Ausgabe 
25.10.1905 Zweites Blatt
 
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schützen wollen. Darum gefalle ihm auch die Wertzuwachs­steuer nicht, deren Progression biS zu 20 Proz. des Wert­zuwachses er als der Verfassung zuwiderlaufend bezeichne und als Vermögenserpropriation betrachte. Er hege aber die feste Hoffnung, daß die Regierung ganz auf ihrem jetzigen Stand- punkt beharren werde. Wie jüngst das nationolliberale Mainzer Tagblatt", so habe sich vorgestern auch der Gießener Anzeiger" ganz energisch gegen die erite Kammer gewendet und deren umstürzlerische Verschleppungs­politik ausS schärfste gerügt. Gegen einen solchen Reaktionär, wie den Frhrn. v. Heyl, sollte sich auch die nationalliberale Partei verwahren, deren Interessen er durch sein Verhalten aufs tiefste schädige. Ter Redner ersucht zum Schluffe die Negierung, dein neuen Landtag den Gesetzentwurf baldigst wieder vorzulegen.

Vizepräsident Tr. Schmitt teilt mit, er werde von dem amtlichen Stenographen darauf aufmerksam gemacht, daß der stenographische Bericht über die Sitzung der ersten Kammer überhaupt noch nicht ausgegeben, also die von Ulrich an­gegriffene Rede des ftrhrn. v. Herst kein amtliches Steno­gramm sein könne. Wenn man einen derartigen schweren Vorwurf gegen ein Mitglied des anderen Hauses erhebe, so müsse er doch auf einer ganz sicheren Unterlage beruhen. Er ries deshalb den Abg. Ulrich wegen des dem Frhrn. v. Heyl gemachten Vorwurfs der Fälschung zur Ordnung.

Abg. Ulrich erklärte, daß er die betreffenden Stellen 6et Rede aus einem stenographischen Bericht derWormser Zeitung" entnommen habe.

Abg. Tr. Guts tci sch bemerkt, er werde nicht in den auffallend erregten Ton des Abg. Ulrich verfallen, dessen Aufregung er allerdings einigermaßen verstehen könne. Auch er habe einige persönliche Bemerkungen zu machen. Er müsse zunächst im Namen des Sonderausschusses der zweiten Kammer gegen den Vorwurf des Ausschusses der ersten Kammer protestieren, als sei die Arbeit des ersteren lässig gewesen. Ter Sonderausschuß habe zu der Berat­ung 18 lange Sitzungen gebraucht, der Ausschuß der ersten Kammer habe sich also mit nur zwei Sitz"ng-n die S"che leichter gemacht. Man habe aber dort auch schon von An­fang an die Absicht gehegt, die Vorlage zu vernichten, und banim gab er sich auch keine Mühe, tiefer darauf einzu­gehen. Ter Ausschußb.-richt habe auch weder die Ausführ­ungen des Sonderausschusses, noch hi" Gründe der Ne­gierung einer näheren Würdigung unterzogen. Tas sei ein allen parlamentarischen Gepflogenheiten zuwiderlaufendes Verfahren. Sehr sonderbar sc-auch, wenn der Ausschuß- berichterstatter es der Regierung verarge, daß sie ihre der Ausschußansicht zuwiderlaufenden Argumente in einer Tenkschrist der Oesfentlichkcit übergebe, nachdem sie vom Ausschuß völlig ignoriert worden waren. Wenn sich die erste Kammer einfach die Ohren verstopfe und nichts hören wolle, so müsse ja schließlich jedes konstitutionelle Zu­sammenwirken der beiden Kammern aufhören. Sehr un­angenehm auffallen müsse auch die Art und Weise, wie Frhr. v. Heyl in der Wormser Versammlung am Sonntag die zweite Kammer herabgesetzt habe. Er hab" derselben Mangel an Mut vorgeworfen und den Mitgliedern Dinge nach­gesagt, die sie als eine Verletzung ihres Ehrgefühls be­trachten müßten. Es gebe in der ersten Kammer kein Mit­glied, das eine so verletzende Sprache führe, wie Herr v. Heyl; Auch habe in jener Versammlung unter ihrem Beifall ein Anhänger des Herrn v. Hel die unglaubliche Behauptung aufgestellt, daß die finmmcrnutgTiebcr in ihrer Tätigkeit als Volksvertreter von Eigennutz g intet würden. Tagegen müsse a uss schärfste protestiert werden. Man opfere sich lange Jahre seines Lebens für das Wohl der Allgemeinheit auf und müsse dann noch solche niederträchtige Verleum­dungen hören! Auf die Verhandlungen in der ersten Kammer näher eingehend, legt Redner dar, es sei doch eine ganz eigentümliche Anschauung, wenn Frhr. v. Heyl die (SJrunbflcucr nach dem gemeinen Wert als eine Strafe für den Fleiß des Landwirtes bezeichne. Er könnte darnach

erfreuten, verzeichnet. Auch unser Kaiser folgte dem Bralich und widmete ld»em General v. Arnim, der fist' des Spitznamens Schneppe" erfreut und selbst geleaentlich dichtete:

