gelösten Radfahrkarten dauernd giltiy sind. Fn Hessen habe man leider in dieser Beziehung kernen Erfolg zu ver- zeichnen. — Der von dem Gauvorftand gestellte Antraa, das Eintrittsgeld in den Deutschen Radfahrerbund auf etne Mark herab- rusetzen und bei gemeinsamem Eintritt von 10 "Jcjtgliebcrn ganz zu streichen, wird angenommen und toft dem Bundestag zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Der Vorsitzende des Sport- misschusses des Deutschen Radfahrer-Bundes ersuchte noch die Anwesenden um recht reges Interesse bei der am 27./S8 Mai statssindeud-n Motorfernfahrt Verlin-Franksurt An die Verhandli.ngen schloß sich ein sehr wNiMiM verlaufener Mittagstisch. — Abends 5 Uhr begann m sämtlichen Raumen des Saalbaues das Große Gala-Sport-Fest zum Besten der deutschen Krieger in Südwestasrika, dessen Arrangement der Veloci^d- Klub Dcrrrnsiadt übernommen batte und zu welchem auch II. KK. HH. der Groß Herzog neb.lG e m ah l rn . sowie Prinzessin Luise und Prinz Georg mit den Kindern tws Pnnzen Ludwig von Battenberg erschienen waren. Zur Eröffnung wurde von. 16 Mitgliedern des Velocivedklub Darmstadt ein Begrüßungsreigen musterhaft gefahren. Am Achter-Ri^derrad-Schulreigen beteiligten sich drei Vereine: den 1. Preis errang der Velocipedklub Darmstadt, d^n 2. Pr. der RadfabrerÜub Schierstein, dritter wurde der Rad^ahrerklub „Germania^-Mornheim. Im Einer- Niederrad-Kunstreigen produzierten sich hierauf die Herren Artbiir S a m n e und Richard L ü t t g e n s aus Kreseld. Von ganz besonderem Reiz war das R a db al l-S v i el, an welchem sich fünf Vereine beteiligten. In der ersten Konkurrenz gewann W. Offenbacher Bicycleklub mit 8:0 gegen den Darmstadter Bievcleklnb. In der zweiten Kvnkiirrez gewann der Radfahrer- Verein Wetzlar mit 6:2 gegen den Radfahrerverein Wiesbaden: d"nn spstlte der Velocipedklub Darmstadt gegen den Offenbacher Bicycleklub, wobei der letztgenannte wieder mit 8:2 gewann. In der sehr interessanten Entscheidima spielte dann Offenbach gegen Wetzlar, wobei der Offenbacher Bi- cvclessub mit 6:1 Goal gewann. — Während der Pause hatte der Großherzig sich die beiden Vorsitzenden von dem Gau IX, die Herren S t i f f t - Frankfurt !und P et i t i ea n-Wiesbaden vorstellen lassen. Die Herrschaften blieben bis zum Schluß der g-'aen 9 Ubr zu Ende geganaenen Fabren. Von weiteren Ehrengästen sind zu nennen: General-Adjutant v. Wacher, Stadtkommandant Generalmajor v. Lynker, Oberstallmeister Frbr. v. Riedesel zu Eisenbach, Generalleutnant z. D. Graf v. K'anitz, Oberbürgermeister Morneweg, Oberstleutnant Freiherr v. Walden- fels. Oberstleutnant Graf v. Westerp, Maior Kade und Direktor I. Andree jr. — Rach 'den Fahren sand alsbald die Preisverteu- ung statt, welche der Gauvorsitzende S t i f f t - Frankfurt vornahm. Den Schluß des berrlich verlaufenen Festes bildete ein solenner F e st b a l l, der die zahlreichen Gäste und Freunde des Svorts lange zusammenhielt. Hoffentlich wird dem wohltätigen Zwecke eine namhafte Summe zuaewendet werden können.
Kunst und Wissenschaft.
— Die Birmingham Dailv News veröffentlicht ein Interview mit dem Herzog von Orleans über dessen bevorstehende Ervedition nach dem Nordpol. Der Herzog erklärte, er beabsichtige nicbt, einen neuen Rekord aufzustellen, sondern er wolle l"digttch wi'^nschaftliche Forschungen vornehmen.
