Ausgabe 
26.8.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Kassel, 25. Aug. Der Kaiser ist mit Gefolge um /7 Uhr 20 Min. in WilhelmShöhe eingetroffen; er wurde auf dem Bahnhofe von der Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise und dem Prinzen August Wilhelm empfangen.

Berlin, 25. Aug. Am Kaisermanöver wird Prinz Arthur von Connaught teilnehmen. Die hier und da verbreitete Nachricht, daß der Prinz von Wales dazu nach Deutschland kommen werde, kann nur auf einer Verwechselung beruhen. Von seiner Teilnahme am Kaisermanöver war nie die Rede. (Tgl. Rdsch.)

Posen, 25. Aug. Nach einer soeben veröffentlichten .amtlichen Angabe nimmt der Typhus ständig ab. Die Gesamtzahl der gemeldeten Erkrankungen ist 255, der Todes­fälle 13. Auch in der Provinz nimmt der Typhus ab.

Hamburg, 25. Aug. Mit dem PostdampferEduard ,Woerrnann" undAlexandra Woerrnann" werden am 31. d. Mts. 69 Offiziere, 452 Mann und 500 Pferde nach Swakopmund abgehen.

Ausland.

Kopenhagen, 25. Aug., nachm. Die englische Flotte passiert jetzt auf dem Wege nach Swinemündc den Großen Belt im östlichen Fahrwasser.

Christiania, 25. August. Die Delegierten für die Verhandlungen, betreffend die Lösung der Union, werden morgen vormittag gleichzeitig in dem norwegischen und dem schwedischen Staatsrate ernannt werden.

Der vom Storthing angenommene neue Zoll­tarif wurde heute von der Regierung bestätigt; er tritt am 8. September in Kraft.

Bad Gastein, 25. Aug. Der König der Belgier fist nach vollendetem Kurgebrauche nach Paris abgereist.

Petersburg, 25. Aug. (Petersb. Telegr.-Agentur.) -'Aus Teheran wird unter dem gestrigen Datum gemeldet, die persische Regierung verhandelt über den Ankauf von zwei Kanonenbooten, mit denen sie im Persischen Meer­busen dem überhandnehmenden Schmugglerunwesen zu steuern beabsichtigt.

Heute beginnt vor dem Obermilitär-KriegSgericht in Petersburg die Revisionsverhandlung gegen den Lehrer Kulikowski, den Mörder des Moskauer Ober­polizei meisters, Grafen Schuwalow. KulikowSki hatte gegen das Todesurteil Berufung eingelegt. Die Verhandlung fand bei verschloßenen Türen statt.

Konstantinopel, 25. Aug. Der deutsche Bot­schafter wurde nach dem heutigen Selamik vom Sultan in Audienz empfangen.

DieNntersuchungen und die Verhaftungen in Smyrna dauern fort, da die 3 5 Bomben, die nach dem Geständniffe in Smyrna verhafteter Personen noch vorhanden sind, lnSher nicht gefunden wurden. Komplizen werden auch im Regie­rungsgebäude vermutet, da dort ein Ort zur Aufbewahrung von Bomben vorbereitet war. In armenischen Ge­schäften wurden Soldatenkleider und Priester­gewänder gefunden, die für die Urheber des Anschlages bestimmt waren. AuS der aufgefundenen Korrespondenz geht hervor, daß, da die Vorbereitungen noch nicht beendet waren, der Anschlag erst am 10. September stattfinden sollte. In- folge der ergriffenen Vorsichtsmaßregeln ist der Ausbruch einer mohammedanischen Erbitterung nicht zu befürchten, aber angesichts der allgemein herrschenden Beunruhigung leidet der Geschäftsverkehr. Der Kredit wird eingeschränkt. Nach Magnesia, wo die Erbitterung der Mohammedaner gegen die Armenier groß ist, wurden 150 Mann geschickt.