Wenn auch verwittert die Gestalt,

Ein königstreues SSeibncnncfm wird niemals alt, <rm 18. Dezember 1903 folgende Verse:

Zröhlich vereint beim Mahl, St. Hubertus Weidgesellen, Brausend zieht es durch den Saal Von den Stimmen, vielen, hellen.

Einer ist es doch von allen, Ter Hubertus' Gunst sich freut, Ter den festlich frohen Hallen Einen Becher einst geweiht.

Ihn zu leeren bis zum Grunde Also sollt die Sitte sein, Soll die ganze Tafelrunde Tas Gefäß voll goldnem Wein. Arnim, edler, grüner Zecher! Ich zuerst ihn nun erfasse. Bringe, Schnevpe, Tir den Becher, . Taß Dein' Gunst uns nie erblasse!

Tenn von Herzen ich ihn leere. Angefüllt bis an den Rand, Auf des Wittelbachers Ehre, Aus den Fürst von Bal-ernland.

Ihnen aber wünsch' ich allen. Daß von manchem sichern Blei, Vieles Wild noch möge fallen Und Hubertus gnädig sei.

Man schreibt uns ans Frankfurt a. M., 24. Okt.: Hermann Sudermanns geistreiä'es und interessantes Sitten­bildStein unter Steinen" ging gestern hier unter der Leitung des Hemm Quincke zum erstenmal in Szene. Tie Aus- fühning war eine der besten, deren wir uns erinnern können. Bauer in der Rolle des entlassenen Sträflings fand Töne, die in ihrer schlichten Wärme erschütterten. Ter neu enga­gierte Herr Faber sand sich i'iberrasckvnd gut mit der schwie­rigen, weil leicht ins Komische zu ziehenden Rolle des gut- mütig-larmovanten und doch geistreick^snden Zarncke ab. Fräu­lein Rabitow brachte des Durckmeistiate in der Rolle des Mariechens gut zum Ausdruck Fräulein Rottmann war eine kraftvolle Lore. Das Publikum folgte der Ausführung mit großem Interesse, selbst der matte Schluß fand lebhaften Beifall.

Musikkritiker und Musikverein. In Düssel­dorf hat sich der Musikberichterstatter d?sGeneral-Anz. für Tüsseld." d^s Mißfallen des städtischen MusikverunS zugewgen. Der Vorstand b<3 Vereins ließ d'mGeneral Anz." die üblichen Eintrittskarten für die Veranstaltungen des Vereins nur unter der Bedingung zugeh.m, daß sie dem betr. Musikberichterstatter nicht zur Verfügung gestellt Würben. Jnfolgedwen het derVer­ein Düsseldorfer Presse", der sämtliche größeren Düsseldorfer Zeitungen umfaßt, beschlossen, über die Veranstaltung en des städtischen Musikvereins nichts mehr zu be­richten.

auch alle Einkommen als Strafe für den Fleiß betrachten. Mit der eigentümlichen Behauptung, baß eine Wertzuwachs­steuer bis zu 20 Proz. eine Art Expropriation bedeute, nähere sich der Dis^chußreferent sehr dem Ton in der Volksversammlung. Wenn nun aber die zweite Kammer schon einmal als eine Art Räubergesellschaft hingestellt werde, so könne sie sich bami* trösten, daß auch die Großh. Regierung mit zu diesen Räubern halt. (Heiterkeit.) Redner schließt mit dem Ausdruck des Bedauerns darüber, daß die lange gesetzgeberische Arbeit ter Kammer im letzten J-ahre infolge der ablehnenden Haltung des anderen Hauses so fruchtlos abschließt. Er hoffe, daß die Regierung trotz des Scheiterns der Gemeindesteuerreform die anderweitc Regel­ung der Kreisumlagergesetzgebung bald der Kammer vorlegen werde, die in hohem Maße reform­bedürftig sei, und schließt mit dem Wunsche und der Er­wartung, das; die Regierung nicht erlahmen werde in ihrer Fürsorge, wie sie dieselbe durcy die Einbringung der jetzt gescheiterten Vorlage bewiesen habe. Di" Ausschußmitglieder tröste der Gedanke, daß sie an ihrem Teil nichts versäumt und mit der Regierung im Einvernehmen gearbeitet haben. Er spreche namens des Ausschusses auch der Regierung das Vertrauen aus, daß sie fest auf ihrem Standpunkt aus- harrcn werde. lLcbh. Beifall.)

