bindSngen unterdrücken, oder auch die katholischen Korporation^ bestehen lassen.
Abg. Dr. P o r s ch (Ztr.) erklärt, wenn ein Kultusmimster dein kathol. Volksteile sein unbestreitbares Reckt nicht verkümmere, so bezichtige man ibn der Liebedienerei gegen das Zentrum. Der Minister habe die katholische Korporationen eine unerfreuliche Erscheinung genannt. Das Zentrum betrachte sie als erfreulich, unterstützungswert und unterstiitzungsbedürftig. Die katholischen Korporationen hätten "nur den Zweck, den jungen Leuten den Mauden zu erhalten, den sie aus dem Elternhause mitgebracht hätten. Aber trieben denn nur die katholischen Verbmd- ungcn konfessionelle Absonderung? Redner verliest die Lifte der evangelischen und jüdischen Verbindungen.
Frhr. v. Zedlitz (ft) meint, nur dadurch, daß in der Hannoveraner Sache von den Ministerialinstanzen so merkwürdig verfahren worden sei, werde es psychologisch verständlich, daß der Glaube entstehen konnte, die akademische Freiheit sei gefährdet. , „ .
Abg. Dr. Zwick (ftf. Vp.) stimmt dem Vorredner ,m gemütlichen zu. Er und seine Freunde fühlten volle -bc^ ge^^rung für die akademische Freiheit und hätten dem zu jeder Zeit Ausdruck gegeben. Sie sei notwendig, um die Generation, die künftig an der Spitze des Staates stehen
soll, gehörig vorzirbereiten.
Abg. Graf Limburg-Stirum (t) tritt gleichfalls für die akademische Freiheit ein, mahnt aber zur Mäßigung. Sollten ^isländische Studenten ihr Gastrecht miß* lr-.aucken und in der jüngsten Bewegung eine Rolle gespielt haben, so bitte er den Minister, sie nicht schonend
zu behandeln.
Einen Sturm von im Llbgcordnetenhaus selten erlebter Heftigteit gab es, als der nationalliberale Abg. Tr. Jä- necke-Hannover den auf Katholikentagen angeschlagenen Ton rügte. Wie es in den Wald hineinschallt, so schalle es heraus! (Entrüstete Rufe aus dem Zentrum: „Beweisen! Beweisen!") Mit lauter Stimme des Tumultes L»?rr werdend, verwies Dr. Jänecke auf die Ausführungen seines KoNegen Dr. Hieber im Mich § tag.
Ministerialdirektor Tr. Althoff gibt der Meinung darüber Ausdruck, daß die Depesche nach Innsbruck besser unterblieben wäre. Die Unterrichtsvcrlvaltuna sei der Ansicht, daß die Grenzen der akademischen Freiheit möglichst weit gezogen werden sollen. Auch habe der Kultusminister im Auftrage des Kaisers audsrücklich erklärt, daß an eine Einschränkung der richtig verstandenen akademischen Freiheit nicht gedacht werde. Er sei weit davon entfernt, den Studenten irgend welck^n Vorwurf daraus zu machen, daß sie die akademische Freiheit verteidigen, aber wenn man jetzt nicht einmal wisse, wodurch die akademische Freiheit gefährdet sein solle, könne er nur — mit Bezug auf die Schillerfeicr — auf die Studenten- politik zitieren: „Ewig jung ist uns die Phantasie!"
Abg. v. Eynern bemerkt, daß er sich dieser Studentenbewegung freue. Nach den Taten der letzten 20 Jahre sei es notwendig gewesen, daß der deutsche Geist sich endlich gegen den Ultramontanismus empörte. (Lebhafter Beifall links:langanhaltende Unruhe, Lärm und La chen im Zentrum.)
Ministerialdirektor Dr. Althoff erklärt, er hätte die objektive Beleidigung schon gestern zurückgenommen, wenn er nicht gefürchtet hätte, damit wiederum seine Befugnisse als Regierungskommissar zu überschreiten. Er erklärte mit dem größten Vergnügen, daß ihm der Gedanke, den Aba. Friedberg zu beleidigen, völlig senil gelegen habe. (Lebhafter Beifall.)
