Ausgabe 
26.1.1905 Zweites Blatt
 
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VVCn^cr abhacken ließen, als haß sie einem Antisemiten, Bündln- e7er Konservativen ihre Stimme gaben. Schon uns persönlich sind eine gaiize Reihe solclxr bekannt, und znurr aus so ziemlich allen Fakultäten: Juristen und Philologen, und namentlich auch Thco- lognr, die vielfach ilbemrfcbcnb sreimütia-soziale Auffassungen zeigen. Zn ben Führen: der ActivitaS gehören freilich alle diese Männer nicht, imb daher kommt es wohl anch, daß die offiziellen Veranstaltungen der Vereine Deutscher Studenten, zumal die des Berliner, zumeist einen so wenig erfreulichen Ebarasicr tragen Daher kommt es weiter, daß, obschon alte V. D. Gst.er langst in Hülle und Fülle sowohl bei den Parteien der Linke::, w:e unter ben unpolitisch gewordenen kühlen Skeptikern sitzen, wir auf diese:: Kommersen seit bald dreißig Jahren immer wieder dieselben, war für einen sehr einseitigen Geschmack erträglichen Reber: hören. , _

Aber man soll sie und ihre Wirkung anch nicht uoericnatzen. Wie viele von den jungen Mensche::, die am Donnerstag nach dem 10. bis 15. Schoppen anerkannt schlechten Dünnbieres den Herren b. Liebermann und CVrirf Neventlow und Diedersch Hahn, dem Kilometerredner, zuiubelten, werden wohl in zehn ins Zwanzig Jahrennoch einen Bündler oder einen Antisemiten wählen mögen. Also, wie gesagt, man soll nickst allzu nervös se:u und derlei Rede-Orgien nicht überschätzen.

deutsches Neickr.

Berlin, 25. Jan. Wegen Erkrank ung des Prinzen Litel Friedrich von Preußen an Lungenentzün-- düng sagte der Kaiser jede Feier seineö O^e- burtsfestes am 27. Januar ab und ließ alle hohen Gaste telegraphisch ersuchen, ihre freundlichst beabsichtigte Herreise crufzugeben. Es fallen svwohl die Tafel im Kgl. Schlosse am 26. Januar abends, wie der Gottesdienst in der Schloß kapelle, die Tafel und die Galaoper am 27. Januar aus. Heute abend wurde folgender ärztlicher Bericht aus- gegeben: Bisher ist der Unterlappen der linken Lunge be­fallen. Die heutige Temperatur ist 39,5 bis 39,7, Puls- freguenz 120 bis 128, Nahrungsaufnahme mangelhaft, sub­jektives Befinden befriedigend.

Ueber eine Kundgebung des Kaisers Wil­helm für einen Lehrer seiner Mutter wird aus' London berichtet: Der deutsche Botschafter Gras Wolff- Metternich hat an Tr. Eorbould, den Sohn des ver­storbenen Malers Eorbould, welcher der Lehrer der Kaiserin Friedrich war, ein Schreiben gerichtet, in welchem er ihn davon in Kenntnis setzte, daß der Deutsche Kaiser ihn be­antragt habe, auf seines Vaters Grab einen Kranz mit folgender Inschrift niederzulegen:

,,Dem Gedächtnis Edward Henry Eorbonlds, des Lehrers imd Freundes meiner Mutter, welche immer in Ausdrücken lwchster Bewunderung von ihm sprach. Einige seiner Werke waren mir in früheren Tagen vertraut und schmücken noch mein Heim. Wilhelm."

Der bevorstehende Besuch des Fürsten Ferdi­nand von Bulgarien in Berlin wird in Zusammen­hang gebracht einerseits mit dem Abschluß eines deu t sch­on lgarischen Handelsvertrages und anderer­seits mit einem Heirats-Projekt. Wie es heißt, be­steht der Plan, den seit dem 10. Januar 1899 verwitweten bulgarischen Herrscher mit einer deutschen Prinzessin wieder zu vermählen.

