfurt a. M, die fr eis. Volks Partei in Wies- daden, und die Sozialdemokratie blickt auf die rote Woche in Jena zurück.
Keine der Parteien wird sich der Selbsttäuschung bin» geben, daß ihre Verhandlungen eine über den Augenblick weit hinausreichende Bedeutung haben. Die besten Reden und die schönsten Thesen werden rasch vergessen über den Aufgaben, die der Tag stellt. Diese sind es, welche die Äugen der politischen Welt mit zwingender Gewalt auf sich lenken, und bei ihrer .Lösung entscheidet nickt die Redekunst, sondern die Stimmenzahl, über die jcoe Partei in den gesetzgebenden Körperschaften verfügt.
Immerhin verdienen einzelne Momente aus dem Ablaufe der Erscheinungen hervorgehoben zu werden. .So ist vor allem die Form bemerkenswert, in welcher sich aus Seiten der Freisinnigen das Bedürfnis nach Einigkeit geäußert hat. Die Deutsche Volkspartei erwiderte den Gruß, den ihr die freisinnige Volks- part ei bot, mit der Bezugnahme auf den Beschluß des Zentralausschusses der letzteren Partei vom 28. Mai d. I'., der den „möglichsten Zusammenschluß" der wirklich liberalen Elemente bei Wahrung politischer Selbüündigkeit jeder einzelnen Partei anstrebte. Der Parteitag oer fteisinnigen Bolksparter bestätigte jenen Beschluß durch eine (von uns nritgeteilte) Resolution. Nur ein Zusammenwirken mit nationalsozialen Elementen erscheint der fteisinnigen Volkspartei als eine politische Unmöglichkeit, gleichviel, welcher politischen Gruppe sich diese anschließen. Die hierin zum Ausdruck kommende Verstimmung erklärt sich aus den Meinungsverschiedenheiten über die Stellung zur Sozialdemokratie. <5te wird sich ab schwachen, wenn die National- fmialen aufhören, in einem Zusammenwirken oder einem Bündnis — die Namen für diese Annäherung wechseln — mit der Sozialdemokratie das Heil zu erblicken. (Unseres Erachtens ist ein Zusammengehen der fteisinnigen Bolks- partei mit den Nation also zialcn im Interesse wachsender Macht des Linksliberalismus durchaus geboten und überaus ioünschenswert. D. Red.)
Daß die Sozialdemokratie zurzeit nicht bündnisfähig ist, nicht bündnisfähig sein Will, hat sie in Jena von neuem bewiesen. Sie tritt so radikal auf, wie je zuvor; womöglich möchte sie „noch ruppiger" werden. Bernstein plädiert für Straßendemonstrationen, Bebel schrickt nicht vor einem Massenstreik zurück, und nur wenige, recht t-venige, waren es, darunter Wolfgang Heine, welche das Spielen nnt dem Feuer verurteilten. Men anderen erschien gegebenenfalls die umfassendste Anwendung der Massen- iwbeitseinstellung" empfehlenswert. Gegen den „Militarismus" und „M a r i n t s m u s" Wurde ferner in einer "Art gewettert, die jede Einsicht dafür vermissen ließ, daß Deutschland als Weltmacht, die es nun einmal ist, einen mitbestimmenden Einfluß auf den Gang der Dinge üben und deshalb zu Lande wie zur See eine achtunggebietende Macht entfalten muß. Ä
mä&ici sein, denn bei Arbeitgebern wie bei Arbeiwehmern drängt die Erbitterung die sachlichen Erwägungen in den Hmtergrmw Auf beiden Seiten sind Reckt und Unrecht nah verwandt. Was die Arbeiter betrifft, so ist der Streitgegenstand, verhaltntS- mässig geringfügige Lohndifferenzen, emen Rasenkam Pf nicht roert Das sehen auch die Führer em, die lewer nnt dieser Auffassung nicht durchgedrungen sind und sick, genau wie beim Bergarbmter» streik, die spöttische Bezeichnung „Vrcrnseri gefallen laffeii mEew Was die Arbeitgeber betrifft, so halten nur das Mittel der Aussperrung für übermässig hart, da es gleiäMittg so und soviel ganz schuldlose Personen trifft. Es war noch nutzt nötig, pt einem solchen Mittel zu greifen, das nur durch eine verzweifelte Sittiation gerechtfertigt werden kann dem großen^Bergaickeiwv- streik hat man die Erfahrung gemacht, daß:cde Stunde kostbar ist; nnt jeder Stunde wachst hüben wie drüben der Groll, befestigt sich der trotzige Entschluß, nickt nochgugeben, wmn«, was kommen mag. Darum rnu^ rm Anfang der Bepwgung von dritter Seite cingegriffen werden. Denn wie wette Kreise auch dieser Ausstand ziehen kann, unter Umständen über MrlmhiN- aus und andere Jndustrieen mit ergreifend, dos ist sehr ernMich zu erwägen. Die „Voss. Ztg." schreibt: , dermaßen verschärft, daß man auf em lawinenartiges cknwacksat der Aussperrung und auf 'erneu Genera laus stand gefaßt sein muß." Auch hieraus erhellt, daß Gefahr im Verzüge ist.
