Ausgabe 
26.4.1905 Zweites Blatt
 
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** Ernannt wurden der Lehrer an der Gemeindeschule zu Michelstadt i. O. Walti zum Lehrer an der Realschule daselbst; der Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Pfung­stadt Becken bach mit Wirkung vom 1. Mai zum Lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt; der Lehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt Römer zum Lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt, der Lehrer an der Gemeinde­schule zu Langen Keil zum Lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt; der Lehrer an der Gemeindeschule zu Bleichen­bach Pfaff zum Lehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt, sämtlich unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer. In den Rnhestand versetzt wurde am 15. April d. I. die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Wilhelmine Beisl er auf ihr Nachsuchen unter Anerkennung ihrer lang­jährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Mai.

Menagerie in Gießen. Laut einer Voranzeige rm Anzeigenteil trifft heute abend 11 Uhr die Raubtier-Karawane der I. Ehlbeck Wtw. aus Hamburg mit ihrem eigenen Riesenzelt auf Oswaldsgarten ein, um eine Reihe von Schau­stellungen zu veranstalten.

Ans Herz gelegt. Auf einer Versammlung von Landwirten in einem Städtchen Oberhessens pries ein Redner, unter Hinweis auf die seit Jahren allgemein bekannten Er­folge künstlicher Dungmittel, deren Anwendung. Daneben bemerkte er jedoch, daß es ganz ohne Stalldünger auf die Dauer nicht angehe, und er schloß wörtlich: »Ader auch den Kuhmist kann ich den Herren Landwirten nicht warm genug ans Herz legen.*

t Wiß mar, 24. April. Nach dem Antrag einer An­zahl beteiligter Grundeigentümer von Wißmar und Launs- bach soll in den auf dem linken Lahnufer gelegenen Teilen beider Gemarkungen das Feldbereinigungsversahren eingeleitet und diese Gemarkungsteile sollen zu dem im Gange befindlichen Feldbereinigungsversahren der Gemarkung Gießen links der Lahn zugezogen werden. Für Wißmar haben 137 Grundeigentümer mt 16,3178 Hektar Land für den Antrag gestimmt, und da sich nur ein Grundbesitzer ausgeschlossen hat, so ist das Zustandekommen des Unternehmens gesichert. In Launsbach ist der Antrag von 20 Grundeigentümern mit 8,9249 Hektar Gelände unterstützt worden. Da im ganzen 47 Grundeigentümer mit 14,7734 Hektar Land beteiligt sind, so ist auch für Launsbach die für das Zustandekommen des Unternehmens gesetzlich vorgeschriebene Mehrheit (mehr wie rin Fünftel der beteiligten Grundbesitzer mit mehr als der Hälfte der beteiligten Fläche) vorhanden.

Bad-Nauheim, 22. April. Der Staatssekretär des Keußern der Vereinigten Staaten, Hay, ist mit seiner Ge­mahlin heute abend zur Kur hier emgetroffen.

k- Steinfurth b. Bad-Nauh., 25. April. Es dürfte in weiteren Kreisen kaum bekannt sein, welchen großen Umfang die hiesige Rosenzucht angenommen hat. Sie ist hier zu einem allgemeinen Erwerbszweig geworden, vom Gutspächter bis zum kleinsten Landwirt pflanzt alles Rosen. Ein weiterer Aufschwung steht nun für die Nosenzucht bevor durch die vor kurzem gegründete Rosenzüchter-Genossen- schaft, welcher 130 Mitglieder angehören. Die Genossen­schaft hat das freiherrlich von Löw'sche Gut zu 40 Mk. pro Morgen gepachtet, um es mit Rosen zu bepflanzen. Das Gelände umfaßt ca. 800 Morgen; die seitherigen Pächter zahlten nur 22 Mk. pro Morgen. Die Nosenzucht wurde hier in den 70 er Jahren vom Gutspächter Schult­heis eingeführt. Die Rosenplantagen sind von Jahr zu Jahr vergrößert worden und jetzt sind ca. 1000 Morgen Landes in Verwendung. Der Versandt erfolgt größtenteils nach Nord-Deutschland, England, Rußland, Schweden, Paris usw. Gegenwärtig regen sich Hunderte fleißiger Hände, um die Stämmchen zu verpflanzen und zu beschneiden.