New-Orleans, 25. Aug. Das gelbe Fieber herrscht ungeschwächt weiter. Gestern wurden in der City 44 neue Erkrankungsfälle und 7 Todesfälle gemeldet. Auch außerhalb der City ist die Lage beunruhigend, man befurchtet, daß das Fieber nicht abnehmen werde, bis die Witterung kühler geworden ist. Aus den Bezirken Amelia und Assumption, die bisher vom Fieber verschont geblieben sind, werden sechzig Fälle gemeldet. Die ärztlichen Behörden sind der Ansicht, daß die Gesamtzahl der Fälle im Staate Louisiana sich auf 1000 belaufe.

Aus Hladt mrd Wr-.

Gießen, 26. August 1905.

Erkrankung der Großherzogin? Gegenüber Gerüchten von einer Erkrankung der Großherzogin von .Hessen wird uns aus Darmstadt mitgeteilt, daß dort von irgend­welcher ernsthaften Erkrankung der Großherzogin nichts bekannt ist.

* * Eine ehrenvolle Berufung. Konzertmeister Willy Kruse, Sohn des hiesigen Musiklehrers Chr. Kruse, ist nach erfolgreichem Probespiel als 1. Konzertmeister nach .Berlin ans dortige Opernhaus berufen worden.

* * Bei der hiesigen Stadtfern sprech anlage sind nach Anordnung der Kaiser!. Oberpostdirektion in Darm­stadt Vorrichtungen zu treffen, welche das Abläuten seitens der Teilnehmer am Schluffe eines Gespräches entbehrlich machen. Die Ausführung der für den Betrieb bei den Sprechstellen erforderlichen Aenderungen durch Personal des hiesigen Postamtes ist bereits im Gange.

" Pensionskasse der Beamten der Land­gemeinden und Kommunalverbände. Auf An­ordnung des Ministeriums des Innern werden zur Zeit den Bürgermeistereien durch die zuständigen Kreisbehörden die Grundsätze bekannt gegeben, unter denen eine Pensionskaffe der Beamten der Landgemeinden und Kommunalverbände ins Leben treten soll.

Für den Erweiterungsbau der Epilepti- fchen-Anstalt in Nieder-Ramstadt gingen ferner bei Pfarrer D Schlosser ein: von K. B. 10 Mk., S. 3 Mk., von S. gesammelt 30.60 Mk. Weitere Gaben werden dank­bar entgegengenommen.

Silberne Hochzeit feiern morgen, am 27. August, der Pförtner der Provinzial-Siechenanstalt August Weller und dessen Ehefrau Marie, geb. Roth.

Ein Unglü ckSfall ereignete sich gestern nachmittag in Klein-Linden. Die Frau deS Gastwirts Engeln schnitt sich mit einem scharfen Tranchiermesser auS Unvorsichtigkeit in das Handgelenk und durchschnitt die Sehnen und die Pulsader, sodaß das Blut in einem Strahl hervorspritzte. Ein auf das Geschrei herbeieilender Bahnbeamte band der

bereits Bewußtlosen die Schlagader am Oberarm ab und veranlaßte die sofortige Verbringung in die Gießener Klinik.

** Eine Hundesperre hat es schon vor länger als 100 Jahren in Leipzig gegeben. Wir haben heute ein aus dem Jahre 1796 stammendes in auffallend schöner Schrift gedrucktes Plakat ansehen können, das damals der Rat derStadtLeipzig öffentlich hat anschlagen lassen. Leider ist nicht ersichtlich, tote lange die Sperre gedauert hat. Das erwähnte landesherrliche Mandat hatte Vorkehr­ungen wegen der Hundetollwut anbefohlen, es wird aber in der Bekanntmachung des Rates der Stadt nicht erwähnt, welche Maßregeln vom 2. April bis 4. Juni in Kraft waren. Aus den Vorschriften des Rates läßt sich aber er­sehen, daß damals die Sperre mit gleicher Strenge gehandhabt wurde wie heute. Der öffentliche Anschlag, der allerdings einen höchst schwierigen Stil meistert, hat fol­genden Wortlaut:

F^s ist wegen Einschränkung des Hundehaltens, und der wider V/ das sreye Herumlaufen der Hunde, auch sonst zu Verhütung der von wütenden Hunden zu besorgenden Gefahr, zu treffenden Vorkehrungen, unterm 2. April d. I. ein landesherrliches Mandat erlassen, und dasselbe ist sowohl auf dem Rathhause allhier, als an den sonst gewöhnlichen Orten öffentlich angeschlagen worden.

