Ausgabe 
26.7.1905 Zweites Blatt
 
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nehmen (Vorschlag von Fancher in der Berliner Viertel- jahrsschrift für Volkswirtschaft, XVI [1866], und Verhand­lungen des deutschen volkswirtschaftlichen Kongresses in Wien 1873), oder Herbeiführung eines Bauzwanges unter gewissen Voraussetzungen. Bei der Behandlung dieser und etwaiger anderer Vorschläge und Maßnahmen ist die Frage, zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen das Gelände zu übernehmen ist, besonders eingehend zn er­örtern. Schließlich sind die Mittel zu erörtern, durch welche die Spekulation wirksam verhindert werden kann, das der Bautätigkeit erschlossene Gelände sich wieder zu unterwerfen und dadurch die Wirkung der öffentlich-rechtlichen Maß­nahmen wieder aufzuheben. Es ist erwünscht, daß die Vor­schläge in einem detaillierten Gesetzentwurf ihren präg­nanten Ausdruck finden. Die Behandlung des Themas hat sowohl nach der j u r i st i s ch e n als nach der volkswirt­schaftlichen und sozialpolitischen Seite hin zu erfolgen. Die Erörterung der Steuerfragen fällt nicht in den Rahmen der Aufgabe. Es ist zulässig, auch nur eine der in Rede stehenden Maßregeln und Vorschläge zu behandeln. Die Preisarbeiten, welche in deutscher, französischer oder englischer Sprache abgcfaßt sein können, müssen bis späte­stens 1. Januar 19 06 an den Rektor der Mademie für Sozial- und Handelswiffenschaften, Professor Dr. Bur- chard zu Frankfurt a. M., Börsenstraße 19, eingesandt sein. Sie sind mit einem Kennwort zu versehen. Der Name des Verfassers ist in einem mit dem Kennwort versehenen verschlossenen Umschlag anzugcben. Für die Preisvcrteil- ung steht die Summe von 3000 Mk. zur Verfügung, die nach Ermessen des Preisgerichts ganz oder geteilt zuerkannt wer­den kann. Anfragen und Mitteilungen, welche das Preis­ausschreiben betreffen, sind cm den Rektor der Mademie für Sozial- und Handelswissenschaften zu Frankfurt a. M. zu richten.

"Im Volksdialekt befinden sich vereinzelt Worte, deren Klang, Bedeutung und Entstehung fremdartig erscheint. Es krönt, so schreibt man uns aus Waitershain, den Flaggenmast unseres neu erbauten Schulhauses ein kunstvoll in Eisen getriebener Vogel aus der Werkstätte des Kunst- schlosiers und Bürgermeisters Sann. Der Volksmund be­zeichnet diesen Vogel mit dem sonderbaren AusdruckI lm en- d rutsch" und meint damit einen großen Raubvogel. In anderen Orten gebraucht man für einen solchen das Wort Br uchpätsche". Es wäre gewiß von Interesse, wenn jemand die Entstehung beider eigenartiger Bezeichnungen näher erklären könnte.

** ®in netter Setzfehler ist einem Blatte in der Umgegend passiert. In einem Festbericht heißt es, dem Turnverein sei von dem Bürgermeister eine schöne Zahn­bürste überreicht worden. Das ist gewiß ein nützliches Instrument, eignet sich aber doch weniger zum allgemeinen Gebrauch. Es war auch gar keine Zahnbürste, sondern eine Jahnbüste.

Mainz, 24. Juli. Der Verein Mainzer Kaufleute hat vor kurzem an das Reichspostamt das Ersuchen gerichtet, die Postanweisungsgebühr für Beträge bis zu 20 Mk. auf 10 Pfg. zu ermäßigen. Dieses Ersuchen ist von der Behörde vorerst abschlägig beschieden worden. Die hiesige Handelskammer befürwortet den Weiterbau der Selztal- b a h n von Stadecken nach Niederolm und damit den An­schluß an die MainzAlzeyer Linie. Die Stadtverordneten­versammlung wird demnächst zu einer Forderung eines Zu­schußes zu den Geländeerwerbskosten Stellung zu nehmen haben. Es wird an einem zustimmenden Beschluß nicht ge­zweifelt, da die Stadt Mainz an dem Bau der genannten Anschlußlinie interessiert ist.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen u/nb den Nachbar st aalen. Der Turnverein in Friedberg, einer der, ältesten des Turngaues Hessen, feiert nächsten Sonntag sein 60 jähriges Bestehen. In Reichelsheim soll im Herbst mit dem Bau eines Elektrizitätswerks für ca. 12 Orte der mittleren Wetterau begonnen werden. Das Unternehmen soll in der Nähe des Bahnhofes errichtet werden. Bürger­meister Georg Reitz in Södel, wohl der Nestor unter den Bürgermeistern der Wetterau, ist im hohen Alter von 82 Jahren gestorben. Die Heuchelheimer Kirmes finbet am 20. intb 21. August att Unter den Schulkindern in Rup­pe r t e n r o d ist nach ärztlicher Feststellung Scharlach äus- -gebvochen. Die Krankheit tritt bis jetzt vereinzelt auf.