Kultusminister Dr. Studt erinnert daran, daß er schon vor Jahren seine Politik programmatisch als eine Politik des Friedens bezeichnet habe. Er müsse aber daraus bestehen, daß in jedem einzelnen Falle eine Ordnungswidrigkeit wieder gutgemackt und der akademischen Disziplin Genugtuung verschafft werde.
Das Ergebnis der stellenweise sebr beweaten Debatte ist: Hinsichtlich der Kundgebungen und der akademischen Freiheitwill die Unterricktsverwaltung entgegenkommen, dagegen soll an den k o n s e s s i o n e l len Hochschulverbindungen,obschon sie, wieStndt sagte, „unerfreulich!" sind, nicht gerüttelt werden. Tenn es fehlen zu ihrer Beseitigung die rechtlichen Voraussetzungen. Ob dieser Zusicherung war das Zentrum besonders erfreut.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Febr. 2-er Kaiser besichtigte gestern nachmittag im alten Akademiegebäude ein bon. Professor Gehrt für die Stadt Wiesbaden entworfenes Modell zu einem Denkmal Kaiser Wilhelms I. Heute unternahm Se. Majestät den gewohnten Spaziergang im Tiergarten, hatte eine Besprechung mit dem Reichskanzler und hörte die Vorträge des Chefs des Generalstabes der Armee und des Chefs des Militärkabinetts.
— Die Kaiserin konnte wegen einer Erkältung dem gestrigen Honest im Königlichen Marstall nickt beiwohnen. Aus demselben Grunde konnte sie auch die heutige Vorstellung im Zirkus Busch zum Vesten des Roten Kreuzes nicht besuchen.
— Gegen,eine,Einmischung in die russischen Verhältnisse soll sich Kaiser Wilhelm verwahrt haben. Dem Berliner Korrespondenten des „Petit Parisien" soll ein hoher Staatsbeamter, der im Auswärtigen Amt zu suchen sei, einen amtlichen Bericht gezeigt haben, in welchem auf die angebliche Stell- ungnahme des Kaisers zu den russischen Wirren Bezug genommen war.. Der Bericht war dem Kaiser selbst vorgeleqt worden, und der Kaiser versah ihn mit der mit Bleistift geschriebenen Randbemerkung: „Gelogen, Gottbewahremichdavor, mich in die inneren Verhältnisse anderer Länder ein z u m i scheu." Der Staatsbeamte hatte den französischen Journalisten ausdrücklich ermächtigt, diese Worte zum Zwecke der Veröffentlichung zu kopieren.
. r ~,2er „Oftpr. Ztg." wird gemeldet: In gut unterrichteten Hostreiien verlautet, daß die durch kaiserliches Telegramm erfolgte Rückberusung deS Kronprinzen von ff l o r e n z nach Berlin in erster Linie auf den schiefen AuSgang der Montignoso-Affäre zurückzuführen ist. Stand eine Rückwirkung der öffentlichen Meinung in der italien'sben Stadt, die sich leider zumeist auf feiten b^r früheren sächsischen Kronprinzessin befindet, in irgend einer Form für das kronpnnzlicke Brautpaar auch nicht direkt zu befürchten, so wollte man dasselbe doch nicht länger in einer Atmosphäre wissen, in der eine derart peinliche Angelegenheit das TageZges^-ck bildet.
— Gegenüber der Behauptung, T^irft Bismarck sei zu einer wesentlichen Herabsetzung der Getreidezölle gegenüber Rußlands bereit gewesen, veröffentlicht „Die Post" zwei Briefe des Fürsten Bismarck an den damaligen L^nd- wirtschaf^Minister v. Lu^us cn^äßl'ck der -Alvorlag- von 1887, welche die Getreidezölle^dis 1892 festlegte. In dem ersten, datiert Friedricksruh, den 4. Dezember 1887, beißt es u. er ;
„Meines Erachtens.würd' eS nützftck fein, in der Kommission mehr daraus hinKMveisen, daß die Erhöhung brr Getreid^ölle uns die einzige Handhobe bietet, dem russischen Prohib'Nv- spstem wirksam entgegenzutreten. Wir können wegen der Zftl- fragen keinen Krieg mit Rußland beginnen, aber dnr^ Erschwerung der russischen Emfuh: nach Deutschland Rußland uötmrn auf unsere Jntereßen mchr Rücksicht zu nehmen. Dazu bieten die Getreidezölle die erste und wirkiamste Handlwbe."