sd. Darmstadt, 25. April. Der dritte (Gesetz- gebungS-)Ausschuß ist heute unter dem Vorsitz des Abg. Reh-Alsfeld zusammengetreten. Es wurde zunächst der Antrag Reh und Genossen, betr. die Ausführungsanweisung zum Reichsviehseuchengesetz für erledigt erklärt, da die Re­gierung den Begriff der wandernden Schafherden durch ein Ausschreiben festgelegt hat. Die Regierungsvorlage betr. den Gesetzentwurf über den Text der Gesetze: 1. Gehalte, 2. Pensionierung, 3. Witwen- und Waisenkaffe der Vols- schullehrer nach dem Bericht des Abg. Reh wurde an­genommen. In gleicher Weise wurde der Gesetzentwurf über den Handel mit Giften angenommen.

Darmstadt, 25. April. Prinz Heinrich von Preußen ist mit dem Prinzen Sigismund heute abend wieder abgereist.

Frankfurt a. M., 25. April. Die heute hier unter dem Vorsitz des Kommerzienrats Eugen Coupienne-Mülheim a. d. Ruhr stattgehabte ordentliche Generalversammlung des Zentralvereins der deutschen Lederindustrie be­riet u. a. die Gerbmaterialienzollfrage. Nach einem Referate des Generalsekretärs R. Krause-Berlin nahm die Generalversammlung einstimmig folgende Resolution an:

»Der Zentralverein der deutschen Lederindustrie erkennt gern an, daß die Regierungen bei den bisher zum Abschluß gebrachten neuen Tarifverträgen die Interessen der deutschen Gerberei zu wahren bemüht gewesen sind, er erkennt ferner an, daß es den Regierungen durch die neuen Tarifverträge gelungen ist, einen Teil der. vom Reichstage in den neuen autonomen Zolltarif hineingebrachten Zollsätze für Gerbmaterialien den meistbegünstigten Staaten gegenüber zu beseitigen, einen anderen wesentlich zu er­mäßigen, er sieht aber voraus, daß durch die dafiach noch ver­bliebenen Gerbmaterialienzollsätze eine schwere S ch ä d i g u n g eines großen Teiles der Lederindustrie herbeigeführt werden wird, protestiert deshalb auch gegen diese Zollsätze, und richtet an die Regierungen und an den Reichstag die dringende Bitte, auf dem Wege des Handelsvertrages oder auf dem der autonomen Gesetzgebung jeden Gerbmaterialienzoll in Wirklichkeit zu beseitigen."

[] Marburg, 25. April. Heute nachmittag stürzte am Pitgrimstein bei der Schlachthausbrücke ein etwa 5 Jahre alter Junge in den dort sehr tiefen Mühlgraben. Mehrere kleine Kinder, die einzig und allein in der Nähe waren, liefen schreiend davon und dies härte die zufällig aus einer Seitengaffe mit Gartengerätschaften kommende Arbeiter­tau Linne. Voll banger Ahnung lief sie schleunigst über die Brücke und zog den gerade wieder aus der Tiefe auf­tauchenden Knaben mit dem Rechen noch lebend ans Ufer. Die beherzte Frau hatte ihr eigenes Kind vom Tode errettet.

** Kleine M i t t e i l hu g e n ci us Hesse n und den Nachbarstaaten. Ter Plan der Errichtung einer K a i s e r ° Wilhelms-Warte auf der mit Villen besäten, nördlich der Stadt Braunfels gelegenen Anhöhe soll jetzt zur Ausführung

kommen. Der Unteroffizier Doil von der dritten Kom­panie des 87. Inf.-Regts. in M n i n z hat sich erschossen. Doil sollte 40 Mk. an den Feldwebel abliefern, die er vermutlich während der Feiertage ansgegeben hat. Darin dürfte die Ursache zum Selbstmord liegen

vermischte».

