Ausgabe 
27.1.1905 Zweites Blatt
 
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Die Kewe unq in Anstand.

General Trepow,

der neue Generalgouvern cur von Petersburg, dem die Bändigung des Aufruhrs übertragen ist, hat sich in Moskau einen sehr üblen Ru f erworben. Jetzt! erwartet ihn eine gefährliche und schwiedige Aufgabe, denn es ist zu befürchten, daß die Arbeiter, zur Ver­zweiflung getrieben, zu terroristischen (^Gewalttaten schreiten werden. General Trepow ist noch ein verhältnismäßig sunger Mann er ist ein Sohn des einstigen, durch den Schuß von Wera Sassulitsch bekannt, gewordenen Stadt- haiiptinanns von Petersburg und seine Ernennung aus einen so hohen Posten wird gegen ihn sicher viel per­sönliche Feindschaft seitens der hohen militärischen Le- fehlshaber entfesseln. Um sie niederznkämpfen wird er voraussichtlich mit der größten Rücksichtslosigkeit vor- gehen, deren Wirkungen sicher noch dadiirch verstärkt wer­den, daß er die Verhältnisse in Petersburg wenig kennt, da er auf seinem Moskauer Posten keine Gelegenheit hatte, mit ihnen vertraut zu werden.

Zn dem Kart'atschenfchuK

rttrt) derSchics. Ztg." ans.St. Petersburg geschrieben: Man erzählt sich hier folgendes: Tie Kayonc, die den scharfen Schuß abgab, gehört zu den alten Kasernen- geschüßen, deren Verwendung für Salutschüsse in der Regel ausgeschlossen ist. Ter kommandierende Offizier der Batterie hatte jedoch die Verwendung des alten Ge­schützes unter dem Vorwande angeordnet, daß man die neuen Kanonen möglichst schonen müsse. Er konnte indes nur die alte Kanone gebrauchen, weil das verwendete scharfe Geschoß nur in den i*auf der alten Kanone paßte. Tu5 Geschoß hatte der kommandierende Offizier aus dem Artilleriedepot entwendet, wo er einige Tago zuvor Dienst getan hatte. Die beiden Soldaten seines Kommandos erwiesen sich als fast sinnlos be­trunken. Es ist gewiße daß der Offizier ohne Ein­verständnis mit ihnen und mit anderen Personen das Attentat vorbereitete und aus führte. Doch waren ihm angeblich von der auswärtigen Leitung der Partei derPropaganda der Tat" längere $cit vorher gewisse Anträge nebst demA ngebot einerhohen Summe zugegangen. Obschon verschuldet, hatte der Offi­zier diese Anträge zurückgewiesen und dabei bemerkt, er brauche nichts, da er sterben werde und wolle. Ter Attentäter hat also ganz auf eigene Hand gehandelt. Er ist 40 bis 45 Jahre alt. Anfangs der 90er Jahre hatte er ba§ akademische Studium aufgegeben und war Offizier geworden, um die revolutionären Ideen in den militäri­schen Kreisen zu verbreiten. Schon damals plante er ein Attentat, doch kam es nichit Mr Ausführung, da die Geheimpolizei in der Periode Alexanders III. ihn wie viele andere Gleichgesinnte auf Schritt und Tritt beob­achtete. Nach Abfeuerung des scharfen Geschosses, dessen Ladung größtenteils an der Kaiserbrcke bei der Newa links vorbeiging und daher den Winterpalast traf, ries der Offizier dem herbeistürzenden Oberst zu:Leider fehl gegangen'" Der Oberst taumelte vor Entsetzen halb ohnmächtig zurück, und eine Minute später war der Offizier verschwunden.

Tie Verhafteten von Petersburg.