Die Generalversammlung desD.- und Oe. Alpenvereins . wurde^ am 25. d. M. in Bamberg abgehalten, wo der Verein zum >L-chutze und zur Pflege der Alpenpflanzen seinen Sitz hat, der eine reizende Ausstellung lebender Alpenpflanzen ver- anstaltft hat.

Die Generalversammlung wurde vom Zentralpräsidenten Prof. A $ 15 Innsbruck geleitet. Der Jahresbericht konstatiert, daß

Zahl der Sektionen auf 319 und der Mitgliederstand auf gestiegen ist. An Schutzhütten besitzt der Verein zur Zett 224, davon 160 bewirtschaftete. Die Markierungen von Gebirgswegen haben weitere Fortschritte gemacht: nahezu 2000 Wegetafeln wurden im verflossenen Jahre neu aufgestellt. Es wurden fünf Führer- und ein Ski-Kurs äbgehalten. Eine große Karte der Marmolata - Gruppe 1:25 000 wird demnächst et* schönen: Karten der Mlgäu-Lechthaler Gruppe und der Brenta- Gruppe werden vorbereitet. Für wissenschaftliche Unternebm- ungen, insbesondere h'ir meteorologische Stationen und Gletscher- forschung wurden 7051 Mark aufgewendet. Die Zentralbibliothek m München verfügt über etwa 10 000 Bände und 2000 Karten.

alpinen Rettungsstellen hat sich auf 172, die der Meldestellen auf 615 erhöht. Für Ausrüstung dieser Stationen wurden nahezu 23000 Mark verausgabt.

Der Ka ssenbericht, sowie der Voranschlag für 1906 wurden genehmigt. Darnach sind Einnahmen und Ausgaben für 1906 mit 476 000 Mk. vorgesehen. Von den Ausgaben sind 226 400 Mk. für die Zeitschrift, 144 000 Mk. für Weg- und Hüt­tenbauten, 19 500 Mk. für das Führerwesen, 7000 Mk. für wissenschaftliche Unternehmungen, 8000 Mark für die Bibliothek und 4000 Mark ftir das Rettungswesen besttmmt. Zur Ehrung des um den Verein hochverdienten verstorbenen Professors Eduard Richter wurde ein jährlicher Beittag von 2000 Mark zum Posten der wissenschaftlichen Unternehmungen bewilligt.

Gewählt wurden: In den wissenschaftlichen Beirat Professor Penck-Wien und S e e m ü l l er-Innsbruck in den Weg- und Hüttenbauausschuß Unterstaatssekr. im Reichspostamt S tz d o w-Ber- lin und Berger-Warnsdorf, in die Führcrkommission För­ch er-M aper-Bozen und Gordon-Wien. Ms Ort der nächstjährigen Generalversammlung wurde Leipzig gewählt. Für die folgenden Jahre liegen von den Sektionen Innsbruck, Graz und Tegernsee Einladungen vor.

Die Festlichkeiten nahmen einen schönen Verlauf. Für die nächsten Tage sind Ausflüge beabsichtigt in die Umgegend von Bamberg, in die fränkische Schweiz, den Thüringerwald, die Rhön, das Fichtelgebirge, den bayrischen Wald und das bayrische Hochgebirge. _______

Dertnifd)6es.

* Ein fürchterliches Brand Unglück. Aus New- Hork wird gevteldet, daß ein ungeheurer Brand in der Nähe der Stadt Austin im Staate Texas wütet und zwar indem Gebiet, wo sich die Petroleumquellen und die großen

Petroleum-Reservoire befinden. Die Quelle sowie die Reser­voire stehen in Flammen. Ein Flächenraum von über zwei Quadratkilometer bildet ein Flammenmeer. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen. 2 0 Personen sind in den Flammen umgekommen, 50 erlitten gefährliche Brand­wunden.