Der Dank des Großherzogs von Sachsen- Weimar für die zahlreichen Beileidsbezeugungen anläßlich des Todes seiner Gemahlin findet seinen Dusdruch in einem Tankerlaß des Fürsten. Es heißt in dem Er­laß u. a.:

D a s Liebste, was ich auf Erden besaß, hat der unerbittliche Tob mir jählings entrissen. In der Blüte der Jahre ist mir die Gefährtin, die das Glück meines Lebens war, genommen worden, die, mit den reichsten Gaben des Geistes und des Herzens ausgestattet, bestimmt zu sein schien, eine ihrer unvergeßlick-en Vorgängerinnen würdige Landesmutter zu werden. Unsäglich groß ist der Schmerz, in den ihr Hinscheiden mich versenkt hat. Möge im Lande zugleich 'mein erneutes Gelöbnis kund werden, daß ich für alle Zukunft meine schönste Aufgabe darin erblicken toerbe, mich dem Wohle meiner Untertanen mit der hingehenden Liebe zu widmen, die den Ueberlieferungen meines Hauses und nicht mürber der Sinnesart meiner in Gott ruhenden Gemahlin ent­spricht."

Wie aus Weimar gemeldet wird, ist der Großherzog am Dienstag von Weimar nach der Wartburg abgereist, wo er längere Zeit in vollständiger Zurückgezogenheit ver­bringen wird.

2 9 03 O r d e u sind auf dem diesjährigen Ordensseste in Berlin vom Kaiser verliehen worden, und zwar der Rote Adlerorden in seinen verschiedenen Abstufungen 1101- mal, darunter der Rote Adlerorden 4. Klasse allein 918mal, der Kronenorden in seinen Abstufungen 700mal, darunter der Kronenorden 3. Klasse 303mal, und der 4. Klasse 217- mal, der Kgl. Hausorden von HohenzoAern 39mal, das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens 120mal und das All­gemeine Ehrenzeichen 943mal. Im ganzen sind diesmal 45 Orden mehr verliehen worden als berm Ordensfest im Jahre 1904.

Potsdam, 25. Jan. Ter Kaiser traf heute aus dem hiesigen Bahnhofe ein und begab sich nach dem Exerzier- Hause, wo er der Besichtigung der Rekruten der Leibkom­pagnie, der 2., 5. und 9. Kompagnie des ersten Garde-Regi­ments zu Fuß, beiwohnte. Rach Schluß der Besichtigung wurden auch die anderen Kompagnien herangezogen und es fand ein Parademarsch des ganzen Regiments statt. Gegen 11 Uhr begab sich der Kaiser zu Fuß nach dem Reg:mentshause und nahm fwrt cm dem Frühstück des Oflizterkorps teil. Rach dem Frühstücke kehrte der Kaiser nach^Berlin zurück.

,. D etmold, 25. Jan. Heute mittag fand im Schlosse die feierliche Eröffnung des Landtages statt. Der Regent verlas dabei nachstehende Thronrede:

,,Meine hochgeehrten Herren? Tie Einb-rufung des Land- tages rrn gegenwärtigen Zeitpunkte ist ein außerordentlicher Akt, beomgt durch das Ihnen schon bekannte schmerzliche Ereignis^ das dem ~anbe nicht mir seinen Fürsten, sondern in dem erlauchten n« Men männlichen Sproß der alten Linie des altehrwurd-igen Geiamtbanses der Grafen und edlen Herren zur ?^wer lastete das verfloss-me Jahr auf meinem UNt ernster Trauer b-ginnt das mite Jahr le?"en Kreislauf Umsomehr ist es ein Mahnruf und Weckruf t^alle, welche durch ihre Stellung und durch ihr Amt auserkoren WJx' 0)e Landes zu lenken und Zu leiten, daß sie