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«lätter-

deren Ver-

städtisch (liberale

ien

er an das er in das war, wurde

In Petersburg

haben unter dem Einfluß der Versprechungen des Jinans- Ministers und des Generalgouverneurs, den Arbeitern einige Erleichterungen zu gewähren, mehrere Fabri- ken die Arbeit wieder ausgenommen. Auch die Zeitungen werden am Samstag nach einer Unterbrechung

Am Mittwoch begab sich der .Herzog von Leuchtenberg nach Zarskoje Selo und erstattete dem Zaren einen ver­liehen wahrheitsgetreuen Bericht über die furchtbaren Vor­gänge. Der Zar soll völlig fassungslos gewesen» sein, und darauf hin erfolgte die Freilassung mehrerer Verhafteter. Der Priester Gapon be- sindet sich schwer verwundet im Alafusew-Hospital. Nach seiner Genesung wird er vor ein Kriegsgericht gestellt und wahrscheinlich wegen Aufreizung gege Staatsgewalt zum Tode verurteilt werden. B'. . Meldungen zufolge ist Maxim Gorki tatsächlich ver haftet worden und zwar in Riga, wohin Sterbebett eines Freundes geeilt war. Als .Haus einer befreundeten Familie eingetreten dieses umstellt und Gorki verhaftet.

Die Professoren und Schriftsteller, von uclch Haftung berichteten, sind angesehene und zum Teil be­deutende Männer. TieVoss. Ztg." erzählt von ihnen:

Die Herren Kareew und Hessen sind Gelehrte, der erstere ein Historiker von europäischem Rwf. Früher war er lange Jahre hindurch Professor an der Petersburger Universität, vor etwa drei Jahren mußte er jedoch wegen jeiner unabhängigen Haltung das Lehramt niederlegen.

... mft einer ganzen Anzahl von umfangreichen wist en sch östlichen Arbeiten hervorgetreten, darunter mit einem, vielbändigen Werk über die neuere Geschichte des %e?J^en Eiw?pa> mit einem zweibändigen Traktat über Geschichtsphilosophie wie mit einer Arbeit über die Lage der Bauern in Frankreich im 18. Jahrhundret. In der r» r ^eit toll.r^c Ukm Stadtverordneten gewählt und als solcher wie auch in den Versammlungen, die von der Intelligenz tn Petersburg veranstaltet wurden, für Die Aenderung der bestehenden Staatsform eingetreten, öonjt aber nahm er kaum einen ebfonberen aktiven Anteil an der Bewegung. Was Herrn Hessen anbetrifft, so

e? Surift, Herausgeber der fachjuristischen Wochenschrift Tas Rechtz, die in Der letzten Zeit durch ihre freimütigen, aber in der Form, stets maßvoll gehaltenen Artikel über bie brennenden Fragen der aktuellen Politik sehr oft

^Te?e-n Bac$te- 3n seiner Person wollte man seme Wochenschrift treffen. Tas nämliche muß auch von den Verhaftungen Annewkis und Pesche- K,^ows gesaL^ werden. Annewski, Mitarbeiter von

Qtcn' 1? bin älterer, in liberalen Kreisen In den oppositionellen Versamm­lungen wurde er oft zum Präsidenten gewählt. Er war

^umal in Sibirien. Unter Plehwe wurde er ans ^.eti^mUn?ffrtatlf^9etole*nm iTO vorigen Kerbst wurde e§ ihm gestattet, nach Petersburg zurückznkehren. Pesche-

! bedeutend lunger. Von Saus aus Statistiker chonow ist bedeutend ;ungcr. Von Kaus aus Statistiker. S*"0 F ^etz °n Jahren zur Publizistik über und

emeit sehr bekannten Namen.

Kedrin und Schnitnikow sind Rechtsanwälte undl Stadtverordnete Den Groll der Regierung haben sie an­scheinend m ihrer letzteren Eigenschaft aus sich heraus, beschwroen. Kedrm war vor der Reform des städtischen Wahlrechts in Petersburg Führer derneuen" 'liberalen" Partei. Er ist eine tn weiten Kreisen der Veterskuraer Gesellschaft sehr bekannte Persönlichkeit. ^er^rger

von fast einer Woche wieder erscheinen. Auf den Putilow- Werken kann die Arbeit noch wtchit beginnen, da mehrere Hochöfen beschädigt sind.

