Freitag 3. November 1903
Erstes Blatt
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5>te öeniige Nummer umfaßt 10 Kelten.
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Epileptischen Anstalt zu Nieder-Rornstadt ein für den bewilligten Zuschuß von 100 Mk. ein-
Dankschreiben gegangen sei.
155. Jahrgang
Technischen Hochschulen beschlossen, m dein sie gebeten werden, der Studentenschaft ru helfen und Vertrauensleute zur Verhandlung mit den Studenten zu senden.
Bangesuch.
Peter Berg hat für seine Hofraite ein Bau
llöU/H W0(bri' fiel
Situation fordert den Spott geradezu .blutige Franz-, Dr. Mehring von nicht als Sieger über die Nevisionistcn böte sich ihm die schönste Gelegenheit, vernichtenden Hohn fühlen zu lassen.
aesuch eingcrcicht. Er will ziir Erweiterung seiner WirtschaftS- räntne unter Abbruch eines kleinen Nebengebäiides einen Anbau errichten, nach dessen Bau die unbebaute Flüche der Hofraite weniger als ein Fünftel des Ganzen betragen und der Hof nicht mehr die Breite von 4 und die Länge von 8 Meter hat. Der deshalb nachgesuchte DiSpenS wird auf Antrag der Baudeputation nicht befürwortet.
Vergebung von Erdarbeiten
Die zum Ausbau der Friedrichs st raße, detz Wetzlarer Weges und des Mittelweges erforderlichen Erdarbeiten waren zu 22B0 Mk. veranschlagt. Bei der Aus- schreiblmg ergab sich als geringste Forderung (von Mandler- Kinzenhach) eine solche von 2413,50 Mk. Tie Versammlung ist damit einverstanden, daß Mandler den Zuschlag erhält. Gepflasterte Ucbergange in der Stephan- und Marburgerstratze.
Ein Gesuch von Ioh. Gg. Piaff bittet um Herstellung eines gepflasterten UebergangeS vor seinem neuen HauS Stephanstr. 25, während Wirt Jöckel um einen gepflasterten Uebergang vor dem Haus Marburgerstr. 25 ersucht. Die Baudcputation beantragt, z. Zt. beide Gesuche abzulehnen, da in beiden Fällen in der Nähe Uebergänge vorhanden seien und bei Genehmigung weitere Gesuche zu erwarten seien.
Es entsvinnt sich hierbei eine längere Besprechung über den Ausland der Straßen im allgemeinen. Stadtv. Dr. Ebel bemerkt, der Zustand der Stepbanstraße sei schauderhaft, das Trottoir auf der bebauten Seite sei unpassierbar und die Leute »eien deshalb ae^wunaen, durch den Schmust zu waten.
Verfügung stellt. Die heran?, und wenn der der „Leipz. Volksztg.-, einherstolzierte, dann die .Berliner- seinen
Tie bürgerlichen Parteien werden wohl nicht säumen, im Reichstag aus dic'en Vorkommnissen Kapital zu schlagen, und falls dann Aba. Grä^nauer a»is dem reichen Schatz seiner E'sahrungen als ehemaliger Nedakteur am .Vorwärts- zur .Klärung- des Sachverhalts beizutragen sich veranlaßt sieht, kann sich die Debatte recht interessant gestalten.
Die soiialistische Presse in Magdeburg und Karlsruhe stellt sich vollständig auf Seite der gemaßregelten Redakteure und eifert aufs heftigste gegen die Parteileitung.