Unfälle. In einem Schieferbruch zu Thuin (Belgien) fand ein Erdrutsch statt, wodurch zwei Arbeiter verschüttet wurden. Bis jetzt ist eS nicht gelungen, die beiden Leichen zu bergen. Bei Palermo fand in einer Grube infolge Explosion schlagender Wetter ein Erdrutsch statt, wobei 12 Arbeiter getötet, 4 schwer und zahlreiche andere leichter verletzt wurden. In der Nacht entgleiste bei der Station Wyaschli unweit Morschansk (Rußland) ein nach dem fernen Osten gehender Militärzug. Viele Soldaten trugen mehr oder minder schwere Verletzungen davon.

* Epidemien. In Paris soll eine Epidemie von schwarzen Pocken ausgebrochen fein. 48 Erkrankungs­fälle seien bereits konstatiert, 21 Erkrankte ins Hospital ge­bracht worden. Die Sanitätsbehörden haben die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Aus New - Orleans wird amtlich mitgeteilt, daß 17 Fälle von gelbem Fieber fest- gestellt worden sind, von denen 6 tödlich verliefen.

* Ein moderner Gargantua. Der größte Speisen­vertilger auf der Welt ist wohl der Arbeiter Peter Dalbeck in Montreal. Der gute Mann muß entschieden einen Magen haben, dessen Wände mit eisernen Platten versehen sind. Er kann in zwanzig Minuten, ohne irgend welche Beschwerden zu verspüren, vier Dutzend Eier essen und an einem Tage 175 Glas Bier trinken. Aus Anlaß einer Wette verzehrte Dalbeck in einer Nacht sieben Schüsseln Wild, acht Omeletten, sechs Beefsteaks mit dem genügenden Quantum Brot und Kompott. Jedenfalls tut man gut, diesen Herrn Dalbeck nicht zur Tafel zu laden, denn das Vergnügen dürfte etwas kostspielig werden.

"Wer getötet wird, erleidet keinen Schaden! Ein Ehemann, beffen Frau bei einer Eisenbahnfahrt tödlich verunglückte, erhob Anspruch gegen den Eisenbahnfiskus, den er durch alle Instanzen verfocht. Schließlich wurde vom Reichsgericht durch Urteil vom 24. Mai 1905 die Revision des Klägers zurückgewiesen. Der klassische Schlußsatz dieses Urteils lautet wörtlich:Einen Schaden hat aber die Frau, da sie getötet worden, nicht erlitten; nur das Fahrgeld konnten ihre Erben oder der Kläger auf Grund des ehelichen Güterrechts zurückfordern; einen solchen Anspruch haben aber die Kläger nicht erhoben." Also nach Ansicht des höchsten deutschen Gerichtshofes erleidet jemand, der ge­tötet wird, keinen Schaden!

* Der gestörte Preischor. Der Männergesang­verein eines kleinen rheinischen Ortes hatte zum Gesangs­wettstreit geladen. Unter anderen kam auch ein Verein, dessen Mitglieder sich in wochenlangen Proben auf das große Ereignis vorbereitet hatten. Im Bewußtsein des sicheren Sieges betraten die wackeren Sängersmannen die Bühne. Tiefe Stille tritt ein.Schäfers Morgenlied" soll erklingen. Dreißig Lippenpaare öffnen sich und ein brausendes Ge­lächter durchdröhnt den Zuschauerraum. Die Sängerschar steht ganz verdutzt und will aufs neue beginnen. Das gleiche Gelächter. Da wird dem Dirigenten die Ursache klar. Jeder der Sänger hatte sich kurz vor dem Auftreten an Heidelbeeren gütlich getan und natürlich die Spuren davon auf demSängermund" zurückbehalten, was einen unbeschreiblich komischen Eindruck machte. Mit der Stimm­ung war es natürlich vorbei und mit dem ersten Preis auch.