Welches Volk aibt die besten Ehemänner? Vor einiger Zeit wurde erzählt, der Kaiser habe die Aeußerung getan, die Engländer seien die besten Ehe­gatten und jede Frau, die einen Engländer ;um Manne bekomme, könne deshalb bon Glück sagen. Mag dieses Kaiserwort nun echt oder apokryph sein amüsant ist jeden­falls, daß sich jetzt ein öffentlicher Widerspruch gegen seinen Inhalt erhoben hat rmd daß dieser Widerspruch v o n den Engländerinnen selbst ausgeht. Eine Lon­doner Schriftstellerin macht fick zur Wortführerin ihrer G/eschlecbtsgenossinnen jenseits des Kanals und erinnert daran, daß schon die viel genannte Romanschreiberin Ouida einmal gesagt habe: die Italiener seien gewiß nicht die besten Ehegatten, aber immer noch weit bessere, als die Briten. Denn die Italienerliefen ihren Frauen nach", während sich die Sache in England gerade umgekehrt ver­halte. Da lasse sich der Mann von der Frau soviel als möglich zu Hause pflegen und verwöhnen und nehme dies mit kaltblütiger Gelassenheit als etwas ganz Selbstverständ­liches hin. Tie englische Schriftstellerin ist übrigens der für uns sehr schmeichelhaften Ansicht, daß auch der Deutsche durchschnittlich seiner Frau mehr Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit entgegenbringt, als ihre Landsleute dies tun. Mer das Ideal eines Ehegatten erreicht, wie sie meint, doch nur der Amerikaner, d. h. natürlich der Nord­amerikaner der Vereinigten Staaten. Der Amerikaner ist der geduldigste, nachsichtigste und rücksichtsvollste aller Gatten. Er behandelt seine Frau wie eine Königin und schuftet" Tag und Nacht, nur um Geld zu verdienen und es ihr zu Füßen zu legen, damit sie sich dafür die teuersten Kleider kaufen und selbstverständlich ohne ihn die schönsten Reisen leisten könne. Dieses Loblied aus die Stellung der Amerikanerin in der Ehe ist ja nicht neu, aber es gibt auch Veranlassung, sich daran zu erinnern, wie in Amerika selbst in jüngster Zeit so ost Klage darüber erhoben worden ist, daß die Amerikanerinnenimmer mehr bestrebt seien, ihre Männer zu bloßen Ar­beitstieren und zu willenlosen Sklaven ihrer Launen zu entwürdigen...

Im Examen. Von dem jetzt aus Anlaß des Todes des Reichsgerichtspräsidenten wieder viel erwähnten ersten Vorsitzenden des obersten Gerichtshofes Dr. Eduard von Simson erzählt man sich folgendes, wenig bekannte lustige Erlebnis: Simson stand eben im Begriff, sein erstes Examen zu machen, als er unterwegs mit einem anderen Kandidaten zusammentraf. Tas Gespräch drehte sich natürlich um das Examen, wobei Simsons Kollege sich sehr besorgt wegen des Pandektenrechtes aussprach, da er sich darin ziemlich schwach wisse. Simson tröstete ihn mit dem Bemerken, er hoffe, ihm behilflich sein zu können, wenn er in diesem Zweige vor ihm »dran käme*. Als ihm der Zufall hierin günstig war und er sich als ein so tüchtiger Jurist zeigte, daß die erstaunten Examinatoren die Frage an ihn richteten, bei wem er feinen Unterricht darin genoffen habe, antwortete er, auf seinen Kollegen zeigend: »Das wenige, das ich davon verstehe, ver­danke ich hier meinem Freunde." Natürlich verzichteten nun die Herren darauf, diesen zu prüfen, und beide bestanden das Examen glänzend.

