Ausgabe 
24.3.1905 Erstes Blatt
 
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Ans gtniit und Kano.

Gießen, den 24. März 1905.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Repetenten an der Theologischen Fakultät zu Gießen Lic. theol. Fuchs, die evangelische Pfarrstelle zu Rüssels­heim, Dekanat Groß-Gerau übertragen.

In der gestrigen nichtöffentlichen Stadt- Derordnetensitzung wurde in der Angelegenheit des Theaterbaues em Jdeenwettbewerb ausgeschrieben zwischen folgenden Firmen: Fellner und Helmer (K. K. Bauräte) in Wien, RegierlingSbaumeister Mo ritz-Köln (der Erbauer des Kölner neuen Theaters), Prof. Dülfer-München, Architekt Sehring-Charlottenburg, Architekt Tittrich- Diünchen, und den Gießener Architekten, die sich da­rum bewerben wollen.

"* Die Hauptgewinne der Gießener Pferde- kotterie steten auf folgende Nummern: Gewinn Nr. 1 auf Los Nr. 6432 nach Niedermendig, an den Stcinbruch- besitzer Sebastian Schneider (Kollekte des Sattlermeisters Bender hier), Gew. Nr. 2 auf Los Nr. 1400 nach Gießen, Gew. Nr. 3 auf Los Nr. 10 114 nach Grünberg, Gewinn Nr. 4 auf Los Nr. 5978 nach Gießen, Gew. Nr. 5 aus Los Nr. 3384 nach Gießen, Gew. Nr. 6 auf Los Nr. 55 nach Gießen, Gewinn Nr. 7 auf Los Nr. 19 114 nach Münchholzhausen, Gewinn Nr. 8 auf Los Nr. 18 308 nach Neutsch b. Wald, Gewinn Nr. 9 auf Los Nr. 338 nach Gr -Erchen, Gewinn Nr. 10 auf Los Nr. 15 219 nach Gießen.

** Tas alte Bibliotheksgcbäude. Der Plan, das alte Bibliotheksgebüude unserer Hochschule in seiner Fassade der Umgebung des Landgraf Philipp-Platzes an- zuvasscn, ist daran gescheitert, daß das Finanzministerium die für den Umbau geforderten 85000 resp. 63 000 Mk. auf 35 000 Mk. reduziert hat. Tas Gebäude wird daher in der Hauptsache nur im Innern zweckentsprechend um- gebaut, um darin drei Institute unserer Universität und zwar, wie früher schon erwähnt wurde, das Botanische, das Geographische und das MathematUch-phisikalische Institut unterzubringen. Tas durch dessen Beilegung frei w.rden.e Gebäude des Botanischen Instituts in der ^enckenbergstraße wird dem LandwirtschasUichen Institut eingeräumt werden, das zurzeit im Kollegrengebäude in der Ludwigstraße sich befindet.

** Einen schlechten Handel schloß ein hiesiger Ge­schäftsmann, der eine Anzahl Lose der Pferdemarltlotterie zum gelegentlichen Verkauf und Sclbstgcbrauch übernouunen hatte, ab. Er bot einem Mann aus Grün berg seine Lose zum Kaufe an. Ter wollte aber dieMärker" sparen und lehnte das Angebot ab. Um mm aber die Lose los zu werden, schenkte ihm unser Gießener eins davon. Gestern wurde die Nummer mit dem drillen Hauptgewinn gezogen. Tableau! Der dritte Hauptgewinn besteht in einem Lauler- bacher Wagen mit Bock, ferner einer braunen Stute mit Stern und K u mm et g e schi rr.

