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25.4.1905 Zweites Blatt
 
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Redaktton, Expedition u. Druckerei: Schulstr.R. Lei. Nr. bl. Lelegr..Adr. r Anzeiger Lieh«,

Nr. 86 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Dienstag 25. April 1805

vrfcheint mtt Ausnahme de» Sonntags. Rotationsdruck und Verlag der vrühl'lch«

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^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der O W ZT, MM k E W W U, W & B U. B

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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen.

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Voiltische Wochenschau.

Gießen, 25. April 1905.

Das Osterfest ist vorüber. Die deutsche Kaiser­familie verbrachte das Fest im sonnigen Süden an der Küste Siziliens. Der Kaiser, so heißt es, wird demnächst einen Automobil-Ausflug nach Apulien unternehmen.

Mit Ausnahme einiger wichtiger Fragen zeigte sich in der verwichenen Woche auf dem Gebiete der gesamten Politik österliche Ruhe. Der preußische Hochschul-Konflikt brach im Anschluß an die ministerielle Verfügung, daß dem Ministe­rium die Ausschußstatuten der Studentenschaften zur Geneh­migung vorzulegen seien, von neuem au§. Rektor und Senat in Götttingen protestierten in einer öffentlichen Erklärung gegen diesen Eingriff in die Selbstverwaltung der Universitäten. Die offiziöseRordd. Allg. Ztg." äußerte daraufhin wörtlich folgendermaßen:

In Anbetracht der auffälligen Tatsache, daß die Göttinger Eingabe bereits in verschiedenen Mattern veröffentlicht wurde, erscheint es angezeigt, besorgt zu sein. Es handelt sich in Wirklichkeit nicht um eine nahezu selbstverständliche geschäft­liche Maßnahme. Es liegt bekanntlich in der Msicht der Unter­richtsverwaltung, möglichst bald unter Zuziehung berufener Or­gane der Universitäten und technischen Hochschulen einzelne grundlegende Bestimmungen für die Errichtung und die Zuständigkeit der studentischen Ausschüsse aufzustellen. So lange aber diese Angelegenheit noch in 'der Schwebe ist, kann es begreiflicherweise nicht als zuträglich erachtet werden, an dem jetzigen Stande der Dinge etwas zu ändern, und damit vielleicht der weiteren Entwicklung nackiteilig vorzugreifen. Ledig­lich aus diesem Gesichtspunkte ist die Ministerlalverfügung hervor­gegangen, und sie hat daher einen durchaus transitorischen Charakter. Es ist also alle Aussicht vorhanden, daß durch die demnächst stattfindenden Konferenzen der Wunsch des Göt­tinger Senats von selb st in Erfüllung geht. Erst nach dem Abschluß der Beratungen wird eine meritorische Dis­kussion möglich sein, ob in der ganzen Sache die akademische Frei­heit zu ihrem Recht gekommen ist oder nicht. Wir müssen daher zur Zeit davon absehen, in eine nähere Besprechung der Aus­führungen des Göttinger Senats einzugehen.

Ob man in Göttingen und anderwärts mit dieser Er­klärung der Berliner Regierung völlig einverstanden sein wird', scheint zweifelhaft. Das preußische Ministerium des Geistes beabsichtigt offenbar, die studentischen Aus­schüsse unter seine direkte Obhut zu nehmen unter Um­gehung der akademischen Behörden und nennt das eine eine einfache geschäftliche Angelegenheit, von der es vorauS- zusetzen scheint, daß die Universitätssenate ihm darin gar nicht hineinzureden hätten. Das werden weder die preußischen Professoren, noch die preußischen Studenten sich ohne weiteres gefallen lassen und sie werden nach wie vor auf ihrem Posten sein, um die arg bedrohte akademische Freiheit nach Kräften zu schützen.

Der Tod des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Gutbrod, der kaum zwei Jahre lang seinen verantwortungsreichen Posten bekleidete, wird möglicherweise eine Verzögerung in der Entscheidung über den lippeschen Thronfolgestreit veranlassen, der übrigens soeben der Gegenstand eines neuen Prozesses geworden ist. Der Vizepräsident des lippe­schen Landtags hat gegen den verantwortlichen Re­dakteur der -Lipp. Landesztg." die Beleidigungs­klage eingereicht, weil dieLandesztg." ihm den Vornmrs gemacht hatte, daß er mit den Schaumburgern, als den Gegnern der Staatsregierung, konspiriere, daß er von ihnen Instruktionen entgegengenommeu habe und daß sein Ver­halten an Hochverrat grenze. Der Prozeß dürfte große Heberraschungen bringen.

