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Nr. 275
• rfftetwt täglich ttuher TmmtaqN.
Tem Siebener ^Ir^ctger werben im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gietzener Kamillen-- Wäher viermal in der
Woche beifldegt Notationsdrua u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u.Stein- bmeferei. R. Lange. Redaktion, (Jpjebttwn und Druckerei:
Schnlftrabe 7.
Redaktion e=a® 112 Verlag u.Exved.e^Abl Adresse für Deoeschen:
Anzeiger Sieben.
(PvstcS Blatt.
155. Jahrgang
Mittwoch 22. November 1905’
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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vezn «SPreiS: rnonallich7b Pi., otcrtel* jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch ne Post Mk. 2.— uiertel- ährl. ausschl. Bestellg. innaf|tne von Knjelgen ir die Lagernummer is vormittags 10 Uhr. jeilcnpreiS: lokal 12Pf^
auswärts 20 Pjg. verantwortlich ne öen polit. und aflgcm. Teil: P. Wittko- für „Stabt und £anb* unb „Gerichlsjaal": Ernst Hetz, für den An- zeigenteil: Hans Beek.
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den Interessentenkreisen
genommen, und den finanziellen Bedürfnissen
ans stand
d.es Reiches durch eine E rh ö hu n g d er Ge wi ch t s z ö lle von Rohtabak Rechnung getragen. Die Steuer fr aft der Verbraucher würde derart berücksichtigt, daß Rohtabakblätter im allgemeinen mit einem höheren Zollzuschlage belegt twerden sollen als die zur Herstellung von Rauch-, Kau- rrnd Schnupftabak dienenden. Eine wesentlich stärkere Belastung sollen die aus dem Auslande einge- führten Fabrikate, in erster Linie die Zigarren, erfahren. Als Ergänzung der Zollerhöhungen war eine Erhöhung der Steuer aus den inlän- bischen Tabak unvermeidbar. Bei aller Anerkennung drr Wichtigkeit des Tabakbaues für die kleinen landwirt- schaftlich-m Betriebe war ;u erwäoen, daß die ausländische
e8 des Rohstoffes, jet es abgestust werde. Im Hinblick
aeivistccmaßen als ein Akt wohlwollender Sorge um die Volksgesundheit zu betrachten!! Heber die Art der Steuer- erhöhung werden von der ,R. A. Z." nur allgemein gehaltene Bemerkungen gemacht. Erhöhung be§ Zolls auf rohe Tabakblätter, auf Zigarren, „reichliche Zollerhöhung" für Zigaretten, Besteuerung der Zigarettenpapiere, Erhöhung der Steuer auf inländischen Tabak. Alles daS, um etwas, über 40 Millionen Mark Mehrertrag zu bekommen. Ein recht starker Tabak!
Bier und Tabak eröffnen also den unfreundlichen Reigen der neuen Reichssleuerpläne. Man muß eine sonder- b a re Bevormundung deS öffentlichen Urteils darin finden, daß ein Organ der Regierung in den Stand gesetzt wird, die Vorlagen lang und breit zu erörtern, während der unabhängigen Presse daS in Betracht kommende Material nicht zugänglich gemacht wird. Der offiziöse AnSzug teilt begreiflicherweise dasjenige mit, daS die Abfichten deS Schatzamts zu fördern geeignet ist. Waren die Entwürfe als solche veröffentlicht, ppne bie empfehlenden Einkleidungen, so würde die Presse wohl manches anders zu gruppieren und anders zu beleuchten haben. Mindestens war zunächst einfach das Tatsächliche allgemein zugänglich zu machen, sowie die amtliche Begründung; dann konnten die halbamtlichen AitSlaffungen folgen. Jetzt muß man den Kern der Vorlagen aus dec umfangreichen Darlegung der „Nordd. Allg. Ztg." heraussuchen. Präzise Steuersätze werden aber bei der „beabsichtigten stärkeren Heranziehung deS BiereS" — ein übles Kanzlei-Deutsch — nicht angegeben. ES fragt sich, ob der Biertrinker die Mehrbe- lastung, die darnach sehr kräftig sein wird, .vertrügt". Die öffiziöse Stimme hält es für „keineswegs ausgemacht, daß die Steuererhöhung eine im Einzelverbrauch bemerkbare Erhöhung des Preises bewirken würde." Vorsichtshalber wird dieser Beruhigung, um keine trügerische Hoffnung zu wecken eine Hinzufüge gemacht. Bei dieser starken Verklausulierung wird an man die Anekdote von dem eifrigen Verteidiger erinnert, der da erklärte, erstens hätte die Zeugin die angeblichen den Angeklagten belastenden Worte notorisch nicht gebraucht; wenn sie aber dennoch so gesprochen haben sollte, nun, so sei daran zu erinnern, daß die Zeugin zu der Zeit ihres Ausspruchs eine Eisblase auf dem Kopf hatte, also in unzurechnungsfähigem Zustand sich befand.