Lübeck, 30. März. Dem Bürgerausschuß lag gestern eine Senatsvorlage vor, den Neubau eines Stadttbeat.ers b"treffend. Der Senat beantragt: 11 Es wird aus öffentlichen Mitteln der Bau eines Theaters beschlossen. 2) Die Marimalhöhe der Baukosten des Theaters mit Zubehör, ausschließlich des sog. Theaterfundus, wird auf ein e M ill.i on M ar.k bestimmt. 3) Es wird eine Theaterbaukommission eingesetzt, die auS vier Senatoren und acht Bürgern besteht. Der Baudirektor, der. Polizeiinspektor und der Branddirektor w"rden der Baukommission als beratende Mitglieder beiaeordnet. Die Theaterbaukommission wird beauftragt: 1. Die Bedinaunaen ss'ir einen beschränkten Wettbewerb scstzustellen: 2. d-'e Architekten, die zur Konferenz zugelassen sind, zu bestimmen: 3. unter den eingereichten Plänen die Entscheidung zu treffen: 4. alle für den Bau erforderlichen Maßnahmen zu treffen, den Bau zu kwauffichtigen und abzu- nebmen- 5. die mit Rücksicht aus die Ausführung des Baues noch erforderlichen weiteren Anträge zu stellen: 6. der Theater- baukommission wird die nach den Bedingungen der deutschen Architekten erforderliche Summe ss'ir die ausz^se^enden Preise bis zur .Höhe von 12 0"0Mark zur Verfügung gestellt. Der Bür- gerausschust verwies die Vorlage an eine Kommission. Bei dem Thmterneuban dürfte übrigens die interessante Erscheinung zu beobachten sein, daß sich eine Vorstadt mit allen Kräften wehrt, einen solchen Monumentalbau zu erhalten. Die St. Lorenz- bewobner wollen für den Bau nicht ihren einzigen Schmuckplatz opfern.
Aniverfltäts-Aachrichten.
— Dem Präsidenten der Phvfikalisch-Technischen Reichsanstalt Pros. Dr. Friedr. K o h l r a u s ch ,st bei seiner, mit 1. April erfolgten Versetzung in den Ruhestand, der Ebarakter als Wir kl. Geh. Oberregierungsrat mit dem Range eines .Rats erster Klasse verliehen worden. Kohlrausch ist Mitglied der preußischen Akademie der Wissenschaften, zugleich ordentlicher Honorar-Professor cm der Berliner Universität. K. war von 1871 bis 1875 o. Professor an der techn. Hochschule in Darmstadt. Zu seinem Nachfolger wurde bekanntlich d^r o. Professor und Direktor H physikalischen Instituts an der Berliner Universität, Geb. Negierungsrat Dr. Erwin Warburg berufen. — Amtlich wird die Ernennung des bisherigen o. Professors Dr. Phil. Paul Drude in Gießen zum ordentlichen Professor und Direktor d-'s phvsikalisch"n Institut an der Berliner Universität bestätigt. Er tritt an Stelle Warburgs
— Das Befinden Kuno Fischers in Heidelberg ist fortqe* setzt wenig befriedigend. Er liegt last den ganzen Tag im Bett und bringt auf ärztlichen Rat mitunter 2 bis 3 Stunden im Lehnstuhl zu. Von einer Weiterarbeit an seinen „Lebenserinnerimaen" ist schon seit länaerer Zeit keine Rede mehr; für das Sommersemester hat er keine Vorlestmaen angeküudigt.
tsterichtssaal.
