stärkten Streikenden ebenfalls das Post- und Telegraphen- Et zu stürmen, um die Bediensteten zum Anschluß an den Ausstand zu bewegen. Tie Gruppen, die das (^bäude besetzt hatten, feuerten auf die Angreifer mehrere Salven ab. Tie Zahl der Toten und Verwundeten soll sehr groß sein, doch liegen nähere Einzelheiten noch nicht vor.
Einer Teputation der Streikenden, die dem Grafen Witte ein Memorandum mit den F o r d e r u n g e n der Eisenbahner überreichte, antwortete Graf Witte: Viele dieser Forderungen können nicht erfüllt werden, andere seien prinzipiell unannehmbar. Ein Gesetz über die Freiheit ber^erjammtun^en sei ausgearbeitet. Tiefe Freiheit werde vollkommener sein als in den entsprechenden Gesetzen Italiens ltil Oesterreichs. Ebenso werde die volle Preßfreiheit demnächst eingeführt werden. Ter Kriegszustand auf den Eisenbahnen sei ein Anarchismus und man kann sich nur wundern, daß er bis jetzt noch nicht aufgehoben ist. Ter Achtstundentag kann möglicherweise eingeführt werden, wenigstens für die Arbeiter, die unter freiem Himmel tätig sind. Ebenso ist eine Verbesserung der Lage der Arbeiter durch Gründung von Schulen, Krankenhäusern,. Ar b ei t c r verbände n usw. möglich. Was schließlich die Forderung einer konstituierenden Verrammlung betrifft, so ist sic unannehmbar, ebenso das allgemeine geheime Wahlrecht. , .
Ter Verkehrsminister Fürst Chilkow unterbreitete dem Kaiser den Antrag, daß der Kabinettswat unter dem Vorsitz des Kaisers zukammentrete, um über den Ausstand eine Entscheidung zu treffen. Ter Kaiser stimmte dem Zusammentritt der Minister zu, erklärte jedoch, daß statt seiner Graf Witte den Vorsitz führen werde.
Im Zentrum von Nif ch ni-Nowgorod wurde am Dienstag aus eine berittene Polizeipatrouille, die eine Reihe von Arbeitern nach dem Gefängnis eskortierte, von einem Unbekannten eine Dynamitbombe geworfen. Mehrere Schutzleute, ein Polizeileutnant und ein Schüler wurden schwer, viele Personen leicht verwundet. Tic Fenster der benachbarten Häuser wurden durch die starke Erschütterung zertrümmert. Eine in der Nähe befindliche Kirche erlitt schwere Beschädigungen. Tie Täter entkamen.
In Riga wurde ein Polizeileutnant erinor- bet, der an der Spitze einer Patrouille eine Droschke anhielt, in der sich vier Personen befanden, die revolutionäre Lieder sangen. Als er diese verhaften wollte, gaben sie sechs Revolverschüsse auf die Patrouille ab. Ter Polizeileutnant tmirde auf der Stelle getötet, zwei Soldaten leicht verwundet. Ferner wurde der Kassenbote der Riga- Oreler Bahn, als er in einer Droschke zur Staatsbank fuhr, um dort 25 000 Rubel niederzulegen, mitten in der Stadt von bewaffneten Räubern überfallen und getötet, der Droschkenkutscher verletzt. Die Räuber entkamen mit dem Gelde.
Deutsch-Osiafriia.
Graf Goetzen telegraphiert unter dem 24. Oktober: Die telegraphische Verbindung zwischen Mowapua und Kilimatinde ist noch gestört. Eine sichere Bestätigung der Gerüchte über den in Jkungu, 100 Kilometer östlich von Tabora, alis- gebrochenen Auf st and liegt nicht vor. Von der Station Tabora wird gemeldet, daß Boten au§ dem Jringa-Bezirk in Ilnyanyembe Unruhen hervorzurufen silchen, welchen Versuchen gegenüber sich der Hauptsultan in Kalunde ablehnend verhalten soll. Hauptmann von Hassel beabsichtigte am 12. Oktober, nachdem er die Station Mahenge befestigt hatte, nordwärts gegen Wapunge in Utehungwe vorzustoßen. Tas Vorgehen soll unterstützt werden 'durch die Kolonne des Freiherrn v. Wangenheim aus dem Bezirk Kilossa und durch das Detachement des Leutnants v. Krieg mit dem ihn angeschlossenen Wahele-Hilfskriegern aus Jringa.
Deutsches
Berlin, 25. Okt. König Karol von Portugal wird wahrscheinlich im November, jedenfalls aber im Dezember nach Berlin kommen.