WaS sonst die „R. A. Z." über die Staffelung der Brausteuer, das Verbot der Verwendung von Surrogaten usw. mitteilt, ist bereits bekannt. Neu ist, daß den süddeutschen Staaten für die entsprechend erhöhten Ausgleichungsbeträge bis zum Jahre 1914 eine UebergangSzeit zugestanden wird, innerhalb deren die Beträge allmählich steigen sollen.
Mit dem Tabak macht Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel noch viel weniger Federlesens als mit dem Bier. Rach konservativer Auffassung wird zuviel Eisenbahn gefahren („Eisenbahn-Vagabondage"), zuviel geraucht und zuviel Bier getrunken. So märe die neue Tabaksteuer
der fertigen Ware
auf die Bedenken
wurde davon A b -
sonderbarer Heiliger scheint es bisweilen, der uns sein Paris zeigt. Es ist nicht das Paris der Weltausstellnngsbesucher, viel eher schon das Paris .Heines oder mehr noch das Hebbels. Ich höre bisweilen Hebbel sagen: „Närrische Gedanken, göttliche Dummheiten". Und das tat er, wenn er einen Gedanken einmal bis zu feinem Paradoxon durchgedacht hatte, wenn er sich mutig und gesund genug suhlte, das Kranke mit starker Hand anzufassen und herauszuschneiden, wenn er denn schließlich bei dieser Hamleterei aus eine göttliche Dummheit gestoßen war, will sagen eine prächtige breitlachende Wahrbeit für uns Menschenkinder. „Auf den Spuren Goethes" in Wetzlar und „Zur Sprache des Tanzes" sind zwei andere Kapitel des Buches, die uns wie der Kristallspiegel eines Waldleiches die Wirklichkeit malen. Wo Holzamer Landschaften malt, zeigt er sich als ein sinniger Poet und verrät die Liebe seiner Landsleute zur Natur, erinnert uns an Hans Thoma; wo er bann wieder dem Seelischen aus der Spur ist, aus dem heraus — nicht in Abhängigkeit von der Musik — er den Tanz neu geboren sehen möchte, da verrät er wieder jene Eigenschaften, die Hebbel zu einem Dramatiker machten: er ruht nicht eher, als bis er vor den letzten Thesen und Antithesen angelangt ist, er schält die bittere wertlose Schale peinlich genau ab, die wir bei schlechten Büchern in unserer Gier so oft mit hcrunterschlucken unb uns dadurch mitschuldig machen, er schenkt uns die lautere Wahrheit, wie sie em urengcr Verstand und ein reiches Gemüt gemeinsam ersaßt haben.
Kleines Feuilleton.
— Zum Neubau des Stadrtheaters in Düren t-urbe in der letzten Woche der Grundstein gelegt. Kvmmerzien. r«t Hoesch, der bereit- 600 000 Mk. für das Theater gestiftet hrt, bat zur Feier her Grundsteinlegung die Bestimmung getroffen. >vwnach der Stadt für die Unterhiltung des Theaters eine Zeit- uatte von jährlich 5000 Mark 31 Jahre lang zustehen soll.
— Noch einer Mitteilung von Platzhoff-Lejcune im „Lite- nmnschcn Echo nnb für die f ch w e i z er i s ch e S ch i l l e r st i f t- u:itg aus allen Kantonen ber Schweiz 150 000 Franken etnge- laufen. Davon entfallen auf dm Kanton Zürich 36 000, auf beit kleinen 20 000 Einwohner zählenden Km,ton Uri 1000 und auf brti 128 000, überwiegend katholisch-, Einwohner umfassenden k -nton Freiburg nur 51 ganze Franken unb das, obwohl bis -höfische Freiburger Hochschule — dlerbims; erst nachträglich — eine Sckillerftvr abgehalten hat, welche schön verlaufen und ßanrt besucht gewesen fein soll.