E. E. Hochweiser Rath dieser Stadt findet für nölhig, dieses hierdurch noch besonders bekannt zu machen, und nach Anleitung deffelben zugleich zu verordnen,

daß alle entbehrliche und überffüsfige Hunde sofort abge- schaffet, diejenigen Hunde aber, deren Haltung etwa nach­zulassen seyn möchte, nicht aufferhalb den Gehöften und Be­hausungen, noch auf den Strassen und Gaffen frei) und ohne Aufsicht Herumlaufen gelassen, auch solche nöthigen Falls anders, als wenn sie, der gegebenen Vorschrift gemäß, an einem Bande, einer Leine, oder einem Stricke geführet oder mit einem Beisriemen und sogenanntem Maulkorbe versehen werden, von den Eigenthümern oder den Ihrigen mit sich aus den Gehöften und Behausungen nicht genommen, in­sonderheit von den Fleischern die ihnen zugehörigen Hunde in die Fleischbänke nicht gebracht, bey ihren Verrichtungen hingegen selbige, so lange sie nicht zum Treiben des Viehes gebrauchet werden, an Leinen oder Stricken gesühret, oder mit einem Beisriemen versehen, nicht minder von den Lohn­kutschern und Fuhrleuten, wenn sie Hunde bey sich haben, dieselben unter dem Wagen angebunden, oder ebenfalls an Stricken geführet oder mit Beisriemen versehen werden sollen.

Wie bey jeder Zuwiderhandlung die vorgeschriebenen Ahndungen und Bestrafungen, sowohl, im Fall dennoch der vorgesetzte End­zweck nicht zu erreichen wäre, andere gemessenst anbefohlene Ver­fügungen und Vorkehrungen zu gewarlen sind: also hat jeder Eigenthümer eines Hundes auf denselben die genaueste Aufmerksam­keit zu richten, und, sobald auch nur die entferntesten Kennzeichen der Wuth oder Tollheit an ihm sich äusser», ohne den mindesten Verzug ihn einzusperren, auch nach den übrigen diesfalls gegebenen Vorschriften des landesherrlichen Mandats sich zu verhalten, dessen sorgfältigste Befolgung überhaupt, in allen und jeden Stücken, hiermit eingescharfet wird.

Leipzig, den 4. Junii 1796.

(L. 8.) Der Rath zu Leipzig.

§ Lich, 23. Aug. Nachdem die Behörden unseres Kreises Gießen schon seit einigen Jahren die Erichtung einer Acker­bauschule beabsichtigten, ist jetzt die Einrichtung der An­stalt definitiv beschlossen worden; sie erhält ihren Sitz in unserer Stadt. Unsere Gemeinde stellt die erforderlichen Räumlichkeiten und das Versuchsfeld. Die Schule wird voraussichtlich im November eröffnet werden. Ein anderes Institut tritt ebenfalls im Herbst ds. Js. für den Kreis Gießen in Kraft, nämlich eine Wander-Ha uS- haltungS- und Kochschule nach dem Vorbild de§ be­nachbarten preußischen Kreises Wetzlar.

-s- Schotten, 25. Aug. Wie alljährlich fand heute am Ludwigstage auf dem LuftkurortLehrer heim Vogelsberg" eine Familienkonferenz oberhessischer Lehrer statt, die äußerst zahlreich besucht war, sodaß der große Saal kaum ausreichte. Das Musikkränzchen des Be- zirkslehrervereius Gedern trug durch schöne Vorträge viel zur Unterhaltung bei. Gegenwärtig ist das Lehrerheim wieder von Sommerfrischlern voll besetzt; ein Anbau ist dringend erforderlich. Der VereinLehrerheim" zählt jetzt über 1400 Mitglieder, darunter auch viele Nichtlehrer.

