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23.11.1905 Erstes Blatt
 
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Denr Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kelstschen Landwirt die Gießener ZamMen- iiatltr viermal in der

Woche beiflclegt Flßlatumfebrucf u. Ver­lag der Brühl'schen lUnivers.-Buch-u.Stein- Lruckerei. R. Lange. SUbaftion, Expedüion und Druckerei:

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Verantwortlich 1t den poliL und allgem. Teil: P. Witiko: für .Stadt und Land^ und GevichtSjaal*: Ernst Heß; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

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Erstes Blatt. ISS. Jahrgang Donnerstag 23. November I ttOF

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monatlich 7dPf., viertet- GietzenerAn , ?x

Eeneral-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

j)it- heutige Kummer umtabt 8 beiten.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß vurch die Vornahme von Kanalisationsarbeiten in der Eder» traße in Gießen die direkte Straßenverbindung zwischen ließen und Wißmar vom 23. d. MtS. ab auf die Dauer von Ä Wochen unterbrochen ist.

Gießen, den 21. November 1905.

Großherzoalich s Zir i5amt Gießen.

______________I. D.: Dr. Wagner.______________

Gießen, den 22. November 1905. tiefe.: Volkszählung am 1. Dezember 1905.

üas Kroschermgliche Kreisamt (ließen en die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Wir sehen, soweit sie noch rückständig sind, Ihrem um- gehenden Bericht darüber entgegen, ob die Zählformulare tei Ihnen eingetroffen sind.

Die Berichte, welche big zum 26. dS. MtS. noch auS- sehen, werden wir durch Wartboten abholen lassen.

I. B Tr Wanner

SamStag, den 25. November 1905 bleibt aus Anlaß ber Geburtstagsfeier Sc. Kgl. Hoheit des Großhcrzogs das Ortsgericht Gießen geschloßen.

Gießen, den 23. November 1905.

Großh. OrtSgericht Gießen.

Gros.

Volilische Tagesschau.

Zur Tabaksteuer.

Int Anschluß an bic gj|u-ia von uns wiedergegebenen Ausführungen derNordd. Allg. Ztg" über die drohende Tabaksteuer schreibt heute dieSüdd. Tabakztg." folgendes: Wenn man offiziös betont, daß das zumeist aus Wasser L-stehende Vier als ein nicht ganz entbehrliches Genus-mittel e.nzusehcn sei, während das aus teueren Rohtabaken und durch hohe Arbeitslöhne hergcstellte Fabrikat der vielen tausend deut- iftert Tabak- und Zigarrenfabrikenaußer Frage entbehrlich sei", so räumt man ein, daß die 200 000 Arbeiter, welche in dieser Industrie beschäftigt werden, einfach auf die Land­straße gesetzt werden können, daß die vielen hun - diert ländlichen Ortschaften, die von der Zigar- rcenindustrie existieren, kein Recht auf Verkehr und Wohlfahrt haben und daß die weiteren Hundert- wuscnde, die sich vom Tabakerwerb ernähren, wirtschaftlichen 1 irias gleichnistellen seien, einen Anspruch auf staatlichen Schutz ib-rer wirtsckvftlichen Existenz nicht genießen.

Jetzt wissen wir auch endlich, was das WortLuxussteuer auf teuere Zigarren und Zigaretten" zu bedeuten hat, das man einigen Zentrumsftihrern souffliert hatte.Tabak ist Luxus", iclalich belastet man die 3, 4 und 5 Pfg.-Zigarren dermaßen, bnb ihre Fabrikation in heutigen Qualitäten nicht mehr möglich sein wird, während die deutschen Zigarren in den Preislagen j-'n 15, 20, 30 und mehr Pfennigen denselben Gewichtszoll, die- 'cllbe Belastung zu tragen haben werden, wie die billigsten Preis- lcgen. Ja, die hohen und höchsten Preislagen bekommen noch iinen Schutz durch die Erhöhung des Zolles auf Importen, nährend die billige Zigarre, deren Herstellung allein 160 000 Arbeiter ernährt, vornehmlich die Kvsten dieser Zollreform zu wagen haben wird. Mit ihr der Jnlandstabakbau, zu dessen Ernsten, wie es heißt, die 5 Pfg.-Zigarrekeine Beeinträchtigung riahren dürfe". Das nennt man eine logische Beweisführung' Man vernichtet die deutsche 5 Pfg-Zigarre, weil inan den Genuß des Tabaks als entbehrlich änsieht, folglich eine Lurussteuer erstrebt, um--die teuren Luxuszigarren

iDif Kvsten der 88 Prozent billigen Zigarren steuerlich zu bevorzugen!