— Zu einer bemcrkenÄverten Tat haben sich, wie aus R : wYork berichtet wird, 30 Finanzleute und Kunstfreunde ber remchen Newyorker Gesellschaft zusammengetan und ein Gründ' loyrital von 12 000 000 Mark gestiftet, bas zum Ankauf und chru eines großen amerikan. Nationaltheaters bc- s-iinmt ist. Tie 30 Sogen, die die bevorzugtesten Plätze dieses THcaters fein werden, werden an einzelne Kunstfreunde gegen time einmalige Zahlung von 400 000 Mark zu bauerndem Allein-
Tabake verarbeitende Jndupme, die viele Tausend Arbeiter beschäftigt, keine Beeinträchtigung zu gunsten des inländischen Tabakbaues erfahre« durfte. Neben einer geringeren Besteuerung werden dem inländischen Tabakbau einige weitere Vergünstigungen gewährt. Auf eine stufenweise Anpassung an die neuen Steuerverhaltnisse ist Bedacht genommen."
Eine besondere Behandlung ist für die Zigarette vorgesehen, die in gewissem Grade die Zigarre zu verdrängen begonnen hat. Tie Zigarettencinfuhr hat sich von 1895 bis bis 1905 vervierfacht, die inländische Herstellung erfuhr eine Steigerung in einem noch höheren Maße. Letztere wird für 1904 auf 4 Milliarden Stück geschätzt. Unter Hinzurechnung der Einfuhr und Berücksichtigung der Ausful)r betrug ber Verbrauch im Jahre 1904 4Vr Milliarden. Tas Anwachsen des Zigarettenverbrauchs sei schon deshalb etne unerfreuliche volkswirtschaftliche Erscheinung, weil damit g c a e n die i n l ä n d i s ch e I n- dustrie auf Kosten des Zigarrenverbrauches üorpepangen werde. Von der Fabrikatstener war ans gleichen Gründen wie bei den Zigarren abzusehen und daher zu einer Besteuerung des Zigarettenpapieres gegriffen worden. Außer der Steuer ist naturgemäß eine reichliche Z o l lerhöhung vorg. sehen, teils aus Oftün- ben bes Schutzes der inländischen Industrie, teils weil die eingeführten Sorten eine höhere Belastung besonders leicht ertragen. Die finanzielle Wirkung der Steuern und der Zvllcrhöhung für Tabak und Zigaretten wird uf etwas ü b e r 4 0 Millionen Mark zu schätzen sein.
Die „Nordd. Allg. Ztg"' ki'indigte weitere Darlegungen über die Aenderung der Neichsstempelsieuergesetze und der Erbschaftssteuer an.
gebrauch abgegeben. Der Inhaber einer solchen Loge erwirbt damit zugleich einen Anteil an dem Theater. 30 Wochen im Jahre soll gespielt werben. Natürlich wird auch hinter diesem erstrebten inneren Werte die Kostbarkeit ber äußeren Ausstattung nicht zurückbleiben. AuS dem Foyer soll eine erlesene Gemalte- Q-iterie gemacht werden, unb eine Million Mark ist allein für die künstlerische Ausschmückung der Wände vorgesehen.
— Im Wandern und Werden. Kritische Randb .k ungen von Wilhelm Holzamer. Berlin 1905. Verlag von öieganbt u. Grieben. — Dos uns an des Hesien Holzamer ErjäUungen nrit an seinen Aufsätzen in gleicher Weise fessel!, ist der Stil. Ueberall empfindet man bei i^m die Kunst, seiner eigenen Forderung gemäß, als „zu Wert erhobenes, von Wert durchdrungenes 2eben", llnd dieser Stil hat bei ihm nichts Hartes, nichts Unterstreichendes, f-mbern ist von der gleichmäßigen Körperwärme einer Persönlichkeit burdtyrungtn, wird ;um unmittelbaren Ausdruck eines wirklichen Lebens. Tas Persöiiliche in Holzamers Art zu schreiben, spricht nkbt nur aus ber immer bedeutsamen Siebe, die alles wertlose Geschwätz vermeidet, spricht auch in zunächst befremdenden, bann aber nut um io liebenswerteren Wr»rtbild'.ingen. „Im Wcmdem unb Werben", wie treulich emst ist sciwn dieser Buchtitel, gibt uns .Holzamer dos Resultat ein-r Rcih^ von Neisebcobachtungen unb vor allem seine ,,P a r i f i a n a". Man kann biefe Wahrnehmungen schwer ab- schätzon, noch schwerer ist es fast, sie zu charakterisieren. Ein
Aie neuen Ncichsficuerrr.
