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25/02/1905 Erstes Blatt
 
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Samstag Ä5. Februar 1905

Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatliches Pf., otertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mt. 2.Viertel­jahr!. ausfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die Tc rsv'uamer -'s vo-miltaqs d

Zc'^envreiS: ,

auswärts <'9 ?i33.

verantwortlich für 1 den polit und

Teil: P. Wittto; für Stadt und Land* und Gerichtssaal": August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

GietzenerAnzeiger

*"* General-Anzeiger

Nr. 48 rfÄtlet iSgttch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Keffischen Landwirt die Siehener Kamillen. Hättet viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'fchen Univerf.-Buch-u. Stein- druckerei« 9t Lange. Redaktion, GrvedUion und Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse für Deveschen: Anzeiger Gießen.

Fernsprechanschluß Nr. 51.

Die heutige Mummer umfaßt 16 Seiten. ft* ____, ..... " -

GeseAenprüsung.

Die diesjährigen Gesellenprüfungen finden im Monat MärzApril statt. An derselben können alle jungen Hand­werker aus den Orten Daubringen, Mainzlar, Ruttershausen, Staufenberg, Trais a. L. und Lollar teilnehmen, deren Lehr­zeit spätestens am Schluß der Prüfungen beendet ist.

Anmeldungen find unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars (bei dem Unterzeichneten erhältlich), bis zum 10. März an den unterzeichneten Ausschuß zu richten. Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mark und ist mit der Anmeldung einzusenden.

Wir machen insbesondere darauf aufmerksam, daß die Ablegung der Prüfung u. a. als Vorbereitung für die An­leitung von Lehrlingen und die Führung des Meistertitels ist, ihre Versäumnis daher später empfindliche Nachteile im Ge­folge hat.

Lollar, den 16. Februar 1905.

Für den Prüfungsausschuß des Ortsgewerbevereins Lollar.

und Militärzüge, aber leine Personen- und Güterzüge von Saratow hier an. Züge, die von hier nach Saratow ab­gehen, werden in Atkarsk an geh alten.

Petersburg, 24. Febr. (W. B.) In den Putilow- werken in der Nikolkskü-Manufaktur, aus der Newskiwerft und in der Fabrik von Pahl wurde abermals die Arbeit eingestellt. Es streiken insgesamt dreizehn Fabriken mit 40 000 Arbeitern.

*

Infolge des Streiks der Eisenbahn^ aus den russischen Westlinien sitzt ein d e u t s ch e r S ch a f s n e r i n W a r s ch a u fest. Der Schaffner PH. Weber vom Frankfurter Haupst- bahnhof begleitete den Wagen S. K. H. des Gr o ß h e r z o g s von .Hessen nach Warschau. Von dort telegraphierte er seinen Angehörigen, er könne vorläufig nicht zurück­kehren, da auf der ganzen Linie Warschau--Alexandrowv alles streike! wb kein Zug gehe.

Neue Verhaftungen von Intelligenzen.

Moskau, 24. Febr. (W. B.) In der vergangenen Nacht wurden die Schriftsteller Leonidas Andrejew, Schirikow, Skitgles und vierzehn andere Schrift­steller im Hause Andrejews verhaftet.

Gorki.

H. Rohrbach, Vorsitzender.

Rußland in Sturm und Drang.

Wirtschaftspolitisches.

