Nr. 173
Zweites Blatt.
155. Jahrgang
Mittwoch 26. Juli 1905
•xftftetat S-Nch mit thrfnafjm» de» Sonntag«.
Die „»leBenet LaiaiNenblStter- werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich betgelegl. Der •QCW4« toeOwixt* erldjetxU moaatUch einmal.
Gießener Anzeiger
Rotationsdruck und vertag ba Brühl Ich« UntDerfitäLM)ruderet 8t Lange, Dietzen.
Redaktion. Expedttio» «.Druckerei: Schulstr.1.
Tel. Nr. 6L lelegt^ttbt. r La-eiger Dietz«»
General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.
Soldaterrquäler.
Das Depeschenbureau Herold meldet heute:
Berlin, 25. Juli. Wegen Mißhandlung voU Untergebenen wurde ein Unteroffizier von der 9. Kompagnie des Königin Augusta-Regiments in Untersuchung genommen. Dieser Fall hängt mit den kürzlich gemeldeten Selbstmordversuchen zweier Untergebener des Unteroffiziers zusammen. Eine Vernehmung der ganzen Kvrporalschast führte zur Inhaftnahme des Unteroffiziers, der dem Regiment seit dem Jahre 1901 angehört.
Kriegsgerichtsverhandlungen in Darmstadt und anderen Orten sowie diese Meldung machen wieder einmal die Frage der Soldatenmißhandlungen aktuell. Wer im Reichstag gehört hat, mit welcher aufrichtigen Entrüstung der preuß. Kriegsminister v. Einem sich über Soldatenmißhandlungen äußerte, mit welcher Nachdrücklichkeit der Minister die Bekämpfung dieses Uebels versprach, kann nicht im Zweifel darüber sein, daß es den leitenden Stellen im Heere ernst ist mit den Bestrebungen, den schmählichen Mißbrauch der Gewalt auszurotten. Wohl aber wird Meinungsverschiedenheit darüber bestehen, ob die bisher ergriffenen Mittel wirksam genug sind, eine entschiedene Besserung dadurch herbeizuführen, daß sie das Uebel an der Wurzel treffen. Ein zweckmäßiges Vorbeugungsmittel gegen Soldatenmißhand lung schien die Einführung der Beschwerdepflicht, und zwar bei Strafe im Unterlassungsfall, zu sein. Ein Anfang dazu ist gemacht worden, aber diese Maßregel wurde alsbald als eine Gefahr für die Erhaltung der Disziplin betrachtet. Ein anderer, nach Laienurteil ebenso zweckmäßiger Befehl verfügte, daß der ausbildende Unteroffizier stets einen bestimmten Ab st and von den Rekruten einhalten müsse. Auch diese Neuerung scheint außer Kraft gesetzt zu sein, mindestens haben wir nichts von einer Einführung in weiterem Umfange gelesen. Geblieben sind die eindringlichen Warnungen vor Soldatenmißhaudlungen. Wir wollen gern glauben, daß in dieser Hinsicht nichts unterlassen wird, wir glauben ebenso dem durch die Statistik geführten Nachweis von einer Abnahme der Soldatenmißhandlungen. Aber wenn die Frage gestellt wird, ob eine derart bemerkliche und gründliche Besserung erzielt ist, daß diese Mißhand- lunAen zu den seltenen Erscheinungen zählen, dann muß die Frage ehrlicherweise verneint werden. Es kommen noch viel zu viel Soldatenschindereien zur öffentlichen Kenntnis. Und bei der lähmenden Frrrcht, die manches Opfer fortgesetzter brutaler Quälerei beherrscht und von der Anzeige abschreckt, muß man leider annehmen, daß außerdem eine nicht unbeträchtliche Zahl von Fällen unentdeckt und ungesühnt bleibt. Selbst in der Gerichtssitzung haben die Verhandlungsleiter oft Mühe, den Mißhandelten wie die Zeugen zu einer rückhaltlosen Aussage zu bewegen; so stark ist die Besorgnis, daß durch belastende Bekundungen der Soldat sich bei den unteren Vorgesetzten mißliebig machen könnte.
