Ausgabe 
2.3.1905 Zweites Blatt
 
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wiesen habe-. eZ sei noch eine größere Anzahl von Rednern an erster und zweiter Stelle vorgenierkt. Die T'ebatte wird daraus um IV, Uhr abgebrochen.

Nächste Sitzung: Donnerstag früh 9 Uhr.

Aus -rutsche Keer und Ou ^arlumentalier,

Berlin, 1. März. Tie Budgetkommissiondes Reichstages setzte die Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Friedenspräsenz st arte des Heeres fort. Kar- dorf (dtp.) erklärte, bei der Bewilligung müsse auf die jetzige Lage Rücksicht genommen werden. Erstens bedrohten uns keine zwei Fronten mehr, zweitens h e m m c uns die Finanzlage. Die M a n ö v er seien heute v i e l z u teuer. Ter Kriegsminister erwidert, die Manöver seien von großer Bedeutung für die kriegstüchtlge Ausbild­ung des Heeres.' Seit Jahrzehnten seien in der Dauer keme Aenderungen eingetreten; die Kosten dafür seien nütz- lich angewendet. Daß der Kaiser, der die Pflicht habe, über das Heer zu wachen, jedes Jahr die Tritppen ur -Tätigkeit sehen wolle, sei klar. Reichsfchat.setrer.ar v. Stengel wirst einen Ausblick auf die Wirrung der Handelsverträge aus die Reichs,inanzen und erlrarr, cs mußten große Mittel gesunden werden, um die Finanzlage zu besser n. Die Vorarbeiten zur Sanierung der Reicys- finanzen hoffe er in allernäch,rer Zeck zum Abschluß zu bringen; es handle si'ch dabei um trejeurschneidende ^lap- nahmen, die auch auf wie rundes,»aaren uoergreisen, lln- wichligere Ausgaben müsse man zurucksrellerr, aber Auf­wendungen für die Schlagfertig leit d^r Armee nicht ab­lehnen. Auf eine Anfrage Grobers (Irr.) erwidert der K r i e g s m i n i ft e r, die Ges.'.mt'bela,Aung ourch deir Heeres- etat betrage 1.08 Proz. der Bevölkerung, Unteroffiziere, Freiwillige und Marine eingerechnet. Bebel (^oz.- er­klärt, die großen Manöver seien unentbehrlich, wenn die Armee für den Ernstfall vorgcbildet werden sötte. Es lasse sich aber an vielen anderen Punkten sparen. Tie großen Paraden erforderten unnötige Kosten. Tie poli- tische Situation Europas schließe aus Jahre hmaus einen europäischen Krieg aus. Wie in Frankreich solle man auch in Deutschland allgemein auch für Kavallerie die zwei­jährige Diensezeit einfuhren. Ter Redner wendet sich weiter gegen die Vermehrung der Kavallerie und fragt an, welche Rolle das Automobilkorps im Kriege spiele. Ttr Kriegsminister erwidert, die Verwaltung habe rnck dem Automobilkorps nichts zu tun. Die Betreffenden hätten sich für den Kriegsfall zur Verfügung gestellt. Wenn Bebel wünsche, daß man wie in Frankreich den letzten und einzigen Sohn einziehe, und dafür die Eltern unterstütze, so tue Deutschland das nicht, sondern es lasse den Sohn zu Hause, damit er die Eltern unterstützt.

ynlitifdif Tages schau.

Tas medizinische Studium uud der Bundesrat.

R. Berlin, 1. März.

Wenn ein Vertreter der Neichsregiernng erklärt, Preußen stehe einer beftunniten Forderung wohlwollend gegenüber, der Bundesrat aber sei noch nicht zu einem abschließenden Urteil gelangt, dann liegt es bei den bekannten Mehrhetts- verhältnisfen im Bundesrat nur on der mangelnden Initiative Preußens, wenn eS zu einer Entscheidung bisher nicht ge­kommen ist. Graf Posadowski stellte gestern im Reichstag fest, daß Preußen der Erteilung der Befähigung zum

medizinischen Studium an die Ober real schu l- Abiturienten geneigt sei. Von welchen Staaten ist denn nun diese Geneigtheit nicht anzunehmen? Allenfalls von Bayern, Sachsen und einigen Kleinstaaten? Mit Preußen würden Württemberg und Baden, auch Hessen, sodann Braunschiveig, Oldenburg, die thüringischen Staaten und die Hansestädte stimmen, das wäre weitaus die Mehr- beit des Bundesrats. Es handelt sich hier nicht um eine Verfassungsänderung, sondern um eine Verwaltungsvorschrist, die nicht bei 14 oppositionellen Stimmen als abgelehnt gilt. Ohne besondere Schwierigkeiten dürfte > es sich deshalb er­reichen lassen, daß an die Stelle der Verschiedenheit bei der Berechtigung zum akademischen Studium eine möglichst weit gehende Einheitlichkeit tritt. Der Zeitpunkt des parlamen­tarischen Hinweises auf diese Notwendigkeit war gilt gelvählt.

Einschneidende Maßnahmen!