Frankreichs auswärtige Polittk macht gegenwärtig eine Krisis durch. Delcasse hat sich bei allen seinen politi­schen Kombinationen auf die Position eines starken russischen Bündnisses gestützt. Als der russisch-japanische Krieg Ruß­lands Schwäche enthüllte, gelang es ihm nicht, den richtigen Augenblick zur Frontveränderung zu finden. So hatte er in einer der letzten Sitzungen der Deputiertenkammer seine marokkanische Prote"ktoratspolitik zu verteidigen. In der Kammer wurde von allen Seiten anerkannt, daß zwischen Frankreich und Deutschland ein Mißverständnis vor- liegt und von feiten der Regierung wurde erklärt, sie sei bereit, es zu beseitigen und erwarte deutsche Vorschläge. Das klingt versöhnlich und entgegenkommend, enthält aber leider den Grundirrtum, es sei ein Bedürfnis Deutschlands, die neuesten Schritte seiner Politik in Marokko zu legalisieren, und Frankreich verfahre liebenswürdig, ja, wie ein englisches Blatt sich ausdrückt, großmütig, wenn es zur Erfüllung dieses deutschen Wunsches die Hand biete. Solche falschen Grund­ansichten dienen lediglich zur Verlängerung desMißver­ständnisses". Deutschlands Vorgehen in Marokko bedarf keiner fremden Genehmigung, weil es sich nirgends mit dem anerkannten Völkerrechte, weder mit dessen allgemeinen Regeln noch mit den besonderen auf Marokko bezüglichen Abmachungen in Widerspruch setzt. Unmittelbare Verhand­lungen mit der marokkanischen Regierung, Sondergesandt­schaften an den Hof des Sultans, Regelung der Beziehungen zum Sherifischen Reiche als zu einem unabhängigen Lande selbständige Wahrnehmnng der eigenen Interessen, dies alles ist in Marokko Rechtens, ist der auch m dem engüsch- sranzösischen Abkommen anerkannte Status quo.

Erstaunen schreibt der ,®au(oi§* zu der nut allerhand Volks- festlichkeiten verbundenen Reise des Grafen von Hattenbach nach Fez, offenbar beabsichtige Kaiser Wilhelm direkte Be­ziehungen zum Maghzen anzuknüpsen. Novum liegt

ater gerade darin, daß Frankreich herkömmliche Beziehungen unterbinden, sich zwischen der marokkanischen Regierung und anderen Mächten als Kontrollinstanz einschieben und spätestens in 30 Jahren seine Schutzherrschaft über Marokko aufrichten will. Diese französischen Ansprüche sind es, denen eine der Madrider Konvention von 1880 entsprechende völkerrechtliche

Legalisierung fehlt. Sie zu beschaffen, fft Aufgabe der sran- zösischen Diplomatie.

Deleaffä selber brachte in der vergangenen Woche sein Entlaffungsgesuch ein. Am Samstag aber erschien eine offiziöse Rote, die konstatierte, daß DelcaffH eine Unterredung mit Rouvier hatte bezüglich der Erklärungen, welche Rouvier am Mittwoch in der Kammer bei der Marokko-Debatte abgab, und alsbald zog Delcassö seine Demission zurück. Diese Rote bestätigt, daß tatsächlich infolge des Eingreifens Rouviers in die Marokko-Debatte eine Spannung zwischen Rouvier und Delcaffö bestanden hatte. Pariser Blätter ver­muten, daß Präsident Loubet in einer Unterredung mit Deleassß diesem vor Augen geführt hat, daß sein Rücktritt unter den jetzigen Verhältnissen Frankreich in eine prekäre Lage gebracht hätte. Sie geben jedoch auch der Ansicht Ausdruck, daß es nicht ausgeschloffen sei, daß Deleassö nach einigen Wochen seinen Rücktritt dennoch zur Tatsache machen werde.