Die Landtagswahlbewegung in Baden.
Ter Wahlaufruf der badischen Zentrum spurtet ist soeben erschienen. Schlimm sei die Wahlkreisern- teilung gewesen, die das Zentrum in Kauf genotnnten; habe, „um das direkte Wahlrecht dem Volke sicher zu stellen . Tas Wahlprogramm fordert sodann: Direktes Wayr- recht in den Gemeinden zur Wabl der Bürgern meister und Gemeinderäte, anderweitige Regelung des Wahlrechts in den Städten der Städteordnung unter Aufhebung der bestehenden Klasseneinteilung, direkte Wahl der Mitglieder der Kreisversammlung. Auf^kirchen- politischem Gebiete verlangt das Programm für dre Kirche mehr Bewegungsfteiheit als bisher, Zulassung von Manner- klöstern, deren Einführung im vollen Einklänge mit bent Gesetz von 1860 stehe. Zur Schulftage äußert sich der Wahlaufruf wie folgt: r _
„Wir haben die Einführung der gemischten BolEfchule de» kämpft und können sie nach jahrelangem Bestehen auch nicht a» eine wünschenswerte Einrichtung anerkennen. Wenn wirgleich. wohl von uns aus nicht daran rütteln, so verlangen wip umsomehr, daß di" tatsächlich bestehenden Gesetze werngsteA^ einem den Jntercs' u her rehgrofen EFichung rwhlwEaÄA Sinn angewendet h .recii. Wir baben stets das
kämpft, die DolBf.zu einer remen Staatsanstalt zu machen, und werden auch : Zukunft ^ran feststen, daß bic b»- herigen Beziehungen :r Gem^nde bestehen blewen.^^^^
Auf dem Gebiete, der Landwirtschaftstnrd dre Einführung einer L an dw i r t s chaft s ka mm er verlangt. In Bezugs auf das Eisenbahnwesen verlangt das Programm! tunlichste Ausdehnung und Dervollkommmma desEise^ ■ bahunetzes, Erleichterung und VcrbMigung des Verkehrs : für Personen und Guter; Mitentscheidung der : Volksvertretuu g in der Frage der Betriebs-, : Mittelgemeinschaft itnb der Tarifreform. Im! : Interesse des sozialen Friedens müsse endlich den Rechten und Interessen der abhängigen Arbeiterschaft ausgiebiger : Schutz des Staates gesichert werden. Der Wahlaufruf schließt mit folgenden Sätzen: . .
