Nv. 178 Erstes Blatt.
155. Jahrgang
Dienstag 35. Juli 1905
bigimg begrüßte.
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Ochulprahe T.
fLbrffie für Devefcheur «nzetger «Stctze».
AernsprrchanfchlußNr.bl.
auch die Ruhe im Lande lediglich auf der BasiS vertrauensvollen Einvernehmens zwischen Herrscher und Pvlk aufzubauen sind. Was die Fricdensfragc betrifft, so weiß man ja, welchen großen Anteil Kaiser Wilhelm an der Einleitung derFriedensaktion seitens des Präsidenten Roosevelt hat: man kann also sicher sein, daß die Sache des Friedens durch die Begegnung nur gewinnen wird. Der Umstand, daß weder Fürst Bülow noch Graf Lams- dorff an der Entrevue teilnehmen, soll deren durchaus privaten freundschaftlichen Charakter klar vor Augen führen. So hat auch, wie wir wissen, der russische Ministerpräsident von Witte die Begegnung aufgefaßt, die er mit lebhafter Befrie-
ununterbrochcn, auch während der Nacht, eine Untersuchungskommission. Es wurden chemische Analysen verschiedener Explosionsreste vorgenommcn. Die militärische, sowie die polizeiliche Ueberwachung des Mdiz wurde bedeutend verstärkt.
Nach amtlichen Feststellungen beträgt die Zahl der- Getöteten 24, die der Verwundeten 78. Dagegen besagen Privatnachrichten, daß die Zahl der Toten und Verwundeten nahezu 200 betrage. Darunter befinden sich viele! Offiziere und eine große Anzahl Droschkenkutscher, berent Wagen und Pferde in Stücke gerissen wurden. Ueberhaupt! hat sich die Wucht der Explosion mehr nach der Straße zu gerichtet als nach dem Vorhof der Moschee. Der Attentäter soll Offiziersuniform getragen haben. Man behauptet nämliche jetzt, daß das Attentat durch eine geworfene Bombe aus-- geführt wurde, wahrscheinlicher aber ist die Version, daß es sich um eine Bombe mit Zeitmünder handelt. In der ersten Aufregung nach der Detonation luden viele Soldaten ihre Gewehre und legten an. Nur durch die Kaltblütigkeit des Sultans, der ihnen durch einen Wink einzuhalten befahl,, wurde ein Blutbad verhindert.
Unter den Getöteten befinden sich Beba-Bey, bet Gouverneur beS Prinzen Selim, sowie ber Palastsekretäri Chefki-Bey.
Die Bombe schlug auch in ben breißig Meter hohen, auf bem Moscheeplatz befinblichen Uhrturm ein unb brachte bas klangvolle Uhrwerk zum Stillstand. Hieraus kann man bie genaue Zeit bes Attentats feststellen; fünf Minuten nach 6 Uhr, türkische Zeit, was 12 3/< Uhr unserer Zeit entspricht. Der burch bie Höllenmaschine ausgehobene Kreis hat einen Durchmesser von fünf Metern.
Am 23. würben alle Toten unb alle unkenntlichem Leichenreste begraben.
Ein Schwerverletzter sagte aus, baß kurz vor ber Explosion ein unbekannter Mann einen Korb auf einen Wagens stellte unb sich bann entfernte. Einige Minuten später er-> folgte bie Explosion.
Die Botschafter erhielten am SamStag, also am Tag nach bem Attentate Drohbriefe bes armenischen Revolutionskomitees, worin angesichts ber verwickelten Lage unb ber Gleichgültigkeit in Europa mit Gewaltakten gebroht wirb. Es ist nicht ausgeschlossen, baß eS sich um eine Mystifikation hanbelt, um ben Verbacht von ben Armeniern abzulenken ober gerabe auf sie zu lenken. Aehn- liches ist hier schon öfters versucht worben.