Ve)0g»vrr«»r monaihrt)75BL, ptertel- jährlich Akk 2.20, durch Abhole- u. Zweiqüellen inonnihdi 65 Ps.: durch die Post DK. 2.— uienel- ahrl. ausicht. BeUellq. Annahme von Ln;etgen ür die laqesmimmet vorimuagÄ 10 Uhr. ^eue 'preis: total 12*BfN us"ärts 20 l'tfl.
eri lwörtlich »ür oe ool't. und altaem. Teil P. W'tito, h*it .Sladi und VfinD* und .Gerichlsiaat' Ernst Heß, für den An- teiaenteü: hone Beck.
politische Tag es sch an. *
Mit der Möglichkeit eines allgemeinen Streiks der Berliner Studentenschaft
beschäftigte sich eine Studentenversammlung, die von etwa 1000 Studierenden der Charlottenburger technischen Hochschule und der Berliner Universität besucht war. Die Versammlung sollte Stelliing nehmen zu den letzten Schritten des Rektors und Senats der technischen Hochschule, welche die Studcntenbcwegunq, die man schon bcigelegt glaubte, wieder in Fluß zu bringen scheinen. Ueber den Verlauf der Versammlung liegt folgender Bericht vor:
Cand. teebn. Seck berichtete über die Vorgänge, die zu der erneuten Zuspitzung dec Verhältnisses utnld en Rektor und Senat und Studentenschaft geführt haben. Den letzten Anlaß zu dielcr Vrotestversammlung gab der Erlaß, in welchem der Rektor der Vertretung der Ltudentenschalt A m t s m i ß b r a u di vorwarf und erklärte, daß alle ihre Rechte innerhalb der Hochfdmle erloschen seien. Am 17. Mai d. I. erklärte der Rektor, daß die Satzungen des Ausschusses im wesentlichen genehmigt seien, nachher stellte fid) ober heraus, daß Rektor und Studentenschaft über die Fraae sehr verschiedener Ansicht waren. Damals war auch das bekannte Schreiben aus dem Kultusministerium an den Cbcrpvnfibenten und Kurator der Hodisd)ule in Danzia, den jetzigen Handelsminister Delbrück ergangen, wonach der Name „A u s s ch u ß- an allen Hochschulen vermieden werden sollte. Audi den vom Rektor vorgeschlagenen Titel „nichtkoufessionell" konnte die Studentenschaft nicht akzeptieren, weil bei nächster Gelegenheit die Zenlrumspres'e den Titel in „anlikalholisch" umgeändert hätte. Der Rektor Professor Dr. Flamm hatte fortwährend mit dem Kultusministerium zu verhnnbeln. Er hat, wie er selbst erklärt hat, dort ni a n ch e b i 11 e r e P i l l e zu schlucken bekommen. Er Haies mit dem Ministerium und mit der Studenten- schalt zugleich verdorben. Er hat stch zwischen zwei Stühle gesetzt (Zustimmung). Das Vertrauen der Studenten- i ch a f l hat er verloren, weil er feine Ansichten stets allgi schnell geändert hat. Früher hat er einmal erklärt, er betrachte sich als den ersten Diener der Studentenschalt. Jetzt aber behauptete er: Er sei mir ein Vermittler zwischen Kultusministerium und Studentenschast. (Hört! hört!) Vor der letzten Cenatssttzung wußte er schon genau das Resultat dieser Sitzung. Wahrscheinlich war es ihm schon vorher im Kultusministerium mitgeteilt worden. (Große Heiterkeit) Gegen den bisherigen Ausschuß ging er in schroffster Weise vor. Das .Schwarze Brett' ließ er unter der Hand entfernen. Den letzten Brief der Vertretung der Studentenschaft würdigte er sogar keiner Antwort. So hat noch fein Rektor gehandelt. (Lebhafte Zuslimmiing.)
Darauf legte der alte Ausschuß seine Aemfer nieder. Durch Akklamation werden zwölf neue Ausschuß- mitglieder gewählt. Aus der Mitte der Versammlung wurde der Vorschlag gemacht, das Verhalten des Rektors mit einem allgemeinen Streik der Studentenschaft zu beantworten. (Beifall und Widerspruch). Einstimmig wurde die Absendung eines Schreibens an alle Professoren der
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'Teilung ist b's 3. De.-er rra r i s cho Gcsell' chafl 251 e u t ö n e r' 21 b e n o , mit
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, den 2. November 1905.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten
Die „neuen Herren" beim „Vorwärts".