Muttermord auS Eifersucht. Ueber einen Muttermord aus Eifersucht wird aus Melbourne folgendes gemeldet: Rose Hubhard, ein hübsches junges Mädchen von 20 Jahren, war angeklagt, ihre Mutter vergiftet zu haben, mit der sie zusammen bei ihrem Stiefvater in der Nähe von Melbourne lebte. Im Prozeß wurde von der Verteidigung behauptet, der wirklich Schuldige sei der Stiefvater Robins, ein Mann von 65 Jahren, und nach einer an Sensationen reichen Verhandlung wurde das Mädchen freigesprochen und entlassen. Einem Detektiv gegenüber erklärte es jedoch bald darauf, es habe seine Mutter umgebracht, und als Beweg­grund gab es an, es habe sich in feinen Stiefvater verliebt und sei von wilder Eifersucht gegen seine Mutter erfüllt ge­wesen. Rose Hubbard begab sich dann in Begleitung ihres Stiefvaters zur Polizei und ließ dort die folgende Erklärung zu Protokoll nehmen:Ich, Rose Hubbard, wohnhaft Percy- Street, Kensington, Melbourne, erkläre feierlich und auf­richtig, daß ich mich erinnere, in der Hast der Polizei gegen­über ausgesagt zu haben, Robins habe meine Mutter er­mordet. Das ist durchaus unwahr. Ich gab diese Aussage ab, um mich selbst vor der Verurteilung zu retten. Ich ge- tehe jetzt, daß ich meiner Mutter Quecksilber und Arsenik eingegeben habe, da sie mich oft schlug und auf mich eifer» üchtig war. Ich bereue, daß ich das getan habe, aber sie quälte mich und beschimpfte mich derartig, daß ich beschloß, sie wegzuschaffen. Ich mache diese Aussage, um einen Un- chuldigen von einem Verdacht zu befreien.* Die Polizei hat "ich überzeugt, daß dieses Bekenntnis der Rose Hubbard der Wahrheit entspricht, da das Mädchen jedoch einmal sreige- prochen worden war, konnte ohne weiteres nichts gegen sie unternommen werden.

* Kleine Tageschronik. Aus Wien wird heute ge» m eldet: Der Verdacht, daß das Dienstmädchen der Frau N atz! er diese ermordet hat, (vgl. unser gestriges Wiener Telegramm) hat sich bestätigt. Das flüchtig gewordene Mädchen wurde in Olmütz verhaftet und hat bereits ein Gestandniß ab­gelegt. Die spanische Königsfamilie schwebte am 24. d. M. in ernster Gefahr. Sie' fuhr im Automobil eine Anhöhe hinauf, als die Bremse versagte und das Gefährt hinab- zurutschen begann. Nur dem Umstände, daß es auf einen Wagen stieß, ist es zu danken, daß kein größeres Unglück entstand. In Newport-News, (Virginien) hat O b e r l e u t n a n t z. S. S tarcke vom deutschen KreuzerBremen* in einem Anfall von Schwermut infolge längeren Krankseins Selb st mord verübt, indem er sich mit einem Gewehr erschoß. Nach einer Mitteilung der Altonaer Polizei ist der Telegraphen direkter Jahn bei der Altonaer Eischauktionshalle von der Kaimauer ab­gestürzt und in die Elbe gefallen. Hilfe war sofort zur Stelle. Der Verunglückte wurde den Fluten entrissen und ins Hamburger Hafenkrankenhaus gebracht. Die sofort vorgenommenen Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. In Innsbruck ist ein 17 jähriges Mädchen unter Symptomen von Genickstarre g e st o r b e n. -r- In einem Hotel in B e r l i n e r s ch o ß s i ch die 28 Jahre alte Margarete Westermeyer aus München, die am ersten Feiertage eingekehrt war. Nach hinterlassenen Auf­zeichnungen hat ihr Liebesgram die Waffe in die Hand gedrückt. In Dahlhausen entdeckte die Polizei eine Falschmünzer- Werkstatt, beschlagnahmte die Gerätschaften und verhaftete drei Bergleute. Die Frau eines der V erhasteten wurde bei der Ausgabe falscher Zehnmark st ücke in Bochum fest­genommen. Der Zug Nr. 104 der Lokalbahn Breitengüßbach-

Maroldsweisach überfnhr bei Breitevgützvach (Oberfranke^ v i e r E i s e n h a b n a r b e i t e r, die sämtlich getötet mürben

Kandi-c urbSrrfirf't. MvUiswinschaft.