Die „Nordd. Allg. Ztg." führt in einem Artikel, betitelt „Die neuen Neick)sfteuern" aus, daß die Mehreinnahmen aus dem neuen Zolltarife nur etwa 25 Millionen Mark für allgemeine Reichs zwecke liefern, da annähernd zwei Drittel derselben, mögll'berweife 70—80 Millionen für die Schaffung eitler W i t we n - und W a i s e n- versorgung zurü ckzustel.cn sind. Für die Deckung ber men aufpibringenbcn 220 bis 230 Mill. Mark find neue Steuereinnahmen heranzuziehen, für deren Wahl die Berücksichtigung der Leistungsfahiafrit der verschied.cnen Bevölkerungsschichten unter Vermeidung von Steuern, durch ttelche notwendige Lebensbedürfnisse hätten leiben können, der maßgebende Gesichtspunkt war. Mußte deshalb auch der Massenverbrau c sowie der Verkehrs- und Güterumsatz herangezogen werden, so soll doch die Tragfähigkeit der Verbraucher und der Ge- kverbetreibenben tunNchste Berücksichtigung erfahren. (?) Da die in Vetrachi kommenden Reichsausgaben keineswegs einzelnen bevorzugten Klassen, sondern ber 'Gesamtheit bienen, ist es gerecht, weiteren Kreisen nach ber Leistungsfähigkeit einen Teil ber Lasten auszuerlegen
In er ft er tiinie in Betracht kommende Gegenstände tzeS Massenverbrauches sind Bier und Tabak. Keineswegs sei ausgemacht, daß die Steuererhöhung im Vinzelverbrauche eine bemerkbare Preis erhöh- »ng bewirken würde. (!) Dagegen spreche, daß die Mehr- frdafhmg pro Liter so geringfügig ist, dafür, daß voraussichtlich gar keiner ober ein ganz geringer Preisaufschlag tintrete, ber ben Verbrauch schauerlich beeinträchtigen könnte. Am den kleinen Betrieben ben Wettbewerb zu erleichtern, isst eine Staffelung ber Steuer nach bem Umfange ber Betriebe vorgesehen. Ferner soll künftig eine Stundung ber Verbrauchssteuer zulässig sein. Die Verwendung von Surrogaten soll verboten werden, ausgenommen chemisch reiner Zucker für bte Herstellung ober gäriger Biere. Die Bereitung des Haustrunkes bleibt steuerfrei. Am selben Maße wie die norddeutsche Drausbeuer erhöhen sich die von den süddeutschen Staaten an das Reich zu zahlenden Ausgleichsbeträge, doch isst wegen der dort notwendigen budgetmäßigen Vorkehrungen eine Uebergangszeit b.s 1914 mit einer allmählichen Steigerung ber Beträge vorgesehen. Zugleich mit ber Steuer- eirhöhung. ist eine entsprechenbe Erhöhung des Ein- xangszolles vorgesehen. Der Mehrbetrag ber LÜersteuererhöh-ung nnrd einschließlich ber vollen Ausgleich- rngsbeträge der südderttschen Staateri nach dem Ablauft der Uebcrgangssrist auf über 60 Millionen Mark ^schätzt.
„Mag das Bier vielleicht in einem gewissen Grade als richt ganz entbehrlickes Genußmittel angesehen werden, sio sei, so schreibt die „Nordd. Allg. Ztg^" weiter, die Ent- b ehrlichkeit des Tabaks außer Frage. Es lag nahe, gerade diesen Gegenstand des Maffenverbrauchs ins Auge zu fassen. Doch auch bei biefem Steuerprojekt ließen die Regierungen fach durch die Rücksicht auf dre Steuerfraft des Verbrauchers leiten. Vollkommen tarne dieser Gesichtspunkt nur zur Geltung, wenn die Besteuerung nach dem Werten sei
Die Höchstsumme der Matrikularbeiträge soll in ber neuen Reick^sfine. nzvorlage gesetzlich fixiert werben, b. h. die Bundesstaaten wollen eine Art Rückversicherung gegen ungedeckte Matrikularbeiträge eingehen. Diese Forderung ist nicht , neu; bereits in der vorjährigen Ler Stengel fand sich^dieser Fremdkörper, den die Zentrumsfraktion mit geschickter Hand entfernte. Die Matrikularbeiträge sind nun verfassungsmäßig als Einnahmen des Reiches ftstgelegt und der provisorische Charakter, ben sie von 1871 an trugen, ist ihnen abgestreift worben.
