Ausgabe 
27.6.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

e

ich

Im Anschluß an die obigen persönlichen Ausführungen des Herrn Architekten Meyer halten wir es für angebracht, folgendes zu bemerken:

Die nach der öffentlichen Ausstellung der Theaterpläne im Gieß. Anz. veröffentlichten Feuilleton-Artikel eines Fachmannes Zur Gießener Theaterfrage^ sind hier und da angegriffen worden. Erst als sich eine öffentliche Diskussion an sie schloß, erfuhren wir, daß die Ausschlag gebende Stelle bereits zu dem Beschlüsse ge­kommen war, das D ü l f e r's ch e Projekt aus beftinnnten Gründen fallen zu laffen und mit Fellner u. Helmer in Verbindung zu treten mit der Aufgabe, neue Fassade nzeichnun gen zu liefern und im übrigen den angekauften Plauen zur Aus­arbeitung eines neuen Jnnenprojektes das Veste zu entnehmen. Da uns diese Beschlüsse nicht bekannt gegeben wurden, so nahmen wir an, daß durch die Ausstellung der Pläne der Oeffentlichkeit Gelegenheit gegeben werden solle, ihre Meinung sich zu bilden. Die Presse hat ja wohl nach allgemeiner Auffassung die Ausgabe, alles die Oeffentlichkeit Angehende zu besprechen, und so baten wir denn einen Fachmann, in einem rein sachlichen Artikel die Pläne vom künstlerischen Standpunkte aus zu bewerten. Da jene Be- schlüffe jedoch bereits vor der öffentlichenAusstellrmq gefaßt zu sein scheinen, so hatte diese wohl nur einen rein informatorischen Charakter, was wir nicht wiffen konnten. Sonst würden wir diese Pläne nicht zum Gegenstände längerer Erörterung gemacht haben.

Die Redaktion des Gieß. Anz.

dem Fachkollegen mitteilen, daß nicht ich allein der unverständliche Kunstkenner des Dülfer'schcn Projektes bin, son­dern einige sehr hochstehende Baukünstler, denen zufällig die beiden Arbeiten zur Kritik vorgelegen haben, im Großen und Ganzen meine Anschauungen billigten.

Die moderne Richttmg ist doch nicht allein dieechte Kunst", wie der Derr Fachmann glaubt, Kunst ist nach meiner Auffassung j e d e r S t i l, wenn er nur verstanden und form gerecht so wieder gegeben wird, daß er ein einheitliches Ganze bildet. Ich ver­halte mich keineswegs ablehnend gegen das Moderne und weiß auch sehr wobl die Vorzüge des künstlerisch Reuen zu schätzen und freue mich ebensosehr wie jeder Kunstliebhaber der Hebung unseres schönen Kunstberufes, aber ich suche nur das wirklich Schöne hiervon und mißbillige gesuchte Ausartungen.

Oder glauben Sie, Herr Fachkollege, allein das Kunstgewissen der Zukunft spielen zu sollen? Sie haben ganz recht, wenn Sie sich mir anschließen und die Wahl nur ruhig der Kommission und der Stadlvertretung überlassen, dann wird Ihnen sicher eine lang nachwirkende Mißbilligung von feiten aller Kunst­verständigen erspart bleiben.

Mit Herrn Bauinspektor Becker mich an dieser Stelle aus­einander zu seken, halte ich nicht für nötig, da er ja auch nicht der Artikelschreiber ist' ob er der Verfasser des Artikels in der Deutschen Bauzeitung ist oder nicht, ist für mich ebenfalls gteichgilttg.

Roch sei den verehrten Herren zur Beruhigung mitgeteilt, daß ich jederzeit gewohnt bin, meine Anschauung offen zu ver­treten: wenn dies unterblieben ist, so war dies die natürliche Folge der von dem Artikelschrciber beliebten anonymen Form.

Auf weitere Zeitungsschreibereien werde ich mich nicht mehr cinlassen.

Gießen, den 26. Juni 1905.

Hansl Meyer, Architekt.

Kerichlssaal.