Die Verhandlung über den Gesetzentwurf betreffend die Trennung von Kirche und.Staat hat in der Deputiertenkammer zu Paris bisher einen für den Gesetz­entwurf günstigen Verlauf genommen. Die vier ersten Artikel des Gesetzes sind genehmigt.

Ztr der an Porzellanfabriken reichen französischen Stadt Limoges brach ein ArbeiterauAstand aus, der eine Auf­wendung von militärischer Hilfe nötig machte. Die streiken­den Arbeiter überschütteten das Militär mit einem Hagel von Eifenstücken und Steinen: als die Soldaten dann ohne Befehl von der Schußwaffe Gebrauch machten, wurde ein Arbeiter getötet. Zm Parlament wurde am 22. d. M. der Vorfall zur Sprache gebracht. Der Minister des Innern Etienne zeigte die Beilegung des Konfliktes an, worauf die Kammer 50 000 Francs für die Opfer beg Streiks bewilligte.

Der Besuch des englischen Königspaares in Algier und der algerischen Hafenstadt Philippe Ville mußte die französische Republik für die vielen Unannehmlichkeiten auf dem Gebiete der äußeren Politik schadlos halten. Loubet hofft das englische Königspaar bei seiner Rückreise nach England 48 Stunden in Paris bewirten zu können. Es ist noch fraglich, ob nicht das Interesse Englands an der englisch-japanischen Allianz diesen Besuch im letzten Moment vereiteln wird.

Der italienische Eisenbahn erstreik wurde durch die entschiedene Haltung des Ministeriums rasch be­endigt. Der Eisenbahnerdienst wurde in ganz Italien am 22. d. M. in regelmäßiger Weise wieder aufgenommen. Das Verstaatlichungsgesetz der italienischen Eisenbahn ge­langte in beiden Kammern mit großer Mehrheit zur An­nahme. Damit ist ein großer Fortschritt auf dem Wege der wirtschaftlichen Sanierung Italiens errungen.

In Kreta eröffnete Prinz Georg von Griechenland die Kammer mit einer Darlegung seiner Politik. Die Kammer proklamierte den Anschluß Kretas an Griechenland, ihre Mitglieder leisteten den Nd auf die griechische Verfassung und schwuren dem König Georg Treue. Die Zollbehörde hat Dokumente ausgegeben mit der AufschriftKönigreich Griechenland". Vor dem Gericht erklärten Advokaten, an keiner Versammlung teilnel/men zu können ohne Anwendung der griechischen Gesetze. Die Bevölkerung feierte das Fest der Vereinigung. Italienische, französische und englische Truppen haben verschiedene Punkte der Insel besetzt. Die Behörde machte den Versuch, den griechischen Zolltarif ein­zuführen, wogegen die Konsuln Der europäischen Mächte protestierten. Die beabsichtigte Einführung wurde alsbald aufgegeben. Der Oberkommissar Prinz Georg wird den Be­schluß der kretensischen Nationalversammlung unverweilt den vier Schutzmächten zur Kenntnis bringen. Man nimmt an, daß die Mächte zwar die Unabhängigkeit Kretas nicht dirett anerkennen, daß sie jedoch einwilliqen dürften, daß die internationalen Truppen durch griechische ersetzt werden.

Sehr bemerkenswert ist, daß der italienische Minister des Mußern Tittoni am 29. April in Venedig den Be­such des österreichisch-ungarischen Ministers des Aeußern Grafen v. Goluchowski empfangen wird, was ein neuer Beweis für die ausgezeichneten Beziehungen der beiden verbündeten Staaten ist. Der Besuch hat den Charakter einer Kundgebung und des Austausches von Höflichkeiten. Vor allem erblüft man in der Entrevue ein Dementi jener Kommentare, die aus Nichterwähnung Oesterreichs in dem letzten Trinkspruch des Königs Viktor Emanuel in Neapel und aus den Verstärkungen der Rüstungen in Oberitalien eine gewisse Trübung des Verhältnisses zwischen Oesterreich und Italien deduzieren wollten. Im Vordergrund dürften aber die bulgarische Königsfrage und die macedonischen Re­formen stehen. Auch die Annexion Kretas wird ver­mutlich in den Kreis der Erörterung gezogen werden, da Italien die einzige Dreibundmacht ist, die den Schutzmächten angehört.