In der unrevidierten Verfassung zählte Artikel 70 zuerst die Reichseinnahmen auf und fuhr dann fort: „Insoweit die gemeinschaftlichen Ausgaben durch diese Einnahmen nicht gedeckt werden, sind sie, solange Reichssteueni nicht eingeführt sind, durch Beiträge ber einzelnen Bunbesstaaten nach Maßgabe ihrer Bevölkerung a-fzubringen" usw. Mit Annahme ber Lex Stengel jeboch ist dieser zweite Satz deS Artikels 70 dahin geändert worden: „Jnsoiveit die Ausgaben durch diese Einnahmen nicht gedeckt werden, finb sie durch Beiträge ber einzelnen Bundesstaaten nach Maßgabe ihrer Bevölkerung aufzubringen." Der Unterschied zwischen beiden Fassungen ist llar; konnte man ftüher von einem Provisors schen Charakter der Matrikularbeiträge reden, so geht dies heute nicht mehr.
Nachdem nun erst im Jahre 1904 die Bundesstaaten bei dem Versuche, die Höhe der ungedeckten Matrikularbeiträge zu fixieren, sich einen großen Korb geholt haben und da es die Verfassung eigens ablehnt, diese Höhe zu besfimmen, sollten sie nicht schon wieder mit solchen Wünschen hervortreten. Shue eine Verfassungsänderung sind diese nicht durchzuführen; sonst aber sperrt sich der Bundesrat sehr gegen Verfassungsänderungen (z. B. Diäteuftage^, hier hat man 1904 die Verfassung mm guten geändert, soll sie 1906 wieder rückwärts revidiert merken ? Freilich will die Vorlage in einer anderen Gestalt dem Noichstag das Budget- recht wahren, das eine Festlegung der Matrikularbeiträge einengt. Es ist bekannt, daß eine Mehrheit für die Reichserbschaftssteuer im Bundesrat erst bann zustande kam, als ben E in H e l st a a t e n zu ar sichert wurde, daß sie ihren Anteil andern Ertrage derselben erhalten sollen als Entschädigung dafür, daß ne auf ihre seitherige Erbschaft^ steuer $u verzichten haben Nun soll es dem Reichstage, das heißt der jährlichen Festsetzung im Etat Vorbehalten bleiben, wie hoch jedes Jahr diese Abfindung an die Einzel- staaten ist; üben diese Sparsamkeit, so erhalten sie mehr> bewilligen sie alles im Bundesrat, so erhalten sie weniger. Der Spartrieb der Einzelstaaten soll also hierdurch gefördert werden. Gut! Wie aber steht cs in Jahren schlechter Finanzlage? Da kann das Reich bte gesamte Erbschaftssteuer für sich fordern, eine Abfindung an d i e Einzel st aatcu gißt e 5 nicht; aber selbst bann kann nocft ein Defizit im Etat bleiben! also müssen die ungedeckten Matrikularbeiträge die Lücke füllen; setzen wir ben Fall, diese Lücke sei noch 70 Millionen! Ist nun ber Höchstsatz ber Matrikularbeiträge mit 40 Mill, bestimmt, woher sollen bann bie testierenden 30 Millionen kommen? Man mußte fo zu einer Zuschuß an leihe schreiten!
Co würbe biefe Regelung« direkt in größte Schuldenwirtschaft hineinführen, sie hniroe dem Reichstag einen Zwang zur Aufirahme von Zuschußanleihen auf- erlegen' Kann er dieses ruhig hinnehmen? Aber interessant ist, oaß eine solche Regelung den angeblichen Hauptuachteil der Matrikularbeiträge oar nicht beseitigt; bisher hat man stets gefragt, daß diese störend in den Etat ber Einzelstaaten eingreifen unb hier eine Bilanzierung fast unmöglich machen! Ganz Dasselbe tritt aber ein, wenn der Reichstag alljährlich die Höhe ber Abfindungen für die Erbschaftssteuer feststellt; da müffen sich ebensolche Schwaufr'.naen ergeben!