Tie Erschütterungen, denen Rußland ausgesetzt ist, be­treffen nicht nur die politische, sondern auch die wirt­schaftliche Struktur des Stacrtskörpers. Ein Ende des revolutionären Zustandes ist nicht abzusehen, noch weniger also die Wirkung des Gährungsprozesses auf Handel und Wandel im Zarenreich. Bei solcher der festen Grundlage ermangelnden Situation dürste es ungemein schwierig sein, internationale Vereinbarungen in Gestalt von Handeln­de r t r ä g e n, Z-u treffen. Äuf solche ist Rußland andererseits mehr denn je angewiesen, weil der Krieg ihm ungeheure finanzielle Opfer auferlegt, die nur durch geregelte Pro­duktionstätigkeit und gesicherten Ausfuhrhandel erschwing­bar sind. Als Rußland den .Handelsvertrag mit Deutsch­land abschloß, lag die Sache wesentlich anders. Damals gab es noch keine revolutionäre Bewegung unter der russi­schen Arbeiterschaft, die jetzt die russische Regierung der sozialen Reformftage nähertreten läßt. Wenn diese Re­form auch nicht in so großem Maßstabe durchgeführt werden wird, wie in Deutschland, so must sie doch tief einschneiden in den gesamten russischen Industriebetrieb. Und auch auf das Gebiet der für Rußland so wichtigen Landwirt­schaft greift die Arbeiterfrage hinüber. Man darf unter solchen Verhältnissen gespannt sein, was bei den zwischen Rußland und Italien schwebenden Handelsvertragsver- handlungen herauskommen wird. Der Emanzipations­kampf des russischen Volkes findet bei den Italienern große Sympathie. Nicht nur die Arbeiterschaft, sondern auch das Bürgertum und der Adel Italiens^, u .a. der Genueser Fürst Doria, beteiligten sich an den Sammlungen für die russi­schen Freiheitskämpfer. In Petersburg wird man auch eingedenk sein des sozialen Empfindens König Viktor Ema­nuels, das erst jüngst wieder zum Ausdruck kam durch seine Initiative zu internationaler Fürsorge für die ackerbau­treibende Bevölkerung. An dieser von den meisten Kultur­staaten beifällig aufgenommenen Anregung wird auch die russische Regierung nicht, und jetzt am wenigsten, vorüber­gehen dürfen. Es ist also anzunehmen, daß die Beding­ungen, unter denen Rußland seinen Handelsvertrag mit Italien schließt, in gewisser Hinsicht den Stempel des Geistes tragen. Denn nicht der Regierungen wegen, sondern im Interesse der erwerbstätigen Bevölkerung werden national- politische Maßregeln und internationale Vereinbarungen! getroffen.

Der Ausstand des Eisenbahnpersonals.

Warschau, 24. Febr. (W. B.) Der Gouverneur er­hielt von einem höheren Beamten der Warschau-Wie­ner-Bahn die Benachrichtigung, daß der Ausiichtsrat der Bahn mit Rücksicht darauf, daß die Arbeiter infolge des Ausstandes in Not gerieten, gewillt sei, die Gehälter und Löhne um die Gesamtsumme bon 650000 Rubel zu erhöhen. Heute nachmittag erhielten die Arbeiter­vertreter der genannten Bahn eine günstige Ant­wort auf ihre Forderungen. Am Abend empfingen sie die von der Direktion unterzeichnete schriftliche Entscheid­ung. Es werden dann sofort die Linien für den Ver­kehr frei gemacht. Die Verwaltung der Peters­burg-Warschauer Eisenbphn erläßt eine amtliche Bekanntmachung, nach welcher trotz des Ausstandes in War­schau der Zugverkehr auf dieser Linie nicht aus-

a r s ch a u, 24. Febr. Der Ausstand der Arbeiter der Gasanstalt wird erwartet. Gestern abend gaben zwei Arbeite r drei Schüsse a»:feinenPolizeiage n- ten ab, der schwer verwundet wurde. Mit großer Mühe gelang es, zwei Züge unter dem Schutz der Truppen nach Mlawa und Kowel gehen zu lassen. Andere Züge konnten nicht passieren. '

Minsk, 24. Febr. (W. B.) Dre Veröffentlichung des kaiserlichen Erlasses, welcher eine zehnstündige Ar­beitszeit für die Eisenbahn Libau-Romnp einführt, rief allgemeine Freude hervor. Die Arbeit wird wieder ausgenommen.

Saratow, 24. Febr. (W. B.) Die Erregung unter den Arbeitern in den Druckereien nimmt zu. Bei den Zuhnlinien der Umgebung von S ar ato w ist der allge- -meine Aus stand ausgehrochen.

Kirsanow (Gouv. Tambow), 24. Febr. (W. B.) .Wegen des Ausstandes dec Angestellten der Eisenbahnen in den 'Distrikten von Atkarsk und Saratow kommen nur Post-­

Die offiziöse Petersburger Telegr.-Ag. meldet heute: Nachdem sich die Staatsanwaltschaft und die Polizei damit einverstanden erklärt haben, Gorki gegen eine Bürgschaft von 10 000 Rubel freizulassen, ist die An­gelegenheit, da auch ein Bürge für das Geld vorhanden ist, jetzt dem Generalgouverneur Trepow zur endgiltigen Entscheidung vorgelegt morden. Ein Bescheid ist noch nicht ergangen. Das Befinden Gorkis hat sich in den letzten Tagen verschlimmert.

