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26.10.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 252

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Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Lietzener Zamilien- hlätter oicnnal in der Woche betflclcgL

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'sehen Univers.-Buch-u. Stein- bruderet. R. Lange. Redaktion, Grvedition und Druaerei:

Schul st ratze 7.

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Vertag u.Exved.^^51 Adresse für Deoeschen: Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt.

155. Jahrgang

General-Anzeiger

Donnerstag 26. Oktober 1905

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jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- it Zweigstellen mountlid) 65 Pf.; durch die Post Alk. 2. viertel-- .ährl. auSichl. Vestellq. Annahme von Anzeigen >ür die Tagesmtmmer vormittags 10 Uhr.

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Amts- und AnzeigebM für den Kreis Gießen

Teil: P. Witiko, für »Stadl und Vnnt»' und (Äerichtssaaf: Ernst Heß; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Die Neutiqe Kummer umfaßt 8 Seiten. - I L!_ . X ....... I

Air KrrthüAung des Berliner Moltke-Denkmals bereinigt heute das gesamte deutsche Volk in dem Gedanken an den Unsterblichen, den es voll hohen Stolzes und in tiefer Dankbarkeit den verehrungswiirdigsten seiner Söhne mrreiht. Fast ein halbes Menschenalter ist vergangen, seit er seinem freuen Kaiser ins Grab folgte, ein furchtbares Ringen hat sich inzwischen auf dem Kriegstheater Ostasiens abgespielt; GeneralfebdmarschaN Hellmuth von Moltke aber blieb, was er bisher gewesen: der größte Feldherr, den die Welt in der zweiten Halste des 19. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Gewiß, au y das Glück hat ihm gelächelt. Ihm fehlte nicht der König, der an einmal gebilligten Plänen unerschütterlich feschielt, fehlte nicht die geschulte, todesmutige Armee, fehlten nicht verständnisvolle und selbst­lose Heerführer. Doch die von ihm gepflückten Diegesfrüchte, unerläßliche Voraussetzungen für die Wiederherstellung des deutschen Einheitsstaates, verdankt er vor allem seinem Genie, das, wesentlich bestimmt durch Karl von Elansewitz, unter den Einflüssen geschichtlicher Stitdien und weiter Reisen ihn zum überragenden, staatsmännischen Kriegs­künstler, zum Schlachtend en ker werden ließ. Ihn als solchen zu schildern, ist hier nicht der Ort. Dagegen ziemt es sich, nach Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit und der un­mittelbarere Gegenwart, an dieser Stelle auszusprechen, welchen Faktoren Moltke ein Vorbild sein sollte und worin.

Naturgemäß fällt dabet der Blick zuerst auf die geistige Elite unseres Heeres, die hohe Generalität. Sie bedarf selbst­verständlich nicht der Aufforderung, auf den Gebieten der Kriegskunst dem klassischen Meister nachzueifern. Ta aber selbst ein dem verewigten »Strategen persönlich so nahe­stehender Mann, wie Graf Waldersee, nicht vor der Annahme vonV o r s ch u ß l o r b e e r n" zurückschreckte, sei jenem lauten Treiben die stille Art Moltkes gegenüber gestellt, der noch 1871, auf der Höhe des Richmes, für das erste Heft der Beschreibung des deutsch-französischen Krieges die ein» firch-be sch eibenen Worte schrieb :

Hebet den Ruf eines Feldherrn entscheidet vor allem der Erfolg. Wieviel davon sein wirklicher Verdienst, ist außerordent­lich schwer zu bestimmen. An der unwiderstehlichen Gewalt der Verhältnisse scheitert selbst der beste Mann, und von ihr wird ebenso ost der mittelmäßige getragen. Mer Glück hat auf die Dauer dort zumeist wohl der Tüchtige."