** Frühjahrspferdemarkt. In unserem voraestrigen kurzen Bericht war von einer primitiven Musikkapelle gesprochen worden. TaS ist aus einen Irrtum zurückzwühren; in den Vor- wutagsstunden spiellen in der Nähe des Marktes umherziehende Musikanten, später aber die hiesige Feuerwehrkapelle, deren Leistungen beifällig ausgenommen wurden.

w. Nldda, 22. März. Heute nachmittag fand im Saale desGambrinus" die Schlußfeier der hiesigen Ge­werbeschule statt, zu der von amtlicher Seite Gewerbe­schulinspektor Meyer-Darmstadt (früher Hauptlehrer hier) und Kreisamtmann Dr. Bernbeck-Büdingen erschienen waren. 2lnf die Begrüßung durch den Vorsitzenden des Auf- stchtsrats, Möbelfabrikanten Ringshausen, folgte ein Rechen­schaftsbericht des Hauptlehrers Höhn, wonach die Gewerbe­schule von 33 Schülern, 2 Hospitanten und 7 Meister- prüfungskandidaten besucht wurde; die Sonntagszeichenschule von 154 Schülern, die Abendschule von 30 Schülern. Tas Alter differiert zwischen 14 und 27 Jahren. Nach einem Gang durch die sehr reichhaltige Ausstelliinq von Schüler- arbeiten, unter denen besonders die perspektivischen und Modellezeichnungen sich hervortaten, wobei Hauptlehrer Höhn die Erläuteriingen gab, wurden die Namen der Bewerber um die drei Preisaufgaben (einer Kleinkinderschule zu Nidda, eine Brücke über die Nidda und ein dreiteiliges geschäftliches Fenster) aus den beigegebenen Couverts ersehen. Es er­hielten je den ersten Preis Witt aus Nidda, Jockel aus Hungen und Schwab aus Geiß-Nidda. Aus dem Kreis Gießen besuchten 5 Schüler die Schule, von denen außer dem genannten Jockel Bieker aus Ober-Bessingen den dritten Preis in der ersten Abteilung erhielt. Die Zeugnisse der Schüler waren meist sehr gut. Mit einem Tank an die Lehrer und Gönner der Schule wurde der offizielle Teil ge­schloffen, an den sich ein gemütlicher reihte.

s. Hartmannsha in, 22. März. Tie Bahnbau­arbeiten an der Strecke Greben HainGedern haben nunmehr wieder in größerem Umfange begoimen, nachdem sie längere Zeit wegen des hohen Schnees ein­gestellt werden mußten. Tas Geleise ist nun von Greben­hain bis an hiesige Station fertig gelegt und wird jetzt auf der weiteren Strecke fortgesetzt, da die Erdarbeiten bis über Oberseemen hinaus fast ganz fertig gestellt sind. Nur oberhalb Gedern sind noch bedeutende Erdmassen zu bewegen. Heute hat auch der an der hiesigen Station ausgestellte Steinbrecher seine Tätigkeit begonnen, um die hier fast haushoch aufgetürmten Bascrltmassen aus dem großen Durchschnitt zu Schotter zu zerkleinern. Tiefer wird sosort in Waggons geladen und durch einen Materialzug, der täglich zwischen Grebenhain und hier verkehrt, aus die Strecke gebracht. Tie Maschine des Brechers erregt wegen ihrer kolossalen Größe die Bewunderung aller Vorüber­gehenden und übt außer ihrer eigentlichen Tätigkeit als Beweger des Brechers noch eine weitere aus; sie zieht sich nämlich selbst die mit Basalt beladenen Rollwagen über eine schiefe Ebene auf das ziemlich hohe Gerüst des Brechers. An den Bahnhofsgebäuden, deren Fundamente schon im Herbst gelegt worden sind, wird in den nächsten Tagen weiter gearbeitet.

R. B. T arm stad t, 23. März. Ter Sonderausschuß für die Kommun al st euer reform hielt in den letzten Tagen wieder längere Sitzungen ab, bei welchen auch Staats- mmister Rothe, Finanzmmister Gnauth und Regier- ungstommissare teilnahmen. Gestern hat der Ausschuß die Generaldistusfion über die Regierungsvorlage beendet und rst '» die Einzelberatung emgetreien. D.e weitere Be­ratung Durst-» aber möglicherweise eine unlieb jame Unter- brechung erfahren, da ,Äbg. Tr. Gut fleisch, dessen