Fast alle Soldatenmißhandlungen weisen das gleiche Bild auf: Auf der Kasernenstube oder im Stall, zu einer Zeit, wo das Erscheinen eines Offiziers nicht zu erwarten ist, gehen die Quälereien der beklagenswerten Menschen vor sich, die irgendwie, sei es durch schlechte Leistung oder durch Beschränktheit oder auch nur durch ihr Dasein den Grimm eines Unteroffiziers erregt haben. Die Kameraden des Gepeinigten schweigen, um nicht selbst an die Reihe zu kommen, mitunter werden sie sogar geznnmgen, sich an den Mißhandlungen zu beteiligen. Besonders der letztere Umstand macht häufig die Entdeckung fortgesetzter Mißhandlungen unmöglich, weil die Beteiligten nun sich als Mitschuldige fühlen und infolgedessen sehr daran interessiert sind, daß nichts verlautet. Erst wenn der Mißhandelte ins Lazarett muß, .o!der wenn ,'ch nach Ablauf der Dienstzeit schwere Gesundheitsschädigungen geltend machen. Pflegt es in solchen Fällen zur Entdeckung zu kommen.
Wie ist den Soldatenmißhandlungen mit Entschiedenheit zu begegnen? Da die vorbeugenden Maßregeln nicht so wirken, wie es durchairs zu wünschen ist, kann wohl nur von dem Mittel exemplarischer Bestraffmg ein heilsamer Einfluß erwartet werden. Wenn ein Soldatenquäler weiß, daß ihm seine Taten teuer zu stehen kommen, so wird er zweifellos seiner brutalen Neigungen eifriger Herr zu werden suchen. Indessen, die von den Kriegsgerichten ver
hängten Strafen wegen Soldatenmißhandlung sind im allgemeinen nicht „exemplarisch". Die Sühne erscheint im Einblick auf das angerichtete Unheil, auf die Folgen der Peinigung, die mitunter ein dauerndes Siechtum herbei führt, in manchem Fall nicht schwer genug, nicht ausreichend. Man wird ja unterscheiden müssen zwischen Mißhandlungen in Aufwallung des Zornes und zwischen raffinierten Torturen, die mit kaltblütiger Grausamkeit erdacht und verübt wurden. Bei Fällen der letzteren Art scheint Milde des Urteils auch dann nicht am Platze, wenn dem Angesckul- bißten die vorzüglichsten Zeugnisse über seine dienstliche Tätigkeit und Befähigung ausgestellt werden. Wir meinen: gerade weil solche im Dienst besonders Tüchtiger: ein besonderes Vertrauen seitens der höheren Vorgesetzten entgegengebracht wird, ist der Mißbrauch dieses Vertrauens doppelt verwerflich. Gegen gewohnheitsmäßige Quäler aber, in denen die Bestie steckt, Quäler, die nach der ganzen Art ihrer Handlungen als unverbesserlich gelten müssen, hilft nur das Eine: i n n u s a n s d e m c c r c 1______
Kellner Meyer.
Das Landgericht in Bückeburg lehnte eine Entschädigung des Kellners M c y e r wegen der erlittenen Untersuchungshaft ab, da das Verfahren „weder die Unschuld noch die Reinigung des Angeklagten vom Meineidoerdacht ergeben" habe.
So lautet heute eine kurze Oldenburger Meldung.
Mit soviel Genugtuung die Nachricht begrüßt worden ist, daß dem Meyer eine Entschädigung für die erlittene stebenmonatige Untersuchungshaft zugesprochen werden würde, mit soviel Erstaunen wird man diese Meldung vernehmen. Doch für diese Entscheidung ist weniger das Gericht, als die Fasiung des Gesetzes verantwortlich zu machen, die, worauf von vornherein beim Erscheinen des Entwurfs aufmerksam gemacht wurde, dem Freigesprochenen nur unter besonders günstigen Umständen das Durchsetzen von Entschädigungsansprüchen ermöglicht. Wahrscheinlich werden nunmehr durch Sammlungen Mittel aufgebracht werden, und eS ist zu erwarten, daß sie reichlich genug fließen, um dem bemitleidenswerten jungen Manne nicht nur eine Entschädigung für den entgangenen Verdienst zu gewähren, sondern ihm auch Unterstützung für die Zukunft zuteil werden zu lassen. ES mag nach streng juridischer Auffasiung zutreffen, was daS Bückeburger Landgericht in die oben in Anführungsstriche gesetzten Worte kleidet, aber die Auffasiung, daß Meyer in seine Lage ohne Verschulden hineingeraten ist, hat sicherlich den bei weitem größten Teil der Oesientlichkeit auf ihrer Seite.________________________________
Aus Stadt und Kaud.
Gießen, 26. Juli 1905.