In dem zweiten Briefe, datiert Friedrichsruh, den 11. Dezember 1887, heißt es:
„Ich habe keine Bedenken gegen die in Aussicht genommene Haltung bei der zweiten Beratung der Getreidezölle. Ich bin der Ansickn. daß die Verbündeten Regierungen zwar an der Vorlage festhalten, aber schließlich nehmen müssen, was sie bekommen können, einmal ans finanziellen, dann aber auch aus agrarischen Gründen, da auch eine geringe Steigerung der Z'stle immer einigen, wenn auch geringen Nutzen für die Landwirtschaft haben wird."
Detmold, 23. Febr. Tas fürcklicke Hofmarschallamt chbt bekannt: „Zu der am 27. Februar in Berlin statt- inbenb.it Feierlichkeit brr Einweilmng bes neuen D omes ist von bem Kaiser auch eine gnädige Einladung an den Regenten des Fürstentums Lippe ergangen. Graf Leopold bat sich jedoch versagt, wäbrend des schwebenden schiedsrichterlichen Verfahrens über die Thronfolge der Einladung Folge zu leisten, und in diesem Sinne dem Kaiser ehrerbietigst g e d a n k t."
Hof, 23. Febr. Bei der R e- i ck s t a g s e r s a tz w a h l im bifTqm Wahlkreise siegte in der Stichwahl Tr. Goller, der Kandidat der vereinigten Liberalen, mit 3500 Stimmen Mehrheit über Geißler lSoz?>
Alnsdnud.
Paris, 23. Febr. In Nachahmung des deutschen Bei- piels bat auch die französische Negierung den Vereinigten Staaten ein Geschenk gemacht, und zwar aleichsalls eine Bildhauerarbeit. Nur stellt sie keinen großen Franzosen, sondern einen großen Amerikaner dar. Es ifl nämlich eine zeitgenössische Marmorbüste von Georges Washington.
Adis-a-Beba, 23. Febr. 'Der feierli che Empfang der deutschen Mission durch Kaiser Menelik sand am 17. Februar statt. Der Negus sowie die Kaiserin Taitu bezeugten ihre Freude über die vo« dem Führer der Mission im Namen und mit den Grüßen des deutschen Kaisers überreichten Geschenke und baten, ihren Dank und ihre Gegen- grüße zu übermitteln. Kaiser Menelik lud daraus alle Mitglieder der Mission, die Garde-dtt-Korps-Eskorte und die hier lebenden Deutschen zu einem P ru n k m a h l e ein, an dem etwa 5000 Personen teilnahmen. Alle Großen des Reichs waren zugegen. Der Negus erwies den Gästen große Freundlichkeit. Wiederholt äußerte er jüänc Bewunderung für die deutschen Soldaten.
(Steer und K otte.
London, 23. Febr. (Unterbau§.) Der Kr iegs- mini st e r verteidigte gegen schwere Angriffe die Heeresverwaltung und stellte es besonders in Abreve, daß das Heer wertloser geworden sei. Das für das Heer ausgegebene Geld sei gut angelegt; er glaube aber, die Ausgabe sei zu groß gewesen; der einzige Weg, d^se 9ln3gabe zu vermindern, sei die Herabsetzung der Zahl der Mannschaften. Das Heer sei jetzt 275 000 Mann stark. Das Lysiem des dreijährigen Dienstes habe den Anforderungen nicht entsprochen; wenn dieses System weiter beibehalten worden märe, wäre das Heer unbrauchbar für den Krieg geworden. Für die Infanterie sei deshalb die neunjährige Dienstzeit als zeitweilige Maßregel eingeführt worden und habe gute Ergebnisse gezeitigt. Bezüglich der Freiwilligen sei es sein Wunsch, diese Truppe ohne Erhöhung der Ausgaben tüchtiger zu machen durch eine mäßige Herabsetzung der Zahl der Mannschaften. Es sei nicht richtig, daß die Bewaffnung der Artillerie mit den neuen Schnellwuergeschutzen verzögert worden sei. Deutschland habe ein Geschütz eiugesührt, das 'ein wirkliches Schnellfeuergeschütz sei. England werde am 31. März 156 Schnellfeuergeschütze haben und bis Juli weitere 50; innerhalb von 30 Monaten von der ersten Bestellung der neuen Geschütze an werde England ja ft tausend Geschütze mit vollständiger Ausrüstung haben. Das neue Gewehr entspreche allen Anforderungen.