reiche parlamentarische Erfahrung man bei dieser hochwich­tigen Gesetzesmatcrie nicht entbehren möchte, gestern er­krankt ist. Ter Finanzausschuß der zweiten Kammer war heute zur Beratung beisammen und stellte eine Anzahl kleinerer Vorlagen für die Plcnarberatung fertig. Ter Sonderausschuß für die Regierungsvorlage inbetresf der b e r u s l i ch e n O r g a n i s a t i o n d e r Land­wirtschaft hat in seiner letzten Sitzung die Beratung über den Gesetzentwurf beendet und den Abg. Dr. Fr e n a y. mit der Abfassung des schriftlichen Ausschußberichts be­auftragt. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß auch dieser Gesetzentwurf schon beim Wiederzusammentritt der zweiten Kammer am Schluß des lausenden Monats mit zur Be­ratung kommt. Der Heilstättenverein für das Groß Herzogtum Hessen hielt heute im Sitzungs­saale der Jnvalidenversicherungsanstalt seine diesjährige Hauptversammlung ab. Ter Vorsitzende, Regicrungsrat Tietz, teilte mit, daß die Lungenheilstätte in Winterkasten im September d. I. eröffnet werden könne. Die Kosten für die Anstalt belaufen sich auf 681000 Mk. (gegen 400000 Mark im Voranschlag). Tie Versammlung beschloß des­halb, ein weiteres Darlehen von 300 000 Mk. bei der Jn­validenversicherungsanstalt aufzunehmen. Geh. Obermedi­zinalrat Tr. Hauser hielt sodann einen Bortrag über dieTuberkulose in Hessen".

Mainz, 23. März. TasTagblatt" verbreitet das Gerücht, daß Tompropst Malzi flüchtig gegangen sei. Ter Dompropst hatte nach einer Kautionsstellung von 10 000 Wik. in einem hiesigen Kloster Aufenthalt genommen.

(to.) Frankfurt a. M., In der letzten Nacht wurde in der Uhren- und Goldwarenh an dlung von Ernst Hein­rich Bauer ein großer Einbruchsdieb st ahl ausgesührt. Tie Diebe schnitten in der Hinteren La-dentnr die untere Fiillung heraus und öffneten die übrigen Türen mittels Nachschlüssels. Tann rafften sie alles zusammen, was sie fanden. Goldene und silberne Herren- und Tamenuhren, goldene Ketten, Broschen, Ohrmge, Brillanten im Gesamtwerte von 15 000 M ar k. Bauer wohnt im ersten Stock des Hauses. Er hat von dcmIwr- gefatlenen nichts wahrgenommen. Auch sonst blieben bie Spitz­buben unbemerlt, sodaß nicht die geringste Spur vorhanden ist. Wie dieKl. Pr." über diesen Vorfall noch erfährt, wurde der Embruch zwischen 12 und 2 Uhr verübt. Mit welcher Orts­kenntnis und llcBeilegung die Diebe vorgegangen sind, beweist der Umstand, daß gerade die wertvoUsten Sachen geraubt wurden. Verdacht besteht gegen einen Gehilfen, der am Montag von Bauer entlassen worden ist.

Limburg, 21. März. Ein junger Mann, der in Villmar von einem tollwutverdächtigen Hund ge­bissen worden war, hatte sich sofort zur Schutzimpfung nach Berlin begeben, ist aber dort an Tollwut gestorben. Auch im Unterwestermald und im Kreis Limburg sind Fälle von Hundetollwiit vorgekommen.