Berliner Börse vom 25. Avril 1905.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gieße«.) Privat-Diskont 2Ve Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit .... 208.90 209.50

Deutsche Bank . . . 240.40 239.87

Darmstädter Bank . . 142.30 142.50

Bochumer Guß . . . 251.00 250.20

Harpener Bergbau . . 217.90 217.25

Tendenz: Ruhig.

R u s s i s ch e F i n a n z e n. Jüngst wurde mitgeteilt, daß Herr Fischer vom Berliner Bankhause Mendelssohn wieder einmal in Petersburg sei, aber in Abrede gestellt, daß dieser Besuch des deutschen Fmcmzmannes einer neuen Anleihe gelte. Trotz alledem wird mm berichtet, daß es sich bei den obenerwähnten Besprechungen um eine neue Geldbeschaffung für der. russischen Fiskus handelte, allerdings diesmal nicht als Uebemchme einet neuen Anleihe, sondern wre derFff. Ztg." aus Petersburg berichtet wird, in der Form eines kurzfristigen Vorschiffes, den der russischen Regierung das beteiligte Bankensyndikat eröffnet. Der Fiskus würde auf dieser Grundlage 2M Mill. Mk. zr 5 ff?roz. auf 9 Monate erhalten und das Syndikat als Sicherheit für den gleichen Betrag Schuldverschreibungen des russischen Schatz­amtes mit, neunmonatlichem Ziel übernehmen.

Deutsch - Ostasrikau ische Plant agen-Gesell- schäft. Das Geschäftsiabr schließt mit einem Verlust von 24 144 Mark und so erhöht sich die Unterbilanz auf 1564 539 Mark, während das gesamte Aktienkapital 1 985 750 Mk. beträgt, Danach steht es um die Gesellschaft herzlich schlecht.

DerJahresberichtderHandelskammerOffen» bach a. M. spricht sich über die neuen Handelsverträge wie folgt aus:Das Ergebnis der Handelsvertragsverhandlungen übertrifft weit das Schlimmste, was wir befürchtet haben. Daß bei denselben auf deutscher Seite die landwirtschaftlichen Interessen an erster Stelle maßgebend sein würden, darüber haben wir uns niemals einer Täuschung hingegeben. Wir haben aber nicht erwartet, daß dies fetbli unter Preisgabe /eines großen Teils der deutschen Ausfuhr geschehen toürbc. Für unseren Bezirk haben die mit Rußland-Oesterreich-Ungarn und der Schweiz abgeschlossenen Verträge eine recht beklagenswerte Bedeutung und auch die übrigen Abschlüsse lassen zum Teil außerordentlich viel zu wünschen übrig. Wir befürchten, daß ein sehr großer Teil der zahlreiche Spezialitäten für den Weltmarkt herstellenden und sich in der Hauptsache darin betätigenden Industrie unseres Bezirkes auf Grund dieser Neugestaltung der Handelsbeziehungen Deutschlands zum Auslande verloren geben wird. Bezeichnend für die Art, wie die Interessen der Ausfuhrindustrie bei den Verträgen gewahrt worden sind, ist die Tatsache, daß Oesterreich- llngarn gegenüber, welches eine ebenso leistungsfähige Industrie seiner Lederwaren hat, wie Deutschland, die Lederwarenzölle un­seres Zolltarifes gebunden worden sind, trotzdem die östreichischen Zölle das Doppelte und Dreifache der deutsehen Zölle für Leder­waren ausmachen. Wir vermögen nicht zu begreifen, wie es mit der Volkswohlfahrt Deutschlands vereinbart sein soll, daß bei jährlich sehr erheblich steigendem Mehrbedarf au Nahrungs­mitteln über die heimische Erzeugung hinaus und bei sonach fortgesetzt erheblich wachsenden Zahlungen an das Ausland für die Entnahme derselben vom Weltmarke auch 'iroch mit einem Rückgang der Ausfuhr von industriellen Erzeugnissen und einer damit Hand in Hano gehenden Mindereinnahme an Barvergüt­ungen des Auslandes an un* aer"chnet werden muß."