— Staatssekretär v. Richt Hof en hat in Sachen von Tippelskirch-Stübel auch gegen den „Vorwärts" Klage erhoben. _
__ Das „B. T." teilt mit, daß es gegen den Staatssekretär Frhrn. v. Richthofen wegen der Behauptung, es hätte sich einer Verdächtigung gegenüber dem Kolonialdirektor Dr. Stübel schiildig gemacht, die Widerklage erhoben habe, da weder eine objektive noch eine subjektive Verdächtigung vorliege.
— Dem Präsidenten des Kaiserl. Gesundheitsamtes, Wirkt. Geh. OberregierungSrat Koehler wurde bei feiner Versetzung in den Ruhestand der Charakter als Wirkt. Geh. Rat mit dem Prädikat Exzellenz verlieben. Der Geh. Oberregierungsrat und Vortragende Rat im Reichsamt des Innern Bumrn wurde zum Präsidenten des Gesundheitsamtes ernannt.
Rosenb erg (Westpr.), 25. Okt. Das 1050 Morgen große Rittergut Klein-Babenz ist in polnischen Besitz übergegangen. Der bisherige Besitzer, Leutnant Schulz, hatte das Gut für 220000 Mk. von dem Vorbesitzer Wandtke im Juli gekauft und es jetzt an einen Herrn Kawski aus Posen weiterverkauft. Der Kaufpreis soll 222 500 Mk. betragen. _________________
Heer und Siotfe.
— Gin neues Prachtwerk über bic deutsche Marine beginnt in dem Verlage von Friedrich Kirchner, Erfurt und Leimig, zu erscheinen. ,D e u t s ch l a n d s K r i e g s i l o t t c", eine Tarstellung der Entwickelung und des gegenwärtigen Bestandes der gesamten Reichsmarine, ihrer Organisation, ihres Materials und ihrer Bemannung, ist van Vietor Laverrenz verfaßt. Was das Buch, welches sowohl für Fachleute wie auch für Laien bestimmt ist, wertvoll macht, ist das zuverlässtae Zahlenmaterial, denn dem Verfasser stand das authentische Material des Reiche Marine-Amts zur Verfügung. Die vorliegende Lieferung 1 behandelt die kurzgefaßte Geschichte der deutschen Flotte, die Orgamfation der deutschen Marine u. s. w. Trotz der reichen Ausstattung ist der Preis der Lieferung auf mir 1 Mark bemessen. Das Werl wird zu Anfang des Dezember vollständig vorliegen.
— Im Verlage der Sostnichhandlung von Karl Siegisimmd m Derstn SW., Dessauerstr. 13, erschien: Slecherts A r m c e • Einteilung und Q u a r t i c r-L i st e des beut) :n 'Hei Heeres und der Kaiserlichen Manne. Rach dem -taube vom 1. Eftober 1905. 347. Ausgabe. Nach amtlichen Quellen bearbeitet und herattsgegeben von der Redaktion de-> beutscheu •colbniei’hortee.
tV Folgende Truppenteile vom 18. Armeekorps stellen an, 1. April 1906 Einjährig-Freiwillige ein 1. Kurin nntc '■ Nr. 81, Frankfurt a. M. 1. Gr ' '' »Nr. 115, Darmstadt. Infanterieregiment Kaiser Wilhelm *-> ‘Nr. 116 Gießen.
Ausland.
London, 25. Okt. (Reuter.) Von maßgebender Stelle wird bekanntgegeben, daß der König die Absicht ausgesprochen habe, die englische Gesandtschaft in Tokio unverzüglich zur Botschaft zu erheben.
Haag, 25. Okt. Nach einer amtlichen Mitteilung stieß die von Parepare auf Celebes aus vorgegangene Truppen- abteilung auf ihrem Rückmärsche nach Dtiri-Kolossi auf eine feindliche, anscheinend vom Fürsten von Boni besetzte Stellung. Tie Kolonne nahm die Stellung; der Feind hatte 39 Tote; diesseits wurde ein Europäer, n-ttn eingeborene Soldaten verwundet und zwei getötet. Die Verfolgung des Fürsten von Boni dauert an.
Brüssel, 25. Okt. Der KriegSminister begründete in der Kammer die Vorlage betreffend die Befestigung Antwerpens. Antwerpen, dem man einen Gürtel von Außen- befeftigungen zu geben wünsche, wie ihn Metz und Straßburg besäßen, müßte stets die nationale Zuflucht von Belgien bleiben. Sicher dürfe Belgien Vertrauen zu den anderen 'Mächten haben, aber seine Verteidigung müsse es selbst überwachen; wenn es auf die Hilfe der Mächte rechne, müsse es ihnen eine sichere Operationsbasis darbieten können.