* Kegeljungen wünsche. Ein erheiternder Brief, dessen Inhalt allerdings kein Muster von Orthographie ist, der aber seines drastischen Inhalts wegen gewiß manchen Leser in gute Laune versetzen wird, ist an den Vorsitzenden eines Kegelklubs gesandt worden. Der Inhalt des Briefes ist wörtlich folgender:

Wie mich erzählt sind sie Preses von den Kegelklubb Hein ©mitt. Ich richte mir dahehr im Namen des Sentrahlserbands der Kegel-Jungs an ihnen mit die Aufforderung folgenbe Para- Grafen strenge inne zu halten, sons kriegen sie keine Jungs meer, denn in meine Oren sind verschiedenes gekommen, was nich darin gehert und was nich mit unsere Staat-Tuten über 1 ist. Ihr Klubb ist mich schon lange ein Dohrn ins Auge gekommen, erste maal wegen das Viehle Wechseln und bann wegen die schlechte Behandlung. Para-Graf 1. Die Kegelzeit darf nich über drei Stunden teglich' sein, zwischen 12 Uhr Nächtens und 4 Uhr Mittags darf nich gekegelt werden, der Mine-Ral Lohn für 3 Stunden betrogt 1 Mk. die Person. Para-Graf 2. für Uehberstunden wird 3 Groschen die Stunde berechnet; auser dem müßen dann drei Jungs ankaschiert werden, damit sich immer einer was ausruhen kann. 3. führ jede Stunde ist fütir jeden Jung ein Glas Bier oder sonst zu liefern, aug mus jede Stunde 10 Minuhten Pause abge­halten sein, damit jeder Jung sein Bier aus Trinken kann oder sons wes machen kann, wofür der Vreses aufkommt. 4. Unse Mid- alieder sind immer anständig zu behandeln, wie wir sie auch an- ftengig behandeln, Ausdrücke wie Jungs hohlt das Muhl, wenn unse Mid Glieder sich mal übern Verband sprechen, sind nich zu machen wie wir nich über sie auch nich machen. 5. Sollten sie sich verstoßen, so wird über sie gestretcht mit alle unse Mitteln. Ergebens August Lehmann, Preses von den Sentrahlserbands der Kegel Jungs. Dloten Beene Das Pudelgeld ist unser, für 2x9 einen g rösch en."

Hcrichtssaat.

(n.) Gießen, 25. Juli. Die Strafkammer verurteilte heute den seither unbestraften Schreiner Heinrich I. vvn Ober- Breidenbach wegen Sittlichkcitsverbrechens zu drei Jahren 6 Monaten Zuchthaus und sprach ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf_5 Jahre ab. I. hat im Laufe der drei letzten Jahre mit fünf Schulmadckren, die von Zeit zu Zeit in seine Werk­statt kamen, um Holzabfälle zu holen, unsittlichen Verkehr ge­pflogen. Er ist verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Der Taglöhner Johannes H. III. und der Dachdecker Adam Sch. von Rüddingshausen wurden durch das Schöffengericht Homberg wegen gegenseitiger Körperverletzung zu je 3 Monaten Gefängnis und H. außerdem wegen Bedrohung der Frau des Sch. zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Das Urteil wurde von beiden an­gefochten; H. war die Strafe zu hoch und Sch. berief sich auf Notwehr. Zwischen den Angeklagten besteht schon längere Zeit erbitterte Feindschaft. Ms eines Abends dem Sch. eine Fensterscheibe eingeworfen wurde, bezeichnete er H. als den Täter, worauf dieser mit einem Baumschäler auf ihn eindrang und ihm eine Verletzung am Kopfe beibrachte. Sch. wehrte sich mit einer Mißgabel, die er H. in die Hüfte stieß. Hierbei drohte H. der hinzueilenden Ehefrau des Sch. mit Halsabschneiden, wenn sie sich, nicht entferne. Wenn auch eine Notwehr auf feiten des Sch. nicht als feststehend angenommen wurde, so konnte doch das Gegenteil auch nicht als erwiesen bettachtet werden. Es mußte deshalb bezüglich des Sch. Freispruch eintteten, im übrigen fand das Urteil feine Bestätigung. Wegen eures an einem sechs­