Tie Drnckvergebung der st'cidt schen Schuldverschreibungen wurde in der gestrigen öffentlichen Stadtverordnelensitzung ans Anlaß der Erklärung der beiden hiesigen Univeisitäts- Triickereien im Inseratenteil des Gieß. Anz. vom Ober- bürgermeister noch einmal zur Sprache gebracht. Oberbgm. Mecum bemühte sich, die Ausführungen der Brühl'schen und der von Nkünchoiv'schen Druckerei (Nr. 61 des Gießener Anz.) im einzelnen 51t widerlegen. Zunächst habe er voraus- zuschicken, daß die Stadtverorbneten-Beisammlung über ihre Beschlüsse niemand Veraiilwortung schtilde und zii einer Recht­fertigung nicht verpflichtet sei. Von einem Akt der Willkür in dem Vorgehen der Bürgermeisterei könne nicht die Rede sein, denn die Bürgermeisterei habe in der Sache keinen Beschluß gefaßt, sondern die Finanzdeputation habe einen Vorschlag gemacht, und die Stadtverordnetenversamm­lung habe ihn genehmigt. Was die Lieferung des Trocken- stempels anlange, so stelle er feit, daß durch Gesetz vom 14.Januar 1905 dieser Stempel vorgeschrieben sei, unb cs sei Luche der sich um den Auftrag bewerbenden Diiickereien, auch um die gesetzlichen Vorschriften, die dabei mitspielen, sich zu bekümmern. Die aiiswärtigen Druckereien hätten bei ihren Angeboten den Trockenstempel mit berücksichtigt. Von dem zu liefernden Papiermaterial fei in dem Schreiben der Bürgermeisterei nur gesagt worden, daß ein gutes, nicht daß ein billiges Papier gewünscht werde. Aiißerdem habe es den Firmen aiich fretgeftanben, verschiedene Papiere zur An­sicht vorzulegen. Bei dem von den beiden beschweideführen- den Firmen ins Feld geführten Preisunterschied sei zu be­rücksichtigen, daß die alten Driicke mit 2 und die neuen, von der auswärtigen Firma engmommenen, mit 5 Farven her- geslellt seien. Der (Mlärmig der Firmen, daß bei solchem PrelSiinterschied bei dem auswärtigen Angebot eine ganz er­heblich bessere Ausstattung vorausgesetzt iverden müßte, was aber aiis den eingesandten Mustern keineswegs crnchtlich sei, sei entgegen.zuhalten, daß die Brühl'sche Druckerei doch wohl keine Gelegenheit gehabt habe, die neuen Drucke sich anzu- iehen. Auch das Kleben der Farben bei der letzten Lieferung könne nicht einer zu kurzen Lieferfrist ziigeschrieben werden, denn es sei der Firma bekannt gewesen, daß sie mit einer Frist von 28 Tagen zu rechnen habe, und wenn lic besorgt habe, diese Zeit sei zu knapp bemessen, so hätte sie sich um den Auftrag nicht bewerben sollen.

Was schließlich d^e erwähnten Trockenstempel anlange, so würden nicht oin, sondern zwei Stempel, ein großer und ein kleiner, auf Mantel und Scheine verlangt, und wenn man in Betracht ziehe, daß 76 £00 Stempelciupräg- ungen zu erfolgen hätren, müsse man doch glauben, daß dies das Angebot wesentlich verteuern würde. Wenn mau also dies und die Mehranwenduu.g von Farben in Betracht ziehe, komme man zu der Ansicht, daß ein Preisunterschied der angefochtenen Art bei annähernd gleicher Ausstattung nicht mehr vorhanden sein würde. Oberbgm. Mecum setzte sodann die früher von der Brählfchen Druckerei gelieferten Schein? und die von der auswärtigen Firma hergcstelltcn Vordrucke in Umlauf.

Bevor wir in dem. Bericht über den weiteren Verlaus der Verhaudlung fortfahren, seien hier kurz die Erwäg­ungen angeführt, die das Vorgehen der beiden Druckereien als durchaus berechtigt erscheinen lassen. Es war eine öffentliche Sitzung, in welcher die Leistung einer ange- gesehenen hiesigen Ofsizur bemängelt worden war, und Die Stadtverwaltung hatte sich allerdings zu ge­wärtigen, daß ein so ungerechtfertigter Angriff nicht un­widerlegt bleiben würde. Und bay man ein gänzlich verfehltes Verfahren eingeschlagen hat, beweist die ganze Argumentation des Oberoürgermersters, der scch viel mehr darauf beschräukte, der Brüytscheu Druckerei den Vorwurf unzulänglicher Auostatiung ii-res Angebots zu mauzen, als die in der vorigen Sitzung erwähnce Bemängelung bei früheren Truäarve.ir ernjllich aufrecht zu halten. Es mußte