Frankfurt, 25. August. In einem Waffergraben in der Gemarkung Praunheim wurde gestern nachmittag die Leiche des seit dem 21. August vermißten Müllers Johann Raithel aus Hausen gefunden. Naithel hat sich an jenem Tag ohne Grund aus seiner Wohnung entfernt. Es ist anzunehmen, daß er sich an einem über dem Wasser­graben stehenden Baum erhängt hat, daß aber der Ast gebrochen und er heruntergefallen ist. Den Strick hatte er noch um den Hals. Heber der Leiche lag der gebrochene Ast. Ein Verbrechen scheint ausgeschlossen, da alle Anzeichen auf Selbstmord deuten. Die Leiche kam auf den Praun- heimer Friedhof. In einer Schule in der Burgstraße wurde ein dreizehnjähriger Schüler von einem anderen mit einer frisch gebrauchten Schreibfeder versehentlich in die rechte Schläfengegend gestochen. Die rechte Gesichts­hälfte war in kurzer Zeit angeschwollen, es war Blutver­giftung eingetreten. Der Verletzte mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. (K. P.)

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ck b a r st a a t e n. In der Holzschneiderei von Schönheim in der Günthersbnrgallee in Frankfurt stürzte der 28 jährige, aus Hackelheim gebürtige Taglöhner Valentin Ries die Kellertreppe hinunter und war sofort tot.

Kunst und Wissenschaft.

swk. Heidelberg, 25. Aug. Am 8. und 9. September tagt hier die 4. Hauptversammlung des Deutschen Medizinalbeamten-Vereins. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Beratnngsgegenstände:Gcrichtsärztliche Wünsche mit Rücksicht auf die bevorstehende Neubearbeitung der Strafprozeßordnung". Referente Pros. Tr. H e i m b o r g e r in Bonn, Gerichtsarzt Prof. Dr. S t r a ß m a n n in Berlin und Prof. Dr. Aschaffenburg in Köln a. Rh.Die Beaufsichtigung der Geisteskranken außerhalb der Anstalten". Referent: Privat­dozent Dr. W. Weber, Oberarzt der Provinzial-Heil und Pflege- anstalt Göttingen, Korreferent: Prof. Tr. P. S t o l p e r, Kreisarzt in Göttingen.Abwäffer-Reinigimg mit Rücksicht auf die Rein­haltung der Wasserläufe". Referenten Dr. T h u m m , ordentl. Mitglied der Kgl. Versuchsanstalt für Wasserversorgung und Ab­wässerbeseitigung in Berlin (vom hygienisch-technischen Stand­punkte), Reg.- und Med.-Rat Dr. D ü t s ch k e - Erfurt (vom gesundheitspotizeilichen und verwalrungsgerechtlichen Standpunkte).

Ponta Delgada (Azorenl, 25. Aug. Der Fürst von Monaco setzte die im vorigen Jahre begonnene Erforschung der Atmosphäre über den Ozeanen in den Monaten Juli und August fort. Die JachtPrincesse Alice", auf der sich der Füfft in Begleitung des Straßburger Professors H e r g e s e l l befand, drang lveit in das Sargassomeer vor. Die bereits im Frühjahr erprobte Methode der R e g i st r i e r b a l l o n s wurde auf den Atlantischen Ozean ausgedehnt. Die Ballons, die von dem Schiffe meilenweit verfolgt und wieder eingeholt wurden, erreichten eine Höhe bis zu 14 030 Metern und brachten gute

Aufzeichnungen herab. Da man bei der Verfolgung bie Luft­fahrzeuge stets int Auge behielt, konnte man durch 'Visieren mit geeigneten Instrumenten ihre Bahn bestimmen und die Richtung und Geschwindigkeit in den Passaten und den Luftströmungen nödrlich von diesen bis zur Höhe von 14 000 Metern feststellen.

Landwirtschaft.