Erscheint Moltke wegen seiner schweigsamen Zurückhab- kung. als mustergiltiges Vorbild für die militärische Elite, so ist er es für die bürgerliche Elite, die erwählte Volksvertretung, durch die Gewissenhaftigkeit ge­worden, mit welcher er ferne parlamentorischen Mlichten erfüllte. Lange Jahre Reichstagsabgeordneter für Deutsch­lands nördlichste Stadt Memel, hat er niemals zu den Schwänzern, denReichsfanlen", «gehört. Wohl kein Ab­geordneter besuchte regelmäßiger oen Reichstag als er, und keiner übertraf ihn an Eifer, vollste Klarheit über die zur Verhandlung stehenden Fragen zu gewinnen. Diesem Urteil eines Fraktionsgenossen hat auch ein Urteil seines politischen Gegners Ludwig Bamberger volllommen entsprochen. In alter Treue hat noch der Neunzigjährige den Sitzungen des Reichstags beigewohnt, und selbst das SBort. ergriff der Schweigsame noch am 16. März 1891, um über die Einheitszeit zu sprechen. Er redete ohne Manuskript in formvollendetem Vorträge etwa 20 Minuten lang so fesselnd, daß dieFranks. Ztg." damals schrieb:

Äe Erscheinung dieses Mannes, übet den das Alter keine Macht zu haben scheint, auf der Parlamen lstribüne grenzt ans Unglaubliche und dürfte ohne Beispiel in der Geschuhte sein." Leider fast beispiellos für einen Manu in seiner Stell­ung ist auch der Freimut, mit dem Moltke den unduld­same n Ketzerrichtern beider chr ist kicher Kon­fessionen das Gewissen schärft. In seinen herrlichen Trostgedanken" schreibt er :

Das Christentum hat die Welt aus der Barbarei zur Gesittung emporgehoben . . . Wer war es die Glaubenslehre, das Dogma, welches diesen Segen schuf? Man kann sich über alles verständigen, nur nickst über Dinge, cn welche das mensch- liefe Begriffsvermögen nickst feranreickst, und gerade über solche Begriffe hat man 18 Jahrhunderte hindurch gestritten, hat die Welt verheert, von der Vertilgung der Arianer an durch dreißig- jäbrige Kriege bis zu den Scheiterhaufen der Jnauisiticm, und was ist das Ende aller dieser Kämpfe derselbe Zwiespalt der Meinungen wie zuvor! Wir können die Glaubenssätze hin­nehmen, wie man die Versicherungen eines treuen Freundes h-innimmt, ohne sie zu prüfen; aber der Kern aller Religionen rft die Mmnl, welche sie lehren, am reinsten und erschöpfendsten die christliche. Und doch spricht man achselzuckend von einer trockenen Moral und macht die Form, tn welche sie gegeben, zur Hauptsache. Ich fürckstc, daß der Eiferer auf der Kanzel, welcher überreben will, wo er nicht überzeugen kann, die Christen aus der Kirche hinauspredigt."

Werden diese ernsten und wahren Worte von allen beherzigt, die es angcht, dann wird es mit dem Frieden innerhalb der Konfessionen und mit dem Frieden zwischen den Konfessionen wohl bestellt sein zum Segen für das ganze Vaterland.

Hessischer ^andtaqsjch.

Erste Kammer.

K -B. Darmstadt, 25. Cft.

Die heutige letzte Sitzung wird voin Vizeprästdenten Graf Elias zu Erbach.Fürstenau um 10'/4 Uhr eröffnet. ES werden zunächst mehrere Rückäußerungen der Zweiten Kammer genehmigt, wie der letzte Diffens über das Landwirtschasts- kammergesetz, der Antrag Leun über den ReichSinvaliden- sonds 20.; ferner stimmt die Kammer der Ueberstcht über die Einnahmen und Ausgaben der GroßHerzogl. Landeskredit- kaffe zu.

Rach kurzer Pause kam als letzter Gesetzentwurf die so­eben von der Zweiten Kammer fertiggestellte Negierungs­vorlage, betreffend den Vollzug des ReichsgesetzeS über

die Bekämpfung der Reblaus

vom 6. Juli 1904 zur Beratung

Geh. Nat Braun flieht eine nähere Erläuterung über die Vorlage und die zur Abwehr der Neblaußgefahr in Hessen getroffenen Maßnahmen. Er betont dabei, daß anstatt 60 000 Mk. Ausgaben sich die Summe in diesem Jahre auf oct. 100 000 Mk. erhöhen werde, da die Maßnahmen zur Bekämpfung deS NeblauSherdes bei Hahnheim erhebliche Mehr­kosten verursachten.

Die Kammer stimmte darauf dem Antrag des Ausschußes entsprechend einmütig der Vorlage zu.