Der Kolouialprinz.

Erni Hohenlohe- ifo nennen den neuen Leiter ber deutschen Kolonialpolitik seine Verwandten und Freunde) ist nicht nur ein richtiger Vetter der Kaiserin, deren butter die Schwester seines Vaters war, er steht auch tinm Kaiser in einem nahen Verwandtschaftsverhältnisse, mit dessen etwas komplizierter Darlegung der Leser nicht ^-langweilt werden soll, das aber darauf zurückzuführen ist, ^«ß seine Großmutter (die Fürstin Feodora Hohenlohe, geb. Prinzessin von Leiningen, eine Stiefschwester der Königin Mktoria von England, der Großmutter des Kaisers, war. Sv ward denn auch der Erbprinz Ernst, wie er als junger ltc-utnant des zweiten Gardedragonerregiments der deut­schen Botschaft in London attachiert worden war, bei seinem Öltreten des englischen Bodens wie ein Mitglied des briti­schen Königshauses empfangen und nach der Hauptstadt geleitet. Er verkehrte zu jener Zeit auf das intimste mit tetn damaligen Prinzen von Wales, der jetzt König Eduard VII. heißt, und meh als einmal mußte die Nach­richt dementiert werden, t'r^er eine der Töchter des Thron- jollgers als Gattin heimführ- - werde. Erst mehrere Jahre iiwitcr heiratete er eine Nichte des Königs LHb u a r b, dritte Tochter de« Herzogs Alfred von Koburg. Lco werden wir also jetzt -'inen Kolonialdirektor bekommen, beir Vetter und N fse zugleic > des Kaisers von Indien, Seemahl einer englischen Prinzessin ist. Bei den gegenwär- licpen politischen Zeitläuften gewiß ein originelles Zu- i^mentreffen!

Von einer Persönlichkeit, die sich früher in der Um» gMung des Prinzen befand, wird uns geschrieben:

Als Sohu des vornehmsten württemb rgischen Stendesherru jnllb einer Priu-es, von Baden hat er sich in seiner Spreche rnun kleinen süddeutschen Accent bew'hrt. Körperlich: eine Mrezcichnete Erscheinung. Vortreffliche Figi r gerade gZ.hnitte-

nes, offenes Gesicht, mit starkem Schnurrbart, sehr klug unb klar in die Welt blickenden Augen. Denb e st e r z o g e n c n deutschen Prinzen" nannte ihn Einer mal, als er noch Leutnant war bei den Garde-Dragonern. Auch den 61 e b i l de t- sten könnte man ihn wohl nennen, der mehr gelesen hat und liest als die meisten seiner Genossen in der 2. ylbteilung des gothai- fd>en Hofkalenders zusammengenommen. War DonnerVonissc", war Gardekavallerieofsizier, aber nur, wie man notwendige Etappen durchmacht, kaum mit viel innerer Frnide. In seines Wesens Grundzügen: vom Wert seines fürstlichen Standes durch- aus nicht gering denkend, doch bemüht, in allen Dingen den Standpunktdarüber" zu gewinnen. Dabei: menschlich gut, gutmütig aber vor allem: gewissenhaft, unerbittlich elxrlich und gescheidt! Er'ogen im strengsten Pffichtgefühl und ent» wickelt zum Dranae, etwas zu leisten. Kein Streber, ein Arbeiter von höchster Pflichttreue und schärfstem Verstände. Im Umgänge natürlich, heiter, unbefangen, Gentleman. Wird seinen Weg machen, und, obwohl er fürstlicknm Standes ist, von der großen volitisetvn Sch^"b'"'b"e «-V-t m-'br wrsch"wind''n. . . .