DaS Ministerkomitee beendete die Beratung des fünften Punktes des kaiserlichen Ukases vom 26. Dezember be­treffend die Vervollkommnung der Staatsordnung. Dieser Punkt bezieht sch aiuf die Revision der zur Sicherung der Staatsordnung erlassenen Ausnahmebestimmungen.

In dem Hofministerium eingeboren Erkundigungen zu­folge sind die Gerüchte von der Ermordung des Großfürsten Sergius ebenso gänzlich unbegründet, wie im Ausland aufgetretene Gerüchte von der Ermor­dung des Kaisers Nikolaus.

Einem Kopenhagener Telegramm derKöln. Ztg." zu­folge wird die Zarin mit ihren Ki ndern demnächst in dem dänischen Schloß Fredeusborg Aufenthalt nehmen.

Ter Vorstand der Petersburger Bergbauakademie faßte wegen der Ereignisse am 22. Januar folgende Be- chlüsse: 1. Sein tiefstes Bedauern auszudrücken über die entsetzlichen Vorgänge. 2. Die Fortsetzung der Stu­dien für unmöglich zu erklären. 3.'Den Ange­hörigen derGetöt etenSpmpathie auszudrücken. 4. Gebete für die Getöteten ab halten zu lassen und Kräuza auf den Särgen der beiden getöteten Studenten der Aka­demie niederzulegen. 5. Diese Beschlüsse zur Kenninis des Ministers für den Mer bau zu bringen. Der Vorstand )c§ Instituts für Zivilingeuieure nahm eine gleiche Neso- hition an. An der Universität wurde bie Anmeldung zu den Vorlesungen bis zum 28. Februar verschoben.

Zahlreiche Familien unterließen aus Furcht, in das chwarze Buch des Generals Trepow eingeschrieben zu wer­den, die Agnoszierung ihrer Angehörigen. Alle Leichen­züge erholten militärische Eskorte. An keinem Leichen­zuge dürfen mehr als 12 Personen teilnehmen. Großfürst Konstantin, welcher einer feierlichen Sitzung der Ge­lehrten und Schriftstz'kler Vorsitzen sollte, ist infolge der Verhaftung sehr bestürzt. Er wird eine Auslandsreise unternehmen.

Tie Lage in der Stadt Moskau ist unbestimmt. Die Arbeiter einiger Fabriker versuchten die Arbeit tpieder aufzunehmen, legten sie aber wieder nieder. In zwei oder drei Fabriken wird wieder gearbeitet, in anderen sind die Arbeiter bereit, die Arbeit wieder aufzunehmen, stellten aber Forderungen. Besonders stark ist die Bewegung unter den Setzern. Ter Ausstand um» aßt alle größeren Druckereien.

An den Straßenecken wurde eine Kundgebung des Stadthauptmannes angeschlagen, welche oefagt, unter dem Einflüsse von Drohungen llebelgcfinntcr sei ein Ausstand ausgebrochen. Daher erachte es der Stadt­hauptmann für seine Pklicht, die Arbeiterbevölkerung in Kenntnis zu setzen, daß zu ihrem Schutze gegen die Agitatoren entschiedene Maßnahmen getroffen seien. Tie Arbeiter, welche die Arbeit aufnehmen wollten, könnten das ohne Gefahr für ihre Sicherheit tun.