TL B. Darmstadt, 2. Avril. Mit unglaublicher Frechheit wurde im Februar d. I. in der Villa des Frankfurter Direktor? Eng-lmeier im Luftkurorte Seeheim an der Bergstraße eingroßer Einbruchsdiebstahl ausgestihrt. Zwei iunqe Burschen drangen bei Nichtanwesenheit der Bewohner in die Villa ein und lebten darin mehrere Tagen berrlich und in Freuden. Sie holten stcb die besten Weine aus dem Keller, kochten und brieten und schliefen auch in den Betten des Besitzers. Die Wertsachen. Kleidungsstücke etc. schleppten sie nach Frankfurt und verletzten ste daselbst. Inzwilchen hatte aber das in Seeheim wohnende Dienstmädchen der Herrschaft den Diebstabl bemerkt und der Behörde Anzeige erstattet. Als daher wenige Taae darauf der eine der Verbrecher, der 18jä'hriae Hausburlche Georg Peter Matrole aus Nußloch lBadenl in Gesellschaft der in Frankfurt bediensteten Kellnerin Matilde Tide aus Rädelsheim wieder nach Seeheim kam und in die Villa eindrang, um für die Schöne aus dem dortigen Kleidervorat noch eine hübsche leidene Bloule auszuluchen. wurden sie ae'aßt und in Sicherheit aebrackst, der zweite Complize des Matrole konnte bisher nicht entdeckt werden. Der Gerichtshof verurteilte den genußsüchtigen Hausburschen, der auch noch einen Teil des Rnubes im Garten der Vista verborgen hatte, z u 3 I a h r e n G e l ä n g n i s. Die Tide wurde wegen HehlenS mit 3 Monaten Gefängnis bedacht.
L einzig, 1. April. Die Revision des Redakteurs Fritz S ch w e fün e r t, der von der Stralkammer m Oldenburg nach einer au scheuer'egenden Verhandlung wegen Beleidigung des oldenbiirgischen Iustizininisters R n h st r a t zu e t ne m / ft h r Gefängnis verurteilt worden war, ist heute vom Reichsgericht verworfen worden. . _ „, , .
Klansthal, J. April. Bergassessor Kohler, der wegen Z w e i k a m p i vonr Kriegsgericht gn 3 Monaten Festung verurteilt war, ist vom Kaiser zu einem Tage Stuben- arrest begnadigt worden.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
VoranSsschtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 4. April 1905: Vorübergehend heiter, später wieder Trübting und geringer Regen. Nach kälterer Nacht tagsüber milder.
Näheres dilrch die Gießener Wetterkarte.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 1. April 1905.
(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 2,/g Prozent.
Tendenz: abgelchwächt.
Märkte.
Anfanas-
u. Schlußkurse.
Oest. Kredit .
. 215.25
214.75
Deutsche Bank
. 241.10
241.50
Darmstädter Bank
. 142.25
142.50
Bochumer Guß .
1
. 24625
245.90
Harpener Beraban
e
. 211.50
211.50
fc. Frankfurt a. M., 3. April. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz/) Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktvreile. Weizen Mk. 18.25—00.00, Kurbessilcher Nck. 18.25—00.00, La Plata Mk. 18.25—19.25, Kanlas Mk. 18.25—19.25, Roageu (biestgerl Mark 14.25—14.50, Gerste (WetterauerO Mk. 17.75—18.00, Frankeu- felder Mk.00,00—00.00, Haler Mk. 15.00—15.25, MaisMk. 12.00—12.25, Weizenmehl 0 Mk. 26.75—27.25, 2. Qualität Mk. 24.75 bis Mk. 25.25, 3. Qualität Mk. 22.75—23.25, Roggenmebl 0 Mk. 22.00—23.25, 1. Qualität Mk. 19.50—20.75, Weizeukleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.25, Roggenkleie Mk. 11.00—11.25, Maiskeime Mk. 11.50 bis Mk. 11.75, Franken, Pfälzer, Ried Mk.00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ftb hier.