S"' ^irsorg- für ba§ Wohl drs Lmd's, für dre äußere ohlfahrt und den inneren Frieden des Landes genügen. Daran erinnere ich Sie in bi-'fe* Stunde wo wir zum erstenmale in gesetzlicher, feierlicher Weise b-n Landtag des Fürstentums hier begriißen: erneuern wir das Gelöbnis alle uns übertragenen Rechte, alle uns übertragenen Pflie^en auszuüben und zu vollzsthm in versassmgsmaßig^ Waging d?r Mrefsm innert Landes als Einzelstaat wie als Mitglied d^s araüen Deutschen Reiches. Wir leben der großen und gewissen Zuversicht daß Sie, hochgeehrte Herren, unsere hierauf gerichteten Bestrebungen im selben Sinne und> mit gleichem Eifer wärmstens unterstützen Für b:eie außerorbmtliche Sitzungsperiode werden Ihnen nur zwei Vorlagen unterbreitet, ihrem Wesen nach miteinander verwandt in ihrer Bedeutung bestimmt, für Gegenwart und Zukunft die Grundst'ine von Recht und Sicherheit in d?m Verfassungsleben zu biloen, die geordnete Entwickelung aller Verhältnisse herbei- zufübceii und namentlich für die notwendige Ruhe und Eintracht der Bevölkerung im Lande zu sorgen. Und so mögen <5ie denn

hochgeehrte Herren, in die Beratungen ein treten mit Ernst nnd frohem Mute, und aus Ihren Verhandlungen erwachse dauernder Segen für unser geliebtes Land?"

Kiel, 25. Jan. Prinz und Prinzessin Hein­rich von Preußen begaben sich heute uachmittag uach Berlin.

Schwerin, 25. Jan. Prinz Heinrich, der Gemahl der Königin Wilhelmine von Holland, erlitt, hier dnrch einen Sturz beim Schlittschuhlaufen eine Ver letzung des Hinterkopfes und mußte das Bett auf3 suchen.

Stuttgart, 25. Jau. Tie Kammer hat den Ent­wurf betr. die Gehaltsaufbesserung der Volks- schullehrer an eine Kommission verwiegen, aber gleich- zeiitg ausgesprochen, daß die Uebernahme der den Ge­meinden Angewiesenen Kosten der Ausbesserung für die un­ständigen Lehrer dnrch den Staat augezeigt sei. Zur Ge­ll alt saufbesser ung der Geistlichen verlangt der Etat des Kultusdepartements insgesamt jährlich 4.'0 000' Mark Davon fallen 300 000 M. auf die evangelischen und 150 000 Mk. ans die katholischen Geistlichen. Auf evan­gelischer Seite sollen die vierjährigen VorrückungsfristenE auf dreijährige herabgesetzt werden. Ferner soll zu deu Tienstzulagen der Dekane und Pfarrer eine weitere Gehalts­stufe vou 300 Mk. hinzutreten. Aus katholischer Seite werdeu ebenfalls die Vorrücku.ngssristen atigefüllt und außerdem soll für die Pfarrer eine iv-citcrc G^hal's'ufe von 300 Mk., für die Kaplane ein' Web-' KonXlß Mk rin^^^'nt werden.

Ausland.

Paris, 25. Jan. Tie Mitglieder des neuen Kabi­netts haben gestern den Wortlaut der ministeriellen Er- tlärnng veröffentlicht, welche am Frei'ag vor dem Par­lament verlesen werden wird. Tie Minister haben ver­zichtet, die im Programm E ombes ausgesührten Reformen durch zu setzen, namentlich die Einkommen­steuer, die zweijährige T i e n st z e i t, Arbeiter-Alters ' kasseu und die Trennung von Kirche und Staat. Betreffs der Angebereien wird in der Erklärung die Absicht der Regierung ausgedrückt, sich nicht durch den nationa­listischen Erpressungs-Feldzug gegen Zivil und Militär be­einflussen zu lassen. Ter Kriegs Minister hat beschlossen den in der Angeberei verwickelten General Peigne seines- Kommandos zu entheben.______________________________

«Alt6 pNilU lind £rt»ö.

Gießen, den 26. Januar 1905.