R. Berlin, 2. Nov.
Seit dem Nedaktionßwcchsel beim .Vorwärts" ist das Blatt auffallend ungeschickt redigiert, und die Schreibweise ebenso hahnebüchen wie sprachlich mangelhaft. Die gleich .unehrlichen Hausdienern- behandelten früheren Nedakteure verstanden ihre Sache besser, als das anmutige Paar Arthur Stadthagen und Rosa Luxemburg, ja wohl gor als der Abg. Bebel selbst, von dem anzunehmen ist, daß er dem Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie in dieser kritischen Zeit seine Feder zur
GietzenerAnzeiaer
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
npiehle mich iur bie <; sichende WeitzuachlSst
Rund1chfift-Piakaleankdi|1 Lchaufeusler.TelorM! eral. zu den billighenU fier stehen zur Liegug. bchr
lEdTphnTcrmit^ii len und Realjchulrrn ,
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xfindlidje Ansragen u. •
aiM m w.
Dr. Ebel, Eichenaiier, Gabriel, Dr. Haberkorn, Haubach, Helfrich, Helm, Huhn, Iann, Keller, Kirch, Leib, Löber, Loos. Crbig, Petri, Schaffstaedt, Schmall, Wallenfels und
die Stadtverordneten: Brück,
9?t. 259
Or|<$)ftnt täglich außer EonmagS.
Dem Gießener Anzeiger tnerben tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- lläftet viermal in der Woche beigelegL
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh loschen Umoerf.-Buch-u.Stein- bruckerei. R. Lange. Rebakuon, EroedUw» und Druckerei:
Lchal st ratze 7.
Redaktion 112
Äerlag u.(£)rpeb.ey^dl Adresse für Deoeschen:
Anzeiger Gieße».
drrn der Lomellina erzielte, bemächtigte sich der ganzen Region eine lebh ftc Agitation, deren Frucht die Organisation des gegenwärtigen Experiments ist. Tie wissenschaftliche Leitung wurde einem Kollegium von hervorragenden Gelehrten, wie die Vro- fessoren Perroncito, Delfanti, Sormani, Mazzini u. a., übei> tragen. Es wurden 13 gesunde Rinder, Jungvieh, ausgesucht und in einem eigens errichteten Stalle abgesondert. Reben letzterem wurde außerdem ein Laboratorium eingerichtet. 11 der Tiere wurden om 26. Tezember 1904 mit dem Behringschen Antituberkelserum des Mailander Jstituto Sieroterapico zweimal geimpft, und im Juli d. I., nachdem das Serum genügend Zeit zu seiner Wirks'mkeit gehabt, wurden dieselben Rinder d"r Gegenprobe unterworfen, und rwar wurden sieben mit dem Präparat Bovin d's Dr v. Behring, einem Tustrkelgist von nicht rllzugroßer Heftigkeit, geimpft, während vier das von Prof. Bels.-Mi zubereitete äußerst heftige Tuberkelmaterial erhielten. Gleichzeitig wurden weitere vier Kälber, die nicht mit dem Bebrinaschen Serum immunisiert worden waren, infiziert, drei mit Bovin und eines mit dem Präparat des Vrof. Belfanti. Zu der ersten Untersuchung des Resultats des Experiments waren zobkreiche Vertreter der Wissenschaft aus Mailand, Turin und Pavia erschienen. Es wurden vier Versuchstiere geschlachtet und stiert, und über die Befunde entsvann sich eine lebhafte Diskussion. Einstimmig erkannte man die große w'.ss nschaflliche B-de- tung der Erperimwte und ihr der B e hr i n s ch e n Methode günstiges Resultat an. Es wurde beschlossen, die Schlichtung der übrigen Versuch stiere auf einen spateren Zeitpunkt zu verschieben, um auch vom praktischen Standpunkte aus vol f-mmrn k er? und sichere Restilf te zu er'ielen. Ueber die n" ' ' ‘ ■ V L t.r dcs Expcri-
Dichter-Abend, und hatte hierfür Dr. Emil Geyer aus Berlin als Rezitator gewonnen. Von Lvrikern gelangten Peter Hille, Johannes Schlaf, Arno Holz und Rainer Maria Rilke zn Worte, und außerdem trug Dr. Geyer den dritten Akt der Tragödie eines jungen östreichischm Dichters, Karl Vollmöller, die den etwas langstieligen Titel „Catharina von Armagnac und ihre beiden Liebhaber" führt, äufcerft wirksam vor. Die Zuhörer vermochten, des merkte man deutlich, die Offenb'rungen der lyrischen „Neutöner" nicht immer mit vollem Verständnis zu folgen, dagegen machte die Dichtung Vollmöllers groy-en Eindruck.