Hofgeismar, 24. Aug. Tie Generalversammlung der hiesigen Korn Hausgenossenschaft, an der auch der Vor­sitzende der Landwirtschastskammer für den Bezirk Kassel und der Verbandsdirektor der Raiffeisen-Genossenschaft, Oekonomierat Rexrodt aus Kassel, teilnahmen, beschloß auf Antrag des Vorstandes:

Im laufenden Geschäftsjahr lvird das Getreide der Mit­glieder in das Kornhaus geliefert, ohne daß im einzelnen Falle der Preis vereinbart wird. Bei der Anlieferung erfolgt eine Abschlagszahlung unter bestimmten, genau festgesetzten Be­dingungen und am Schluß des Jahres kommt der durch­schnittlich erzielte Erlös zur Auszahlung."

Genchtslaal.

Hannover, 21'. Aug. Der Stellenvermittlungs- schwindel fängt nach derFranks. Ztg." nachgerade an­gemeingefährliche Dimensionen anzunehmen; wenigstens find An- nr'T'm und Verurteilungen vor hiesigem Land- und Schöffen- gei.^jt an der Tagesordnung. Die Vermittler, die hier wie Pilze aus der Erde schießen, versenden, namentlich an Landwirte, bombastische Reklamen, oder inserieren in den Zeitungen, daß sie aller Art Personal in großer Auswahl jeder Zeit disponibel haben. Verlangt nun jemand solches, so lassen sie sich 'enorme Provisionen und Reisekosten vorher einsenden, schicken dann aber meist gar kein Personal oder absolut unbrauchbares, krankes u. a. das der Besteller nicht bezahlen kann oder das selbst wieder davongehl. Verlangt der so $5 er ein gelegte fein Geld zurück, so blecht er ohne Antwort; klagt er, so ist in der Regel der Vermittler pfandlos und hat schon manifestiert. Meist ist das Geschäft inzwischen auch in andere Hände, tatsächlich an Strohmänner, übergegangen, derenGeschäftsführer" der Ver­klagte ist. Die Leute sind auf alle Fälle stets die Betrogenen, und es handelt sich dabei oft um beträchtliche Summen. Bei den zahlreichen Gerichtsverhandlungen stellt sich dann oft genug heraus, daß die (SieUent)emittier vorbestrafte Personen sind, sodaß man sich wundern muß, wie die Behörde ihnen überhaupt die Konzession zu ihrem Gewerbebetrieb hat erteilen können, der doch immerhin ein gewisses Maß von Vertrauen erfordert. Die Gerichte sind diesem gemeingefährlichen Treiben gegenüber sehr mild und verhängen meist nur geringe Geldstrafen wegen ,.Gewerbevergehen", während es sich doch um einen systematischen Schwindel handelt. Durch die Schwindler werden bedauerlicher­weise auch die ehrlichen und soliden Vermittlungsinstitute mit disftedidiert.

Augsburg, 25. Aug. Wegen Mißbrauchs der Dienst­gewalt wurde der Dataillonskommandeur int 15. Infanterie­regiment, Major Max Huber, vom Kriegsgericht der zweiten Division zu 14 Tagen Stubenarrest verurteilt. Die bei voller Öffentlichkeit vor sich gehende Verhandlung ergab, daß der Angeklagte den ihm al5 Ordonnanz zugeteilten Soldaten Münzhuber zweimal ins Gefickt geschlagen hatte. Außerdem habe er ihn in zahlreichen Fällen durch gewisse militärische Kraftausdrücke beleidigt.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Kohlengewinnung Deutschlands. Nach dem Rück­gang der Steinkohlenförderung Deutschlands im Juni zeigt jetzt die Juli-Statistik wieder beträchtliche Zunahme. Gefördert wur­den: an Kohlen 10,73 Mill. Tonnen gegen 9,34 Mill- T. int Juni und 9,98 Mill. T. int Juli 1904; an Koks 1,42 Mill. T. gegen 1,36 Mill. T. bezw. 1,03 Mill. T., an Braunkohlen 3,77 Mill. T. gegen 3,64 Mill. T. bezw. 3,78 Mill. T.