„Mit der Einführung der direkten Wahl beginnt eM
größer werden. So schnellstiegende Elektronen kommen nun in den Beta-Strahlen des Radium? vor. In diesem merkwürdigen Körper haben wir, wie es scheint, ein in Verwandlung begriffenes chemisches Element vor uns. Dabei sendet er positiv geladene Alpha-Strahlen und negative Beta-Strahlen aus. An diesen letzteren konnte Kaufmann nachweisen, daß in der Tat die Maffe bei den schneller Fliegenden in demselben Verhältnis großer ist, wie die Rechnung es verlangt, so daß wir zunächst anzunehmen haben, daß diese negativen Teilchen, die Elektronen, nur aus Elektrizität bestehen und daher nur scheinbare Maffe haben. Eine besondere Schwierigkeit liegt iür die Elektronentheorie in der Schwerkraft. Konsequenterweise müßte man sie auch elektrisch erklären. Daiür reichen aber die Griindlagen der bisherigen Elektrizitats- lehre nicht aiis ,md man muß besondere Lilfshyptheseii einführen. Wir können daher in der Elektronentheorie noch durchaus nichts Abschließendes erblicken, sondern muffen sie durch weitere wißen- schriftliche Arbeit zu verbessern suchen.
Prof. Dr. Rocht aus Hamburg referierte über Tro - e n - krankheiten. Er besprach die Erkenntnis und Bekäuiv'ungZ- mittel der Tropenkraiikheiten Beriberi, Malaria uhu. Er verweist auf die bereits erzielten Eriolge und besonders auf jene Protozoen- haften Krankheiten, deren Erreger meistens der Tiere auf Menschen bedürfen. *
— Aus Frankfurt wird uns geschrieben: 'Sturm" nennt sich das Drama einer Jugend und schildert den Konflikt eines trotzigen eigenwilligen jungen Menschen gegen den Zwang, unter dem er leidet durch den verknöcherten Vater, durch ine unverständigen Lehrer. Namentlich der Gegensatz, in den er zu der Schul« kommt, bringt ihn in eine unlösbare Lttuatiom Den Lehrer, der sich an ihm vergreift. uJcubert er zurück
i nd da wird ihm die Wahl gestellt, Abbitte zu tun, oder aus
der Schule gewiesen zu werden. Auf den Zuspruch des gutartmen
Professors Hufelmtd, der an sein poetisches Talent glaubt, entschließt
er sich zur Abbitte, aber im entscheidenden Moment kann er es
nicht und spnidelt in Heller Entrüstung all den Groll heraus,
der sich Jahre lattg gegen die Schule und ihre Tyrannei m ihm angesammelt hat. Nun ist seines Meibens nicht langer; rt verläßt die .Heimat, um aus eigener Kraft seinen Weg in der Welt zu nmchen. Einen Augenblick furchtet der Hörer ehren tragischen Ausgang, aber das Versöhnliche ist ganz plausibel. Der Verfasser Sigmund Neumann, erst 19 Ja hre alt, ist entschieden ein vielversprechender Anfänger Gespielt wurde in unserem Sch a u spiel hause vortrefflich, namentlich von Herrn Ziegler und Fraulem Sangora, bem poetischen Liebespaar, auch von den beiden verschiedenartigen Lehrern, den Herren Bauer und B o l z.
Verrohung der Kritik" in frieren Zeiten. Sudermami hat bekanntlich vor Jahr und ^,ag Mage erhoben über die -.Verrohung her Kritik". .Damals schon hat man nnt Recht darauf lsingewicsen. daß es m früheren Zelten, wesemlick schleckster war als heute. Wie je«,t die „LeipZ- N. N. schreibeit, ind die stärksten Ausdrücke, die unsere strengsten Kritiftr aw ü^mden nickts aeaeu die Urteile, mit denen die iranzäsiscken
»erlraMcn Gegner und sich selbst unter, einander bedachten. Loliöe hat einige solcher Krrnworte gesammelt und eine Art imaginären DwlogS zusammengestsilt, der ron dem Ton in feinen Kreisen beredtes Zeugnis ablegt.