Da hiermit die Tagesordnung erledigt und für weitere Nückäußerungen aus der Zweiten Kammer die Dringlichkeit nicht beantragt war, schloß der Präsident die Satzung um l/,12 Uhr.

Zweite Kammer.

Am Ministertische: Staatsminister Rothe, Finanz­minister Dr. Gnauth, Geh. Rat Wilbrand und mehrere Ministerialräte.

In der i i.i IO1/-. Uhr eröffneten Sitzung kommt zu­nächst der Gesetzentwurf, betreffend den Vollzug des ReichS- gescs über die

Bekämpfung der Reblaus

zur Beratung.

Abg. v. Brentano erstattete über die Vorlage' münd­lich ein kurzes Referat und beantragt namenS des Ausschusses die Annahme der Vorlage.

Rach einigen kurzen Erläuterungen des Ober-Negierungs- rats Hölzinger beschließt, das Haus dem Antrag gemäß.

Auf die Anfrage der Abgg. Schl enger und Dr. Weber in Betreff des

Schuhes und der Erhaltung der Vogelwelt, besonders der Jnsektenoertilger, in den hessischen Domanial- und Gemeindewaldungen, giebt

Geh. Rat Wilbrand eine länaere Regierungsantwort bekannt, in welcher die bisher getroffenen Maßnahmen der Behörden zum Schutze der Vogelwelt näher dargelegt werden.

Abg. Schl eng er dankt der Regierung sowohl für die Antwort, wie für die zum Schutz der Vogelwelt getroffenen Maßnahanen. Dieselben hätten sich auch bereits bestens bewährt.

Abg. Bähr empfiehlt, möglichst viel Buschwerk und Hecken zum Schutze der Vogelwelt anzulegen, die den Tieren einen natürlichen Schutz böten. Die Klebe- oder Fanggürtel für Insekten seien nicht zu empfehlen.

Abg. Dr. Weber bemerkt er würde es für sehr zweck­mäßig halten, wenn seitens der Regierung die Gemeinden veranlaßt würden, auch die Gemcindeforstwarte mehr für zweckmäßigen Vogelschutz zu interessieren und entsprechende Kreditbewilligungen zu besserer: Vorkehrungen auf diesem Gebiete zu machen.

Interpellationen.

Auf eine Interpellation des Abg. Däbr betr. die Be­setzung des Bahnwärter postens durch einen In­validen auf der Strecke Gießen Gelnhausen erllärt Finanzminister Dr. Gnauth, er könne zurzeit keine nähere Antwort darüber erteilen, man müsse sich zunächst mit der Herrn Bähr schon von der Eisenbahnverwaltung er­teilten Aufllärung begnügen.

Abg. Bähr bedauert, feine genauere Auskunft zu erhalten; die Angelegenheit sei doch wichtig genug, und es sei notwendig, an der betreffenden Stelle, die ohnedies nicht ungefährlich sei, baldigst Abhilfe zu schaffen.

Letzter Punkt der Tagesordnung ist die Rückäußerung der ersten Kammer über den Antrag Reinhart, betr. Art. 48 des Fischereigesetzes vom 27. April 1881.

Abg. Köhler bemerkt als Ausschußberichterstatter, die zweite Kammer habe seinerzeit den Antrag ftir erledigt erllärt, während ihn die erste Kammer der Regierung zur Berücksichtigung zu empfehlen beschloß.

Nach kurzer Debatte, in welcher Abg. Dr. David die Ablehnung des Antrags empfahl, während Abg. Rein­hart ebenso, wie der Ausschuß, um Beitritt zu dem Be­schluß der ersten Kammer ersuchte, wurde diesem Beschlüsse z u g e st i m m t.

Damit ist das Beratunosmaterial erschöpft.