In den Werkstätten der Kursker, Brester und der Moskau-Kasan-Bahn wurde die Arbeit eingestellt. Die Wasserleitung, die elektrische Station und die Gasanstalt werden durch Polizei und Militär bewacht. Ter Versuch einer starken 2lr bei ter gruppe, den Betrieb der Gasanstalt zu stören, wurde vereitelt. Tie Stadt ist ruhig

Ta in M o s k a u in der Druckerei der Stadthaupt- mannschast gedruckte Bekanntmachungen angeschlagen wurden, welche besagten, dieJapanerundEnglän der seien die Anstifter der Unruhen und der Äusstands- bemegung in Rußland, eine anglo-japanische Liga leite b i e Bewegung, auch würden von England große Summen unter b i e Ausständigen ver­teilt, erhob der englische Botschafter sofort bei der russischen Regierung Beschwerde und veranlaßte eine Untersuchung. Die russische Regierung gab daraus die Versicherung ab, sie werde dafür Sorge tragen, daß der­artige Un gehör igkeiten nicht wieder vorkommen.

Aus dem Laude

Kowno, 26. Jan. Ter Ausstand dauert fort. Einige Fabriken nahmen die Arbeit heute früh auf, stellten sie aber wieder ein. Die Trambahn stellte heute mittag den Dienst ein. Auf den Straßen ziehen Arbeitertrupps umher, verhalten sich aber ruhig. In der Stadt herrscht Ordnung.

Libau, 26. Jan. Truppen patrouillieren durch die Stadt. Zusammenstöße sind nicht erfolgt. Ein Gendarm wurde erschossen, welcher einem Führer die Fahne entriß. Tie Umherziehenden sind meist junge Burschen, deren Umzüge lächerlich wirken. Die Arbeiter nehmen nicht daran teil. Sic sind bereit, die Arbeit wieder aufzu­nehmen. Fm Hafen ist das Laden der Schiffe eingestellt worden. Zur Beruhigung der Bevölkerung und der Fabri­kanten sind an vielen Stetten während der Nacht Wachem ausgestellt. Tie Telegraphen-Verbindungen sind wieder her­gestellt. Die Wiederherstellung der Delephonleitungen ist säst beendet.

Odessa, 26. Jan. Ter Stadthauptmann ver- össentlicht eine Bekanntmachung, in der er die Arbeiter in teilnehmender Weise anregt, die Arbei/t wieder auszunehmen. Ter Ausstand nütze nur Japan und seinen heimlichen Verbündeten sowie den aus­ländischen Fabrikanten: er vermindere die ohnehin infolge des Krieges gesunkene Produktionstätigkeit. Der Krieg ver­minderte den Odessaer Handel, weil die Ausfuhr nach dem fernen Osten aufgehört habe' und das beweise, welche Märkte Japan Rußland fortnehmen wolle. Alle wünschten in Rußland id as Ende des Krieges, aber dies könne nicht rühmlos geschehen und unter dem Verluste der Absatzmärkte. Rußland habe den Krieg nicht gewollt und sei daher auch nicht vorbereitet gewesen, aber derTagderEntgeltung toerbe kommen. Die Arbeiter sollten deshalb fried­lich und mit der Hoffnung auf bessere Zeiten die Arbeit wieder aufnehmen.

H e l s i n g f o r s, 26. Jan. Gestern abend veranstal­teten hiesige Arbeiter eine Kundgebung. Dabei wurden 5000 Arbeiter von der Polizei mit Säbel­hieben angegriffen. Viele an der Kundgebung un­beteiligte Personen wurden verwundet. Zehn, Personen erlitten Verwundungen am Kopfe, eine wurde von einem Schuß in die Brust getroffen. Ein Polizist wurde durch eine Nevolverkugel an der Hand, ein anderer mi Rucken verwundet. Alle'diese Schüsse sollen von der selbst abgegeben worden sein. Tie berittene Polizei teilte Knutenhiebe aus. Die organisierten Arbeiter? legen tn der Presse Verwahrung gegen die Ruhestörungen em, denen sie fernftänben.