Brünn, 25. Okt. In der heutigen Sitzung beS Landtages wurde die Dringlichkeit des Antrages Fux betreffend die Llbändernng der Wahl- und der Landesordnung ab gelehnt. Die Dringlichkeit des Eintrages Stransky ans Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechtes wurde a n g e n o m m e n.
Petersburg, 25. Okt. Tie „Nowoje Tßrcmja" läßt sich ans London telegraphieren, daß ein deutsch-englischer Krieg unvermeidlich fei und nahe bevor- ftebe. Tas Blatt bemerkt hierzu, daß Rußland nunmehr verpflichtet sei, für das Gleichgewicht Europas einzutreten. Auch fordert das genannte Blatt die sofortige Lösung der Tardanellenfrage.
Pt-rsummluttg des oß russischen Hierzuchtvereilis zu Intdöerg.
(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)
△ Fried berg, 24. Okt.
Heute tagte hier der oberhessische Tierzuchtverein unter dem Vorsitz deS Kreisrats F e u. Der Vorsitzende führte aus, daß Oberhessen und in erster Linie die Wetterau. Vieh züchten müsse, vor allem Milchvieh, nut die größeren Städte mit Milch versorgen zu können. Es seien schon viele Fortschritte gemacht worden. Der oberhessische Tierzuchtinspektor Oeko- nomierat Leithiger-Alsfeld referierte über die Viehaus - stellu n g bei der I u b i l ä u m s - A us st e l l u n g zu Mainz. Oberhessen habe dabei vorzüglich abgeschnitten. Insgesamt kamen ca. 7000 Mk. an Preisen nach Oberhessen. Auch den Ehrenpreis des Großherzogs beim Wettbewerb der drei Provinzen erhielt Oberhessen. Die Ausstellung habe gezeigt, daß die oberhessische Viehzucht bedeutende Fortschritte gemacht habe. Ziel sei, ein Tier zu züchten, daß die drei Hauptnutzungen, Milchtier, Fleischtier und Zugtier vereiniat, und diesem Ziele ist man wesentlich näher gekommen. Man hat jetzt Simmentaler Kühe, die täglich 20 Liter, also jährlich über 6000 Liter Milch liefern und ein Gewicht von 12—14 Zentner erreichen. Auch das Vogelsberger Rind ist durch die Zucht edler, milchreicher und schwerer geworden, es wiegt ca. 9—11 Ztr. Tas Ziel der Schweinezucht ist, ein Fleischschwein zu erzüchten, das in 7 Monaten ein Gewicht von etwa 180 bis 200 Pfund erreicht, hierzu sind das deutsche Edelschwein und die Porkshire-Rassc geeignet. Referent wendet sich hierauf gegen die Gießener Metzger-Innung, die behauptete, in Ober- heffen seien keine 100 Schlachtschweine zu bekommen. Tie Schweinezucht in Oberhessen habe sich gerade in den letzten Jahren sehr gehoben, und allenthalben werden jetzt Schweine- zuchtvereine gegründet. — Oekonomierat Schlenke-Friedberg ermahnt die Landwirte, sich auch in schlechten Jahren ihren Schweinebestand zu erhalten und sie nicht wie im vorigen Herbst zu Schleuderpreisen zu verkaufen; es müßten bei uns mehr Schweine gezüchtet werden.
II. Die Ziegenzucht hat in Oberhessen große Fortschritte gemacht, an Stelle der kleinen, wenig milchreichen deutschen Landziege ist mit 90 Proz. die Saanerziege getreten, die groß ist und täglich 3—4 Liter Milch liefern kann. 19 oberheisische Zuchtvereine hatten in Mainz ausgestellt und verhältnismäßig viele waren mit Preisen bedacht worden. Allerdings sind Starkenburg und Rheinhessen in dieser Zucht vor, da man sich in Oberhessen erst vor etwa 5 Jahren dieses Zweiges der Viehzucht angenommen habe Bezüglich der Herdbuch-Körungen erklärte Direktor v. Peter, daß die Absicht besteht, in Zukunft nur noch solches Vieh zu prämiieren und anzukören, das von Herd buch - tieren ftamme.
Aus SlaSI und KmrL.
Gießen, 26. Oktober 1905.
" OrdenSverleihu n g. S. K. H. der Gr o ß h er z o g haben dem Oberförster Ernst Mettenheimer zu Lauterbach in Anerkennung feiner seitherigen Tätigkeit als Großh. Domanialkommiffär zu Fischbach im Riefengebirge das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone verliehen.