Ailf unerfreuliche kommende Ereignisse, wie Forderungen uni) Steuern, pst eg en Staatsmänner die Parlamentarier im allgemeinen sehr behutsam und schonend vorzuberecken. Reichs­schatzsekretär Frh. v. Stengel befolgt eine andere Praxis, er enthüllt gleich das Ganze und spart obendrein nicht mit düsteren Prophezeiungen, sodaß hier wieder die Parlamentarier lächelnd zweifeln, ob es so schlimm kommen werde. Dies Verfahren hat aiich elivas für sich, linier solchen Umständen kann nienials der Vorwurf erhoben werden, der Schatzjelretär habe dem Reichstag keinen reinen Wein emgeschänkt.Tief- emschneldende Maßnahmen" zur Herslellung gesiinder Reichs- finanzen sind gestern in der B n d g e t ko in m i s s i o n von Frhn. v. Stengel angekündigt worden (vgl. die Rubrik »Parlamentarisches"). Ueber Name und Art der neuen zum Herbst erscheinenden Sleuervorlagen verriet Herr v. Stengel nichts. Tas Programm bedürfe zunächst der Billigung der Biindesregierungen. Run, es ist schon genug durchgesickert, daß zu erkennen ist, wohin die Reise geht: in die Gefilde der Biertrinker und der Ra ii eher. Es werden wohl hiindert Millionen erforderlich fein für diegroße" Reichsfinanzrcforni. Da soll es denn die Masse bringen. Was aber ivird der Reichstag dazu sagen?!________________

<ühitH uni) £iv»6.

Gießen, den 2. März 1905.

** Gießener Volksbad. Im Februar wurden 75V> Bäder verabreicht gegen 7274 im Januar 1905 und 7619 im Februar 1904 oder im Durchschnitt pro Tag 268 Bäder gegen 235 im Januar 1905 und 311 im Februar 1904. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad 4013 Männer, darunter 691 zu 10 Pfg.,

634 Frauen, 74 r 10

Wannenbäder 1. Klasse 247 Männer, 52 Frauen, , 2. 591 364

Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 182 Männer und 22 Frauen, Brausebäder 1226 Männer und 184 Frauen. Die Personenwage wurde von 160 Per­sonen benutzt.

** Zent ralvi eh markt. Wegen des vom landwirt­schaftlichen Provinzialverein zu errichtenden Zentral-Zuchtvieh- marktes für reinrassiges Vieh wird demnächst eine Kommission

die von der Stadt Gießen und Butzchach zur Verfügung gestellten Plätze zur Abhaltung des Marktes besichtigen und danach entscheiden, ob der geplante Markt nach Gießen oder Biltzbach kommt.

czz= Allendorf a. d. Lahn, 1. März. Demnächst findet hier Bürgermeister-Neuwahl statt. Bürgermeister Volk wird voraussichtlich einstimmig wiedergewählt. Er ist bereits 27 Jahre Ortsoberhaupt und formte vor zwei Jahren sein 25jährigeS Jubiläum begehen, wobei er eine Ordens- auszeichnung erhielt.

X Alsfeld, 1. März. Heute wurde die hiesige Gemeindejagd in drei Teilen verpachtet. Sie fiel an Holzhändler E. Steuernagel, Amtsrichter Dr. Heyer und Rentner Heinrich Kemmer IV. von hier. Im ganzen wurde der Pachterlös gegen früher um mehr als 50 Prozent gesteigert.

)*( Ulrichstein, 1. März,. Im Groh sch en Gasthause fand dieser Tage eine Versammlung des Eisenbahn- ko m i k e e s des Projekts M ü ü e - U l r i ch st e i n statt. Ten Vorsitz führte der Präsident dieses Komitees, Tr. Schmidt hier. Die Vertreter der interessierten Gemein­den waren vollzählig erschienen. Es wurde ein Beschluß, gefaßt, die Verwirklichung des Projektes mit allen Kräften zu fordern. Zu diesem Zwecke wurde die Absendung einer Deputation n acy Darmstadt beschlossen. Alle Jn- lerejsenten dieser Eisenbahnlinie des Vogelsberges werden mit ^reuoe die Nacy richt vernehmen, daß auch die Negier­ung der Linie Müue-Ulrich stein mit einer Stichbahn nach Groß-Felda, den Vorzug gibt, wie die Kammerverhandlungen dieser Tage ergaben.

§ Friedberg, 1. März. Eine Uhland-Feier hielt die Ortsgruppe Gießen des Dürer-Bundes im Festsaale des Gymnasiums ab unter Mitwirkung des Repetenten Lic. Fuchs, Fraii Professor Sommer-Gießen und Gießener Studierender. Deklamationen, Rezitationen und Gesänge ver­anschaulichten Uhlands dichterisches Schaffen. Tie Feter er­freute sich eines zahlreichen Besuches. Dte Schuh mach e r- Leichenkasse-Gesellschaft feierte am Sonnlag imHotel Trapp" ihr 12 5jähciges Jubiläum, an dem auch die Vertreter der Stadt und des KreiSamts teilnahmen. Der hiesige Frühjahrs - Pferde markt findet am 7. und 8. März statt.

Offenbach, 1. März. D-ie Seiboldsche Buch­druck e r e i neb)t dem Berlage derO s s e n b a ch e r -Z e i v ung" ist heute in den Besitz des Buchdruckers Aloerp Bro­sch e £ aus Wiesbaden, langjährigen Leiters und Teilhabers desGraudenzer Geselligen", später Verleger desVogb- ländischen Anzeigers", ubergegangen. TieOffen­bacher Zeitung" wird von der bisherigen Redaktion auch, unter dem neuen Verlage in nationalem und liberalem Sinne geleitet werden. Der V o r a n s ch l a g der S t a d t- kasse in Offenbach schließt mit einer Einuahnie und Aus­gabe von 3 030 640.76 Mk. ab; das sind 264 406 Mkk. mehr als der Betrag des Voranschlags für 1904, der mit 3 366 233 Mark angesetzt war.

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