Das Landgericht Oldenburg wies die Klage des Grafen Welsburg (vgl. den AuffatzDie Leiden eines deutschen Fürsten" in denGieß. Fam.-Bl." vom letzten Freitag. D. Red.) gegen den Großherzog von Oldenburg kostenpflichtig ab. Das Gericht hat den Antrag des Grafen auf Zugehörigkeitserklär­ung zum gvoßherzoglichen Haus und seinen Apanageansvruch abgelehnt. Es war der Ansicht, daß das oldenburgische Hausgesetz im Falle des Grafen WelsvUrg! giltig sei. Der Graf ist bekannt­lich ein Kind aus einer nicht ebenbürtigen! Ehe. Gegen das Urteil ist sofort Berufung eingelegt. Die Angelegenheit wird dem Oberlandesgericht in Oldenburg überwiesen worden. Später soll die Entscheidung des Reichsgerichts angerufen werden.

Stuttgart, 26. Juni. In demSimplicissimus"- Vrozeß wegen Beleidigung der an dem Kölner Sittlich- keitskongreß beteiligten preußischen Geistlichen wurde heute das Urteil gefällt. Der Schriftsteller Dr. Ludwig Thoma wurde zu 6WochenGesängnis und der Redakteur Julius Linwe- kogel zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt.

ung vom 20. Juni erhalten und konnte deshalb nicht eher auf die persönlichen Ausfälle gegen mich antworten. Ich möchte mir auch große, breitspurige Auseinandersetzungen darüber, vb dres oder jenes Projekt besser ist, oder mehr oder weniger künst­lerischen Wert und Reiz besitzt, ersparen, denn dies smd doch nur Anschauungen und persönliche Empfindungen, über die sich nicht streiten laßt.

Wenn ich auf die Dülfer'schen Anpreisungsartikel antwortete, so hielt ich es für meine Pflicht, die Arbeit der Herren Fellner und Helmer in Schutz zu nehmen, einerlei ob diese allein die Verfasser oder ich Mitarbeiter an derselben bin. Meine Erwider­ung sollte nur der einseitigen Hervorhebung der Dülfer'schen Planvorzüge gelten und nicht ein persönliches Interesse an dieser oder jener Arbeit sein. Ick habe in derselben Weise, wie der Herr Fachmann die Vorzüge des Dülfer'schen Projektes her­ausstrich, nur die Vorteile unseres Projektes aufgeftihrt, nicht etwa um Stimmung für dasselbe zu machen, sondern weil man es mit Absicht unterlassen hat, der Fellner und Helmer'schen Arbeit auch nur im Geringsten eine gute Seite zuzusprechen, ja sogar es nicht scheute, entgegen dem Urteil des Preisgerichtes, diese als minderwertiger hinzustcllen. Und weil ich mir getraute an­derer Ansicht zu sein, spricht man mir ein weniger gutes Kunst- ver-ständnis zu. Hätte ich mich den Anschauungen des unbekann­ten Fachmannes angeschlossen, so würde mein beii künstlerisches Verständnis sicher in den Augen dieses Herrn sehr hoch ange­schlagen worden sein.

Wie sehr der Herr Fachmann bemüht ist objektiv zu urteilen, beweisen mir seine neuen Ausführungen, wonach er die Fellner und Helmer'sche Fassade als schwere Prunkfassade, welche für Gießen viel zu großsprecherisch und zu großstadtmäßig erscheint, bezeichnet und dagegen bei dem Dülfer'schen Magazingebäude (Kulissenhaus) von einer schönen, Gesamtform und feinen Glie­derungen spricht. Auch die böswillige Kritik desselben über das Wiesbadener Theater, wonach die ArchitektenVorn und Hinten" verwechselt hätten, läßt zu deutlich erkennen, wie der Herr Fach­mann bemüht ist, ein ungünstiges Urteil selbst über etwas zu fällen, das er nicht kennt. Die Verhältnisse dort haben eine andere Lösung nicht zugelassen und es war bedingt, daß die Hauptfront an die Rückseite verlegt werden sollte. Die geschickte künstlerische Lösung hatte den Erbauern im Wettbewerb mit anderen hervorragenden Architekten die Ausführung gesichert und nun will der nicht orientierte Fachmann diesen Künstlern die Schuld für eine Sache beimessen, wofür diese nie verant­

wortlich gemacht werden können.