Dr. ZZkscter, der neue preußifche Justizminister.

(Original-Bericht bc3 Gießener Anzeigers.)

VreSlau, den 22. Nov.

Man sagt, der Kaiser liebe es, große, stattliche Männer um sich zu sehen. Nun, in dieser Beziehung kann Dr. Beseler, der zum preußischen Iuffizminister ernannt ist, »jede Kon­kurrenz schlagen*. Dr. Beseler ist ein Mann von imponierender älißerer Erscheinung, ja, es ist nicht zu viel gesagt, wenn, man ihn als das bezeichnet, was man unter einermänn­lichen Schönheit^ zu verstehen pflegt. Groß, breitschultrig. daS wohlwollende, sympathische Gesicht von einem starken, wohlgepflegten Bart umrahmt, von gewinnendster Freundlich­keit und Milde deS Wesens, nimmt er sofort für sich ein. Dabei ist aber auch eine ruhige Vornehmheit über fein Wesen gebreitet, die ihn zu einer repräsentativen Stellung sehr glücklich prädestiniert erscheinen läßt.

Soine Breslauer 'Amtstätigkeit trägt die Züge einer initiativen unb nach der yrganisatorischcn Seite hin schöpfe­rischen Jnbivrdualität. H.rt Dr. Beseler doch sofort, als er nach Breslau fam, einen neuen Senat, den sogen. Spruchsenat eingcricytet, bem er persönlich vorsaß. Aber auch im Zivilsenat hcrt er selbst den Vorsitz geführt unb ferner neben den Geschäften des großen Disziplinar- senats auch die Disziplinarsachen über mittlere unb untere Justizbeamte geleitet. Ucberad trat in seiner Amtsführung die Tenbenz persönlicher Betätigung hervor, insbesondere geschah dies auf bem Gebiete des Pachtrechtes, der Lehn-, Familienftbeikontmiß- und Stiftungssachen, dann auch der Streitigkeiten aus Miete, Pacht, einschl. Jagdvacht usw. Dr. Beseler gilt als einer der schärfsten juristischen Köpfe. Nicht allein die FüNe positiver juristischer Kenntnisse ist es, die ihm die große Achtung seiner Fachkollegen ge­wonnen hat, sondern sein klares, durchdringendes Iubi- cieren, das sich selbst bei den schwierigsten Materien be­währt. So ist der zuküns' e Justizminister im strengsten Sinne ein Mann der Praxis, der gründlichsten juristischen Vielseitigkeit.

Und es ist keine Spur von Kleinlichkeit in diesem Eharakterbilde. Entgegenkommend im kollegialen Verkehr, wohlwollend gegen die Untergebenen, großzügig in feinem amtlichen Beginnen, hat Dr. Beseler als Präsident des Oberlandesgerichts in Breslau sich einer unbegrenzten Ver­ehrung erfreut. Frei von konfessionellen Urteilen brach Dr. Beseler übrigen? alsbald nach der Uebornahme seines Breslauer Amtes mit der Gepflogenheit seiner Vor­gänger, nicht christlichen Neferenbaren den Weg pr Richterlaufbahn zu verschließen. Er hat tn der Beurteilung seiner Unterg-ebencn sich nie von anderen Beweggründen als van der strengsten Sachlichkeit und Un­parteilichkeit leiten lassen.

Seine früheste juristische Schule hat der neue Justiz­minister bei seinem Vater Karl Georg Christoph Beseler erhalten, bem Verfasser besKoalitionsprogramms" ber 48er Zeit. Ein Bruder Dr. Beselers ist der Chef des In­genieur- und Pionierkorps, Generalleutnant Hans v. Beseler. Ein einziger Schatten siel in dre Breslauer Zeit Dr. Beselers: der Tod feiner Gemahlin. Es war im August 1904, kurz nach feiner Ueberfiedelung von Kiel, als seine Gattin, während eines Ausfluges nach der Tatra, unerwartet starb. Drei Kinder find dieser Ehe entsprossen: ein Sohn, der als Privatdozent an ber Universität Kiel wirkt, eine Tochter, bte mit dem Universitätsprofesfor Dr. mcb. Hans Thierfelder in Berlin verheiratet ist, und eine jüngere, noch unPerheirn'rl" A. L.