— Großfürstin Viktoria Melitta als Künstlerin. Die Gattin des Großfürsten Cvrill von Rußland, deren künstlerisast Neigungen ja bekannt sind, ist neuerdings auch mit eigenen malerisc^n Schöpfungen und unter ihrem fürstlichen Namen an die Oeffentlichkeit getreten. In der Galerie Heinemann in Mündwn sind zurzeit zwei Blumcnstillcben <„Tulpen" und „Lilien") von ihrer Hand ansgeitellt, die ohne Ziveifel ein gewisses malerisches G.sanck und verfeinerten Geschmack erkennen lassen. Schede, daß die fürstliche Künftler-.n es nicht nötig frt": denn diese gefälligen Blumenstücke dünsten leicht Abnehmer finden. Bekanntlich hat sich auch die Selaoester brr Großfürstin, die Kronprinzessin von Rumänien, auf dem Gebiete der Blumenmel-wei mit hübsckxnn Erfolge versucht.
— Ein Experiment der Behringschen Tuberkulose-Heilmethode. In MoNera in der Prov-nz Pavia findet auf Veranlassung der landwirtschatstlick^n Gesellßhaft der Lomellin' ein Experiment statt, um die st'ethode des Professors Dr v Bebring zur Immun's erung der R.nder gegen Tuberkulose praktisch zu erproben. Tie Landschaft st— "ma war von icher fs r r 'lb-rrs v n
Klein s Ieuisseton.
— Aus Frankfurt wird uns geschrieben: Tie bildenden Künstler Frankfurts geben zum 7. Male in ihrer meins erneu I a h r c s a u s st e l l u n g im Kunst verein der st.ffentlichkeit einen Ueberblick über ihre neueste Tätigkeit. Die 'rg'nisation die'-r Veranstaltung, toeld>e sämtliche hiesige Knnst- : nr.wr'-tionen umfaßt, hat schon in den Vorjahren sehr er= treuliche R ' l' ie rmöglickst und du Ausstellungen die Sym- U'.uhien aller Kunstfreunde verschafft. Man darf erwarten, daß . mh dst bif-: 'ör'ge Ausstellung auf d.r gewohnten Höhe stehen turb. Tie Beteiligung ist in diesem Jahre besonders rege, uic Z .hl der stmmeldungen übertrifft die Hc Hst Ziffern des Vor- •i hres. Zur Ausübung des Jurorenamt's h t das Vertrauen
r ; - ft in diesem Jahre berufen die Herren: Prof.