ja auch aufsallen, wenn man zurest eine Firma zus Offerten veranlaßt (doch wohl mit der Absicht, biefem auch wirklich näherzutreten), um bann bie anderweitige« Vergebung mit einer Kritik über eine frühere Sache zu rechtfertigen! Aus der schriftlichen Aufforderung der Bürgermeisterei vom 4. d. M. war aber in keiner Weise zu entnehmen, baß eine Aenberung in ber seither üblichen Ausstattung verlangt werbe. Es wäre boch billig und sehr einfach gewesen, in biesem Schreiben bie neu ausgetretenen Anforderungen in kurzen Bemerkungen zu präzisieren. Das hätte zumal hier am Orte keine Schwierigkeiten gemacht. Auf die von Oberbgm. Mecum vorgebrachte Rechtfertigung des großen Preisunterfchiebes ber Angebote erklärt bie Brühlsche Druckerei wieberholt, baß sie bei einer gleichen Ausstattung, wie bie von der fremden Firma angenommene, einen so hohen Preis dennoch nicht augesetzt haben würbe. Tas Einprägen des Trockenstempels auch in dem vom Ober­bürgermeister erwähnten Umfang würbe bie in der Er­klärung angegebene Summe von 50 Mk. unter keinen Um- ständen übersteigen. Wie aus den Bewerbungsschreiben ber hiesigen drei aufgeforderten Druckereien hervor­geht, waren für den diesmaligen Druck drei Farben vor­gesehen. Die Qualität der eingereichten Papierprobe war eine vorzügliche, wenn die Papierstärke nicht konvenierte, hätten aus Wunsch innerhalb weniger Minuten eine Menge anderer geeigneter Papierproben vorgelegt werden können, bie ben Gesamtpreis nicht oder nur un­wesentlich beeinflußt hätten. Bei Fünffarbendruck, beliebig gewähltem Papier und Einprägung ber Trockenstempel auf Mänteln und Zinsfchciuen würden die Angebote der hie­sigen Druckereien sich immer noch wesentlich niedriger ge­stellt haben als das ber auswärtigen Druckerei.

Daß bie letzten Schuldverschreibungen von 1903 nur in zwei Farben hergestellt wurden, ist darauf zurückzuführen, daß in den letzten Jahren seitens ber Bürgermeisterei durch die Art ber Submissiousvergebung bie Preise so heruntergedrückt worben sind, baß bei manchen Lieferungen selbst von einem geringen finanziellen Gewinn unmöglich die Rede sein kann. Bei dem Truck in nur zwei Farben müssen diese stärker aufgetragen werben als bei Benutzung von fünf Farben und bedingen eine längere Lieserungszcit, um gut zu trocknen unb leicht beschrieben werben zu können.

Bei dem der auswärtigen Firma bewilligten Preise würden auch die hiesigen ausgefoiderien Firmen ihre gute Oiechnung gefunden und den Beweis erbracht haben, daß sie auswärtigen Firmen in Bezug auf Leistungsfähigkeit in keiner Weise nachstchen.

Stadtv. Kirch (der der Finanzdeputation angehört) gibt zu, daß man verschiedener Meinung darüber sein könne, ob die Vergebung nach auswärts nötig war (!), betonen müsse er aber hier, daß es ungehörig sei, wenn hiesige Gewerbetreibende in solcher Weise wie die Druckereien Beschlüsse der Stadtverordneten kritisierten. Tie Stlidt- verordnetenversammlung habe den Beschluß gefaßt, sie habe das Geld bewilligt. Man könne, wie gesagt, über die Sache selbst verschiedener Mclniing sein, es sei danials etwas rasch gegangen, aber gegen das Verfahren der beiden Firmen müsse er Verwahrung einlegen.