Märkte.

0 Bleichenbach, 25. April. Der heutige Ostermarkt war mit Schweinen überaus reichlich befahren, welche in kurzer Zeit zu hohen Preisen verkauft waren. Sechs Wochen alte Ferkel gingen zu 45 Mark das Paar rasch ab; ältere Ferkel kosteten das Paar 60 Mark. Die Preise für fette Schweine erreichten 58 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht.

Htniversttäts-Machrichtrn.

Zum Nackffolger des seitherigen Professors für Geschichte und Literaturgeschichte an der technischen Hocksschule zu Darmstadt, Professor Haruack, ist jetzt der außerordentliche Professor Arnold Verger aus Halle vorgesehen. i

In Zürich starb Professor H i r z e l von der veterinär­medizinischen Fakultät der Universität und Direktor des Tier­spitals. In Graz ist der Dekan der juristischen Fakultät, Professor Dr. N i l l e r gestorben.

Der Wiener Universitätsvrofessor Samuel Ritter v. Bas ch, ehemals Leibarzt des Kaisers Maximilian von Mexiko, ist heute im 68. Lebensjahre gestorben.

München, 21. April. Die Zulassung weiblicker, das Reifezeugnis eines deutschen humanistischen oder Realgymnasiums besitzender Studierender an der Technischen Hochschule ist genehmigt worden.

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Die Prinzessin von Isenburg. Das Bezirksgericht Arbon verurteilte die Prinzessin Alexandra von Isenburg wegen betrügerischen Bankervtts zu drei Wochen Ge­fängnis. Sie konnte auch diesmal nur in ihrer Abwesenheit verurteilt werden.

Jusjng m örn ^teDlfsenifsncifittn irr Stehl v-itßro.

Aufgebote.

15. April. Richard Geldsetzer, Heizer in Klein-Linden, mit Lina Lotz in Wallau. 18. Dr. Kurt von Leuvoldt, Militär- Oberarzt dahrer, mit Margarete von Leupoldt in Görlitz. 19. Georg Schuhmann, Bahnmeister in Tiedenhofen, mit Luise Plank dahier.

Eheschließungen.

15. April! Ludwig Becker, Küfer dahier, mit Elise Margarete Schmidt in Rödgen. Heinrich Ernst Max Müller, Elsendreher dahier, mit Elisabeth Wilhelmine Müller Hierselbst.

Geborene.

9. April. Dem Wirt Karl Schmalz eine Tochter Marie Henriette Käthe. Dem Kellner Alexander Hermann Herr eine Tochter Elisabeth Ntargarete. 11. Dem Schlosser Karl Seipp eine Tochter. Dem Taglöhner Karl Feldhaus eine Tochter. 12. Dem Hallenmeister Wilhelm Schmitz eine Tochter. Dem Schlosser Georg Friedrich Simon eine Tochter. Dem Lackierer August Kramer ein Cohn August. Dem Bäcker Wilhelm Geng» nagel eine Tochter.- 13. Dem Biersahrer Heinrich Häuser^eine Tochter Elise Margarete. 14. Dem Taglöhner Georg Warner ein Sohn Ernst. 16. Dem Taglöhner Heinrich Pfaff eine Tochter Bertha Mathilde. Dem Schriftsetzer Mathias Riedinger eine Tochter Christine Luise. Dem Knecht Georg Kreis eine Tochter Lina. 17. Dem Unrversitätsprosessor Dr. Heinrich Walther eine Tochter. 18. Dem Maurerparlier Konrad Spies ein Sohn.

Gestorbene.

15. April. Katharine Gräbe, geb. Rupp, 64 Jahre alt, Kochiy dahier. 16. Josef Grobelny, 25 Jahre alt, Erdarbeiter dahier. 19. Katharine Gräf, geb. Balßer, 67 Jahre alt, Ehefrau de» Vorarbeiters Georg Gräf dahier. Katharine Iughard, geb. Gros, 61 Jahre alt, Witwe des Bäckermeisters Ehristtan Jug- hard III. dahier.

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