Staatsminifter Tr. Rothe hebt hervor, daß er schon in der ersten Kammer die Stellung der Regierung zur Sache genügend gekennzeichnet habe. Tie Regierung erachte nach wie vor die Gemeindesteuerreform als eine, der dring­lichsten und wichtigsten Aufgaben und gebe sich der be­stimmten Hoffnung hin, daß es im nächsten Landtag ge­lingen werde, eine Verständigung zwischen den beiden Kammern darüber herbeizuführeni Er wolle hier noch gern bestätigen, daß die zweite Kammer und ihr Ausschuß in redlicher und gewissenhafter Weise bestrebt gewesen seien, die wichtige Reforinarbcit zu einem glücklichen Abschluß zu bringen.

Abg. Winde cker wendet sich mit energischen Worten gegen die persönlichen Ausführungen des Abg. Ulrich auf den Frhrn. v. Heyl. Bei einem so schweren Konflikt zwischen den beiden Kammern sei es ja ganz erklärlich, baß 9(nqriffe hin und her erfolgen. Aber die Bezichtigung der Fälschung und Lüge übersteige denn doch jedes Maß des Erlaubten. Herr Ulrich sei für diese unerhörten Vorwürfe hier im Hause jeden Nachweis einer Berechtigung schuldig geblieben, und Redner muffe daher die Vorwürfe auf§ entschiedenste zurückweisen.

Abg. Ulrich erklärt, er müsse seine Beschuldigungen auf­recht erhalten. (Abg. Windecker ruft: Auch der Fälschung?) Ja, auch der Fälschung. Tann wendet sich der Redner gegen den Zwi'chenriffer, den er u. a. einenHeyloten" nennt.

Präsident Haas schwingt die Glocke und erklärt, baß er beni Abg. Ulrich einen Ordnungsruf erteile, sowohl wegen der letzteren beschimp'enben Bezeichnung, wie wegen der Auf­rechterhaltung des WortesFälschung" einem Mitglieds der Ersten Kauiiner gegenüber.

Ter Ausschiißan traa, der dahin geht, den Antrag derErsten KammeraufReubearbeitung des Gesetz­entwurfs ab zu lehnen, auf den früheren Be­schlüssen der Zweiten Kammer zu beharren, und die Regierung zu ersuchen, den Beschlüssen des anderen Hauses keine Folge zu geben, wird darauf einstimmig angenommen.

Schluß der Sitzung l3/4 Uhr.

Nächste Sitzung Mittwoch vormittag 10 Uhr.

Komische Tagrvschau.

Ein neues Schiffsbauprogramm.

lieber den voraussichtlichen Umfang der neuen Flot­tenvorlage hat bisher wenig verlautet. In den der NeickiS- Negierimg naheü-ehenbm Blättern findet sich selten ein Hin­weis und er Pflegt dann so allgemein gehalten zu sein, daß man einen bestimmten Schluß nicht ziehen kann. Auf Grund von zuverlässigen Mitteilimgen darf nunmehr gesagt werden, daß sehr bedeutende Neuforderungen für die Marine '.u erwarten sind. Es soll sich nicht allein um die A n s l a n ds- fchiffe handeln, sondern um die Aufstellung eines neuen, zeitlich weit greif enben Dau program ms für d i e ganze Flotte, das in der Hauptsache abzielt auf Schaffung eines machtvollen Linienschiffsbestandes. Tem- cntsvrechend sollen die Torpedobootsverbände ver­mehrt werden. Man will offenbar von den noch frisch in der Erinnerung haftenden ostakiatischen Seeschlachten die weiteste Nutzanwendiing für Deutschlands See­wehr ziehen, und man glaubt, daß die andauernd ge­spannte internationale La ge den Reichstag bestimmen wird, auch Forderungen ' für die Marine zu bewilligen, die über den ursprünglich gezeichneten Nahmen beträchtlich hinausaehen. Nun, Fürst Bülow dürste sich bei der ausschlaggebenden Partei vergewissert haben, daß die ihm eventuell beschiedcne Ent­täuschung keine allzu große werden wird.

*

VomVorwärts".