„Sainte Beuve ist ein Lumpenkerl", äußerte sich Victor Cousin. -„Cousin ist ein Lakai", gab Bäranger rasch jurfld. Dann sprach man von dem älteren Alexander Dumas, den Viktor Hugo einen alten, Geschichten erzählenden Neger nannte. „Wenn es irgenb jemand wagen sollte, mich mit diesem Neger M vergleichen",- torie Balzac, „dann breche ich die Unterhalttmgl ab" Dazwischen klang die dröhnende Stimme Darbey d'Aurtz- villys, der schinrpfte: „Diele Eugtzne Sue, Michelet, dieses Weib, die Sand, und alle diese Verbreiter modernep Krätze und ähnlicher Pest . . ." Was überhaupt Barbey an Sckimpfen geleistet fat, übertrifft nicht nur die Pamphlets Paul Louis Couriers, sondern auch die „Hmrichtimgen , die der junge Theophile Gautier vorrrahm. -„Dieses Nichts von einem Goethe-, dieser Tölpel von Bmyöre, dieser Jammerlappen von Le Sage, dieser traurige Hampelmann Leopardi —" das ist so eine kleine Auslese aus den Titeln, mit denen et seine Rivalen in der Vergangenheit beehrt^ Seine Zeitgeiwssen ftnden noch weniger Gnade vor ifmt. Jules Sandeau nennt er „einen Romancier, der nur aus Versehen Mann geworden ist, ein süßes Magenpflaster für schwachherzige Seelen , Mignet einen „schwächliehen Gesellen, dessen edmiges, sichtbares Verdienst ■ sein wird, der noch unbedeutendere Kollege des unbedeutenden TlnnS zu sein" Thiers selbst „eine gekrönte Nichtigkeit", Cousin „einen armseligen Bastard Hegels", Emilie Llugier „die trockenste Frucht der gegei^ wärtigen Dichtung", Sacy „einen kleinlichen Silbenstecher". Doch das ist nock gar nichts gegen die Ausdrücke, die er von den gelehrten Körperfchasten im allgemeinen gebrauchte. Die „So- ci6t6 des gens de lettres“ bezeichnete er nicht anders als „dieses große Tier der öf-'entlichen Meinung" oder „dieser Areopag dämlicher Mittelmäßigkeit", und die vielen Schimpfworte, mit denen er die Akademie belegte, lassen sich gar nicht anführen.
— Die Wochenschrift für Heim-Kültur: Das deutsche Landhaus hat das erste Vierteljahr ihres Erscheinens b^ endet. Leider kennen wir nur das erste und das letzte Heft dieser interessanten Zeitschrift. Danach neigt sie wohl moderner Anschauung und Lebensführung zu. Sie bettachtet das deutsche Haus nicht nur als ein tektonisches Gebilde oder eine Erscheinung in der Landschaft, sondern vielmehr, als den S)erb seelischen Empfindens, der uns das intimste Genießen, das einer traulichen Häuslichkeit erschließt. So zieht sie- wie es scheint, alles in den Kreis ihrer Betrachtung und Darstellung,- was den Menschen in seinem Heim und seiner engsten Umwelt angeht und lehrt ihn, sein Heim als den Hort feiner edelsten Freuden zu erkennen und Hebtugeroinnen. Unsere Familienblattliteratur erbatt dadurch eine Richtung, deren Ziel nicht die Zerstreuung, fonbem die Einkehr in das eigene Wesen ist und zu Reizen führt, die dem Auge an den alltäglichen Dingen bisher fremb blieben.
— Friedrich Jacobsen , dessen Werke sich seit längerer Zeit der Aufnrerffamkeit des Publikums erfreuen, — e^ ist der Verfasser mehrerer gvttsucherischer Romane und eines mehrfach mit schmern Erfolge aufgeführten Dramas „Sturm" — bat, wie man uns aus Leipzig schreibt, eine Prosadickttung vollendet, deren Inhalt sich mit dem größten Problem unseres Planeten beschäftigt und somit von den üblichen Stoffen erheblich ab- weiclft. Etwas näheres kann zur Zeit noch nicht angegeben werden.