Auf weitere Ausführungen in dieser G e s ch m a ck s a ch möchte ich mich nicht einlassen, aber noch als Trost möchte ic

Sport.

(a.) Gießen, 26. Juni. Am letzten Sonntag! fand in Fried­berg zwischen dem Fußballklub des Ghumasiums zu Fried­berg und dem Fußballklub des Realgymnasiums zu Gießen ein Wettsviel statt, aus fcffn dieser mit 6:2 als Sieger bervorgiug. Handel und Kerkehr. VMsunrlschast.

Schutzverband gegen die Equituble. Der Deutsche Feuerversicherungsverband hat uns den letzten An­lässen bei der Equitable sich entschlossen, eine Versammlung der Versicherten nach Berlin zu berufen zur Beratung über den Schutz der deutschen Interessen. Unter den Anwesenden waren auch vertreten: Vertreter der Deutschen Bank und der Preußischen Hypotheken-Aktienbank.

Eingesandt.

Mr Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Zur Gießener Theatersrage.

Durch eine dienstliche Reise abwesend, habe ich erst heute Kenntnis von den verschiedenen Eingesandt aus meine Erwider­

Darmstädter Lchrersängerchors eröffnete die Feier. Dann nahm als Vertreter der obersten Schulbehörde, Oberschulrat Dr. Scheuermann da§ Wort, um in längerer Rede das tatenreiche Leben des Jubilars und seine unvergänglichen Verdienste um das hessische Schulwesen im Allgemeinen und die Lehrerschaft im Besonderen zu feiern. Er schloß mit der Mitteilung, daß die großh. Regierung dem Jubilar den Rektor-Titel verliehen habe. Oberbürgermeister Morneweg gedachte besonders der hohen Verdienste des Jubilars um das Darmstädter Schulwesen, dem er seit bald 25 Jahren ununterbrochen angchört. Auch als Mitglied der 2. Kammer habe er der Förderung der Jugend­erziehung und Volksbildung stets seine volle Tätigkeit, ge­widmet. Als Zeichen der Dankbarkeit der Stadt überreichte der Oberbürgermeister eine prächtige goldene Uhr. Ober- konsistorialrat D. Flöring dankte dem Jubilar für seine Tätigkeit im Interesse der evang. Kirche, besonders für dessen Verdienste um den Katechismus. Weiter sprach Gymnasialdirektor Dr. Mangold tut Auftrag aller höheren Schulen die herzlichsten Glückwünsche aus, während Pfarrer Veite namens des evangelischen Kirchenvorstandes dankte. Bürgermeister Fritzel aus Ober-Eschbach,, wo Herr Backes 20 Jahre als Lehrer fungierte, gratulierte im Auftrag seiner Gemeinde, Gymnasiallehrer Lösch verlas ein Dankschreiben der Gemeinde Rödgen, der ersten Wirksamkeit des Ge­feierten. Weitere Glückwünsche überbrachten noch die Herren Hebermahl namens des Frankfurter Lehrervereins, Ober­lehrer Stamm-Mainz, namens des hessischen Landeslehrer­vereins, der auch zwei Salonbilder in prachtvollen Rahmen überreichte, während die Darmstädter Lehrerschaft und der Lehrerverein einen Mahagonischreibtisch und Stuhl zum Geschenk machten. Gymnasiallehrer Lerch gratulierte noch namens des Vereins für Volksbildung und der Gesellschaft für Volksbildung in Berlin, Oberlehrer Kaslick namens der Ludwig- und Alicestiftung, die 500 Mk. für dieBackes- stistung spendete, Lehrer Röder für die Lehrer-Witwen­kasse 2C. Der Gefeierte fand für jede der zahlreichen An­sprachen herzliche Dankesworte und versprach, auch den Rest seines Lebens und die letzten Kräfte der Schule und Lehrer­schaft widmen zu wollen. Ein Festmahl beschloß die schöne Feier.