•* Der neue Rektor. Se. Kgl. Hoh. der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 22. Juli ds. Js. den ordentl. Profesior in der philosophischen Fakultät Geh. Hofrat Dr. Otto Behaghel zum Rektor der Landes- unioersität für die Zeit vom 1. Oktober 1905 bis 30. September 1906 zu ernennen.
" Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Forstwart der Kommunalforstwartei Rockenberg, Weil zu Rockenberg, aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand den Charakter als „Förster" verliehen.
** Grund steinlegung zur Bismarcksäule. Die auS Anlaß der Grundsteinlegung der Bismarcksäule geplante Wagen fahrt nimmt ihren Weg vom Kollegienhaus aus durch die Goethestraße, Südanlage, Seltersweg, Kreuzplatz, Marktplatz, Kirchenplatz, Walltorstraße, Nordanlage nach der Hardt. Die Feierlichkeit wird eröffnet durch den Kaisermarsch von Wagner, alsdann folgt die Festrede von Profeffor Dr. Haller, hierauf die Rede des Vertreters der Studentenschaft, stud. Schlie (Arminia). Dann erfolgen durch die Spitzen der Behörden, die Chargierten der Korporationen und die Fakultätsvertreter die Hammerschläge. Die Feier schließt mit dem Althessischen Präsentiermarsch. Abends 8’/2 Uhr findet Kommers der Studentenschaft auf TextorS Terrasie statt.
Wchtarer Koethekenntr.
Ein Erlebnis von Josef Wenz.
(Original-Artikel des „Gießener Anzeiger")
Wir fitzen im Schützengarten in Wetzlar. Am Fuße des Hügels, 6er die Ruine KalSmunt trägt, von der aus der Blick über ein herrliches Stückchen Erde schweift.
In der rebumsponnenen Laube fitzt sich's gut. Man schaut hinaus auf die sonnbeschienene Stadt, die sich so malerisch am Berg hinaufzieht, auf den ragenden Dom und die grünen Höhen.
Vom Dome herüber klingen die Glocken und verkünden das Andenken eines Großen.
Wir sind in heiterer Laune und zu Scherzen aufgelegt.
„Kellner l* ruft mein Begleiter. „Sagen Sie mal, wisien Sie vielleicht, ob man jetzt den Herrn Goethe sprechen kann?"
Der Gefragte sieht uns ziemlich ratlos an.
„Wen? Goethe?"
Sein Gesicht nimmt einen nicht gerade besonders geistreichen Ausdruck an.
„Ja, Goethe. Wir möchten ihn heute gern mal sprechen. Wißen Sie nicht, wann man das kann?"
„Nein, nein."
„Der muß doch Sprechstunden haben. Kennen Sie ihn denn überhaupt nicht?"
„Den Herrn Goethe? Nein, den kenn' ich nicht. Ich bin erst seit 14 Tagen hier und von Frankfurt gekommen. Aber der andere weiß es vielleicht. Du, Fritz, die Herren möchten den Herrn Goethe sprechen. Weißt Du, wer das ist?"
Fritz erscheint. a
„Wissen Sie, ob man den Herrn Goethe jetzt sprechen kann?
„Goethe? Hier? In Wetzlar? Nein. Den teim ich nicht"
Tie beiden Goethekenner verschwinden und lasten uns Zeit, anseren Lachmuskeln freien Lauf zu lasten.
Ter erste kommt wieder in unsere Nähe. a
„Ja, sagen Sie mal, wie ist es denn mit dem Herrn Goethe?
„Der ist ja schon lang tot*, laate er, mit dem ganzen Gesichte {pthetib
Ich weiß nicht, ob er sich diese Wissenschaft bei der Köchin oder beim Stubenmädchen geholt hat.
Nun taucht auch Fritz wieder auf der Bildfläche auf und kommt mit sieqesgewifsen Schritten auf uns zu.
„Das war ja 'n Dichter, der Goethe. Der hat im Jahr 1775 hier gelebt", verkündet er triumphierend.
Na, ungefähr stimmts ja auch. Der Herr Wirt, hinter dem wir das Orakel wohl zu suchen haben, haben sich mir um drei Jahre geirrt.