In Berlin geht das Gcrücht, Abg. S t a d t ha g e n werde die Leitung deS sozialistischen Zeniralorgans übernehmen. Die Meldung dürste bei allen bürgerlichen Parlamentariern den Wunsch auslösen, dieser gefürchtetste Dauerredner möge durch seine neue Tätigkeit derart in Anspruch genommen werben, daß er den Reichs­tag in Zukunft weniger oft beim suchen kann. Ter Wunsch drängt sich umsomehr auf, als Stadthagen auf dem Parteitag in Jena die Zusicherung gab, er werde sich bemühen, im Parlament tiodi ruppiger" aufzutreten als bisher. Tiefes Mehr an Ruppigkeit" wird allerdings in der Folge auch ohne Mit­wirkung Stadthagens imVorwärts" nnjutreffen jein, denn der große Kehraus in der Redaktion hat zweifellos die Wirkung, baß an Stelle der revisionistischen Richtung die revo­lutionäre im Zeutralorgan zur Geltung gelangt. Mehring hat gesiegt. Tie ästl^etifiermden Schwarmgeister auf ben Rebaktenrsesseln besVorwärts" werden abgelöst durch Männer des robusten Tones. Bei dieser Entwicklung kann freilich auf der anderen Seite vorauSgesagt werden, baß d's Zentralorgan bei ben süddeutschen Sozialdemokraten no ch unbeliebter werben wird. T tmn gegen die Berliner Sckmobdrigkeit, die sich imVorwärts" wohl breit machen wird, besteht im Süden einmütige Abneigung. So sorgen die Sozialdemokraten selbst b'für, daß ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen. Für das Maß von geistiger Freiheit, welches in der Partei Bebels gestattet ist, bleibt die Geschichte der Palast­revolution imVorwärts" jedenfalls lehrreich, denn sie beweist, daß, wenn selbst alle anderen sozialistischen Theorien über Bord geworfen werden würden, der Satz unerschütterlich ist:Wer nicht pariert, fliegt hinaus!"

Ge^en die Todesstrafe.

Eine besondere Liga in Rußland hat sich den Ktznipf gegen die Tod-S'lr-se zum Ziel gesetzt. Ungewöhnlich, wie alle Formen der Abwehr gegen die Willkürherrschaft der staatlichen Verwaltung, ist auch die Art des Vorgehens, das diese neue Liga in AuSsiclst genommen hat. An dieser Bewegung nehmen die ersten Vertreter der gebildeten Gesellschaftsklassen teil. An

ihrer Spitze die Professoren Kowalski und Mel- i er k o w sowie Graf Leo T o l st o i, der große Ticbter und und Weise. Die Liga beabsichtigt, sich an die vier größten aus. ländischen Gesellschaften von Juristen zu wenden, um einen Protest in ganz Europa gecen die Todesstrafe, in Rußland hervorzurusen. Nach russischem Gcsen ist diese Strafe nicht *uLäfjig, mitb'n sei ihre Anwendung als Mord ousiuf-ssen. Moskauer wie Peters­burger Mitglieder der Liga, herunter hervorragende ru s s. Juristen, wollen einen B c> v k o 11 gegen alle Personen be­schliefen, die cn der Derbäng'.ing der .Tod^sffrafe bireften oder indirekten Anteil genommen bbcn. wie Staatsanwälte, Mit­glieder des Gerichts, Sekretäre, Militär und Gendarmerie, die der Urteilsvollstreckung beizu.wohneii ge-wungen sind. Ter Bvvkott sott soweit gehen, daß die Hausbesitzer jenen Persönlichkeiten Mietwohnungen zu verweigern, die Maga-ine ihnen keine Waren zu verkauien veranlaßt werden, kurz, sie sollen von der an­ständigen Gesellschaft verfehmt werden. In Petersburg will die Liga ihr Meeting in der Aula der 11" versität abhalten. Tie offizielle Erl'ubn-s hierzu ftebt noch auS.

Daß dieser Kampf a-.ch in den unteren Schichten der De- völkerung sehr populär ist, beweist die Tatsache, baß die auS- ständigen Ettenb hner in Mcs'au die Mschassimg dar Todesstrafe in die Liste ihrer F-or^rnnoen rr t orf-u'nommen haben.

(Ählfir und Hule.

Die geschlechtliche Belehrung der Kinder. Zur Geschichte und Methodik deS Gedankens von Maria Lischn ew ska. 36 Seiten. Preis 50 Pfg. Frankfurt a. M., I. D. Sauerländers Verlag. Die Verfasserin bringt einen methodisch aufgebauten Lehrplan, der vom dritten Schuljahre beginnend das Kind vor der Schulcnllaffung zur vollen naturwissenschaftlichen Klarheit aber auch zur ehrfurchts­vollen Auffassung der Quellen des Lebens führen soll. Be­lehrung durch biblische Geschichte und Katechismus wird ab- gewiesen. DieSchweigemethode" der Lehrer und Lehrerinnen wird gegeißelt.Rur ein reines Wissen wird sittliche Taten zeitigen"; dies Wort ist der leitende Gedanke der Schrift.