Ob nun wirklich endlich, nach vierwöchiger Kerkerhaft, die Befreiungsstunde für den genialen Dichter des tiefreligiösen Nachtasyls" schlägt? In den Händen Trepows liegt die Entscheidung, und diesem Manne ist wohl nicht viel Gutes zuzutrauen. Ist es doch gerade Trepow, der den jetzt im Gefängnis schwer erkrankten Dichter der Teilnahme an der russischen Freiheitsbewegung verdächtigt. Gorki gehörte be­kanntlich zu jener Deputation von Intellektuellen, die am 21. Januar die Negierung vor dem nahenden Sturme zu warnen suchte. Die Minister waren jedoch nicht zu sprechen, und- als am folgenden Tage Hunderte von Leichen die Straßen füllten, schritt man zur Verhaftung der Warner.

Unruhen im Gouvernement Grodno.

Wie telegraphisch gemeldet wird, kamen in der Stadt Krinski im Gouvernement Grodno große Straßenunruhen zum Ausbruch, die einen stark regierungsfeindlichen Charakter trugen. Gegen 500 streikende Arbeiter durchzogen, die Marseillaise singend, mit roten Fahnen die Hauptstraßen und zerstörten auf dem Wege die Telegraphenleitungen. Hierauf begaben sie sich in das Pofigebäude, wo sie sich aller Doku­mente, Bücher und Korrespondenzen bemächtigten und die Beamten zwangen, die Arbeit niederzulegen. Das Gebäude des Bürgermeisteramts und die Wohnung des Polizeimeisters und der Gendarmerie-Offiziere wurden vollständig demo­liert und aus der Kasse der Stadtverwaltung 600 Rubel gestohlen. Da die Telegraphendrähte zwischen Krinski und Grodno durchschnitten waren, konnte militärische Hilfe erst am nächsten Tage requiriert werden. In der Stadt herrscht allgemeine Panik. Alle Geschäfte sind ge­schlossen.

Heber Gorkis Verhaftung in Riga werden jetzt noch nachträglich interessante Einzelheiten bekannt. Frau Andre, jewa, Schauspielerin, mit der Gorki eng befreundet ist, hatte sich damals in Riga einer ernstlichen Operation unterzogen. Auf ihr Telegramm, daß ihr Zustand Bedenken einflößte, reiste Gorki sofort dorthin mit dem 16jährigen Sohne der Frau Andrejewa. Der Zustand seiner Freundin war sehr bedenklich; der Arzt gestattete deshalb vorläufig nur eine kurze Unterredung, woraus Gorki der Kranken bedeutete, daß er sich in ihre Wohnung begebe, um sich umzukleiden, aber nach kurzer Zeit wiederkehren werde. In ihrem Hause wartete seiner jedoch eine Ueberraschung: 16 Personen, Gendarmen und Detektives, die teilweise von Petersburg in einem Zuge mit Gorki gereist waren, harrten seiner, nachdem sie in der Wohnung der Frau Andrejewa eine außergewöhnliche Haus­suchung vorgenommen hatten, wobei sogar Dielen und Fenster­bretter aufgeriffen worden waren. Sofort ging es dann nach Petersburg in die Peter-Panls-Festung. In der größten seelischen Aufregung trat er die Reise an. In der Festung traf auch lange keine Nachricht aus Riga ein, trotzdem der dortige Arzt direkt an Gorki über den Zuitand der Kranken depeschiert hatte. Der Gefangene erhielt diese Nachricht erst nach acht Tagen.

Der Kneift

Vom Kriegsschauplätze.

24. Febr. (Petersb. Tel.-Ag.) Eine russische enma§trut)!'e im Gebiete von Jnchentschen nötigte die und 12 Geschütze ins Feuer zu bringen. Nr ber all m ä -> t - Vorma r sch d er Ja» an e r m Unsere Avantgarden ziehen sich unter Ge- auf ihre Stellungen zuru ck.