Präsident Haas gibt nun die übliche

Geschäftsvberficht über die Tätigkeit des Landtags und stellt fest, daß die Kammer im ganzen 125 Sitzungen abgehalten hat, drei weniger als in der vorigen Session. Es fanden 217 Ausschußsitzungen statt, von denen auf den Finanzausschuß allein 91 Sitzungen kommen. Erledigt wurden 78 Regierungsvorlagen. 79 Anträge von Abgeord­neten, 169 Vorstellungen und Beschwerden, int ganzen 326 Beratungsgegenstände von 4*4 überhaupt eingereichten. Tie Kammer könne mit dem Bewußtsein scheiden, daß alle Mit­glieder bemüht waren, ihre volle Pflicht zu tun, sodaß sie draußen im Lande vor der C^ffentticMcit eine gerechte Kritik nicht zu scheuen brauchten. Nur Einigkeit mache stark. Tie drei gesetzgebenden Faktoren hätten nur ein Ziel: Tie Wohl­fahrt des Landes zu fördern. Er hoffe auf ein einiges Zusammenarbeiten auch ft'ir die Zukunft und fordere alle Mitglieder auf, dem Wohlergehen des lieben, schönen § e i m a 11 a n b c § ein dreimaliges Hoch auszubringen.

Nachdem das .Hock) verklungen, sprach Abg. Sch le n g e r noch dem langjährigen verdienten Präsidenten für seine umsichtige Leitung der Geschäfte den tvärmsten Tank der

Versammlung au-3 mit der Hoffnung, daß er bte]em Hanse noch lange als Präsident erhalten bleiben möge. (Bravo!) Mit einigen Tankesworten deS Präs. Haas sprach der­selbe noch die Ueberzeugnng au5, daß jeder mit dem Be­wußtsein nach Hause gehen könne, nach bestem Wissen seine. Pflicht getan zu haben.

Damit schloß die Sitzung um 12 Uhr.

Tie hessische Thronrede.

Ter 32. Landtag wurde heute mittag 12V2 Uhr durch &. K. H. den Groß Herzog in der üblichen feierlichen Weise verabschiedet. In den Nsiemblenzimmern deS Residenz- schlosse? versaimneli'n sich die Mitglieder der ersten, in oen russisck)en Zimmern die der zweiten Kammer, im Fahnen­saal die Mitglieder des Staatsministeriums. Nachdem sich bann die Mitglieder beider Kammern, die der erftert meist in Uniform, die der zwecken sämtlich im Frack, unter Führ­ung der Zeremonie! meister in den Thronsaal begeben (von den 6 Cozialdemokrateir war keiner erschienen) und die ersteren rechts, die letzteren links vom Throne Platz ge-- nonimen, erschien unter?wrantritt der diensttuenden Karn- merjuuler, Kammerherren und Zeremonienmeister der G r 0 ß h e r 5 0 g, der hessische Generalsuniform trug, ge­folgt von den drei Ministern, den Flügeladjutanteu und den weiteren Hofchargen. Beim Eintritt des Großherzogs erhöhen sich die Anwesenden. Nachdem der Großherzog vor dem Thron Platz genommen, überreichte Staatsminister Rothe die Thronrede, dre der Großherzog mit lauter Stimme wie folgt verlas:

Meine Herren Stände!

Es gereicht Mir zur Befriedigung, Ihnen bei dem Schluffe des 32. Landtags persönlich Meinen Dank für Ihre angestrengte Tätigkeit auszusprechen, welckx Sie den Aufgaben der abge* laufenen Landtagsperiode gewidmet haben.

Zu Meinem Bedauern sind allerdings von den Vorlagen, welche Ihnen Meine Regierung unterbreitet hat, verschiedene wichtige Gesetzentwürfe nicht zur Verabschiedung gelangt.

Zu dein Gesetzentwurf, die Landstände betreffend, konnte leider eine Einigung nicht erzielt werden. Die Gesetzentwürfe über die Dienstverhältnisse der Staatsbeamten sowie zuv Abänderung des Gesetzes über den Urkundenstempel sind einer Beratung und Beschlußfassung nicht unterzogen worden. Dasselbe gilt von dem Gesetzentwurf in betreff der Revision der Verwaltungsgesetze, dessen Erledigung jedoch mit Rücksicht auf den außerordentlichen Umfang und die Schwierig­keiten der erstrebten Reform auf dem vormaligen Landtag von Meiner Regierung nicht erwartet worden ist

Bedauerlich erscheint es, daß auch der dringliche Entwurf eines Gesetzes, die Gemeindeumlagen betreffend, trotz aller auf ein annehmbares Ergebnis g e - richtctenBemühungen nicht zur Verabschiedung gelangen konnte.

Infolge hiervon ist das damit im Zusammenhang stehende Gesetz, die Erhebung von Gemeindeabgaben betreffend, ebenfalls nicht zustande gekommen.