' Brüllt, Ct'rrc Eosom.'ti, Andreas Egersstärfer, Robert Forell 'ros. F. Hausmann, Franz Krüger, Prof. D. Steinhaufen, und ,?r'" Wucherer. Für die Interessen der I hr sausstellung ist ■ ;i Komitee t'llig. welches sich, unter dem Vorsijz von Geh. Re- rungsrll Väraermeister Tr. Darrentr^ny aus einer größeren ■■'n-. h[ hiesiger Herren zusammensetzt. Die Geschäftsführung ist - vX Kun st verein übertt'gen, dessen sämtliche Räume zur Ver- 'i'g'.ng umstellt worden sind. Die festliche Eröffnung findet iu 4. No'wu'^r mittags statt. Hierzu wurden außer den aus- " senden K 'v stl'rn und ihr n D'men die Svitz-en der Behörden
•x r d's Aue stell !' . Komitees, Vertreter der Presse !r-nd"so:'-vig" Ehrengäste eine-laden. Die Eröffnung für das ' ubliku!' crf.ll'gt Sewstag nachmittag. Die Tauer der AuS-
einem geleistet und die 19 anderen müssen willig oder unwillig, meist aber unwillig folgen, denn in landwirtschaftlichen Dingen kann man recht verschiedener Ansicht über die vorzunehmenden Arbeiten sein, ober aber, wie manche Sozial-Theoretiker Vorschlägen: Es wechselt der Befehl tageober wochenweise, dann kommt allerdings jeder Bauer jeden 20. Tag einmal wieder dazu, die Gesamtwirtschaft zu leiten, aber die gesamte Ertragsfihigkeit würde durch dieseil fortgesetzten Wechsel in der Leitung natürlich außerordentlich heruntergehen.
Aber auch dann, wenn der Bauer an die Möglichkeit glauben würde, daß eine im ganzen Staate kommunistisch betriebene Landwirtschaft bte Gesamtproduktion steigern könnte, und daß dann auch auf ihn ein Prozentsatz höheren Anteils entfallen würde, auch bann wird ber Bauer die kommunistische Wirtschaft ablehneu, weil ihm unendlich wertvoller als irgeuo eine fragwürdige Eiukommensstciger- ung seine Selbständigkeit ist, das Gefühl, Herr zu fein aus der Scholle, die er liebt, die Freude an seinem Vieh, bas er groß gezogen hat, an seinem Garten, an seinen Obstbäumen, die er gepflanzt nnb veredelt hat.
Es ist eben der große Rechcnf hler, der in allen so'ial- bemokratischen Kalkulationen steckt, baß sie die so entschelbeud mitwirkcnden Faktoren, die aus der menschlichen Psyche hervorgehen, ganz und gar ausschalten. Alle noch so verlockenden Sck)riften der Sozialdemokratie werden nichts an der Willensrichtung ändern, welche dem Bauern sein harter Eigensinn und sein weiches Gemüt gibt.
Der Dauer und die SoiialdemoLratie.
Von allen Ständen Hot sich bisher der Bauernstand am meisten von sozialdemokratischen Ideen fteigehalten. Es liegt dies unter anderem mit daran, daß an der Bauernwirtschaft am deutlichsten die Unmöglichkeit der Durchführung sozialdemokr. Grundsätze zu erkennen ist. Schon die eine Forderung der Sozialdemokraten, der Maximal- Arbcitstag, erzeugt bei jedem Bauern ein spöttisches Lächeln. 'Dian kann einen Maximalarbeitstag in irgend einem ge- iverblichen Betriebe einführen, sofern die Konkurrenz das Gleiche tut und das Gewerbe somit betriebsfähig bleibt; bei einer Bauernwirtschaft ist es vollkommen ausgeschlossen, weil die Abhängigkeit vom Wetter an manchen Tagen die Arbeit überhaupt aussckließt, während sie an anderen Tagen, besonders währeno der Erntezeit, verdoppelt werden muß. Es läßt sich auch die Arbeit des Fabrikarbeiters Und des Laudmannes gar nicht vergleichen. Es ist gewiß anstrengender und unangenehmer, 8 Stunden als Heizer tätig zu sein, als im Hellen Sonnenschein 12 Stunden das Vieh toeiden zu lassen. Auch der Landmann wird lieber 12 Stunden das fröhliche Ernteeinfahren verrichten, als 8 Stunden im naßkalten Novemberwetter hinter dem Pfluge hergehen. Wochenlang, wenn tiefer Schnee die Felder bedeckt, hat der Bauer wenig zu tun und muß statt dessen während der Bestellzeit und Erntezeit doppelt arbeiten.