fc. Frankfurt a. M., 3. April. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz/^. Amtliche Notierungen der heutigen Viebmarkt- vreise. Zum Verkaufe standen: 481 Ochsen, 145 aus Oestreich, 51 Bullen, 15 aus Oestreich, 760 Kübe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Oestreich, 306 Kälber, 255 Schafe und Hämmel, 1971 Schweine, 0 Ziegen, o Ziegen-, 0 Schallämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht Ochsen 1. Qualität 72—74Mk., 2. Qual 65—67 Mk., 3. Qual. 60-63Mk.: Büsten l.Qual. 60 bis 62 Mk.. 2. Qual. 56—58 Mk.: Kühe 1. Qual. 65—67 Mk., 2.Qual. 58—60 Mk., 3. Qual. 47—48 Mk, 4. Qual. 37—39 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: l.Qual. 81—83Pfg., Lebendgewicht 49-51 Pf., 2. Qual. 75—80 Pfg., Lebendgewicht 45—48 Plg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 58—60Pfg., Schale: l.Qual. 72—74, 2 Qual. 64—66 Pfg., 3. Qual. 00—00 Plg.: Schweine 1. Qual. 65—Plg., Lebendgew. 52.50 Pfg., 2. Qual. 64 Pfg., Lebendgewicht 51—00 Plg., 3. Qual. 58—60 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend, bei Kleinvieh gut. kein Ueberstand.
Sp^lpla« der verrinigten Frankfurter Stadttheater.
OvernhanS.
Dienstag den 4. Avril*): „Don Juan." Mittwoch den 5. Avril, abends halb 7 Uhr: „Lohengrin" Donnerstag den 6. Avril: „Hans Heilingn Freitag den 7. April, abends bala 3 Uhr: „Bas Schwalbennest/ Samstag den 8. Avril: „Der Prophet/ Sonntag den 9. Avril, nachmittaas halb 4 Uhr: „Zar und Zimmermann/ Abends 7 Uhr: „Der Maskenball/ Montag den 10. April geschlossen.
SchaiifviervanS.
Dienstag den 4. Avril: „Der Veilchenfresser/ Mittwoch den 5. April: „Die alte Geschichte." Donnerstag den 6. April: „Wallensteins Laaer/ Hieranl: „Die Piccolomini/ Freitag den 7. ^lpril: „Die Journalisten." Samstaa den 8. April: „Leimath/ Sonntaa den 9. April, nachmittaas halb 4 Uhr: „Alt-Heidelberg/ Abends 7 Uhr: „Der Veilchenlresser." Montag den 10. April: „Der Kanadier." Vorher: „Die Tochter der Semiramis/ Dienstag den 11. April: Zum ersten Male: „Die große Leiden- schalt/ Vorher: Zum ersten Male: „Das Fest des St. Matern/
•) Anlang, wenn nicht anders bemerkt, abend? imt 7 Uhr.
Neber „Städtefanierung und Landwirtschaft" sprach dieser Tage in der Dctschen Gesellschaft für öffenttiche Gessindheitspsscge' Prof. Dr. Backhaus,, der noch bis zum 1. Avril Direktor irr Berliner Nieselgüter ist.
Die Frage ber Städtcsanienmg ist bis ietzt. so führte er, aus durch daS Zusammenwirken des Mediziners und des Ingenieurs gefördert worden. Daaeam ist die landwirtschaftliche Verwertung der städtischen Abfallstoffe heute noch verhältnismäßig unvollkommen. Nur etwa 10 Prozent dieser Stoffe werden ausgenutzt. Durch rationelle Einrichtungen dürfte e? gelingen, diesen Prozentsatz auf 20 bis 30 zu erhöhen. Allerdings müssen sich die landwirtschaftlichen 5^sichtsvuntte den htzgi-mifchen unterordn-n. und die Hvaicne hat die große Sttcstspage: Kanalisation oder Abfuhr? zu gunsten der ersteren entschieden. Seit Einführung der Kanalisation ist in Berlin die Gesamt st erblichkeit auf ein D r i t t e \, die Kindersterblichkeit a u f die Hälfte und die T v p hu S st e r b l i chk e i t mif ein Sechstel zurückgegangen. D^s weit-ren verdi-mt das Svstem der Rieselfelder, wie es in Berlin besteht, vor dem der Kläranlagen hvaienisch