„Ja, dann können wir ihn allerdings nicht mehr aufsuchen.*
Mit diesen Worten verlassen wir das Lokal, verfolgt von den überlegenen Blicken der beiden Goethekenner, die uns zu sagen scheinen:
„Na, denen haben wirs aber^mal gezeigt!*
— Der Umbau des Darmstädter Hoftheaters ist, so schreibt man uns aus Darmstadt, jetzt so weit vorgeschritten, daß sich ein Einblir in die Veränderungen, die das alte Haus erfahren hat, gewinnen läßt. Der Bühnenraum und die Sperrsitze sind zwei Meter tiefer gelegt worden. Auch die ganze Anordnung der übrigen Sitzplätze ist eine flachere, fodaß man zu den Rängen nicht mehr so viel zu steigen hat, wie das früher der Fall war. Dadurch hat sich der Zuschauerraum westuit- lich zu seinem Vorteil verändert. Die Gesamtzahl der Plätze ist um 240 auf über 1400 gestiegen. Das Foher ist unverändert geblieben, nattirlich aber durchaus renoviert worden. D er Bühnenraum wurde in modernfter Weise ausgestattet: hier herrschen, wie in allen neueren Theatern, die Eisenkonstruktwnen vor. Eine wichtige Neuerung ist die Errichtung des fisebäudes für die Unterbringung der Dekorationen, das an das Theater ulbst angebaut ist Neue Dekorationen sind bisher nicht beschafft worden, doch dürfte dies für einzelne Stücke noch geschehen, denn in den neuen Rahmen passen auch neue Bilder besser. . Selbstverständlich ist auf die Fruerncherhett im weitesten.Maße Nuckffcht genommen Die Garderoben find so schon geräumig, das; sich manches 2T)eatcr daran ein Muster absehen kann. Wie gesagt, sind die Bauavbeiten so weit vorgeschritten, daß der^Eröffnung des Theaters am 17. September nichts un Wege stehen durste.
** 5)ie fün füge Volkszählung. Nach Beschluß des Bundesrates sollen bei der am 1. Dezember stattfindenden Volkszählung folgende Fragen beantwortet werden: Vor- und Zuname, Verwandtschaft oder sonstige Stellung zum HauShaltungSvorstand, Familienstand, Geschlecht, Geburtstag und Geburtsjahr, Hauptberuf und Stellung im Hauptberuf, Religionsbekenntnis, Staatsangehörigkeit, ob im aktiven Dienst des Deutschen Reiches ober der deutschen Marine stehend, und schließlich für reichsangehörige, landsturmpflichttge Männer im Alter vom 39. bis zum vollendeten 45. Lebensjahre die Frage, ob militärisch ausgebildet (und zwar im Heer oder in der Marine), oder ob nicht militärisch ausgebildet. Außer diesen Fragen, die gemäß Anordnung des Reichskanzlers vom 22. März d. I. für sämtliche in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember innerhalb der Grenzen der deutschen Staaten anwesenden Personen beantwortet werden sollen, steht den einzelnen Negierungen das Recht zu, Zusatzfragen zu stellen.
** Eine Buchbinder-Aus st ellung. Der Mitteldeutsche Kunstgewerbeverein veranstaltet vom 15. März bis 16. April 1906 in Frankfurt eine internationale Buch- binderkunstauSstellung. Die Ausstellung kann von Berufsund Liebhaber-Buchbindern des In- und Auslandes, wie auch von Bücherfreunden und Museen beschickt werden. Für besonders gute Leistungen ist die Erteilung von Diplomen in Aussicht genommen.
** Die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften und das Soziale Muse uw zu> Frankfurt a. M. haben eine Preisaufgabe veröffentlicht. Sie hat folgendes Thema:
Welche gesetzlichen Maßregeln sind innerhalb des Rahmender heutigen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung möglich und empfehlenswert, um das im Stadterweiterungsgebiete gelegene Gelände für die Herstellung von Wohnhäusern auch gegen den Willen der Eigentümer verwertbar zu machen?