Aus Stadt und Zand.
Gießen, 24. Februar 1905.
** Gegen die Schnakenplag-e wird, wie aus der heutigen Bekanntmachung der Großh. Bürgermeisterei Gießen hervorgeht, ven Amtswegen vorgegangen. Die Vertilgungsarbeit in Kellern usm. wird durch besonders hierfür ausgebildete Leute ausgeführt und zu gegebener Zeit auch an die Vernichtung der Schneckenbrut in stehenden Gewässern, Wassertümpeln usw. gegangen werden. Gs. darf wohl vorausgesetzt werden, daß den mit dieser Artzeit Betrauten von Seiten der Interessenten, in erster Lirvre der Hausbesitzer, jede mögliche Unterstützung zu teil ivirb>
** Plötzlicher Tod beim Baden. Gellern vor- mttag 11 V2 Uhr wurde die zu Besuch, weilende Gattin ides Reichstagsabg. Dr. Becker aus Sprendlingen in einer Badezelle des hiesigen Volksbades tot auf- gefunden. Die Dame, eine geborene Gießenerin, batte die Gewohnheit, gleich nach dem Bade einer Wärterin zu klingeln, um sich frottieren zu lassen. Da sie gestern mittag bereits geraume Zeit in der Zelle-verweilt hatte, so begab sich die Wärterin an die Zelle, erhielt aber auf Klopfen und Rufen keine Antwort. Sie betrat die Zelle und fand Frau Dr. B. tot in dem Wasser der Badewanne. Wiederbelebungsversuchr halten feinen Erfolg. Als Todesursache wurde Tod durch Ertrinken sestgestellt. Wahrscheinlich wurde die Dame plötzlich von einem Unwohlsein befallen, fo daß sie ins Wasser sank und Hilflos ertrinken mußte.
**Jn dem dritten ber Vorträge aus der Altertumswissenschaft schilderte Professor Sauer die teils durch schriftliche Ueberlieferung, teils durch Denkmäler uns einigermaßen verständlich und anschaulich gemachte Entwickelung der griechischen Nialerei. Er führte als Vertreter der älteren Kunst, die zivischen Gefäßmalerei und monuiuen- taler Malerei noch nicht streng unterschied, eine Reihe von Vasenbildern vor und erläuterte an pompejanischen und römischen Wandbildern das Nachlebcn bedeutender Werke in der spätantiken Dekorationsmalerei. Endlich suchte er auf Grund dieser und der eigentümlichen Gemäl^" auf Marmor- Bafeln eine Vorstellung von der verlorenen Ku ift berühmter Meiller, besonders des Rikias, des Thimainhes und des Volygnot zu geben und schloß mit einer eingehenden Schilderung des figurenreichen Bildschmuckes der von letzterem ausgemalten Lesche der Knidier zu Delphi.
•• Aus Kollekteurkr eisen der Hess. Landes» [ otterie verlautet, daß bezüglich der Hessischen Landeslotterie ein Ue herein ko mm en mit Preußen abgeschlossen werde, nach welchem gegen eine bestimmte, alljährlich zu zahlende Quote an Hessen die Landeslotterie aufgehoben und die preußischen Lose zum Betriebe in Hessen zügel a s s e n werden.
** Der Gießener Lesehalle-Verein halt beute abend um 8 Uhr im Cal? Ebel eine ordentliche Mitalieder- Versammlung ab, worauf auch an dieser Stelle hingewiesen sei.