Soweit bie heutigen mannigfach zerstreuten Nachrichten, bie wir im Vorstehenben einigermaßen georbnet haben. Sie lassen im Unklaren, weß Geistes Kinb ben Anschlag verübt hat. Erst hieß es: ein jungtürkischer Anschlag. Dann sollte es ein Bulgare gewesen sein. Jetzt hat man, nach ben Drohbriefen an bie Botschafter, boch nicht zu unterschätzenbe Anhaltspunkte für ein armenisches Komplott. Die kurze Meld- ung, baß ber Attentäter verhaftet sei, nennt bessen Nationalität nicht. Sie ist aber offiziös unb barum anscheinend richtig. Für einen Augenblick konnte inbes ber Argwohn entstehen, bas Attentat, bei bem ber Pabischah auf so rounber- bare Weise verschont blieb, sei etwas wie „bestellte Arbeit", um einen Grunb mehr zu rücksichtsloser Ausübung eines SchreckensregimentS zu bekommen. Die außerorbent- liche Kaltblütigkeit Abdul HamibS, ber, mit heiterer Ruhe grüßend, ben Wagen selbst ins Palais zurücklenkte, erschien auffällig, weil soviel, selbst für einen Türken, stoischer Gleichmut, soviel heldenhafte Unerschrockenheit am wenigsten von biesem Herrscher vermutet werben konnte. Es müßten benn alle Berichte crfunben sein, bie von ben bis zur Lächerlichkeit ängstlichen Vorsichtsmaßregeln erzählen, bas kostbare Leben des Beherrschers ber Gläubigen zu schützen. Diese Vorsichtsmaßregeln waren in letzter Zeit, unter bem Einbruck bec Taten russischer Revolutionäre, noch außerorbentlich verschärft worben. In ber Türkei ist zwar ebensoviel „möglich" wie im Zarenreich. Dennoch glauben wir nicht cm ein von hohen Würbenträgern in Auftrag gegebenes Attentat. Die Wirkungeiner Bombe ist in bezug auf ben Umfang ber Verheerung, ben sie anrichten kann, unberechenbar. Außerbem pflegen bis Machthaber im Pildis wenig barnach zu fragen, ob sie starke äußere Grünbe haben für Verhaftung unb Unschädlichmachen unruhiger Personen; bas Meiste geschieht ja boch in aller Stille unb Heimlichkeit.
Sehr wohl möglich ist es aber auch, baß das mazedonische Komitee an dem Anschlag beteiligt war. Bereits seit zwei Wochen sollen Drohbriefe auch von diesem Komitee einge- lausen sein. Die Beauftragten des mazedonischen Komitees haben schon wiederholt den Bombenwurf in Anwendung gebracht, um durch dies gewaltsame Mittel die Großmächte zu einer Einmischung in bie türkischen Verhältnisse aufzufvrdern. Dieser Erfolg ist bisher nur zu einem Teil erzielt worden. Oesterreich-Ungarn und Rußland haben sich zwar des Reformprogramms für Mazedonien angenommen, aber es ist einerseits dabei so sehr auf die Empfindlichkeit des Sultans Rück
sicht genommen worden, andererseits erfolgt die Ausführung der Reformen so langsamen Schritts, daß die Annahme einige .......... Wahrscheinlichkeit besitzt, das mazedonische Komitee beabsichtige Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Es durch neue Schreckensakte einen Druck auf die Entschließung wurden Bulgaren, Armenier und Angehörige anderer Nationen, der Mächte auszuüben. Schon vor einiger Zeit wurde auf ebenso zahlreiche Mohamedaner verhaftet. Im Pildiz tag eine erneute Rührigkeit dieses Komitees aufmerksam gemacht.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Metzen MW tr -«k » fletqentefl: HanS Beck-
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Die heutige Aummer umfaßt 8 Seiten.
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Sie Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Zaren.
Petersburg, 24. Juli. (Pet. Tel.-Ag.) Der Hofininifter telegraphiert aus Bjoerkoe von gestern: Am Abend um 10 Uhr warf die „Hohenzollern" in der Nähe des „Polarstern" Anker. KaiserWilhelm mit dem Prinzen Albert von Schleswig-Holstein und Gefolge begab sich in einem Boot nach dem „Polarstern" und wurde an der Treppe vom Zaren und dem Großfürsten Michael Alexandra witsch empfangen. Nach herzlicher Begrüßung schritten die Majestäten die Front der Ehrenwache und der Besatzung der Jacht ab und zogen sich, nachdem das Gefolge gegenseitig vorgestellt war, in den Dccksalon zurück. Um 11 Uhr begaben sich Kaiser Wilhelm und der Kaiser von Rußland mit Gefolgen in einem Boot an Bord der „Hohenzollern", von wo der Kaiser von Rußland um IV2 Uhr morgens nach dem „Polarstern" zurückkehrte.