" Prof Dr. Moritz. Untern: 21. Januar ist bev o. Professor Dr. meb. Friedrich Moritz in Greifswald zum ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Uni­versität Gießen, insbesondere für das Fach der inneren Medizin und Direktor der medizinischen Klinik mit Wirkung vom 1. April 1905 ernannt worden. Er tritt an Stell e des verstorbenen Geheimrats Riegel. Moritz wirkt seit 15 Jahren als akademischer Lehrer. Ans Mainz ge­bürtig (1861), studierte Moritz zunächst ein Semester Jura iu Bonn und ging hierauf, seiner ursprünglichen Neigung r'olgenb, zum Studium der Nledizin über, welchem er auf den Universitäten Würzburg, Berlin und München oblag. An der letztgenannten Hochschule erlangte er an: 28. Juli 1885 auf Grund der Dissertation: ^Beiträge zur Lehre von den Exsudaten und Transsudaten^ die Doktorwürde. 1886 wurde er approbiert. Drei Jahre später ernannte ihn Ziemßeu zu seinem Assistenten an der Niunchener medizinischen Klinik. Am 26. März 1890 wurde er in der Münchener medizinischen Fakultät als Privatdozent aiifgenommen. Seine Habilitations­schrift:lieber die kupferoxydrebu,zierenden Substanzen des Harns unter physiologischen und pathologischen Verhältnissen, mit spezieller Berücksichtigung des Nachiverses und der Be­stimmung geringer Mengen von Traubenzucker, sowie der Frage seines Vorhandenseins im normalen Harn" wurde von der Fakultät so glänzend ancifannt, daß er im Juni 1892, also schon nach zweijährlgein Wirken als Privatdozent, zuni außerordentlichen Professor ernannt und ihm die Leitung der medizinischen Poliklinik übertragen wurde. Gleichzeitig wurde ihm die Verpflichtung, regelmäßige Vorlesiingen über die Geschichte der Medizin abzuhalten, auferlegt. 9ltn 10. April 1902 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor der speziellen Pathologie und Therapie und Direktor der medizinischen Klinik in Greifswald als Nachfolger von Pro- r'effor Dr. Ludolf Krehl, der an Stelle v. Liebenneister's nach Tübingen übersiedelte. Seine Arbeiten bewegen sich haupt­sächlich auf dem Gebiete der Harnchemie, des Stoffwechsels, der Magenphysiologie und der Nöntgenuntersnchnng. Die meisten Publikationen erschienen in dem von ihm redigierten deutschen Archiv für klinische Medizin". Hervorgehoben sei sein WerkGrundzüge der Krankenernährung" (1898).

** Aus dem Bureau des S t a d t t h e a t e r §. Die Proben zuAnna von Hessen", mitFrl. Rottrnann als Gast in der Titelrolle, sind in vollem Gange. Das Stuck hat vor Kurzem an: Hoftheater in Kassel mit glänzendem Erfolge seine Uraufführung erlebt nnd eine größere Reihe von Aufführungen hindiirch große Anziehungskraft erwiesen. Für die Aufführung an ter hiesigen Bühne hat die Direktion besondere Lluswendungen an Kostuulen nnd Dekorationen ge­macht und die sorgfältige Vorbereitung in zahlreichen Proben läßt mit Sicherheit eine abgerundete Darstellung des wirkungs- reichen, auch litterarisch wertvollen Stückes erwarten. Za bl- reiche Anmeldungen zur Premiöre, auch von auswärts, liegen bereits vor.

** Briefformat. Die ordnungsmäßige Bearbeituna und pünktliche Besoraung der Briefe wird der Post durch die übergroße Verschiedenheit der Vrii fforniate, durch die llu- gleichwäßigkeit itn Auskleben der Freimarken und durch die oft geringe Uebersicktlichkeit der Aufschrift in lästiger Weise erschwert. Im cinenen Interesse benutze man daher nur recht­eckige Briefumschläge mittlerer Größe die geeignetste Form ist 15 Ztm. lang und 12 Ztm. breit klebe die Marke iu die rechte obere Ecke, schreibe unten rechts deutlich den Bestimmungsort nieder und unterstreiche ibn. Wer seine Briefumschläge mit einen: Vordruck für die Adresse versehen läßt, der lasse auch gleich ein Feld für die Marke und einen Harfen Strich für die Angabe der Besliliiiniingspostanstalt unten rechts mit vordrucken.

r. G ambach, 25. Jan. Am Samstag hielt der hiesige Turnverein seine ordentliche Generalverfamnilulig ab. Zu Vorstandsmitgliedern wurden gewählt: Joh. Buß 1. Vorf., Otto Melcher 2. Vorf., H. .Heß 1. Schriftw., H. Ringel 2. Schriftw., Reinh. Klein 1. Tnrnw., Jakob Biiß 2. Turnw., Hch. Karl Metzaer, Kaffew., Karl Zöller,

Zengw., Wilh. Melcher nnd Konr. Stahl Beisitzer. Die Mitgliederzahl des Vereins beträgt 149 gegen 115 im Vor­jahr. Der Verein wird demnächst bemGan Hessen" bei- treten. Es wurde eine Gesangsriege gegründet, die eine an­sehnliche Mitgliederzahl zu verzeichnen hat.