Nachdem die große sozialpolitische, volkswirtschaftlichv und rechtliche Bedeutung der mit der Stadterweiterung verbundenen Vorgänge und Fragen mehr und mehr erkannt ist, so lautet die Veröffentlichung weiter, ist eine, die verschiedenen Seiten der Materie berücksichtigende öffentlich-rechtliche Regelung dieser Verhältnisse ein dringendes Bedürfnis geworden. Allseitig anerkannt ist, daß die öffentliche Gewalt in der einen oder anderen Weise einzugreifen hat, mn! die Aufftellung zweckmäßiger Bebauungspläne zu sichern und die Anlage der vorgesehenen Straßen und Plätze unter an gemeßener Regelung der Kostenfrage herbeizuführen. Auch s.nd bereits in verschiedenen Ländern gesetzliche Bestimmungen erlassen, die darauf hinzielen, auf öffentlich-rechtlichem Wege die Hindernisse, welche sich der Bebauung durch die Zersplitterung des Grundbesitzes entgegenstellen, zu beseitigen (zwangsweise Umlegung). Darüber hinaus sind, wenigstens in Deutschland, bisher Versuche öffentlich-rechtlicher Regelung der Verhältnisse kaum gemacht. Es soll hier nunmehr zur Untersuchung gestellt werden, inwieweit die in anderen Staaten bereits getroffenen Maßnahmen oder die von verschiedenen Seiten schon gemachten Vorschläge oder aber andere neu vorzuschlagende Wege geeignet sind, auf dem Boden der heutigen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung den Uebelstanden entgegenzutreten, welche sich insbesondere daraus ergeben, daß die privaten Eigentümer das zur Bebauung erforderliche Gelände nicht oder nicht zu angemessenen Preisen zur Verfügung stellen. Die bisherigen Maßnahmen und Vorschläge lassen sich etwa dahin ztffammenfassen: Forderung eines Vorkaufsrechtes der Gemeinden für den innerhalb ihres Weichbildes liegenden! Owund und Boden (Kommunalprogramm des National- sozialen Vereins, Protokoll des 4. National-sozialen Ber- treterta^ von 1899 zu Göttingen, auch abgedruckt in Adickes, Die sozialen Aufgaben der deutschen Städte, und Damaschke, Aufgaben der Gemeindepolitik). Ausdehnung des Enteignungsrechtes für öffentlich-rechtliche und gemeinnützige Körperschaften im Interesse der Wohnungsfürsorge; Gesetzgebung in Belgien (expropriation Par zones) und .Holland. Schaffung eines Rechtes für Baulustige, das im Stadterweiterungsgebiet gelegene, im Eigentum anderer stehende Gelände für Erbauung von Wohnhäusern in Anspruch zu
— Die moderne Architektur. In Wien fand aus! Anlaß des zehnjährigen Bestandes einer hochangesehenen Architektenschule ein Bankett statt. Als erster Redner sprach Architekt Theodor Deininger. Er besprach den Kampf der moderne» mit der alten Nichttmg, welcher mit einem vollen Siege der ersteren geendet habe. Oberbaurat Wagner führte aus, daß Werke der Kunst und Menschen etwas beständig Werdendes seien. Die Architektur hat mit den Errungenschaften der Menschen gleichen Schritt gehalten. Sie hat die Individualität, das kostbarste Gut des Kunstjüngers, geschützt, endlich hat sie versucht, der Baukunst die ihr gebührende Führerrolle in der Kunst wieder zu verschaffen. Wenn die Allgemeinheit unser Bestreben noch nicht unbedingt anerkennt, so liegt der Grund darin, daß die Allgemeinheit jeder Neuschöpfung abhold ist und ihr auch das richtige Empfinden zur richtigen Beurteilung fehlt. Zum Beweise dessen weise ich darauf hin, was die Allgemeinheit an dem größten Wiener bildenden Künstler, Gustav Klimmt, verbrochen hat. lWir haben darüber seinerzeit kurz berichtet: die Gemälde Klimmts wurden aus der Aula der Wiener Nnivcrsttät gewiesen. D. Red.) Sehen wir auf die Leistungen unserer weiteren Kollegen, fo_ können wir ohne lleberhebung die Tatsache konstatieren, daß wir deutschen Völker mit unserer Kunst, sicher ab r mit der Baukunst und dem Knnstgewerbe, an der Spitze aller Knlturstaaten marschieren.
— Joses Kainz und Hermann Sudermann. Wir jetzt bekannt wird, hat Kainz bei fernem letzten Aufenthalt in. Berlin während seines Gastspiels mit den Mitgliedern des Burgtheaters im Berliner Theater auch Sudermanns neues Schauspiel „Stein unter Steinen" kennen gelernt; trotz der anstrengenden Proben und seines allabendlichen Auftretens sand der Künstler die Zeit dazu: Ter Dichter, der auch der ersten Vorstellung seines „Fritzchen" durch das Wiener Ensemble in einer Loge beigewohnt hatte, las Kainz im intimsten Kreife sein jüngstes Werk vor, das im November dieses Jahres im Burgthealer in Szene gehen wird. Joses Kainz spielt in „Stein unter Steinen", von dein er sich sehr entzückt zeigte, die männliche Hauptrolle.