Rußland bietet immer noch das alte Bild. In der letzten Woche war von geheimnisvollen Attentatsversuchen auf die Zarin-Mutter die Rede. Es wurden dabei die Namen der Nichte des Generals Trepow, ihrer Schwester, der Fürsttn Teniscbew, und -der Tochter des Generals Leontjew genannt, die in das Komplott verwickelt waren. In der Realschule zu Romny in Polen explodierte eine Bombe während des Unterrichts. Ein Schüler wurde ge­tötet, mehrere verwundet. In Warschau feuerte ein Infanterist an einer lebhaften Straßenecke aus seinem Gewehr mehrere Schüsse ab und verletzte zwei jüdische Ar­beiter und ein Mädchen schwer. Ein Schutzmann und Sol­daten von einer Patrouille konnten den Mörder nicht ent­waffnen. Dieser tötete dann den Maler Tropinski und verletzte einen Feldwebel schwer, bis er ergriffen und gefesselt werden konnte. Ter MörderdesGroßfürsten Sergius, Koliajew, wurde in seinem Moskauer Prozeß zum Tode verurteilt. Wie man bestimmt versichert, wird er aber nicht hingerichtet, sondern lebenslänglich im Kloster Susdal ein gesperrt werden.

Aus dem mandschurischen Kriegsschauplätze begann eine neue aggressive Bewegung der Japaner. Sie befestigen bei Charbin fieberhaft die Positionen östlich und westlich der Eisenbahn. Diese Arbeiten werden gewöhnlich

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beobachtet vor ihrem Vorgehen. Erschreckend groß ist die Menge Wahnsinniger, die den Kriegsschauplcch verlassen müssen. Die Militärhospitäler in Moskau sind überfüllt. Wo nur Platz für 3040 Kranke ist, müssen hundert unter­gebracht werden. In verschiedenen Militärhospitälern kam­pieren die Kranken auf den Korridoren. Die Bewegung ber Japaner nach Osten ist in der Linie PatsiatLU-Tucmgu- Ufanhu zum Stehen gekommen.

Japan ist mit Frankreich in erhebliche Diffe- r e n z e n geraten, da es dem russischen Geschwader uitttt! Roschdjestwenski eine Verprovicmtiermrgsstätte in der Kam- ranhbucht gewährte. Japan sandle eine Protestnote an Frankreich ab und teilte den Verein. Staaten seine gegen die französische Neutralitätsverletzung begonnenen Schritte mit. In Japan erwartet man, Frankreich werde eine Untersuchung über die Berechtigung der japanischen Klagen beantragen. Die japanischen Blätter kommentieren die Neutralitätsfrage eifrig. Fast täglich finden in Tokio Versammlungen ft att, in denen die Haltung Frankreichs auf das schärffte getadelt wird. Der englische Botschafter in Paris hat seinen Oster­urlaub unterbrochen und ist nach Paris zurückgekehrt, um dem Ministerium des ^Aeußem eine Note der engllschert Regierung zu überreichen, in der die Vorstellungen Jch-ans wegen des Verweilens der baltischen Flotte in der Bucht von Kamranh unterstützt werden. Die Note ist in ber höf­lichsten Form abgefaßt. Inzwischen ist die französische Re­gierung amtlich davon verständigt worden, daß das russische Geschwader die Bucht von Kamranh verlassen hat. Mcm erhielt in Paris vom Petersburger Kabinett die Versicher­ung, daß Roschdjestwenski angewiesen worden sei, sein Ver­halten künftighin so einzurichten, daß Fransi:eich keine Rella- mationen von japanischer Seite zu gewärttgen haben werden In Hongkong erwartet man das soforttge Aus­laufen der englischen Flotte. Die Lokalbehörden zeigen dort äußerste Wachsamkeit hinsichtlich der auslaufen- den Frachtschiffe, die stteng auf Konttebande untersucht werden. Ein Dampfer, der in dichtem Nebel durchbrennen wollte, wurde angehalten und englische Wachen daraus belassen.

Ausland.