Petersburg, 24. Juli. (W. B.) Der Deutsche Kaiser und Kaiser Nikolaus trafen sich gestern nachmittag auf See in den Schären bei Bjoerkoe. Am Abend fand auf dem „Molarstem" ein Galadiner statt. Heute um 2 Uhr nahm der Kaiser von Rußland das Frühstück auf der Jacht „Hohenzollern" ein. Nach dem Frühstück ver- abschiedeten sich die Kaiser, worauf der „Polarstern" der „Hohenzollern" eine Strecke Wegs das Geleit gab. Heute abend traf Kaiser Nikolaus wieder in Peterhos ein. In den leitenden russischen Kreisen wird diese Zusammenkunft sehr freudig begrüßt und macht einen sehr günstigen Eindruck. —
Petersburg, 24. Juli. (Pet. Tel.-Ag.) Im Gefolge >es Zaren befinden sich äußer dem Hofminister Baron Fredericks;, Hofmarschall Graf Benckendorff, der M a r i n e m i n i st e r, der Kommandeur der Gardeequipage Milow und der frühere Kommandant des Kreuzers „Nowik" und des Panzers „Sewastopol", Kapitän ersten Ranges, Essen: ferner Flügeladjutant Tschagin, Kommandant des Kreuzers „Almas", der Chef der Feldkanzlei, Flügeladiutant Kapitän ersten Ranges Graf Heyden und Leutnant Podgurski. In der Zusammensetzung des Gefolges will man eine besondere Aufmerksamkeit für Kaiser Wilhelm erblicken. (Warum? D. Red.)
Berlin, 24. Juli. Aus Bjoerkoe wird amtlich gemeldet: Nachdem gestern abend der Kaiser von Rußland und die Herren seiner Umgebung bei der Abendtafel auf der .„Hohenzollern" anwesend gewesen sind, hat heute früh der Kaiser das erste Frühstück auf dem „Polarstern" eingenommen und ist mit den Herren der Umgebung um 1 Uhr zur Mittagstafel zu Kaiser Nikolaus geladen worden.
Bjoerkoe, 24. Juli. Die Jacht „Hohenzollern" hat heute die Weiterreise nach Wisby (Gotland) fortgesetzt.
Soweit die amtlichen russischen und deutschen Meldungen, die mit einander in Einzelheiten nicht voll überein- stimmen. Außerdem liegen folgende private Meldungen vor:
Petersburg, 24. Juli. Es heißt, daß die Zusammenkunft auf die Initiative des deutschen Kaisers zurückzuführen sei. .
Petersburg, 24. Juli. Die Begegnung wird m den maßgebenden Kreisen lebhaft erörtert. Der Zar ist zwar nur von seinem Bruder Michael und einer kleinen Suitebegleitet, aber niemand verkennt hier angesichts der großen Schwierigkeiten der politischen Lage Rußlands, die Bedeutung dieser Zusammenkunft. Man betont, daß Rußland sich der traditionellen deutschen Freundschaft auch wahrend des russisch-japanischen Krieges zu erfreuen habe, und schöpft neue Zuversicht für eine baldige Besserung der inneren und äußeren Verhältnisse des Reiches aus dieser vor aller Welt bekundeten Anhänglichkeit des deutschen Kaisers. .