Deutsches

Berlin, 22. Noo. Der Großherzog von Baden leidet seit einiger Zeit an euer katarrhalischen Er­kältung, die ihn nötigt, das Zimmer zu hüten. Infolge dieser Erkrankung wurde ber Kaiser bei f incr Anwesen­heit in Baben nicht vom Großherzog persönlich, fonbern u. a. von ber Großherzogin unb bem Prinzen Max von Baden empfangen und nach bem Schlösse geleitet.

£n bas Herrenhaus berufen find ber erste Bürgermeister der Stadt Halberstadt Dr. Gerharbt, ber Oberbürgermeister ber Stadt Krefeld Dr. Oehler und der ordentliche Professor der Rechte an der Universität Bonn Geh. Justizrat Dr. Zorn, der letztere unter Bestellung zum Kronsyndikus.

lieber den Empfang einer Abordnung des Deut­schen Tabakvereins bet den badischen Ministern Becker und Schenkel berichtete in einer Mitgliederversamm­lung der Vorsitzende Lanbtac,?abg. Emil Ma 'er. Der Zweck der Vorstellung bei den Ministern war, die schweren Be­denken gegen eine Mehrbelastung des Tabaks vorzutragen unb bie babi'che Negierung zu bitten, im Bun­desrat gegen die gcpi '.r. Steuerer ng zu stammen. Wie

Mayer mitteilt, füll sich der Fiuanzminister Becker sehr zurückhaltend geäußert und ausdrücklich erklärt haben, keine Zusagen machen zu können. Tie sehr gut besuchte Versammlung erklärte sich etnstimmig gegen jede Erhöhung ber Tabakbesteuerung. Sobald die Gesetzesvorlage veröffent­licht ist, soft in eine Llbwehrbewegung eingetreten werden.

Stiel, 22. Nov. Prinz Heinrich verließ heute Kiel, um sich zu den Feierlichkeiten nach Christiania zu be­geben.

Straßburg, 22. Nov. Als seinerzeitiger Nach­folger des kaiserl. Statthalter wird Prinz Eitel Fritz genannt.

Schloß Hohenburg, 22. Nov. Heute nachmittag, fand die Beisetzung des Großherzogs von Luxemburg in der Familiengruft statt. Unmittelbar hinter dem Sarge schritt der Großherzog Will-elm von Luxemburg zwischen dem Kronprinzen von Schweden und dem Fürsten von Waldeck. Es folgten Prinz Friedrich von Schaumburg-Lippe, der Erbprinz von Wied, der luxem^ burgische Staatsminister Eyschen, ber Finanzminister Mon- genast und andere.

Karlsruhe, 22. Nov. Der hiesige Stadtrat hat eine Reihe neuer Bestimmungen getroffen, die bei der 93er* gebung städtischer Arbeiten maßgebend sein sollen (bie u. E. auch in weiteren Kreisen Interesse und Beach­tung verdienen). In der Hauptsache besagen sie folgendes: 1. Freihändige Vergebung von Arbeiten und Lieferungen in angemessener Abwechslun. an die Gewerbetreibenden bis zum Betrage von mindestens 500 Mk. 2. Vermehrte Anwendung des beschränkten Wettbewerbs. 3. Beseitigung der An- und Abgebote naaj Prozenten des Voranschlags. 4. Vorzugsweise Berücksichtigung des Meistertitels. 5. Nicht­berücksichtigung solcher Angebote, welche augenscheinlich unter dem Selbstkostenpreis notieren. 6. Vermeidung ber Vergebung an Gcueralunternehmer (also Beseitigung der sogen. Generalentreprise). 7 Zerlegung größerer Arbeiten in kleinere Lose, ferner 8. Anlegen einer Lieferantenliste/ nach Gewerben georbnet, aus welcher die vergebenden Stellen leicht zu erkennen vermögen, welche Gefchäftsleuts und mit welchen Beträgen dieselben an den Lieferungen beteiligt sind, um an ber Hand dieser Uebersicht einen angemessenen Weclffel leichter herbeiführen zu können.