AiiS Hliidt iinil £rt"ö.

Gießen, 25. Oktober 1905.

Erledigte Lehrer stellen. Zwei mit evangeli­schen Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeinde- schule zu Eberstadt, Kreis Darmstadt. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lchrerstclle an der Ge- rneindcschule zu O be r-R a rn sta d t. Dem Inhaber der Stelle können die Funktionen eines Hauptlehrcrs an dieser Schule übertragen werden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gciueiubeschule zu Merke nfritz, Kreis Büdingen. Mit der Stelle ist Orga­nisten- und Lektordienst verbunden. Dem Fürsten zu Jsen- burg-Virstein ficht das Präsentationsrecht zu ihr zu.

* Die Einweihung des aus seinen Mitteln aus­gebauten und NUN vollendeten Klubhauses auf dem Hoherodskopf feierte am 22. Oktober der hiesige Vogesen- Klub, gleichzeitig Zweigverein des Vogelsberger Höhcnklubs. Eine kleine, aber feftcSfcohe Mitgliederzahl fuhr von Gießen bis Schotten, um bann in fast fußhohem Schnee bei prachtvollem Winterwettcr den Gipfel des Hohe- rodskopfeS zu besteigen. Von einigen Mitgliedern, die schon Tags zuvor die Fahrt unternommen, freudig begrüßt, wurde der Verein durch ben festlich geschmückten Saal zu den an» gebauten neuen Klubzimmern, einem Kneip- und einem Schlafzimmerraum, geleitet, wo ein milder Holzbrand und ein einfaches, aber schmackhaftes Mahl die Glieder wärmte und stärkte. Eine kleine Ansprache be§ Vorsitzenden, worin auch dem Baumeister des neuen Hauses, Herrn Stadtbaiimeister Ger bel, der Dank des Vereins übermittelt wiirde, trug noch zur erhöhten Feststimmung bei. Gestärkt an Leib und Seele traten die Mitglieder nachdem inzwischen die Sonne die Nebelmassen geteilt und mit ihrem Gold die beschncite Hecbst- landschaft überflutet hatte den Rückweg an mit kurzer Rast in Schotten. So nahm die Feier durchweg einen schönen Verlauf und endete erst in später Stunde im hiesigen Klublokal.

Dillenburg, 21. Okt. Jrn Sommer b. IS. beschloß die Stadtvertretimg, die in in ihrem oberen Teil etwas bröckelig geworbene Stadtmauer am Köppcl nieder zu legen, die ?lbbruchSvergebung war schon zur AuS- schrcibimg gebracht. Nur noch wenige Stellen erinnern an die Befestigung unserer Stabt, durch die Lage am Kövpel ist dieses Denkmal aus vergangenen Tagen weithin sichtbar. Die Mauer mit dem anschließenden Wachtturm läßt sich mit verhältnismäßig geringen Kosten in einen Zustand versetzen, der den Witterungseinflüssen Trotz bietet. Ein Verkehrs­hindernis hat diese Stelle der Stadtmauer nie gebildet und wird sie auch nicht bilden. Der Konservator des hiesigen historischen Vereins legte Protest ein gegen den Abbruch, und der Bezirks-Konservator schloß sich ihm an. Nach einigen Besichtigungen und Verhandlungen, in deren Verlauf ba-5 Verbot deS Abbruchs durch den Regierungspräsidenten und die Ablehnung der Neparaturkosten durch die Stadtverordneten- Versammlung erfolgte, wurde in der letzten Sitzung der ge­nannten Korporation die Verfügung des Regierungspräsidenten bekannt gegeben, in welcher die Zwa ng S - Etat isie ru ng deS Betrags der Neparaturkosten für den Fall weiterer Ablehnung angedroht und die Gewährung eines Zuschusses abgelehnt wirb. AuS der Versammlung erfolgte hierauf die Anregung zur Beschreitung des Beschwerdeweges gegen diesen Entscheid; doch fand dies nicht die genügende Unterstützung, da man einem Vorschläge, die Sacheso billig wie möglich" zu machen, mehr zuneigte. ES wird hiernach die Höhe der Reparatiirkosten den Beweis liefern, baß diese dem Voranschläge der Abbruchskosten noch nicht gleich komint.

(Rh. K.)

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Marke auf der Sohle.