Paris, 24. Juli. Ueber den Zweck der Begegnung zirkulieren hier die verschiedensten Gerüchte. Man fragt sich, ob die Aeußerungen Kaiser Wilhelms den Zaren in fernem Wunsche bestärken werden, Reformen einzuführen und Frieden zu schließen, oder ob sie den Zaren ermuntern worden, eine reaktionäre und kriegerische Politik fortzuführen. Andererseits glaubt man jedoch überwiegend, daß der Kaiser den Zaren dazu bewegen wird, eine gemäßigte Politik nach innen und außen zu verfolgen. m
Paris, 24. Juli. Petersburger Korrespondenten Pariser Blätter versuchen es so darzustellen,, als ob man m einflußreichen russischen Kreisen die Zusammenkunft der Monarchen nicht gern sehe. Man erblickt in derselben ein Gegenstück zu dem plötzlichen Kaiserbesuch in Tanger. Selbst M hohen Kreisen kenne man die Tragweite der Entrevue nicht- ^eunde Wittes erklärten, daß dieser bei seiner Abreise von der Absicht des Zaren keine Kenntnis hatte. Witte wünsche den Frieden unter annehmbaren Bedingungen und seine Anftckft decke sich mit der zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten Petersburgs. Man befürchtet, daß die Unterredung des Zaren m Fr a n kr e ich wegen der jüngsten Marokko-Affäre einen schlech t e n Eindru ck machen könnte und ebenso in En gl a n d' wahreich Rußland gerade nach dem Friedensschluß Mit Frankreich und England das beste Einvernehmen pflegen müßte r
Von Wichtigkeit ist ferner folgende Darstellung des leider io häufig als Offiziosus benutzten „Berl. Lokalanz/ :
Zur Vorgeschichte der Entrevue.
Die Initiative zu der Käiserbegegnung ist vom Zaren Ausgegangen. Bei der herzlichen Freundschaft, die den Zaren und Kaiser Wilhelm verbindet, ist die Anregung des Zaren natur- sich auf der „Hohenzollern" sehr freudig begrüßt worden, denn Kaiser Wilhelm wird den Zaren nach so langer er- eiaiiisreicher Zeit gern Wiedersehen wollen. Als eme haltlose Unterstellung aber muß die in der englischen und ftanzösi- schen Presse aufgestellte Behauptung bezeichnet we^en, Kai l e r Wilhelm beabsichtige, dem Zaren gute Ratschlage auf zu drängen zur Erreichung des F r 1 e de n s im Innern sowohl wie in Ostasien. Kaiser Wilhelm hat es immer roeit von sich gewiesen, wenn ihm zugemutet wurde, sich m die mternen Angelegenheiten eines anderen Staates zu Mischen, so wird er auch in diesem Falle handeln und von sich aus gewiß nicht die schwebenden Fragen, die jefct ganz Rußland bewegen, selbst zur Sprache bringen Sollte jedoch der Zar, dessen Wertschätzung für ^Deutschen Kaiser bekannt ist, Kaiser Wilhelm um seme Ansicht bitten Uso werden diejenigen sehr enttäuscht s-m, die da meinen der Deutsche Kaiser werde raten, unbekümmert um Re form- Versprechungen kräftig autokratisch weiter zu regi^en^Die Auffassung Kaiser Wilhelms durfte, nach semer ganzen Denkweye zu urteilen darauf hinauslaufen, daß Macht und Ansehen wie
So ist denn Björkö, der kleine Hafen an der finnischen Küste, etwa 80 Kilometer von Kronstadt entfernt, über Nacht ein weltberühmter Name geworden. Die Vergnügungsreise unseres Kaisers hatte diesmal schon dadurch einen etwas politischen Charakter angenommen, daß sie Norwegen, das sonst immer ihr Ziel war, diesmal vermied und die schwedischen Gewässer aufsuchte. Die Zusammenkunft des Kaisers mit dem König von Schweden zeigte deutlich genug, wohin sich die Sympathien des ersteren in dem schwedisch-norwegischen Konflikt wenden. Da die Fahrt auch . an der russischen Küste vorüberging, so erklärt es sich eigentfief) in ganz ungezwungener Weise, daß der Zar die Gelegenheit wahrnahm, um mit dem Kaiser Höflichkeiten und Meinungen anszutauschen. Dieser wird es ohne Zweifel nicht daran haben fehlen lassen, dem Freunde zu zeigen, wie schmerzlich er durch das russische Mißgeschick im Osten berührt wird.
Wer im Glück ist, gewinnt leicht Freunde; kommt er ins Unglück, so verliert er sie gewöhnlich rasch genug. Hier ist dem nicht so; der Zar und das russische Volk werden sich überzeugen, daß die deutsche Freundschaft in allen Fährnissen ausdauert.