Roheisenerzeugung in Deutsch! andund Luxemburg. Nack den Cmittelungen des Vereins Deut­scher Eisen- und Stahl-Industrieller betrug in Deutschland und Luxemburg die Roheisenerzeugung (bie Zahlen für 1904 sind in Klammern beigefügt) im Juli 1905 insgesamt 942 905 T. (847 327), wovon 172 007 (143 577) auf Gießereiroh­eisen, 38 256 (34 916) auf Bessemerroheisen, 598 342 (542 284) auf Thomasroheisen, 65 057 (58 956) auf Stahl- und Spiegel­eisen und 69 243 (67 594) auf Puddelroheisen entfielen. Gegen den Vomonat hat eine Vemehrung der Erzeugung um rund 24 000 T. stattgefunden, die sich auf alle Eisensorten außer Puddelroheisen verteilt, besonders stark i st die Zunahme der Erzeugung von Stahl- und Spiegeleisen (plus 12000 T.). Die Gesamterzeugung der ersten 7 Monate hat nunmehr die sechste Million überschritten (6 041493 T.) und damtt die vorjährige Erzeugung des gleichen Zeittaumes um fast 200 000 Tonnen überholl.

Märkte.

Grünberg, 24. Aug. Gleich seinen Vorgängern im lausenden Jahre stand auch der heutige Ludwigsmarkt unter dein Zeichen hoher Preise bei äußerst stottern Geschäftsgänge. Bereits gegen 10 Uhr war der Auftrieb, bestehend in 842 Schweinen unö 77 Stück Rindvieh, an den Mann gebracht. Bei Schweinen wurden bezahlt 356080 Mk. und über 100 Mk. pro Paar. (Int Vorjahre waren die Preise aus dem gleichen Markt 2545 -60 Mk., ältere 60-100 Mk.

Der Rheinisch Westfälische Effektenmarkt.

Mülheim a. d. Ruhr, 25. August 1905.

Ter Kohlenkuxenmarkt lag gegen gestern wenig ver­ändert. Umgesetzt wurden zu etwas gebesserten Pretsen Augusta Victoria, Herkules und Schürbank & Charlottenburg, letztere wurden in größeren Posten aus dem Markte genommen. Im Uebrigen sind feine Veränderungen zu verzeichnen. Das Geschäft am Kalikuxen markte war heute wieder außerordentlich ruhig. Von kleinen Werten bestand nur Nachfrage für Deutschland Justenberg und Hansa Silberberg zu gebefferten Preisen. Mittel­werte waren wenig verändert. Von schweren Werten bestand Nachfrage für Alexandershall, Kaiseroda, Wintershall und Beien­rode. Sonstiges kaum verändert. Von Erzkuxen sind Henriette, Viktoria b. Littfeld, Altenborg, Eisfelder Kupfer L Fernie zu gestrigen Preisen gefragt. Die übrigen Werte sind kaum verändert.

Saatenstand in Deutschland.

Berlin, 25. Aug. Saatenstand in Deutschland um die Mitte des August, wobei eins sehr gut, zwei gut, drei mittel, vier gering, fünf sehrgering bedeutet: Winter­weizen 2,5, Sommerweizen 2,6, Winterspelz fehlt, Winter- roggcn 2,7, Sommerroggen 2,6, Sommergerste 2,7, Hafer 2,9, Kartoffeln 2,3, Klee 2,7, Luzerne 2,7, Bewässerungs­wiesen 2,3, andere Wiesen 2,6. In den Bemerkungen des Reichsanzeigers heißt es hierzu: Von der Mitte des Juli bis zur Augustmitte herrschte im größten Teile des Reiches fruchtbares warmes Wetter mit zahlreichen kurzen, aber starken Niederschlägen. In fast ganz Süd­deutsch land und in einem Teile Westdeutschlands dauerte aber die schon im Vormonat beklagte Hi tze und Trocken - h e i t bis in August Hinern fort. Vielerorts verursachte Hagelschlag bedeutenden Schaden an den noch im Felde stehenden Früchten. Von Schädlingen werden besonders Feldmäuse genannt. Die Erntearbeiten des Wintergetreides wurden durch Niederschläge erschwert, öfters mußte Getreide nicht ganz trocken cingefahren werden. Roggen ist teil­weise stark gelagert oder ausgewachsen, Weizen stellenweise vom Rost befallen. In trockenen Gegenden wirkte die Frühreife schädigend auf die Ausbildung der Körner. Die