HZ Groß-Felda, 25. Jan. Die hiesige Apotheke wurde von ihrem Besitzer Gerber an Herrn Trumpheller nu5 Friedberg für 65 000 Mk. verkauft. Der jetzige Be­sitzer hatte sie vor acht Jahren für 60 000 Mk. erstanden.

Worms, 22. Jan. Die 3. Generalversammlung beS katholischen Stnbienvereins für Hessen (Lllbertiis Magnus-Verein) fand heilte hier vor vielen Hiinberten ans Worms imb Umqcqcnb stritt. Der Rechenschqflsbericht des Herrn Professor Scholl and Mqinz ergab das böchsterfreiiliche Resiiltat, baß etwa 1200 Mitglieder im verflossenen Jahre 5000 Mk. für 19 Studenten mit durchschnittlich 300 Mk. llnterstützilng spendeten. Donikapitiilar Prof. Dr. Selbst hielt einen Vortrag über das vielumstrittene Theina: Wisfenschafi und Offenbarung.

S) 11 41 c - u s Hessen u n d den

Nachbarstaaten. In Albach hielt der Gesanaverein Eintracht" am vergangenen Sonntag dem 24. d. Mts. im Saale des Gastwirts Lauer eine Abenbunterhaltung mit darauffolqcnbem Ball ab. Zahlreiche Besucher aus ben Nachbarorten Steinbach und Annerob hatten sich einqefitnben. In Ober-Ohmen erhängte sich am Dienstag ein 40jähriger lediger Mann. Der Beweggrund zur Tat ist nnbefnnnt.

Derwijcbtei.

Schneest ü r rn e und Ve rkehrsstöril ngen in Amerik a. Aus Neivyork wird vorn 25. b. M. gemelbet: Ein Schneesturm brachte einen gewaltigen Temperaturfall, so > Schneeschaufler bie Arbeit verließen. Der Fahroerkehr ist größtenteils eingestellt. Der Schnee liegt stellenweise 15 Fuß hoch. Die Vorstäbte sind vollstänbig abqeschnitten. Es ist sogar unmöglich, von ber Geschastsqeqenb raxh ber oberen Stabt zu kommen, außer brrrch bie Tunnelbahn. Manche Bahnzuge sinb im Schnee stecken geblieben. In ben östlichen Staaten Herrscht kaltes Wetter mit blizzarbartigen ScHneestürinen, bie ben Verkehr Hinbern. An ber atlantischen Küste von Jacksonville bis Eastport, ferner in New-Orleans nnb Galveston wurden Sturmzeichen ausgestellt. Mehrere Dampfer von Europa sind hier überfällig. Man nimmt an, daß sie bei Sandy Hoof warten, bis der die Einfahrt er­schwerende Sturm vorüber ist. Der Sturm wehte die Mauer der Kivsbay - Brauerei nm, wo ein Brand entstanden war. Die Mauer begriib zwölf Feuerwehrleute unter ihren Trümmern.

Kleine Tageschronik. Vier junge Leute, Hanbwerfs- gesellen aus Basedow, brachen auf bem Malchiner See beim Eisläufen aus bem Wege nach ber Zuckerfabrif Dahrnen burch die dünne Eisdecke. Alle vier ertranken, da sie einander an- .iciant hciHcu._________________________________________________________________

5tnnft unb !e nfrfiaft.

Berlin, 24. Janiiar. Vrofessar Rudolf Siernerinq, einer der bedeutendsten deutschen Bild bauer ist gestern im Alter von 70 Jahren nn ben Folgen einer Limgen-Entzünbunq nach längerem Krankenlager gestorben. Siernering, ein geborener Oft- vreuße, war der Schöpfer des Nalionalbenkmals in Leipzig.