Einen erheblichen Teil Ihrer Arbeit hat nach Einführung einjähriger Staatshaushaltsperioden naturgemäß die Beratung der H a u p t v 0 r a n s ch l ä g e der Staats-Einnahmen und -Aus­gaben in Anspruch genommen. Wenn schon dabei die wieder eingetretene Besserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage einige Erleichterung brachte, so konnten doch die auf allen Ge­bieten der Staatsverwaltung stetig und zum Teil unaufhaltsam wachsenden Anforderungen nur dadurch beftiedigt werden, daß neben Auftechterfeltung der an sich kaum fühlbaren Er­höhung der Vermögenssteuer zur Deckung der verblei­benden Fehlbeträge auch weiterhin Vermögensreste aus früheren Jahren in Anspruch genommen wurden.

So unerwünscht diese Notwendigkeit auch ist, so steht dem doch gegenüber die Tatsache, daß gleichzeitig seit 1903 in den neu gebildeten Au s g l e i ch f 0 n ds Summen abgeführt werden konnten, die hinter den vorgenannten Fehlbeträgen nur um weniges zurückbleiben. Tie einmütige Zustimmung aber zur gesetzlichen Festlegung eines solchen Fonds zum Ausgleich bet schwankenden Einnahmen aus Eisenbahn- und Lotterie-Gemein­schaft wie zur Deckung der leider unberechenbar gewordenen Matri- kularbeiträge wird namentlich im Falle eines unverhofften wirtschaftlichen Rückgangs Ihrer einsichtsvollen Vorsorge zu hohem Verdienst gereichen.

Ungeachtet der gespannten Lage der Staatsfinanzen haben Sie es durch Inanspruchnahme des Staatskredits ermöglicht, die produktiven Kräfte des Landes zu stärken durch Zusage nam­hafter, in ein angemessenes Verhältnis zu den Baukosten ge­brachter Staotszuschnsse zum Reu bau von Nebenbahnen, wie durch eine weitgehmde Beteiligung des Staats und durch Ucbernahme einer Zinsgewähr seitens desselben bei der mit gutem Erfolg auf Verbesserung des Realkredits und Entschlildung des Grundbesitzes wirkenden Landes-Hypothekenbank.

Daneben haben Sie durch Verwilligung reicher Mittel für die Ausgestaltung der staatlichen Anlagen zu Bad-Nauheim bei sorgfältiger Wahrung der unerläßlichen Wirtschaftlichkeit den hohen, aus dem Besitz der dortigen Heilquellen über den Bereich des Landes hinaus erwachsenden Verpflichtungen ebenso Rechnung getragen wie den idealen Aufgaben durch Bereit­stellung der Mittel für die Ergänzung und Erweiterung Unserer, in erfreulicher Entwickelung begriffenen Hochschulen.

Besonderen Tank auch schulde Ich Ihnen dafür, daß Sie sich einverstanden erllärt haben, mit Heranziehung von Mitteln des Tomänen-Aeguisitionsfonds zur Bestreitung der Kvsten des schon aus Gründen der Feuersicferfeit dringend gebotenen, in­zwischen glücklich vollendeten Umbaus des Hoftheaters.

Ihre Zustimmung zu den auf Einstellung der Hessisck»-Thü- ringisrfen Staatslotterie und Zulassung der Preußischeni Klassenlotterie gerichteten Staatsverträoen wird unzweifelhaft zur Gesundung der Verhältnisse auf diesem Gebiete beitragen.

Mit Ersatz der organischen Forstordnung von 1811 durch das Gesetz, die Fvrüveriockk'.-ng betreffend, wie durch Neuregelung des Forst- und Feldstrafgesetzes haben Sie unter Auftecht- erhaltung der altbewährten Grundsätze Unserer Forstverwaltung den heutigen Anschauungen^ aus den dabei berührten Gebieten der Verwaltung und des Straftechts Ausdruck verliefen.

Auch hat es Mir zur Genugtuung gereicht, daß infolge ?>h«s Entgegenlommens der A u s b a 11 des Notaria ts durch eine gesetzliche Regelung der Gebühren der Notare vollenfet und die Kostengesetzgebung dur a Erlaß eines G e r i ch t s k 0 st e n - fl e s e tz e s in einer die Interessen der ckstspslege mit den Inter-