** Ein Akt größter Rohheit wurde in verfloffener Nacht von vier jungen unbekannten Herrn verübt, indem sie den Schaukasten eines Photographen am Seltersweg erbrachen, die Scheibe zerschlugen, eine Anzahl Bilder heraus auf die Straße warten und auch einige Bilder mit fort nahmen. Der Schaden beläuft sich auf 100 Mk. und hat der Geschädigte demjenigen 20 Mk. Belohnung zugesichert, der die Täter namhaft macht oder doch so bezeichnet, daß sie festgellellt werden können.
k— Friedberg, 23. Febr. Heute nachmittag wurde durch ein<m Haus7"wsckcn auf einem Bleich platze die Leiche eines neugeborenen Kindes männlichen Gcscklecktes, gefunden. Das Kind trAr nackt in einen Packbogen gewickelt. Auf Anzeige begab fiel) eine Gericktskcmm'ssivn an die Fundstelle. Wabrsckeinlt'ch hat die Mutter, die offenbar in der letzten Nackt geboren hat, das Kind — ob lebend oder tot, wird fick erst aus den ärztlichen Gutackten ergeben — sofort an die Fundstelle gebracht.
§ Laubach, 23. Febr. Der kürzlich an Typhus schwer erkrankte Graf Georg geht seiner Genesung entgegen. Auffallend ist, daß im hiesigen Gräflich Sclrnsischen Schlosse sckon mehrfach Tvphnserkrankungen vorgekommen sind. So starb auch Graf Otto, der Vater des Grafen Georg, erst 43 Jahre alt, im September v. I. an Unterleibstyphus und Blinddarmentzündung. Trotz sorgfältiger Umarbeitungen der Wasserleitung ist jetzt schon wieder die tückische Krankhe-it aufgetreten. Graf Georg ist fast 6Jahre alt und hat noch drei jüngere Brüder und eine Schwester.
o. Orten berg, 23. Febr. Der Staatsanwalt aus Gießen meine vor einigen Tagen hier wegen des spurlosen Verschwindens der lOjähr. Emma Suhp» Es war der Verdacht ausgesprochen worden, die Pflegeeltern des Kindes hätten dieses mißhandelt. Die Untersuchuugj ergab jedoch die völlige Grundlosigkeit des Verdachtes.
-s» Orten berg, 23. Febr. Zur Ausbeutung der Mineralquellen K to ste r b tu n n e n undBenediktus- brunneu bei Selters hat sich eine Aktiengesellschaft mit bem Sitz in Gießen gebildet, die auch die Herstellung von Babe- unb Heilanstalten plant, wozu das erforderliche Gelände bereits erworben worden ift.
Hcrichtslaal.
Gießen, 27. Febr. Die Strafkammer hatte heute ein Urteil des Scköffengerichts Alsfeld zu prüfen, das von dem Schreinergesellen Anton P. von Alsfeld angefochten worben ist. Er hatte nach einem Wortwechsel einem Mitgesellen mit einem Hammer den rechten Ellenbogen zerschlagen, sodaß dieser sieben Wochen arbeitsunfähig war. Seine Berufung, die sich gegen die Strashöhe von drei Monaten Gefängnis richtete, wurde ihm zum Verhängnis, da das Gericht bie Strafe auf fünf Monate erhöhte. — Sodann wurde der 16 jährige Heinrich Frieb- rich Tr. ans Friebberg weg^n Sittlichkeitsverbrechens zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Er hat sich in mehrere Fällen an schulpflichtigen Mädchen in unsittlicher Weise vergangen, zum Teil sogar an seinen eigenen Schwestern. Mit Rückficht äuf die Höhe der ' erkannten Strafe, würbe seine Ver- bafttmg beschlossen. — Weiter wurde gegen den Bürgermeister Konrad E. von Kefenrod wegen Vergehens im Dä en st, bezw. falscher Beurkundung verhanbelt. Er hat in ver- schiebmen Fällen Unterschriften beglaubigt, ohne baß bie be- treffenbe Person die Unterschrift selbst vollzogen hatte. In andern Fällen beglaubigte er die Unterschriften, ehe unterschrieben war. Weiter hat er z. B. Ende März schon bescheinigt, daß ein Renten- bezugsberechtigter am 1. April noch am Leben war usw. Tas Gericht kam entgegen der Meinung bes Verwaltungsgerichts- hoss zur Freisprechung des E., da sämtliche Verfehlungen nicht imierhack seiner Zuständigkeit vorkamen. Es seien dieses Storr Usck-wr>'fck'''ten ^:e Pr^fhnr hsen.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 24. Febr. Qrig.-Telegr. be5 „Gieß. Anz.") S ch w e i n e m a t k t. Zum Verkauf ftanben 452 Schweine. Schweine: 1. Qualität 62—64 Pfg., Lebenbgewicht 50—00 Pig^ 2. Qual. 62—00 Pig., Lebendgewicht 49—00 Pfg., 3. Qualität 55—57 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft gut, kein llebevftnni)
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Bo^ansstchtliche Lvitternng in Hessen für' Samstag, den 26. Februar 1905: Meist trüb und vorwiegend trocken, Temperatur keine Aenderung.