Hierzu ist zu bemerken, daß mit dem Zugeständnis des Herrn Stadtverordneten Kirch, man könne verschiedener Meinung über die Notwendigkeit der Vergebi-ng nach aus-- wärts fein, und es seidamals etrvas rasch gegangen", doch ohne weiteres hervorgeht, daß die in Betracht kommenden Druckereien das Recht der Gegenäußerung für sich in Anspruch nehmen durften. Sie waren zuerst angegriffen und durften znm Schutz gegen unberechtigten Tadel in öffentlicher Sitzung, zweifellos 'den Beschluß kritisieren, den Herr Kirch selbst mit ,einer Bemerkung als nicht eimvandfrei bezeichnete. Ta Herr Kirch zur Sache selbst kein Wort äußerte, ist sein Protest wirkungslos; das Recht der Kritik kann niemandem verwehrt werden, und dem Angegriffenen steht unbestreitbar das Recht der Abwehr zu.

Oberbgm. Mecum kam sodann auch auf die im Gieß. Anz. von einem Handwerksmeister gerügte Ausschreibung der Beton- und Ra bitzarb eiten für den Neubau der höheren Mädchenschule zu sprechen. Er bedauere lebhaft, daß die Arbeit nicht auch in hiesigen Blattern ausgeschrieben worden sei. Dies sti auf ein Mißverständnis seiner Anordnungen ;urüekzuführen. Er habe Anweisung erteilt, daß alle Arbeits- ansschreibungen auch in hiesigen Blättern veröffentlicht würden, ob es Zweck zu haben scheine oder nicht. Bei der Vergebung der Beton- und Rabitzarbciten sei man davon ausgegangen, daß alle größeren Unternehmer, die Beton- arbeiten besorgen, auch Rabitzarbciten ausführen könnten. Es sei keineswegs ausgeschlossen worden, daß Teilangebote berücksichtigt weiden könnten. Und solche Angebote seien auch erfolgt und nicht zurückgcwicsen worden. Im übrigen sei die Meinung unzutreffend, daß man auswärtige Angebote vor hiesigen bevorzuge. Tas Gegenteil sei schon oft bewiesen worden.

Stadtv. Heichelheim kommt auf den Druck der schulo- ocrschreibungen zurück und bemängelt bie Ausführung der Drucke durch die auswärtige Firma (in Han- liover). Die Form der Scheine unb Coupons sei un- geeignet unb zu groß. Auch sei kein Platz vorgesehen für bie Einzeichnung ber Besitzer von Inhaber- papieren, bie burch bas Bürgerliche Gesetzbiich gestattet ivcrbc. Oberbgm. Meeum entgegnet, man könne einen berartigen Vermerk wohl auch auf bie Rückseite machen, und solche Fälle seien sehr selten. Stadtv. Heichelheim meinte, ob man von dieser Vergebung nicht lieber abseben könnte, und bemerkt auf den Hinweis, daß bereits ein Be­schluß gefaßt worden sei, er fei damals nicht ziDkgen gewesen und würde gegen diese Vergebung geltimmt unb sich bemüht haben, einen anberen Beschluß herbei* zuführen.

Diese Bemerkung eines Mitgliedes der Finanz­deputation (und Herr Kommerzienrat Heichelheim ist als Bankier Sachverständiger auf diesem Gebiete) beweist, daß die Vergebung der Druckarbeiten nach auswärts völlig unnötig war. Vergleicht man bieErklärungenberHerren Stabtvv. Kirch unb H e i ch e 1 h e im unb nimmt bazn noch bie Ausführungen deZ Herrn Oberbürgermeisters Mecum in Sachen der Aus­schreibungen für ben Mäbchenschulbau, so wirb boch wohl jeber Unvoreingenommene uns zugeslehen, baß eine öffentliche Kritik ber Beschlüsse unterer stäbtischen Behörden diswei en dringend von 9löten ist im vitalsten Interesse ber gesamten Gießener Bürgerschaft unb ihres Gelbbeutels.