Offenbach, 26. Juni. Ein übles Abenteuer hat nach der O. Ztg. ein aus guter hiesiger Familie stam­mender Portefeuiller in den letzten beiden Tagen erlebt. Am Samstag morgen waren zwei Burschen bei den Wald- erholungsstätten in die Abteilung für Frauen und Mädchen eingedrungen und hatten, während jene sich zum Frühstück begeben hatten, eine Anzahl von den auf den Ruheplätzen zurückgelassenen Täschchen, Tüchern üsw. an sich genommen und dann schleunigst das Weite gesucht. Etwa eine Stunde später, um 10 Uhr, passierte der Portefeuiller bei einem Waldspaziergange an der Erholungsstätte vorbei, und da ihm das aufgeregte Schreien der Mädchen auffiel, trat er näher, um zu sehen, was passiert sei. Im gleichen Augenblick rief eins der Mädchen:Das ist er!": die anderen liefen herbei und auch einige Männer liefen hinzu, die ihn als vermeintlichen Dieb fest hielte in. Einer von ihnen legitimierte sich als Geheimschutzmann; dieser telephonierte nach Oberrad, von wo bald darauf ein Polizist eintraf, der den jungen Mann trotz aller Be­teuerungen, daß er ganz unschuldig sei, auf die Wache nach Oberrad brachte. Während des kurzen Verhörs, dem er hier unterzogen wurde, bat er wiederholt, man möge doch der Polizei in Offenbach telephonieren und sich nach ihm erkundigen, dann werde sich das Mißverständnis Heraus­stellen, zumal er auch sein Mbi beweisen könne. Immer wurde ihm geantwortet, die Offenbacher Polizei habe nichts mit der Sache zu tun, die Tat sei auf Frankfurter Gebiet geschehen usw. Die gleiche Antwort wurde ihm auf dem Polizeiamt in Frankfurt zuteil, wohin er nachmittags, die Hände auf den Rücken gefesselt, transportiert worden war. Seinen Bitten, ihn sofort zu vernehmen und dadurch die Sache aufzuklären, wurde kein Gehör geschenkt, ebenso­wenig wie nach Offenbach telephoniert wurde. Auch am Abend, als er endlich verhört wurde, geschah dies nicht, und so mußte er denn die Rächt in der Zelle zubringen. Am Sonntag mittag V2I Uhr wurde er wieder vorgeführt und nach kurzer Vernehmung endlich entlassen, sodaß er zu den Seinigen nach Offenbach zurückkehren konnte. Er hat sofort gegen die ihm zuteil gewordene Behandlung Beschwerde geführt.

Mainz, 26. Juni. Heute morgen fünf Uhr fuhr ein mit vier Personen besetztes Automobil in rasendem Tempo über die Straßenbrücke. Am hiesigen Brückenkopf angekommen, wollte der Lenker des Fahrzeuges seitwärts die Rampe herabfahren. Das Auto stieß dabei mit solcher Gewalt gegen das eiserne Geländer der Brücke, daß alle Insassen herausgeschleudert wurden und das Auto in Trümmer ging. Eine der bis jetzt noch unbekannten Personen, hat sich schwer verletzt. Bei den Schieß­übungen des Fuß-Artillerie-Regiments Nr. 3 auf der Wahnerheide stürzten Major Hirsch und ein Reserve­offizier des Regiments mit ihren Pferden und erlitten schwere Verletzungen.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Lauterbach beging die dortige Feuerwehr ihr 50 jähriges Jubiläum, verbunden mit dem Kreis- seuerwehrtag. Aus allen Teilen Oberhessens, namentlich aus dem Kreise Lauterbach, nahmen Feuerwehren an dem Feste teil. Der seitherige Bürgermeister Landtagsabg. Stövler in Lauterbach wurde mit großer Majorität auf weitere neun Jahre zum Stadtoberhaupt gewählt. In Eberftadt starb im Alter von 60 Jahren der Gemeinderechner G. Bsnder.