den Vorzug: höchstens kann eS — wie in Pari? — noch ergänzt werden durch daZ System her „inttrmitti-rcnden Bodenfiltratian". Die Verwertung der städtischen Abfallstoffe bietet der Landwirtschaft durchaus anormale Ansgaben, deren Lösung noch keineswegs voll-nd-t ist. Die erste Schwierigkeit ist die Erwerbung geeigneten Landes. Fr-ilich gestattet die neirre Technik Rieselfelder auch i'n größerer Entfernung von den Städttn an- zuleoen. Dann kommt die Herrichtung des Landes, die ss'ir jede anzubauende Pflonzenart iteir Probleme chemischer und vhvftkalisck'- terfmHeber Art bietet. DaS Land verschlammt sehr ltt-bt: tierische und pslanzliessc Parasiten finden sich ein: stets besteht die Gefahr der Verunlrantt'no. Hinzu kommt in wirtschaftlicher Hinsicht das Vorurteil der Konsumenten gegen aNe Pradufte der Rieselfelder. Ties Vorurteil gilt es ebenso zu überwinden, wie das der privaten Landwirte zur Mitarbeit bei der Verwertung her städtischen Abwässer. Die Lukrttivität ist für die verschiedenen Kulturpslanzcn sehr verschieden: wäbrend Roggen nur mit 200 Mark Verlust pro Hektar gebaut werden kann, liefert Weißkohl für dieselbe Fläche einen'Reinerttag von 400 Mark. Die Gemüse sind überhaupt am lukrattvsten. In zweiter Linie kommt Gras. Rüben und Kartoffeln gedeihen nicht so gatt. Dagegen werden wieder Futter-Mais, Senf und Wicken mit Erfolg angebaut. Hopfen und Tab"'? von Rieselfelbern werden immer unter dem Vorurteil der Bevölkerung zu leiden haben.
Prof Backhaus versicherte allerdings, daß bre Berliner „Riesel-Zigarren" gar nicht so schlecht seien. Obst ge- deiht ausgezeichnet, imd es war sehr klug von der Berliner Kommunalverwaltimg. daß sie in weitsichtiger Weise oroße Obst- pfantagen v wiegt hat. Gerste und Haler, aus Rieselfeldern gebaut enthalten 20 bis 30 Prozent Eiweiß mehr, als dieselben 'Getrttdcarten in der sonstigen L-^udwirtschgft, eignen sick somit als Pferdefutter ausgezeichnet. Watz das Gras anlangt io wurden pro Morgen Erträge von 300 bis 500 Z'ntner erzielt: man machte jährlich ftcbs Schnitte von üvvigster Beschaffenheit ^rShalb wird auch in England auf Rieselfeldern ganz überwiegend Gras gebaut. Der Vorttagende zeigte getrocknetes Gras dieser Art vor eine Konserve, die alle Qualitäten eine? Kraftssltters hat: ferner Briauetts, die aus dem Schlick der Felder bergestellt worden sind WaS da9 aus den Städten abfließende Wasser anlangt so kann es verwertet werden zur Feldbewäfsernng, zu motorischen Zwecken lTurbinen) sowie zur Fischzucht in Teick>en. In sozialer Beziehung ist die Landwirtschaft auf städtischen Rieselfeldern besonders insofern von Bedeutung, als sie durch Massenproduktion der ärmeren Bevölkerung ein gutes, billiges Gemüse bietet und dadurch ihren — heute ganz geringen — Gemüsekonsiim hebt. An Obst haben die Berliner Rieselfelder im letzten Ialp: etwa 12 000 Znitner auf den Markt gebrackst. Die Kuhssi<t"rvroduk io'i Erwirkt die VersorgilNg der Konsumenten mit guter und bil^cv Vild\ Diese Versorgung kann uach den Bereckmnngen von Prof. Backhaus bis zu einem Drittel deS städtsschen Gesamtbcdarfs ausgedehnt werden. Er schloß, indem
er das alte „Mens sana in corpore sano" variierte: „sana ur65’ in sana agricultura!"
Kriefkastcn irr Redalrllon.
fAnonpme Anfragen bleiben nnberücksschtigt.)