M ü n ch e n, 22. Nov. Die ft a m m e r ber Abgeordneten nahm in längerer Beratung den Antrag Lerno (Zentrum) an, die Negierung zu ersuchen, beim Bundesrat dahin zu wirken, daß dem Reichstage baldigst ein Gesetzentwurf vor- gelegt werde, durch den den Geschworenen unb Sch ö f^ f e n außer ber Entschäbigung für die Reisekosten auch eine Vergütung für Zeitversäumnis aus Mitteln der Bundesstaaten gewährt werden soll. Ein Antrag Müller, dies durch Maßnahme seitens Bayerns sofort zu gewähren, wurde mit 78 gegen 47 Stimmen abgelehnt.

und Alotte.

Der Militärhilfsverein für daS 18. Armee» lorps hielt in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitz deS Majors Weife feine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Verein, der Witwen und Waisen von aktiven und in­aktiven BerufSofsizieren unb solchen deS Beurlaubtenstandes unterstützt, bat jetzt 1450 Mitglieder. An Beiträgen gingen cm 10 500 Mk., ferner etwa 11 000 Mk. an Geschenken. DaS Vereinsvermögen ist auf 100 618 Mk. gestiegen. Für einmalige Unterstützungen wurden im abgelaufenen Jahre 6590 Mk. ausgegeben. Die Einnahmen werden wahrschein­lich noch wachsen, da fortan einige Infanterieregimenter größere Beiträge zahlen werden. Einige Garnisonen werden wieder Festlichkeiten veranstalten, deren Reinertrag der VereinSkasse zufließt. Wie der Vorsitzende mitteilte, ist der Verein ins VereinSregifter eingetragen worden.

Kirch? und Schute.

Die Landessynode ber Provinz Hannover beschäftigte sich mit bem kirchlichen Wahlrecht für die Frauen. Die Cpnode nahm einstimmig einen Antrag an, der das kirchliche Wahlrecht für die Frauen dringend fordert. Der Präsident deS Landeskonsistoriums versprach den Antrag in wohlwollende Erwägung zu ziehen. Der liberale Prediger Chappuzeau hielt eine begeisterte Rede für das Frauenwahl- - ctfjt. Er sehnte den Tag herbei, an dem er die Frauen auf ber Kirchenkanzel sehe. Die Synode stimmte mit lebhaftem Beifall der Rede zu.___________________________________________

Ausland.

London, 22. Nov. Ter KriegSminister richtete an den Chef des Generalstabes, Lyttelton, einen Erlaß, in bem er die Grundsätze belegt nach welchem die Neubildung des Ge­nera l stabe s crfolgm soll. Tie Offiziere sollen für den Ge- ncralstab nach ihrer Befähigung unabhängig vom Militär. Range lusgesucht werden. Tie ft'ontmanbierung fall sich auf vier Jahre -rstrecken unb kann nach Ablaut dieser Zeit erneuert werden. Tüchtigkeit soll durch besMennigte Beförderung belohnt werden. Der ftriegsminister stellt die Möglichkeit eines künftigen Wechsels 0er Offiziere innerhelb der verschiebenen Heeres'weige in Aus­sicht unb bezeichnet in dem Erlaß als Ziel, bad bei der Bildung des Generalstabes im Auge zu behilten sei, das Zusammen­bringen ber fähig ft en Leute der ganzen Armee.

Daily Telegraph" meldet aus Tokio vom 21. ds.. Cs besteht die Absicht, die japanische Marine zu reor­ganisieren. Zunächst soll ein Kreuzergeschwader für südliche Gewässer bis nachSingapore gebildet werben. Aus finanziellen Rücksichten soll bie Hauptmacht der stänbigen Flotte nicht aus Linienschiffen bestehm. N u ß l a n b soll beabsichtigen, bie Eisenbahn Chabarowsk ^ach Dlagowjechtschenski und von dort nach Tschita weiteruff lwen. Tie Haupt standorte de" neuen Armee sollen zwischen Tschita und Nikolsk liegen.

Paris, 22. Nov. König Karol von Portugal traf hier beute nadymittag 3 Uhr ein. Tie Tauer des Au^nthalts