* Kleine Tageschronik. In Bromberg ist wegen Verdachts der Unterschlagung im Amte der Seminar» direktor Schmidt vom konigl. katholischen Schullehrerseminar in Untersuchungshaft genommen worden. Die wegen schwerer nichtmilitärischer Verfehlungen" verhafteten Leutnants ^tr See Euken-Addenhausen und S e y d e l vom LinienschiffMeck­lenburg" sind zur Beobachtung ihres Geisteszustandes der K i e l e r - psychiatrischen Universitätsklinik überwiesen worden. Der Berg­arbeiter Max Koblih ist in R u h l a n d (Schles.) unter dem Verdacht der Ermordung des 16 jährigen Arbettsburschen Scadok und des 13 jährigen Schulknaben Zielinski und Lehmann, verhaftet worden.

Erz-Kn xi».

Fernie. Angebot 3300, Nachfrage 8225. Ausbeuten uTh) Zn« dLßen, 1903: 225: 1904: 300.

-------- ------- -........"" \

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

BorarrSfichtttche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 28. Juni 1905: Zeitweise aufheiternd, besonders im Süden Hessens. Nur im Norden noch vereinzelte Regenschauer. Nach kühlerer Nacht Tagestemperatur nicht verändert.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte. _________

Kriginat-pral-tmerdungen.

Berlin, 27. Juni. Der Schuhmacher Busse wurden wegen Totschlags und Sittlichkeitsoerbrechens, begangen an der 12jährigen Margarethe Coschoreck, zu 61/« Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Drechsler Medersky in Nix­dorf, der am 16. Januar seine drei Kinder getötet hatte, er­hielt 10 Jahre Zuchthaus.

Kiel, 26. Juni. Bei dem heutigen Festmahl im kaiserlichen Nachtklub saß der Kaiser zwischen dem Großherzog van Sachsen und dem Prinzen Adalbert rechts, und dem Prinzen Eitel-Friedrich und dem Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha links. Gegenüber dem Kaiser saß Prinz Heinrich von Preußen zwischen dem Earl of Crawford und dem amerikanischen Botschafter Charlemagne Tower. Im Verlause des Mahles brachte Prinz Heinrich einen Trinkspruch auf den Kaiser aus. Der Kaiser erwiderte mit folgendem Trink-, spruch: Ich heiße Namens des Nachtklubs unsere Gäste'i von nah und fern von Herzen willkommen, vor allen Dingen' die schneidigen Nachtbesitzer, die zum ersten male in einem gemeinsamen Nennen den Ozean durchquert haben. Ich hoffe, daß alle sich überzeugt haben, daß Sie hier mit Freuden gesehen und mit offenen Armen aus­genommen sind, und je mehr derFremden sich bet uns einfind en, desto besser, desto besserer Sport. Mein^ Glas gilt den einheimischen Mitseglern und den fremden Gästen aller Nationen. Hnrrah! Hurrah! Hurrah!

Halle a. S., 27. Juni. Der Abg. Kunert ist wegen Beleidigung der deutschen Chinakämpfer, be gangen durch eine Wahlrede, zu drei Monaten Ge­fängnis verurteilt worden.

Münster i. Wests., 26. Juni. Der evang. Divisions« Pfarrer Bachstein wurde heute vom Oberkriegsgericht von der Anklage, in einem am 19. Januar im Osnabrücker Zweigverein des evangelischen Bundes gehaltenen Vortrage Einrichtungen der katholischen Kirche beschimpft zu haben, freigesprochen, weil der Tatbestand der Oeffent­lichkeit des Vortrages nicht gegeben sei.

Stuttgart, 26. Juni. Der Redakteur desSim­pli zis simus", Julius Linnekogel, wurde heute wegen Beleidigung des Dresdener Schöffengerichts zu 200 Mark Geld strafe verurteilt.

London, 26. Juni. (Unterhaus.) Im Namen der Opposition beantragt Robert Reid, der Regierung wegen der Betrügereien bei den Lieferungen für die Armee in Südafrika einen Tadel auszusprechen. Die Betrügereien wären nicht vorgekommen, wenn die Minister ihre Pflicht getan hätten. Staatssekretär Brodrick bestreitet entschieden, daß er sich eine Nachlässigkeit habe zu Schulden kommen lasten.