P a r i s, 24. 'April. In politischen Kreisen ist man über das Verbleiben Delcasses im Mute sehr befriedigt. Pattie" versichert, in den Wandelgängen der Kammer habe ein sehr bekannter 'Abgeordneter erklärt, Delcasss möge sich später zurückziehen, aber er dürfe es nicht auf Be­fehl Kaiser Wilhelms.

Präsident Loubet ist gestern abend nach Bor­deaux abgereist, um dem dortigen Bun des turn fest unb der Einweihung des Gambettadenkmals beizn- wohnen. Mit dem Präsidenten sind nach Bordeaux gereift die Minister des Innern, des Krieges und der öfientlichenl Arbeiten, der Unterstaatssekretär der schönen Künste Du- jardin-Beaumetz und Senatspräsident Fällröres. Dek- cassd entschuldigte sich, er könne nicht, wie vorge­sehen, Loubet begleiten. Beim heuttgen Empfange in der Präfektur zu Bordeaux stellte der Präfekt dem Präsidenten das Konsularkorps vor. Der Präsident gab dabei seiner Freude Ausdruck, von den guten Beziehmrgen zu hören, die zwischen den fiemden Konsuln und den Behörden sowie der Bevölkerung unterhalten würden. Die Konsuln trugen so dazu bei, die Bande der Eintracht unb Freund­schaft enger zu knüpfen, die Frankreich MMcherweifej mit allen Nationen unterhalte. Der Präsident tnie8f darauf hin, daß die Regierung und die öffentlichen Ge­walten stets bemüht seien, für die Besserung der Lage der Armee einzutteten. Der Präsident fügte hinzu: Wir haben! auf die Armee und die Marine die größten HoffnunaenI gegründet. Ihre Stärke ist die beste Sicherheit für benj Frreden und die Würde des Landes. Kriegsminister Bor­te aux erwiderte beim heutigen Festmahl auf einen vmt den Vorständen der ausländischen Turnverbände ausge­brachten Trinkspruch: Dem Rate Gambettas folgend, richtete das republikanische Frankreich gleich nach seinem Unglück seine Kräfte wieder auf, nicht, um damit zu drohen, sondern um cm die Freundschaft der Nachbarnattonen z» appelieren.

Rom, 22. April. Der auf der Urlaubsreise hier befind» liche Staatssekretär des deutschen Reichsmarineamts Ad­miral v. Ti r pi tz stattete heute dem Marineminister Mir a-/ bello einen Besuch ab.

Am Nachmittag traten die Botschafter von Englands Frankreich und Rußland, als Vertreter der Schutzmächte von Kreta beim Minister des ^Aeußeren zu einer Beratung zusammen, die geheim gehalten wird.

Petersburg, 22. April. Prinzessin Heinrich von Preußen wird, ohne Moskau besucht zu haben, am 25. April nach Deutschland zurückreisen.

C a n e a, 23. April. Der Oberkommisiar Prinz Georg, ließ den Deputierten die Antwort der Garanttemachte Mit­teilen, in welcher sie ihre Entscheidungen beftättgen. Mej Deputierten beschlossen, mit dem Volke sich über das nun­mehr zu beobachtende Verhalten zu verständigen. Sie er* wählten aus ihrer Mitte eine zehngliedrige Kommission, welche sich mit dem Revoluttonskomitee in Therisso über ein in der Folge zu beobachtendes gemeinsames Verhaltevt ins Einvernehmen setzen soll. (Berg!. Wochenschau.)

Tanger, 22. April. (Meldung der Agenee HavaS.^ Die Stämme der Donkala, Dschiadma und Mtuga in dep Nähe von Mogador sind in vollem 'Aufstande. Diq Scheits der beiden letzteren Stämme sind getötet toorbetL

Constantin (Algier), 23. April. Den letzten Anord­nungen zufolge werden der König und die Königin von En glaub heute nacht Philippeville verlassen, um sich zunächst nach Sardiuie n und bann nach Korsika zu begeben. Das Eintteffen in Marseille ist für den 2& 'April vorgesehen.

Aus Stadl und Land.

Gießen, 25. April 1905.

** Die Erinnerungsmedaille an die Hochzeit des Großherzogspaares wurde dem Oberbürgermeister Köhler in Worms sowie dem Gießener Stud. jur. Fried-