Ein Plagiat Leoncav al los? Tin:Bcrl. Lokal- Anz." bescherte kürzlich feinen Abonnenten eineTräumerei" von R. Leon'-avallo. Wie nun Tr. Friedrich Sviro (Rom^ nach- roeist, soll dieses Stück von Anfang bis zu Ende ein Plagiat r*Kor, wie Spiro b^banvtet, eineKarikatur" des wunderschönen Melodramas aus BizetsArlesienne" (Rr. 19, Mittelsatz) sein, das als Ad?-:ietto für gedampfte Streichinstrumente in die erste Suite aus Stücken jener Tbeatermusik Eingang gefunden hat. Sviro glaubt an zwei Möglichkeiten: Entweder habe Lconcavallo als er seineTräumerei" schrieb, von Bizet geträumt, oder er habe sicks bequem gemacht und das delikate Original in etwas klov.jge ^ornten umgegossen. Daß er es nicht gekannt habe, sei unmöglich.

P'Nvi-isiiäts-Naäirichten.

Regierungsrat Prof. Tr. Phil. Johann Justus Rein in Bonn feiert am 27. Januar seinen 70. Geburtstag. Der aus- aetc-iebnete G-ogiaph wirkt s"it 29 Jahren als akademischer Lehrer. Gebaren 1835 z-u Rauhenheim a. M. im Großh. Hessen als Sohn eines Landwrits, absolvierte Rein die Realschule zu Gießen, studierte von 1854 an unserer Landesuniversität Mathe­matik und Raturwissenschaften und promovierte 1861 in Rostock zum Dr. Phil. Von 185668 war er Lehrer ber Mathematik und Naturwissenschaften am Sck>eib-Geissowschen Institut zu Frank­furt a. M., folgte dann einem Ruse an die Ritter- und Domschule zu Reval in Esthland, bestand 1859 an ber Universität Dorpat das Examen Pro fakiiltate bocendi. Von Sommer 1861 lüs Herbst 1863 lebte er im Hause des Generals Sir Herrp Ord, des da­maligen Gouverneurs der Bermuda-Inseln, um dessen Sohn auf das Examen brr Royal Engineers vorzubereiten. Nach einer kurzen Reise durch Nordamerika kehrte Nein nach Frankfurt a M. zurück, wurde Lehrer an bej höheren Oiewerbeschule für Chemie, Mathematik unb Englisch, dann 1867 Oberlehrer der Natur­wissenschaften au der Musterschule unb zweimal Direktor der Lancken bergischen Naturforschenden Gesellschaft zu Frankfurt a. M. 1874 unb 1875 befand sich Rein im Auftrage der preußischen Regierung m Japan, vornehmlich um das Kunstgewerbe zu stu­dieren und darüber zu berichten. Nach seiner Rückkehr wurde er ordentlicher Professor an der Universität Marburg (1876 bis 1883 , bann kam er in gleicher Eigenschaft nach Bonn, wo er bis jetzt tätig ist.___

Kirchliche 2» nchrrch 1 en.

Evangelische Gemeinde.

Sh der Stadtkirche.

... orettnq, ben 27. Januar, vormittaq-s 10 Uhr: Vereinigter 2'v:l- !'nd Militargottesbienst zur Feier des Geburtstages &v. ..lajeftat des Kaisers.________ Pfarrer S ch iv a b e.

Israelitische NeligionHgemeinde.

AoH' sbirit 1 in brr Ävnogog? ( hüdanCnge).

m r. ^9P,^ag, den 28. Januar 1905.

Vorabend o Uhr.

Alorqens 9.00 Uhr.

Nachmittags 3.30 Uhr.

~ ( Schristerklärnng.

Sabbatbansgang 6.00 Uhr.

Israelitische »ieliaionsgesellschast.

lotter,bienfl.

Sabbathfeier am 28. Januar 1905.

ivrcitaq abend: 4 45 Uhr.

Samstag vormittag: 8.30 Uhr.

eametag nachmittag: 3.30 Uhr.

Sabbathansqang 6.00 Uhr.

Wochengottesbienst: morgens 7.00, abenbs 4.30. ________

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