Paris, 27. Juni. Die Antwort auf die fran­zösische Note ist hier eingetroffen. In der Note erklärt Deutschland neuerdings, daß es mehr als jemals in einer internationalen Konferenz das einfachste Mittel sehe, die marokkanische Frage zu lösen. Wir glauben mitteilen zu können, daß die französische Negierung die Konferenz an­nehmen wird.

L 0 n d 0 n, 26. Jüni. Der Ton der hiesigen Presse ist wieder sehr deutschfeindlich. Aus verschiedenen Ar­tikeln der Blätter geht hervor, daß nach englischer Auf- sassung die deutsche Regierung seit dem deutsch-fran­zösischen Kriege fortwährend gegen England ge­arbeitet habe, Deutschland leide an Größen­wahn und versuche mit allen Mitteln England zu überbieten, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht. Auch der Bau einer mächtigen Kriegsflotte sei speziell gegen England gerichtet. Aus diesem Grunde müßte England mit allen Kräften an der Festigung des englisch-französischen Einvernehmens arbeiten. Verschiedene Blätter befürworten eine Allianz zwischen England, Frankreich, den Bereinigten Staaten und Japan gegen eine eventuelle russisch-deutsche Allianz, welche unausbleiblich scheine.

Petersburg, 26. Juni. Ein Telegramm des Ge­nerals Line witsch vom 24. Jüni lautet folgendermaßen: Am 22. d. M. versuchten die Japaner an der östlichen Ersenbahn unsere Vorhut im Tale des Kaokhe zu ver- trerben, fie wurden aber in der Gegend von Kailungtschen zurückgetrieben. Unsere Abteilung vertrieb auf dem Wege nach^ N auch auch en tsy die japanischen Vorposten und E^^^ollch von Ranchanchentsy auf dem Wege nach Ufanglu vor. Unsere Abteilung wich zurück, da sie beträchtliche Streitkräfte des Feindes bemerkte. Die Japaner verfolgten die Mteilung und besetzten attptfi. Am 21. d. M. nahmen die Japaner die Of,ensrve auf, wurden aber von Schtzmaotse und Douangu zurückgeschlagen. In Koera be­setzten dre Japaner am 21. d. M. Suscheng.. Etn zweites Telegramm von Linewitsch unter dem 25. d. M'. lautet: Am 22. d. M. ergriff der Feind in der Gegend Ft0 ® 51 n t 1 lt n g t f dj e n die Offensive gegen die in Unschre auf dem Wege nach Schimyaotse befindliche Trup- Penabterlung. Der Angriff war mit einer Umgehungs- d ew e gung auf dem rechten Flügel verbunden und sehr energisch geführt. Die japanische Artillerie oejchoß unsere Stellungen und eine rasche Bewegung der Kolonneum unsere rechte Flanke bedrohte e n ü cf 5 u g. Hierauf sandte der Kommandeur eine Abteilung Kavallerie gegen die japanische Kolonne und be­fahl der Abteilung, sich zurückzuziehen. Eine Ver­folgung von feiten des Feindes fand nicht statt.

Lod z, 27. Jkni. In den von Arbeitern besetzten Hausern, in die das Militär eindrang, wurden sämtliche C1 n w 0 h n er ohne Gnade massakriert. Von den S 01 - d a t e n sind 11 erschossen worden, ebensoviele wurden jchwer verwundet. Die Offiziere des Muromschen Dragvner- regrmentes erllärten dem Truppen komm an danten, sie wür­den nrcht mehr auf wehrlose Leute schießen. Der General­gouverneur von Warschau befahl die sofortige Rückkehr dreses Regimentes in den Garnisonort. Ein Geheimerlaß beftehlt, alle Soldaten polnischer Nationalität oder Mdtschen Glaubens von den in Lodz tätigen Militürteilen herauszuziehen, weil sie npr in die Lust, nicht in die Volks.-> menge schössen.