Dr. St. Sie schreiben uns, wir hätten in unserer „Notiz betr. Vssitation der (annde vom 1. d. Mts. vergessen, daß auch den Besitzern von Enten, echten und unechten, die Vorführung in der tierärztlichen Klinik aufgegeben worden" sei. Doch Sie irren. Als wir uns am Samstag nachmittag mit unseren 10 fetten Enten (Sie haben von ihnen nur 4 bemerkt? Das tut uns leib) nach der neuen veterinärmedizinischen Klinik beaaben, um der interessanten und geräuschvollen Vorführung der Gießener Lurushunde bei,zu- wohnen, bemerkten wir als nur für ganz besondere Geflügelzüchter sichtbare Portalinschriit den Satz des alten Protz Dr. med. anim. Hwvokrates von der thessalischen Universität Larissa: „Durch E n t -Halttamkeit und Ruhe werden viel Krankheiten geheilt/ Wir beariffen sofort: Das Halten von Enten gilt der neuesten medizinischen Forschung, unter Anerkennung der uralten wissenschaftlichen Tradirion, wieder als höchst heilsam. So begaben wir uns denn, um auch die zweite hivvokratische Forderrrng zu befolgen, in aller Rübe mit unseren 10 Enten nach dem Teich an der Ostanlage, wo alsbald unsere Enten zusammen mit den dort neu ausgesetzten Heringen munter umherplätscherten. Um Mitternacht aber sind die Enten, jede ein paar Heringe im Schnabel, über den Eckstein-Eckstein nach der Lahn aefloaen, um deren neuen Lauf jenseits der Grenze zu vilitieren. Mit der neuen Schnellzugs^ Lokomotive sind sie sodann samt den tollwütigen Lnrnshnnden zuerst nach dem Vogelsberg geiahren, wo sie das Rotwild in den Fallen besuchten. Dann haben sie schnell eine kleine Exkursion nach dem siegreichen iirssischen Schlachtfclde bei Mukden und nach dem im stillen Ozean neu entdeckten Aegirlande gemacht, und jetzt sollen sie in einem der neuen Hamburger Seehotels Wohnung ge-. nommen haben bis zum 1. April n. Js. — Auch unsererseits besten Gruß.
,.(Sitte alte Abonnentin." Tie Eröffnung einer Filiale bev Brübl'schen Univ.-Druckerei im neu entdeckten Aegirlande tft: auf Ihren freundlichen Vorschlag bereits für den 1. April 1906 in Aussicht genommen. Das häusige Vorkommen des Düten- baumes dort macht eine außerordentlich billige Herstellung von Dütenvapier möglich, und so werden denn die ersten Aegirlande-- Obligationen auf Dütenvapier (Windbeutel-Papier) gedruckt werden.
Aus Stadt uud Land.
Gießen, 3. Avril 1905.
** Vortragsabend. Wir verweisen nochmals auf beit Vortragsabend, den morgen, Dienstag abend die Mitglieder nuferes Stgdttheaters im Leib'fchen Saale veransialten werden. Das Programm umfaßt 20 Nummern, im 1. Teil ernste, im 2. Teil humoristische Dichtungen, und der Abend verspricht sehr unterhaltend zu werden.
Mainz, 1. April. Für den Verkehr zwischen bett süddeutschen Verwaltungen und der ehemaligen Main-Neckarbahn einerseits und Preußen-Sachsen andererseits wird ein neuer Erpreßguttarif geschaffen. Die Vorarbeiten sind erledigt. Die Tarifsätze werden den jetzigen Besttmmungen der preussisch-hessischen Bahn über die Beförderung von Gepäck ohne Fahrkartenlösung entsprechen. Die Fracht soll nach den Gepäcktärissätzen, jedoch mindestens für 20 Kilogramm berechnet werden und für jede Sendung bei Beförderung in Personenzügen mindestens 50 Pfg., bei auch nur streickenweiser Benutzung von Schnellzügen eines Mark betragen. Die Sätze werden auch für den inneren! Verkehr des preußisch-hefsischen Staatsbahngebietes gelten. (F. 3.)
^rifltnaf-Draljtmcfbunflcn.