jährigen Kinde verübten Sittlichkeitsverbrechens hmrbe der 14 jährige Fabrikarbeiter Konrad P. von Lauterbach zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte das Kind in ein Haus gelockt, indem er ihm Geld versprach, und nachdem er die Türe verschlossen hatte, die Handlung vorgenommen. Die anfänglichen Zweifel an der zur Erkenntnis der Sttafbarkeit erforderlichem Einsicht wurden durch das Verhalten des Angeklagten, der sich sehr geschickt verteidigte, gehoben. Wenn er auch zur Zett ber Tat an eine gerichtliche Bestrafung nickst dachte, so kam ihm, nach seiner eigenen Angabe, in der Folge doch zum Bewußtsein, daß ein derartiges Verbrechen mit Freiheitsstrafe geahndet wird. Da er das strafmündige Alter noch nicht lange überschritten hat, wurden ihm mildernde Umstände im vollen Maße _ zugebilligt. Am zweiten Psingstfeiertage gerieten die Dienstknechte Heinrich E. und Christian B. von Aulendiebach mit zwei Burschen aus Mittel- grünbau auf der Ronneburg bei Mtwiedermus aus geringem Anlaß in Wortwechsel, in dessen Verlauf E. einem der Burschen mit einem Taschenmesser durch den Hut in den Kvpf stach. Ms dieser äußerte, daß er gestochen fei, zeigte ihm E. sein Messer mit den Worten:Wenn ich Dich wieder tteffe, so stirbst Du!" Er wurde wegen Körperverletzung und Bedrohung zu 9 Monaten und 1 Woche Gefängnis verurteilt, wobei hervor- gehoben wurde, daß ttotz der geringen Verletzung mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Handhabung des Messers auf eine hohe Strafe zu erkennen sei. Es fei nicht das Verdienst des An­geklagten E., daß der Verletzte mit einer so leichten Wunde da­vongekommen fei. Messerhelden seien stets mit hohen Strafen zu belegen. Bezüglich des B. mußte Freisprechung eintreten, da nicht erwiesen werden konnte, daß er mit E. gemeinschaftlich vorgegangen ist. Er hat nur einmal nach einem der Burschen gestoßen, dieser aber hat den Stoß 'nicht als Körperverletzung empfunden. Dem Landwirt Konrad L. von Rinderbügen ging durch das Amtsgericht Büdingen ein S t r a f b e f e h l zu, weil er seinem Nachbar eine Hecke, die als Einfriedigung diente, be­schädigt hatte. Er legte Einspruch ein, versäumte aber den Feld­gerichtstermin, weshalb fein Einspruch ohne Beweisaufnahme verworfen werden mußte. Er erhob dagegen Berufung, da ihm mitgeteilt worden war, daß er zum Feldgericht eine Ladung bekäme. Als ihm bedeutet wurde, daß das Berufungsgericht nicht in d er Lage fei, an dem Urteil etwas zu ändern, zog er feine Berufung zurück.

Landwirtschaft.

§ Vom oberen Vogelsberge, 25. Juli. Die Heu» ernte ist so ziemlich beenoigt. Der Kornschnitt hat in befferen Lagen schon begonnen. Die Ernte fällt in jeder Hinsicht gut aus. Gegenwärtig fällt der ärmeren Bevölkerung ein guter Verdienst durch H i m b e er p f l ü ck e n zu; die Früchte werden von beit Krämern mit 10 Pfennig per Pfund bezahlt. Für die Jäger steht eine ausnahmsweis gute Hasenjagd diesen Herbst i n Aussicht. Seit langen Jahren wurde eine so zahlreiche Ver­mehrung vonMeister Lampe" nicht beobachtet, als gerade in diesem Sommer.

Saatenstand in Deutschland Mitte Juli (1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering): Winterweizen 1,4; Sommerweizen 2,5; Winterspelz 2,0; Wintcrroggen 2,5; Som­merroggen 2,6; Sommergerste 2,5; Hafer 2,8; Kartoffeln 2,3; Klee 3,0; Luzerne 2,6; BewässerungÄviesen 2,2; andere Wiesen! 2,8. In den Bemerkungen desReichsanz." heißt es: D ie bereits int Vormonat beklagte anhaltende Trockenheit übte auch rtt der ersten Hälfte ber abgelaufenen Berichtsperiode ihren! schädigenden Einfluß 'auf die Vegetation aus. Vielfach trat Notreife ein. Der Stand der Wintersaaten ist im all­gemeinen befriedigend geblieben. Hitze und Trockenheit haben die Entwicklung ber Sommersaaten Noch weiter beeinttäch- tigt, immerhin ist der Stand der Sommerung doch als ehr mittlerer zu bezeichnen, Kartoffeln haben sich im all­gemeinen infolge der eingettetenen Niederschläge s e hr er hol t. Der erste Schnitt von Klee und Luzerne fiel mit wenigen Aus­nahmen reichlich und'gut aus, dagegen sind die Aussichten für den zweiten Schnitt in Süddeutschland nur sehr gering, wenn nicht die gewöhnliche warme und feuchte Witter­ung eintritt und an hält. In Mittel- und Norddeutschland hofft man auf einen befriedigenden zweiten Schnitt. Mit der Schur der Wiesen konnte im nördlichen Deutschland infolge des späten Frühlings nicht rechtzeitig begonnen werden. Die Einbringung des ersten Schnittes verlief dagegen in Mittel- und Süd­deutschland günstig und fiel hinsichtlich der Menge und Be­schaffenheit des Heus befriedigend aus. Die Aussichten' auf Grummet sind, namentlich in Süddeutschland» sehr gering, da die Wiesen infolge der dort noch immer uu- znrcichenden Niederschläge nur spärlich nackigefchoben haben.