Ebenso deutlich erkennt ber Bauer bte Undurchführbar- (- it kommunistischer Landwirtschaftstätigkeit an. Tie Rückständigkeit der russischen Bauern gern ein den Hegt ja gerade tit der Tatsache, daß diese nach kommunistischem Prinzip arbeiten. Man vergegenwärtige sich einmal die Wirkung, lveiche die Einführung der kemmunistiscl)en Wirtschaft auf unsere Bauern ausüben mürbe. Bisher hat jeder Bauer das Interesse, so viel aus seinem Stückchen Land heraus- zu>virtsck>aften, so sparsam hauszuhalten wie möglich, alles zu verwerten nnb seine Arbeit vor Schaben zu bewahren, ixil er jede Nachlässigkeit, jedes Versehen sofort im eigenen Haushalt verspürt. Wenn er durck große Sorgfalt und Nühe ein krankes Rind sich am Leben erhält, so hat er p.rsönlich den Gewinn, im andern Falle den Schaden, y-ei einer kommunistischen Wirtschaft verteilt sich der Vorteil oder Nachteil aus die Gesamtheit und der Antrieb zur äußersten Sorgfalt füllt fort. Während der Bauer an* i\ sichts drohenden Wetters mit seiner ganzen Familie, s.nnem ganzen Gesinde mit größter Anstrengung bis in die sinkende Nacht arbeitet, wenn es sich darum handelt, die Ernte trocken in die Scheune zu bringen, würbe bei einer kommunistischen Wirtschaft diese durch den gesunden Egoismus bedingte Anspannung aller Kräfte fortfallen. Es stylen eben Leio und Lust, die beiden mächtigen Trieb- stdern, zur Arbeit, es fehlt die Freude am Erfolge der eigenen Tüchtigkeit. Unsere Landwirtschaft, nach sozial- d 'motratischen Grundsätzen betrieben, würde in ihren Leistungen derartig zurückgehen, baß sehr bald die Ernähmngs- plöglichkeit dcs Volkes in Frage gestellt wäre.
Dem gegenüber stellt Bebel in seinem Werke: „Die Frau und der Sozialismus" sehr kühn folgende Behaup- tiung auf:
„War es dem kleinbäuerlichen Frankreich möglich, in den letzten nciu.Jg Jahren seinen Bodenertrag mehr als zu vervierfachen, während die Bevölkerung sich nicht einmal verdoppelte, so ,inb ganz andere Resultate von einer sozialistisch nnrtschaftenden Gesellschaft zu erwarten."
„Ganz andere", das rft richtig, aber sicher die um geehrt en. Gerade die Tatsaa)e, daß die ftanzösischen Kleinbauern mit ihren ausgesprochenen individualistischen Eha- raktereigenschasten diese Erfolge verzeichnen können, wäh- r.md kommunistische Betriebe fast überall mit ungünstigen Ergebnissen arbeiten, beweist die Aussicht..ffigteit der Bebe lscheu Hc f [nun gen.
Wenn 20 Bauern je 50 Morgen als eigenen Besitz beerbe;:.m, ]o leisten sie zweifellos bedeutend mehr an produktiver Arbeitstätigkeit, als wenn alle 20 zusammen eine Großwirtschaft von 1000 Morgen betreiben würden. Schon der Umstand, daß der Bauer dann aufhört, sein eigener Herr zu jein, wirb ihm bie Freude an der Arbeit verderben und seine Arbeitsleistung mindern. Tann aber gibt es lut zwei Mecllickll^lli'n. crli-cNr die Arbeit wird nur von
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Mitteilungen.
Der Vorsitzende, Oberbürgermeister Mecnm, teilt mit,
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