Allerdings brauchen nicht all die pomphaften Ausdrücke i ofvrt tragisch genommen zu werden; es ist viel Theater- i donner dabei. Die Leute, welche die Unterstützungen bei , einem Mass enstreik ^zu bezahlen haben, und das sind die Vorstände der Gewersschaften, werden eS sich noch rms- , lich überlegen, ob sie die Hand zu einem Unternehmen Bieten ollen, das nur in eine Sprengung ihrer ganzen Organs arion auslaufen kann. Mit dem Massenstreik ist es wie mit der Maifeier. Man droht, flihrt aber die Drohung nur soweit aus, als es am eigenen Leibe nicht weh tut. So wurde die Maifeier auch diesmal als „die würdigste Form" zur Unterstützung des Klassenkampfes empfohlen, aber eine wirkliche Mbettsruhe nur da verlangt, „wo dre Möglichkeit dazu vorhanden ist". Mit anderen Worten: Wer will, der mag; wer nicht will, läßt es bleiben.
Soviel Meinungsverschiedenhei-ten über einzelne Falle indes auch, trotz der vergeblichen Verheimlichungsversuche, vorhanden sind, darin sst die Sozialdemokratie einig, daß sie als K l a s s e n p a r t e i weiterleben will. Das Programm mag immer brüchiger, wissenschaftlich ganz unhaltbar werden, — wenn der Zusamnrenhang und der Zusammenhalt mit der Arbeiterschaft gesichert bleibt, die als die stärkste Volksschicht die höchste Stimmenzahl verspricht, dann smd die Führer zuftieden. Hiemnit ist aber zugleich bie Grenze gegen den Liberalismus gezogen, dessen Grundgedanke die Wahrung des G e s a m t interesses ist und bleiben muß. ________________________
VoMische Tagesschau.
Der Berliner Lohnkampf.
Kaum jemals haben sich auf die vermittelnde Tätigkeit des Gewerbegerichts die Hoffnungen derart gerichtet, als gegenwärtig bei der drohenden Massenaussperrung der B-rlmer Elektrizitätsarbeiter. Die Verhängung dieses wittschastl,chen K>negs- zustandes würde eine in ihren Wirkungen faum übersehbare Kalamität für das öffentliche Leben und die WoUfahrt tausender von Familien herbeiftühren. Es mag dahingestellt |m, ob, wie behauptet wird, diesozialdemokr. Agitation du S ch u l d daran trägt, daß es zum Aeußersten gekommen ist. Der „Vor- wäris" spricht zwar mit anfeuernden Worten von dem bcvn> stehenden Riesenkampf, der die Arbeiterschaft ganz Deutschlands an der Seite der Berliner ElekttizitätSarbeiter sehen werde. Das sozialistische Zentralorgau kann aber offenbar bie Erinnerung an den Ausgang des Bergarbeiterstreiks nicht los werden, denn es weist gleichzeitig auf das Gewerbegeriast hu, das bei Lohnkämpfen als Erniguugsamt in Funktion zu treten pflege. Wenn eS auch jetzt zur Vermittlung sich bereit erkläre, so würden die Gegner trotz der vorhandenen Kainpsstimmung sich kaum weigern tömten, in Verhandlungen einzutreten Der „Vor> wärts" gibt geradezu die Anregung zur Vermittelung durch das Gewerbegericht, und wenn die Berliner Metallarbeiter, deren geistigen und kulturellen Hochstand der „Vorwärts" rüpntt, zwischen den Zeilen dieses Blattes zu lesen verstehen, barai müssen s-e sich sagen, daß es daS Beste ist, wenn sie noch M letzter Stunde zu einer Verständigung die Hand bieten. Denn sie haben in einer Zeit der Fleischteuerung und des oerannahenden Winters keine Aussicht, als Sieger aus dem Kampfe hervorzugehens auch wenn die Kriegskassen der Gewerkschaften gefüllt sind.
Einstrveilen hat, so schreibt unS ein Berliner Mitarbeiter, das Gewerbegericht nicht die Absicht, aus eigener Initiative eine Verhandlung vor dem Einigun^samt herbeizuführen. Gerade diese Initiative von dritter, imbetesiiat^r eritc mürb? cckcr zweck-
77. Hauptversammlung des Deutschen Naturforscher- und Aerztetages.
Meran, 26. Sept.