^N^ersbura, 24. Febr. (Petersb. -pel.-Ag.l General & f rr ffi n r o tu melbet dem Generalstab unterm 23. Febr.: Heute ^ü erarisf de? Feind in der Front des Detachements .von T-HrrSm die O ffensive wieder mit beträchtlichem graften. Un/ere^äan aoacn lick am Nachmittag aus ihrer befestigten

Stellung zurück. Tie feindlichen Kolonnen rückten von, Süden her vor und umgingen den linken Flügel un* serer Stellung. Der Schneefall verhinderte uns den Feind- zu beobachten. T-er Angriff der Japaner war unent-- schlossen. Einige Abteilungen kamen aber bis auf 900 Schritt heran. Bei Sonnenuntergang griffen die Japaner den Beresheff- Hügel an: der Angriff wurde aber abgeschlagen. Die Ab­teilung, die am 18. Februar zur Zerstörung der.Eisenbahn aus- gesandt worden war, ist beute zurückgekehrt. Diese näherte sich am 21. Febr. einer fünf Werst südlich von.Haitscheng gelegenen Brücke. Ein Trupp unserer Soldaten griff die dort stehenden feindlichen Vorposten an, vernichtete sie und sprengte di« Brücke in die Luft, während ein anderer Trupp die Posten be­schoß, welche die Linie bewachten und der: Japanern zu Hilfe eiten wollten. Hierauf zog sich unsere Abteilung nach \ Westen zurück, nachdem sie insgesamt 100 Werft zurückgelegt hatte. Am 21. Febr. versuchten japanische Schwadronen und Chunchusen die gesamte Abteilung nach Süden .zurückzuwerfen. Am 22. Febr. waren wir gezwungen, diejapanischenLiniew zu durchbrechen. Dabei wurden zwei unserer Offiziere ver- ivundet. In der Nacht zum 23. Febr. griff eine 9tbteilund ja-< panischer Kavallerie unsere Vorposten in Schiluchan zwischen: Sinchan und Badune an, worauf sich diese zurückziehen.

Port Arthur.

Berlin, 24. Febr. DerReichsanz" meldet: Tie japa^ Nische Regierung teilte dem kaiserlichen Gesandten in Tokio amt-- lich mit, daß die Blokade der Halbinsel Liaotung abt 7. Febr. aufgehoben worden ist. Die Einfahrt und Ausfahrt bei Pvrt Arthur bleibt jedoch vorläufig für alle nicht im Dienst ber japanischen Regierung stehenden Schiffe ve rboten. _ .

Feodosia, 24. Febr. (Petersb. Tel.-Ag.) Dre Osnzrere und Soldaten von Port Arthur sagen aus, daß die Zwistig-- keilen zwischen Seeleuten und Truppen durch die Weiger-, ung der Flotte General Stössel zu gehorchen, hervorgerufen wurden. Tie Marinesoldaten, die dem Statthalter. Alereiew unterstellt waren, waren schlechte Schützen Tie Gene­rale Stössel und Kondratenko waren die Seelen der' Verteidigung undvon allen geliebt. Für die Schlachy am 10. August gäbe es keine Erklärung. T-er V o r w u r f ber Unentschlossenheit, der gegen Fürst Uchtomski erhoben werde^ sei nicht der einzige. Man glaubte zuerst nicht, daß General) Nogi die Vorschläge für die Kapitulation annehme: aber er| ging wohl lauf alle Bedingungen ein, um Grau-^ samkeiten gegen die japanischen Kranken und Ver-^ rourtbeten zu verhüten.

Gefangene Raffen.

Tokio, 24. Febr. Tie Zahl der in Japan gefangen gehas» tenen Russen beläuft sich aus 44400, von denen 616 Offizier^ sind.

Fortführung des Krieges.

Ein Zeichen, daß es mit den Friedens gerächt en toe» nig auf sich hat, daß vielmehr der Krieg energffch fort-' gesetzt werden soll, sind die neuen Bestellungen großen« Umfangs. Solche ergingen an Waffen- und Muantionsfabriken, an Lieferanten von Lebensmitteln ufto., und die Börse, beweg­lichen Geistes wie immer, vor kurzem höchst friedensschwärmerrsch, nahm mit Behagm Kenntnis von den S chifßsVerkäufen ber H amburg er Paketfahrtgesellschaft. An welch'« auswärtige Firma die Dampfer verkauft sind über den Ver­kauf einer weiteren Anzahl schweben Verhandlungen und für welche Macht sie bestimmt sind, darüber wird begreiflicherweise das Geheimnis gewahrt. Vermutlich sind es Käufe für russl- s ch e Rechnung, dln Geld fehlt es ja dem Zarenreich aus Grund der letzten Llnleihe nicht. _ .