Reval, 26. Jan. In ber letzten Nacht war die Stadt ohne BeEuch!tiing. Heute ist alles ruhig, die Läden sind offen. Me Verhandlungen zwischen oen Arbeitern und

den Fabrikanten unter Teilnahme der Behörden dauern fort.

Riga, 26. Jan. Hier herrscht der Generalausstanb. Es finden Knnbgebniigen statt. Die Blätter erschienen nicht. Der Gouverneur erklärte, daß er zur Unterdrückung der Unruhen bewaffnete Macht verwenden werde. Beim Bahnhof in Tukkitm fand zwischen den Truppen und den Arbeitern ein Zusammenstoß statt, bei welchem 30 Personen getötet ober verwundet wurden. Zwei Soldaten und der Unterchef der Polizei besi Distrikts Vileff wurden t ö t l i ch v e r w n n d et. Die Strei­kenden durch-iehen in Masseil die Straßen und erzwingen Arbeitseinstellung.

Warschau, 26. Jan. Die Nachricht vom Ausbruch der Revolution hat viele Kasernements erreicht, in welchen^ die eingezogenen Reservisten ihrem Abmarsch nach dem Kriegssck)anplatz entgegensehen. Sie benutzen die all­gemeine Verwirrung und entfliehen zum Teil be- . wasfnet nach ihrer Heimat. In Zytomierz wurde ein ganzer bereits nach der Mandschurei abgefanbter Zug von den Reservisten unter Mitnahme ihrer Gewehre und Uni­formen verlassen.

Nach dem Schrecke«.

Tie Börse hat sich rasch von dem Schrecken über die Petersburger Ereignisse erholt, sie betrachtet die Revolu^ tionsbewegung bereits alserledig t". Wenn das nur nicht zu viel Optimismus ist. Für die Besitzer russi­scher Werte ist immerhin die Aufbesser nngderKurse^ die weitere Fortschritte macht, erfreulich.

Ter Papst

Adressen der Toten und Verwundeten angeben, ba sie btfc über die Ereignisse in Rußland eingehend unterrichtet, hat nach längerer Unterredung mit zwei Kardinälen beschlossen, an den Zaren einen Brief zu richten, worin er um die Erlaubnis bittet, dem Kaiser angesichts der jüngsten ernsten Ereignisse einen N a t erteilen zu dürfen. Ter Papsts erinnert in dem Brief den Kaiser an seine Worte der Liebe und des Friedens, die er bei dem letzten Haager Friedens­kongreß ausgesprochen hatte. Er bittet den Zaren, dem Freiheitsrufe seines Volkes Gehör zu schen­ken, nur eine Zat der Liebe könne das russische Volk retten. Zwei Beamten des Vatikans sind beauftragt, nach Petersburg zu reifen, um dem Kaiser eigenhändig das Schrei­ben zu übergeben.

Aus Stadt und Land.

(Sieben, 27. Janua r!9O5.

** Städtisches Standesamt. In der Stadt Gießen sind im Jahre 1904 1010 Geburten zu verzeichnen ge­wesen; davon entfallen auf die ortseingesessene Bevölkerung 636, und zwar 333 Knaben und 303 Mädchen. Die Ge­burten in der Klinik betragen 374 und zwar 197 Knaben und 177 Mädchen. Gestorben sind 1904 im Ganzen 579 Personen, von denen 341 Sterbesälle auf Einheimische und 238 auf Ortsfremde entfallen. In Gießen starben 102 Menschen im Alter von unter einem Jahr, 49 im Alter von 1 bis 15 Jahre, 98 von 15 bis 60 Jahre und 92 von über 60 Jahre. Das Verhältnis der Geburten zu den Sterbefällen bei der einheimischen Bevölkerung ist mithin 636 zu 341, so daß ein Ueberschuß an Geburten von 295 für das abgelaufene Jahr zu verzeichnen ist.