Unter iiÄianter Teilnahme der ganzen gebildeten Welt beutscher Zunge begann am Sonntag die 77. Hauptversammlung des Deutschen Naturforscher- und Aerztetages.
Das schone Schauspielhaus, ein Werk des Münchener Profeffors D ü l f e r, war am Sonntag abend bis auf das letzte Plätzchen ausverkauft. Zur Aufführung kam ein Werk von national- patriotischer Tendenz. Das farbenprächtige Bild, auch die nnt- roirfenben Ortsbewohner in ihren Original-Landestrachten wirkten ungemein fesselnd auf die Zuseher.
Am Montag fand die Eröffnung des Kongreßes statt. Den Begrüßungs-Ansprachen schloß sich der Vortrag des Prof. Wien- Wurzburg (früher G i e ß e n) über Elektronen an. Tie Annahme von Elektronen, außerordentlich kleiner Teilchen, ist zuerst von den Beobachtungen ausgegangen, d,e man über die Vorgänge machte, welche bei der chemischen Zersetzung durch den galvanischen Strom auftreten. Tie Forschungen führten z« der Hypothese, daß bei der Zersetzung durch den galvanischen Stt-om die Atome ober Moleküle mit positiver ober negativer elektrischer Labung versehen unb burch bie elektrischen Kra'te getrieben, nach der Austtitts- ober Eintrittsstelle bes galvanischen Stromes hin- roanbern unb bori abgeschieben werben, ite chemischen Atome ober Moleküle werben in gelabenem Zustanbe Ionen genannt. Helmholtz erweiterte biese Theorie, mbem er bic wemlsche An, schauunq bet materiellen unb Elementarquanten der Atome auf die Elektrizität ausbehnte unb bie Annahme machte, daß jebes Atom mit einem bestimmten Elementarquanttun Elektrizität behaftet sei. Währenb biese sunacküt
zur Erklärung ber Prozesse bet der elektrolytischen Zer- etzuna gemacht waren, würbe sie halb gebraucht um bie Tatsach/berDispersion bes Lichts bei ber Brechung Mit Berelritro- magnetischen Lichtlheorie in Einklang zu bringen. Diese Theorie siehst in dem Licht außerorbentlich schnell wechselnbe elektrische unb maanetische Kräfte, bie sich eben wegen bes außerorbenlllch raschen Wechsels ber Richtung ber Beobachtung burch gewöhnliche elektrische AvVarate entziehen. Diese Strafte setzen nun bie in jebem Körper vorhanbeneit Jonen in Schwingungen, ber Ruckwiriunq bie Dispersion ergibt. Als man bann nach ber Entdeckung der Röntgen Strahlen die Vorgänge bei ihrer Erzeugung naher stubterte zeigte sich ba(b, baß bie Kathobenstrahlen, bie bet ihrem Auftrefien auf feste Körper bie Röntgen-Strahlen erzeugen, selbst 'rega m ge- labene Teilchen finb, bie sich nut ungeheurer Geschwinbigkett fort bewegen? Tie' quantitativen Messungen ergaben für b.e T!ajfe b« vositiven Teilchen ähnliche rote für Jonen, b. h. Mafien von oer Größe be^ chemischen Atome. Bei ben negativ geladenen, den stathobenstrcchlteilchen, zeigte sich aber sehrviel klemere st s , d h hipie Teilchen mühen mehr als tausendmal geringere -mage als selb t ein Wafferitoffatom besitzen. Schon ^her tvar durch Rechnung bie Schlußfolgerung gezogen, baß em elektrisches Teilchen einer aeroifien Arbeitsleistung bebari, um m Beroegung gefetzt zn m»rL2eT h nfin her beroeaenben Straft einen Wiberstanb entgegen- W Sn man materienen Körpern Traabei,-widerstand nennt Sei G5efchroinbigfeiten, bie ber bes Lichts nahekommen, ergab bie hnti her Träaheitsroiberstanb Mit zunehmenber ®e- ÄSeit grä^ baber U auch bie scheinbare Maffe
E.chener Alyeiger