Kandel und AerKeljr. Dolkswinschafr.

Berlin, 25. Juli. In ber heutigen Sitzung bes Zentra l» auSschusses ber Reichsbank bemerkte ber Vorsitzende, Reichsbankpräsident Dr. Koch, daß sich nach großer, mehr als ge- wöhitticher Anspannung am Schluffe des Vierteljahres ein be­trächtlicher Rückfluß zeige. Indessen sei die Anlage mit Mk. 989 Millionen noch immer Hoch, 89 bezw. 117 und 175 Millionen größer als in den letzten drei Jahren, darunter wesentlich mehr Wechsel und auch mehr Reichsschatzanweisungen. Dagegen sei der Metallvorat mit Mk. 1005 Millionen um 46 bezw. 44 Millionen größer als im Jahre 1904 bezw. 1908, bas Golb um 66 unb 77 Millionen. Im Jahre 1902 habe bie Reichsbank 55 Millionen mehr Metall imb 21 Millionen mehr Golb besessen. Die fremden Gelber überstiegen mit 571 Millionen ben Bestand ber beiben letzten Vorjahre um Mk. 32 bezw. 20 Millionen, betrügen aber Mk. 6 Millionen weniger als 1902. Die Notenreserve sei um 3 bezw. 55 unb 126 Millionen kleiner als in ben brei letzten Vor­jahren. Notenbeckung burch Metall gegen bas Vorjahr 1 Prozent besser. Die fremden Wechselkurse seien etwas gestiegen, jedoch nicht besonders hoch, der Privatdiskont in Berlin sei, obschon noch höher als in London unb Paris, boch von 2 s/8 am 14. b. Mt. auf 21/8 Prozent gefallen. Eine Diskontoeränderung werde zur Zeit nicht beabsichtigt.

Märkte.

8 U l r i ch st e i n, 25. Juli. Während den gesttigen ersten Markttag unseres dreitägigenJakobimarktes" schlechtes Wetter in der zweiten Taghälfte heimsuchte, war der ziveite, heutige Markttag von besserem Wetter begleitet. Beide Markttage gelten dem Viehmarkte. Der gestrige Markt war sehr stark mit Ochsen, Kühen und Rinder befahren. Besonders herrschte eine gute Qualität an Stieren vor, an Bullen war nur ein Stück zu be­merken. Die außerordentlich gute Futtererträge haben die Preise für das Rindvieh sehr hoch gestellt. Trotz dieser hohen Preise ging der Handel flott. Für prima Maststiere wurde per Paar bezahlt 900-950 Mk., zweite Sorte 800860 Mk., dritte Sorte bis zu 700 Mk. Kühe erster Sorte erzielten Preise dis zu 400 Mk., andere Sorten 300-380 Mk.; zwei- bis dreijährige Rinder kosteten 170200Mk., 200240 Mk. Am heutigen zweiten Markttag, ber mehr bem Jungvieh gatt, war bie Auffahrt schwächer, bie Preise waren aber roieberum hoch bei lebhaftem Hanbel. Auch ber heutige Schweine­wa rkt war nicht sonberlich stark befahren. Der Hanbel nahm inbeffen einen flotten Gang bet guten Preisen. Tie Ferkel geringster Sorte würben bezahlt mit 4550 Mk., bessere Sorte mit 5960 M., beste Sorte 6070 Mk. Der britte Markttag morgen gilt dem Krämermarkt unb ber Volksbelustigung.

Wegen Verlegung meines Geschäftes von Neustadt 19 nach Marktplatz 11 verkaufe ich sämtliche Waren bestehend in

Öhren-, Sold- und Silberwaren

zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 2962

Z. Kmiilkil. Juwelier M Uhrmacher.