** Gesundheitspflege. Unter den in der zurzeit in Frankfurt a. M. befindlichen AusstellungVolks- krankheiten und ihre Vekämpfung" ansgehangten statistischen^ Tafeln ist eine ganz besonders geeignet, bie Aufmerksam­keit und ba§ Interesse der Besucher auf sich mi lenken. Es ist eine vergleichende Statistik der an an stecken oen Krank­heiten im Jahre 1900 im Deutschen Reiche verstorbenen Personen. Hiernach waren ca. 7000 Todesfälle infolge von Typhus, ca. 9000 infolge von Scharlach, ca. 16000 infolge von Masern, ca. 22 000 infolge von Keuchhusten ca. 45 000 infolge von Diphtherie und ca. 123 000 infolge von Tuber­kulose zu verzeichnen. Man sieht hieraus wieder, daß die Tuberkulose die weitaus größte Zahl an Opfern fordert, daß aber auch der vielfach in geradezu unverantwortlicher Weise vernachlässigte Keuchhusten, besonders durch feine ge­fährlichen Komplikationen und Nachkrankheiten, eine nichts weniger als harmlose Krankheit ist.

2. Burkardsfelden, 26. Jan. Heute fand hier die Burgermeisterwahl statt. Von 145 Wählern machten 133 von ihrem Rechte Gebrauch. Der seitherige Bürger­meister Hofmann wurde mit 94 Stimmen wiedergewählt. Trotz der erbittertsten Agitation erhielt Heinrich Albach VII., der Polizeidiener, nur 38 Stimmen.

t. Harbach, 26. Jan. DaS.Hofgut des Herrn Fläming hier wurde für 34 000 Mk. an einen Herrn aus der Gegend von Marburg verkauft.

+ Grebe nhain, 26. Jan. Die letzten Nächte haben dem hohen Vogelsberg wieder bedeutenden Schneefall ge­bracht, so daß bei scharfem Winde bis 2 Meter tiefe Ver­wehungen Vorkommen. Die Wege sind fast unpassierbar; zur Aufrechterhaltung des Post- und Eisenbahndienstes muß ständig Schnee geschaufelt werden. Traurig sieht eS in den mittelhohen und höheren Fichtenwaldungen auS. Strecken­weise ist ungefähr der vierte Teil der Stämme entweder um­gedrückt oder in der Mitte oder Krone abgeknickt. Dem Ski­sport wird eifrig gehuldigt. Unterhalb Gedern hört der Schnee ganz uuf.

8- Büdingen, 24. Jan. Das neue Bezirkskassen- gebäude ist nunmehr im Rohbau fertiggestellt. Das Ge­bäude, dessen Stil der Umgebung glücklich angepaßt ist, wird eine Zierde unseres Städtchens bilden. Die gesamten Bau­kosten belaufen sich auf ca. 20 000 Mk.

= Düdelsheim, 26. Jan. Zu dem gestern bereits gemeldeten Mordversuch des G. Emmerich an seiner ($befrau ist noch folgendes hinzuzufügen: Emmerich, der als roher, gewalttätiger Bursche bekannt ist, lebt von seiner Frau schon längere Zeit getrennt. Er hatte sie schon mehrmals mit dem Tode bedroht. Die Frau, die bei Dr. Strack be­dienstet ist, war mit Bügeln beschäftigt, als sie ihr Ehemann hinterrücks überfiel und ihr im Oberschenkel, in der 'brnit, im Gesicht und am Arme verschiedene schwere Ver­letzungen mit einem Messer bei brachte. Dem auf das Geschrei der Frau herbeieilenden Dr. Strack gelang es mit ftilfe seines Kutschers, den E. festzunehmen und zu fesseln. Bei dem Transport nach dem Ortsgesängnis wurde Emmerich von der furchtbar aufgebrachten Eimvohnerschaft fast gelyncht. Die Gendarmerle verbrachte ihn abends nach Büdingen. Die 3tüu liegt schwer darnieder.

X Nvdheim a. d. B., 25. Jan. Katasterkontrolleur