Das ist das weltgeschichtliche Ergebnis der Zusammenkunft. Sie erregt, je unwahrscheinlicher sie den unbefangenen Beobachtern vorkam, um so größeres Aufsehen. In England und Frankreich wird sich in die Verwunderung vielfach Verstimmung mifchen. Nicht allenthalben, aber doch in jenen Kreisen, die nichts sehnlicher wünschen, als Deutschland zu isolieren und mit Krieg zu überziehen. Man war bereits eifrig an der Arbeit, allerlei Bündnisse , gegen Deutschland zu schließen, wenn auch vorerst nur in der Phantasie. Rußland sollte mit Japan nicht nur Frieden machen, sondern sich fest verbünden, wobei es selbstverständlich sein sollte, daß dieser Bund feine Spitze gegen das Deutsche Reich richte. Da Frankreich, lediglich mit England verbündet, das Kriegsglück nicht auf bie Probe stellen will, sollte durch die Vereinigung von Frankreich, England und Rußland eine überlegene Koalition hergestellt werden. Dann konnte man an das Wagnis gehen. Nun aber kommt der Zar mit dem deutschen Kaiser zusammen. Da hat es am Ende mit dem neuen Dreibund ober Vierbund noch gute Wege. Und da läßt sich die Enttäuschung ober aud) Entrüstung schlecht verhehlen.
Die Unruhe, die vielfach in England unb Frankreich über bie Zusammenkunft ber Herrscher empfunden wird, verrät daher nur ein böses Gewissen. Man scheint dort zu fürchten, daß ber Zar bie Rolle nicht übernehmen wolle, die ihm in bem Spiel gegen Deutschlanb von freundlichen Gönnern zuerteilt werben sollte. Jedenfalls beweist die Begegnung, baß Nikolaus II. bas Bebürfnis hatte, feine guten Beziehungen zum deutschen Kaiser unb zum Deutschen Reich durch ben Augenschein barzutun. Das war nicht ohne Belang in einem Augenblick, wo man an der Seine ben Aufenthalt des Herrn v. Witte unb feine Unterrebungen mit französischen Staatsmännern weiblich auszubeuten begann.
Inwieweit ber Zar mit bem beutschen Kaiser politische Dinge erörterte, wirb vielleicht heute noch selbst ben leitenden Staatsmännern beider Mächte unbekannt sein. Manche Fragen unb Antworten ergeben sich erst aus bem Gange ber Besprechung, aus ber Stimmung bes Augenblicks.
Für uns in Deutschland ist noch eine Aeußerlichkeit nicht ohne Belang. Während bie „Norbb. Allg. Ztg." mit der einfachen Mitteilung sich begnügt, baß bie Begegnung ftattgefunben habe, ist ber üble ,Lokalanz." vom Auswärtigen Amt aus in ben Staub gesetzt worben, eine Erläuterung zu geben. Viel neues erfährt man freilich baraus nicht. Daß ber Z ar, unb nicht ber Kaiser bie Anregung zu ber Zusammenkunft gegeben hat, war bekannt. Ebenso beburfte es kaum einer offiziösen Versicherung über bie Art ber etwa efbetenen Ratschläge Kaiser Wilhelms. Man braucht nicht vom Auswärtigen Amt versorgt zu werben, um zu sagen, was hier gesagt worben ist. Diplomatisch bunte! ist bie Bemerkung: „Man könne sicher sein, baß bie Sache des Friedens nur gewinnen wirb." Das „Berl. Tagebl." vermutet, baß es sich darum handle, Deutschlands finanzielle Hilfsmittelin Gemeinschaft mit Frankreich zu gunften Rußlands flüssig zu machen, und daß dies nur unter ber Garantie des Zwei- bunbes für einen bauernden Friedenszustand geschehen könne. Wir meinen, alle bloßen Vermutungen sind so überflüssig als unter Umstanden von UebeT. Warten wir ab, was von ben Offiziösen in Berlin unb Petersburg etwa in ben nächsten Tagen verraten werden wirb. Wir glauben, man wirb sich beiberseits mit Recht in Eckuveiaen hüllen.
Jas Attentat aul den lü k scheu Sultan.
Aus Konstantinopel liefen heute folgende Nachrichten ein: Wie verlautet, ist die Person, die am Freitag das Attentat verübt hat, bereits verhaftet worden.