Näheres dnrck die Giehener Wetterkarfe.
Telephonischer Kursbericht.
3’/ö°/o Reicheanleihe . . 102 30
3V- do. ... 91.50 3‘7/o Konsole . . . . 102.30 3,J/o do.....91.45
3'W, Hessen .... 100.50 3V2 % Oberheßson . . . 99.70 4% Oesterr, Goldrente . 102 30
Oesterr. Rilberrento 101.05 4% Unirar. Goldrente . . 100.20 4«/ lfa!:en. Rente . . . 105.35 41 Portugieser , . , 67.40 0/ Portugiesen.....67.50
1 % C. Türken .... _
I’ürkenloso......134J5O
4°0 0riech. Monopol.-Anl.' 52.50 41/. % äussere Aruontinor
3% Mexikaner .... 35 50 4V2*7n Chinesen .... 95.20 Electric. 8obackert . . . 142 50 Nordd. Lloyd . . . . 114.40
Kreditaktien ..... 21400 Diskonto-Kommandit, , . 193 60 Darmstädter Bank . . . 142.70 Dresdener Bank .... 159.60 Berliner Handelsges. . . 164.60 Oesterr. Staatabalm . . . 139 20 Lombarden . . « . . 17 80 Gotthardbahn . • 190.00
Laurahütte . . . . . 00.00
Bochum ..«»••• 247.00 llarppner .... 210.50 Staatsschatzsrheine ... —.—
vermischtes.
'Von der Gräfin Monti'gnoso. Die Römische „Pa- tritt" veröffentlicht die Unterredung einer Florentiner Dame mit der Gräfin Montignoso. Die Unterredung enthält hauptsächlich heftige Angriffe auf den Dresdener Hof. „Drr König", sagte die Gräfin, „ist schwach unb das Opfer allerlei Jntriguen. Er liebt mich noch! Ucbcrlicße man ihn einzig unb allein seinem Geiühle, er würde mich vielleicht zurückrufen, aber", fuhr Luise nach einer kleinen Pause fort, „ick würde nicht zurückkommen. Was mir am s'chsischen. Hofe fehlte, war die Liebe. Ich bete meine Kinder an, Ich stehe imcrljvrte Qualen aus, sie nicht tom zu dürfen. Mer ich bin nicht allein Mutter, ich bin auch Weib." Alles, was über ihr angebliches Verhältnis zum Grafen Guieciardini gesagt wurde, sei Verleumdung ihrer Feinde, aber sie^ sei über alle Niedrigkeit und Gemeinheit erhaben. — Die >,Tr. Nachr." erfahren von angeblich guf unterrichteter Seite, es fei- bedeutungsvoll für das Verhalten der Gräfin Montignose, daß bereit Tante, bie Fürstin Jsenburg-Birstein, bie Villa her Gräfin verlassen habe. Die Fürstin sei dieser voll Aufopferung ergeben, „doch nicht tolerant genug, um den lockeren Lebenswandel der Gräfin zu übersehen."
* Des Königs Totenmaske. In Serbien ist eine Serie Kr ö n u n,g s m a r k c n gedruckt ivorben, die ein Unikum in der Geschichte des Markenwesens darstellend,
ÄS fe”.: ;nb bie M ®tf”hSw£f & *! qMlie P,CIU »öflua
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