•• Erledigte Lehrerftellen. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerfielle an der Gemeinde- schule zu Eschollbrücken, Kreis Darmstadt. Zwei mit evangelischen Lehrern zu besetzende LeHrerstellen an der Musterschnle zu Friedberg.
•• Der Marokko-Vortrag, mit dem die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde gestern abend ihren dieswinterlichen Vortragskurs eröffnete, hatte, wie ja voraus- zusehen war, ein so zahlreiches Publikum angelockt, daß die aroße Aula der Universität dicht besetzt war und zahlreiche Besucher sich mit Stehplätzen begnügen mußten. Ter Vortragende, Geh. Regiernngsrat Prof. Dr. Theobald Fischer von Marburg, fennt Marokko ans eigener Anschauung, in drei Reisen (1888,1899 und 1901) hat er an der Erforschung deS Landes Slnteit genommen. Marokko war, wie er au5» ährte, trotz seiner Lage in unmittelbarer Nähe Europas und an einer großen B elthandelSstraße bis vor wenigen Jahren daS unbekannteste Land deS dunklen Erdteils, was auf ge
schichtlichen und geographischen Gründen beruht. Wenn jetzt das 600 000 Quadratkilometer große'Land bester bekannt ist, verdankt man dies vor allem französischen Forschern, die hauptsächlich aus politischen Gründen sich seiner Erforschung widmeten. Auch deutsche Forscher waren hervorragend be- teiligt, wie Rohlfs, Leip, Rein, von Fritsch usw. Besonder? machte der Vortragende auf das in Kürze erscheinende Buch von Dr. Siegfried Genthe aufmerksam, dem am 8. Mär; 1904 ermordeten Berichterstatter der „Röhl. Ztg.*, das wohl das beste enthält, was über Marokko geschrieben wurde. Marokko ist fein geschlossener Staat, sondern es wirb au§ einer Reihe von Landschaften gebildet, die nur in losem Zusammenhang flehen. DaS bringt die physische Gestaltung deS Landes mit sich und mehr als sonst kann man bei Marokko den innigen Zusammenhang zwischen physischer und politischer Geographie sehen. Zwei mächtige Gebirge nehmen den Hauptteil deS BodenS ein, das an Umfang und Höhe den Sllpen nur wenig nachstehende AtlaSgebirae im Süd- osten und daS von diesem durch einen tiefen Einschnitt getrennte Rif-Gebirge im Norden, das steil zum Meer abfällt und so jede natürliche Hafenbildung ausschließt. Tie Bewohner dieser beiden natürlichen Felsenfestungen
gleichen Gebirge sind noch nie einem Staat untertan gewesen und auch der jetzige Sultan von
Marokko beherrscht blos die durch diese Gebirge getrennten Tiefländer, das östlich liegende Mukujagebiet, das eine Fortsetzung der algerischen Ebene bildet und das dem Atlas vorgelagerte Gebiet, daS am atlantischen Ozean liegt. Tiefes noch sehr entwickelungsfähige AtlaS-Vorland zerfällt in drei ©ürtelftreifen. Ter erste Streifen fällt mit einer Steilküste von 50 bis 100 Meter Höhe nach der Küste ab und hat ebensowenig wie die Mittelmeerküste, natürliche Häfen. Tas Land ist fruchtbar und entwickelungsfähig. Der zweite, durch eine Steilstufe von dem Küstenstreifen getrennte Gürtel ist eine baumlose Steppe und der dritte, bis an den Atlas heranreichende Streifen ist das Land der BerieselungSoasen. An der Hand trefflicher Lichtbilder zeigte der Redner die charachteristischen Merkmale der Küstenbeschaffenheit sowie der drei Gürtelbildungen und beantwortete dann die Frage: „Was ist Marokko heute für den Welthandel?* mit „so gut. wie nichts". An der Handelsbilanz von 80 Millionen ist England mit 48, Frankreich mit 21 und Deutschland mit 18 Prozent beteiligt. Für die Zukunst dürfte dieS anders werden. Das Land ist sehr entwickelungSsähig un^ zur Aufnahme von Milliarden deutschen Kapitals und von Zehn- tausenden europäischer Intelligenzen wie geschaffen. Der breite Schwarzerdegürtel ist der beste Getreideboden, daS Land ist geeignet für den Anbau von Wintergemüsen (auf die sich recht gut eine regelmäßige Tampferverbindung mit Deutschland aufbauen ließe) und hat große innere Schätze und einen außerordentlichen Fischreichtum. Statt der jetzigen 8-Millionen könnte das Land recht gut 40 Millionen Einwohner ernähren und eine Handelsbilanz von 1000 Millionen haben. Auch für den europäischen Ansiedler ist es wie geschaffen. Es ist zu wünschen, daß sich das Wort unseres Kaisers bei seiner Landung in Tanger bewahrheiten möge, daß Marokkos Unabhängigkeit und die offene Tür erhalten bleibe. Dann wirb hier der deutsche UntemehniungSgeist ein reiches Feld finden und im wirtschaftlichen Wettkampf der Völker wie überall ooranstehen. — Den trefflichen anschaulichen Ausführungen des Redners folgte lebhafter Beifall.