Petersburg, 2. April. Petersb. Tel.-Ag. Die neue 5 proz. innere Anleihe ist stark überzeichnet, sodaß nach b*n bis zum 1. Avril ans allen Hanvtorten vorliegenden: Erg»bnissen den Zeickncnn nicht mehr als 40 Prozent ihrer KcichnnnaSbeträge ungeteilt werden kann. — Ein in der ,.Find^ iand Gascta" veröffentlichtes Kaiserliches Manifest setzt infolge ^ineS Bittgesuches der fiuländischen Landstände das im Juli 1901 für Finland erlassene Wehrvflichtgefetz bis zur ("aislativen Entscheidung der Frage zeitweilig außer Kraft. Wie dasselbe Blatt meldet, sind durch Kaiserlichen Befehl vom °9. März die zeitweiligen Bcstimmrmgen über die Amtsentsetzung der fiuländischen Justizbeamten aufgehoben worden.
Moskau, 3. April. Heute sollte ein Kongreß zur Bekämpfung der Cholera eröffnet werden. Der Minister des Innern untersagte aber die Eröffnung, weil, wie es in der amtlichen Mitteilung heißt, die Urhebers des Kongresses diese Gelea-nbeit zu Kundgebungen gegen' die Regierung benutzen wollten. Die Kongreßleitung hat in' einem Telegramm an den Minister des Innern diese Behauptung als ungerechtfertigt bezeichnet und wies aus die M i ß st i m m u n g hin, die durch bas Verbot bei den bereits in Moskau zur Teilnahme am Konareß eingetroffenen Aerzts erregt wurde, und darauf, daß bas V^wbot bie Bekämpfung? der Cholera sehr störe. Bis zum Eingang der Antwort des Ministers werben keine neuen Teilnehmer am Kongreß» zugelassen.
Telephonischer Kursbericht.
Frnnkior^ a.
3Vt°/0 Reioh«anlefbe . . 101 50 3Vn do. . . . 90.90 31/// Konnola .... 101.50
do ..... 90.90 3l/90/» Hrseen .... 100.35 3*/t % Obprhn«R#m . . . 99.00 4 % O^sterr. GoMrente . 102.40 41% Oestorr. Silberrentd 101.30 4% Unjar. GoMrente . . 100.25 4nl Italien. Ronf«* . . . 105.70 3 % Porhnriespr I . . 68.00 1°/ pnrhitri#,8Pn UI . 67.60 4 % Unif Türken . . . 88 90 Pürkenlose . . 137.00
4% Gr'eoh Monopo' - \nl. 52.00 4’.//0 äussere Argentiner 45.55 Tenden:
3. April, l1/, Uhr mittags.
8°/n Mexikaner .... 35 85 4Ve’Vr. Chinesen .... 96.55 Riech*'r. Sehnckert . , , 140 0g Nrrdd. Lloyd . . . . 126.10
R reditf*..... 214 5(X Diskonto-Komm andii. . . 189 10 Darmstädter Bank . , 142.90
Dresdener Bank .... 158 40 Beniner Handelsercs . . 170 00 Gesten*. Staatsbahn . . . 142 10 Lombarden.....16 80
Gottbardbahn , » . . . 189.00 Laurahütte ..... 267.50 Bochum..... 24630
"nrn-nee . . . . .211 20
Staatschatzscbeine . . . 100.50
: fest.
Pelmnnlmachung.
In der Zeit vom 25. März bis 1. April l. I. wurden in hiesiger Stadt
gefunden: 1 Kreuzzügel, 1 Zwicker, 1 weißes Taschentuch mit Monogramm, 1 gold. Ring mit 2 Wappenschildern, 1 Hun.demaulkorb, 1 Paar Herrenstrümpfe, und 1 Trauring, gezeichnet E. G. 1902;
verloren: 1 gold. Herz, und 1 Pferdeteppich, gez. W. S.
Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände, belieben ihre Ansprüche alSbgld bei unS geltend zu machen^ Gießen, den 1. April 1905.
GrotzherzoglicheS Polizeicuut Gießen.
Herberg.