Wenn eine Andeutung des russischen Botschafters rn Washing­ton Reckst hätte, dann wäre Japan in finanzieller Ver­legenheit. Von Japan, meint Graf Cassini, seien die neuen Friedensgerüchte qu§gegangen, um die Stimmung zu Gunsten: einer neuen Anleihe zu beeinflussen.

Graf Cassini rät falsch. Aus den Ver. Staaten, aus. Eng» land und sogar aus Paris stehen der japanischen Regierung Mittel genug zur Verfügung. Was etwa für mpanifche An­leihen von selbst Stimmung macht, dassift der Umftarld, daß mit dem Geld bedeutend besser gewirtschaftet wird, als nnt dem Erlös ber russischen Anleihen. Oeffentliche Gelder sin Rußland befinden sich bekanntermaßen zu nicht geringem Teil da, wo, sie nicht sein sollen. Uebrigens plant Japan die Ausgabe emer neuen inneren Anleihe. (Vgl. unsere heutigenHan- bels"-Notizen.) ,

Große Hoffnungen setzt man in Petersburg auf den Früh­jahr s f e l d z u g , im Hinblick auf die Knropatkin ^ugegangenen Verstärkungen. Warum nickst ebensoviel Erwartrmgen auf das zweite P attische Geschwader unter Führung Rostiesjt- wenskis? Ein Bries derTägl. Rnndsch." aus Irkutsk teilt eine Reihe neuer Einzelheiten mit, welche die völlige /bert> losigkeit dieses Geschwaders dartun. Die ,^slava , ein Dach^ seepanzer, sei das einzige moderne Kriegsschiff des ganzen Ge-^ schwaders. Aber auch dieSlava" ist isichts Ganzes denndie für sie gebauten Maschinen und Kessel sind anderweitig ver­wendet worden" . . . Eine echt russische Tragckomodir Auch eine Tragikomödie ist, wie die russischen Heerjnhrer sich gegen­seitig der Unfälftgkeit zeihen. Tas Eigenartigste ist aber doch, daß General Stössel alle in der ftanzönsthen und englischen Presse erschienenen Interviews mit ihm für ftere Erfind­ung erklärt. Sein Bursche habe den auswärtigen Kvrrejpon- benten die Weisheit zum besten gegeben! Dann hat der Ge­neral einen wirllich sehr intelligenten Burschen, um den ihn viele Militärs beneiden dürften! Stopel selbst konnte nicht besser und nicht eifriger die Notwendigkeit der Kapitulation von Port Arllmr rechtfertigen. Es scheint indessen, daß zu diesem summarischen Dementi in einem Petersburger Blatt der Ge­neral wohl deshalb sich entschlossen hat, weil ihm bei der bevor­stehenden kriegsgerichtlichen Untersuchung der Feftungs- licbcrgabe die Interviews sicher unliebsam verdacht werden. @r* staunlich bleibt es auf jeden Fall und ein Wunder unserer nüch­ternen Zeit, wie der Bursche des Generals die ftanzösischcn und englischen Journalisten allzumal in den Glauben zu setzen nmßte, der Verteidiger von Port Arthur spreche zu ihnen!

Wilhelm II. und der Krieg.

Zu den Gerüchten, betreffend Einwirkung des Deut­schen Kaisers auf den Zaren erfährt berHann. Cour, aus zuverlässiger Quelle, daß Kaiser Wilhelm dem Zaren eine Denkschrift des Prinzen Karl von Hohenzollern über die sehr bedenkliche Lage Kuropatkin s zur.In­formation zugefandt bat. Tie T-enkschrift des Prinzen Stan, der als deutscher Militärattachee auf dem Kriegsschauvlatze, weilte, kommt zu dem'lllß, daß Rußland Revanche m achelwarep Zeit unmöglich fei, und begründet diese Msicht ausführlich.