** Polizeiliche Revisionen. In diesem Monat wurden durch Großh. Polizeiamt Revisionen in den Ge- schäften, in welchen Butter und Margarine verkauft wirb, unb in einer Reihe gewerblichen Anlagen, sowie ferner eine Anzahl M i lchreoisi on en vorgenommen. Gleichzeitig fanb eine Revision in den Gast- und Schankwirt f ch a f t e n in Bezug auf Einhaltung der BundeSrat- Bestimmungen vom 21. 1. 1902 statt. Es sei hierzu bemerkt, daß sämtliche minderjährige Personen männlichen und weiblichen Geschlechts, soweit diese im Wirtschaftsgewerbe tätig sind, im Besitze von Arbeitsbüchern sein müssen, waS immer noch nicht genügend bekannt ist. Ebenso fand eine Revision auf sämtlichen Baustellen in Bezug auf Unter- funftSräume für Arbeiter und Abortsanlagen statt.
•• Einbrüche. In verflossener Nacht würben hier zwei Einbruchsbiebstähle verübt. Die Diebe hatten es lediglich auf Baargeld abgesehen. An einem Laden in der Plockstraße schoben sie den Rollladen hoch, zertrümmerten die Erkerscheibe und erbrachen die Portokaffe. Etwa 25 Mark Kleingeld fiel ihnen in die Hände. Zu einem Laden in der Markt st raße schafften sie sich Zugang, indem sie an dem an den Laden stoßenden Lagerraum einen Fensterladen aufriffen, dann eine Scheibe eindrückten und einstiegen. Hier Öffneten sie die Ladenkaffe, fanden aber nur einiges Kupfergeld, das sie verschmähten. Sie ließen sonst alles unberührt. Der Arbeit nach zu urteilen, waren cS ganz geriebene Einbrecher.
** Aus demBureaudeSStadttheaterS. Morgen geht als 4. FreitagS-AbonnementSvorstellung der originelle Schwank „Niobe" in Szene. Der Idee deS Stückes liegt zu Grunde, daß der Direktor einer Versicherungsanstalt Peter Dünn eine wertvolle Niobestatne zur Aufbewahrung erhält. Im Traum bemerkt er nun, daß die Statue durch die zufällige Berührung mit den Drähten der elektrischen Leitung galvanisiiert worden ist und zum Leben erwacht. Die Schicksale der heroischen Niobe, die als Gouvernante in daS Haus eingeschmuggelt wird und mit ihrer homerischen Sprache und dito Begriffen überall den heitersten Gegensatz zur Gegenwartswelt bildet, machen den Inhalt des Stückes aus, das überall bei guter Darstellung ausgelassene Heiterkeit zu erwecken pflegt. Tie Niobe ist eine beliebte Rolle berühmter Gäste. In Elfriede Bayrhammer, die die Rolle morgen zum i ersten Male spielt, besitzt unsere Bühne eine prädestinierte ■ Vertreterin.
♦* Treuer Mieter. Gestern waren es 25 Jahre, daß ' Herr Heizer Jac. Walbrecht und Frau im Hause des Herrn , Vb Moov wohnen. Sie wurden aus d^ser^ Anlaß von dem . Vermieter mit einem schönen Andenken crfre'i.
♦♦Weiteres aus trüberZeit. Die politische Reaktion, ' meld'" e in den 50 et Jahren des vorigen Jahrhunderts auf > die Sturmjc.hre 1848 und 1849 folgte, zeitigte in DeutscUaud ■ allerhand seltsame Blüten. Im Großherzogtum Hessen hatte , man c5 damals namentlich auf die Staatsbeamten abgesehen, von denen ja viele in den vorausgegangenen Jahrzehnten 1 sich an hoher Stelle durch demokratische Anschauungen unlieb- ' fern Bemtrfber gemacht hatten. Man beglückte sie 1851 mit


